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  • Auf den Inseln Jehovas Lobpreis verkünden
    Der Wachtturm 1977 | 1. Mai
    • Auf den Inseln Jehovas Lobpreis verkünden

      „Auf sein Gesetz werden selbst die Inseln harren. Mögen sie Jehova Herrlichkeit zuschreiben, und auf den Inseln mögen sie auch seinen Lobpreis künden“ (Jes. 42:4, 12). Wie sehr „die Inseln“ auf Jehovas Gesetz „geharrt“ haben, wurde mir bei meinem letzten Besuch auf der Insel Madeira und den Azoren klar. Ich diente als Kreisaufseher der Zeugen Jehovas und wurde von meiner Frau begleitet. Das uns zugeteilte Gebiet schloß acht Inseln ein; eine davon sollte zum erstenmal von Jehovas Zeugen besucht werden. Möchtest du dich in Gedanken uns anschließen, während wir einiges von dem erzählen, was wir auf dieser ereignisreichen Reise erlebt haben?

      ERSTER HALT: MADEIRA

      Eineinhalb Stunden, nachdem wir Lissabon (Portugal) verlassen haben, befindet sich unser Jet im Anflug auf die Insel Madeira. Der Anblick der zerklüfteten Küste mit ihren steilen Klippen, die aus dem Meer aufragen, ist atemberaubend. Auf der 25 Kilometer langen Strecke vom Flughafen bis nach Funchal, der Hauptstadt, stellen wir fest, daß auf dieser Insel Zuckerrohr und Bananen angebaut werden. Wir beobachten eine üppige Vegetation mit großem Blütenreichtum. An Bergabhängen wird in hübsch angelegten Terrassen Wein angebaut. Angesichts der vielen Bäume leuchtet uns die Bedeutung des Namens der Insel ein, denn das portugiesische Wort madeira bedeutet „Holz“. In dieser Umgebung werden wir die nächsten fünf Wochen verbringen.

      Unsere Tätigkeit beginnt mit dem Besuch der drei Versammlungen in Funchal, einer Stadt mit 45 000 Einwohnern. Seit der portugiesischen Revolution am 25. April 1974 hat es auf dieser Insel, die früher unter vorwiegend katholischem Einfluß stand, große Veränderungen gegeben. Unsere Mitzeugen berichten, daß sich praktisch ein neues Gebiet zum Predigen auftat. Vielen Menschen wurde bewußt, daß Kirchenführer mit dem alten diktatorischen Regime eine enge Freundschaft verband. In auffallendem Gegensatz zu dem starken Rückgang des Kirchenbesuchs ist es ermutigend, zu sehen, wie der neue Königreichssaal (der im Juni 1975 eingeweiht worden ist) stets bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Es werden bereits Pläne gemacht, um den Saal zu erweitern. Wie schnell die Zahl der Zeugen Jehovas hier in den letzten Jahren gewachsen ist, geht aus folgendem Vergleich hervor: Es dauerte neunzehn Jahre, bis es die ersten hundert aktiven Mitarbeiter gab, aber in den letzten vier Jahren hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Die letzte Höchstzahl aktiver Zeugen war 274.

      Den Höhepunkt der letzten Woche unseres Aufenthalts auf Madeira bildet ein „Kreiskongreß“. Beamte der Stadt haben uns das Stadttheater kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir sind begeistert, daß am Sonntag 448 Anwesende gezählt werden. Der Direktor des Theaters bringt sein Erstaunen über die vorzügliche biblische Unterweisung zum Ausdruck. Ein Angestellter des Theaters sagt: „Die Priester hätten euren Kongreß besuchen sollen, damit sie gesehen hätten, wie sie ihre Pfarrkinder über die Bibel belehren sollten.“ Überdies bittet er darum, daß in seiner Wohnung wöchentlich ein Bibelstudium stattfindet.

      SÃO MIGUEL (AZOREN)

      Am darauffolgenden Morgen fliegen wir nach den Azoren weiter, einer Inselgruppe im Nordatlantik. Diese neun Inseln sind (wie Madeira) vulkanischen Ursprungs. Das Klima ist mild und verändert sich mit den Jahreszeiten nur geringfügig. Ackerbau und Viehzucht sind zwei wichtige Erwerbszweige. Die Inseln sind für ihren ausgezeichneten Käse und für eine große Vielfalt von Früchten bekannt. Das Leben der 280 000 Bewohner des Archipels wurde durch die Veränderungen unserer heutigen Welt kaum berührt.

      Den ersten Besuch auf der Insel São Miguel machen wir bei drei Zeugen Jehovas, die als „Sonderpioniere“ in der Stadt Ribeira Grande tätig sind. Der Einfluß der katholischen Kirche fällt hier sofort auf. Die meisten Leute sind gegenüber jedem, der mit der Bibel vorspricht, sehr mißtrauisch, und viele Wohnungsinhaber spotten über unsere Tätigkeit, während wir von Tür zu Tür gehen. Sie rufen uns zu, wir sollten die Stadt verlassen. An einer Tür erscheint schließlich eine würdevolle Dame, die uns fragt, wer wir seien. Wir antworten: „Jehovas Zeugen.“ Sie entgegnet darauf höflich: „Dann kommen Sie bitte herein.“ Sie erzählt uns, sie sei in der Vergangenheit gegen Jehovas Zeugen garstig gewesen, und fügt hinzu: „Obwohl ich eine praktizierende Katholikin bin, weiß ich nun nicht mehr, wo überhaupt die Wahrheit zu finden ist. Neulich stellte ich dem Priester einige Fragen, und er konnte mir keine einzige zufriedenstellend beantworten.“

      Sie holt ihre Bibel, und es folgt eine interessante Unterhaltung, die nur durch Nachbarn gestört wird, die dreist die Wohnung betreten. Sie sind sichtlich bestürzt darüber, daß die Dame Zeugen Jehovas Gehör schenkt. Wir staunen, wie diese gottesfürchtige Frau ihren Nachbarn freundlich erklärt, daß sie viel Interessantes über Gott kennenlerne. Sie sagt, ihre Nachbarn hätten keinen Grund, so voreingenommen gegen Gottes Wort, die Bibel, zu sein, und sie ihrerseits sei entschlossen, noch mehr kennenzulernen. Einer nach dem anderen von den Nachbarn verläßt die Wohnung. Welch eine Freude, bei dieser schafähnlichen Frau, die wirklich nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, ein Heimbibelstudium beginnen zu dürfen!

      Kurz nachdem wir ihre Wohnung verlassen haben, gehen wir an einem körperbehinderten Mann vorbei, der auf einer Bank sitzt. Er ruft uns einige Male zu, doch wir beachten ihn nicht, weil wir glauben, er verspotte uns genauso wie die anderen. Aber der Mann ruft immer wieder, wir sollten uns doch mit ihm unterhalten. Schließlich machen wir kehrt. Auf seine Frage: „Was tun Sie hier?“ erzählen wir ihm von der Königreichsbotschaft und erkennen an seinen funkelnden Augen, daß er sich dafür interessiert. Am Sonntag ist es für uns eine freudige Überraschung, diesen Mann unter den 42 Personen willkommen heißen zu dürfen, die zum öffentlichen Vortrag gekommen sind. Er ist zwei Kilometer zu Fuß gelaufen, und das an Krücken.

      Unser nächster Besuch gilt dem etwa vierzig Kilometer entfernten Povoação auf der Südseite der Insel. Welch herrliche Reise: vorbei an heißen Quellen, wo kochendes Wasser aus verborgenen Erdspalten hervorquillt, vorbei an Teepflanzungen und an plätschernden Gebirgsbächen entlang, in denen es von Forellen, Fluß- und Schwarzbarschen nur so wimmelt! Bei unserer Ankunft erzählt uns der dortige „Sonderpionier“, der einheimische Priester sei sehr darüber beunruhigt, daß einige Leute daran interessiert seien, unter unserer Anleitung die Bibel zu studieren; er habe daher seinen Gemeindemitgliedern ein solches Studium der Bibel mit Jehovas Zeugen verboten und gesagt, wir glaubten nicht an Gott und an die Jungfrau Maria.

      Auf der Hauptstraße betrete ich ein Frisörgeschäft und beginne eine Unterhaltung mit dem Inhaber. Er hört aufmerksam zu, und bald sind auch alle anderen Anwesenden ganz Ohr. Vor dem Geschäft ist ein Taxistand, und nach kurzer Zeit kommen alle Taxifahrer, um zuzuhören. Dann gesellen sich einige Männer aus dem Café auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu der wachsenden Menge. Da sich eine so günstige Gelegenheit bietet, entschließe ich mich zu improvisieren und halte schließlich einen „öffentlichen Vortrag“ von fast einer Stunde. Es folgt eine lebhafte Diskussion, bei der viele Anwesende Fragen über die Bibel stellen. Sooft jemand das Geschäft betritt und zu sprechen beginnt, muß er sich von den anderen sagen lassen: „Ruhe! Wir hören uns gerade eine interessante Erklärung über die Bibel an. Wenn Sie nicht zuhören wollen, können Sie wieder gehen. Wir möchten das jedenfalls hören.“ Nachdem die Fragen anhand der Bibel zufriedenstellend beantwortet worden sind, äußern sich einige wie folgt: „Das hat uns der Priester noch nie gesagt!“ „Er hat uns betrogen!“ „Er predigt nicht die Wahrheit!“

      Später erfahren wir, daß mindestens dreißig von den Personen, die bei der Diskussion im Frisörgeschäft waren, den Priester aufsuchten und sich darüber beklagten, daß er nicht die Wahrheit über Jehovas Zeugen gesagt habe. Einige Fanatiker drohen uns zwar mit Pöbelaktionen. Doch die Tätigkeit in der Woche ist von unerwartetem Erfolg gekrönt. Am Sonntag sind 52 Personen anwesend, um die Lichtbilder zu dem Thema „Eine nähere Betrachtung der Kirchen“ zu sehen.

      Unser Besuch auf dieser Insel geht mit einem Kreiskongreß zu Ende, bei dem eine Höchstzahl von 240 Anwesenden gezählt wird; sechs Personen lassen sich taufen. Welch ein wunderbarer Höhepunkt für einen Monat besonderer Tätigkeit auf der Insel São Miguel!

      WEITER NACH DEN INSELN TERCEIRA UND PICO

      Die Insel Terceira verdankt ihren Namen dem Umstand, daß sie als dritte Insel in diesem Archipel entdeckt worden ist; ihr Name bedeutet „dritte“. Auf der Insel ist ein blühendes Fischereigewerbe zu Hause. Jehovas Zeugen haben hier zwei Versammlungen, die eine in der Hauptstadt Angra do Heroismo und die andere in Praia da Vitória. Die Zusammenkünfte der beiden Versammlungen werden durchschnittlich von insgesamt mehr als 200 Personen besucht. Alle sind von diesen Zusammenkünften begeistert. Eine Zeugin Jehovas, die einen ungläubigen Mann hat und Mutter von sechs Kindern ist, geht zu den Zusammenkünften regelmäßig 12 Kilometer zu Fuß. Sie hat schon einige Male als „Hilfspionier“ gedient, und während unseres Besuchs verbreitet sie im Laden-zu-Laden-Dienst 180 Zeitschriften.

      Unsere nächste Insel ist nicht direkt mit dem Flugzeug zu erreichen. Nach unserer Landung in Horta auf der Insel Faial müssen wir daher ein Boot besteigen, um nach Madalena auf der Insel Pico überzusetzen. Die Bootsfahrt dauert nur eine halbe Stunde, doch sie ist unvergeßlich. Wir haben, gelinde gesagt, rauhe See. Einmal befinden wir uns auf einem Wellenkamm, im nächsten Augenblick im Wellental. Und wie überwältigt ist unser Auge, wenn wir dann nach oben blicken! Das Boot wieder zu verlassen ist alles andere als leicht. Wir müssen genau den richtigen Moment abpassen. Wenn das Boot von einer Welle herunterkommt und auf gleicher Höhe mit der Kaimauer ist, heißt es springen.

      Pico ist eine ziemlich einzigartige Insel. Von der Küste aus zieht sich eine leicht geneigte Ebene ins Innere, die immer steiler ansteigt, bis sie einen glockenartigen Kegel bildet, der eine Höhe von 2 350 Metern über dem Meer erreicht. Das Leben ist hier primitiv. In vielen Häusern gibt es keinen Strom. Durch mühevolle Arbeit ringen die Menschen dem Land und dem Meer die Nahrung ab. Die Türen sind stets unverschlossen, und jedermann ist sehr freundlich.

      Auf dieser Insel gibt es zwei kleine Versammlungen. Einige Zeugen gehen zu den Zusammenkünften regelmäßig zehn Kilometer zu Fuß und kehren danach auf dunklen Pfaden nach Hause zurück. Bei regnerischem Wetter kommen sie völlig durchnäßt an, aber sie sind das gewohnt und lassen sich dadurch nicht vom Besuch der Zusammenkünfte abhalten.

      Hier besuchen wir auch die Stadt Lajes, die zum nichtzugeteilten Gebiet zählt. Mit Bibeln, Büchern und Zeitschriften ausgerüstet, brechen wir um fünf Uhr morgens mit dem einzigen Bus auf, der diese Strecke täglich einmal fährt. Unsere Tätigkeit beginnt, sobald wir den Bus verlassen haben. Wir sind tief bewegt, als einige Wohnungsinhaber bittend zu uns sagen: „Bitte gehen Sie heute noch nicht. Wir möchten gern, daß Sie noch bleiben und uns helfen, diese wunderbaren Dinge über Gott kennenzulernen.“ Am Nachmittag suchen uns einige Leute, die am Vormittag nicht zu Hause waren, als wir in ihrer Gegend Besuche machten. Sie wünschen die gleiche biblische Literatur, die ihre Nachbarn von uns erhalten haben. An einem einzigen Tag verbreiten wir 240 Stück Literatur.

      Ein Kreiskongreß bietet ein Programm, das den örtlichen Verhältnissen auf Pico angepaßt ist, und die 57 Anwesenden sind entschlossen, die gute Botschaft weiterhin treu zu verkündigen, solange noch Zeit während des „Tages der Rettung“ verbleibt (2. Kor. 6:2).

      FLORES UND FAIAL

      Wir erfahren, daß nach der Insel Flores nur alle zwei Wochen einmal ein Flugzeug fliegt, freuen uns aber, als wir hören, daß im Hafen von Santa Cruz gerade ein Schiff fahrbereit ist. Flores ist eine kleine Insel mit reicher Vegetation und einigen herrlichen Wasserfällen. Die Gehöfte sind nicht durch Steinmauern, sondern durch Mauern von Hortensien voneinander getrennt. Kein Wunder, daß die Insel Flores genannt wird, was „Blumen“ bedeutet.

      Wie konnte an diesem abgelegenen Ort eine Versammlung gegründet werden? In den Vereinigten Staaten lernte ein eifriges Ehepaar die Wahrheit kennen und korrespondierte mit Angehörigen auf dieser seiner Heimatinsel. Im Jahre 1975 kehrte es eigens deswegen zurück, um seinen Freunden erkennen zu helfen, daß Gott Vorkehrungen für eine neue Ordnung getroffen hat. Und wie es doch gesegnet worden ist! Den 5 500 Einwohnern der Insel predigen bereits acht neue Zeugen die gute Botschaft. Die Zusammenkünfte in dem kleinen Königreichssaal werden von durchschnittlich 20 Personen besucht.

      Auf der Rückreise kommen wir wieder nach Faial, wo wir nun kurz Zeugen Jehovas besuchen, die als „Sonderpioniere“ dienen und erst vor kurzem diese neue Zuteilung angetreten haben. Für das Predigen des Königreiches und das Jüngermachen bestehen hier gute Aussichten, da bereits sechzehn Bibelstudien durchgeführt werden.

      SÃO JORGE — JUNGFRÄULICHES GEBIET

      Nun erwartet uns ein besonderes Vorrecht. In Angra do Heroismo schließen wir uns einem „Sonderpionier“-Ehepaar an und fahren mit einem Boot nach der Insel São Jorge, um dort mit dem Königreichsdienst zu beginnen. Für das Ehepaar ist dies eine neue Zuteilung. Wir haben Anteil an ihrer Freude, das Werk zu eröffnen.

      Unser Schiff legt um 22 Uhr ab, doch wegen der stürmischen See kann niemand schlafen. Wir nehmen die Gelegenheit wahr und verteilen an alle Passagiere kostenlose Traktate. Beim Frühstück sind wir überrascht, daß sich ein katholischer Priester zu uns an den Tisch setzt. Bald entspinnt sich eine lebhafte Unterhaltung über die Dreieinigkeit und über die Unsterblichkeit der Seele. Unsere Diskussion erregt die Aufmerksamkeit anderer Passagiere, und es dauert nicht lange, bis sich eine ansehnliche Zuhörerschaft eingefunden hat, während wir Punkt für Punkt zeigen, was die Bibel lehrt. Plötzlich hat es der Priester eilig, er steht auf und entschuldigt sich, indem er sagt, er benötige noch etwas Ruhe, und verschwindet.

      Der erste Tag im Königreichsdienst an unserem Bestimmungsort verläuft wirklich produktiv. Wir geben zu viert insgesamt 343 Bücher und andere biblische Schriften ab. Vor allem können wir einige Heimbibelstudien beginnen. Etwas Außergewöhnliches geschieht, nachdem ein interessierter Mann begierig das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt entgegengenommen hat. Als er einige Seiten gelesen hat, läuft er zu seinen Nachbarn, um ihnen zu erzählen, was für eine gute Botschaft das Buch enthält, und er ermuntert sie, unbedingt ein solches Buch zu erwerben. Nach kurzer Zeit erscheint er wieder und bittet noch um vier Exemplare für seine Freunde. Er hat uns kaum verlassen, da ist er auch schon wieder und bittet um weitere fünf Bücher für andere seiner amigos. Das geschieht mehrmals an diesem Nachmittag, und wir glauben, daß der erste Tag im Königreichsdienst auf dieser Insel wirklich ein guter Start gewesen ist, denn wir haben bereits einen Helfer, der bemüht ist, die Wahrheit des Wortes Gottes zu verbreiten.

      Wie sehr die „Inseln nach Hilfe rufen“, zeigt sich erneut, als wir die Stadt Velas besuchen. Als ich mich an einer Tür vorstelle, sagt der Mann: „Auf Ihren Besuch habe ich schon lange gewartet. Ich lese täglich in der Bibel, und ich wußte, daß Jünger Jesu Christi eines Tages an meine Tür kommen würden, weil die Bibel sagt, daß sie in den letzten Tagen ein solches Werk durchführen.“ Natürlich entsteht eine interessante Unterhaltung, und ich kann ein Heimbibelstudium beginnen. Der Mann lädt mich zum Essen ein, doch das habe ich selbst mitgebracht. Später am Nachmittag treffen wir uns wieder, und diesmal hat er einen großen Sack Orangen bei sich und sagt zu mir: „Sie konnten meine Einladung zum Essen nicht annehmen, so nehmen Sie bitte diesen Sack Orangen als Geschenk. Unser Herr sagte, daß seine Jünger keine Geldbörse und keinen Proviantbeutel mitzunehmen brauchten, da sie ihres Lohnes wert seien.“ Wir staunen über eine solch aufrichtige Wertschätzung für den Dienst, an dem wir uns beteiligen.

      LETZTER HALT: SANTA MARIA

      Ein junger Zeuge Jehovas war von Portugal auf diese Insel versetzt worden, um für seinen Arbeitgeber dort tätig zu sein. Er nahm eifrig die Gelegenheit wahr, unter der Bevölkerung Jehovas Vorsätze bekanntzumachen. Haben wir bei unserer Ankunft den Eindruck, daß er sich einsam und verlassen fühlt? Im Gegenteil, er sprudelt geradezu über, während er uns eine Erfahrung nach der anderen erzählt. Am Wochenende und an den Abenden führt er achtzehn Heimbibelstudien durch, und viele Monate verbrachte er 90 bis 100 Stunden im Königreichsdienst, während er gleichzeitig einer Ganztagsbeschäftigung nachging. Unser Besuch gereicht zu einem wunderbaren „Austausch von Ermunterung“ (Röm. 1:12). Sein Beispiel ist für uns wirklich glaubensstärkend.

      Wir können kaum glauben, daß unsere Reise schon zu Ende geht. Mit eigenen Augen haben wir sehen können, welch wunderbares Werk Jehova in diesen „letzten Tagen“ durchführt. Wir schätzen das Beispiel sehr, das fünfzehn Zeugen Jehovas als „Sonderpioniere“ geben, indem sie auf den Azoren wie echte Missionare dienen. Insgesamt 267 Verkündiger und Pioniere führen auf diesen Inseln 271 Heimbibelstudien durch. Wir sind froh, daß wir, dem Beispiel des Paulus und Barnabas folgend, auf all diesen Inseln, wo „das Wort Jehovas“ nun so eifrig verkündigt wird, ‘die Brüder besuchen konnten, um zu sehen, wie es ihnen geht’ (Apg. 15:36). (Eingesandt.)

      [Karte auf Seite 285]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      AZOREN

      Flores

      São Jorge

      Faial

      Terceira

      Pico

      São Miguel

      Santa Maria

      ATLANTISCHER OZEAN

      MADEIRA

      PORTUGAL

  • Keine Zeit zum Bibellesen
    Der Wachtturm 1977 | 1. Mai
    • Keine Zeit zum Bibellesen

      ● In Arizona nahm eine Baptistin, die einen Haushalt zu führen und Kinder zu versorgen hat, das Angebot der Zeugen Jehovas an, mit ihr die Bibel zu studieren. Nach einiger Zeit erhielt sie Besuch von ihrem Prediger. Sie versuchte, ihm das, was sie bei dem Studium gelernt hatte, mit der Bibel zu beweisen. Doch der Prediger sagte stets: „Das ist nur sinnbildlich zu verstehen.“ Schließlich fragte sie ihn, ob er überhaupt glaube, was in der Bibel stehe. Darauf entgegnete er: „Heutzutage hat man keine Zeit mehr, die Bibel zu lesen!“ und verabschiedete sich.

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