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Atomphysiker — Ja oder nein?Der Wachtturm 1979 | 15. August
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hatte mich gemäß dem PULHEMS-Gesundheitstest als untauglich eingestuft. In diesem Test steht jeder der Buchstaben für einen Körperteil oder eine Fähigkeit des Menschen, und wer unter irgendeinem Buchstaben eine „8“ erhält, wird entlassen. Ich bekam unter „S“ (Sinneswahrnehmung) eine „8“. Einfach ausgedrückt: Man hielt mich für geistig labil.
EIN WEISER ENTSCHLUSS
Trotz dieser „Empfehlung“ wurde ich eingeladen, in der Druckerei, der sich die Watch Tower Society bediente, mitzuhelfen. Grace arbeitete bereits dort. Eine Druckpresse zu bedienen war etwas ganz Neues für mich, doch es machte mir Spaß; auch war es eine Freude, mit lieben Glaubensbrüdern zusammen zu arbeiten. Nach vier Jahren, im Juni 1944, wurde das Verbot aufgehoben, das Büro der Gesellschaft in Toronto wurde wiedereröffnet, und schon bald machte man Pläne, um das Predigtwerk in Freiheit voranzutreiben.
Im Dezember 1945 teilte man uns eine Arbeit im Literaturdepot der Gesellschaft in Vancouver zu. Zwei Jahre später waren wir im Kreisdienst unterwegs und besuchten die Versammlungen im schönen Frasertal. Als wir ein Jahr mit dieser interessanten Tätigkeit zugebracht hatten, erhielten wir die begeisternde Einladung, uns in der Wachtturm-Bibelschule Gilead als Missionare ausbilden zu lassen. Wie sehr stärkte doch diese Schulung unseren Glauben an den Quell der „dynamischen Kraft“, die im winzigen Atom vorhanden ist! (Jes. 40:26). Viel zu schnell kam der Tag der Abschlußfeier, und wir mußten die Koffer packen, um in unsere Auslandszuteilung zu reisen. Da wir die überflüssigen Sachen zurücklassen wollten, überlegte ich lange, als ich zwei Bücher von Dr. Herzberg in der Hand hielt; sie behandelten den Aufbau der Atome und Moleküle und hatten als Grundlage meines Studiums gedient. Aber ich ließ sie dann doch zurück. Die Entscheidung war endgültig gefallen.
Am 29. Dezember 1949 trafen wir in unserer Zuteilung in Santiago (Chile) ein. Anfangs war Spanisch ein Problem für uns. Doch schließlich sahen wir, daß sich unsere Mühe gelohnt hatte, denn wir konnten mit ehrlichgesinnten Menschen produktive Bibelstudien durchführen. Einige dieser Leute hatten noch nie zuvor eine Bibel gesehen. Mehrere dieser liebevollen Chilenen wurden unsere geistigen Brüder und Schwestern. Wie herzerfreuend war es doch, ihre Begeisterung und ihren Eifer für die Wahrheit zu beobachten! Das Predigtwerk wuchs sprunghaft, da sich uns immer mehr Missionare anschlossen und überall im Land Versammlungen gegründet wurden. Die Arbeit in unserer neuen Zuteilung hatte sich wirklich gelohnt!
Mit den Jahren gab es neue Dienstvorrechte: im erweiterten Zweigbüro der Gesellschaft in Santiago mitzuhelfen, als Unterweiser der Königreichsdienstschule zu dienen und die Zweigbüros und Missionarheime in neun Nachbarländern zu besuchen, um die dortigen Brüder zu ermuntern und um ihnen zu helfen, das Predigtwerk in Einheit durchzuführen. Welche Freude und Befriedigung empfanden wir, als wir sahen, wie durch den Segen Jehovas die Zahl seiner Lobpreiser in diesen Ländern fortwährend wuchs!
Im April 1969 trat in unserem Leben eine große Veränderung ein. Wir wurden dem Zweigbüro in São Paulo (Brasilien) zugeteilt. Ja, es war notwendig, eine neue Sprache zu lernen, nämlich Portugiesisch. Es war nicht einfach für uns, Chile zu verlassen, nachdem wir während einer Zeitspanne von 19 Jahren erlebt hatten, wie das Volk Jehovas von 200 auf 6 000 Verkündiger angewachsen war. Unter diesen Menschen befanden sich mehrere unserer geistigen Kinder und Enkel sowie viele, mit denen wir jahrelang zusammengearbeitet hatten. Wir ließen uns jedoch von dem Grundsatz leiten: „Hier bin ich! Sende mich“ (Jes. 6:8). Schweren Herzens sagten wir daher ihnen allen „Hasta luego“, aber wir nahmen viele schöne Erinnerungen mit, die wir in den folgenden Jahren bewahrten.
In Brasilien verkündigten bereits 55 000 Personen eifrig die „gute Botschaft“. Das Werk machte Fortschritte in diesem katholischen Land, wo so viele dem Spiritismus zuneigen. Doch auch hier gibt es den gleichen Geist der Bereitwilligkeit, Jehova zu dienen, und Tausende nehmen jedes Jahr die biblische Wahrheit an und geben sich Gott hin. Aufgrund ihrer eifrigen Arbeit gibt es heute in Brasilien über 106 000 Königreichsverkündiger, die mit 2 012 Versammlungen verbunden sind. Die Bethelfamilie in São Paulo, die sich der Bedürfnisse dieser Versammlungen annimmt, ist von 40 auf 155 Mitarbeiter angewachsen. Vor sechs Jahren konnten wir zu unserer Freude eine neue Fabrik der Bestimmung übergeben; dort werden die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! in Portugiesisch gedruckt. Jetzt sind unsere Räumlichkeiten zum Bersten voll, und wieder haben wir ein Bauprogramm laufen, das die Errichtung eines neuen Bethelheimes und einer Fabrik einschließt. Der Bauplatz befindet sich in ruhiger Lage, mitten in Jehovas wunderbarer Natur, 140 Kilometer von São Paulo entfernt. Und nur Jehova weiß, welche Mehrung seinem Volk in diesem Land noch bevorsteht.
Habe ich also je meine Entscheidung bereut, kein Atomphysiker zu werden? Ich finde die Atomphysik immer noch höchst interessant, ja faszinierend. Doch wie könnte ich es bedauern, den großen Wissenschaftler und Mathematiker, der das Atom konstruierte und bildete, kennengelernt zu haben? Wie könnten wir es bereuen, den größten Teil unseres Lebens damit verbracht zu haben, andere mit ihm bekannt zu machen? Kann man Bedauern empfinden, wenn man ein Teil der weltweiten Jehova ergebenen geistigen Familie geworden ist? Statt Bedauern zu empfinden, denke ich genauso wie Asaph, der verkündete: „Es [ist] gut für mich, Gott zu nahen. Zu dem Souveränen Herrn Jehova habe ich meine Zuflucht genommen, um alle deine Werke zu verkünden“ (Ps. 73:28).
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Nachrichten und ihre tiefere BedeutungDer Wachtturm 1979 | 15. August
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Nachrichten und ihre tiefere Bedeutung
Indiens hinduistischer Katholizismus
● „Es ist zwar kaum zu glauben, aber es ist wahr“, so der in Bombay erscheinende „Indian Express“, „daß Priester und Nonnen ,bhajans‘ [Andachtslieder] singen, barfuß auf dem Boden sitzen, ,arati‘ betreiben [eine Schale mit Weihrauch und Kampfer hin und her schwingen], statt das Thuripulum [Weihrauchfaß] zu schwenken“ und andere Hindubräuche zu pflegen. Das Blatt schreibt weiter, daß „es heute nichts Ungewöhnliches ist, in den Kirchen Keralas, das auf eine ehrwürdige Tradition von 2 000 Jahren zurückblickt, vor Beginn der heiligen Messe die Hymne aus den Upanischaden, ,Asatho ma sad gamaya, thamaso ma jyothirgamaya, mruthvorama amrutham gamaya‘, zu hören“.
Indiens Kardinal Joseph Parecattil, ein angeblicher „starker Befürworter der Indisierung der Kirche“, erklärte, „diese Bewegung werde sich schließlich durchsetzen“. Wie es im „Express“ hieß, sagte Kardinal Parecattil, es sei im Interesse bestimmter Züge des katholischen Gottesdienstes unter Indern „angebracht, aus den reichen Quellen des Hinduismus zu schöpfen“.
Wie großzügig eine solche Philosophie auch klingen mag, so fragt es sich doch, ob sie die richtige Ansicht über die christliche Anbetung widerspiegelt. Wohl kaum, denn in der „Jerusalemer Bibel“ (katholisch) ist zu lesen: „Laßt euch nicht zusammen mit den Ungläubigen in ein fremdes Joch spannen! Denn was haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit miteinander zu tun, und was für eine Gemeinschaft besteht zwischen Licht und Finsternis? ... welchen Anteil hat der Gläubige mit den Ungläubigen?“ (2. Kor. 6:14-17).
Die Hoffnung für Esperanto schwindet
● Die Tatsache, daß die „Welthilfssprache“ Esperanto im Dezember vergangenen Jahres 100 Jahre alt wurde, fand wenig Beachtung. Der Londoner „Daily Telegraph“ berichtet: „Es gab keine Feier, keine Geburtstagskarten, nicht einmal einen Telefonanruf von einem der 1 500 Mitglieder des englischen Esperantovereins.“ Der Erfinder des Esperanto hatte beabsichtigt, eine Weltsprache zu schaffen, in der Hoffnung, sie könne mithelfen, allen Kriegen ein Ende zu bereiten. (Esperanto bedeutet wörtlich „der Hoffende“.) Der Generalsekretär des Vereins sagte: „Wir geben heute zu, daß er sich geirrt hat.“
Bestimmt könnte eine Sprache, die alle Menschen sprechen, wirklich von Nutzen sein. Doch die Haßgefühle und die Kriege unter Gleichsprachigen lassen erkennen, daß Kriege nicht durch die Ideen wohlmeinender Personen zu beenden sind. Nur unser Schöpfer, der „Kriege ... aufhören [läßt] bis an das äußerste Ende der Erde“, hat die Macht, die nötigen Maßnahmen zu treffen. Er hat verheißen, das zu tun, und zwar nicht durch irgendwelche gesellschaftlichen Programme, sondern durch die Verurteilung und die „Vernichtung der gottlosen Menschen“, die Spaltungen unter ihren Mitmenschen hervorrufen (Ps. 46:9; 2. Petr. 3:7).
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