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Jetzt schneller: SchriftsetzenErwachet! 1978 | 8. Mai
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können auch von kleinen Unternehmen instand gehalten werden. Die Buchstaben werden nach Gebrauch eingeschmolzen, so daß man das Metall erneut verwenden kann.
In den letzten Jahren dagegen sah man sich in der Drucker- und Verlegerbranche veranlaßt, die Anforderungen an das Schriftsetzen neu zu überdenken. Um welche Faktoren handelt es sich dabei?
Zuerst erkannte man, daß das Prinzip der Metall-Lettern von Natur aus einen Nachteil hat. Durch die Mechanik ist es unweigerlich Einschränkungen unterworfen. Das geschmolzene Metall kann nicht beliebig schnell abgegossen werden. Außerdem sind durch das Gewicht und die physikalischen Gegebenheiten der Typen Grenzen gesetzt, die wiederum das Tempo beeinträchtigen. Da die Typen nicht das Endprodukt sind, kamen folgende Fragen auf: Kann man das gesamte Verfahren nicht irgendwie umgehen? Gibt es keinen direkteren Weg zu drucken? Diese Möglichkeit würde die Druckereibetriebe nicht nur der dreidimensionalen mechanischen Beschränkungen entledigen, sondern ihnen auch neue Hilfsmittel wie Licht, Magnetismus und die moderne Elektronik eröffnen.
Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts waren die Voraussetzungen für einen Wechsel günstig. Die Langsamkeit des Schriftsetzverfahrens erschwerte es den Druckereien, den rapide steigenden Forderungen nachzukommen. Es war nicht immer so einfach, geschickte Fachkräfte zu finden, und die Streiks streitbarer Arbeiter verbesserten nicht gerade die Situation. Auf der anderen Seite war die Technik der Fotografie schon so weit fortgeschritten, daß es möglich geworden war, geätzte Kunststoff- oder Metallplatten herzustellen. Diese wiederum konnte man an den Zylindern herkömmlicher Druckpressen befestigen und auf vielfältige Weise verwenden.
Obendrein stellten viele Druckereien fest, daß wegen der Erweiterung des Betriebs der zur Verfügung stehende Raum knapp geworden war. Tonnenweise lagerte gegossenes Metall, das darauf wartete, später wieder einmal verwendet zu werden. In vielen Firmen war das gesamte Raumangebot voll ausgenutzt. Gab es eine Lösung, sich innerhalb der bestehenden Räumlichkeiten noch weiter auszudehnen? Die Suche nach einer Antwort führte zur Entwicklung und Kombination zweier Techniken, nämlich des lithographischen Druckverfahrens und des Fotosatzes. Diese Verbindung ist naheliegend, da man sowohl hier als auch dort keine Metalltypen braucht und beide Verfahren fotografischer Natur sind.
Diese Erkenntnis war Anlaß dafür, daß der Markt mit einer Flut von Ideen, Patenten und Maschinen überschwemmt wurde. Gemäß einem Bericht gab es Anfang 1970 nicht weniger als achtzig verschiedene Fotosetzmaschinen. Zurückhaltung beim Kauf war angebracht, da mit alarmierender Regelmäßigkeit immer neuere und bessere Modelle erschienen. Anstatt eine Maschine zu kaufen, die innerhalb einiger Monate veraltet wäre, nahmen viele Setzer eine abwartende Haltung ein, wobei sie dennoch erkannten, daß eine Umstellung in der Zukunft unumgänglich sein würde. Andrew Bluhm skizzierte in seinem Buch Typesetting (Schriftsetzen) die Lage wie folgt:
„Da der technische Fortschritt im Moment mit solch riesigen Schritten vorangeht, sehen sich Druckereien und Hersteller gezwungen, neue Methoden und Maschinen zu entwickeln, kaum daß die bereits bestehenden Zeit hatten, Gewinne einzubringen, und nur allzuoft bewahrheitet sich der Spruch: ,Wenn es funktioniert, ist es veraltet.‘“
Trotz der bestehenden Unsicherheit schien eines klar zu sein: Der Fotosatz hatte neue Maßstäbe gesetzt und würde sich behaupten.
Die Fotosatzsysteme haben den Vorteil, sowohl Arbeit als auch Zeit zu sparen. Monotone Arbeiten und Routineentscheidungen übernimmt ein Minicomputer. Man setzt den Text mit Hilfe einer Tastatur und muß sich in vielen Fällen nicht um Zeilenlänge oder Silbentrennung kümmern, sondern legt einfach Schriftart, Schriftgröße und Zeilenlänge vorher fest. Die weitere Arbeit übernimmt der Satzcomputer, der automatisch die Zeilen zusammenstellt und an die Fotosatzeinheit die nötigen Impulse gibt. Freilich, der Text muß auf einer Tastatur getippt werden. Diesen grundlegenden Vorgang kann keine Fotosetzmaschine und kein Computer ersparen, noch können sie eine in die Tastatur eingetippte Ungenauigkeit beseitigen. Auch bei diesen Systemen muß der erste Schritt von Hand gemacht werden.
Da die Schreibkraft, die die Tastatur bedient, gewöhnlich von Schreibmaschinenseiten abschreibt, hat man Lesegeräte entwickelt, um doppelte Arbeit zu vermeiden. Diese Lesegeräte können bestimmte maschinegeschriebene Texte „lesen“ und in eine Form übertragen, die der Computer verarbeiten kann — gewöhnlich ist es ein Lochstreifen oder ein Magnetband. Verglichen mit einer Linotype-Geschwindigkeit von zwei Typen pro Sekunde, ist die Produktion einer Fotosetzmaschine unglaublich hoch. Hochentwickelte Fotosetzmaschinen sind theoretisch in der Lage, in der Sekunde bis zu 10 000 Schriftzeichen zu setzen, und Setzleistungen von 8 000 Zeichen pro Sekunde sind bereits in käuflichen Maschinen verwirklicht. Zudem können sie auch Bilder herstellen.
Die anfängliche Konkurrenz der Blei-Setzmaschinen waren die Schreib-Setzmaschinen — die man so nennt, weil sie wie eine Schreibmaschine den Buchstaben durch ein Farbband auf Papier prägen. Obwohl rentabel, vor allen Dingen in Verbindung mit Computern, sind einige dieser Systeme sehr verschleißanfällig. Das hat einen nicht geringen Einfluß auf die Qualität der erzeugten Buchstaben. Nichtsdestoweniger ist es eine sehr beliebte Schriftsetzmethode, von der bei der Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften ausgiebig Gebrauch gemacht wird.
Fotosetzmaschinen der ersten Generation
Als man in der Druckerbranche immer mehr auf den Fotosatz aufmerksam wurde, verstärkten die Hersteller ihre Bemühungen, eine Maschine zu bauen, die rationell, schnell und gestochen scharf setzen kann. Am rührigsten waren dabei die Hersteller der herkömmlichen Blei-Setzmaschinen. Es kam eine Reihe erfolgreicher Fotosetzmaschinen auf den Markt, die ihren „Metallguß-Brüdern“ stark ähnelten. Deshalb konnte man sie als Fotosetzmaschinen der ersten Generation bezeichnen. Anstelle der Gießformen und der Metallschmelze waren diese Maschinen mit einem Film und mit Schablonen ausgerüstet, die die Schriftzeichen trugen. Obwohl man damit Schriftzeichen guter Qualität setzen konnte, brachten diese Maschinen keinen echten Geschwindigkeitsgewinn. Meist werden sie direkt von einer Tastatur aus bedient und sind damit vom Arbeitstempo der Schreibkraft abhängig. Die Steigerung im Tempo lag noch in der Zukunft.
Fotosetzmaschinen der zweiten Generation
Das Unterscheidungsmerkmal der nächsten Generation von Fotosetzmaschinen besteht darin, daß man sich von mechanischen Grundsätzen abwandte und auf elektrooptische Technik konzentrierte. Wegen der hohen Satzleistung dieser Maschinen, nämlich 20 bis 40 Zeichen pro Sekunde, ist für eine rentable Betriebsführung eine Anzahl unabhängiger Tastaturgeräte erforderlich, damit genügend Text hergestellt wird, mit dem die Maschine ständig gefüttert werden kann.
Obwohl die technischen Ausführungen beträchtlich voneinander abweichen, besteht das Arbeitsprinzip dieser Fotosetzmaschinen darin, daß durchsichtige Schriftzeichen (befinden sich auf Filmnegativen) einzeln durch Linsen auf einen Film oder ein Bromsilberpapier abgebildet werden.
Ganz gleich, wie die Konstruktion im einzelnen aussieht, besteht doch das Herz des Mechanismus aus der Schablone, die die Schriftzeichen trägt. Zum Beispiel sind bei einem dieser Systeme am Rand einer Glasscheibe acht komplette Schriftsätze angeordnet. Die Scheibe wird mit hoher Geschwindigkeit gedreht, und ein Lichtstrahl „schickt“ die einzelnen Zeichen durch ein System von Spiegeln und durch einen drehbaren Satz von Linsen, die die Buchstaben nach Wunsch des Setzers vergrößern. Ein Zeichen kann in 16 verschiedenen Größen abgebildet werden.
Andere Konstrukteure haben die Lichtquelle in eine drehbare Trommel verlegt, an deren Oberfläche die Schriftsätze angeordnet sind. Die Trommel dreht sich, das Licht strahlt durch die Buchstaben an der Trommelwand und schickt sie durch die Linsen. Ein System, das superschnell arbeitet, ist so aufgebaut wie die Waben in einem Bienenstock. Jedes Schriftzeichen befindet sich in einem Gitter und hat seine eigene Lichtquelle. Bewegungen werden auf ein absolutes Mindestmaß beschränkt. Ein Vorteil der optischen Systeme besteht darin, daß die Fotobuchstaben nicht so dem Verschleiß ausgesetzt sind wie die Matrizen der Blei-Setzmaschinen. Ein weiterer Fortschritt wurde durch die Einführung anpassungsfähigerer Minicomputer erzielt. Anstatt ein Computersystem einzusetzen, das nur ein ganz bestimmtes Programm ausführen kann, kann man jetzt die Kapazität des Computers für eine Vielzahl von Anwendungen ausnutzen, indem man einfach einen kleinen Programmstreifen durch den Speicher laufen läßt.
Auf diese Weise kann aus einem Computer kleiner Kapazität der größtmögliche Nutzen gezogen werden. Zudem sind nicht mehr so viele Tastenanschläge erforderlich, da im Computer Routineanweisungen und sogar Wortwiederholungen, Redewendungen und Textteile gespeichert werden können.
Fotosetzmaschinen der dritten Generation
Man hat in einem noch viel größeren Maßstab Maschinen einer dritten Generation entwickelt. Sie bilden eine eigene Gruppe, weil nahezu jede Mechanik fehlt. Anders als bei den Setzmaschinen der zweiten Generation, die die Zeichen in einem Gitter oder auf einer rotierenden Trommel oder Scheibe tragen, sind hier die Buchstaben digital in einem Computer gespeichert. Folglich kann man zu irgendeiner Zeit mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit Tausende von Buchstaben abrufen. Beim Abruf wird die Information verstärkt und in einer Kathodenstrahlröhre oder auf einem Bildschirm in einen sichtbaren Buchstaben verwandelt, der dann fotografiert werden kann. Da die Buchstaben nicht optisch gespeichert sind, können sie durch elektronische Steuerung vergrößert, verkleinert und sogar zur Kursivschrift „verzerrt“ werden.
Man könnte sich passenderweise fragen, ob das den Druckereien und Verlagen all die erwünschten Vorteile eingebracht hat. Zugegebenermaßen ist man ein gutes Stück weitergekommen. Man sagt, daß nicht nur die Setzgeschwindigkeit erhöht wurde, sondern ungefähr 40 bis 50 Prozent der Nutzfläche zurückgewonnen werden konnten. Man hat sich tonnenweise ungenutzten Metalls entledigt, und die neue Anlage hat ungefähr ein Achtel bis ein Zehntel des Gewichts entsprechender Blei-Setzmaschinen. Auch der Setzmaschinensaal hat eine Änderung erfahren. Die düstere Atmosphäre ist einer büroähnlichen Umgebung gewichen, in der verhältnismäßig geräuschlos gearbeitet wird.
Andererseits müssen dafür auch Opfer gebracht werden. Fotosetzmaschinen haben hohe Unterhaltskosten. Die Kosten des Materials und der Anlage steigen mit zunehmender Größe und Leistung. Der Ausfall einer Computeranlage kann katastrophale Folgen haben. Im Unterschied zu den Blei-Setzmaschinen, die gewöhnlich von den Setzern an Ort und Stelle gewartet werden können, sind hierfür sogar bei kleineren Mängeln Techniker erforderlich. Um solche Produktionsausfälle zu umgehen, erachteten einige Unternehmer die Anschaffung einer zweiten Anlage für notwendig, wodurch angesichts der schnell fortschreitenden Veraltung die Situation entstanden ist, daß ein Kapazitätsüberschuß besteht, wenn man ihn am wenigsten benötigt. Viele Unternehmer argumentieren, daß sie mit dieser Situation vorliebnehmen müssen, um im Rennen zu bleiben.
Obwohl etliche dieser Entwicklungen auf dem Gebiet des Schriftsetzens durch wirtschaftlichen Druck ins Leben gerufen worden sind, werden offensichtlich nur Gesetze und Prinzipien angewandt, die bereits bestehen. Die Erscheinung des Lichts, des Magnetismus und die besten Datenspeichersysteme findet man in der gesamten Schöpfung verwirklicht. Kurz gesagt kann der Mensch also nur Grundsätze nachahmen und anwenden, die der Schöpfer selbst aufgestellt hat.
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Widerspricht das dänische Recht der Gewissensfreiheit?Erwachet! 1978 | 8. Mai
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Widerspricht das dänische Recht der Gewissensfreiheit?
Vom „Awake!“-Korrespondenten in Dänemark
STEHT das dänische Gesetz im Widerspruch zu einem international anerkannten Freiheitsprinzip? Ein Urteilsspruch, den das Oberste Gericht von Dänemark vor einigen Monaten verkündet hat, scheint diese Frage zu bejahen.
Dieses Freiheitsprinzip ist in dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte enthalten, dem Dänemark 1971 beigetreten ist. Danach darf niemand wegen einer strafbaren Handlung, derentwegen er bereits verurteilt worden ist, erneut bestraft werden.
Doch das Oberste Gericht hat entschieden, daß jemand wegen ein und derselben Straftat zweimal bestraft werden darf. Das Urteil betrifft Personen, die den Wehrdienst und den Wehrersatzdienst aus Gewissensgründen ablehnen.
Der Rechtsfall
Der junge Ingenieur, ein Zeuge Jehovas, um den es in diesem Fall geht, mußte sich zuerst vor einem unteren Gericht verantworten. Weil er die Gesetze Gottes sehr ernst nahm, lehnte er es aus Gewissensgründen ab, Wehrdienst oder Wehrersatzdienst zu leisten.
Das Gericht verurteilte den jungen Mann zu einer Gefängnisstrafe. Nach Verbüßung der Strafe wurde er wieder zum Wehrdienst einberufen. Er beharrte auf seiner Einstellung, die ihm sein Gewissen und sein Glaube an die Gesetze Gottes diktierte, und verweigerte den Einberufungsbefehl. Das Gericht verurteilte ihn erneut, und zwar zu einer noch längeren Freiheitsstrafe — zu acht Monaten.
Gegen dieses Urteil legte er jedoch Berufung ein. Darin wies er auf den Grundsatz hin, daß niemand wegen einer strafbaren Handlung zweimal bestraft werden darf. Das Berufungsgericht vermied es, den strittigen Grundsatz anzuerkennen oder abzulehnen. Aber es verkürzte die Freiheitsstrafe auf drei Monate.
Nun erhob der Berufungskläger beim Obersten Gericht Einspruch gegen dieses Urteil. Er forderte die Aufhebung des Urteils mit der Begründung, daß er schon einmal bestraft worden sei und daß das ausreichen sollte. Eine weitere Strafe verletze den Grundsatz, mit dem sich Dänemark einverstanden erklärt habe, als es den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte unterzeichnet habe.
Wie andere Länder das Problem gelöst haben
In der Verhandlung vor dem Obersten Gericht wies der Verteidiger des jungen Mannes darauf hin, daß eine Reihe von Ländern ihren Standpunkt in der Frage der Wehrdienstverweigerer geändert haben. Vor Jahren wurden die Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen, die Zeugen Jehovas waren, in vielen Ländern zu langen Freiheitsstrafen verurteilt.
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