Gesprächsthema Wetter
WO WIR auch wohnen, wer wir auch sind, das Wetter berührt unser Leben. Verspricht ein Tag, heiß und sonnig zu werden, zieht man sich leicht an. Ist es kalt, greift man zu Hut und Mantel. Regnet es, dann schnappt man sich einen Schirm.
Einmal freut man sich über das Wetter, ein andermal ist man enttäuscht. Manchmal hinterläßt das Wetter eine Spur des Todes durch Hurrikans, Tornados, Dürren, Blizzards oder Monsune. Ob man es schön findet oder schrecklich, darüber schimpft oder mit den Achseln zuckt, das Wetter ist immer da und beeinflußt unser Leben vom Tag unserer Geburt bis zum Tag unseres Todes.
Jemand hat einmal gewitzelt: „Jeder redet übers Wetter, aber keiner unternimmt etwas.“ Es hat tatsächlich schon immer so ausgesehen, als stünde das Wetter außerhalb des menschlichen Einflußbereichs. Viele Wissenschaftler rücken von dieser Auffassung allerdings mehr und mehr ab. Wie sie sagen, führt der Ausstoß von Kohlendioxyd und anderen Gasen in die Erdatmosphäre zu einer Veränderung des langfristigen Wettergeschehens — des Klimas.
Wie sieht dieser künftige Wandel nach Ansicht von Experten aus? Die wahrscheinlich maßgebendste Antwort auf diese Frage kommt vom Zwischenstaatlichen Ausschuß über Klimaänderungen (IPCC), der die Untersuchungen von mehr als 2 500 Klimatologen, Wirtschaftswissenschaftlern und Spezialisten für Risikoanalyse aus 80 Ländern verwertete. In seinem Bericht von 1995 ist der IPCC zu dem Schluß gekommen, daß sich das Klima der Erde erwärmt. Wenn es so weitergehe wie bisher, sei in den nächsten hundert Jahren ein Temperaturanstieg von bis zu 3,5 Grad Celsius möglich.
Ein paar Grad mehr erscheinen einem vielleicht nicht gerade alarmierend, doch eine geringfügige Temperaturänderung im Weltklima kann verheerende Folgen haben. Es folgt ein Überblick über das, was viele für das kommende Jahrhundert voraussehen.
Regionale Wetterextreme. In manchen Gegenden könnten Dürreperioden länger andauern, in anderen die Niederschläge zunehmen. Stürme und Überschwemmungen werden womöglich schlimmere Ausmaße annehmen und Hurrikans größeren Schaden anrichten. Zwar kommen heute schon Millionen durch Überschwemmungen und Hungerkatastrophen um, doch eine globale Erwärmung könnte den Tribut an Menschenleben noch stark in die Höhe treiben.
Erhöhtes Gesundheitsrisiko. Es ist denkbar, daß hitzebedingte Krankheiten und Todesfälle zunehmen. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge könnte sich durch eine globale Erwärmung das Verbreitungsgebiet der Insekten vergrößern, die Tropenkrankheiten wie Malaria und Denguefieber übertragen. Ferner wäre es möglich, daß durch regionale Veränderungen der Niederschlagsmenge das Süßwasservorkommen abnimmt und bestimmte durch Wasser und Nahrung übertragbare Krankheiten und Parasiten zunehmen.
Bedrohung natürlicher Lebensräume. Wälder und Feuchtgebiete, die Luft und Wasser filtern, könnten durch höhere Temperaturen oder Veränderungen der Niederschlagsmenge gefährdet sein. Waldbrände werden unter Umständen heftiger sein und auch häufiger auftreten.
Anstieg des Meeresspiegels. Bewohner von tiefgelegenen Küstenregionen müßten umziehen, es sei denn, man würde kostspielige Projekte in Angriff nehmen, um das Meer zurückzuhalten. Manche Inseln würden ganz und gar untergehen.
Sind derartige Befürchtungen gerechtfertigt? Erwärmt sich das Klima der Erde? Wenn ja, ist der Mensch schuld daran? Da so viel auf dem Spiel steht, ist es nicht verwunderlich, daß Experten über diese Fragen hitzige Debatten führen. Die beiden folgenden Artikel untersuchen einige Faktoren der Problematik und gehen der Frage nach, ob wir uns über die Zukunft unseres Planeten Sorgen machen müssen.