Junge Leute fragen sich:
Wie kann ich anderen sympathischer werden?
ES IST ganz natürlich, daß man beliebt sein möchte; und man kann durchaus etwas tun, damit einen mehr Mitmenschen mögen. Doch vielleicht scheint es so, daß du auf andere abstoßend wirkst, egal wie sehr du dich auch anstrengst, daß du dir jedesmal selbst im Weg stehst, wenn du eine Unterhaltung beginnen möchtest, und daß du immer der letzte bist, der eingeladen wird, der letzte, den man mit einbezieht, und der letzte, den man auswählt. Wie könntest du daran etwas ändern und erreichen, daß andere dich mögen?
Kannst du dich selbst leiden?
Als erstes mußt du dir der Tatsache bewußt werden, daß niemand bei allen beliebt ist. Selbst Jesus Christus konnten einige nicht leiden — und er war vollkommen! (Jesaja 53:1-3). Einige werden dich also einfach nicht mögen. Schmerzlich, aber wahr. Diese etwas beunruhigende Tatsache ist jedoch noch schwerer zu akzeptieren, wenn du dich selbst nicht leiden kannst. Fehlt dir die Selbstachtung, so ist es für dich wahrscheinlich niederschmetternd, bei jemandem unbeliebt zu sein. Da du unsicher bist, magst du dich — wenn auch vergeblich — anstrengen, von allen anerkannt zu werden.
Wie der 15jährige Sean beobachtet hat, kann das genau das Gegenteil bewirken: „Wenn ich mir zuviel Gedanken darüber mache, ob ich anderen sympathisch bin, strenge ich mich so sehr an, daß sie ... [meine Unsicherheit] spüren und eher abgestoßen werden.“
Jesu Gebot ‘Liebe deinen Nächsten wie dich selbst’ läßt erkennen, daß ein gewisses Maß an Selbstachtung angebracht und notwendig ist (Matthäus 22:39). Sei dir daher deines Wertes als Person bewußt. Zweifellos hast du deine Schwächen, doch denke daran, daß auch du anderen viel geben kannst.a
Zeigt dir ab und zu jemand, mit dem du dich anfreunden möchtest, die kalte Schulter, wird dir ein gesundes Maß an Selbstachtung helfen, damit fertig zu werden. Es wird dich auch davor bewahren, dich zu sehr an eine Freundschaft zu klammern. Kelly beispielsweise fühlte sich persönlich bedroht, als sich ihre Freundin mit einem anderen Mädchen anfreundete. Eine Freundschaft muß aber nicht andere Freundschaften ausschließen — so als ob es auf der ganzen Welt nur einen Menschen gäbe, der dich leiden könnte. Habe genügend Selbstwertgefühl, und sei bereit, jemanden, der dir sehr nahesteht, mit anderen zu teilen. Ja, Kelly machte die Erfahrung, daß die Freundschaft genauso fest wie vorher war, obwohl ihre Freundin noch andere Kameradinnen hatte.
Vielleicht ist jedoch eine zu geringe Selbstachtung gar nicht dein Problem, sondern es mögen eher einige rauhe Kanten deiner Persönlichkeit sein.
Die Kunst des Gesprächs meistern
Tarah wäre gern bei den Erwachsenen beliebt gewesen. Versuchten aber ältere Personen, sie durch Fragen in eine Unterhaltung zu ziehen, erstickten ihre verlegenen Antworten das Gespräch im Keim.
Jemand, mit dem man sich gut unterhalten kann, wird im allgemeinen geschätzt. Doch bist du verlegen und fühlst du dich unwohl, wenn du versuchst, dich zu unterhalten? Fällt dir einfach nichts Passendes ein? Oder noch schlimmer: Langweilst du andere, weil du das Gespräch immer auf dich lenkst? Dann übe dich in der Kunst des Gesprächs.
Beginne damit, indem du die Fähigkeit entwickelst, über eine Anzahl von Themen zu reden. Du kannst dich zum Beispiel bemühen, über die aktuellen Ereignisse auf dem laufenden zu bleiben. Wenn du Schwierigkeiten hast, Zeit zum Zeitunglesen zu finden, könntest du, wie die Kommunikationsberaterin Dorothy Sarnoff empfiehlt, „während du dich anziehst, die Nachrichten im Radio oder Fernsehen verfolgen und so interessante Sprechpunkte aufschnappen“. Auch durch das regelmäßige Lesen von Erwachet! könntest du deinen Vorrat an Gesprächsstoff vergrößern und auf dem laufenden halten.
Eine weitere Fertigkeit, die es zu erlernen gilt, ist, wie man ein Gespräch in Gang hält. Fragt dich beispielsweise jemand, ob dein Wochenende schön war, dann beende das Gespräch nicht, indem du einfach mit Ja antwortest. Erzähle, was du gemacht hast und warum es dir Freude bereitet hat. Führe die Unterhaltung noch weiter; frage, wie er seine Zeit verbracht hat.
Was aber, wenn über etwas gesprochen wird, worüber du wenig oder gar nichts weißt oder was dich überhaupt nicht interessiert? Die Bibel schärft uns ein, ‘persönlich Interesse zu zeigen für die Dinge der anderen’ (Philipper 2:4). Versuche Fragen zu stellen. Andere werden dich mögen, wenn du dich für ihre Interessengebiete interessierst.
Achte bei Gesprächen auf gute Manieren. Stoße deine Gesprächspartner nicht ab, indem du die Unterhaltung an dich reißt oder „über andere herfällst“, falls du nicht ihrer Meinung bist. (Vergleiche Titus 3:2.) Solch ungehobeltes Benehmen würde man dir übelnehmen. Laß andere reden. Suche Gemeinsamkeiten, und unterhalte dich dann darüber. Wenn du denkst, du mußt in einem wichtigen Punkt widersprechen, so tue es „mit Milde und tiefem Respekt“ vor den Ansichten deines Gesprächspartners (1. Petrus 3:15).
Geben und nehmen können
Kleine Aufmerksamkeiten, aufrichtige Worte der Wertschätzung und ermunternde Bemerkungen zeigen anderen, daß du an sie denkst und dir bewußt bist, was du an ihnen hast. Das wird viel dazu beitragen, ihnen sympathisch zu sein. Oder wie es in den Sprüchen ausgedrückt wird: „Wer andere reichlich tränkt, wird auch selbst reichlich getränkt werden“ (Sprüche 11:25). Der Apostel Paulus gehörte zu denen, die diesem Grundsatz folgten. Lies den Bibelbericht in Apostelgeschichte 20:31-38, und achte dabei darauf, wie selbstlos Paulus sich bemühte, seine Mitarbeiter aus Ephesus zu ermuntern. Was war das Ergebnis? Als die Christen aus Ephesus von seiner Abreise erfuhren, „brachen alle in ziemlich starkes Weinen aus, und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn zärtlich“. So sehr fühlten sie sich zu ihm hingezogen (Apostelgeschichte 20:37).
Gibst auch du ebenfalls etwas von dir — von deiner Zeit und deiner Energie? Ermunterst und unterstützt du andere, und hilfst du ihnen? Dann wird man dich bestimmt schätzen. Jesus sagte: „Übt euch im Geben, und man wird euch geben“ (Lukas 6:38).
Doch wie solltest du reagieren, wenn jemand etwas für dich tun möchte? Einige sind verlegen und lehnen deshalb die Freundlichkeit ab. Sei jedoch ein dankbarer Empfänger und erlaube so anderen, dir näherzukommen (Kolosser 3:15). Bei einer Gelegenheit nahm Jesus wohlriechendes Öl an, das die Geberin wahrscheinlich ein Jahreseinkommen gekostet hatte (Johannes 12:3-6). Denke daran: Auch andere möchten die Freude erleben, die das Geben mit sich bringt. Zeige deine Wertschätzung für ihre Freundschaftsgesten, und sie werden dich sympathisch finden.
Nimm die Risiken in Kauf!
Zugegeben, offen zu sein und echtes Interesse an den Mitmenschen zu zeigen ist ein wenig riskant, besonders am Anfang. Du könntest befürchten, man würde deine Anstrengungen für Schwäche halten oder dich wegen deiner Versuche, freundlich zu sein, herabsetzen. Das ist genau das Gefühl, das Glen hatte. Daher neigte er dazu, bei Gesprächen reserviert zu sein und Abstand zu halten. Doch wie er bald bemerkte, schützte ihn das zwar vor Angriffen, aber er gewann auch keine Freunde. Glen begann deshalb, etwas mehr aus sich herauszugehen und an anderen Interesse zu bekunden. „Am Anfang war es etwas gezwungen“, sagte er, „aber mit der Zeit fiel es mir leichter.“ Jetzt erfreut er sich eines viel besseren Verhältnisses zu seiner Umgebung.
Sicherlich gibt es einige, die deine freundlichen Versuche nicht schätzen. Doch wenn dich jemand vor den Kopf stößt oder sich über dich lustig macht, dann hat er ein Problem — nicht du. Viele werden günstig reagieren. Schrecke also nicht vor den Risiken zurück, die du eingehst, wenn du an deinen Mitmenschen Interesse bekundest.
König Salomo sagte: „Arbeit bringt Erfolg“ (Sprüche 14:23, Einheitsübersetzung). Ja, du mußt dich verstärkt anstrengen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Übe daher, und feile an deinen Fähigkeiten, damit du dich an einem guten Verhältnis zu anderen erfreuen kannst. Übe dich in gutem Benehmen und in angenehmer Gesprächsführung; bekunde echtes Interesse am Wohl deiner Mitmenschen. Wie der junge Samuel wirst du dann sicherlich „immer ... beliebter, sowohl vom Standpunkt Jehovas aus als auch von dem der Menschen“ (1. Samuel 2:26).
[Fußnote]
a Siehe den Artikel „Wie kann ich meine Selbstachtung festigen?“ in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Juli 1983.
[Kasten auf Seite 14]
Persönliche Hygiene und dein Äußeres — Es kommt wirklich darauf an!
Ein Jugendlicher wurde von seiner Umwelt gemieden. Hatte er eine unangenehme Persönlichkeit? Nein, aber er vernachlässigte seine Körperpflege. Er entschloß sich, mehr darauf zu achten — und sein Freundeskreis vergrößerte sich erheblich. Das überrascht nicht, da die persönliche Hygiene zum großen Teil ein Gradmesser dafür ist, wie sehr man auf die Gefühle anderer Rücksicht nimmt. Wer will schon mit jemand zusammensein, der unsauber ist oder unangenehm riecht?
Man muß auch auf seine Kleidung und sein Äußeres achten. Der Autor Milo O. Frank hebt folgendes hervor: „Auf Dauer kommt es nicht darauf an, wie teuer deine Kleidung ist, wie altmodisch oder modern, solange sie den Eindruck vermittelt, daß du dich darum kümmerst. Tust du dein möglichstes, gepflegt zu erscheinen, dann werden sich andere auch um dich kümmern.“
Einige fänden es natürlich „stark“, wenn du „Schlabberlook“ oder extravagante „Klamotten“ tragen würdest, aber sind das diejenigen, die du als Freunde haben möchtest? Wahrscheinlich nicht. Wäre es nicht sinnvoller, dir Freunde auszusuchen, die bei dir das Gute fördern statt das Schlechte? (Sprüche 13:20; 1. Korinther 15:33). Ein nettes und bescheidenes Aussehen wird dir dabei gute Dienste leisten (1. Timotheus 2:9).
[Bild auf Seite 13]
Wer etwas für andere tut, ist normalerweise gern gesehen