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Beschnitten an Herz und OhrenDer Wachtturm 1972 | 15. Januar
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Nachdem Lydia getauft worden war, bat sie Paulus und seine Gefährten inständig, in ihr Haus zu kommen und bei ihr zu bleiben. Lukas berichtet: „Sie nötigte uns dazu.“ Jesaja sagte dieses wunderbare Werk voraus mit den Worten: „Viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und laßt uns hinaufziehen zum Berge Jehovas ... Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort Jehovas von Jerusalem.“ Beachten wir auch folgende uneingeschränkte Einladung: „He! ... kommet, kaufet ein und esset! ja, kommet, kaufet ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch!“ Als Jesus auf der Erde war, lud er die Menschen ein mit den Worten: „Kommt zu mir alle, die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und ich will euch erquicken.“ Er sagte voraus, daß er, wenn er wiederkomme, die schafähnlichen Menschen einladen werde mit den Worten: „Kommt her, die ihr den Segen meines Vaters habt, ererbt das Königreich, das seit Grundlegung der Welt für euch bereitet ist.“ Ja Gottes Wort schließt mit folgenden einladenden Worten ab und ermuntert alle, die sie hören, sie an andere weiterzugeben: „Und der Geist und die Braut sagen fortwährend: ‚Komm!‘ Und jeder, der hört, sage: ‚Komm!‘ Und jeder, den dürstet, komme; jeder, der wünscht, nehme Wasser des Lebens kostenfrei. Er, der von diesen Dingen Zeugnis ablegt, spricht: ‚Ja; ich komme eilends.‘ [Und Johannes erwidert:] ‚Amen! Komm, Herr Jesus!‘“ — Apg. 16:15; Jes. 2:3; 55:1; Matth. 11:28; 25:34; Offb. 22:17, 20.
22 Die Einladung zu kommen erscheint in der Bibel so oft und mit einem solchen Nachdruck, daß man sie wirklich als eine dringende Einladung bezeichnen kann. Wirst du sie annehmen? Wirst du selbst kommen und auch andere einladen zu kommen?
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Die Grundlage für die Neue-Welt-ÜbersetzungDer Wachtturm 1972 | 15. Januar
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Die Grundlage für die Neue-Welt-Übersetzung
„ALLES Fleisch ist grünes Gras ... Das grüne Gras ist verdorrt, die Blüte ist verwelkt; was aber das Wort unseres Gottes betrifft, es wird auf unabsehbare Zeit bestehen.“ Dieser Verheißung Jehovas getreu ist Gottes Wort trotz aller Bemühungen seiner Feinde, es durch Spott und Verfolgung zu vernichten, seit seiner Niederschrift vor vielen Jahrhunderten bestehengeblieben. — Jes. 40:6, 8, NW.
Um sein Wort zu bewahren, hätte Jehova ein fortdauerndes Wunder wirken können. Er hätte entweder dafür sorgen können, daß die Originalhandschriften erhalten geblieben wären oder daß die Abschreiber und Übersetzer keine Fehler gemacht hätten, aber er hat weder das eine noch das andere getan. Er hielt es statt dessen für angebracht, die Dinge so zu lenken, daß, mit einigen Ausnahmen, keine bedeutenden Fehler in den Text eindrangen.
Wir können überzeugt sein, daß die Abschriften, über die wir heute verfügen, getreue Abschriften der Originalschriften sind. Das bestätigt die Jesaja-Schriftrolle vom Toten Meer. Gelehrte sagen, diese Rolle sei vor unserer Zeitrechnung geschrieben worden. Sie ist ein beredtes Zeugnis für die sorgfältige Arbeit der Bibelabschreiber. Ein Vergleich dieser Handschrift mit dem über tausend Jahre später geschriebenen massoretischen Text zeigt, daß durch das Abschreiben während der tausend Jahre nur unbedeutende Abweichungen in den Text eindrangen.
Viele Freunde der Bibel, die ein Exemplar der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in Deutsch erwerben, werden sich fragen, warum deren Text manchmal von anderen Bibelübersetzungen, zum Beispiel von der Luthers, an die sie gewöhnt sind, abweicht. Warum? Was die Christlichen Griechischen Schriften betrifft, so sind die Abweichungen hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß sich die Neue-Welt-Übersetzung auf den griechischen Text von Westcott und Hort stützt, während der Übersetzung von Luther der Text von Erasmus zugrunde liegt.
Erforscher der Bibel wissen, daß die Christlichen Griechischen Schriften ursprünglich in der sogenannten koiné, der griechischen Umgangssprache des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, geschrieben wurden. Doch erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde ein griechisches „Neues Testament“ zur allgemeinen Verbreitung herausgebracht. Gedruckt wurde es von Froben in Basel (Schweiz). Er beauftragte Erasmus, einen damals führenden Gelehrten, so schnell wie möglich ein griechisches „Neues Testament“ herauszubringen. In zehn Monaten hatte Erasmus es geschafft, und 1516 erschien die erste Ausgabe. Da sie so schnell gemacht worden war, enthielt sie viele Fehler. In den Jahren 1519, 1522, 1527 und 1535 erschienen weitere Ausgaben, in denen diese Fehler nach und nach ausgemerzt wurden.
Im Vorwort seines Textes schrieb Erasmus: „Ich distanziere mich entschieden von denen [der Kirche Roms], die nicht zulassen wollen, daß Laien die Heilige Schrift lesen, und die auch dagegen sind, daß sie in die Landessprachen übersetzt wird“, das heißt in die Sprache des Volkes. Obwohl Erasmus in seinen Ausgaben auch kritische Bemerkungen über den katholischen Klerus machte, brachte er doch nie genügend Eifer oder Mut auf, um der europäischen Bevölkerung den Nutzen des Wortes Gottes zukommen zu lassen, indem er es in eine ihrer Landessprachen übersetzte.
DER „TEXTUS RECEPTUS“
Der Text des Erasmus war eine literarische Sensation. Er war auch sehr preiswert und wurde deshalb der erste Bestseller unter den Bibelausgaben. Ja es kann gesagt werden, daß durch seine Ausgaben der Stein ins Rollen kam, denn danach brachte ein Herausgeber nach dem andern seine eigenen Ausgaben heraus, unter anderem der Pariser Stephanus, der Schweizer Beza und der Holländer Elzevir. Keine dieser Ausgaben wich aber wesentlich von Frobens Erasmus-Text ab. Luther verwandte für seine deutsche Übersetzung die 1519 erschienene Erasmische Ausgabe. Eine dieser Ausgaben, denen der Erasmische Text zugrunde lag, wurde der textus receptus oder der in Großbritannien allgemein angenommene Text, der die Grundlage für viele englische Übersetzungen bildete, zum Beispiel auch für die Christlichen Griechischen Schriften in der King James Version.
War der textus receptus zuverlässig? Daß es sich dabei um Gottes Wort handelte, steht fest. Doch seine Zuverlässigkeit ließ viel zu wünschen übrig und zwar aus mehreren Gründen. Erstens standen Erasmus nur eine Handvoll griechische Manuskripte zur Verfügung.a Noch schwerwiegender war, daß diese Handschriften alle aus der jüngeren Zeit stammten. Je älter aber gewöhnlich eine Handschrift ist, desto weniger Abschreibfehler enthält sie. Erasmus hatte sich bei seiner Arbeit auch sehr beeilt. Er gab selbst zu, daß seine Ausgabe „in Eile gemacht und nicht groß überarbeitet“ worden sei.
Trotz dieser Nachteile der Erasmischen Ausgaben, die auch der textus receptus fast größtenteils aufweist, blieb dieser Text mehr als zweihundert Jahre der maßgebende Text. Einer der ersten, die einen eigenen Text herausbrachten, war der deutsche Gelehrte Griesbach, doch auch von ihm wird gesagt, er habe
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