Was bedeutet der Zusammenbruch?
ALLERDINGS hat es in der Geschichte auch schon Zeiten gegeben, in denen Recht und Ordnung zusammengebrochen sind. Das geschah zum Beispiel im Römischen Reich kurz vor seinem Untergang. Deshalb betrachten einige den heutigen Anstieg des Verbrechens und der Gewalttat als etwas „Normales“; sie sagen: „Die Geschichte wiederholt sich.“
Doch der heutige Zusammenbruch bedeutet viel mehr als das. Er erstreckt sich nicht nur auf ein Land. Die Experten sind sich im klaren darüber, daß noch nie alle Gruppen der Gesellschaft in allen Ländern der Erde gleichzeitig einen solchen Zusammenbruch erlebt haben.
Einige wenden jedoch ein, das sei lediglich auf den Bevölkerungszuwachs zurückzuführen und durch eine bessere Nachrichtentechnik würden heute die Verbrechen weit herum bekannt. Stimmt das?
Lediglich Bevölkerungszuwachs und bessere Nachrichtentechnik?
Wäre der Bevölkerungszuwachs die Erklärung für die steigende Kriminalität, dann müßte die Zahl der Verbrechen gleich schnell zunehmen wie die Zahl der Bevölkerung. Tut sie das?
Die französische Zeitung Le Figaro schreibt: „Seit 1955 hat sich die Zahl der von Jugendlichen begangenen Verbrechen vervierfacht.“ Aber die Zahl der jugendlichen Bevölkerung ist nicht in diesem Maße gestiegen. In Schweden ist die Zahl der Verbrechen zwölfmal schneller gestiegen als die Zahl der Bevölkerung, in Deutschland zehnmal; von 1960 bis 1968 stieg in den Vereinigten Staaten die Zahl der Verbrechen elfmal schneller als die der Bevölkerung — und im Jahre 1968 wuchs die Zahl der Verbrechen siebzehnmal schneller als die Zahl der Bevölkerung!
Auch sollte man daran denken, daß nach Auffassung der Polizei viele, wenn nicht die meisten Verbrechen gar nicht gemeldet werden! An gewissen Orten wird nur etwa jeder dritte Einbruchdiebstahl gemeldet, Vergewaltigungen werden noch weniger bekannt. In einigen Städten werden der Polizei nur etwa ein Zehntel der Verbrechen angezeigt!
Aus folgender Meldung der Associated Press geht hervor, daß sich die wachsende Kriminalität nicht aus dem Bevölkerungszuwachs und aus der besseren Nachrichtentechnik erklärt:
„J Edgar Hoover, Leiter des Bundeskriminalamtes der Vereinigten Staaten, griff heute diejenigen Personen an, die versuchen, das Verbrechensproblem Amerikas zu bagatellisieren, indem sie sagen, der große Zuwachs, den die jugendliche Bevölkerung zu verzeichnen habe, und die genaueren Aufzeichnungen der Polizei seien dafür verantwortlich ... Er sagte, für diejenigen, die versuchen würden die furchtbare Wahrheit wegzuerklären, die sich hinter der Verbrechensstatistik verberge, werde die Rechnung nicht aufgehen.“
Nur „kriminelle Elemente“?
Auch darf man nicht meinen, nur „kriminelle Elemente“ seien für diesen Zusammenbruch des Rechts und der Ordnung verantwortlich. Das Sunday Bulletin von Philadelphia schrieb: „Die meisten Straftaten werden von Personen begangen, die zu ihrer Alltagsarbeit weiße Hemden tragen und die, wenn sie in der Betriebskantine oder in einem Restaurant des Geschäftsviertels beisammen sind, den Zusammenbruch von Recht und Ordnung im Land laut verdammen.“
Aus dem Artikel im Sunday Bulletin geht auch hervor, daß „achtbare“ Bürger an ihrem Arbeitsplatz weit mehr veruntreuen als von Berufsverbrechern bei Einbrüchen gestohlen wird. In den Vereinigten Staaten ist in einem Jahr das Siebzigfache von dem, was Einbrecher gestohlen haben, von Angestellten veruntreut worden, 4 000 000 000 im Vergleich zu 53 000 000 Dollar!
Am Zusammenbruch von Recht und Ordnung sind somit nicht nur Gewohnheitsverbrecher beteiligt. Unter der Bevölkerung greift eine kriminelle Einstellung, die Neigung zu stehlen, zu betrügen und gewalttätig zu werden, immer mehr um sich.
Es kann nur eines bedeuten
Was dieser ungeheure Zusammenbruch zu bedeuten hat, ist klar. Der amerikanische Redakteur David Lawrence weist durch folgende Worte darauf hin: „Je mehr wir nach einer Entschuldigung suchen, desto deutlicher erkennen wir, daß das Elend, das auf Erden herrscht, vom Menschen verursacht worden ist. Unsere Hauptschwäche besteht darin, daß wir das Problem Selbstverwaltung nicht gelöst haben.“ Die Menschen sind außerstande, sich erfolgreich zu regieren!
Der Mensch besitzt überragende geistige Fähigkeiten. Er erfindet erstaunliche Maschinen. Er erforscht das Meer. Er fliegt zum Mond. Aber trotz seiner Klugheit und Urteilsfähigkeit ist er immer noch außerstande, mit seinen Mitmenschen in Eintracht zu leben.
Niemand kann bestreiten, daß die Menschen — manche in aller Aufrichtigkeit — viele Versuche gemacht haben. Die Geschichte zeigt, daß der Mensch im Laufe der vergangenen Jahrtausende alle möglichen Regierungsformen ausprobiert hat. Daher kann nicht behauptet werden, daß mehr Zeit für einen Versuch erforderlich sei. Und gewiß hätte man in keiner Epoche mehr mit dem Erfolg eines solchen Versuchs rechnen dürfen als in der heutigen. Doch was wir heute erleben, ist der schlimmste Zusammenbruch aller Zeiten.
Worauf hoffen?
Ist es vernünftig, auf Systeme zu hoffen, die sich bereits als Fehlschlag erwiesen haben? Nein, wir müssen unsere Hoffnung auf etwas anderes setzen.
Aber worauf? Warum uns nicht vom Schöpfer des Menschen über die Lösung der Probleme, denen sich die Menschheit gegenübersieht, aufklären lassen? Keiner von uns hat gelebt, als sich die Probleme zu entwickeln begannen, mit denen die Menschheit heute kämpft. Der Schöpfer dagegen hat ihre Entwicklung beobachtet. Er weiß, was zu der heutigen Krise geführt hat. Der Schöpfer des Menschen weiß bestimmt am besten, warum die menschliche Gesellschaft zerfällt. Er weiß außerdem, was dagegen zu tun ist.
Er läßt uns auch nicht im ungewissen darüber, denn er hat dafür gesorgt, daß jeder aufrichtige Mensch diesen wichtigen Aufschluß erhalten kann, wenn ihm daran gelegen ist. Diesen Aufschluß, der befriedigt, überzeugt und wahrhaftig ist, findet man in dem Buch, das Gott der Menschheitsfamilie als Wegweiser gegeben hat und das unter seiner Inspiration entstanden ist — in der Bibel: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich ... zum Richtigstellen der Dinge.“ — 2. Tim. 3:16.
Warum der Mensch kein Gelingen hat
Die Bibel zeigt deutlich, daß Gott dem Menschen weder das Recht noch die Fähigkeit gegeben hat, ohne den Schöpfer zu schalten und zu walten. Wir lesen in Jeremia 10:23: „Ich weiß, Jehova, daß nicht beim Menschen sein Weg steht, nicht bei dem Manne, der da wandelt, seinen Gang zu richten.“
Das kann man veranschaulichen durch das Bedürfnis des Menschen nach Nahrung. Gott hat den Menschen so geschaffen, daß er nur am Leben bleiben kann, wenn er Nahrung zu sich nimmt. Ohne Nahrung kann er nicht leben. Hören wir auf zu essen, werden wir krank und sterben.
Ähnlich ist es in bezug auf den menschlichen Geist. Gott hat den Menschen so geschaffen, daß er auch seinem Geist die rechte Nahrung zuführen muß. Diese setzt sich aus dem Rat und der Unterweisung Gottes zusammen und ist für den Menschen unerläßlich. (Matth. 4:4) Denn wenn sich der Mensch nicht mehr von Gott führen läßt, wird die menschliche Gesellschaft krank, es ergeht ihr also genauso wie dem menschlichen Organismus, wenn man ihn ungenügend oder falsch ernährt. Deshalb wird uns in Sprüche 3:5 der Rat gegeben: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen Verstand.“
Das eigentliche Problem besteht also darin, daß die Menschheit im allgemeinen die erhabene Weisheit Gottes mißachtet und sich auf ihre eigenen Überlegungen stützt, die in keinem Vergleich zur Weisheit Gottes stehen. So handelten auch unsere Ureltern, die sich gegen die göttliche Führung auflehnten. (1. Mose, Kap. 3) In den fast 6 000 Jahren, die seither vergangen sind, hat die große Mehrheit der Menschen, der Regierten und der Regierenden, ebenso gehandelt. Da der Mensch über einen freien Willen verfügt, hat Gott ihm die Wahl gelassen. Nur muß der Mensch die Folgen seiner Entscheidung tragen.
Wir wissen, wie diese Folgen aussehen. Es ist so gekommen, wie wir in der Bibel lesen: ‘Der Mensch hat über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht.’ (Pred. 8:9, New World Translation) Es ist zu einem Zusammenbruch gekommen, weil der Mensch unabhängig von Gottes Führung regiert hat. Gott hat den tragischen Versuch des Menschen, sich selbst zu regieren, zwar zugelassen, hat aber auch eine Zeitgrenze dafür festgelegt. Er läßt das gesetzlose Treiben nicht für immer zu. — Eph. 1:10; Offb. 11:18.
Die wahre Bedeutung des heutigen Zusammenbruchs
Die Bibel zeigt, daß der Zusammenbruch des Rechts und der Ordnung in der ganzen Welt hoch bedeutsam ist. Er läßt erkennen, daß für das gegenwärtige System der Dinge, das so fern von Gott ist, die Zeit abläuft, die Gott ihm eingeräumt hat! Es hat seinen Höhepunkt erreicht.
Sogar Personen, die bei ihren Schlußfolgerungen nicht von der Bibel ausgehen, sehen, daß wir uns einem Höhepunkt nähern. Der Nobelpreisträger George Wald, Ordinarius an der Harvarduniversität, sagte, wie die kanadische Zeitung Victoria Daily Times, Ausgabe vom 9. April 1969, schrieb:
„In den vergangenen paar Jahren bin ich immer mehr zu der Überzeugung gekommen, etwas sei grundverkehrt — und in diesem Jahr ist es noch schlimmer als im vergangenen. ... Ich glaube, wir stehen vor einer großen Entscheidung, vor einer Entscheidung, die nicht nur unser Volk, nicht nur die ganze Menschheit, sondern alles Leben auf der Erde betrifft.“
Der britische Professor Fred Hoyle sagte warnend, daß die menschliche Gesellschaft „bereits in Auflösung begriffen“ sei (The Melbourne Age, 4. März 1969).
Die Bibel prophezeite, daß es zu der Zeit, da die von Gott zugelassene Herrschaft des Menschen bald abgelaufen sei, auf der Erde so aussehen werde, wie es heute aussieht. Wir lesen in 2. Timotheus 3:1: „Dieses aber erkenne, daß in den letzten Tagen kritische Zeiten da sein werden, mit denen man schwer fertig wird.“
Die Geschehnisse, durch die biblische Prophezeiungen in Erfüllung gehen, zeigen, daß die „letzten Tage“ im Jahre 1914 begonnen haben. In der Zeitschrift Time vom 30. August 1968 konnte man lesen: „Das schicksalsschwerste Jahr des zwanzigsten Jahrhunderts ist bisher das Jahr 1914 gewesen.“ Als der Erste Weltkrieg ausbrach, begann für das gegenwärtige System der Dinge die letzte Phase der Herrschaft des Menschen. Damals begann der schlimmste Zerfall, den die Geschichte kennt. Und seither geht er von Tag zu Tag schneller vor sich.
Bitte lies selbst in der Bibel nach, was sie über die Geschehnisse sagt, die ein Merkmal der „letzten Tage“ sein würden. In 2. Timotheus, Kapitel 3 werden viele Einzelheiten aufgeführt. In Matthäus, Kapitel 24 sind viele Einzelheiten zu finden, die Jesus aufzählte. Unter anderem erwähnte er ‘zunehmende Gesetzlosigkeit’, etwas, was wir überall beobachten können. — Matth. 24:12.
Aber die Tatsache, daß wir in den „letzten Tagen“ leben, bedeutet nicht, daß wir keine Hoffnung hätten. Es bedeutet nicht, daß Recht und Ordnung im eigentlichen Sinne nie Wirklichkeit werden.
Im Gegenteil, gerade der Zusammenbruch von Recht und Ordnung in der ganzen Welt beweist eindeutig, daß der Wunsch aufrichtiger Menschen, unter gerechten Verhältnissen zu leben, bald in Erfüllung gehen wird!