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Das alte Korinth — wohlhabend und zügellosDer Wachtturm 1959 | 15. August
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Das alte Korinth — wohlhabend und zügellos
DIE alte Stadt Korinth war ihres Reichtums, ihres Wohlstandes und ihrer Sittenlosigkeit wegen berühmt. In dieser Beziehung war sie nicht viel anders als die heutige westliche Zivilisation mit ihrem materiellen Wohlstand und ihrer betonten Sinnlichkeit. Wenn wir Korinth etwas näher kennenlernen, werden wir die Briefe des Paulus an die Korinther besser verstehen und auch erkennen, daß die Ratschläge darin sehr zeitgemäß waren.
Das erste Korinth war schon zu der Zeit, als in Jerusalem noch Könige auf dem Thron Jehovas saßen, eine blühende Metropole. Die Stadt lag auf einem schmalen Landstrich am Fuße der etwa 570 Meter hohen natürlichen Felsenfestung Akrokorinth. Diese Landenge zwischen zwei Meeren verband die Halbinsel des Peloponnes mit dem nördlichen Teil Griechenlands und wurde „die Meerbrücke“ oder der Isthmos genannt, wovon unser heutiger Ausdruck „Isthmus“ kommt, mit dem eine Landenge zwischen zwei Meeren bezeichnet wird.
Korinth war sehr günstig gelegen, denn es hatte zwei Häfen; in dem einen liefen die von Asien kommenden Schiffe ein, in dem anderen die von Italien kommenden. Große Mengen Güter wurden über den Isthmus von einem Hafen zum anderen befördert. Korinth wurde die wohlhabendste Stadt Griechenlands. Es wurde auch „eine der ältesten Wiegen der Kunst“. Die korinthischen Säulen waren reich verziert und wurden weit und breit nachgebildet.
Korinth besaß „die ganze Pracht, die Reichtum und Luxus schaffen können“. Es gab damals ein Sprichwort: „Nicht jeder kann es sich leisten, nach Korinth zu segeln.“ Zum Luxus gesellte sich die Sittenlosigkeit, die besonders durch die Verehrung der Aphrodite, der „Königin des Himmels“ und der Göttin der „Liebe“ und Schönheit, gefördert wurde. Dadurch wurde Korinth auch als die zügelloseste Stadt des alten Griechenland bekannt. Im Tempel der Aphrodite befanden sich tausend Hierodulen oder Priesterinnen, die dieser Göttin geweiht waren und sich zum Zeichen dafür den Fremden hingaben. Korinths Hetären oder Buhlerinnen waren nicht nur wegen ihrer teuflischen Schönheit, sondern auch wegen der hohen Preise, die sie für ihre Gefälligkeiten verlangten, bekannt. Mit dem Ausdruck Corinthiázethai bezeichnete man die „gewerbsmäßige Kuppelei“. Lebemänner und Lebedamen waren als „Korinthiasten“ und „Korintherinnen“ bekannt.
Im Jahre 146 v. Chr. zerstörte der römische General Mummius die Stadt Korinth und raubte viele ihrer Kunstschätze, um damit Geschäfte zu machen. Ein Jahrhundert später, im Jahre 46 v. Chr., baute Julius Cäsar die Stadt wieder auf und bevölkerte sie mit Römern und Griechen. Obwohl „die Lage das einzige war, was das neue mit dem alten Korinth verband, so schien es doch, als hätten sich die neuen Bewohner von dem Glanz und der Pracht der ehemaligen Stadt inspirieren lassen, und es dauerte nicht lange, bis sie die darin üblichen Kulte wieder aufnahmen und [deren] vergangene Herrlichkeit ihre eigene nannten“. (Encyclopedia Britannica) Korinth wurde wiederum wegen seines Wohlstandes und seiner Zügellosigkeit berühmt. Dieses Korinth besuchte Paulus um das Jahr 50. Er hielt sich dort achtzehn Monate auf und gründete eine Versammlung.
Korinth wurde später noch mehrmals eingenommen, nämlich von den Türken, den Franken, den Venezianern usw., und einmal wurde es durch ein Erdbeben völlig zerstört. Das heutige Korinth liegt etwa 9 Kilometer von der Stätte entfernt, wo es sich ursprünglich befand, und zählt ungefähr 18 000 Einwohner. Es ist wie die beiden ehemaligen gleichnamigen Städte ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Es befinden sich dort zwei blühende Versammlungen der Zeugen Jehovas. Nebenbei bemerkt, liegt an der ursprünglichen Stelle Alt-Korinth, eine Stadt von ungefähr 1000 Einwohnern.
Diese Tatsachen werfen Licht auf die zwei Briefe, die Paulus an die von ihm gegründete Versammlung Korinth schrieb. Sie lassen erkennen, warum er sich — besonders vom fünften bis siebenten Kapitel seines ersten Briefes — in so strengen Worten über den rechten Wandel und die reine Anbetung äußerte. Ja, Paulus erwähnte die Hurerei in diesen beiden Briefen öfters als in seinen anderen zwölf Briefen. Sie lassen auch erkennen, warum er den Korinthern den Rat gab, daß es besser sei zu heiraten, als sich durch Leidenschaft ablenken zu lassen.
Angesichts des in Korinth herrschenden Wohlstandes können wir gut verstehen, weshalb Paulus die Brüder dort rügte, weil sie es an Gastfreundschaft mangeln ließen, so daß er betonte, daß jeder nach dem, was er hat, geben sollte, und sie daran erinnerte, daß, ‚wer sparsam sät, auch sparsam ernten wird‘. Obwohl die Ermahnungen des Paulus in bezug auf Freigebigkeit und einen reinen Lebenswandel für alle passend und zeitgemäß sind, sollten sie sich doch besonders jene zu Herzen nehmen, die in Gebieten leben, wo Wohlstand und Zügellosigkeit ebenso blühen wie im alten Korinth. — 2. Kor. 9:6.
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Fragen von LesernDer Wachtturm 1959 | 15. August
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Fragen von Lesern
● Warum wird in Sprüche 8:24, 25 (NW) gesagt, die Weisheit sei „wie durch Geburtswehen hervorgebracht“ worden? — B. G., Vereinigte Staaten.
Die Weisheit wird hier als „wie durch Geburtswehen hervorgebracht“ bezeichnet, weil im hebräischen Text hier ein Wort gebraucht wird, das auf Frauen angewandt wurde, die im Begriff waren zu gebären. Dieses hebräische Wort legt besonders Nachdruck auf die Schmerzen, indem es darauf hindeutet, wie eine Frau sich windet und unter Aufwendung aller Kraft ein Kind hervorbringt. Die Neue-Welt-Übersetzung (engl.) zeigt also, daß die personifizierte Weisheit oder der einziggezeugte Sohn Gottes wie durch eine Geburt hervorgebracht wurde, so wie wenn eine Frau ein Kind gebiert. (1. Kor. 1:30; Kol. 1:13-15) Eine Frau, die ein Kind geboren hat, sollte wegen der Arbeit, die sie bei der Geburt zu leisten hat, geachtet werden. Sie hat allen Grund, sich nachher zu freuen, wie Jesus sagte. (Joh. 16:21) Indem im Hebräischen in Verbindung mit dem Hervorbringen der personifizierten Weisheit dieses Wort gebraucht wurde, wird gezeigt, daß Gott alle Ehre für das Hervorbringen seines einziggezeugten Sohnes gebührt und daß er auf seine erste Schöpfung oder sein erstes Werk große Sorgfalt verwandte. Wir sollten daher der personifizierten Weisheit als dem Sohn Gottes, dem „Anfang seines Weges“, die gebührende Achtung entgegenbringen.
● Was bedeuten die Worte in Jakobus 3:1 (NW), wo es heißt: „Es sollten nicht viele von euch Lehrer werden, meine Brüder, da ihr wißt, daß wir ein schwereres Gericht empfangen werden“? — M. W., Vereinigte Staaten.
Das Wort „Lehrer“ wird in verschiedenem Sinne gebraucht. Jehova ist der große Lehrer seines Volkes, und in Jesaja 54:13 heißt es: „Alle deine Kinder werden von Jehova gelehrt, und der Friede deiner Kinder wird groß sein.“ Jehovas Stellung ist ohnegleichen; er ist der Quell aller Wahrheit. Er hat seinen Sohn Christus Jesus als Unterweiser herangezogen, und Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Ihr nennt mich ‚Lehrer‘ und ‚Meister‘, und ihr sagt [es] mit Recht, denn ich bin es“. (Joh. 13:13, NW) Aber sonst ist niemand ermächtigt, die Rolle eines Lehrers zu übernehmen und zu behaupten, in dieser Hinsicht sein Nachfolger zu sein, denn er sagte: „Ihr aber, laßt euch nicht ‚Rabbi‘ nennen, denn e i n e r ist euer Lehrer, während ihr alle Brüder seid.“ — Matth. 23:8, NW.
Es gibt jedoch in der sichtbaren Organisation Personen, die in offizieller Eigenschaft als Lehrer wirken. Der Meister hat den „treuen und verständigen Sklaven“ beauftragt, dafür zu sorgen, daß seinen Dienern die geistige „Speise zur rechten Zeit“ ausgeteilt wird. (Matth. 24:45-47, NW) Personen, die mit dieser Klasse
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