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  • Deutschland (Teil 2)
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974
    • Ich erkannte ihn sofort und sagte: ,Anton, ja Anton! Kennst du mich noch?‘ ,Nun, bekannt kommst du mir vor. ...‘ Es dauerte dann eine Weile, bis es ihm klar wurde, daß ich 1930/32 bei ihm gewesen war und er bei dieser Gelegenheit einige Bücher sowie eine Bibel von mir gekauft hatte. ,Was‘, sagte Anton, ,wegen des Glaubens bist du hier? Das kann ich nicht verstehen, das macht ja kein Pfarrer. Was glaubst du denn eigentlich?‘ Er sollte es sofort erfahren.

      ,Aber warum sagt uns die Geistlichkeit das nicht?‘ war seine Frage. ,Das ist die Wahrheit. Nun weiß ich auch, warum ich in dieses Gefängnis mußte. Ich will es dir sagen, lieber Franz, daß ich, bevor ich in diese Zelle kam, zu Gott gebetet habe, er solle mich doch zu einem gläubigen Menschen senden, sonst wolle ich mir das Leben nehmen. ...‘

      So vergingen Wochen und Monate. Dann sagte Anton einmal: ,Ehe ich von dieser Welt scheide, möge Gott noch meiner Frau und meinen Kindern die Wahrheit zeigen, auf daß ich in Frieden scheide.‘ ... Da kam plötzlich ein Brief von seiner Frau, in dem u. a. folgendes zu lesen war:

      ,... Unsere Freude würde nur sein, wenn Du die Bibel und die Bücher lesen könntest, die Du damals von dem deutschen Mann gekauft hast, ja es ist alles so gekommen, wie in den Büchern geschrieben steht. Viele lesen es jetzt, denn es ist die Wahrheit, für die wir nie Zeit hatten.‘ “

  • Deutschland (Teil 3)
    Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974
    • Deutschland (Teil 3)

      GEISTIGE SPEISE IN DEN KONZENTRATIONSLAGERN

      In den Jahren, in denen die Brüder, besonders die in den Konzentrationslagern, „isoliert“ waren, hatten sie sehr wenig Gelegenheit, in den Besitz einer Bibel oder anderer biblischer Schriften zu gelangen. Um so eifriger rekonstruierten sie den Inhalt wichtiger Wachtturm-Artikel, wenn sie stundenlang auf dem Appellplatz stehen mußten oder wenn sie abends in ihrer Baracke etwas Ruhe hatten. Besonders groß war ihre Freude, wenn es ihnen möglich war, irgendwie in den Besitz einer Bibel zu gelangen.

      Jehova bediente sich manchmal interessanter Methoden, um seinen Dienern eine Bibel zukommen zu lassen. Franz Birk aus Renchen (Schwarzwald) erzählt, daß er eines Tages in Buchenwald von einem weltlichen Häftling gefragt wurde, ob er gern eine Bibel hätte. Er hatte eine in der Papierfabrik, in der er arbeitete, gefunden. Natürlich nahm Bruder Birk das Angebot dankbar an.

      Bruder Franke kann sich noch daran erinnern, wie im Jahre 1943 ein älterer SS-Mann, der dieser Organisation nur unter dem Druck der Verhältnisse beigetreten war, an einem dienstfreien Tag eine ganze Anzahl Geistliche aufsuchte und sie um eine Bibel bat. Sie alle bedauerten, keine Bibel mehr zu besitzen. Erst am Abend fand er einen Geistlichen, der ihm sagte, er besitze eine kleine Luther-Bibel, die er für besondere Zwecke aufbewahrt habe. Er war jedoch so glücklich, daß ein SS-Mann Interesse an der Bibel bekundete, daß er ihm sagte, er könne die Bibel haben. Am nächsten Morgen gab dieser grauhaarige SS-Mann die Bibel Bruder Franke und war sichtlich erfreut, dem Häftling, den er bewachte, dieses Geschenk machen zu können.

      Mit der Zeit gelang es, auch neue Wachtturm-Artikel in die Konzentrationslager zu schmuggeln. Im Konzentrationslager Birkenfeld geschah das auf folgende Weise: Unter den Häftlingen befand sich ein Bruder, der wegen seiner Fachkenntnisse als Tiefbauarchitekt mit einem Zivilisten zusammen arbeiten mußte, der wiederum Jehovas Zeugen gegenüber freundlich eingestellt war. Über diesen freundlichen Mann nahm der Bruder Verbindung mit Brüdern außerhalb des Lagers auf, die ihm bald die neuesten Wachttürme zukommen ließen.

      Unsere Brüder im Lager Neuengamme hatten ähnliche Gelegenheiten. Die meisten der etwa siebzig im Lager untergebrachten Brüder wurden zu Aufräumungsarbeiten nach Fliegerangriffen in Hamburg eingesetzt. Dort, in Hamburg, fielen ihnen auch Bibeln in die Hand, und einmal fanden sie innerhalb weniger Minuten sogar drei Exemplare. Willi Karger, der dies persönlich erlebt hat, erzählt: „Ich möchte hier noch von weiterer geistiger Speise berichten, die uns durch eine Schwester aus Döbeln überbracht wurde. Das sei ihr nie vergessen. Ihr Bruder, Hans Jäger, gehörte mit zu unserem Außenkommando in Bergedorf bei Hamburg, das in der Eisenfirma Glunz eingesetzt war. Schwere Arbeit und scharfe SS-Bewachung war unser Los. Trotzdem war es Bruder Jäger gelungen, seiner Schwester durch einen nach draußen geschmuggelten Brief über seinen Arbeitsplatz und auch über den Ort zu berichten, wo wir unsere Mittagspause abhielten. Die Schwester fuhr per Bahn nach Hamburg und tastete sich von dort mit aller Umsicht bis zu unserem Arbeitsplatz vor, um dort ihrem Bruder die erbetenen Wachtturm-Abschriften in die Hände zu spielen, was ihr auch gelang. Somit erreichten uns trotz der SS-Posten diese wertvollen Schriften, und unter der Überwaltung Jehovas konnten wir sie auch, ohne entdeckt zu werden, in das Lager bringen.“

      Jeder dachte sich andere Methoden aus, und mit der Zeit gab es eine ganze Anzahl Bibeln im Lager. Ein Bruder schrieb seiner Frau in Danzig, er würde gern „Elberfelder Pfefferkuchen“ essen, und mit dem nächsten Lebensmittelpaket (das die Brüder in diesem Lager damals empfangen durften) bekam er eine Elberfelder Bibel, fein in Pfefferkuchen eingebacken. Einige hatten auch Kontakt mit Häftlingen, die im Krematorium arbeiteten. Diese erzählten, daß dort viele Bücher und Zeitschriften verbrannt würden, und so vereinbarten die Brüder heimlich, daß sie ihnen im Austausch gegen einige der Lebensmittel Bibeln und Zeitschriften geben sollten.

      In Sachsenhausen gelangten einige Bibeln in die Hände von Brüdern die sich noch in der „Isolierung“ befanden. So seltsam es klingen mag, erwies sich in diesem Fall die Isolation als ein gewisser Schutz, da ein Bruder nicht nur beauftragt war, die Tür zum Isolierungsgebiet zu bewachen, sondern auch den Schlüssel hatte und die Tür auf- und abschließen mußte. In einem Raum standen sieben große Tische, an denen fünfundsechzig Brüder sitzen konnten. Eine ganze Zeit lang gab jeweils einer der Brüder einen fünfzehnminutigen Kommentar über den Text, während die anderen Brüder ihr Frühstück aßen. Das wechselte dann turnusgemäß von Tisch zu Tisch sowie unter den Brüdern, die an den Tischen saßen. Dieser Kommentar war dann Gegenstand der Gespräche, wenn die Brüder stundenlang auf dem Appellplatz stehen mußten.

      Während des schweren Winters 1939/40 beteten die Zeugen zu Jehova um Literatur. Und welch ein Wunder! Jehova hielt seine schützende Hand über einen Bruder, dem es trotz sorgfältiger Durchsuchung gelang, in seinem Holzbein drei Wachttürme in die „Isolation“ zu schmuggeln. Wenn auch die Brüder unter das Bett kriechen mußten und nur beim Schein einer Taschenlampe lesen konnten, während rechts und links Brüder Wache standen, war es ein Beweis für Jehovas wunderbare Führung. Als guter Hirte verläßt er sein Volk nie.

      Im Winter 1941/42, als die Brüder aus der „Isolation“ freigelassen worden waren, trafen sieben Wachttürme, in denen Daniel, Kapitel 11 und 12 behandelt wurde, sowie der erste Teil der Artikelserie über das Bibelbuch Micha, ein Buch, betitelt Kreuzzug gegen das Christentum, und ein Bulletin (jetzt Königreichsdienst) zur gleichen Zeit ein. Das war wirklich ein Geschenk des Himmels, denn nun konnten sie wie ihre Brüder in anderen Ländern ein klares Verständnis über den „König des Südens“ und den „König des Nordens“ erlangen.

      Dank der Tatsache, daß die Häftlinge, die nicht in der Isolierung waren, Sonntag nachmittags frei hatten und der Blockälteste der politischen Abteilung nachmittags in andere Baracken ging, um seine Freunde zu besuchen, war es den Brüdern mehrere Monate lang möglich, jeden Sonntag ein Wachtturm-Studium durchzuführen. Durchschnittlich beteiligten sich 220 bis 250 Brüder an diesem Studium, während 60 bis 70 auf dem Weg zum Lagereingang Wache hielten und bei Gefahr ein bestimmtes Zeichen gaben. So kam es, daß sie während ihres Studiums nie von einem SS-Mann überrascht wurden. Ein Studium, das an einem Sonntag im Jahre 1942 durchgeführt wurde, wird für die Anwesenden unvergeßlich bleiben. Die Brüder waren von den wunderbaren Erklärungen über die Prophezeiung aus Daniel, Kapitel 11 und 12 so beeindruckt, daß sie am Schluß in freudigem Marschtempo abwechselnd Volkslieder und dazwischen Königreichslieder sangen, so daß selbst der Wachtposten, der, wenige Meter von der Baracke entfernt, seinen Dienst auf einem Turm verrichtete, keinen Verdacht schöpfte, sondern sich auch an dem herrlichen Gesang erfreute. Man stelle sich einmal vor: Da ertönten die Stimmen von 250 Männern, die trotz ihrer Gefangenschaft in Wirklichkeit frei waren und von ganzem Herzen Lieder zum Preise Jehovas sangen. Welch eine Situation! Ob die Engel im Himmel wohl mitgesungen haben?

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