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  • Wo liegen die Wurzeln des Problems?
    Erwachet! 1975 | 8. Oktober
    • nach der Einspritzung verfiel der eine Gefangene in einen Zustand, den man als Stupor bezeichnet, und hatte Halluzinationen. Der andere wurde paranoid. Er glaubte, jeder spreche über ihn. Nach etwa zwei Stunden wurden sie wieder normal.

      Zu ähnlichen Ergebnissen ist die psychiatrische Forschung in bezug auf die Depression gekommen. So wird berichtet, daß „sich die Beweise dafür häufen, daß einige Formen der Depression erblich sind und ... daß das Risiko, an ,primärer‘ Depression [die plötzlich auftritt] zu erkranken, bei Personen, die in der Familie jemand haben, der an dieser Krankheit leidet, zehnmal größer ist“. Es gibt Psychiater, die den Standpunkt vertreten, es liege an einer Abweichung in der Körperbiochemie oder an Störungen im Gehirnstoffwechsel.

      Ein weiterer biologischer Faktor — der Stoffwechsel

      Heute interessiert man sich immer mehr für die Rolle, die eine falsche Ernährung bei der Entstehung einer Geisteskrankheit spielt, weil sich eine falsche Ernährung schädlich auf den Stoffwechsel auswirken kann. Im vergangenen Jahr hat z. B. Dr. J. F. Greden in einem Krankenhaus in Washington, D. C. (Walter Reed Army Medical Center), psychiatrische Forschungen in dieser Richtung betrieben. Er vermutete, daß große Mengen Koffein, das in Kaffee, Tee, Kopfschmerztabletten und in anderen allgemein gebrauchten Erzeugnissen wie Kolagetränken enthalten ist, die Ursache gewisser Geisteskrankheiten sind. In einer Rede anläßlich der Jahresversammlung der Amerikanischen Gesellschaft für Psychiatrie sagte er:

      „Bestimmten Patienten nützt es mehr, wenn ihnen eine Droge — Koffein — entzogen wird, als wenn man ihnen eine verabreicht.“ Er bezeichnete gewisse Fälle als „Koffeinismus“ und erklärte, daß er Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Halluzinationen, Muskelzuckungen, Erbrechen und Diarrhöe zur Folge haben könne. Er erwähnte jedoch, daß es Leute gebe, die täglich fünfzehn und mehr Tassen Kaffee trinken könnten, ohne daß es sich nachteilig auf ihre Gesundheit auswirke, während sich bei anderen schon zwei Tassen nachteilig bemerkbar machten.

      Von ähnlicher Bedeutung sind die Forschungsergebnisse des britischen Psychiaters Richard Mackarness. Er ist der Ansicht, daß es sich in vielen Fällen um eine psychosomatische Erscheinung handelt, allerdings nicht in dem Sinne, daß der Geist körperliche Erkrankungen hervorruft, sondern der Körper geistige. Wie? Durch Allergie. Er berichtet von Patienten, die immer wieder in ein Krankenhaus oder in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden mußten, dann aber geheilt wurden, als sie ein gewisses Nahrungsmittel, gegen das sie allergisch waren, mieden. Die Allergie dieser Patienten betraf ganz verschiedene Nahrungsmittel.

      Persönlichkeitsdefekte

      Außer den Umweltfaktoren und den biologischen Faktoren gibt es noch den Faktor, den man als Persönlichkeitsdefekt bezeichnet. Solche Defekte entstehen meist, wenn die Eltern es bei der Kindererziehung an Liebe und Konsequenz fehlen lassen.

      Welche Rolle die Eltern bei der Formung solch defekter Persönlichkeiten spielen können, wird in dem Buch Mental Health/Mental Illness (Geistige Gesundheit/Geisteskrankheit) von L. E. Martin hervorgehoben. Der Autor schreibt, daß in vielen Fällen die Eltern erst merken, in welcher Richtung sich ihre Kinder entwickelt haben, wenn diese mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Er schreibt ferner, daß die Eltern zur Entwicklung von Persönlichkeitsdefekten beitragen, wenn ihnen Äußerlichkeiten wichtiger sind als grundlegende Werte und wenn sie selbst schlechte charakterliche Eigenschaften aufweisen. Der Psychiater Dr. Robbins vom Hillside-Krankenhaus in New York teilt diesen Standpunkt. Auch er ist der Meinung, daß eine gute Kindererziehung eine wichtige Voraussetzung für geistige Gesundheit bildet; fehlt es an einer solchen Erziehung, sind psychiatrische Probleme die Folge. Er schreibt: „Die kleinen Patienten, die wir im Hillside-Krankenhaus haben, sind schnell frustriert und bestehen darauf, daß ihre Wünsche sofort befriedigt werden. Wenn sie ins Krankenhaus kommen, wollen sie sich nicht ändern, sondern sie versuchen, ihren Willen durchzusetzen.“ Diese Ausführungen schildern offensichtlich nichts anderes als das Verhalten total verwöhnter Kinder.

      Es kann auch sein, daß sich Streß bei Erwachsenen schädlich auswirkt, weil bei ihnen Persönlichkeitsdefekte vorhanden sind. Die Depression ist ein Symptom, das besonders häufig in einer modernen Kultur auftritt, in der die Arbeit nicht mehr als etwas Ehrbares gilt, als etwas, was Zufriedenheit zur Folge hat. Nicht immer sind die Arbeitsbedingungen heutzutage belastender als früher, aber das Problem liegt oft darin, daß die Arbeitnehmer heute höhere Anforderungen an die Arbeit stellen. Die Arbeit soll nicht nur dazu dienen, sich sein Brot zu verdienen, sondern sie soll auch das Ego befriedigen.

      Da die Geisteskrankheiten ein solch kompliziertes Gebiet sind, ist es verständlich, daß auch die Meinungen darüber, wie man sie behandeln sollte, weit auseinandergehen. Welche Methoden werden angewandt, und sind sie erfolgreich?

  • Läßt sich das Problem durch Schocktherapie, Medikamente oder Leukotomie lösen?
    Erwachet! 1975 | 8. Oktober
    • Läßt sich das Problem durch Schocktherapie, Medikamente oder Leukotomie lösen?

      IN DEN meisten Ländern hat die Behandlung von Geisteskranken beachtliche Fortschritte gemacht. Wie sind die Geisteskranken früher behandelt worden? Wir lesen in einem einschlägigen Werk: „Man ließ sie hungern, verabreichte ihnen Spritzbäder mit eiskaltem Wasser, zwängte sie in ,Zwangsstühle‘ und peinigte sie auf andere furchtbare Weise. Diese ,Behandlungsmethoden‘ waren allgemein üblich. Zu den weniger grausamen Methoden zählten folgende: Die Kranken wurden verprügelt, mit Ochsenziemern gepeitscht, mit Ruten, Drähten und Ketten gestäupt und mit Fäusten traktiert.“

      Besonders berüchtigt war die Londoner Irrenanstalt „Bedlam“ (korrumpiert aus Bethlehem; sie entstand aus dem Kloster „St. Mary of Bethlehem“). An gewissen Tagen konnte das Volk gegen Bezahlung eines Pennys zuschauen, wie die Geisteskranken mißhandelt wurden. Bis auf den heutigen Tag wird in der englischen Sprache mit dem Ausdruck „Bedlam“ ein Schauplatz oder Ort bezeichnet, an dem ein wildes Durcheinander herrscht. In diese Irrenanstalt kamen sogar Mitglieder des Königshauses, wenn sie geisteskrank wurden. Der englische König Georg III. war solch ein unglückliches Opfer.

      Als man aufhörte, die Geisteskranken in dieser Weise zu mißhandeln, überließ man sie ihrem Schicksal, indem man sie in unsagbar schmutzige und von Ungeziefer verseuchte Gefängnisse warf. Aber kurz vor Beginn des 19. Jahrhunderts traten Reformer auf, die ein Herz für diese Menschen hatten und anfingen, sie als Kranke und nicht als Personen, die von Teufeln besessen seien, zu behandeln. Sie sorgten dafür, daß die Geisteskranken etwas lernen konnten, daß sie Gelegenheit zur Erholung bekamen und daß man ihnen mit Güte begegnete. Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an sind viele neue Theorien und Methoden für die Behandlung von Geisteskranken entwickelt worden.

      Einerseits wurden psychotherapeutische Verfahren geschaffen — z. B. die Psychoanalyse von S. Freud und später eine neue Form davon von C. G. Jung —, aber auch somatische Methoden sind entwickelt worden. Die bekanntesten davon sind die Schocktherapie und die Pharmakotherapie. Die Leukotomie oder „Psychochirurgie“,

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