Die Bibel, ein Ornament oder ein Licht?
ANGENOMMEN, Sie wären in Ihrer Wohnung auf Licht von nur einer Lampe angewiesen. Würden Sie vornehmlich an einer Lampe interessiert sein, die aus Gold oder Silber gemacht und mit kostbaren Juwelen besetzt ist, wenn sie auch nur ein schwaches und flackerndes Licht oder überhaupt kein Licht spendet? Oder würde Ihr Hauptinteresse auf eine Lampe gerichtet sein, die ein Höchstmaß von Licht geben würde? Natürlich würden Sie hauptsächlich an der Art des Lichtes, das die Lampe spendet, interessiert sein, nicht wahr?
Oder um eine andere Illustration zu gebrauchen: Angenommen, Sie würden eine Brille benötigen. Würden Sie zu einem Optiker gehen, der in der Anfertigung schöner, diamantenbesetzter, goldrandiger Brillen ein Spezialist ist, der aber die Gläser völlig außer acht läßt, oder möchten Sie Kunde sein bei einem Fachmann für Brillengläser, der genau passende Brillengläser liefert?
Dasselbe trifft auch auf unser geistiges Sehen zu. Die Bibel ist eine Lampe für unseren Fuß und ein Licht für unseren Pfad. (Ps. 119:105) Aber das trifft nur dann zu, wenn sie in der Sprache geschrieben ist, die wir verstehen, und wenn wir begreifen können, was wir lesen. Das Format der Bibel, ihre typographische Gestaltung, ihr Einband sind nicht wichtig, sondern ihre Sprache und ihr Inhalt.
In dieser Hinsicht hat die Katholische Kirche stets gefehlt. Während des Mittelalters waren viele ihrer Mönche mit der Herstellung von Bibeln beschäftigt. Sie waren sehr teuer, da sie mit der Hand und oft auf ganz feiner Kalbshaut (Vellum) geschrieben worden waren. Aber die Mönche waren nicht damit zufrieden. Sie wandten viel Zeit auf, gebrauchten viele Mittel und hatten viel Pein und Kummer, ihre Bibeln mit feinster Schrift und schönsten Abbildungen in Gold, Silber und anderen hellen Farben auszumalen. Und den Einbänden schenkte man besondere Aufmerksamkeit.
Welches Ausmaß dies erreichte, geht aus den folgenden Auszügen hervor, die einer weit verbreiteten katholischen Veröffentlichung Die Bibel im Mittelalter entnommen sind: „In der verschwenderischen Pracht, in der das heilige Buch verziert wurde, mögen wir auch eine zum Ausdruck gebrachte Verehrung für die Bibel sehen, die die Herzen der Geistlichkeit und der Laienschaft erfüllt. Papst Leo II. übergab einer Kirche ein Exemplar der Evangelien, das in reines Gold gebunden und mit Edelsteinen besetzt war. … Kaiser Karl der Große gab St. Angilbert ein Exemplar der Evangelien, das in Goldbuchstaben auf Purpurvelin geschrieben war. … Hincmar, Erzbischof von Reims, ließ die Evangelien für seine Kathedrale in Gold- und Silberbuchstaben schreiben, in Goldplatten binden mit glänzenden Juwelen.“ Solche Bibeln würden sieben bis acht Kilogramm wegen der sorgfältig angefertigten Verzierung wiegen.
Aber zeigt eine solche Aufmachung wirkliche Wertschätzung für Gottes Wort? Oder verrät es eher eine Liebe zu Gold, Silber und kostbaren Steinen? Man kann wirklich nicht anders, als das Motiv in Frage zu ziehen, wenn man berücksichtigt, daß zu dieser Zeit das allgemeine Volk in bitterer Armut steckte und größtenteils aus ungebildeten Knechten bestand. Wenn die Katholische Kirche wirklich eine Wertschätzung für die Botschaft der Bibel gehabt hätte, dann würde sie es unternommen haben, die Bibel in die allgemeine Sprache zu übersetzen, statt sie in Latein zu halten. Sie würde die größtmögliche Anzahl billiger Bibeln hergestellt haben, statt einige wenige kostspielige Exemplare, und sie hätte sich der Aufgabe angenommen, den Massen das Lesen und Schreiben beizubringen, damit sie die Bibel selbst lesen konnten, wie Jehovas Zeugen dies nicht nur im schwarzen Afrika tun, sondern auch in solchen römisch-katholischen Ländern wie Mexiko. Das würde richtige Wertschätzung für die Bibel gezeigt und den Menschen unvergleichlich Gutes getan haben.
In dieser Hinsicht hat sich die Katholische Kirche während all der Jahre nicht viel verändert. Beachten Sie zum Beispiel die neue Heilige Familienbibel, die im Jahre 1951 durch die katholische Presse, Chicago, Illinois, herausgegeben wurde. Ihr wurde die größte Verbreitung in der weltlichen und auch in der Gemeindepresse gewünscht. Ein katholischer Schreiber sagte einmal: „Sie ist so anziehend, daß man in Versuchung gerät. Durch ihre Seiten zu blättern, ist wahrhaft ein spannendes Erlebnis“; etc. Bezüglich ihrer Kosten erklärte Pfadfinder, eine weltliche Wochenzeitschrift: „Ein Preis, für den manche katholische Familie sehr gern ihr Bankkonto um $ 27.95 erleichtern wird“. Bezüglich ihres Inhaltes erklärte „Vater“ O’Connell: „Wir wollten eine Bibel fürs Familienlesen. Wir wünschten, daß jedes Familienglied sie lesen und verstehen kann.“ Doch der größere Teil dieser Bibel gleicht immer noch der veralteten und latinisierten Douay-Version.
Wahrlich, hier haben wir wiederum Torheit in Form einer kostspieligen Lampe, die unzureichendes Licht gibt, und zwar zu einem Preis, den sich wenige leisten können; hier haben wir die Bibel, die als Verzierung dient, statt ein Führer zu sein.