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  • Warum manche Kinder so schwierig sind
  • Erwachet! 1994
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Erwachet! 1994
g94 22. 11. S. 3-5

Warum manche Kinder so schwierig sind

„Genetische Faktoren, Stoffwechselvorgänge im Gehirn sowie die neurologische Entwicklung tragen maßgeblich dazu bei, wie man als Kind ist und was für ein Erwachsener man wird“ (DR. STANLEY TURECKI).

JEDES Kind wächst auf besondere, individuelle Weise heran. Kinder besitzen eine ganze Reihe von Charaktereigenschaften und Wesenszügen, die ihnen offensichtlich angeboren sind — Eigenschaften, auf die ihre Eltern unter Umständen wenig oder gar keinen Einfluß haben. Es ist richtig, daß es schon immer Kinder gab, die sich nicht bändigen ließen oder unruhig waren und störten. Auch die besten Eltern können ein schwererziehbares Kind haben.

Aber wieso ist die Erziehung mancher Kinder so schwierig und verlangt den Eltern so viel ab? Die Zahl der Kinder, die ernsthafte Verhaltensschwierigkeiten aufweisen, nimmt immer mehr zu. Kliniker und Forscher sind sich im allgemeinen darin einig, daß zwischen 5 und 10 Prozent aller Kinder extrem unruhig sind und daß die Unfähigkeit dieser Kinder, zuzuhören, sich zu konzentrieren, Regeln zu befolgen und Impulse zu kontrollieren, den Kindern selbst, ihren Angehörigen, ihren Lehrern und ihren Altersgenossen unzählige Schwierigkeiten bereitet.

Dr. Bennett Shaywitz, Professor für Pädiatrie und Neurologie an der medizinischen Fakultät der Yale-Universität, nannte als mögliches Kernproblem „ererbte Störungen, die bestimmte chemische Substanzen in den Neurotransmittersystemen des Gehirns betreffen“, welche die Funktionen der Gehirnzellen regulieren und an der vom Gehirn ausgehenden Verhaltenssteuerung beteiligt sind. Was immer der Grund für die Schwererziehbarkeit eines Kindes ist, es sollte das Hauptanliegen der Eltern sein, das Verhalten ihres Kindes geschickt und effektiv steuern zu können, indem sie es ermuntern und ihm beistehen, statt es zu kritisieren und zu verurteilen.

In biblischen Zeiten waren die Eltern für die Erziehung und Schulung ihrer Kinder verantwortlich. Sie wußten, daß Zucht und Belehrung aus dem Gesetz Gottes ihr Kind weise machen würde (5. Mose 6:6, 7; 2. Timotheus 3:15). Somit hat Gott den Eltern die Verantwortung übertragen, trotz eines ausgefüllten Zeitplans alles ihnen Mögliche zu unternehmen, um den Bedürfnissen ihres Kindes gerecht zu werden, vor allem wenn es darum geht, auf ein negatives Verhalten positiv zu reagieren. Da viele Verhaltensprobleme, die man in der Kinderheilkunde heute beobachten kann, Kinder betreffen, die hyperaktiv, impulsiv oder unaufmerksam sind, ist eine Abhandlung über ADD und ADHD als Faktoren bei schwererziehbaren Kindern unter Umständen hilfreich.a

In den 50er Jahren nannte man solche Störungen „minimale Hirnfunktionsstörung“. Diesen Begriff benutzte man nicht mehr, als man herausfand, daß „ADD ganz und gar kein Hirnschaden ist“, wie der Kinderneurologe Dr. Jan Mathisen erklärte. Er sagte: „ADD ist eine offensichtliche Störung in manchen Teilen des Gehirns. Wir wissen immer noch nicht genau, welche neurochemischen Störungen dabei zum Tragen kommen, aber wir denken, daß eine chemische Substanz im Gehirn mit Namen Dopamin daran beteiligt ist.“ Seiner Ansicht nach hat das Ganze etwas mit der Dopaminregulation zu tun. „Wahrscheinlich liegt es nicht nur an einer chemischen Substanz, sondern an dem Zusammenspiel mehrerer Substanzen“, fügte er hinzu.

Obwohl es noch viele ungeklärte Fragen zur Ursache von ADD gibt, stimmen Forscher im allgemeinen mit Dr. Mathisen darin überein, daß eine chronische Störung der Aufmerksamkeit, Impulsivität oder der Motorik neurologischen Ursprungs ist. In einer jüngeren Studie, die von Dr. Alan Zametkin und Forschern des Nationalen Instituts für Mentalhygiene in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurde, konnte man erstmals einen Zusammenhang zwischen ADD und einer bestimmten Störung im Gehirnstoffwechsel finden, obwohl man einräumte, daß „es noch einer Menge weiterer Forschungen bedarf, um klarere Antworten zu erhalten“.

Die Schule stellt eine echte Herausforderung dar

Der Schulunterricht ist für Kinder, die chronisch unaufmerksam, leicht ablenkbar, impulsiv oder überaktiv sind, in der Regel sehr schwierig, weil die Anforderungen in bezug auf Konzentration und Stillsein in der schulischen Umgebung enorm ansteigen. Solchen Kindern fällt es extrem schwer, sich auf eine Sache länger zu konzentrieren. Was bleibt ihnen da anderes übrig, als unerträglich überaktiv zu werden? Bei einigen ist die Aufmerksamkeitsschwäche so stark ausgeprägt, daß sie weder zu Hause noch in der Schule mit dem normalen Lernpensum mithalten können. Weil sie Schwierigkeiten haben, ihr Verhalten zu steuern und die Folgen ihrer Handlungsweise abzuschätzen, ist es nicht ungewöhnlich, daß sie den Klassenschreck oder den Klassenclown spielen und deswegen oft bestraft werden.

Schließlich entwickeln diese Kinder ein negatives Bild von sich selbst; sie bezeichnen sich möglicherweise als „böse“ oder „dumm“ und verhalten sich dann auch dementsprechend. Da sie, ganz gleich, wie sehr sie sich auch bemühen, schlechte Noten bekommen, halten sie sich leicht für einen chronischen Versager.

Die Eltern sind bestürzt, sehr besorgt und verwirrt wegen des Störverhaltens ihres Kindes. Mitunter kommt es zu Streitigkeiten zwischen den Eltern, weil einer dem anderen die Schuld an der Situation gibt. Viele Eltern hacken fast nur auf den schlechten Seiten herum und vergessen ganz die guten Seiten. Ihre Reaktion auf ein negatives Verhaltensmuster führt deshalb zu weiteren negativen Interaktionen. Und so werden Familienangehörige und bis zu einem gewissen Grad auch andere, die mit dem Kind interagieren, in einen Machtkampf verstrickt, weil sie das Benehmen des schwierigen Kindes — eines Kindes mit oder ohne Aufmerksamkeitsstörung — nicht verstehen und nicht damit umgehen können.

Ronnies Mutter erzählt ihre persönliche Erfahrung

„Von dem Moment an, als Ronnie auf die Welt kam, war er kein glückliches Kind, sondern stets gereizt und weinerlich. Als Allergiker litt er unter Hautausschlägen, Ohrenentzündungen und anhaltendem Durchfall.

Ronnies Motorik entwickelte sich anfangs jedoch gut, und er lernte schnell sitzen, stehen und laufen oder besser gesagt rennen. Ich beeilte mich, in der Zeit, in der er schlief, meine gesamte Hausarbeit zu schaffen, denn wenn mein kleiner ‚Tornado‘ erst einmal aufgewacht war und durch die Wohnung schoß und alles anfaßte, was ihm irgendwie interessant vorkam — und das war so ziemlich alles! —, dann war ich vollauf damit beschäftigt, ihn davor zu bewahren, sich weh zu tun oder das ganze Haus zu demolieren.

Seine Aufmerksamkeitsspanne war sehr kurz. Nichts konnte ihn lange beschäftigt halten. Er haßte es, still zu sitzen. Wenn wir ihn irgendwohin mitnahmen, wo er still sitzen mußte, war das natürlich immer ein Problem — vor allem in den Versammlungszusammenkünften. Es nützte nichts, ihn dafür, daß er nicht still saß, einen Klaps zu geben. Er konnte es einfach nicht. Viele wohlmeinende Leute beklagten sich oder gaben uns Tips, aber es half alles nichts.

Ronnie war ein helles Köpfchen; als er etwa drei Jahre alt war, fingen wir daher an, jeden Tag kurz etwas mit ihm zu lesen. Mit fünf Jahren konnte er bereits recht gut lesen. Dann kam er in die Schule. Ungefähr einen Monat später wurde ich zu einem Gespräch mit der Lehrerin in die Schule gebeten. Sie erzählte mir, als sie Ronnie das erste Mal gesehen habe, habe sie gedacht, er sehe aus wie ein Engel, doch jetzt, nachdem sie ihn einen Monat lang in ihrer Klasse gehabt habe, sei sie eher der Ansicht, er komme von der Konkurrenz. Sie erklärte mir, er würde ständig herumhüpfen, anderen Kindern ein Bein stellen und sie herumschubsen. Er könne nicht ruhig sein oder still sitzen und störe die ganze Klasse. Er habe keine Kontrolle über sich. Außerdem seien Ansätze einer rebellischen Haltung zu sehen, bemerkte sie noch. Man empfahl uns, ihn in eine Sonderklasse zu schicken und mit ihm zum Arzt zu gehen, der uns ein Mittel verschreiben sollte, das ihn ruhigstellen würde. Wir waren entsetzt!

Medikamente waren für Ronnie nicht das richtige, aber ein Kinderarzt gab uns einige praktische Empfehlungen. Seiner Meinung nach war Ronnie intelligent und gelangweilt; daher empfahl er uns, ihn beschäftigt zu halten, ihm unendlich viel Liebe zu geben und geduldig und positiv zu sein. Er war der Ansicht, daß Ronnie mit zunehmendem Alter und nach einer Ernährungsumstellung leichter zu handhaben wäre.

Uns wurde klar, daß wir mit unserem Sohn behutsam umgehen mußten und daß wir ihm beibringen mußten, seine Energie in die richtigen Bahnen zu lenken. Das würde eine Menge Zeit kosten; daher änderten wir unseren Zeitplan und verbrachten täglich Stunden damit, die Hausaufgaben mit ihm durchzugehen und ihm vieles geduldig zu erklären. Wir hörten auf, negative Bemerkungen zu machen oder ihm Vorwürfe zu machen, wenn er gedankenlos war oder etwas angestellt hatte. Unser Ziel war, sein geringes Selbstwertgefühl aufzubauen. Statt zu befehlen oder zu fordern, besprachen wir uns mit ihm. Wenn es um irgendwelche Entscheidungen ging, die ihn betrafen, fragten wir ihn nach seiner Meinung.

Ronnie tat sich mit einigem schwer, was anderen Kindern leichtfiel. Zum Beispiel mußte er lernen, geduldig zu sein, ruhig zu sein, still zu sitzen und seinen übertriebenen Bewegungsdrang zu zügeln. Doch es ließ sich in den Griff bekommen. Als er erst einmal verstanden hatte, daß er ganz bewußt daran arbeiten mußte, langsamer zu machen und sich vorher zu überlegen, was er tut, packte er es. Mit dreizehn Jahren war sein Verhalten normal. Wir freuen uns, daß seitdem alles glattgegangen ist, selbst während der sonst so rebellischen Teenagerjahre.

Alles, was wir an Liebe, Zeit und Geduld in Ronnie investiert haben, hat sich doppelt und dreifach ausgezahlt!“

[Fußnote]

a In diesen Artikeln steht ADD für Attention deficit disorder (Aufmerksamkeitsstörung) und ADHD für Attention deficit hyperactivity disorder (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung), im deutschen Sprachraum unter dem Begriff „hyperkinetisches Syndrom“ bekannt.

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