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Etwas Neues über den Namen Gottes?Der Wachtturm 1978 | 1. August
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fast absoluter Sicherheit sagen, daß der Name Gottes, יהוה, in der vorchristlichen griechischen Bibel nicht so oft mit [Kyrios] ... wiedergegeben wurde, wie man angenommen hat.“
Wie verhält es sich mit der großen Zahl von Schriftrollen vom Toten Meer? Professor Howard schreibt:
„Vielleicht die bemerkenswerteste Feststellung, die dieser mannigfaltige Gebrauch des Namens Gottes zuläßt, besteht darin, daß das Tetragrammaton für sehr heilig gehalten wurde. ... Beim Abschreiben des biblischen Textes wurde das Tetragrammaton sorgfältig behütet. Diese Bewahrung des Tetragrammatons wurde selbst auf die griechische Übersetzung des biblischen Textes ausgedehnt.“
WIE VERHIELTEN SICH ABER JESUS UND SEINE JÜNGER?
Alles, was wir bis jetzt betrachtet haben, mag zwar für Gelehrte von besonderem Interesse sein, doch von welcher Bedeutung ist das für deine Bibel? Wie solltest du zum Gebrauch des persönlichen Namens Gottes eingestellt sein?
Professor Howard zieht einige wichtige Schlußfolgerungen. Zunächst betont er:
„Für uns steht es fest, daß griechisch sprechende Juden in ihren griechischen Schriften weiterhin יהוה schrieben. Des weiteren ist es sehr unwahrscheinlich, daß die ersten konservativen griechisch sprechenden Judenchristen von diesem Brauch abwichen. ... Es wäre äußerst ungewöhnlich, wenn sie das Tetragrammaton aus dem Bibeltext weggelassen hätten.“
Wie gingen die Schreiber der Christlichen Griechischen Schriften vor, wenn sie aus den Büchern der hebräischen Bibel zitierten, sei es aus dem hebräischen Original oder aus einer griechischen Übersetzung? Gebrauchten sie das Tetragrammaton, wenn es in der Quelle vorkam, aus der sie zitierten? Gestützt auf die heute vorliegenden Beweise, erklärt Professor Howard:
„Da das Tetragrammaton in den Abschriften der griechischen Bibel, die die Schriften der Urkirche bildeten, immer noch geschrieben wurde, ist es vernünftig anzunehmen, daß die Schreiber des N[euen] T[estaments] das Tetragrammaton im Bibeltext beibehielten, wenn sie aus den Schriften zitierten. Wir können uns vorstellen, daß der NT-Text in Übereinstimmung mit dem vorchristlichen Brauch der Juden in seinen AT-Zitaten das Tetragrammaton enthielt.“
Warum fehlt dann aber das Tetragrammaton in allen vorhandenen Abschriften des „Neuen Testaments“? Könnte der Name Gottes nach dem Tode der Apostel beseitigt worden sein? Die Hinweise deuten darauf hin. Professor Howard sagt weiter:
„Das Tetragrammaton blieb in diesen Zitaten natürlich so lange erhalten, wie man es in den christlichen Abschriften der LXX weiter verwendete. Als es aber aus dem griechischen AT entfernt wurde, fiel es auch aus den AT-Zitaten im NT weg.“
„Somit mußte das Tetragrammaton irgendwann zu Beginn des zweiten Jahrhunderts durch den Gebrauch von Surrogaten [Ersatznamen für den Namen Gottes] aus beiden Testamenten verdrängt worden sein. Bald war der Name Gottes für die Heidenkirche gänzlich verloren, sofern er sich nicht in den verkürzten Surrogaten widerspiegelte oder Gelehrte sich gelegentlich daran erinnerten“ (Kursivschrift von uns).
DAS IST NEU! ODER NICHT?
Viele Gelehrte, die das Journal of Biblical Literature gelesen haben, mag die Schlußfolgerung überrascht haben, daß der Name Gottes, Jehova (Jahwe), ursprünglich im „Neuen Testament“ erschien. Das mag für sie neu gewesen sein, denn es widerspricht der langgehegten Ansicht, christliche Schreiber hätten den Namen Gottes nicht gebraucht. Ist es aber wirklich etwas Neues?
Schon im Jahre 1796 gebrauchte Dominikus von Brentano den Namen Gottes an etlichen Stellen in seiner deutschen Übersetzung des „Neuen Testaments“. Beachte zum Beispiel folgende Reproduktion von Markus 12:29. Man hatte Jesus gefragt: „Welches ist das allervornehmste Gebot?“ Brentanos Übersetzung lautet:
29. Das allervornehmste Gebot, antwortete Jesus, ist dies: Höre Israel! Jehovah, unser Gott, ist der einige Gott*).
Hatte Brentano einen stichhaltigen Grund dafür, Jesus den Namen Gottes in den Mund zu legen? Ja, denn Jesus zitierte aus 5. Mose 6:4, wo das Tetragrammaton enthalten ist. Bestimmt war Jesus im Gegensatz zu den meisten religiösen Führern der Juden nicht traditionsgebunden, denn Jesus ‘lehrte wie einer, der Gewalt hatte, und nicht wie die Schriftgelehrten’ (Matth. 7:29). Christus erklärte öffentlich, daß er den Namen seines Vaters verherrlichen wollte. Damit meinte er den Namen an sich sowie alle damit verbundenen Vorsätze und Werke Gottes (Joh. 12:28). Und gegen Ende seines irdischen Lebens sagte er, daß er den Namen seines Vaters bekanntgemacht hatte. Brentano hatte somit als Übersetzer eine vernünftige Grundlage dafür, daß er Jesus beim Zitieren eines Textes, der den Namen Gottes enthält, diesen Namen aussprechen ließ (Joh. 17:6, 26).
Allein das Matthäusevangelium enthält über 100 Zitate aus den Hebräischen Schriften. In der New World Translation of the Christian Greek Scriptures (Ausgabe 1950) wird über Matthäus gesagt: „Sofern diese Zitate den Namen Gottes enthielten, war er verpflichtet, getreu das Tetragrammaton aufzunehmen.“
Das Komitee, das im Jahre 1950 diese Übersetzung herausgab, war im Grunde genommen zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie Professor Howard in dem Artikel, der im Jahre 1977 im Journal of Biblical Literature erschienen ist. Angesichts der Beweise dafür, daß die Schreiber des „Neuen Testaments“ auf das Tetragrammaton stießen, ob sie nun aus dem hebräischen Text der Schrift oder aus der griechischen Septuaginta zitierten, heißt es in dem Vorwort der New World Translation:
„Folglich ist der neuzeitliche Übersetzer berechtigt, den göttlichen Namen als Synonym für [die griechischen Wörter für „Herr“ und „Gott“] ... zu benutzen, das heißt an Stellen, wo Matthäus und andere [Schreiber] Verse, Stellen und Aussprüche aus den Hebräischen Schriften oder aus der LXX anführen, in denen der göttliche Name vorkommt.“
Die Stellungnahme, die Professor Howard im Jahre 1977 veröffentlichte, ist somit nicht völlig neu. Doch sie bringt vorzügliche neue Beweise ans Licht, die im Jahre 1950 bei der Herausgabe der New World Translation of the Christian Greek Scriptures, die im „Neuen Testament“ 237mal „Jehova“ enthält, noch nicht zur Verfügung standen.
Der Name Gottes gehört also mit Sicherheit in Übersetzungen der Bibel, damit alle wahren Anbeter ihn kennenlernen und gebrauchen können. Dann können sie wie Jesus den Namen des himmlischen Vaters verherrlichen und beten: „Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt“ (Matth. 6:9, Luther, 1975).
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Sie kritisierten zu früh!Der Wachtturm 1978 | 1. August
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Sie kritisierten zu früh!
IM Jahre 1950 wurden in der New World Translation of the Christian Greek Scriptures (Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften) Beweise unterbreitet, die den Gebrauch des göttlichen Namens stützten. Dennoch kritisierten gewisse Theologen, daß man den Namen „Jehova“ in das „Neue Testament“ aufgenommen hatte. Sie zeigten dadurch, daß sie anders eingestellt waren als David, der die Worte sang: „Hoch preiset mit mir Jehova, und laßt uns seinen Namen zusammen erheben“ (Ps. 34:3; vergleiche Psalm 74:10, 18).
In einer von den katholischen Kolumbusrittern veröffentlichten Broschüre wurde folgende Anschuldigung erhoben:
„Die ersten Christen, die das Neue Testament schrieben, gebrauchten mit Sicherheit nicht [Jehova] ..., sondern das Wort ,Herr‘, das sie auch auf Christus anwandten. Somit haben wir es hier mit einem kläglichen Beispiel für einen pseudowissenschaftlichen Versuch zu tun, etwas Unhaltbares zu verteidigen.“
Auch der presbyterianische Gelehrte Bruce M. Metzger behauptete, dieses Vorgehen sei „unhaltbar“, und fügte hinzu:
„Bei der Einführung des Wortes ‚Jehova‘ in den Text des Neuen Testamentes ... geht es eindeutig um die Stützung von Eigeninteressen.“
Jack P. Lewis, Professor an einem College der Kirche Christi, schrieb über den Gebrauch des Namens „Jehova“:
„Er ist zwar im Alten Testament schon fragwürdig genug, doch im Neuen Testament ist er gänzlich ungerechtfertigt.“
Und der Baptistenprediger Walter R. Martin erging sich über die, wie er es nannte
„oberflächliche Gelehrsamkeit der Zeugen Jehovas, deren arrogante Behauptung, daß sie einen triftigen Grund für die Einführung des göttlichen Namens [Jehova] in die Schrift hätten ... sich als ein leerer scholastischer Betrug herausgestellt hat“.
Es waren kühne, dogmatische und anmaßende Kritiken. Wie die Artikel in dieser Ausgabe zeigen, waren diese Kritiken völlig unbegründet. Selbst Gelehrte geben heute zu, daß Jesu Apostel den Namen Gottes gebrauchten, ja ihn in das „Neue Testament“ aufnahmen.
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