Plane im voraus, und du fährst wirtschaftlich
IN VIELEN europäischen Familien sind gleich nach den Ausgaben für Wohnung und Lebensmittel die Unterhaltskosten für das Auto der größte Ausgabenposten. Die Preise für Kraftstoff und andere Produkte des Kraftfahrzeugbedarfs sind in letzter Zeit erheblich gestiegen. Neuwagenpreise sind in die Höhe geschnellt. Der einzelne Autofahrer kann kaum etwas unternehmen, um diese Entwicklung aufzuhalten.
Allerdings gibt es Bereiche, in denen der Durchschnittsautofahrer Kosten einsparen kann. Das Geheimnis des Sparens besteht darin, im voraus zu planen. Das beginnt bereits beim Autokauf.
Welches Auto kaufen?
Kleinwagen brauchen in der Regel weniger Kraftstoff als größere Autos. Natürlich muß man zugunsten der Wirtschaftlichkeit auf einige Annehmlichkeiten und vielleicht sogar auf ein gewisses Maß an Sicherheit verzichten. Wenn bei der Wahl eines Neuwagens die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht, besorgt man sich am besten eine Tabelle, die über den Gesamtkostenaufwand pro gefahrenem Kilometer Aufschluß gibt. Solche Tabellen kann man beispielsweise über Automobilklubs beziehen. Vergleiche die einzelnen Modelle miteinander, und ermittle, ob es besondere Varianten oder Ausstattungsdetails gibt, die Kraftstoff sparen helfen.
Im voraus zu planen schließt aber ein, auch die Kehrseite der Medaille in Betracht zu ziehen. Wenn du zur Zeit einen großen Wagen besitzt, ist das noch kein Grund, ihn sofort zu verkaufen und durch einen neuen, kleineren zu ersetzen. Dadurch könntest du nämlich Geld verlieren. Inwiefern?
Vielleicht mußt du für die Anschaffung eines anderen Autos einen Kredit aufnehmen. Rechne dir aus, wie lange du mit diesem Betrag dein Auto — dessen Unterhaltskosten dir ja bekannt sind — noch weiter fahren kannst. Das Ergebnis könnte dich überraschen; es mag günstiger sein, dein jetziges Auto noch eine Zeitlang zu behalten.
Richtige Wartung des Autos
Ein anderer, für wirtschaftliches Fahren entscheidender Faktor ist die richtige Wartung des gesamten Fahrzeugs. Es gibt einige Grundregeln, die dir helfen, den größtmöglichen Nutzen aus deinem Wagen zu ziehen.
Sorge dafür, daß die Batterie, die Zündanlage und das Ventilspiel immer in einem ordnungsgemäßen Zustand sind. Der Motor verbraucht dann beim Anlassen weniger Benzin. Bei verschmutzten und abgenutzten Zündkerzen kann der Mehrverbrauch bis zu 10 Prozent betragen. Achte darauf, daß die Bremsbeläge nicht schleifen; das bedeutet sonst erhöhten Bremsenverschleiß und Kraftstoffverbrauch.
Ist der Vergaser sauber, und ist er richtig eingestellt? Wenn du ihn regelmäßig überprüfen läßt, hast du nach jeweils 20 000 km Fahrleistung für 300 bis 370 DM Benzin gespart. Auch der Luftfiltereinsatz sollte regelmäßig gereinigt und ausgewechselt werden.
Oft wird der Wert einer guten Schmierung verschiedener beweglicher Teile unterschätzt. Sie vermindert den Verschleiß und senkt den Kraftstoffverbrauch.
Auch durch „schlappe“ Reifen wird Kraftstoff verschwendet. Liegt der Reifenluftdruck zum Beispiel 0,8 bar unter dem vorgeschriebenen Wert, dann steigt der Kraftstoffverbrauch bei der Reifengröße 155 SR 13 bis zu 7 Prozent an. Man hat dann nach 20 000 km etwa 140 DM verloren. Eine zusätzliche Ersparnis erzielt man, wenn man in die Reifen etwas mehr als den Mindestdruck pumpt. Natürlich sollte nie der Höchstdruck überschritten werden. Überprüfe von Zeit zu Zeit das Reifenprofil. Ist es ungleichmäßig abgenutzt, müssen eventuell Radspur und Radsturz nachgestellt werden.
Deine Fahrweise
Um mit deinem Geld mehr Kilometer zurücklegen zu können, mußt du deine Fahrten im voraus planen. Könntest du nicht, statt mehrere kurze Fahrten zu verschiedenen Geschäften zu unternehmen, alles mit einer einzigen Fahrt verbinden?
Daß es vorteilhaft ist, viele Kurzstrecken zu einer einzigen Fahrt zusammenzulegen, wurde durch eine Reihe von Tests bewiesen. Zuerst wurde ein Auto mit kaltem Motor 5 km weit gefahren. Als man beim zweiten Versuch nach dem Kaltstart eine Strecke von 20 km zurücklegte, betrug der Verbrauch pro gefahrenem Kilometer ein Drittel weniger, und als der Motor völlig warmgelaufen war, sank der Verbrauch noch einmal um ein Fünftel. Mit anderen Worten: Der Motor verbrauchte im warmen Zustand nur halb soviel Kraftstoff wie im kalten.
Eine weitere Sparmöglichkeit sind Fahrgemeinschaften. In manchen Ländern fahren durchschnittlich nur 1,6 Personen in einem Auto. Könnte man diesen Durchschnittswert auf 2 Personen erhöhen, dann würden die Verkehrsstauungen um 20 Prozent verringert werden. Dadurch könnte die Gesamtwirtschaft jedes Jahr etliche Millionen Liter Kraftstoff einsparen. Ein Abkommen mit einem Freund oder Nachbarn kann also bares Geld bedeuten.
Auch am Steuer lohnt es sich, weitsichtig zu sein. Laß nach dem Kaltstart den Motor nicht zu lange warmlaufen, sondern nur gerade so lange, daß er nicht „abstirbt“, wenn du anfährst. Drehe den Motor in den ersten Minuten nicht so hoch, sondern fahre ihn vorsichtig warm.
Fahre vorausschauend. Auf diese Weise kannst du plötzliches Bremsen und Anfahren und somit auch Kraftstoffverschwendung vermeiden. Jeder „Kavalierstart“ mit einem 70-PS-Auto kann zusätzlich etwa vier Pfennig Kraftstoff kosten. Stelle dich auf eine Kurve oder auf einen Fahrstreifenwechsel schon vorher ein, damit du nicht so abrupt mit dem Brems- und dem Gaspedal umgehen mußt.
Vielleicht kannst du viele Fahrten auf verkehrsschwache Zeiten verlegen und dadurch dem Stop-and-go-Verkehr entgehen. Gemäß Schätzungen kostet zweimaliges Anhalten pro Kilometer 20 Prozent mehr Kraftstoff als ein Halt pro Kilometer.
Vorsicht scheint geboten bei einigen Anzeigen, in denen kraftstoffsparende Zusatzgeräte angepriesen werden. Einige dieser Produkte mögen wirksam sein, aber längst nicht alle. Am besten erkundigt man sich bei einem Bekannten, der bereits ein solches Gerät hat. Als sehr nützlich erweist sich ein Ökonometer — es zeigt immer den momentanen Benzinverbrauch an.
Ebenfalls im voraus planen kann man bei der Frage, wo man tanken soll. An Autobahntankstellen ist der Kraftstoff meist teurer als in der Stadt. Fülle den Tank am besten vor dem Antritt einer großen Reise. Auch sind die Kraftstoffpreise nicht in allen Ländern Europas gleich, so daß man vor dem Überschreiten von Grenzen überlegen sollte, in welchem Land man volltanken möchte.
Zweifellos wird dir die Beachtung obiger Hinweise Geld sparen helfen. Natürlich gibt es noch viele andere gute Ratschläge für wirtschaftliches Autofahren, doch sie alle laufen darauf hinaus, im voraus zu planen.