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  • Sie fanden Kraft, die über das Normale hinausgeht
  • Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1983
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Der Wachtturm verkündigt Jehovas Königreich 1983
w83 15. 5. S. 28-31

Sie fanden Kraft, die über das Normale hinausgeht

EIN Todesfall in der Familie ist eine schmerzliche Erfahrung, besonders wenn es sich um den Tod eines Kindes handelt. Doch was würdest du empfinden, wenn man dich, nachdem du dein Kind verloren hättest, strafbarer Fahrlässigkeit beschuldigen und dich einen Mörder nennen würde, wenn dein Arbeitgeber dich entließe und deine Nachbarn sich gegen dich stellten? Was würdest du tun? Eine solche Situation erfordert bestimmt Kraft, die über das Normale hinausgeht.

Plötzliches Unglück

Diese Erfahrung machten Dennis und Bernadette Cyrenne in einer kleinen Bergbaustadt im Norden von Ontario (Kanada). Es begann damit, daß Sara, ihre 12jährige Tochter, plötzlich von einer seltenen Blutkrankheit befallen wurde. Der Arzt des Ortskrankenhauses empfahl, ihr Bluttransfusionen zu geben. Aber die Eltern lehnten die Behandlung ab, weil sie Gottes Gesetz hinsichtlich des Lebens und des Blutes respektierten und auch aufgrund der medizinischen Kenntnisse, die sie sich im Laufe der Jahre erworben hatten (1. Mose 9:4; Apostelgeschichte 15:28, 29).

In der Hoffnung, irgendeinen Ausweg zu finden, brachten sie Sara so schnell wie möglich in das 400 km entfernte Thunder Bay, stießen aber dort bei den Ärzten auf dieselbe Reaktion. Deshalb holten sie Sara aus dem Krankenhaus und setzten ihre Suche fort. Acht Stunden später war Saras Kampf um das Leben zu Ende. Für die Eltern sollte dies erst der Anfang sein.

Zunehmender Druck

Unmittelbar darauf wurde Anzeige gegen sie erstattet wegen rücksichtslosen Verhaltens — weil sie ihre Tochter aus dem Krankenhaus entführt hätten — und wegen strafbarer Fahrlässigkeit in Verbindung mit ihrem Tod. Sie mußten nach Hause zurückkehren und dort den Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung abwarten.

Zu Hause angelangt, verbreitete sich die Nachricht von Saras Tod und von den Beschuldigungen schnell in der kleinen Gemeinde. In den Zeitungen erschienen Bilder und Berichte, und ihre „entsetzliche“ Handlungsweise wurde zum Stadtgespräch. Das Leben wurde für die Cyrennes sehr schwer.

Innerhalb von zwei Wochen verfaßten einige Frauen aus der Stadt eine Bittschrift, in der sie verlangten, daß Bernadettes Arbeitgeber sie entlassen sollte; andernfalls würden sie sein Geschäft boykottieren. So verlor sie ihre Arbeit. Überall, wohin die Cyrennes kamen, begegneten ihnen Leute, die schlecht von ihnen redeten, sie Mörder nannten und ihnen sagten, daß sie unerwünscht seien und aus der Stadt vertrieben werden sollten.

Was hättest du in ihrer Lage empfunden? An wen könntest du dich vertrauensvoll um Hilfe wenden, wenn anscheinend jedermann gegen dich wäre? „Es war nicht immer leicht, den Kopf oben zu behalten, wenn wir durch die Straßen gingen“, sagte Bernadette. „Aber wir schafften es, weil wir wußten, daß wir das Rechte getan hatten und Jehova Gott auf unserer Seite war.“ Wieso konnte sie das sagen? Woher hatten beide diese Überzeugung?

Wie sie gestärkt wurden

Von Anfang an erinnerten sie sich immer wieder an Dinge, die sie aus der Bibel gelernt hatten, und das half ihnen bei ihren Entscheidungen. Dennis berichtete später, daß ihm im Krankenhaus immer wieder der Schrifttext aus Jakobus 2:24 in den Sinn gekommen sei, wo es heißt: „Ihr seht, daß ein Mensch durch Werke gerechtgesprochen wird und nicht durch Glauben allein.“ Das half ihm, zu erkennen, daß es nicht entscheidend ist, zu wissen, was die Bibel über eine bestimmte Sache sagt, sondern entsprechend zu handeln. So war er sich keinen Augenblick im unklaren darüber, was zu tun sei.

Bernadette, seine Frau, dachte anscheinend genauso, denn als er ihr seinen Entschluß mitteilte, erwiderte sie, ohne zu zögern: „Geh einfach gerade deinen Weg; ich werde dir folgen.“ Das war für ihn wirklich sehr ermutigend und beruhigend.

Mittlerweile gaben ihnen die Liebe, die Gebete und der Beistand von Christen in Thunder Bay das Gefühl, daß sie trotz der weiten Entfernung von zu Hause „nie allein waren“. „Die Brüder waren so liebevoll zu uns“, sagte Dennis. „Sie halfen uns in finanzieller und geistiger Hinsicht, und wir verspürten die stärkende Wirkung ihrer Gebete.“

Unter denen, die halfen, war auch Peter Cramb, ein Ältester aus der Ortsversammlung der Zeugen Jehovas. Er war zugegen, als die Cyrennes im Krankenhaus ankamen, und blieb während der ganzen prüfungsreichen Zeit bei ihnen. Obwohl er sich voll bewußt war, daß dies für ihn bedeuten konnte, in einen Rechtsfall verwickelt zu werden, stand er ihnen zur Seite. Tatsächlich erstattete man auch gegen ihn Strafanzeige.

Während die Gerichtsverhandlung langsam und bedrohlich näher rückte, waren Peter und die Cyrennes schweren Belastungen und Sorgen ausgesetzt. Die Cyrennes wußten zwar, daß Jesus verheißen hatte, seinen Jüngern werde gegeben werden, was sie sagen sollten, und sie brauchten sich deshalb keine Sorgen zu machen. Doch erkannten sie, daß dies nicht bedeutete, lediglich zu warten und nichts zu tun (Markus 13:11). Im Gegenteil, über ein Jahr lang studierten sie wiederholt alles, was mit ihrer Entscheidung zu tun hatte. Der Trost aus den Schriften — besonders Texte wie Hebräer 13:6 und Psalm 84:11 — stärkte ihren Glauben während dieser Zeit.

Lohnende Erfahrungen

Obwohl viele Leute in der Gemeinde negativ reagierten, erwiesen sich einige anscheinend unangenehme Erfahrungen als sehr ermutigend und lohnend. Bernadette erzählte, was sie mit einer Frau erlebte, die in einer Gaststätte am Ort arbeitete: „Sie machte es sich zur Aufgabe, im Geschäft sehr laut über mich zu reden. Sie bezeichnete mich als Mörderin und sagte, ich taugte nichts und niemand würde mich mögen. Ja es gab fast nichts, was sie nicht sagte.“ Ungefähr zur selben Zeit wurde der 18jährige Sohn der Frau verhaftet, vor Gericht gestellt und eingesperrt, weil er das Auto eines Polizisten in die Luft gesprengt hatte.

Eines Tages kamen Bernadette und Helen, die Frau des reisenden Aufsehers, in ihrem Dienst von Tür zu Tür zu dem Haus der Frau. „Wenn ich dieser Frau ruhig gegenübertreten kann, brauche ich nichts mehr zu befürchten“, dachte Bernadette. Sie klopften an.

„Nein, ich bin nicht interessiert“, entgegnete die Frau in herablassendem Ton, sobald sie sah, wer ihre Besucher waren, und schickte sich an, die Tür wieder zu schließen.

Bernadette jedoch, fest entschlossen, es nicht dabei bewenden zu lassen, erwiderte taktvoll: „Frau M., ich habe mir Ihretwegen wirklich Gedanken gemacht, und es tut mir leid, daß Sie soviel Unannehmlichkeiten hatten.“

„Ach ja?“ erwiderte die Frau höchst erstaunt. „Kommen Sie doch bitte herein!“

Während der nächsten 20 Minuten schüttete sie ihr Herz aus und konnte gar nicht aufhören, über ihren Sohn zu sprechen. Helen, die die Situation erfaßte, unterbrach sie und sagte ruhig: „Frau M., Sie haben Ihren Sohn noch, aber sie hat ihre Tochter nicht mehr.“

Damit wechselte das Thema, und sie besprachen nun, was die Bibel über den Tod und die Auferstehung sagt und wie dies Bernadette half, all die Schwierigkeiten und Härten zu ertragen. Dieses Gespräch, zusammen mit der selbstlosen Liebe, die der Frau trotz ihres früheren Verhaltens erwiesen wurde, bewirkte, daß sich ihre Einstellung vollständig änderte.

Später, während der Verhandlung der Cyrennes, kam die Frau zum Gerichtsgebäude. Es war dasselbe Gebäude, wo auch ihr Sohn verurteilt worden war. Bei der Verhandlung ihres Sohnes waren nur sie und ihr Mann mit anwesend gewesen. Aber diesmal war der Raum zum Bersten voll. Über 260 Personen waren gekommen, die sich alle sehr um die Cyrennes sorgten. Das war für sie ein echtes Zeugnis, ja sie war so gerührt, daß sie Bernadette umarmte.

Dennis berichtete, wie Jehova auf unerwartete Weise für Ermunterung sorgte. Während der Monate vor der Verhandlung dachte er oft darüber nach, was wohl, falls er ins Gefängnis müsse, aus seiner Arbeit und aus seinem Haus werden würde, das er durch die Bergbaugesellschaft gekauft hatte. Als er das bei seinem Betriebsleiter zur Sprache brachte, sagte dieser einfach: „Machen Sie sich keine Sorgen, Dennis! Sie sollten das nicht einmal erwähnen. Menschen wie Sie kommen nicht ins Gefängnis.“

Einer seiner jungen Mitarbeiter meinte, daß das unfreundliche Verhalten der Leute für ihn sicher eine schwere Prüfung gewesen sei. Er fügte hinzu: „Einige sagten sogar, daß sie Sie erschießen würden, wenn sie Gelegenheit dazu hätten.“ Nachdem Dennis die Sache kurz erklärt hatte, schlug er vor, daß sein Mitarbeiter, wenn er nach Hause käme, Jesaja 50:7 und 9 lesen sollte. Das Ergebnis war, daß dieser junge Mann und seine Familie in ein regelmäßiges Bibelstudium einwilligten und begannen, die christlichen Zusammenkünfte im Königreichssaal am Ort zu besuchen.

Obwohl Peter Cramb schon etwa 25 Jahre Zeuge Jehovas ist, lehrte ihn diese Erfahrung, was es bedeutet, sich auf Jehova zu verlassen. Sie zeigte die wahre Bedeutung der Worte des Psalmisten: „Zu Jehova rief ich in meiner Bedrängnis, und dann antwortete er mir. O Jehova, befreie doch meine Seele von falschen Lippen, von der trügerischen Zunge“ (Psalm 120:1, 2).

Das Urteil

Drei Monate nach der Gerichtsverhandlung wurde der Fall vom Bezirksgericht in Thunder Bay entschieden. Alle drei Angeklagten wurden freigesprochen. Obwohl der Richter der biblischen Ansicht über das Blut nicht zustimmte, erkannte er an, daß ihre Entscheidung „nicht launenhaft oder dogmatisch war, sondern auf echtem Glauben beruhte“.

Auch das demütigende Verhalten einiger Stadtbewohner hielt der Richter für ungerechtfertigt. In seiner Begründung sagte er: „Bernadette Cyrenne ... erweckte in mir den Eindruck, eine aufrichtige, liebevolle und mitfühlende Mutter zu sein und ein gesundes und gesittetes Familienleben zu haben. Tatsächlich könnte der Haushalt Cyrenne, was das Familienleben anbelangt, gut von jeder christlichen Familie nachgeahmt werden.“

Das, was die Cyrennes und Peter erlebten, bestärkte in ihnen die Überzeugung, daß ‘Jehova selbst nichts Gutes denen vorenthalten wird, die in Untadeligkeit wandeln’ (Psalm 84:11). Durch die Hoffnung und den Trost aus seinem Wort, der Bibel, und durch den unermüdlichen Beistand von Mitchristen haben sie Gottes Liebe, Macht und Weisheit unmittelbar in Tätigkeit gesehen. Dies vor allem war der Quell ihrer Kraft, die über das Normale hinausging (2. Korinther 4:7).

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