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Erwachet! 1979
g79 22. 4. S. 23-26

Die letzten großen Herden auf der Wanderung

Vom „Awake!“-Korrespondenten in Kenia

EINDRUCKSVOLL! Ehrfurchteinflößend! Eines der erhabensten Schauspiele auf der Erde! Zehntausende von Tieren durchziehen große Teile der afrikanischen Steppen. Die alljährliche Wanderung der großen Herden von Gnus, Zebras, Gazellen und anderen Pflanzenfressern bietet einen faszinierenden Anblick.

Eine kurze Safari in das Masai-Mara-Wildschutzgebiet im Südwesten Kenias, die nördliche Fortsetzung der berühmten Serengeti, gibt uns Gelegenheit, dieses überwältigende Ereignis mitzuerleben, das vielleicht bald der Vergangenheit angehören wird.

Das Wildschutzgebiet

Das Masai-Mara-Wildschutzgebiet ist ein riesiges unberührtes hügeliges Gebiet mit Akazienbäumen und Grassavanne. In dem Wildschutzgebiet, das rund 1 800 Quadratkilometer umfaßt, sollen 95 verschiedene Säugetierarten und über 450 Vogelarten leben. Wir werden nicht nur zahllose kleinere Tiere sehen, sondern auch die großen Fünf der afrikanischen Tierwelt — Elefanten, Löwen, Nashörner, Leoparden und Kaffernbüffel. Am Mara-Fluß leben zahlreiche Nilpferde und Krokodile. Beachtenswert ist, daß die Massai (ein Hirtenvolk) ihr Vieh neben dem Großwild der Steppe weiden lassen, selbst auf die Gefahr hin, daß das eine oder andere Tier den vielen Löwen, die dort beheimatet sind, zum Opfer fällt.

Die Fahrt

Da unsere Safari nur kurz sein wird, möchten wir den Tag gut ausnutzen. Von Nairobi, der Hauptstadt Kenias, bis zum Reservat sind es über 270 Kilometer, daher starten wir schon morgens 4 Uhr. Narok, unser erstes Etappenziel, liegt bereits tief im Gebiet der Massai. Als der Morgen heraufdämmert und die Sonne in prachtvollen Farben über dem Horizont emporsteigt, sehen wir, daß die riesigen Ebenen von Tieren nur so wimmeln.

Wir sind immer noch fast 50 Kilometer vom Eingang des Wildschutzgebiets entfernt, aber bereits hier sehen wir riesige Herden pflanzenfressender Steppentiere. Zur Rechten, etwas abseits, grast eine größere Herde Thomsongazellen. Diese munteren kleinen Herdentiere erobern das Herz der Touristen im Nu — auch unser Herz. Die „Tommies“, wie die rötlichbraunen Thomsongazellen mit dem dunklen Seitenstreifen liebevoll genannt werden, bewegen ständig den Schwanz. Nein, sie wedeln nicht mit dem Schwanz wie ein Hund, sondern schlagen damit im Kreis herum. Jemand sagte einmal, er glaube, die „Tommies“ würden aus lauter Lebensfreude dauernd den Schwanz bewegen. Vielleicht hat er recht, doch bestimmt wissen wir es nicht; eins aber ist sicher: Die „Tommies“ sind amüsante Geschöpfe.

Gleich daneben steht eine Impala — wahrscheinlich das anmutigste aller Steppentiere. Sie ist zierlich gebaut, gelblichbraun und hat große klare braune Augen. Der Bock besitzt ein imposantes Leiergehörn. Die Impala ist ein Bild von Eleganz, sei es, daß sie wie versteinert auf einem Ameisenhügel steht oder in eleganten weiten Sprüngen davonjagt. Die Fähigkeit, so zu springen, ermöglicht es dieser Antilope, deren Lebensbereich der Busch und die Waldsavanne ist, ihren Feinden besser zu entkommen. Es ist ohne weiteres verständlich, daß es die Großkatzen oder andere Raubfeinde schwer haben, ein Tier zur Strecke zu bringen, das sozusagen durch die Luft segelt, wenn es mit weiten Sprüngen dem Feind davonjagt. Die zierlichen Impalas begeistern uns durch ihre Sprünge, obschon sie es gar nicht darauf angelegt haben, uns etwas Besonderes vorzuführen. Einige springen sogar höher als unser Auto. Andere überqueren die Straße mit einem einzigen Satz — eine Weite von sechs Metern oder mehr.

Die Ebenen wimmeln von Tieren. Unser Blick fällt auf die Hartebeests mit den merkwürdig geformten Hörnern. Auch Topi, Grantgazellen, Giraffen, Wasserböcke, Büffel und Warzenschweine sowie einige kleine Gnu- und Zebraherden können wir sehen. Bei diesem Gewimmel von Tieren ist sicherlich auch der König der Tiere nicht weit weg. Unsere Fahrt hat sich jetzt schon gelohnt; doch wir setzen sie schnellstens fort. Warum? Weil wir die jahreszeitliche Wanderung der großen Herden sehen möchten — wenn Tausende von Gnus und Zebras über die Steppen ziehen.

Die Wanderung

Von der Veranda des Hotels aus können wir einen flüchtigen Blick auf die ziehenden Herden werfen. Das wellige Land hinter dem Hotel sollte saftig grün oder goldbraun sein, aber heute ist es dunkel, fast schwarz. Wahrscheinlich wird es von einer riesigen Gnuherde überschwemmt. Ein kurzer Blick durch den Feldstecher bestätigt die Vermutung. Es müssen Tausende von Gnus sein! Schleunigst machen wir uns fertig für die Safari. Wir nehmen als Begleitung einen Wildhüter mit — und schon geht’s los!

Überall sieht man Gnus und Zebras. Wir haben das Gefühl, durch ein Meer von Tieren zu fahren, die — besonders die Gnus — im Gänsemarsch, als würden sie einem Anführer folgen, langsam weiterziehen. Sie wandern und wandern. Nichts vermag sie abzulenken. Sie durchqueren die Ebenen, ziehen durch Täler, durch Seen und Flüsse. Zur Zeit der Wanderung läßt die Tiere alles, was um sie herum geschieht, unberührt. Tragödien, wie wenn ein junges Gnu einem Räuber zum Opfer fällt, beachten die großen Gnus kaum. Sie stoßen, schieben und trampeln — ja, während die große Herde wandert, werden einige Tiere sogar zerdrückt. Wenn die Herde an einem Fluß Wasser trinkt, stehen manchmal drei Tiere übereinander. Die Folge? Viele kommen dabei um.

Wir fahren etwas näher an die Herde heran und können nun das charakteristische sonore Blöken hören. Welch ein merkwürdiger Laut! Gnus sind lärmige Tiere, und das ständige Brüllen so vieler Tiere ergibt zusammen einen mächtigen mißtönenden Chor, der über die Ebenen hallt.

Das Gnu, von den größeren Tieren Ostafrikas am zahlreichsten, sieht recht merkwürdig aus. Es ist unverkennbar eine Antilope, eng mit dem Hartebeest verwandt. Doch durch seinen Kopf mit den Hörnern eines Büffels, die kräftigen Schultern und die Halsmähne und den Schwanz eines Pferdes sowie durch die Brustmähne unterscheidet es sich von den anderen, anmutigeren Antilopen. Von den Gnus gibt es zwei Arten: das Weißschwanzgnu und das Streifengnu. Die Ebenen von Kenia und Tansania sind die Heimat des Südlichen Streifengnus oder Blauen Gnus (eine Unterart des Streifengnus). Es ist dunkelgrau und weist vorn dunklere Querstreifen auf, daher der Name „Streifengnu“. Die Bullen, die eine Schulterhöhe von 1,2 bis 1,4 Meter erreichen, können 270 Kilogramm schwer sein. Der Bulle ist ein kräftiges, robustes und mutiges Tier, das einem angreifenden Löwen durchaus gewachsen ist.

Gnus sind im allgemeinen Herdentiere, doch gibt es Bullen, die als Einzelgänger leben. Ein Gnu interessiert sich für alles, was in seiner Umgebung vorgeht. Erscheint ihm etwas verdächtig, jagt es ein kurzes Stück davon und wendet sich dann schnell, um nach dem Gegenstand zu äugen, der es erschreckt hat. Wenn es davongaloppiert, schüttelt es den Kopf, bäumt sich und schlägt aus. Dem Menschen erscheint dieses Gebaren etwas komisch.

Da die Zivilisation immer weiter vordringt, erreichen die alljährlichen Wanderungen der Gnus wahrscheinlich nicht mehr den Umfang früherer Jahre. Dennoch bieten sie einen atemberaubenden Anblick. Einmal sammelten sich die Herden drei Tage lang, bis schließlich ein etwa sechs mal dreizehn Kilometer großes Gebiet mit Tieren bedeckt war. Wie ein Beobachter berichtete, war das ein Meter hohe Gras in zwei Tagen bis auf zehn Zentimeter abgefressen.

Die Gnus legen auf ihren alljährlichen Wanderungen in einer Richtung — von der südlichen Serengeti in Tansania nach Norden in das Masai-Mara-Gebiet von Kenia — Tausende von Kilometern zurück. Auf den Maraebenen, wo die Tiere häufig gleich Perlen an einer Kette wandern und laufen, sieht man sie von Juli bis September. Manchmal sind die Gnus noch auf der Wanderung, wenn die Kälber geboren werden.

Warum wandern diese Tiere? Offenbar, um frische Weide zu finden; allerdings hat man Gnus beobachtet, die gutes Weideland verlassen haben und in ein Gebiet gewandert sind, wo das Gras weniger schön war. Bernhard und Michael Grzimek, Verfasser des Buches Serengeti darf nicht sterben, untersuchten das Gras der Serengeti. Ihre Ermittlungen sowie die anderer Forscher lassen den Schluß zu, daß die Gnus eine Grasart vorziehen, deren Proteingehalt dem des durchschnittlichen Heus entspricht. Wenn solches Gras sproßt, kommen die Tiere und weiden es ab, wobei sie ungefähr einen Kreis beschreiben. Ist das Gras in diesem abgeweideten Gebiet wieder ein paar Zentimeter nachgewachsen, so kehren sie zurück und fressen es nochmals ab. Einige Forscher stehen auf dem Standpunkt, daß außerdem noch ein angeborener Instinkt die Tiere zur Wanderung treibe. Andere sagen, die Gnus würden sich in hohem Gras nicht sicher fühlen, weil immer die Gefahr bestehe, daß sie von Löwen gerissen würden. Deshalb würden die Gnus auf ihren Wanderungen immer nur nach Gebieten suchen, wo Kurzgräser wüchsen. Ihre Wanderung ist, ganz gleich, was der Grund dafür sein mag, ein Schauspiel, das sich zu sehen lohnt.

Was wird die Zukunft bringen?

Die Ansprüche der Zivilisation und das rücksichtslose Verhalten selbstsüchtiger Menschen gefährden nicht nur die Gnus, sondern alle Tiere der afrikanischen Steppe. Wenn man bedenkt, daß in Amerika die Bisons beinahe ausgerottet wurden, steigt die Frage auf, wie es wohl mit der Zukunft der Gnus bestellt ist. Die wachsende Bevölkerung, die immer mehr Ackerboden und Land zum Bau von Wohnungen benötigt, erschwert es allen gewissenhaften Regierungen, den für die bewunderungswürdigen Tiere der afrikanischen Steppe benötigten Lebensraum sicherzustellen. Einige bemühen sich trotz großer Schwierigkeiten, dieses Vermächtnis des Schöpfers zu schützen. Durch die Errichtung von Wildschutzgebieten mögen die Gnus und andere afrikanische Tiere vor dem Aussterben bewahrt werden; das würde bedeuten, daß ihnen das Schicksal erspart bleibt, das so viele Tiere bereits erlitten haben.

Unsere zweitägige Safari ist zu Ende. Doch welch ein Erlebnis sie war! Die großen, Zehntausende von Tieren zählenden Herden marschieren zu sehen hinterläßt einen tiefen Eindruck. Noch lange werden wir uns an dieses ehrfurchteinflößende Schauspiel erinnern.

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