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Erbauende Gemeinschaft ebnet den WegDer Wachtturm 1972 | 15. April
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Mit der Zeit schlossen sich uns in Jackson (Michigan) noch weitere an, um im Vollzeitdienst das Wort Gottes zu predigen. Und als eine ältere christliche Schwester in der Versammlung ihren Mann durch den Tod verlor, zogen wir zu ihr und wohnten gegen eine ganz geringe Miete im oberen Stockwerk ihres Hauses. Ihre Liebe zur biblischen Wahrheit, ihr junger Geist und ihr Sinn für Spaß halfen ihr, mit uns Geduld zu haben, und sechs von denen, die während jener Zeit bei ihr wohnten, wurden Missionare.
ZUR GILEADSCHULE UND NACH BRASILIEN
Die Einladung zur dreizehnten Klasse der Missionarschule Gilead, die ich 1948 erhielt, war eine unerwartete Überraschung. Ich hatte bis dahin noch nicht daran gedacht, nach Gilead zu gehen. Ich verbrachte viele Tage damit, nachzusinnen. Ob ich in einem anderen Land wirklich die gute Gemeinschaft finden würde, deren ich mich bis dahin erfreut hatte, eine Gemeinschaft, die den Weg zu fortgesetztem Vollzeitdienst geebnet hatte? Kurz bevor ich die Einladung erhielt, war meine jüngste Schwester, die gerade die höhere Schule abgeschlossen hatte, gekommen, um mit uns im Vollzeitpredigtdienst zu arbeiten. Es würde bedeuten, auch sie zu verlassen.
Aber im Februar 1949 war ich dann in der Gileadschule. Da gab es bei so vielen Unterrichtsstunden, Klassenkameraden und soviel Hausaufgaben keine Zeit, sich einsam zu fühlen. Nach fünfeinhalb Monaten dachte ich: „Wie traurig, sich von so vielen Freunden, die so weit fortgehen, zu verabschieden!“
Aber ich war mit sechs anderen eingeteilt worden, nach Brasilien zu gehen. Und nachdem wir drei Monate in der Teilversammlung East Manhattan in New York verbracht hatten, waren wir auf einem Schiff unterwegs. Am Morgen des dreizehnten Tages an Bord wachten wir rechtzeitig auf, um aus dem Bullauge zu schauen und die glänzend weißen und pastellfarbenen Gebäude der Stadt Rio de Janeiro zu sehen, die als der schönste Hafen der Welt bezeichnet worden ist. Als wir vom Schiff kamen, trafen wir den Zweigdiener sowie Missionare und einheimische Zeugen Jehovas, die auf uns warteten, um uns zu begrüßen. Ich hatte keine Zeit, daran zu denken, daß ich „weit fort“ war!
An Wochentagen blieb einer daheim, um zu kochen, während sechs in den Dienst gingen. Wir arbeiteten bis zum Nachmittag durch, kamen dann nach Hause, um uns auszuruhen, zu essen und Portugiesisch zu lernen. Wir tauschten Erfahrungen aus und erzählten uns, was die Menschen gesagt und was wir gesagt hatten.
Allmählich verschwand die Furcht und Besorgnis wegen der neuen Sprache und der neuen Gewohnheiten, und die Herzlichkeit und Geduld der brasilianischen Zeugen Jehovas überzeugte uns davon, daß christliche Liebe keine Grenzen kennt.
Nachdem wir ein Jahr in Rio de Janeiro gewesen waren, kamen wir in eine Stadt im Innern des Landes, nach Belo Horizonte. Insgesamt bin ich nun während meines zweiundzwanzig Jahre langen Aufenthaltes in Brasilien an sechs verschiedenen Stellen gewesen. An dreien davon galt es, Versammlungen zu gründen, und an dreien arbeitete ich in bereits gegründeten Versammlungen. Meine jüngste Schwester schloß sich mir hier im Missionardienst an, nachdem sie die achtzehnte Klasse Gileads abgeschlossen hatte.
In einer kleinen Stadt, São João del Rei, fanden wir zum erstenmal ein Gebiet vor, das Schwierigkeiten bot. Der Bürgermeister war ein Priester, und abends schreckte er die Menschen in einem Rundfunkprogramm davon ab, sich die Botschaft anzuhören, die wir aus der Bibel brachten. An einem Tor ergriff der Hausherr die Bibel, die ein Missionar in der Hand hatte, und zerriß sie; dabei war es noch eine katholische Übersetzung. Manchmal arbeiteten wir drei Stunden oder noch länger, ohne bei irgend jemandem überhaupt eine Schrift zurücklassen zu können, denn die Menschen fürchteten sich vor dem, was ihre Nachbarn sagen oder denken würden. Aber dennoch fanden wir einige, die ein Bibelstudium wünschten, und wir konnten, bevor wir in eine andere Stadt versetzt wurden, die Anfänge einer neuen Versammlung sehen.
Meine jetzige Zuteilung ist Belém (Pará) an der Mündung des Amazonas, eine Stadt mit etwa 600 000 Einwohnern. Wir haben in der Stadt fünf Versammlungen mit über 400 Zeugen Jehovas.
Als ich an einem Sonnabendmorgen im Geschäftsviertel dieser Stadt die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! anbot, traf ich einen Mann, der mich bat, ihm eine „protestantische“ Bibel zu bringen, da er sagte, er habe die „katholische“ Übersetzung gelesen und wolle einen Vergleich anstellen. Er konnte lernen, daß Gottes Wahrheit gleichbleibt, ungeachtet, welche Übersetzung man benutzt. Mit der Zeit wurde er der leitende Prediger meiner Versammlung.
Ein anderes Erlebnis hängt mit einer Frau zusammen, mit der ich die Bibel studiert hatte und die zufolge der weltlichen Arbeit ihres Mannes ins Innere des Landes zog. „Wie wird es ihr wohl ergehen?“ fragte ich mich, denn sie war neu getauft, und es gab in jener kleinen Stadt keine Zeugen Jehovas. Als sie fünf Jahre später wieder nach Belém zog, ließ sie eine blühende Versammlung mit einem eigenen Königreichssaal zurück.
Vor kurzem zogen wir in ein neues, geräumiges und luftiges Missionarheim, das über dem ersten Königreichssaal Beléms erbaut worden ist, der Eigentum einer Versammlung ist. Hier erfreuen wir uns der erbauenden Gemeinschaft mit unseren christlichen Brüdern und Schwestern ebenso, wie ich sie mit denen erlebt habe, mit denen ich während der vergangenen achtundzwanzig Jahre zusammen gewohnt und gearbeitet habe. Wie dankbar bin ich doch dafür, daß eine solche Gemeinschaft den Weg zu so vielen Segnungen geebnet hat, zum Beispiel dazu, daß ich mehr als die Hälfte meines Lebens hier in einer Missionarzuteilung verbracht habe und daß ich anderen geholfen habe, Freude am Königreichsdienst zu finden.
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Fragen von LesernDer Wachtturm 1972 | 15. April
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Fragen von Lesern
Die Versammlungen der Zeugen Jehovas sind gegenwärtig dabei zu erwägen, welche Männer sich eignen könnten, als Älteste oder Dienstamtgehilfen zu dienen. Im Zusammenhang damit sind folgende Fragen gestellt worden:
● Müssen minderjährige Kinder eines Mannes, der empfohlen wird, gläubig sein?
Ja. In Titus 1:6 heißt es, daß der Betreffende „gläubige Kinder“ haben sollte. Das bedeutet nicht, daß diese Kinder getauft sein müssen, aber man sollte sehen können, daß sie sich in religiöser Hinsicht der Leitung ihres Vaters unterziehen. Es gibt allerdings Länder, in denen das Gesetz nicht zuläßt, daß Minderjährige ihre Religion wechseln, solange ihre Mutter dieser Religion angehört. Aber selbst in einem solchen Fall sollte ein Vater sein möglichstes tun, um die Kinder in der Bibel zu unterweisen, und andere sollten sehen können, daß seine Kinder dieser Belehrung entsprechend handeln, soweit es ihnen die ihnen durch das Gesetz gezogenen Grenzen gestatten.
● Was bedeutet es, wenn es heißt, daß ein Mann Kinder haben sollte, die mit allem Ernst unterwürfig sind? — 1. Tim. 3:4.
Es bedeutet, daß die Kinder in ihrer Unterwürfigkeit einen ihrem Alter und den Verhältnissen entsprechenden Ernst bekunden. Ihre Unterwürfigkeit sollte sich auch auf das religiöse Gebiet, das wichtigste Lebensgebiet eines Christen, erstrecken. Man sollte also an der Reaktion der Kinder auf die biblische Belehrung ihres Vaters erkennen können, ob dieser Mann anderen in der Versammlung helfen kann, nach Gottes gerechten Grundsätzen zu leben.
● Wie sind die Worte in Titus 1:6 zu verstehen: „Kinder ..., die nicht der Ausschweifung oder der Widerspenstigkeit beschuldigt werden.“?
Dieser Satz ist unterschiedlich aus dem Griechischen übersetzt worden, unter anderem mit „nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt oder zügellos“ (Elberfelder
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