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Wohin führt die Einmischung der Kirchen in die Politik?Erwachet! 1974 | 8. März
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Glauben die religiösen Führer, daß Gottes himmlisches Königreich nicht von dieser Welt ist? Nein! In der Schrift Kirche und Mächte (franz.) wird dem klaren Standpunkt, den die Bibel in dieser Frage einnimmt, widersprochen. Wir lesen: „Diese Beziehungen [zwischen Kirche und Staat] beruhten auf einer engherzigen Auslegung der Heiligen Schrift, durch die die zwei Bereiche getrennt wurden.“ Was bieten sie aufrichtigen Personen als Ersatz für diese sogenannte „engherzige Auslegung der Heiligen Schrift“ an?
Ist es nicht nur eine andere Art von Menschen stammender Politik und Revolution? Wohl sehen sie ein, daß ihnen ihre frühere treulose Handlungsweise als „hauptsächliches Werkzeug einer ungerechten Gesellschaftsordnung ... oder mitschuldig daran oder ein stummer Zeuge“ nichts eingebracht hat. Veranlaßt sie aber diese Erkenntnis, sich vertrauensvoll Gott zuzuwenden? Oder, was noch wichtiger ist, flößen sie aufrichtigen Kirchgängern Glauben an das Evangelium über Gottes Königreich ein, was eigentlich ihre Hauptaufgabe wäre? Die Beweise zeigen deutlich, daß sie das nicht tun.
Wohin führt die Einmischung?
Was meinst du, wie die politischen Führer die Vorstöße der Kirchen in ihren Bereich betrachten? Dürfen Geistliche, nur weil sie vorgeben, Gott zu vertreten, mit Schutz vor behördlicher Verfolgung rechnen? Es kommt heute immer häufiger vor, daß Geistliche als Personen gelten, die sich in die Politik einmischen, und auch entsprechend behandelt werden. Die katholische Zeitschrift Maryknoll schrieb bedauernd:
„In Lateinamerika werden immer mehr engagierte Christen verfolgt ... Sie gelten wie die Guerillas und die Kommunisten als Umstürzler und als Gefahr für die rechtsorientierten Regierungen. Sie werden nicht wegen ihres Glaubens, sondern wegen ihrer politischen Tätigkeit verfolgt“ (Februar 1973, S. 47; Kursivschrift von uns).
Dabei haben einige, die als Anführer geamtet haben, ihr Leben verloren, und auch ihre Anhänger sind ums Leben gekommen. In Bolivien floh ein gewisser Nestor Paz „mit einer Gruppe von 70 bewaffneten Studenten in die Berge“. „Regierungstruppen stöberten sie auf und brachten sie um“ (San Francisco Examiner, 11. Januar 1973).
Denkst du, daß solche Leiden Gott wohlgefällig sind? Man beachte den Grundsatz, den der Apostel Petrus erwähnt: „Wenn ihr um des Namens Christi willen geschmäht werdet, seid ihr glücklich ... Indes möge niemand von euch als ... jemand leiden, der sich in die Sachen anderer Leute einmischt“ (1. Petr. 4:14, 15, NW; Menge; Kürzinger).
Behalte das im Sinn, wenn du nun folgende Meldung der New York Times über die Auseinandersetzungen, die in Frankreich wegen des Atombombenversuches entstanden, liest:
„Die Militärs sagen den Geistlichen, sie sollten sich nicht um die Angelegenheiten des Staates kümmern, sondern dem Kaiser geben, was des Kaisers sei, Almosen austeilen und über den Glauben predigen. ... Sie werfen den Geistlichen vor, nicht nach den Worten Jesu ,Mein Reich ist nicht von dieser Welt‘ zu handeln. Die Geistlichen kritisieren die Militärs, weil sie nicht erkennen, daß sich die Aufgabe der Geistlichen gewandelt hat“ (18. Juli 1973).
Wohin wird die Einmischung der Geistlichen in die Politik schließlich führen?
Was bringt die Zukunft den politisierenden Kirchen?
In der Bibel wird anschaulich gezeigt, wie Gott über Religionsgemeinschaften denkt, die sich in die Politik einlassen. Solche Beziehungen werden mit unerlaubtem Geschlechtsverkehr verglichen und als ehebrecherisch bezeichnet (Jak. 4:4). Die Rolle, die die Religion dieser Welt bis jetzt gespielt hat, wird in der Offenbarung treffend mit dem Leben einer „großen Hure“ verglichen, mit der „die Könige der Erde ... Unzucht getrieben“ haben (Offb. 17:2, JB).
Aber die Bibel zeigt, daß sich die Lage dieser Hure ändern wird. Alle politischen Herrscher, die ihre Macht der als Vereinte Nationen bezeichneten politischen Weltorganisation (veranschaulicht durch ein „Tier“) gegeben haben, werden als „zehn Hörner“, die „zehn Könige“ sind, dargestellt; und von diesen wird gesagt: „Diese sind eines Sinnes und geben ihre Kraft und Macht dem Tier.“ Ferner lesen wir in der Offenbarung: „Und die zehn Hörner ... und das Tier, sie werden die Hure hassen und werden sie bis zur Nacktheit ausplündern und ihr Fleisch verzehren und sie im Feuer verbrennen.“ Diejenigen, die sich bis dahin an dieser Hure erfreut haben, werden sich veranlaßt fühlen, sie zu „hassen“ und zu demaskieren, so daß jedermann sehen kann, was sie in Wirklichkeit ist; danach werden sie sie vernichten (Offb. 17:12, 13, 16, JB).
Heute fühlt sich die Religion der Welt, angetan mit dem Mantel der Frömmigkeit, ihrer Sache sicher. Wie aus der Bibel hervorgeht, sagt sie: „Als Königin sitze ich auf dem Thron; ich bin nicht Witwe und werde Trübsal nicht schauen.“ Die Bibel sagt aber auch prophetisch: „Darum werden an einem einzigen Tag für sie als Plagen kommen: Tod ...; denn stark ist Gott, der Herr, der sie richtete“ (Offb. 18:7, 8, Kürzinger).
Die Einmischung der Religionsgemeinschaften in die Politik hat also zur Folge, daß sie von Gott verurteilt und unvermutet von den politischen Herrschern vernichtet werden. Diese vorhergesagte Vernichtung wird mit überraschender Plötzlichkeit erfolgen.
Was können aufrichtige Christen tun, um einem solchen Geschick zu entgehen? Die Offenbarung läßt uns nicht im Zweifel: „Zieht fort aus ihr, mein Volk, damit ihr keinen Anteil habt an ihren Sünden und nicht mitgetroffen werdet von ihren Plagen“ (Offb. 18:4, JB).
Wenn du den aufrichtigen Wunsch hast, Gott in einer Weise anzubeten, die ihm wohlgefällig ist, wirst du bestimmt aus einer Religionsgemeinschaft ‘fortziehen’, die sich mit der Politik dieser Welt verunreinigt hat. Dann wirst du den Wunsch haben, dich zu der „Religion“ zu bekennen, die in den Augen Gottes, unseres Vaters, rein und unbefleckt ist und deren Bekenner, alles wahre Christen, „sich selbst von der Welt unbefleckt erhalten“. Jehovas Zeugen sind gern bereit, dir dabei behilflich zu sein (Jak. 1:27, Elberfelder Bibel, Fußnote).
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Der Karneval und sein UrsprungErwachet! 1974 | 8. März
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Der Karneval und sein Ursprung
Vom „Awake!“-Korrespondenten in Frankreich
DER Karneval in Nizza war gerade zu Ende. Mehr als eine Woche lang wurde in der Stadt gefeiert: Durch die Hauptstraße zogen Festwagen, Gestalten mit riesigen Pappköpfen und rotem Gesicht, gefolgt von Dutzenden von blumengeschmückten Wagen mit Jünglingen und Mädchen, die tanzten und sangen.
Die Straßen hallten wider vom Kreischen der Mädchen und Frauen, die unerwartet mit Konfetti überschüttet wurden. Viele Leute trugen groteske Masken oder waren kostümiert. „Prinz Karneval“, eine riesige Pappfigur mit einer Krone auf dem Kopf, regierte während dieses Festes. Am letzten Tag des Karnevals wurde dieses Bild während einer feierlichen Zeremonie am Strand verbrannt.
Das Fest war vorbei. Die Avenue de la Victoire sah wieder aus wie sonst. Der Verkehr wälzte sich durch die Straße, und auf den Bürgersteigen wimmelte es von Fußgängern, die wie an jedem anderen gewöhnlichen
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