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Erwachet! 1985
g85 22. 8. S. 25-27

Wie spät ist es?

WENN dir jemand diese Frage stellt, schaust du vielleicht flüchtig auf deine Armbanduhr, antwortest beiläufig und denkst nicht weiter darüber nach. Aber es war nicht immer so einfach, zu erfahren, wie spät es ist.

Es stimmt, Gott erschuf die zwei großen Lichter, die Sonne und den Mond, „als Zeichen und zur Bestimmung von Zeitabschnitten ... und für Tage und Jahre“ (1. Mose 1:14). Aber er überließ es dem Menschen, herauszufinden, wie man die Tage in Stunden und Minuten aufteilen könnte. Vor Jahrtausenden versuchten die Menschen das Problem vermutlich dadurch zu bewältigen, daß sie sich nach dem Schatten von Bäumen und anderen Gegenständen richteten, der sich nach dem Stand der Sonne veränderte. Durch ein Studium der Bewegung des Schattens kam der Mensch auf ein primitives Mittel, die Zeit zu messen: die „Schattenuhr“. Ursprünglich war das einfach ein senkrechter Stab oder eine Säule, deren Schattenlänge die Zeit angab.

Im Laufe der Jahrhunderte bestimmten die Menschen die Zeit auf immer ausgeklügeltere Weise. Man erfand die Sonnenuhr, ein allgemein übliches Instrument, das bereits vor Christus in Gebrauch war. Allerdings hatten die Ägypter, klug wie sie waren, schon früher herausgefunden, daß man auch mit einem undichten Gefäß die Zeit messen kann. Das war einfach. Während das Wasser heraustropfte, konnten sie die Zeit an der Höhe des Wasserspiegels ablesen. Eine solche „Uhr“ würdest du aber wohl kaum gern mit dir herumtragen wollen. Die Sanduhr, die irgendwann im 14. Jahrhundert in Europa erfunden wurde, war dagegen eine enorme Verbesserung. Das traf auch auf die Lampenuhr zu, bei der man anhand der Menge des verbrauchten Öls die Zeit ablas.

In demselben Jahrhundert oder kurz danach gelang jedoch der wirkliche Durchbruch in der Zeitmessung durch die Entwicklung mechanischer Uhren. Man weiß zwar nicht, wer der kluge Erfinder war, aber man nimmt an, daß die ersten dieser Uhren in Klöstern verwendet wurden. Wie bei den meisten großen Erfindungen war die Grundidee, die zur Entwicklung der ersten mechanischen Uhren führte, die Einfachheit selbst: Ein Gewicht zog zufolge der Schwerkraft ein Seil allmählich nach unten. Dabei diente das Gewicht als Antriebskraft für ein Räderwerk, das so übersetzt war, daß es periodisch ein Schlagwerk in Gang setzte. Das Signal erinnerte den Küster daran, die Glocken zu läuten, damit die Mönche wußten, wann es Zeit zum Gebet war.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis geschickte Handwerker herausfanden, wie man diese Uhren verkleinern konnte. Mit der Erfindung des Federzugs gelang dem deutschen Mechaniker Peter Henlein um das Jahr 1500 ein großer Durchbruch. Vorbei war es mit den unhandlichen Seilen und Rollen. Der Federzug, der dem Uhrwerk als „Energiequelle“ diente, mußte nur nach gewissen Zeitabständen gespannt oder aufgezogen werden. Die erste tragbare Uhr war jedoch in Wirklichkeit gar nicht so handlich. Die Encyclopedia Americana sagt: „[Sie war] 15 Zentimeter hoch und bestand ganz aus Eisen.“ Die Uhren wurden jedoch zusehends kleiner und genauer. Einige der ersten Uhren sind wirkliche Kunstwerke.

Heute trägt man am Handgelenk häufig Uhren mit digitaler Anzeige. Im Unterschied zu den mechanischen Armbanduhren nutzt man bei diesen die Schwingfrequenz eines Quarzkristalls als Zeitnormal. Da sie billig und sehr genau sind, sind sie zur Zeit sehr beliebt. Viele vermissen jedoch bei den Digitalarmbanduhren den Reiz und die Schönheit der altmodischen, kunstvoll gefertigten mechanischen Armbanduhr mit ihrem beruhigenden Ticken. Vielleicht stimmt es gar nicht, daß die Zeit für die mechanische Armbanduhr, wie man allgemein meint, abgelaufen ist. Sind aber alle mechanischen Armbanduhren Kunstwerke? Von den heutigen, in Massen hergestellten Uhren verdienen nur wenige diese Bezeichnung. Nichtsdestoweniger gibt es immer noch eine Handvoll Uhrmacher der älteren Generation, die sehr darum bemüht sind, das traditionelle Uhrmacherhandwerk lebendig zu erhalten.

Nehmen wir zum Beispiel Van, einen Uhrmacher aus New York. Er ist einer der wenigen Männer in der Welt, die eine Präzisionsuhr von Grund auf herstellen können. Van wurde 1902 geboren und stammt aus einer Zeit, in der Uhren noch Liebhaberstücke waren — keine in Massen produzierten elektronischen Spielzeuge. Bestimmt lehrt er uns das aussterbende Uhrmacherhandwerk noch mehr schätzen. Besuchen wir ihn einmal.

Uhren liebenlernen

„Wie sind Sie Uhrmacher geworden?“ fragen wir als erstes.

„Mein Vater war Uhrmacher“, sagt Van, „und ich habe von ihm eine Menge gelernt. Kurz nach meiner Geburt wurde mein Vater bei der Eisenbahn Uhreninspektor. Im Interesse der Sicherheit der Eisenbahn war es damals und ist es auch heute noch sehr wichtig, die Zeit einzuhalten. Seinerzeit mußten deshalb der Lokführer, der Schaffner und der Bremser vor Antritt jeder Fahrt in die Amtsstube kommen. Dort mußten sie ihre Uhren mit der amtlichen Uhr vergleichen und unterschreiben, daß sie sie überprüft hatten. Daran kann man erkennen, wie wichtig die Arbeit meines Vaters war.“

„Wollten Sie dasselbe werden wie er?“

„Nein, ich wollte Musiker werden. Mein Vater sagte jedoch eines Tages: ‚Wir können die Arbeit in der Werkstatt einfach nicht allein schaffen. Wir benötigen Hilfe.‘ Bald danach half ich ihm. Er nahm die Uhren auseinander, reparierte und reinigte sie — auf die Reinigung legte er besonders großen Wert —, und dann übergab er mir all die Einzelteile. Ich benötigte gewöhnlich einen halben Tag, um sie wieder zusammenzusetzen. Auf diese Weise habe ich viel über Uhren gelernt.“

„Woher wußten Sie, daß die Uhren genau gingen?“

„Ja, damals gab es noch kein Radio, aber mein Vater hatte sich eine Uhr gebaut, mit der er die reparierten Uhren verglich. Er sagte, daß sie höchstens drei Sekunden im Monat vor- oder nachginge. Wir überprüften das beim Telegrafenamt. Zur Mittagszeit wurde die Übertragung gesperrt, und über die Leitung kam ein Signal, das die Uhrzeit gemäß der Naval Observatory Time angab.“

„Wann haben Sie selbständig Ihre erste Uhr gebaut?“

„Im Jahr 1919 habe ich mit meinem Vater in Memphis (Tennessee) Bahnhofsuhren repariert. Dort baute ich einige Jahre später meine erste Uhr — eine Taschenuhr, die ich selbst entworfen hatte. Nachdem ich mir die notwendigen Werkzeuge beschafft hatte, stellte ich die Einzelteile her. Ich fertigte Zahnräder und Zapfen und das Gehäuse. Dann schliff und polierte ich Saphire und Rubine und setzte sie ein. Als das Projekt beinahe beendet war, schrieb ich einem Herrn, der einen Artikel über den berühmten Uhrmacher Breguet verfaßt hatte. Sobald er las, daß ich ebenfalls eine selbst entworfene Uhr baute, entschloß er sich, aus New York zu kommen, um sie sich anzusehen. Er war sehr erstaunt. Er sagte, man sähe, daß dies die Arbeit eines Mannes sei, der etwas davon verstehe. Seine Begeisterung ermutigte mich sehr.

Mein neuer Freund machte meine Uhr bekannt. Die Folge war, daß einige Zeitungsartikel über mich geschrieben wurden und daß ich viele Aufträge bekam. Außerdem zeigte mir mein Freund seine Sammlung von ungefähr 3 000 auserlesenen Uhren, von denen manche aus dem 16. Jahrhundert stammten. Als ich einige in Gang setzte, erstaunten mich ihre Präzision, ihre Genauigkeit und die vorzügliche handwerkliche Arbeit, die darin steckte.

Später zog ich nach New York City, woher viele meiner Aufträge kamen. Verschiedene Firmen, die Navigationsinstrumente herstellten, nahmen meine Hilfe in Anspruch. Und obwohl ich jetzt Anfang 80 bin, arbeite ich noch für eine angesehene Uhrenfabrik und auch für einige private Kunden.“

Was es heißt, ein Uhrmacher zu sein

Es ist leicht zu erkennen, warum Männer wie Van so etwas wie eine aussterbende Art sind. Man beachte nur, wie genau und einwandfrei er arbeitet:

„Meine Uhrmacherwerkstatt“, fährt er fort, „gleicht wirklich einer kleinen Maschinenfabrik. Ich verrichte Arbeiten wie Drehen, Fräsen, Sägen und Bohren. Manchmal bearbeite ich Metalle mit einer Genauigkeit von einem zehntel bis zu einem hundertstel Millimeter. Warum ist eine solche Präzision erforderlich? Damit eine Uhr richtig läuft, müssen die Zapfen absolut rund, äußerst spitz und völlig gerade sein. Der Uhrmacher muß deshalb peinlich genau, mit Ausdauer, ja sogar mit künstlerischem Geschick arbeiten. Und Ehrlichkeit ist erforderlich. Ich entsinne mich noch, daß mein Vater einmal zu mir sagte: ‚Vor dir steht vielleicht der letzte ehrliche Uhrmacher.‘ Mit dieser Übertreibung meinte er, daß es viele in seiner Zunft gibt, die es nicht so genau nehmen und ihre Arbeit nicht sehr gewissenhaft ausführen.“

Offensichtlich ist Van nicht jemand, der es nicht so genau nimmt. Und wenn er auch sicherlich nicht der letzte ehrliche Uhrmacher ist, so ist er immerhin ein Vertreter einer vergangenen Ära, in der Schönheit und Qualität mehr zählten als Gewinn und Massenproduktion. Die Digitaluhren von heute mögen zwar ein Zeichen fortschrittlicher Technologie sein, doch Van würde dem entgegenhalten, daß sie nicht so viel darstellen wie die Uhren von früher.

Ob du nun eine preiswerte Digitaluhr oder ein teures Chronometer am Handgelenk trägst, so wirst du wahrscheinlich froh darüber sein, keine Sanduhr oder keinen tropfenden Wassereimer mit dir herumtragen zu müssen. Jahrhundertelange Arbeit und Handwerkskunst haben es so einfach gemacht, daß ein flüchtiger Blick auf das Handgelenk genügt, um die Frage zu beantworten: „Wie spät ist es?“

[Bild auf Seite 26]

Eine Uhr aus der Hand von Van Hoesen

[Bild auf Seite 27]

Van Hoesen bei der Arbeit in seiner Werkstatt

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