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Aus der Geschichte lernenErwachet! 1974 | 8. Oktober
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Sympathien verraten, können gewisse Beschreibungen und Indizienbeweise dennoch richtig und recht wertvoll sein.
Anstatt sich gar nicht mehr mit Geschichte zu befassen und alles als nutzlos beiseite zu schieben, sollte man eine wichtige Eigenschaft entwickeln — Urteilsvermögen.
Aus der Geschichte lernen — wie?
Heute sind die meisten Leute, die sich mit Geschichte befassen, gezwungen, sich auf das zu verlassen, was andere durch das Lesen alter Geschichtsquellen erfahren haben. Gewöhnlich haben sie nicht die Zeit, sich selbst eingehend mit den Quellen zu befassen, sie zu vergleichen und gegeneinander abzuwägen, um zu ermitteln, was die Wahrheit einer Sache ist. Dennoch möchten sie aus der Geschichte lernen. Deshalb sollte man beim Lesen von Geschichtswerken Fragen im Auge behalten wie:
Wozu benutzt der Verfasser die Tatsachen (die der Wahrheit entsprechen mögen)? Verfolgt er eigennützige Zwecke? Verlangt er von dir, daß du etwas als richtig akzeptierst, obwohl dein eigener Gerechtigkeitssinn dir sagt, daß es falsch ist? Oder solltest du Dinge als Wahrheit akzeptieren, die, wie du aus eigener Erfahrung weißt, der menschlichen Natur widersprechen? Benutzt der Schriftsteller die Vergangenheit, um ein Religionssystem, ein politisches System oder eine Lebensweise zu verherrlichen, die sich bereits als unfähig erwiesen hat, Probleme, denen die Menschheit gegenübersteht, zufriedenstellend zu lösen? Wird der Versuch gemacht, ein Volk oder eine Rasse ungebührlich zu verherrlichen oder eine andere herabzusetzen? Wenn ja, dann weiß der Leser, der ein gutes Urteilsvermögen besitzt, daß das, was in diesen Geschichtswerken steht, mit Vorbehalt aufzunehmen ist.
Es gibt jedoch eine alte Geschichtsquelle, der wir uns vertrauensvoll zuwenden können.
Die Bibel als Geschichtswerk
Ein mit absoluter Ehrlichkeit geschriebener Geschichtsbericht ist in der Bibel zu finden. Je intensiver sich ein gottesfürchtiger Mensch mit Geschichte befaßt, desto höher schätzt er die geschichtlichen Berichte der Bibel ein. Die Bibel enthält den ältesten zusammenhängenden Geschichtsbericht, der dem Menschen zur Verfügung steht. Der Historiker H. E. Barnes gibt folgendes zu: „Die Ehre, den ersten wirklich historischen Geschichtsbericht von beträchtlichem Umfang verfaßt zu haben, gebührt den Hebräern des alten Palästinas“, denen die Aufgabe übertragen worden war, die Bibel zusammenzustellen.
Aber einige fragen: Wieso kann man von den geschichtlichen Aufzeichnungen in der Bibel sagen, sie seien etwas ganz Besonderes? Wird darin nicht das Volk Israel verherrlicht? Wird vom Leser nicht erwartet, daß er unglaubhafte Dinge für wahr hält, ja sogar Wunder?
Es stimmt, daß ein großer Teil der Bibel von der Geschichte Israels handelt. Aber wer kann bestreiten, daß die Geschichte Israels, die in der Bibel enthalten ist, absolut ehrlich dargestellt ist? In diesem Buch wird nicht nur über die guten Eigenschaften Israels berichtet, sondern auch die schlechten werden erwähnt. Sowohl das Volk als Ganzes als auch das Leben einzelner dient als Beispiel dafür, wie jemand, der es ablehnt, nach den hohen Sittenmaßstäben Gottes zu leben, bestraft wird. Die in der Bibel berichtete Geschichte zeigt, daß Gott das Volk Israel hart bestrafte und daß er es schließlich als sein Bundesvolk verwarf.
Nein, im Geschichtsbericht der Bibel wird kein bestimmtes Volk oder keine bestimmte Rasse verherrlicht, sondern darin wird deutlich gesagt, „daß ihm [Gott] in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist“ (Apg. 10:35).
Es stimmt auch, daß in dieser Geschichtsdarstellung von Wundern berichtet wird. Aber ehe man sie deshalb ablehnt, sollte man bedenken, daß sich der Rahmen, in dem sich diese Wunder ereigneten, als historisch zuverlässig und absolut glaubwürdig erwiesen hat. Wieso kann das gesagt werden? Weil in diesem Bericht Zeit- und Ortsangaben gemacht werden.
Als Beispiel sei der Bibelbericht über die Teilung des Roten Meeres erwähnt, die erfolgte, damit das Volk Israel Ägypten verlassen konnte. Es gibt Personen, die diesen von Moses, einem Augenzeugen, stammenden Bericht nicht glauben können. Viele dieser Personen haben ihn aber noch nie selbst aufmerksam durchgelesen.
Wer den Bericht jedoch sorgfältig durchliest (er ist in 2. Mose in den Kapiteln 12 bis 15 zu finden), wird feststellen, daß Personen- und Ortsnamen darin angegeben werden. (Vergleiche 4. Mose 33:1-8.)
Ferner wird darin erwähnt, zu welchem Zeitpunkt sich der Aufenthalt der Israeliten in Ägypten seinem Ende näherte: „Die Wohnzeit der Söhne Israels, die in Ägypten gewohnt hatten, betrug vierhundertdreißig Jahre. Und es begab sich am Ende der vierhundertdreißig Jahre, ja es begab sich an eben diesem Tag, daß alle Heere Jehovas aus dem Land Ägypten auszogen“ (2. Mose 12:40, 41; vergleiche 1. Könige 6:1).
Im Geschichtsbericht der Bibel werden somit in Verbindung mit den Vorgängen am Roten Meer glaubwürdige Zeit- und Ortsangaben gemacht. Was hätte ein Historiker, ganz gleich, wann oder wo er gelebt hätte, seinem Bericht sonst noch hinzufügen können, um zu beweisen, daß er niederschrieb, was er wirklich sah? Nichts. Was berechtigt also dazu, diesen biblischen Bericht als geschichtlich unzuverlässig beiseite zu schieben? Nichts!
Die geschichtlichen Aufzeichnungen der Bibel sind glaubwürdig. Sie heben wie kein anderer Geschichtsbericht die Zuverlässigkeit des prophetischen Wortes Gottes sowie die Überlegenheit der göttlichen Sittengesetze hervor und zeigen, daß Gott sich ständig um seine Schöpfung kümmert. Daher ist es für den Menschen am nützlichsten, wenn er sich mit den Taten vertraut macht, die Gott im Verlauf der Geschichte gewirkt hat und über die in der Bibel berichtet wird (Röm. 15:4).
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Das Wort Gottes vermag das Leben des Menschen zu bereichernErwachet! 1974 | 8. Oktober
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Das Wort Gottes vermag das Leben des Menschen zu bereichern
WIR mögen es einsehen oder nicht, doch wir Menschen haben geistige Bedürfnisse. „Nicht von Brot allein soll der Mensch leben“, sagte Jesus Christus, als er vom Teufel versucht wurde, „sondern von jeder Äußerung, die durch den Mund Jehovas ausgeht“ (Matth. 4:4). Deshalb empfinden sogar Menschen, die mehr als nur das zum Leben Notwendige besitzen, eine gewisse Leere, wenn ihre geistigen Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Sie merken, daß ihnen etwas fehlt, aber oft wissen sie nicht genau, was, und das Durcheinander in der Welt trägt zu ihrer Unzufriedenheit bei.
Diese Erfahrung machte ein Mann aus Kalifornien. Er berichtete über seine Lage und seine Empfindungen wie folgt:
„Wir beide, meine Frau und ich, führten eine gute Ehe; wir hatten zwei nette Jungen, ein schönes Heim, Autos, eine Jacht, alle Annehmlichkeiten des Lebens und zwei gutbezahlte Arbeitsstellen, die es uns ermöglichten, uns alles das zu leisten. Aber uns beiden gefiel, die heutige Lebensweise — die ständige Jagd nach materiellen Gütern und der Kampf, sie nicht zu verlieren — nicht. Wir ahnten, daß der Welt nichts Gutes bevorsteht.
Wir hatten das Gefühl, fliehen zu müssen. Da wir beide das Meer liebten, kamen wir auf den Gedanken, uns ein Schiff bauen zu lassen und nach einer Insel zu segeln, wo unsere Kinder von allem nichts hören und sehen würden. Natürlich dachten wir auch an uns. Wir lasen ständig Bücher über andere, die
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