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  • Von der Neigung, sich zu beklagen, frei bleiben
    Der Wachtturm 1967 | 1. November
    • Von der Neigung, sich zu beklagen, frei bleiben

      „Tut weiterhin alles ohne Murren und Widerreden.“ — Phil. 2:14.

      1, 2. Welche Verhältnisse herrschen heute in der ganzen Welt, und welche Reaktion lösen sie bei manchen Menschen aus?

      WIR leben heute in ‘kritischen Zeiten, mit denen man schwer fertig wird’. Täglich entstehen neue internationale, nationale und persönliche Probleme, die zum Teil unüberwindlich zu sein scheinen. Wir sind Zeugen von blutigen Kriegen, von Hungersnöten und großen Epidemien und sehen, wie die Jugend- und die Erwachsenen­kriminalität überhandnehmen und wie an vielen Orten bittere Armut herrscht. Das stimmt genau mit den prophetischen Worten des Bibelschreibers Paulus überein: „Die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, nicht loyal, ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen vor Stolz, die mehr die Vergnügungen lieben als Gott.“ — 2. Tim. 3:1-4.

      2 Die Menschen reagieren verschieden auf diese Verhältnisse. Viele, die diese schlimmen Zustände beobachten, machen Gott dafür verantwortlich. Sie finden, er hätte schon längst etwas tun sollen, um die Situation zu ändern. Sie beklagen sich, indem sie dem Sinne nach sagen: „Wo ist diese seine verheißene Gegenwart? Ja, von dem Tage an, da unsere Vorväter im Tode entschlafen sind, gehen alle Dinge genau so weiter wie von Anfang der Schöpfung an.“ (2. Petr. 3:4) Judas, der Halbbruder Jesu, sagte: „Diese Menschen sind Murrende, solche, die ihr Los im Leben beklagen.“ — Jud. 16.

      3. Wie denken gerechtgesinnte Menschen über die Weltverhältnisse, und wieso wirkt sich dies günstig für sie aus?

      3 Aufrichtige, gerechtgesinnte Menschen denken jedoch wie der Prophet Jeremia, der gemäß Klagelieder 3:38, 39 (NW) sagte: „Aus dem Munde des Höchsten gehen schlechte Dinge und was gut ist, nicht hervor. Wie kann ein lebender Mensch sich Klagen hingeben, ein rüstiger Mann seiner Sünde wegen?“ Diese Menschen „seufzen und jammern“ zwar wegen der Greuel, die in ihrer Mitte geschehen; sie machen aber nicht Gott dafür verantwortlich, sondern sagen mit Jeremia demütig: „Prüfen und erforschen wir unsere Wege, und laßt uns zu Jehova umkehren! Wir, wir sind abgefallen und sind widerspenstig gewesen.“ (Hes. 9:4; Klag. 3:40, 42) Sie flehen Jehova um Rettung an, und in seiner überströmenden liebenden Güte erhört er ihren Hilferuf und befreit sie aus dem gegenwärtigen bösen System der Dinge, indem er sie in geistigem Sinne an „gut bewässerte Ruhestätten“ führt, wo sie mit seinen christlichen Zeugen zusammen sind. — Ps. 23:2, NW.

      4. Führe verschiedene Gründe an, weshalb Jehovas Zeugen heute ein zufriedenes Volk sind.

      4 Diese wahren Christen haben allen Grund, glücklich und zufrieden zu sein. Obwohl sie in 199 Ländern leben, die verschiedensten Sprachen sprechen und aus den unterschiedlichsten Verhältnissen kommen, leben sie — es sind ihrer schon Hunderttausende — miteinander in Frieden und Einheit. Sie stehen in einem vertrauten, unschätzbaren Verhältnis zu ihrem Gott und kennen seinen Willen genau. Diese Erkenntnis enthebt sie des Kummers und der Sorgen, die die Menschen haben, welche noch zu dem gegenwärtigen bösen System gehören. Sie blicken zuversichtlich einer gerechten neuen Ordnung der Dinge entgegen, die binnen kurzem herbeigeführt wird. Sie bringen ihre Freude über diese Hoffnung begeistert zum Ausdruck, indem sie einen großen Teil ihrer Zeit dafür verwenden, andere zu ermuntern; sie besuchen sie in ihrer Wohnung, sprechen Hoffnungslosen Mut zu und sagen zu ihnen: „Werdet versöhnt mit Gott.“ — 2. Kor. 5:20.

      5. (a) Welche Fragen erheben sich angesichts der geistigen Wohlfahrt des Volkes Gottes, und welche drei Gründe werden als Antwort angeführt? (b) Was muß man tun, um von der Neigung, sich zu beklagen, frei zu bleiben?

      5 Wenn doch Jehovas Volk so glücklich ist und sich in einer solch guten geistigen Verfassung befindet, warum mußte dann der Apostel Paulus den ersten Christen in Philippi schreiben: „Tut weiterhin alles ohne Murren und Widerreden.“? Warum muß sich dann Der Wachtturm mit diesem Thema befassen und darüber Rat erteilen? Weil Christen in geistiger Hinsicht zwar reif, aber immer noch unvollkommen und den von Adam ererbten Neigungen des gefallenen Fleisches unterworfen sind. Sie leben auch immer noch im gegenwärtigen bösen System der Dinge, und wenn sie nicht vorsichtig sind, können sie vom „Geist der Welt“ beeinflußt werden, der auch die Neigung, sich zu beklagen, hervorruft. Außerdem schließen sich den Zeugen Jehovas jedes Jahr Zehntausende von Personen an, die meistens erst kurz vorher die vielen ungesunden Gewohnheiten dieser bösen Welt abgelegt haben. Von der Neigung, sich zu beklagen, völlig frei zu werden kostet Zeit und Anstrengung und setzt voraus, daß man sich von Jehova helfen läßt und sich seiner Führung unterstellt. Einmal von dieser Neigung befreit, muß der Christ einen ständigen und immer intensiveren Kampf führen, um davon frei zu bleiben, wie das aus den Worten hervorgeht: „Tut weiterhin alles ohne Murren und Widerreden.“ — Phil. 2:14; 1. Kor. 2:12.

      IHRE URSACHEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN

      6. Was sollten wir wissen, um von dieser Neigung frei zu bleiben?

      6 Damit wir uns vor dieser Neigung hüten und sie in der Christenversammlung unterdrücken können, müssen wir wissen, in welchen verschiedenen Formen sie im täglichen Leben und im Umgang mit unseren Brüdern auftreten kann. Wir sollten auch einiges über die Ursachen und die verderblichen Auswirkungen dieser Neigung wissen. Das ist wichtig, denn oft merken die sich Beklagenden gar nicht, daß sie dieser Neigung verfallen sind, oder sie wissen nicht, welche nachteiligen Folgen sie hat.

      7. Wie wird der Ausdruck „sich beklagen“ erklärt, und wie äußert sich die Neigung, sich zu beklagen?

      7 Nach der Erklärung eines amerikanischen Wörterbuchesa bedeutet „sich beklagen“: „Trauer, Schmerz, Unzufriedenheit, Kritik, Bedauern usw. äußern; jammern, murren“. Demnach ist eine Klage also eine Äußerung von innerer Unzufriedenheit, von Ärger oder von Schmerz. Gewöhnlich dient die Zunge zur Äußerung einer solchen Klage, obwohl Empfindungen manchmal auch durch eine verächtliche Geste oder ein griesgrämiges Gesicht zum Ausdruck gebracht werden. Taten sprechen oft lauter als Worte, und man merkt schnell, wenn jemand unzufrieden ist, ohne daß er irgendwelche Klagen äußert.

      8. (a) Was schrieb Jakobus über die Schwierigkeit, die Zunge zu beherrschen? (b) Warum sollten sich Personen, die sich gern beklagen, nicht mit diesen Worten des Jakobus entschuldigen wollen? Wieso können jedoch unabsichtliche Übertreter aus ihnen Trost schöpfen?

      8 Es gibt keinen einzigen Adamssohn, der nicht schon mit seiner Zunge gesündigt hätte. Jesu Jünger Jakobus schrieb deshalb, gemäß Jakobus 3:2, 8-10: „Denn wir alle straucheln oft. Wer nicht im Worte strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, imstande, auch seinen ganzen Leib im Zaum zu halten. Die Zunge ..., kein einziger Mensch vermag sie zu zähmen. Ein widerspenstiges, schädliches Ding voll todbringenden Giftes ist sie. Mit ihr segnen wir Jehova, ja den Vater, und doch verfluchen wir mit ihr die Menschen, die ‚nach dem Gleichnis Gottes‘ ins Dasein gekommen sind. Aus demselben Munde kommen Segen und Fluch hervor.“ Es sollte jedoch niemand, der die Neigung hat, sich zu beklagen, sich mit diesen Worten entschuldigen wollen, denn Jakobus fährt mit den Worten fort: „Es ist nicht richtig, meine Brüder, daß diese Dinge so weiter geschehen.“ Es stimmt zwar, daß wir alle mitunter sündigen. Im Sündigen mit der Zunge jedoch so weit zu gehen, daß man daraus eine Gewohnheit macht, das heißt, daß man der Neigung, sich zu beklagen, frönt, ist mit dem wahren Christentum unvereinbar. Andererseits können wir aus den Worten des Jakobus Trost schöpfen, wenn wir in unserem harten Kampf gegen diese Neigung unseres Fleisches unabsichtlich sündigen.

      9. Was ist gemäß den Worten Jesu in Matthäus 12:34 noch wichtiger als die Beherrschung der Zunge, und warum?

      9 Jesus äußerte eine unbestreitbare Tatsache, als er sagte: „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund.“ (Matth. 12:34) Demnach müssen wir nicht nur die Zunge beherrschen und sie davor bewahren, Klagen zu äußern, sondern noch wichtiger ist, daß wir die Gedanken beherrschen, die uns veranlassen könnten, uns zu beklagen. Die Zunge äußert nur das oder kleidet nur das in Worte, was ein Mensch in seinem Herzen und in seinem Sinn hat. Was für Gedanken können denn jemand veranlassen, sich zu beklagen?

      10, 11. (a) Führe einige Gründe an, die jemand veranlassen könnten, sich zu beklagen. (b) Was ist im wesentlichen die Hauptursache für die Neigung, sich zu beklagen?

      10 Stolz mag dazu führen, daß sich jemand zu beklagen beginnt. Er mag zu hoch von sich denken und die Schwächen anderer kritisieren, um sich in den Vordergrund zu stellen und auf seine Brüder Eindruck zu machen. Auf diese Weise möchte er zeigen, daß er die betreffenden Schwächen nicht in demselben Ausmaß hat. Andere verlieren vielleicht die Geduld mit ihren Brüdern, weil sie keine so gute Auffassungsgabe haben wie sie selbst, oder sie ärgern sich über die angeblichen Schwächen ihrer Brüder. Wieder andere müssen besondere Schwierigkeiten ertragen und bemitleiden und beklagen sich deshalb, wenn sie ihre Lage mit derjenigen ihrer Brüder in der Versammlung vergleichen. Bei einigen mögen der Wunsch, mehr tun zu können, und das Gefühl, sie wären einer Aufgabe besser gewachsen als derjenige, der damit betraut ist, die Ursache sein, daß sie sich beklagen.

      11 Wir haben jetzt zwar nur einige Dinge, die Brüder veranlassen mögen, sich zu beklagen, näher betrachtet, aber wir haben eines deutlich festgestellt: Die Ursache ist stets eine Überbetonung des eigenen Ichs, die darauf zurückzuführen ist, daß man seine Gefühle oder seine Stellung zu wichtig nimmt. Diese Neigung ist demnach ein Ausdruck der Selbstsucht, und Selbstsucht ist das Gegenteil von Liebe.

      12. Wie entwickelte derjenige, der zum Satan wurde, die Neigung, sich zu beklagen, und wie wirkte sich dies aus?

      12 In diesem Zusammenhang ist es gut, einmal darüber nachzudenken, wie es kam, daß derjenige, der zu Satan oder zum Teufel wurde, mit seiner so begünstigten Stellung eines Aufsehers nicht mehr zufrieden war. Die Bibel verrät es uns durch die Worte, die einst an den König von Tyrus gerichtet wurden, der den gleichen Geist offenbart hatte wie der Teufel: „Dein Herz hat sich erhoben ob deiner Schönheit, du hast deine Weisheit zunichte gemacht wegen deines Glanzes.“ (Hes. 28:17) Sein kühnes Verlangen, das ganze Universum zu beherrschen, veranlaßte ihn, sich gegen Jehova, den Souverän, zu erheben. Er begann, zu hoch von sich zu denken, und entwickelte deshalb die Neigung, sich zu beklagen, was sich sehr bald in seiner Handlungsweise zeigte, die Not und Elend über die Menschheit brachte.

      13. Zeige, wie sich Klagen auswirken (a) auf denjenigen, gegen den sie vorgebracht werden, (b) auf denjenigen, der sie sich anhört, (c) auf einen neuen oder schwächeren Bruder und (d) wenn sie gegen die Organisation gerichtet sind.

      13 Wenn auch nicht jede Klage solch verhängnisvolle Folgen hat, so wirkt sich doch die geringste Äußerung von Unzufriedenheit nachteilig aus. Jemand, der sich über einen Bruder oder eine Schwester beklagt, beabsichtigt, den oder die Betreffende in den Augen seines Gesprächspartners herabzusetzen. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf Schwachheiten und wirkt auf diese Weise beunruhigend und entmutigend. Spricht er mit einem schwachen oder einem neuen Bruder, so kann er ihn so sehr enttäuschen, daß er sein Vertrauen zu seinen Brüdern verliert. Beklagt sich jemand über die Organisation Gottes oder über ihre ernannten Vertreter, so kann es sich noch schimmer auswirken: Es kann das Vertrauen zu den organisatorischen Vorkehrungen untergraben und den Glauben an Jehova erschüttern.

      14. Wie wirken sich solche Klagen auf die ganze Versammlung aus? Veranschauliche deine Antwort anhand von Sprüche 21:19.

      14 Selbst wenn jemand, der sich solche Klagen anhört, dadurch nicht zum Straucheln veranlaßt oder in geistiger Hinsicht nicht geschädigt wird, weil er die nötige Reife hat und ihnen deshalb keine Beachtung schenkt, so ist es für ihn doch nicht angenehm, mit einem solchen Menschen zusammen zu sein. Klagen wirken ähnlich wie Sand in einer gutgeölten Maschine. Sie dämpfen die Freude der Versammlung. Sie wirken wie eine dunkle Wolke, die plötzlich am Horizont erscheint. Sie üben die gleiche Wirkung auf die Brüder aus wie eine zänkische Frau auf ihren Mann. In Sprüche 21:19 (Br) lesen wir: „Es ist besser, allein in einem wüsten Lande wohnen als zusammen mit einer zänkischen und zornigen Frau.“

      15. Wie wird der sich Beklagende selbst davon berührt?

      15 Abgesehen von der demoralisierenden Wirkung, die Klagen auf diejenigen ausüben, die sie sich anhören, wirken sie sich auch auf denjenigen, der sie äußert, nachteilig aus. Sie machen ihn unzufrieden und unglücklich und verursachen sehr oft auch Gewissensbisse. Der Weise hatte recht, als er unter Inspiration sagte: „Wer seinen Mund und seine Zunge bewahrt, bewahrt vor Drangsalen seine Seele.“ — Spr. 21:23.

      „EURE HERZEN UND EURE GEISTESKRÄFTE ... BEHÜTEN“

      16. Wessen Hilfe sollten wir gemäß Pauli Worten erflehen, um unser Herz und unsere Geisteskräfte zu behüten, und worauf sollten wir unsere Gedanken richten?

      16 Da Klagen dem Herzen und Sinn eines Menschen entspringen, sollten wir unsere Gedanken auf Dinge richten, die auferbauen und ermutigen. Der Apostel Paulus zeigt, daß wir dies nur mit der Hilfe Jehovas tun können. Er sagt: „Seid um nichts ängstlich besorgt, sondern laßt in allem durch Gebet und Flehen zusammen mit Danksagung eure Bitten bei Gott bekanntwerden; und der Friede Gottes, der alles Denken übersteigt, wird eure Herzen und eure Geisteskräfte durch Christus Jesus behüten.“ Ja, solltest du in dieser Hinsicht eine Schwäche haben, dann zögere nicht, Jehova um seine Hilfe zu bitten, damit du sie überwinden kannst. Jehova wird dein inbrünstiges Bitten erhören und bewirken, daß Unzufriedenheit und die Neigung, dich zu beklagen, von dir weichen und du Zufriedenheit und Herzensfrieden findest. Paulus zeigt jedoch auch, daß man sich anstrengen muß, seinen Gebeten entsprechend zu handeln. Er sagt: „Schließlich, Brüder, was irgend wahr, was irgend von ernsthaftem Interesse, was irgend gerecht, was irgend keusch, was irgend liebenswert ist, worüber irgend man wohlredet, wenn es irgendeine Tugend und irgend etwas Lobenswertes gibt, diese Dinge betrachtet weiterhin.“ — Phil. 4:6-8.

      17. (a) Warum müssen wir einen ständigen Kampf führen, um Pauli Worte in Philipper 4:8 anzuwenden? (b) Was sollten wir tun, wenn wir merken, daß wir uns über die Fehler unserer Brüder ärgern?

      17 Paulus betont also, daß man nicht nur seine Zunge, sondern auch seine Gedanken beherrschen sollte, indem man sie auf das Gute, das Tugendhafte und Liebenswerte, das unsere Brüder an sich haben, konzentriert. Unser gefallenes Fleisch ist geneigt, stets zuerst die Schwächen eines Menschen zu sehen, und das macht uns oft blind für seine vielen vortrefflichen, liebenswerten und löblichen Eigenschaften. Da es sehr leicht ist, bei einem jeden von uns Schwächen zu finden, hat die Neigung, sich zu beklagen, stets genug Nährstoff. Wir müssen darum einen ständigen Kampf führen, um unsere Gedanken zu beherrschen. Wenn wir etwas beobachten, was uns zur Eifersucht oder zum Zorn reizt, sollten wir versuchen, es unverzüglich aus unserem Sinn zu verbannen, und statt dessen an die guten Eigenschaften des Betreffenden denken. Das wird am Anfang nicht leicht sein, doch wenn du mit Jehovas Hilfe daran arbeitest, wirst du sehen, daß du deinen Brüdern mit der Zeit näherkommst und ihre Hingabe an Jehova mehr schätzt. Du wirst auch ein viel glücklicherer Mensch werden, mit dem es angenehmer ist umzugehen.

      18. (a) Welchen Fehler begeht jemand, der sich über andere beklagt, gemäß Pauli Worten an die Korinther und an die Römer? (b) Wem wird es also leichter fallen, die Neigung, sich zu beklagen, zu überwinden?

      18 Wer geneigt ist, sich zu beklagen, nimmt das Fleisch und seine Schwächen zu wichtig und handelt daher in dieser Hinsicht wie ein geistig Unmündiger. Statt auf die Herzenshingabe und die Liebe seiner Brüder zu blicken, achtet er auf das gefallene, sündige Fleisch. Die Korinther Versammlung hatte diesen Fehler begangen, weshalb Paulus ihr schrieb: „So konnte ich ... zu euch nicht wie zu Geistesmenschen reden, sondern wie zu fleischlichen Menschen, wie zu Unmündigen in Christus ... Denn solange es Eifersucht und Streit unter euch gibt, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt ihr nicht wie Menschen?“ (1. Kor. 3:1, 3) Warum dem so ist, erfahren wir aus seinen Worten nach Römer 8:5: „Denn die, welche mit dem Fleische in Übereinstimmung sind, richten ihren Sinn auf die Dinge des Fleisches, die aber mit dem Geiste in Übereinstimmung sind, auf die Dinge des Geistes.“ Wer daher durch ein regelmäßiges Bibelstudium, durch den Besuch der Zusammenkünfte, durch das Gebet und durch den Dienst Jehovas mit Gottes heiligem Geist erfüllt bleibt, dem wird es leichter fallen, die Neigung, sich zu beklagen, zu überwinden, als dem, der in dieser Hinsicht unregelmäßig ist.

      PERSÖNLICHE KLAGEN

      19. In welche zwei allgemeinen Kategorien können Klagen eingeteilt werden?

      19 Wenn wir diesem Thema auf den Grund gehen, können wir Klagen in zwei allgemeine Kategorien einteilen: 1. Klagen über Einzelpersonen und 2. (was schlimmer ist) Klagen über Jehovas Organisation oder sein Vorhaben. Wir wollen uns zuerst mit den persönlichen Klagen befassen, und im folgenden Wachtturm-Artikel werden wir dann die zweite Kategorie besprechen.

      20. Was gibt in den meisten Fällen Anlaß zu persönlichen Klagen, und werden solche Klagen im allgemeinen mit Vorbedacht geäußert?

      20 Weitaus die meisten Klagen über Einzelpersonen sind auf unbedeutende Mißverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen. Eine Schwester, die etwas ruhig und zurückhaltend ist, mag sich über die offene Art einer anderen Schwester ärgern und mag ihrem Ärger anderen gegenüber Luft machen. Eigenarten, Gewohnheiten und das Benehmen eines Menschen mögen einigen gefallen, andere dagegen mögen sich darüber aufregen und sich darüber beklagen. Meist werden solche Klagen nicht mit Vorbedacht geäußert, sondern spontan, aus Ärger über irgendeine Kleinigkeit. Oft geschieht es völlig unüberlegt, und nicht selten bereut man es hinterher. Was kann man gegen diese Neigung tun?

      21. Wie sollten wir diese geringfügigen Schwächen unsere Brüder betrachten, besonders angesichts der Worte Jesu in Matthäus 6:14, 15?

      21 Wir müssen in erster Linie erkennen, worum es bei diesen Klagen geht. In den meisten Fällen sind es geringfügige, unwichtige, ja sogar kindische Dinge. Oft liegt gar kein eigentlicher Grund zur Klage vor. Ein gewisser Bruder oder eine gewisse Schwester tut etwas lediglich anders als sie es unserer Meinung nach tun sollte. Wenn wir bedenken, wie Jehova diese „Schwächen“ unserer Brüder betrachtet, und erkennen, daß er bereit ist, darüber hinwegzusehen und sie ihnen zu vergeben, dann wird uns das helfen. Vergibt dir Jehova nicht immer wieder trotz deiner vielen Schwächen? Berücksichtigst du nicht deine eigenen Verfehlungen, und bittest du Jehova nicht immer wieder um Vergebung, vielleicht sogar wegen derselben Schwäche? Wenn wir möchten, daß Jehova uns vergibt, dann müssen wir bereit sein, anderen zu vergeben, wie das Jesu Worte nach Matthäus 6:14, 15 bestätigen: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

      22. Zeige, wieso jemand, der sich über geringfügige Verfehlungen beklagt, keine Liebe verrät.

      22 Wir würden also keine Liebe und keine Bereitschaft zum Vergeben bekunden, wenn wir unseren Brüdern solche geringfügigen Verfehlungen nachtragen und sie noch größer machen würden, indem wir mit anderen darüber sprechen. Dadurch würden wir unseren himmlischen Vater bestimmt nicht nachahmen. Gottes Wort sagt über die Liebe: „Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ... läßt sich nicht aufreizen. Sie trägt das Böse nicht nach.“ „Die Liebe deckt eine Menge von Sünden zu. Seid gastfreundlich gegeneinander ohne Murren.“ (1. Kor. 13:4, 5; 1. Petr. 4:8, 9) Es ist daher nicht schwer zu verstehen, warum uns empfohlen wird, ‘einander in Liebe zu ertragen’. — Eph. 4:2.

      23. Wie sollte man sich also gegen diese unbedeutenden Ursachen zu Klagen verhalten?

      23 Wenn wir also ‘das Böse nicht nachtragen’ sollen, dann müssen wir als Christen solche geringfügigen Ursachen zu Klagen vergessen und sie vollständig aus unserem Gedächtnis auslöschen. Laß nicht zu, daß sie in deinen Augen übertriebene Ausmaße annehmen, sondern verscheuche die Gedanken daran, ehe sie Wurzel fassen und zu gedeihen beginnen. Unterdrücke die Neigung, dich zu beklagen, und bewahre dich so davor, dich selbst und andere unglücklich zu machen.

      24. Wie sollte man gemäß den Worten Jesu vorgehen, wenn man wirklich Ursache zu einer Klage hat?

      24 Es mag jedoch vorkommen, daß ein Bruder oder eine Schwester tatsächlich Grund hat, sich über jemand zu beklagen. Ein Bruder hat vielleicht wissentlich oder unwissentlich etwas getan, was dich so sehr verletzt hat, daß du es einfach nicht vergessen und nicht darüber hinwegkommen kannst. Du stellst vielleicht fest, daß es dich ziemlich stark beunruhigt und sogar deinen Dienst für Jehova beeinflußt. Gerade für solche Fälle gab Jesus den gesunden Rat, den wir in Matthäus 18:15 lesen: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so gehe hin und lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.“

      25. (a) Was sollte jemand, der Grund zu einer schwerwiegenden Klage gegen seinen Bruder hat, nie tun, und warum nicht? (b) Zeige, warum es wirklich weise ist, den Rat in Matthäus 18:15 zu befolgen.

      25 Selbst wenn du Grund hast, dich über die Handlungsweise eines Bruders zu beklagen, dann solltest du nicht mit anderen in der Versammlung darüber sprechen. Das würde nicht zum Frieden beitragen, sondern die ganze Versammlung beunruhigen, ja es könnte sogar zu einer Spaltung unter den Brüdern führen. Es wird auch bestimmt demjenigen nicht helfen, der den Fehler begangen hat, wenn er von anderen erfährt, daß du dich bei ihnen über ihn beklagt hast. Statt die Unstimmigkeit zu beseitigen, würdest du dadurch die Sache nur noch schlimmer machen, wie das folgender Spruch zeigt: „Wer ... eine Sache immer wieder anregt [weiter erzählt, ZB], entzweit Vertraute.“ (Spr. 17:9) Nein, die Neigung, sich zu beklagen, ist niemandem eine Hilfe. Die richtige Handlungsweise besteht darin, persönlich zu dem Bruder hinzugehen und mit ihm ruhig und sachlich über die Angelegenheit zu sprechen. Möglicherweise ist er sich gar nicht bewußt, daß er dich verletzt hat. Stell dir vor, wie froh er in einem solchen Fall wäre, wenn du ihn gleich persönlich ansprächest, statt dich bei anderen in der Versammlung über ihn zu beklagen!

      26, 27. (a) Wozu ist jemand, der beleidigt wurde, verpflichtet, wenn sein Bruder ihn um Vergebung bittet, und wie weit sollte er in dieser Hinsicht gehen? (b) Zeige, wieso Pauli Rat in Kolosser 3:12-14 in allen Fällen, bei denen es um persönliche Klagen geht, helfen wird.

      26 Bittet dich dein Bruder demütig um Vergebung, dann bist du verpflichtet, seine Entschuldigung anzunehmen und ihm zu vergeben, wie dein himmlischer Vater dir vergibt. Die Liebe ist eine Schuld, die sich nie vollständig abtragen läßt. (Röm. 13:8) Als daher der Apostel Petrus Jesus fragte: „Herr, wievielmal kann mein Bruder gegen mich sündigen und ich soll ihm vergeben? Bis siebenmal?“, antwortete Jesus: „Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern: Bis siebenundsiebzigmal.“ (Matth. 18:21, 22) Wenn wir großzügig sind, was unsere Liebe zu unseren Brüdern, unsere Barmherzigkeit ihnen gegenüber und unsere Bereitschaft, ihnen zu vergeben, anbelangt, werden wir viel Freude ernten und glücklicher sein, und wir werden uns vor der verderblichen, Unfrieden stiftenden Neigung, uns zu beklagen, schützen. Unsere tiefe Dankbarkeit gegenüber Jehova und unsere Liebe zu ihm und zu unseren Brüdern werden uns helfen, unsere Gedanken auf die „wichtigeren Dinge“, die Dinge, die unser künftiges Leben beeinflussen, zu richten statt auf die vielen unbedeutenden Dinge, die das gegenwärtige unvollkommene System der Dinge kennzeichnen. — Phil. 1:10.

      27 Wenden wir unsere Aufmerksamkeit zum Schluß noch den Worten zu, die Paulus vor vielen Jahren an die Kolosser geschrieben hat, und bemühen wir uns, sie anzuwenden, denn das wird uns weitgehend helfen, uns jeder Art persönlicher Klagen zu enthalten. Paulus empfahl den Kolossern eindringlich: „Kleidet euch somit als Gottes Auserwählte, heilige und geliebte, mit der innigen Zuneigung des Erbarmens, mit Güte, Demut, Milde und Langmut. Fahrt fort, einander zu ertragen und einander bereitwillig zu vergeben, wenn jemand Ursache zu einer Klage gegen einen anderen hat. So wie Jehova euch bereitwillig vergeben hat, so tut auch ihr. Außer allen diesen Dingen aber kleidet euch mit Liebe, denn sie ist ein vollkommenes Band der Einigkeit.“ — Kol. 3:12-14.

  • Innerhalb der Organisation Jehovas Zufriedenheit finden
    Der Wachtturm 1967 | 1. November
    • Innerhalb der Organisation Jehovas Zufriedenheit finden

      „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ — Joh. 6:68.

      1. Warum können Jehovas Geschöpfe ihrem Schöpfer voll vertrauen?

      JEHOVA hat stets alles im Universum in seiner Gewalt gehabt. Dank seiner Allmacht ziehen Sonne, Mond und Sterne ihre Bahn, und er behütet und bewahrt die Erde liebevoll als Wohnstätte des Menschen. Alles, was er tut, ist absolut vollkommen; deshalb können seine Geschöpfe seiner souveränen Herrschaft und seiner barmherzigen Aufsicht voll vertrauen.

      2. (a) Wie wendet Jehova seine Eigenschaften an? (b) Warum beklagen sich dann einige, und gegen wen beklagen sie sich in Wirklichkeit?

      2 Jehova, der allmächtig ist und alles sieht, wendet seine Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit und Macht seinen Geschöpfen gegenüber in einem ausgeglichenen Maße an. Er geht in seiner Gerechtigkeit nie bis zum Äußersten, sondern mildert sie stets durch Liebe und Barmherzigkeit. Er mißbraucht seine unbegrenzte Macht nie, sondern übt sie stets in Liebe und verbunden mit Weisheit aus. Er widerspricht sich nie, noch wendet er seine Eigenschaften willkürlich an. Warum aber beklagen sich dann einige seiner Geschöpfe hin und wieder über seine Vorkehrungen und die Art und Weise, wie er gewisse Dinge tut? Oft tun sie es, weil sie die Wege, die Jehova geht, nicht verstehen oder weil sie seine Handlungsweise mit seinen Geschöpfen von ihrem beschränkten Gesichtspunkt aus betrachten. Wir mögen zwar nicht immer ganz verstehen, warum Jehova gewisse Dinge tut; würden wir uns aber deswegen beklagen, so würden wir beweisen, daß wir Jehova Gott nicht richtig vertrauen und an seiner Fähigkeit, etwas auf seine Weise und zu seiner Zeit zu tun, zweifeln. Das wäre ein schwerwiegender Fehler. Als die Israeliten, Gottes Volk, vor 3500 Jahren im Süden Palästinas durch die Wüste zogen, begannen sie sich bei ihren Aufsehern, Moses und Aaron, zu beklagen, sie hätten nicht genug zu essen. Moses zeigte ihnen, von welcher Tragweite ihre Unzufriedenheit war, als er sagte: „Nicht wider uns ist euer Murren, sondern wider Jehova.“ — 2. Mose 16:8.

      UNS ÜBER DAS UNS ZUGETEILTE GEBIET FREUEN

      3. Was veranlaßt einige, sich über ihre Predigttätigkeit zu beklagen?

      3 Heute beginnen einige Brüder, die schon viele Jahre in der Wahrheit sind, einen ähnlichen Geist der Unzufriedenheit zu bekunden, wie es die Israeliten zu Moses’ Zeiten taten. Jahrelang haben sie ihren Freunden und Bekannten gesagt, die Schlacht von Harmagedon stehe kurz bevor. Bestimmt sind sie von Zeit zu Zeit immer wieder in dieselben Häuser gegangen, um die Botschaft von Gottes Königreich zu predigen. Nun sollte Harmagedon ihrer Meinung nach endlich kommen, und sie werden ungeduldig, weil Gott das Böse nicht sogleich vernichtet. Sie beginnen sich zu beklagen.

      4, 5. (a) Was geschah nach dem Bibelbericht, als Jona den Niniviten predigte? (b) Welchen schwerwiegenden Fehler beging Jona, und wie lehrte ihn Jehova Barmherzigkeit?

      4 Solche Brüder täten gut, sich an den Propheten Jona zu erinnern, der im 9. Jahrhundert v. u. Z. beauftragt worden war, den Bewohnern von Ninive zu predigen. Seine Botschaft war aufsehenerregend: „Noch vierzig Tage, so ist Ninive umgekehrt!“ (Jona 3:4) Als die Bewohner der Stadt dies hörten, bereuten sie ihre Bosheit unverzüglich und wandten sich Jehova zu. Selbst der König legte Trauerkleider an und befahl dem ganzen Volk, zu fasten und Gott um Barmherzigkeit anzurufen. Er sagte: „Wer weiß? Gott möchte sich wenden und es sich gereuen lassen und umkehren von der Glut seines Zornes, daß wir nicht umkommen.“ (Jona 3:9) Da die ganze Stadt Reue und Demut bekundete, führte Jehova die angekündigte Vernichtung nach vierzig Tagen nicht herbei. Wie dachte Jona darüber?

      5 Der inspirierte Bericht lautet: „Es verdroß Jona sehr und er wurde zornig.“ (Jona 4:1) Jona beurteilte die ganze Lage von einem sehr einseitigen und selbstsüchtigen Standpunkt aus. Während das Leben von Zehntausenden auf dem Spiele stand, dachte er mehr an sich und glaubte, er habe sein Ansehen verloren, weil sich seine Prophezeiung nicht sogleich erfüllte. Voll Ungeduld erwartete er, daß Ninive nach vierzig Tagen sogleich vernichtet werde, und vergaß darob die Eigenschaft der Barmherzigkeit. Während er unter der heißen Sonne verdrießlich über seine Klage nachsann, ließ Jehova eine große Pflanze emporwachsen, die ihm Schatten spenden sollte. Am folgenden Tag bewirkte er jedoch, daß die Pflanze wegen eines Wurms verdorrte, und sofort begann Jona, sich wieder zu beklagen. Das war für Jehova der richtige Moment, Jona eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihm: „Du erbarmst dich des Wunderbaumes [der Flaschenkürbispflanze, NW], um welchen du dich nicht gemüht, und den du nicht großgezogen hast, der als Sohn e i n e r Nacht entstand und als Sohn e i n e r Nacht zu Grunde ging; und i c h sollte mich Ninives, der großen Stadt, nicht erbarmen, in welcher mehr als hundertundzwanzigtausend Menschen sind, die nicht zu unterscheiden wissen zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken, und eine Menge Vieh?“ — Jona 4:10, 11.

      6. Wie dachte Petrus über Gottes Barmherzigkeit, und wie können wir es vermeiden, in unserem Predigtdienst die Geduld zu verlieren und unzufrieden zu werden?

      6 Ja, Jehova ist barmherzig und überströmend an liebender Güte, und die Zeit, die er einräumt, bevor er die Bösen in Harmagedon vernichtet, ist ein wunderbarer Ausdruck seiner Liebe und Geduld. „Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam ..., sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen.“ (2. Petr. 3:9) Welch erhabene Einstellung! Wenn wir Jehovas Gedanken über diese Dinge verstehen und seine unvergleichlichen Eigenschaften nachahmen, werden wir nie ungeduldig werden, sondern zufrieden bleiben und auf ihn und auf die von ihm bestimmte Zeit warten. Wir werden aus Liebe weiter predigen und jede Minute, die uns Jehova noch einräumt, ausnutzen, um den Menschen zu helfen, zur Reue zu gelangen. Dann werden wir unseren Dienst mit Freude verrichten und uns nicht unglücklich machen, indem wir uns beklagen.

      7. Erkläre, wie ein Missionar die Neigung, sich zu beklagen, entwickeln kann.

      7 Es ist zum Beispiel möglich, daß ein Bruder, der als Missionar in ein Auslandsgebiet gesandt wird, der Neigung, sich zu beklagen, zum Opfer fällt. Wie denn? Dadurch, daß er denkt, alles in dem neuen Land müsse so sein wie in seinem Heimatland. Er erwartet vielleicht denselben Lebensstandard und die gleichen Bequemlichkeiten, die er in der Wachtturm-Bibelschule Gilead in New York genoß. Stellt er fest, daß dies nicht der Fall ist, so beginnt er die Freude zu verlieren und wird unzufrieden. Dieser Geist der Unzufriedenheit greift dann sehr bald auch auf andere Dinge über, zum Beispiel auf die Sitten, die Sprache und die Gewohnheiten der Menschen, in deren Land er lebt. Er beginnt, diese und viele andere unbedeutende Dinge, die seiner Meinung nach nicht richtig sind, öffentlich zu kritisieren. Manche dieser Dinge mögen mit dem Predigen der guten Botschaft vom Königreich nicht das geringste zu tun haben, dennoch beklagt er sich offen darüber. Weil er nun unzufrieden und mißmutig ist, beklagt er sich über Dinge, über die er sich normalerweise in seinem eigenen Land nie beklagen würde. Ein solcher Bruder wird in seinem Gebiet nie glücklich sein, solange er diese Einstellung beibehält.

      8. Wer war in ferner Vergangenheit mit seinen Lebensverhältnissen nicht mehr zufrieden, und lag wirklich Grund zur Klage vor?

      8 Das erinnert uns an das Mischvolk, das 1500 Jahre vor dem Erdendasein Jesu aus Ägypten ausgezogen war, um mit den Israeliten durch die Wüste zu ziehen. Diese Leute waren unter Moses’ Leitung schon über ein Jahr unterwegs gewesen, als sie sich zu beklagen begannen. Sie hatten auf der Reise keinen Hunger gelitten, ihre Schuhe hatten sich nicht abgenutzt, und ihre Kleider waren nicht zerfallen. Sie hatten alles, was sie täglich benötigten. Sie waren damit jedoch nicht zufrieden. Sie begannen, ihr Nomadenleben mit ihrem früheren Leben in Ägypten zu vergleichen, und da schrien sogar die Israeliten mit ihnen: „Wir denken an die Fische zurück, die wir in Ägypten umsonst zu essen hatten, an die Gurken und Melonen, an den Lauch, die Zwiebeln und den Knoblauch! Jetzt aber sind wir ganz ausgehungert; gar nichts ist da! nichts bekommen wir zu sehen als das Manna!“ (4. Mose 11:5, 6, Me) Welche Undankbarkeit gegenüber Jehova, der sie doch auf wunderbare Weise mit Brot vom Himmel versorgte!

      9. Wieso ist der Apostel Paulus für heutige Missionare und Sonderpioniere ein vortreffliches Beispiel, und was vermeiden sie, wenn sie ihn nachahmen?

      9 Statt das undankbare Mischvolk und die undankbaren Israeliten nachzuahmen, sollten wir uns bemühen, wie der Apostel Paulus zu handeln, der in den verschiedensten Verhältnissen und in den verschiedensten Ländern lebte. Über die unterschiedlichen Erfahrungen, die er als Missionar machte, schrieb er an die Christen in Philippi: „Ich habe gelernt, in welchen Umständen ich mich auch immer befinde, selbstgenügsam zu sein. Ich weiß in der Tat, wie man knapp sein kann, ich weiß in der Tat, wie man Überfluß haben kann. In allem und unter allen Umständen habe ich das Geheimnis kennengelernt, sowohl satt zu sein, als auch zu hungern, sowohl Überfluß zu haben, als auch Mangel zu leiden. Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht.“ (Phil. 4:11-13) Paulus hatte gelernt sich überall, wohin er kam, den Verhältnissen anzupassen, und war in jedem ihm von Jehova zugeteilten Gebiet glücklich und zufrieden. Missionare und Sonderpioniere können heute viel von seinem vortrefflichen Beispiel lernen und können sich dadurch den Verdruß und den Kummer, den Unzufriedenheit über ihr Gebiet verursachen würde, ersparen.

      DIE THEOKRATISCHE LEITUNG RESPEKTIEREN

      10. Warum fällt es manchen schwer, die theokratische Leitung zu respektieren, und wozu kann dies führen?

      10 Da Jehova in seiner irdischen Organisation unvollkommene Menschen als seine Vertreter gebraucht, fällt es gewissen Leuten manchmal schwer, die theokratische Leitung anzuerkennen und zu respektieren. Sie vergessen, daß Jehova die Betreffenden ernannt hat, und sehen nur noch den schwachen, unvollkommenen Menschen. Statt die Stellung, die ein Bruder innehat, zu respektieren, sind sie schnell bereit, sich zu beklagen, wenn ihm zufolge seiner ererbten Unzulänglichkeiten ein kleiner Irrtum unterläuft. Dadurch begehen sie einen schwerwiegenden Fehler, der in einer Versammlung des Volkes Jehovas zu vielen Unannehmlichkeiten und zu Unzufriedenheit führen kann.

      11. (a) Welche Klagen erhoben die über 250 Israeliten gegen Moses und Aaron in der Wüste, und welche Streitfrage entstand dadurch? (b) Wie äußerte Jehova seinen Zorn über diesen Mangel an Respekt vor seinen ernannten Vertretern?

      11 Vor vielen hundert Jahren beging eine Gruppe von über 250 Männern diesen Fehler. Diese Männer sahen Jehovas Vertreter Moses und Aaron nicht mehr im richtigen Licht. Sie dachten, sie könnten die Nation Israel ebensogut beaufsichtigen wie Moses und Aaron, und so „versammelten [sie] sich wider Mose und wider Aaron und sprachen zu ihnen: Laßt es genug sein! denn die ganze Gemeinde, sie allesamt sind heilig, und Jehova ist in ihrer Mitte! Und warum erhebet ihr euch über die Versammlung Jehovas?“ Sie klagten Moses und Aaron auf diese Weise zu Unrecht an über die Versammlung zu herrschen. Zwei von dieser Gruppe, Dathan und Abiram, sagten später zu Moses, er versuche, sich „zum Herrscher“ über sie aufzuwerfen. Stimmte das? Hatten sich Moses und Aaron um ihres eigenen Vorteils willen selbst zu Aufsehern gemacht, oder hatte Jehova sie in diese Stellung eingesetzt? Am folgenden Tag erfuhr die ganze Nation die Antwort von Jehova selbst. Durch Feuer und indem er bewirkte, daß sich der Erdboden spaltete, vernichtete er die Rebellen und ihre Familien und bestätigte dadurch Moses’ Ausspruch: „Daran sollt ihr erkennen, daß Jehova mich gesandt hat, alle diese Taten zu tun, daß ich nicht aus meinem Herzen gehandelt habe.“ Hüten wir uns also vor dem verhängnisvollen Fehler, uns über Jehovas ernannte Vertreter zu beklagen! — 4. Mose 16:3, 13, 28.

      12. Welcher Gefahr setzt man sich aus, wenn man ernannte Diener von einem menschlichen Gesichtspunkt aus betrachtet, und wie zeigte Jehova dies durch seine Worte, die er gemäß 1. Samuel 16:7 zu Samuel sprach?

      12 Solange ein Bruder heute einen ernannten Diener von einem fleischlichen oder menschlichen Gesichtspunkt aus betrachtet, ist er in Jehovas Organisation ebensowenig zufrieden, wie es jene respektlosen Rebellen in ferner Vergangenheit waren. Er wird fortgesetzt auf die Schwächen dieses Dieners achten und sich öffentlich über dessen Vorgehen beklagen und vielleicht denken, er selbst wäre der Aufgabe besser gewachsen. Wir sollten uns jedoch an den Befehl erinnern, den Jehova seinem Propheten Samuel gab, der beauftragt worden war, Israels künftigen König zu salben. Als Samuel Eliab, einen der Söhne Isais, sah, dachte er auf den ersten Blick, Eliab sei bestimmt der von Jehova Auserwählte, weil er eine sehr stattliche Erscheinung war. Jehova warnte Samuel jedoch mit den Worten: „Blicke nicht auf sein Aussehen und auf die Höhe seines Wuchses, denn ich habe ihn verworfen; denn Jehova sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber Jehova sieht auf das Herz.“ (1. Sam. 16:7) Da alle Gott hingegebenen Christen dies wissen, respektieren sie Jehovas Ernennung eines Dieners, selbst wenn der Betreffende, nach seinem Äußeren beurteilt und vom weltlichen Standpunkt aus betrachtet, vielleicht nicht gerade am besten geeignet zu sein scheint.

      13. Was trägt viel zur Freude eines ernannten Dieners bei? Was könnte ihn jedoch dieser Freude berauben?

      13 Dieser Respekt und diese ganzherzige Unterwürfigkeit und Zusammenarbeit der Verkündiger und Pioniere in einer Versammlung tragen dazu bei, daß ein Diener seine Aufgaben mit Freuden erfüllen kann und daß Ergebnisse gezeitigt werden. Darum schrieb Paulus an die hebräischen Christen: „Gehorcht denen, die unter euch die Führung übernehmen, und seid unterwürfig, denn sie wachen beständig über eure Seelen als solche, die Rechenschaft ablegen werden, damit sie dies mit Freude und nicht mit Seufzen tun können, denn das wäre euch zum Schaden.“ (Hebr. 13:17) Klagen gegen solche Brüder in verantwortlichen Stellungen würden die Freude der Versammlung beeinträchtigen. Sie wären ihr „zum Schaden“ und würden einen Geist der Unzufriedenheit mit Jehovas Ordnung der Dinge erkennen lassen.

      14. Was sollte nie geschehen, auch dann nicht, wenn ein Aufseher seine Pflichten vernachlässigt? Führe zur Bestätigung deiner Antwort ein biblisches Beispiel an.

      14 Was aber, wenn der Aufseher einer Versammlung die Zusammenkünfte nicht richtig organisiert und im Dienst nicht richtig vorangeht? Angenommen, die Versammlung würde erst in zwei oder drei Monaten vom Kreisdiener besucht werden, wäre es dann nicht angebracht, daß sich ein Bruder öffentlich über diesen Mißstand beklagt, ja daß er vielleicht sogar alle Verkündiger eine Petition an die Gesellschaft unterzeichnen lassen würde, in der verlangt würde, daß der betreffende Bruder seines Amtes als Aufseher enthoben würde? Nein, das wäre bestimmt nicht richtig! Denken wir daran, daß David nicht versuchte, den Thron des verderbten israelitischen Königs Saul an sich zu reißen, obwohl er wußte, daß er der künftige König war. Er fühlte sich nicht berechtigt, Hand an Saul zu legen, obwohl Saul ein böser Mensch war und nicht mehr Gottes Gunst genoß. Er respektierte Saul als den „Gesalbten Jehovas“ und war bereit, sich dieser Anordnung zu unterziehen, bis Jehova es für gut befinden würde, Saul seines Amtes zu entheben. — 1. Sam. 24:7.

      15. (a) Zeige, warum jemand, der sich über einen ernannten Diener beklagt, in Wirklichkeit beweist, daß er nicht genügend Glauben an Jehova hat. (b) Was tut ein reifer Bruder, wenn ein Aufseher seine Aufgaben vernachlässigt?

      15 David bewies jederzeit großen Glauben an Jehova. Er wußte, daß Jehova alles vollständig in seiner Gewalt hatte, und er begnügte sich damit zu warten, bis Jehovas Zeit zu handeln kam. Ein Bruder, der jedoch auf demokratische Weise eine Petition umlaufen läßt oder sich öffentlich über einen ernannten Diener beklagt, verrät im Gegensatz zu David einen bedauerlichen Mangel an Glauben und an Vertrauen in die Fähigkeit Jehovas, seine Organisation zu überwachen. Ein solcher Bruder sagt dem Sinne nach: „Gott handelt nicht schnell genug; ich muß daher selbst etwas unternehmen.“ Welch kurzsichtige Überlegung, und welch unreife Ansicht! Jehova tut nicht immer alles so, wie wir denken, daß er es tun sollte, aber wir können sicher sein, daß er es richtig und auch rechtzeitig tut. Das beste ist also, wir warten auf Jehova beteiligen uns eifrig am Dienst, stehen unseren Brüdern liebevoll bei und ermuntern sie, die theokratische Ordnung der Dinge zu respektieren. Jede unüberlegte Handlung würde den Respekt vor der theokratischen Leitung untergraben und der Versammlung großen geistigen Schaden zufügen.

      16. Wessen können wir gewiß sein, und was sollten wir daher tun?

      16 Wir können das volle Vertrauen haben, daß Jehova weiß, was in jeder Versammlung seines Volkes vor sich geht. „Und es gibt keine Schöpfung, die vor seinen Augen nicht offenbar ist, sondern alle Dinge sind nackt und bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben.“ (Hebr. 4:13) Er schläft nicht, und nichts entgeht ihm. Er hat es nicht nötig, daß er von einem sich beklagenden Bruder unterrichtet wird, wenn etwas verbesserungs­bedürftig ist. Die Bibel sagt: „Die Augen Jehovas sind an jedem Orte, schauen aus auf Böse und auf Gute.“ (Spr. 15:3) Mit diesem tröstlichen Gedanken im Sinn sollten wir damit zufrieden sein, das zu tun, was uns aufgetragen worden ist, glücklich in dem Bewußtsein, daß der allmächtige Souverän seine sichtbare Organisation vollständig in seiner Gewalt hat.

      17. (a) Wie kann ein ernannter Diener die Neigung, sich zu beklagen, entwickeln? (b) Was hat ein solcher Bruder aus den Augen verloren, und was sollte er daher tun?

      17 Manchmal fällt sogar ein ernannter Diener der Neigung, sich zu beklagen, zum Opfer, weil er denkt, er habe zu viel zu tun. Er mag das Gefühl haben, die Betreuung der Herde Gottes sei für ihn eine zu große Belastung. Vielleicht verliert er die Geduld mit den Brüdern und beklagt sich, sie würden nicht richtig mit ihm zusammenarbeiten und seien manchmal ziemlich schwer von Begriff. Ein solcher Bruder hat die Tatsache, daß er mit Jehovas Organisation zusammenarbeitet und daß er der Aufseher von „Schafen“ ist, die Jehova gehören, vorübergehend aus den Augen verloren. Er glaubt, die ganze Last der Sorge um diese „Schafe“ ruhe auf seinen Schultern. Das stimmt jedoch nicht. Jehova übernimmt die Verantwortung für die Sorge um diese „Schafe“, und Jesus Christus, sein Sohn, hat sein Leben für sie hingegeben. Kein Aufseher sollte die Verantwortung für die Sorge um Jehovas „Schafe“ allein tragen wollen. Er sollte sich auf Jehova verlassen und völlig auf ihn vertrauen. David, der dreiunddreißig Jahre eine ganze Nation beaufsichtigte, sagte: „Wirf auf Jehova, was dir auferlegt ist, und e r wird dich erhalten; er wird nimmermehr zulassen, daß der Gerechte wanke!“ — Ps. 55:22.

      18, 19. (a) Wie bewies Moses einmal, daß er der Neigung, sich zu beklagen, zum Opfer gefallen war? Können wir jedoch sagen, er habe zu denen gehört, die sich ständig beklagen? (b) Warum haben Aufseher heute allen Grund, optimistisch zu sein?

      18 Selbst Moses, ein ernannter Diener, fiel einmal der Neigung, sich zu beklagen, zum Opfer, als er die widerspenstigen Israeliten durch die Wüste führte. Er brachte seine Klagen sogar Gott im Gebet vor. Er sagte: „Warum hast du an deinem Knechte übel getan, und warum habe ich nicht Gnade gefunden in deinen Augen, daß du die Last dieses ganzen Volkes auf mich legst? Bin i c h mit diesem ganzen Volke schwanger gegangen, oder habe i c h es geboren, daß du zu mir sprichst: Trage es in deinem Busen, gleichwie der Wärter den Säugling trägt ...? Ich allein vermag nicht dieses ganze Volk zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Und wenn du also mit mir tust, so bringe mich doch um.“ — 4. Mose 11:11, 12, 14, 15.

      19 Moses war sonst ein glücklicher, zufriedener Diener Jehovas; er gehörte bestimmt nicht zu denen, die sich ständig beklagen. Doch dieses eine Mal war ihm das Murren der Israeliten zuviel, und er ließ sich von der Neigung, sich zu beklagen, beeinflussen. Heute gibt es jedoch keinen menschlichen Aufseher, der eine solch große Versammlung betreuen müßte, und es kommt selten vor, daß sich ein Aufseher mit solch schwierigen Problemen befassen muß, wie Moses es tun mußte. Auch werden Aufseher heute nicht nur durch die liebevolle Führung der Organisation, sondern auch von Jehova und seinem inthronisierten König unterstützt. Sie haben somit keinen Grund, sich zu beklagen oder das Gefühl zu haben, überlastet zu sein. Wenn sie ihr wunderbares Vorrecht ständig im Auge behalten und sich daran erfreuen, können sie „Jesus, den Hauptvermittler und Vervollkommner unseres Glaubens“, nachahmen. Ein Aufseher, der dies tut und der im Umgang mit den Brüdern Liebe bekundet, ja der nicht zuviel von ihnen erwartet, beklagt sich nicht, sondern ist optimistisch und glücklich und verbreitet in der Versammlung eine fröhliche Atmosphäre. — Hebr. 12:2.

      MIT DER GEOFFENBARTEN WAHRHEIT ZUFRIEDEN SEIN

      20. Wieso beklagen sich heute manche über die von der Gesellschaft veröffentlichten Erklärungen gewisser Schrifttexte, und warum ist das für sie selbst und für andere gefährlich?

      20 Hin und wieder hört man, daß sich Brüder über die Wahrheiten und die Erklärungen von Bibeltexten, die im Wachtturm veröffentlicht werden, beklagen. Da sie nicht verstehen können, warum ein bestimmter Punkt so erklärt wird, wie er erklärt wird, oder warum ein bestimmter Gedanke besser verstanden wird, beginnen sie anderen gegenüber Zweifel zu äußern. Das stiftet Verwirrung unter den Brüdern, besonders unter den neueren; dem sich Beklagenden hilft es jedoch keineswegs. Wer so handelt, verrät Unzufriedenheit mit Jehovas Mitteilungskanal, und in vielen Fällen handelt derjenige unüberlegt und vorschnell, ohne alle damit verbundenen Tatsachen zu kennen.

      21. (a) Warum hörten einige der Jünger auf, ihm nachzufolgen? (b) Welche lobenswerte Einstellung hatten dagegen die zwölf Apostel, und wie wirkte sich dies aus?

      21 Die gleiche Einstellung hatten auch einige der ersten Nachfolger Jesu. Als Jesus sie einmal einige kräftige neue Wahrheiten lehrte, sagten einige: „Diese Rede ist anstößig; wer kann sie anhören?“ Gemäß dem inspirierten Bericht geschah darauf folgendes: „Deswegen wandten sich viele seiner Jünger den hinter ihnen liegenden Dingen zu und gingen nicht mehr mit ihm.“ Jesus fragte darum seine zwölf Apostel: „Ihr wollt doch nicht etwa auch weggehen?“ Petrus antwortete sogleich: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ (Joh. 6:60, 66-68) Diejenigen, die Anstoß genommen hatten, wurden vorschnell unzufrieden. Sie nahmen sich weder die Zeit noch die Mühe, die dargelegten Wahrheiten zu prüfen, um festzustellen, ob sie mit Gottes Wort übereinstimmten. Die Apostel dagegen waren froh, bei Jesus zu bleiben und sich von ihm nach und nach belehren zu lassen. Das heißt nicht, daß sie damals alles, was er ihnen sagte, vollständig begriffen hätten, denn vieles konnten sie noch nicht richtig verstehen. Sie hatten jedoch wahren Glauben. Sie wußten, daß Jehova ihnen nicht einen Stein geben würde, wenn sie ihn um Brot bitten würden. Darum waren sie damit zufrieden, zuzuhören und zu lernen, und fragten, wenn sie etwas nicht richtig verstanden. (Matth. 7:9-11) Sie wurden deswegen reich gesegnet und erhielten zu Pfingsten des Jahres 33 u. Z., als ihnen der heilige Geist verliehen wurde, eine klare Erkenntnis des Willens Jehovas.

      22. Erkläre, was wir tun sollten, wenn es uns schwerfällt, eine bestimmte Wahrheit zu verstehen, und zeige, warum dies die einzig vernünftige Handlungsweise ist.

      22 Wir können von dem Beispiel, das uns diese treuen Männer gaben, viel lernen. Es stimmt zwar, daß gewisse Gedanken anfänglich nicht leicht zu verstehen sind. Wäre es aber nicht weiser, man würde der Sache genau auf den Grund gehen, statt daß man sich darüber beklagt oder sie zu einem Streitpunkt macht und so sein geringes Wissen der unendlichen Weisheit Jehovas und der Erfahrung der von seinem Geist geleiteten Organisation gegenüberstellt? Sprich, nachdem du die Sache selbst sorgfältig durchdacht hast, mit reifen Brüdern, und zwar nicht, um dich zu beklagen, sondern um zu erfahren, wie sie darüber denken. Fällt es dir danach immer noch schwer, den Gedanken zu verstehen, so mag es besser sein, eine Zeitlang davon Abstand zu nehmen und auf eine weitere Erklärung zu warten, wie es die Apostel taten. Trage Jehova die Sache im Gebet vor, und bitte ihn, er möge dir Weisheit geben, damit du den betreffenden Gedanken verstehen kannst. Du wirst ihn zur rechten Zeit, wenn ihn Jehova durch seine Organisation offenbart, verstehen, vorausgesetzt, daß du im Glauben mit dieser Organisation eng verbunden bleibst.

      23. Wie können wir vermeiden, daß wir den vom Glauben abgefallenen Personen gleich werden, die in 1. Timotheus 6:3-5 beschrieben werden?

      23 Wir möchten bestimmt nicht zu denen gehören, die Paulus gemäß 1. Timotheus 6:3-5 erwähnte: „Wenn jemand eine andere Lehre lehrt und den gesunden Worten, denen unseres Herrn Jesus Christus, und der Lehre, die der Gottergebenheit entspricht, nicht zustimmt, so ist er vor Stolz aufgeblasen und versteht nichts, sondern ist wegen Streitfragen und Debatten über Worte geistig krank. Aus diesen Dingen entspringen Neid, Streit, Lästerreden, böse Verdächtigungen, heftige Wortwechsel um Kleinigkeiten von seiten der Menschen, die verderbten Sinnes und der Wahrheit beraubt sind.“ Viele sind vom Glauben abgefallen, weil sie sich durch die Neigung, sich zu beklagen, gegen Jehovas Organisation bitter machen ließen. Wenn wir ihnen nicht gleich werden wollen, müssen wir uns davor hüten, uns über unbedeutende Dinge, über „Kleinigkeiten“, zu beklagen, und müssen mit der von Jehova geoffenbarten Wahrheit zufrieden sein.

      24. Welchen Mangel verraten Personen, die sich über Jehovas Organisation beklagen, und wie kann man dieser Neigung entgegenwirken?

      24 Wie die erwähnten Beispiele zeigen, sind Klagen gegen die Organisation gewöhnlich auf einen Mangel an Verständnis für die Handlungsweise Jehovas und auf einen Mangel an Vertrauen zu Jehova und zu seinen Anordnungen zurückzuführen. Um also die Neigung, sich zu beklagen, zu überwinden, sollte man seinen Glauben an Jehova und das Vertrauen zu seiner Organisation stärken und durch ein persönliches Studium, durch das Gebet und durch die enge Verbindung mit seinem Volk zu größerer Einsicht und zu einem reifen Verständnis gelangen.

      25. Was müssen wir tun, um schon jetzt und auch in den „kommenden Systemen der Dinge“ viel Freude zu erleben?

      25 So wollen wir denn alle damit zufrieden sein, an dem uns zugewiesenen Platz in der Organisation wirken zu dürfen, und wollen Jehova als den alleinigen Gründer und Organisator seines Volkes anerkennen und stets daran denken, daß Jesus Christus der von ihm eingesetzte und nun im Himmel regierende König ist. Wenn wir unsere Aufgaben erfüllen, ohne uns zu beklagen, so werden wir in Verbindung mit unseren Brüdern in der Versammlung heute schon viel Freude erleben und in den „kommenden Systemen der Dinge“ mehr gesegnet werden, als wir es uns jetzt vorstellen können, denn Jehova wird im Laufe der kommenden Jahrhunderte noch manches über sein herrliches Vorhaben offenbaren. Laß dir diese herrliche Zukunft nicht entgehen, indem du einer von denen wirst, die in ihrer Kurzsichtigkeit der Neigung, sich zu beklagen, zum Opfer fallen, sondern genieße in Verbindung mit Jehovas erprobtem, treuem Volk echte Befriedigung und Herzensfrieden. — Eph. 2:7

  • Sie aßen kein Blut
    Der Wachtturm 1967 | 1. November
    • Sie aßen kein Blut

      ● Minucius Felix, ein lateinischer Schriftsteller des dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, verfaßte einen Dialog, betitelt „Octavius“. Darin bemühte er sich, Anschuldigungen, die gegen diejenigen vorgebracht worden waren, die sich in seinen Tagen als Christen bekannten, zu widerlegen. Ein Gerücht, das man verbreitet hatte, lautete, daß sie Blut trinken und daß sie „durch die Ermordung und das Blut eines Kindes“ Aufnahme erhalten würden. Nachdem Minucius Felix heidnische Bräuche, durch die die grobe Mißachtung des Lebens und der Heiligkeit des Blutes zum Ausdruck kamen, beschrieben hatte, wies er darauf hin, daß diejenigen, die sich zu jener Zeit offen zum Christentum bekannten, Respekt vor Gottes Gesetz über das Blut hatten. Er schrieb: „Nicht unähnlich sind ihnen [den Heiden] die, welche die wilden Tiere von der Arena weg auffressen, die doch von Menschenblut überronnen und besudelt oder mit menschlichen Gliedmaßen und Eingeweiden gemästet sind. Uns hingegen ist es nicht einmal gestattet, ein Menschenmorden anzusehen oder anzuhören; ja so sehr haben wir Scheu vor Menschenblut, daß wir nicht einmal das Blut eßbarer Tiere unter unseren Speisen kennen.“ (Octavius von Minucius Felix, übersetzt von Dr. A. Müller, Stuttgart, XXX, 6, S. 188—190 des Buches Bibliothek der Kirchenväter, II. Band) Es ist beachtenswert, daß diejenigen, die sich offen dazu bekannten, Christus nachzufolgen, im dritten Jahrhundert immer noch dem Blut gegenüber einen Standpunkt einnahmen, der biblisch war und der sich von dem wahrer Christen unserer Tage nicht unterscheidet. — 1. Mose 9:3, 4; Apg. 15:28, 29; 21:25.

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