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Meine Scheidung — Chance für ein neues Leben?Erwachet! 1978 | 8. März
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entwickeln und an andere eher zu denken als an sich selbst. Sie haben zwar keinen Vater, aber sie wissen, daß es einen Gott gibt, der sich um sie kümmert — Jehova. Meine größte Freude besteht nun darin, zu beobachten, wie sie Gott, der seine Diener nie im Stich lassen und sie schließlich mit ewigem Leben segnen wird, immer besser kennenlernen und wie ihre Dankbarkeit ihm gegenüber ständig wächst (Ps. 133:3). (Eingesandt.)
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Bausteine, die Gott verherrlichenErwachet! 1978 | 8. März
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Bausteine, die Gott verherrlichen
„MÖGE es sich erweisen, daß Jehova, unser Gott, mit uns ist, ... damit alle Völker der Erde wissen, daß Jehova der wahre Gott ist“ (1. Kö. 8:57, 60). Diese Worte sprach König Salomo kurz nach seinem Einweihungsgebet anläßlich der Einweihung des Tempels in Jerusalem im Jahre 1026 v. u. Z. Auf den Bau dieses Tempels nahm Milton G. Henschel, Gastredner aus Brooklyn (New York), Bezug, als er am 6. November 1977 bei der Bestimmungsübergabe eines Kongreßsaales der Zeugen Jehovas in Möllbergen die Hauptansprache hielt. Die 2 396 Anwesenden sahen deutliche Beweise dafür, daß Gott ihre Bautätigkeit gesegnet hatte. Wie kam es aber dazu, daß dieses Gebäude, das vor weniger als zwei Jahren noch eine Fabrikhalle war, in einen Kongreßsaal umgebaut wurde?
Die Bautätigkeit beginnt
Damals bestand das Gebäude aus zwei nebeneinanderliegenden Hallen, die miteinander verbunden waren. Da das Gebäude direkt an der Autobahn Hannover — Dortmund lag, war es für die etwa 16 000 Zeugen Jehovas, die den Saal benutzen würden, sehr günstig gelegen. Deshalb wurde am 24. Juni 1976 der Kaufvertrag abgeschlossen.
Jetzt galt es, die vorhandenen Räumlichkeiten optimal auszunutzen. Bauzeichnungen wurden angefertigt, geändert, verbessert und schließlich bei den Baubehörden eingereicht. Dann begann das Warten auf die Baugenehmigung. Inzwischen wurde mit den Arbeiten begonnen, die ohne behördliche Zustimmung ausgeführt werden durften.
Wie aber dachten die Nachbarn über die vielen freiwilligen Helfer, die angereist kamen, um mitzuarbeiten? Das erfuhr ein Zeuge Jehovas, als er im Wald einen Spaziergang machte und von einem Möllberger mit der Frage angesprochen wurde: „Gehören Sie nicht auch zu den Leuten, die an der Halle wie Ameisen tätig sind?“ Der Vergleich mit den Ameisen war wirklich passend, denn an manchen Wochenenden haben bis zu 400 Personen dort emsig gearbeitet.
Kongreßsaal, Cafeteria und Küche nahmen immer klarere Formen an. Als wir die Baugenehmigung endlich erhielten, konnte umgehend die Rohbauabnahme beantragt werden. Bei einer Baubegehung sagten die verantwortlichen Beamten der Bauämter des Kreises Minden und der Stadt Porta Westfalica übereinstimmend: „Nun wird endlich aus einem Schandfleck ein Schmuckstück für die Stadt Porta Westfalica.“
Möchtest du den Saal besichtigen?
Wir betreten durch einen Windfang das Foyer, in dem sich zur Linken die Garderobe befindet und zur Rechten die Aufgänge zur Empore, die Räume für die Abteilungen „Erste Hilfe“ und „Mutter und Kind“ sowie eine Toilette für Rollstuhlfahrer. Wir wenden uns dann zur Linken und betreten den Hauptsaal, der bis zur Bühne eine Länge von 68 Metern und eine Breite von 24,5 Metern hat.
Beleuchtung, Beschallung und Ausstattung sind beeindruckend. Zum größten Teil wurden sie in Eigenleistung entworfen und angefertigt. Das Schaltpult ist so eingerichtet, daß alle Räume im Gebäude getrennt beschallt werden können. Ähnliches gilt für die Beleuchtung. Die Scheinwerfer für die Bühne können einzeln ein- und ausgeschaltet werden. Auch für Schwerhörige wurde Sorge getragen, denn im Saal und auf der Empore liegen Induktionsschleifen, die es den Schwerhörigen ermöglichen, mittels Kopfhörer alles genau zu verstehen.
Wir gehen nun in die Cafeteria, die ausreichend Möglichkeiten für 300 Sitzplätze und, wenn notwendig, 150 Stehplätze bietet. Der holzgetäfelte Raum und die modern eingerichtete Küche nebenan wirken sehr freundlich und einladend. Wir verlassen die Cafeteria und gehen einige Stufen hinauf in das darüber liegende Obergeschoß, wo ein weiterer Saal im Entstehen begriffen ist. Wofür? Dadurch soll es möglich werden, zwei Kongresse auf einmal durchzuführen, eventuell in zwei Sprachen. Sogar größere Kongresse können dann abgehalten werden, denn im Hauptsaal, auf der Empore, im zweiten Saal und in der Wandelhalle wird es genügend Platz für etwa 3 700 Besucher geben. Aber wie ist es mit den Parkmöglichkeiten? Vor dem Saal sind Abstellplätze für 21 Busse und 280 PKW vorhanden.
Im vorderen Teil des Gebäudes befinden sich im Erdgeschoß ein Taufbecken, einige Umkleideräume und Toiletten. Im oberen Geschoß ist der Königreichssaal der Ortsversammlung, einige Büroräume und die Wohnung des Hausmeisters.
Der Wunsch der Bauleute wird erfüllt
Wie beim Bau des Tempels, so war es auch beim Bau des Kongreßsaales der Wunsch der Bauleute, daß ihre Bautätigkeit als Teil ihres Gottesdienstes zur Verherrlichung Gottes beitragen möge. Daß Bausteine Gott verherrlichen können, zeigt die folgende Erfahrung, die bei der Bestimmungsübergabe von einem Mann erzählt wurde.
„Als ich das erste Mal Kontakt mit Jehovas Zeugen hatte, wohnte ich mit meiner Familie noch im Sauerland. Nach einigen intensiven Gesprächen begann meine Frau — gegen meinen Willen — ein Bibelstudium. Ich bildete mir ein, daß sie während meiner Abwesenheit beredet worden war. Deshalb nahm ich an weiteren Gesprächen teil, um ihr und den mit ihr studierenden Zeugen zu beweisen, daß viele Aussagen der Bibel nicht mehr in die heutige Zeit passen.
Doch so sehr ich mich auch bemühte, ihnen ,Vernunft‘ beizubringen, sie waren nicht kompromißbereit. Wütend sagte ich bei den letzten Gesprächen mehrmals, daß Menschen, die an der Haustür von einem anderen Glauben überzeugt werden könnten, leicht zu beeinflussen seien. Man brauche ihnen wohl nur ein paar schöne Geschichten zu erzählen und schon würden sie ihren bisherigen Standpunkt aufgeben. Mir war klar, daß nur diejenigen Zeugen Jehovas werden können, die keine feste Meinung haben. So kam ich zu dem Schluß: ,Die Zeugen Jehovas sind ein Volk von Umkippern.‘
Aus beruflichen Gründen zogen wir dann nach Vlotho, ganz in der Nähe von Möllbergen. Ich erzwang von meiner Frau das Versprechen, sich nicht mehr um diese Leute zu kümmern. Doch bald nahm sie ihr Bibelstudium wieder auf und ging sonntags in die Versammlung. Ich warf ihr vor, das Familienleben zu zerstören, da der Sonntag durch meine schlechte Laune und die nervenaufreibenden Streitereien jedesmal mit Wutausbrüchen auf meiner Seite und Tränen auf ihrer Seite endete. Wir sprachen, obwohl wir zwei Kinder haben, von Scheidung und wollten die Sache so regeln.
Nach fast einem Jahr in diesem Zustand sagte sie einmal: ,Die Zeugen Jehovas bauen in Möllbergen eine große Kongreßhalle; sollen wir uns das mal ansehen?‘ Ich dachte bei mir: ,Was können diese Weichlinge schon Großes bauen? Das muß ich sehen!‘ — Ja, und am folgenden Sonntag fuhren wir hin.
Was wir da zu sehen bekamen, war unbegreiflich. Da stand eine riesige alte Fabrikhalle mit eingeschlagenen Fenstern und rissigen Wänden. So ein Projekt haben die in Angriff genommen? Draußen und drinnen waren Berge von Steinen, Sand, Zement, Kalk und Holz. Das war eine richtige Großbaustelle.
Ein meiner Frau schon bekannter Zeuge führte uns durch den gesamten Komplex. Da waren Männer, die mauerten, Verschalungen zimmerten, Fundamente betonierten und Baupläne lasen. Da waren Frauen, Jugendliche und sogar Kinder, die Steine schleppten, Sand schippten, aufräumten oder in der Küche arbeiteten. Wie uns unser Begleiter sagte, kamen viele von weit her, blieben sogar über Nacht und machten das alles unentgeltlich. ,Ohne Bezahlung?‘ fragte ich mich.
Und freundlich waren sie. Alle grüßten, obwohl wir sie doch gar nicht kannten. Und keiner rauchte. Die konnten also nicht nur in der Stube hocken und in der Bibel lesen, sondern auch zupacken, richtig zupacken.
An diesem Nachmittag hatte ich so viel gesehen, daß ich später zu Hause nachdenken und umdenken mußte. Gefühlsmäßig war ich nun in einer Zwickmühle. Bei Bekannten und Arbeitskollegen redete ich begeistert von den Zeugen Jehovas und der Kraft ihres Glaubens. Zu Hause jedoch, wohin meine Frau nun öfter ein junges Ehepaar einlud, war ich wohl bereit, mit ihnen zu reden, glaubte jedoch nicht alles, was sie sagten oder aus der Bibel vorlasen, und ich versuchte meinerseits immer noch, sie eines Besseren zu belehren. Doch ihre Geduld, ihre Langmut und ihre Herzlichkeit machten mir wiederum so zu schaffen, daß ich eines Tages zum ersten Mal zu dem Gott, der Jehova heißt, betete: ,Wenn du der Gott bist, der diesen Menschen die Kraft für all ihre Werke gibt, so gib mir bitte die Kraft, bei der nächsten Gelegenheit dorthin zu gehen, wo ich mehr über dich und dein Wort erfahren kann.‘
Am selben Abend fragte meine Frau sehr vorsichtig: ,Würdest du heute abend mit zum Buchstudium gehen?‘ Ich kämpfte mit mir, stand auf und ging mit. Die wunderbaren Wahrheiten, die ich allein an diesem Abend erkennen durfte, veranlaßten mich, bald darauf ein Bibelstudium zu beginnen.
Inzwischen verbrachten die Schwester meiner Frau und ihr Mann einen kurzen Urlaub bei uns in Vlotho. Wir hatten ihnen schon des öfteren bei Besuchen Zeugnis geben können. Sogleich fuhren wir mit ihnen hier nach Möllbergen, um ihnen zu zeigen, was hier mit der Hilfe Jehovas entstanden war. Sie waren tief beeindruckt und besuchten, als sie wieder zu Hause waren, die nächste Versammlung. Dort lernten sie freundliche Brüder kennen, und heute studieren sie die Bibel. Auch hier hat Jehovas Geist gewirkt, und wir hoffen und beten, daß wir einen neuen Bruder und eine neue Schwester gefunden haben. Es bleibt noch zu erwähnen, daß meine Frau längst getauft ist und ich darauf warte, getauft zu werden.“
Nun, die Bautätigkeit an diesem großen Projekt ist immer noch nicht abgeschlossen, aber Jehovas Zeugen arbeiten eifrig daran weiter, in der Gewißheit, daß es sich erweisen wird, daß Jehova, ihr Gott, mit ihnen ist. Ihre weitere Bautätigkeit und vor allen Dingen ihre Predigttätigkeit, wozu dieser Saal sie anspornen soll, werden noch vielen aufrichtigen Personen helfen, den wahren Gott, Jehova, besser kennenzulernen.
[Bild/Karte auf Seite 13]
MÖLLBERGEN
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