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Von der Neigung, sich zu beklagen, frei bleibenDer Wachtturm 1967 | 1. November
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geistig Unmündiger. Statt auf die Herzenshingabe und die Liebe seiner Brüder zu blicken, achtet er auf das gefallene, sündige Fleisch. Die Korinther Versammlung hatte diesen Fehler begangen, weshalb Paulus ihr schrieb: „So konnte ich ... zu euch nicht wie zu Geistesmenschen reden, sondern wie zu fleischlichen Menschen, wie zu Unmündigen in Christus ... Denn solange es Eifersucht und Streit unter euch gibt, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt ihr nicht wie Menschen?“ (1. Kor. 3:1, 3) Warum dem so ist, erfahren wir aus seinen Worten nach Römer 8:5: „Denn die, welche mit dem Fleische in Übereinstimmung sind, richten ihren Sinn auf die Dinge des Fleisches, die aber mit dem Geiste in Übereinstimmung sind, auf die Dinge des Geistes.“ Wer daher durch ein regelmäßiges Bibelstudium, durch den Besuch der Zusammenkünfte, durch das Gebet und durch den Dienst Jehovas mit Gottes heiligem Geist erfüllt bleibt, dem wird es leichter fallen, die Neigung, sich zu beklagen, zu überwinden, als dem, der in dieser Hinsicht unregelmäßig ist.
PERSÖNLICHE KLAGEN
19. In welche zwei allgemeinen Kategorien können Klagen eingeteilt werden?
19 Wenn wir diesem Thema auf den Grund gehen, können wir Klagen in zwei allgemeine Kategorien einteilen: 1. Klagen über Einzelpersonen und 2. (was schlimmer ist) Klagen über Jehovas Organisation oder sein Vorhaben. Wir wollen uns zuerst mit den persönlichen Klagen befassen, und im folgenden Wachtturm-Artikel werden wir dann die zweite Kategorie besprechen.
20. Was gibt in den meisten Fällen Anlaß zu persönlichen Klagen, und werden solche Klagen im allgemeinen mit Vorbedacht geäußert?
20 Weitaus die meisten Klagen über Einzelpersonen sind auf unbedeutende Mißverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten zurückzuführen. Eine Schwester, die etwas ruhig und zurückhaltend ist, mag sich über die offene Art einer anderen Schwester ärgern und mag ihrem Ärger anderen gegenüber Luft machen. Eigenarten, Gewohnheiten und das Benehmen eines Menschen mögen einigen gefallen, andere dagegen mögen sich darüber aufregen und sich darüber beklagen. Meist werden solche Klagen nicht mit Vorbedacht geäußert, sondern spontan, aus Ärger über irgendeine Kleinigkeit. Oft geschieht es völlig unüberlegt, und nicht selten bereut man es hinterher. Was kann man gegen diese Neigung tun?
21. Wie sollten wir diese geringfügigen Schwächen unsere Brüder betrachten, besonders angesichts der Worte Jesu in Matthäus 6:14, 15?
21 Wir müssen in erster Linie erkennen, worum es bei diesen Klagen geht. In den meisten Fällen sind es geringfügige, unwichtige, ja sogar kindische Dinge. Oft liegt gar kein eigentlicher Grund zur Klage vor. Ein gewisser Bruder oder eine gewisse Schwester tut etwas lediglich anders als sie es unserer Meinung nach tun sollte. Wenn wir bedenken, wie Jehova diese „Schwächen“ unserer Brüder betrachtet, und erkennen, daß er bereit ist, darüber hinwegzusehen und sie ihnen zu vergeben, dann wird uns das helfen. Vergibt dir Jehova nicht immer wieder trotz deiner vielen Schwächen? Berücksichtigst du nicht deine eigenen Verfehlungen, und bittest du Jehova nicht immer wieder um Vergebung, vielleicht sogar wegen derselben Schwäche? Wenn wir möchten, daß Jehova uns vergibt, dann müssen wir bereit sein, anderen zu vergeben, wie das Jesu Worte nach Matthäus 6:14, 15 bestätigen: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, wird euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“
22. Zeige, wieso jemand, der sich über geringfügige Verfehlungen beklagt, keine Liebe verrät.
22 Wir würden also keine Liebe und keine Bereitschaft zum Vergeben bekunden, wenn wir unseren Brüdern solche geringfügigen Verfehlungen nachtragen und sie noch größer machen würden, indem wir mit anderen darüber sprechen. Dadurch würden wir unseren himmlischen Vater bestimmt nicht nachahmen. Gottes Wort sagt über die Liebe: „Die Liebe ist langmütig und gütig. Die Liebe ... läßt sich nicht aufreizen. Sie trägt das Böse nicht nach.“ „Die Liebe deckt eine Menge von Sünden zu. Seid gastfreundlich gegeneinander ohne Murren.“ (1. Kor. 13:4, 5; 1. Petr. 4:8, 9) Es ist daher nicht schwer zu verstehen, warum uns empfohlen wird, ‘einander in Liebe zu ertragen’. — Eph. 4:2.
23. Wie sollte man sich also gegen diese unbedeutenden Ursachen zu Klagen verhalten?
23 Wenn wir also ‘das Böse nicht nachtragen’ sollen, dann müssen wir als Christen solche geringfügigen Ursachen zu Klagen vergessen und sie vollständig aus unserem Gedächtnis auslöschen. Laß nicht zu, daß sie in deinen Augen übertriebene Ausmaße annehmen, sondern verscheuche die Gedanken daran, ehe sie Wurzel fassen und zu gedeihen beginnen. Unterdrücke die Neigung, dich zu beklagen, und bewahre dich so davor, dich selbst und andere unglücklich zu machen.
24. Wie sollte man gemäß den Worten Jesu vorgehen, wenn man wirklich Ursache zu einer Klage hat?
24 Es mag jedoch vorkommen, daß ein Bruder oder eine Schwester tatsächlich Grund hat, sich über jemand zu beklagen. Ein Bruder hat vielleicht wissentlich oder unwissentlich etwas getan, was dich so sehr verletzt hat, daß du es einfach nicht vergessen und nicht darüber hinwegkommen kannst. Du stellst vielleicht fest, daß es dich ziemlich stark beunruhigt und sogar deinen Dienst für Jehova beeinflußt. Gerade für solche Fälle gab Jesus den gesunden Rat, den wir in Matthäus 18:15 lesen: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so gehe hin und lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.“
25. (a) Was sollte jemand, der Grund zu einer schwerwiegenden Klage gegen seinen Bruder hat, nie tun, und warum nicht? (b) Zeige, warum es wirklich weise ist, den Rat in Matthäus 18:15 zu befolgen.
25 Selbst wenn du Grund hast, dich über die Handlungsweise eines Bruders zu beklagen, dann solltest du nicht mit anderen in der Versammlung darüber sprechen. Das würde nicht zum Frieden beitragen, sondern die ganze Versammlung beunruhigen, ja es könnte sogar zu einer Spaltung unter den Brüdern führen. Es wird auch bestimmt demjenigen nicht helfen, der den Fehler begangen hat, wenn er von anderen erfährt, daß du dich bei ihnen über ihn beklagt hast. Statt die Unstimmigkeit zu beseitigen, würdest du dadurch die Sache nur noch schlimmer machen, wie das folgender Spruch zeigt: „Wer ... eine Sache immer wieder anregt [weiter erzählt, ZB], entzweit Vertraute.“ (Spr. 17:9) Nein, die Neigung, sich zu beklagen, ist niemandem eine Hilfe. Die richtige Handlungsweise besteht darin, persönlich zu dem Bruder hinzugehen und mit ihm ruhig und sachlich über die Angelegenheit zu sprechen. Möglicherweise ist er sich gar nicht bewußt, daß er dich verletzt hat. Stell dir vor, wie froh er in einem solchen Fall wäre, wenn du ihn gleich persönlich ansprächest, statt dich bei anderen in der Versammlung über ihn zu beklagen!
26, 27. (a) Wozu ist jemand, der beleidigt wurde, verpflichtet, wenn sein Bruder ihn um Vergebung bittet, und wie weit sollte er in dieser Hinsicht gehen? (b) Zeige, wieso Pauli Rat in Kolosser 3:12-14 in allen Fällen, bei denen es um persönliche Klagen geht, helfen wird.
26 Bittet dich dein Bruder demütig um Vergebung, dann bist du verpflichtet, seine Entschuldigung anzunehmen und ihm zu vergeben, wie dein himmlischer Vater dir vergibt. Die Liebe ist eine Schuld, die sich nie vollständig abtragen läßt. (Röm. 13:8) Als daher der Apostel Petrus Jesus fragte: „Herr, wievielmal kann mein Bruder gegen mich sündigen und ich soll ihm vergeben? Bis siebenmal?“, antwortete Jesus: „Ich sage dir: Nicht bis siebenmal, sondern: Bis siebenundsiebzigmal.“ (Matth. 18:21, 22) Wenn wir großzügig sind, was unsere Liebe zu unseren Brüdern, unsere Barmherzigkeit ihnen gegenüber und unsere Bereitschaft, ihnen zu vergeben, anbelangt, werden wir viel Freude ernten und glücklicher sein, und wir werden uns vor der verderblichen, Unfrieden stiftenden Neigung, uns zu beklagen, schützen. Unsere tiefe Dankbarkeit gegenüber Jehova und unsere Liebe zu ihm und zu unseren Brüdern werden uns helfen, unsere Gedanken auf die „wichtigeren Dinge“, die Dinge, die unser künftiges Leben beeinflussen, zu richten statt auf die vielen unbedeutenden Dinge, die das gegenwärtige unvollkommene System der Dinge kennzeichnen. — Phil. 1:10.
27 Wenden wir unsere Aufmerksamkeit zum Schluß noch den Worten zu, die Paulus vor vielen Jahren an die Kolosser geschrieben hat, und bemühen wir uns, sie anzuwenden, denn das wird uns weitgehend helfen, uns jeder Art persönlicher Klagen zu enthalten. Paulus empfahl den Kolossern eindringlich: „Kleidet euch somit als Gottes Auserwählte, heilige und geliebte, mit der innigen Zuneigung des Erbarmens, mit Güte, Demut, Milde und Langmut. Fahrt fort, einander zu ertragen und einander bereitwillig zu vergeben, wenn jemand Ursache zu einer Klage gegen einen anderen hat. So wie Jehova euch bereitwillig vergeben hat, so tut auch ihr. Außer allen diesen Dingen aber kleidet euch mit Liebe, denn sie ist ein vollkommenes Band der Einigkeit.“ — Kol. 3:12-14.
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Innerhalb der Organisation Jehovas Zufriedenheit findenDer Wachtturm 1967 | 1. November
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Innerhalb der Organisation Jehovas Zufriedenheit finden
„Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ — Joh. 6:68.
1. Warum können Jehovas Geschöpfe ihrem Schöpfer voll vertrauen?
JEHOVA hat stets alles im Universum in seiner Gewalt gehabt. Dank seiner Allmacht ziehen Sonne, Mond und Sterne ihre Bahn, und er behütet und bewahrt die Erde liebevoll als Wohnstätte des Menschen. Alles, was er tut, ist absolut vollkommen; deshalb können seine Geschöpfe seiner souveränen Herrschaft und seiner barmherzigen Aufsicht voll vertrauen.
2. (a) Wie wendet Jehova seine Eigenschaften an? (b) Warum beklagen sich dann einige, und gegen wen beklagen sie sich in Wirklichkeit?
2 Jehova, der allmächtig ist und alles sieht, wendet seine Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit und Macht seinen Geschöpfen gegenüber in einem ausgeglichenen Maße an. Er geht in seiner Gerechtigkeit nie bis zum Äußersten, sondern mildert sie stets durch Liebe und Barmherzigkeit. Er mißbraucht seine unbegrenzte Macht nie, sondern übt sie stets in Liebe und verbunden mit Weisheit aus. Er widerspricht sich nie, noch wendet er seine Eigenschaften willkürlich an. Warum aber beklagen sich dann einige seiner Geschöpfe hin und wieder über seine Vorkehrungen und die Art und Weise, wie er gewisse Dinge tut? Oft tun sie es, weil sie die Wege, die Jehova geht, nicht verstehen oder weil sie seine Handlungsweise mit seinen Geschöpfen von ihrem beschränkten Gesichtspunkt aus betrachten. Wir mögen zwar nicht immer ganz verstehen, warum Jehova gewisse Dinge tut; würden wir uns aber deswegen beklagen, so würden wir beweisen, daß wir Jehova Gott nicht richtig vertrauen und an seiner Fähigkeit, etwas auf seine Weise und zu seiner Zeit zu tun, zweifeln. Das wäre ein schwerwiegender Fehler. Als die Israeliten, Gottes Volk, vor 3500 Jahren im Süden Palästinas durch die Wüste zogen, begannen sie sich bei ihren Aufsehern, Moses und Aaron, zu beklagen, sie hätten nicht genug zu essen. Moses zeigte ihnen, von welcher Tragweite ihre Unzufriedenheit war, als er sagte: „Nicht wider uns ist euer Murren, sondern wider Jehova.“ — 2. Mose 16:8.
UNS ÜBER DAS UNS ZUGETEILTE GEBIET FREUEN
3. Was veranlaßt einige, sich über ihre Predigttätigkeit zu beklagen?
3 Heute beginnen einige Brüder, die schon viele Jahre in der Wahrheit sind, einen ähnlichen Geist der Unzufriedenheit zu bekunden, wie es die Israeliten zu Moses’ Zeiten
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