-
Was sagen die Kirchen und andere?Erwachet! 1982 | 22. Juni
-
-
Was sagen die Kirchen und andere?
Religion — Fördert sie den Krieg oder den Frieden?
WIR leben zwar im Zeitalter der Wissenschaft und Technik. Trotzdem spielt die Religion im Leben der Menschen sowie im Weltgeschehen immer noch eine wichtige Rolle. Auch gehören die meisten Leute irgendeiner Religionsgemeinschaft an. Ferner ist man noch allgemein der Auffassung, daß alle Religionen irgendwie dem Wohle der Menschheit dienen.
Von Zeit zu Zeit kommen Vertreter der verschiedenen Religionen zusammen, um über das Thema „Frieden“ zu sprechen. So trafen sich im August 1979 in Princeton (New Jersey, USA) 338 Delegierte aus 47 Ländern zur „3. Weltkonferenz der Religionen für den Frieden“. Vertreter aller bedeutenden Religionen der Welt waren anwesend: Buddhisten, Christen, Hindus, Juden, Konfuzianer, Moslems, Parsen, Schintoisten und andere.
Bei solchen Konferenzen bringen führende Vertreter der Religionen lebhaftes Interesse am Weltfrieden zum Ausdruck. Und es wird viel über den Beitrag, den jede der Religionen zum Frieden leistet, gesprochen. Aber immer wieder wird von den Rednern ein gemeinsamer Faktor erwähnt: Nicht alle handeln nach dem, was sie predigen.
So sagte Swami Ranganathananda aus Kalkutta (Indien) über die Friedensaufgabe des Hinduismus: „Eine Untersuchung der Ziele und Zwecke der Religion zeigt, daß sie im wesentlichen eine Schulung zum Frieden ist. Aber schon ein flüchtiges Studium der Religionsgeschichte läßt erkennen, daß alle Religionen der Welt mehr oder minder nicht nur zum Frieden, sondern auch zum Krieg beigetragen haben.“
Professor K. G. Saiyadain aus Neu-Delhi (Indien) führte aus: „In der Vergangenheit ist es im Namen der Religion zu so vielen Konflikten und Verfolgungen gekommen und sind so viele Kriege geführt worden, daß sich viele Personen, die sehr gute Beweggründe haben, von der Religion abgewandt haben und nicht bereit sind, bei ihren Bemühungen um Frieden um ihre Unterstützung nachzusuchen.“ Über den Islam sagte der Professor (selbst ein Moslem): „Wenn ich vom Islam und von seinem Beitrag zum Frieden spreche, ... möchte ich die irregeleiteten oder gottlosen moslemischen Herrscher und anderen Personen nicht rechtfertigen, die vom Wege abgeirrt sind und sich darüber hinweggesetzt haben, daß Friedfertigkeit nach dem moslemischen Glauben die einzig richtige Lebensweise ist.“
Über den Beitrag der Christenheit zum Weltfrieden sagte John H. Burt aus Ohio (USA): „In der Geschichte des Christentums gibt es viele traurige Kapitel, die von Treulosigkeit und Krieg berichten.“
Diese Äußerungen regen zum Nachdenken an. Aber noch mehr sollte die Frage zum Nachdenken anregen: Fördert die Religion den Krieg oder den Frieden? Was zeigen die Tatsachen?
-
-
Was zeigen die Tatsachen?Erwachet! 1982 | 22. Juni
-
-
Was zeigen die Tatsachen?
Religion — Fördert sie den Krieg oder den Frieden?
OBWOHL in der Welt im großen und ganzen Frieden herrscht, „toben über zwei Dutzend Kleinkriege irgendwo in einem Land, ... die Tausende von Menschenleben fordern“, hieß es in einer Meldung der Associated Press. Wie der Zeitungskolumnist C. L. Sulzberger schreibt, zeigt es sich bei näherer Prüfung, „daß wahrscheinlich die Hälfte der Kriege oder sogar noch mehr, die jetzt in der Welt geführt werden, entweder regelrechte Religionskriege sind oder Kriege, bei denen es zum Teil um religiöse Streitfragen geht“. Zum Beispiel:
In Libanon, einem der Kriegsschauplätze, befehden sich immer noch politische Gruppen der Christen und Moslems, die, wie es in der Meldung der Associated Press hieß, „schon seit Jahrhunderten miteinander verfeindet sind“. Gekämpft wird hauptsächlich zwischen maronitischen Christen und sunnitischen Moslems. Aber auch griechisch-orthodoxe und unierte Christen, Drusen und schiitische Moslems sind in die Kämpfe verwickelt. Seit 1975 hat dieser Bürgerkrieg mindestens 42 000 Tote gefordert. Wenn man die Größe des Landes in Betracht zieht, kann man ihn ohne weiteres als den blutigsten in der Geschichte bezeichnen.
„In Nordirland hat das Gemetzel im Namen der Religion im Laufe von 12 Jahren 2 079 Menschen — darunter 144 Polizeibeamten — das Leben gekostet“, hieß es in der Zeitung Los Angeles Times. Obschon es im Grunde um Menschen und Bürgerrechte geht — um die Rechte der katholischen Minderheit im Gegensatz zu denen der protestantischen Mehrheit —, ist doch auch die Religion in diesen Kampf verwickelt; und beide Seiten wollen die Probleme militärisch lösen. Die Folgen? Das Land, „das früher ruhig, etwas hinterwäldlerisch und ein Bollwerk der strengen Moral gewesen ist, hat heute eine freizügig lebende Gesellschaft, verdorben und verändert durch hitzige Wortgefechte und Gewalttätigkeiten“, schrieb Barry White in der Zeitung Toronto Star.
Auf den Philippinen hat „das Verteidigungsministerium je 4 000 US-Dollar Belohnung für die Festnahme — tot oder lebendig — von zwei philippinischen Rebellenpriestern ausgesetzt“, meldete die New York Times. In einer anderen Zeitungsmeldung hieß es: „Man hat beobachtet, daß vier katholische Priester, die ihre Gemeinde im Stich gelassen haben, ... jetzt kommunistische Aufständische befehligen, die gegen die Regierungstruppen kämpfen.“ Während sich, wie die Zeitschrift Newsweek berichtete, im Norden des Landes „aktivistische Priester bewaffnen“, kämpfen Moslems im Süden einen heiligen Krieg gegen die katholische Mehrheitsregierung.
Aber nicht nur an diesen Orten gibt es kriegerische Auseinandersetzungen, in die auch die Religion verwickelt ist. Gekämpft wird außerdem auf Zypern zwischen Türken und Griechen, in Indien zwischen Hindus und Moslems, im Nahen Osten zwischen Arabern und Israelis, in Birma zwischen Christen und Buddhisten und in Ägypten zwischen Moslems und Kopten. Auch in Lateinamerika sind in politischen und in Guerillabewegungen Geistliche vertreten. Natürlich spielen bei diesen Kriegen noch andere Faktoren eine Rolle. Aber warum sind die Religionen in diese Auseinandersetzungen verwickelt? Und warum sind sie nicht fähig, ihnen Einhalt zu gebieten?
[Karte auf Seite 5]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Krisengebiete
El Salvador
Brasilien
Nordirland
Zypern
Ägypten
Libanon
Pakistan
Kambodscha
Philippinen
[Bild auf Seite 4]
Ulster: religiös-fanatische Jugendliche mit Molotowcocktails
[Bild auf Seite 5]
Philippinen: Religiös-fanatische Aufständische werden an der Waffe ausgebildet.
-
-
Warum sich die Religionen militärisch engagierenErwachet! 1982 | 22. Juni
-
-
Warum sich die Religionen militärisch engagieren
Religion — Fördert sie den Krieg oder den Frieden?
ANGESICHTS der Tatsache, daß sich die Religionen tatsächlich militärisch engagieren, erhebt sich zwangsläufig die Frage: Warum? Viele Leute sind der Meinung, es sei nicht die Schuld der Religionen, sondern der Personen, die nicht nach den Lehren ihrer Religion handelten. Sie meinen, daß es Frieden geben könnte, wenn mehr Leute das, was ihre Religion lehre, in die Tat umsetzen würden.
Das mag zum Teil stimmen, doch darf man nicht übersehen, daß viele, die an einem Religionskrieg teilnehmen, mit einem solchen Fanatismus kämpfen, daß sie andere Soldaten weit in den Schatten stellen.
Die Lehre vom „heiligen“ oder „gerechten“ Krieg hat im Laufe der Jahrhunderte einen starken Einfluß auf die Anhänger vieler Religionen ausgeübt. Bemerkenswerte Beispiele dafür sind die Kreuzzüge der Christenheit und der heilige Krieg des Islam. Diejenigen, die zu den Kreuzzügen aufriefen, stützten sich gewöhnlich auf die Bibel. Historiker berichten aber: „In der Urkirche war die Ansicht weit verbreitet, daß Krieg organisierte Sünde sei, mit der die Kirche und die Nachfolger Christi nichts zu tun haben konnten“ (Encyclopædia of Religion and Ethics von James Hastings).
Später setzten sich jedoch prominente kirchliche Persönlichkeiten wie Augustinus und Thomas von Aquin für einen „gerechten“ Krieg ein. „Augustinus (zu Beginn des 5. Jahrhunderts) schuf die erste große Synthese zwischen christlichem Glauben und dem Führen von Kriegen“, schrieb Robert Culver, Professor der Theologie, in der Zeitschrift Christianity Today. Diese „Lehre ist bis heute für alle großen Zweige der Kirche verbindlich geblieben“.
Die Lehre vom „gerechten“ Krieg beginnt mit der Prämisse, daß der Staat von Gott das Recht und die Macht hat, Ruhe und Ordnung in einer unvollkommenen Gesellschaft aufrechtzuerhalten, wenn nötig durch Zwangsmittel — Polizei, Gerichte, Gefängnisse und Galgen. Das berechtigt ihn auch, die Armee, die Marine und alles andere einzusetzen, um Angriffe abzuwehren.
Es ist ohne weiteres verständlich, warum eine solche Lehre den Beifall der herrschenden Klasse fand. Aber auch das Volk nahm sie an, weil der einzelne dadurch der Last enthoben wird, selbst eine Gewissensentscheidung zu treffen. Er braucht lediglich das zu tun, was ihm von seiten des Staates befohlen wird. Seine Unterstützung mag bei ihm sogar das Gefühl hervorrufen, er tue Gottes Willen oder Gott sei auf seiner Seite. Empfindet sozusagen nicht jeder Soldat so im Krieg?
Falsche Auffassung über das tausendjährige Königreich
„Das Streben nach dem tausendjährigen Königreich, oft angeregt durch messianische Führerpersönlichkeiten, hat revolutionistische Bewegungen entstehen lassen, von denen viele zu bedeutenden politischen und sozialen Erneuerungen führten“, schrieb Gunter Lewy in dem Buch Religion and Revolution.
Ein besonders interessantes und aufschlußreiches Beispiel ist die Taipingrebellion (1850 bis 1864) in China, das damals von ausländischen Mächten unterdrückt wurde und auch mit inneren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Die Taipingbewegung war eine merkwürdige Mischung aus Konfuzianismus und christlichem Gedankengut. Der Anführer, Hung-Hsiu-ch’üan, behauptete, ein Sohn Gottes und Bruder Jesu zu sein und von Gott zur Erde gesandt worden zu sein, um das Taiping Tien-kuo, das Himmelskönigreich des großen Friedens, zu errichten. Die Bewegung breitete sich schließlich in 16 der 18 Provinzen aus, eroberte rund 600 Städte, besetzte auch Nanking und machte es zur „Himmelsresidenz“ auf der Erde. Sie wurde „die größte Massenbewegung der Geschichte vor der Moderne“ genannt, und als sie zerschlagen wurde, kamen vermutlich bis zu 40 Millionen Menschen ums Leben.
Solche Bewegungen gab es auch zu anderen Zeiten und in anderen Ländern, so zum Beispiel die Makkabäer und die Zeloten des Judaismus, die politisch tätigen buddhistischen Mönche Birmas und Ceylons, die Fünfmonarchisten der puritanischen Revolution des 17. Jahrhunderts in England und die moslemischen Mahdisten im Sudan, die für die berüchtigte Belagerung Khartums verantwortlich waren. Diese Liste könnte noch weiter fortgeführt werden.
Religiöse Führer treten dafür ein, daß die verschiedenen Religionen gemeinsam für den Weltfrieden arbeiten. Anscheinend glauben sie, daß der Friede gesichert werden könnte, wenn ihre unterschiedlichen religiösen Auffassungen auf einen Nenner zu bringen wären. Die Tatsachen zeigen indessen, daß nur wenige Kriege einzig und allein wegen religiöser Fragen ausgefochten werden. Bei den eigentlichen Kriegsgründen handelt es sich vielmehr hauptsächlich um soziale, wirtschaftliche, territoriale, politische und andere Fragen. Aber anstatt solche Kriege zu verhindern, mischt sich die Religion in die Auseinandersetzungen ein, und unter dem Einfluß irregeführter Geistlicher werden die Massen der „Gläubigen“ so fanatisiert, daß sie zu den Waffen greifen.
Die Religion fördert offensichtlich nicht den Frieden. Doch wie steht es mit Gottes Wort, der Bibel? Fördert sie den Frieden?
[Kasten auf Seite 6]
„Religionskriege werden meist mit fanatischer Begeisterung und großer Grausamkeit geführt. Wenn wegen territorialer Streitfragen oder aus wirtschaftlichen Motiven gekämpft wird, so wird einmal der Punkt erreicht, wo sich der Kampf nicht mehr lohnt, und es kommt zu einem Kompromiß. Wird aber aus religiösen Gründen gekämpft, so hält man eine Verständigung für Sünde“ (Roger Shinn, Professor für Sozialethik am Union Theological Seminary).
-
-
Die wahre Religion fördert den FriedenErwachet! 1982 | 22. Juni
-
-
Die wahre Religion fördert den Frieden
Religion — Fördert sie den Krieg oder den Frieden?
DIE Bibel motiviert nicht nur durch ihre Worte zu friedlichem Handeln. Für alle, die das, was sie lehrt, beherzigen, ist sie auch eine starke Triebkraft zu solchem Handeln.
Die ersten Christen haben nicht nur vom Frieden gesprochen, sondern sie waren auch dafür bekannt, daß sie sowohl keinen Militärdienst leisteten als auch in politischen Angelegenheiten
-