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Erwachet! 1971
g71 22. 9. S. 23-24

Die piñata und ihre Verwendung

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Mexiko

„SCHLAG zu, noch mal, noch mal! Mehr nach rechts! Tiefer! Jetzt etwas höher!“

Was ist los? Warum schreien die Kinder und Erwachsenen soviel? Weshalb die Aufregung?

Während wir uns den Leuten nähern, sehen wir, wie zwei Männer von zwei Nachbardächern aus eine Schnur halten, an der ein Gegenstand hängt, der wie ein dreizackiger Stern aussieht. „Was ist das?“ fragen wir.

„Das ist eine piñata“, rufen die Kinder.

Mehrere Kinder mit verbundenen Augen haben einander abgelöst, um zu versuchen, die piñata mit einem Stock zu zerschlagen. Aber die Männer haben es verhindert, indem sie an der Schnur gezogen und so die piñata fortbewegt haben. Schließlich gibt ein Junge mit verbundenen Augen der piñata einen heftigen Schlag. Sie zerbricht, und ihr Inhalt fällt zu Boden. Es sind allerlei Früchte, Zuckerrohrstücke, Apfelsinen, Erdnüsse, tejocotes (eine schlehenartige Frucht) usw.

Die Kinder kriechen auf dem Boden umher, und alle versuchen, soviel wie möglich aufzulesen. Nach einigen Minuten ist auf dem Boden nichts mehr übrig als einige Tonscherben und Kreppapierfetzen. Die kegelförmigen Spitzen, die der piñata das Aussehen eines dreizackigen Sterns gegeben haben, werden von den Kindern als Trophäen mitgenommen.

Unsere Neugier ist geweckt. Wir möchten mehr über die piñata wissen. Woher stammt sie? Warum wird sie in Mexiko und in anderen lateinamerikanischen Ländern verwendet? Hat ihr Zerschlagen irgendeine besondere Bedeutung?

Religiöse Zusammenhänge

Der Ursprung der piñatas ist nicht genau bekannt. Man glaubt aber, der berühmte venezianische Reisende Marco Polo hätte sie aus dem Orient in seine italienische Heimatstadt mitgebracht. Später wurde ihre Verwendung in Spanien zu einem Bestandteil religiöser Feiern. Nachdem die Spanier die westliche Hemisphäre erobert hatten, wurden sie in Mexiko eingeführt. Zur Herstellung von piñatas verwendet man ein Tongefäß, Kreppapier, etwas Klebstoff und Pappe, um die Figur zu formen.

Katholische Lehrer verwandten piñatas, wenn sie den indianischen Eingeborenen Religionsunterricht erteilten. Man gebrauchte sie zum Beispiel in Verbindung mit den Fasttagen vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag. Selbst heute werden sie an einigen Orten verwendet. Am Tag vor Ostern wird eine piñata, die die Gestalt des Judas Iskariot hat, zerschlagen, und es fallen Süßigkeiten heraus, die die Kinder eilig aufsammeln.

Piñatas wurden schließlich auch in Verbindung mit dem Weihnachtsfest verwendet. Ein neuzeitlicher Schriftsteller erwähnt folgendes: „Die Indianer hatten bei der Durchführung von Ritualien sehr gern Theateraufführungen. Die Mönche begannen, in Verbindung mit der Feier der Geburt Jesu Christi Theateraufführungen zu veranstalten.“ Das Zerschlagen der piñata wurde dann der letzte Teil einer solchen Theateraufführung.

Um das Jahr 1587 u. Z. wurde ein Augustinermönch namens Diego de Doria vom Papst ermächtigt, an neun Tagen vor Weihnachten die Messe zu halten. Den Eingeborenen wurde die Überlieferung gelehrt, Joseph und Maria hätten vor Jesu Geburt neun Tage lang nach einer Unterkunft gesucht. In der Bibel steht dies jedoch nicht. Es ist lediglich eine menschliche Überlieferung.

Um diese Überlieferung zu lehren, wurde die als Posada bezeichnete Feier eingeführt. Dies war eine Darstellung der angeblich neuntägigen Herbergssuche Marias und Josephs. Man suchte einen jungen Mann und eine junge Frau aus, die Joseph und Maria darstellen sollten. Es wurde Brauch, eine Gruppe zu bilden, die sang und betete, während sie herumgingen, als ob sie nach einer Unterkunft suchten. Zu dieser Theateraufführung versammelten sich die Leute in der Kirche.

Später fand die Feier auch in den Wohnungen statt, in denen die Menschen ihre eigene Posada veranstalteten. Im Laufe der Zeit wurden Joseph und Maria nicht mehr von Menschen dargestellt, sondern durch Ton-, Gips- und Holzfiguren. Es wurde Brauch, daß zwei Kinder den Umzug anführten und dabei die Figuren von Joseph und Maria herumtrugen.

Mexikanische Familien freuen sich auf die Posada, die an jedem der neun Abende vor dem Weihnachtstag stattfindet. Kinder, die den Umzug anführen, gehen von Zimmer zu Zimmer; man gewährt ihnen keinen Einlaß, bis sie zu einem Zimmer kommen, in dem ein nacimiento oder Krippenspiel mit einem gut dekorierten Miniaturstall aufgebaut ist. Hier finden sie Einlaß und setzen die Figuren von Joseph und Maria in den Stall. Erst am letzten Abend der Posada wird eine Figur des Jesuskindes hineingelegt.

Mit dem Zerschlagen der piñata kommt die Feier zu ihrem Ende. Diese piñatas mögen viele verschiedene Formen haben: Schiffe, Clowns, Teufel, dreizackige Sterne, Hasen, Rettiche, Wassermelonen usw. Heute mag es so sein, daß der Gastgeber alle in seinen Hof einlädt. Dort wechseln sich Personen mit verbundenen Augen ab, indem sie versuchen, die piñata zu treffen, die an einer Schnur vom Vorbau oder vom Zweig eines Baumes herabhängen mag.

Katholische Lehrer haben der Verwendung der piñata bei dieser religiösen Feier große Bedeutung beigemessen. Sie haben gelehrt, die piñata stelle den Teufel oder einen bösen Geist dar. Daß demjenigen, der versucht, die piñata zu zerschlagen, die Augen verbunden sind, stellt dar, daß er einen blinden Glauben haben sollte, durch den der Teufel überwunden werden soll. Die Sachen, mit denen die piñata gefüllt wird, stellen die Versuchungen dar, denen der Mensch während seines Lebens ausgesetzt ist. Und das Zerschlagen der piñata bedeutet, daß er ewiges Leben erlangt hat.

Neuzeitliche Entwicklung

Heute zeichnet sich die Posada in Mexiko durch Unordnung, Trunkenheit und Verbrechen aus. Die Feiern dienen als Entschuldigung für ungezügeltes und unsittliches Leben. Häufig werden Menschen getötet, und andere werden ausgeraubt und verletzt. Während dieser Feiern hat die Polizei besonders viel zu tun.

Die Posada erinnert einen an die Saturnalien, die die alten Römer Mitte Dezember feierten. Tatsächlich heißt es in Enzyklopädien, daß dieses heidnische Fest als Vorbild für viele Festbräuche des Weihnachtsfestes diente, von denen die Posada und die Verwendung der piñata eng zusammengehören.

Heute machen sich jedoch viele Menschen kaum Gedanken über die religiösen Gesichtspunkte der Posada und des Zerschlagens der piñata. Einige Geschäftsleute wissen lediglich, daß der Verkauf von piñatas recht einträglich ist. Sie mögen bis zu sechzehn Dollar für das Stück verlangen, und während der Feiern der Posada steigen ihre Preise. Piñatas dienen heute auch weitgehend zur Unterhaltung bei Geselligkeiten, zum Beispiel bei Partys für Kinder und bei Geburtstagsfeiern.

Aber obwohl die Verwendung der piñata an einigen Orten recht beliebt ist, gibt es Menschen, die wegen der damit verbundenen falschen religiösen Bräuche ernste Zweifel haben.

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