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Gemeinschafts- oder VersammlungsinteressenDer Wachtturm 1956 | 15. September
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ein schreckliches Verbrechen begeht, bringt ein solches auf die ganze Familie Schande, ja auf das ganze Dorf oder Stadtgemeinwesen. Wo ein nationaler Herrscher wie Hitler schlecht wurde, geriet das ganze Land unter Strafe und Schmähung.
5. Gib Beispiele einiger Interessen der Alten-Welt-Gesellschaft an. Bringen sie Jehovas Zeugen Verpflichtungen?
5 Die Gemeinschaften der Alten-Welt-Gesellschaft haben heute viele verschiedene Interessen, zum Beispiel: Die Sorge um die allgemeine Erziehung der Kinder, das Postwesen, Polizeischutz für Personen und Besitztum, Brandwache, Straßenbau, Kanalisation, Müllabfuhr, Förderung der allgemeinen Gesundheit, Unterhaltung von Parkanlagen, Verhütung von Raubbau, Wahl von Herrschern, Zahlung von Steuern, allgemeine Sicherheitsmaßnahmen (Krieg) und viele andere Regierungsangelegenheiten. Jehovas Zeugen, die immer noch inmitten der Alten-Welt-Gesellschaft leben, müssen gewisse Pflichten in Verbindung mit den Gemeinden, wo sie wohnen, erfüllen. (Joh. 17:15) Zum Beispiel befolgen sie treulich alle lokalen und nationalen Vorschriften, die mit der Bibel übereinstimmen, zahlen gehorsam Steuern und bewahren den öffentlichen Frieden. Sie bemühen sich indes, ihre Alte-Welt-Gemeinschaftsinteressen auf ein Minimum herabzusetzen. Warum dies?
6. Warum suchen Jehovas Zeugen ihre Alte-Welt-Gemeinschaftsinteressen auf ein Mindestmaß zu beschränken?
6 Weil eine Neue-Welt-Gesellschaft auf den Schauplatz getreten ist, deren Glieder Jehovas Zeugen sind. Sie beherzigen Jesu Rat: „Zahlt daher Cäsars Dinge [Forderungen der Regierung] dem Cäsar zurück, Gottes Dinge [Gottes Forderungen] aber Gott.“ (Matth. 22:21, NW) Gottes Dinge stützen sich auf seine Interessen, die wir als solche von höchster Wichtigkeit anerkennen, von noch höherer, als es jene lokaler Gemeinwesen sind. Durch unser Studium der Heiligen Schrift und auf Grund offenkundiger Tatsachen erkennen wir, daß Gottes Interessen auf die Bildung einer solchen Neuen-Welt-Gesellschaft, bestehend aus christlichen Versammlungen, hinweisen. Aus diesem Grunde sind wir noch mehr um die Versammlungsinteressen besorgt. Diese werden wir nun in einigen Einzelheiten näher untersuchen.
VERSAMMLUNGEN DER NEUEN-WELT-GESELLSCHAFT
7. Beschreibe die größere Gemeinschaft der Zeugen Jehovas von heute.
7 Bis Anfang des Jahres 1956 wurden 16 044 Versammlungen der Zeugen Jehovas in 160 verschiedenen Ländern gegründet. Alle diese Tausenden von Versammlungen werden zu einer einzigen weltweiten Gemeinschaft zusammengebracht, die als die Neue-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas bekannt ist. Die zentrale leitende Körperschaft befindet sich in Brooklyn, New York, wo die gesetzliche Körperschaft, als die Watch Tower Bible & Tract Society von Pennsylvanien bekannt, dazu gebraucht wird, die weltweiten Interessen zu leiten. Vom Hauptbüro aus wird die Administration durch achtundsiebzig Zweigbüros geleitet, die ihrerseits die einzelnen Versammlungen in dem ihnen zugewiesenen Gebiet überwachen.
8. Wie beschreibt Paulus die Ortsversammlung? Was für eine Leitung haben diese Versammlungen heute, und wie ist Jesaja 60:17 hierauf anwendbar?
8 Jede einzelne Versammlung bildet eine lokale Gemeinschaft christlicher Evangeliumsdiener, die in dem betreffenden Gebiet wohnen und dieselbe christliche Grundlage haben und dieselbe Schulung empfangen. Heute wie zur Zeit des Apostels Paulus besteht jede Versammlung aus vielen einzelnen Gliedern, doch wirken sie als eine Gesamtkörperschaft zusammen, und jedes Glied leistet den so notwendigen Beitrag an das organisatorische Ganze. (1. Kor. 12:14-25) Diese Versammlungen werden nach dem gleichen Muster organisiert wie die Versammlungen der Christen im ersten Jahrhundert. Sie haben eine theokratische Form der Leitung, indem alle örtlichen Diener auf Grund ihrer richtigen Befähigung von der leitenden Körperschaft der Neuen-Welt-Gesellschaft durch das Zweigbüro eingesetzt werden. Keine dieser Diener (die den Herrschern entsprechen) werden auf demokratische Weise zu ihrem Amte gewählt. Wenn sie eingesetzt sind, dienen sie in ihren bezüglichen Stellungen, bis andere dazu bestimmt werden, die Verantwortlichkeiten zu übernehmen. In Erfüllung der Prophezeiung Jesajas: „Ich werde den Frieden setzen zu deinen Aufsehern“, ist die allgemeine Führung gut gewesen und hat den Versammlungen Verdienste eingetragen und ihnen den Lohn des Segens Jehovas gebracht. (Jes. 60:17) Die wenigen Diener, die sich einem schlechten Laufe zuwenden, werden schnell entfernt, um eine Befleckung der Versammlung zu verhindern. Wenn indes gewisse Glieder der Versammlung einem schlechten Anführer gefolgt sind, wird von der Neuen-Welt-Gesellschaft auch solchen die Gemeinschaft entzogen, um die Ausbreitung von Gemeinschaftsschuld zu verhüten, das heißt, dafür zu sorgen, daß der Sauerteig der Schlechtigkeit nicht noch andere Gruppen der Versammlungen durchsäure. Die Versammlung, ihre Diener und ihre Mitverbundenen müssen alle rein erhalten bleiben. Nun, was sind denn einige der verschiedenen Versammlungsinteressen von heute, und sind sie dieselben wie jene der christlichen Versammlungen in den Tagen der Apostel?
9. Beschreibe ein Hauptinteresse, das eine Versammlung heute hat.
9 Ein Hauptinteresse dieser Versammlungen besteht darin, sich zur gemeinsamen Anbetung, die dem lebendigen Gott Jehova durch Jesus Christus dargebracht wird, zu versammeln. Jene, die sich versammeln, sind von Jehova aus der Welt zu einer Erkenntnis der Wahrheit und zur Erkenntnis Jesu Christi als ihres Retters und Königs herausgerufen worden. Es kann nicht irgend jemand ein Glied dieser Versammlungen werden, sondern nur jene, die moralisch und geistig rein sind und sich Jehova als seine Zeugen hingegeben haben. Dies ist in Harmonie mit Jesu Worten: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich sandte, ihn zieht … Es steht in den Propheten geschrieben: ‚Und sie werden alle von Jehova gelehrt sein.‘ Jeder, der das, was der Vater lehrt, gehört und gelernt hat, kommt zu mir.“ (Joh. 6:44, 45, NW) Jede Woche finden Zusammenkünfte statt, in denen die Versammlung gemeinsam Gebete darbringt und Lieder zum Preise des lebendigen Gottes singt. (Apg. 4:24) Kreis-, Bezirks- und Landesversammlungen sowie internationale Kongresse werden periodisch abgehalten, und dies, um den wahren Gott in Geist und Wahrheit anzubeten.
10-12. Beschreibe weitere Versammlungsinteressen.
10 Ein weiteres Interesse der Versammlung geht dahin, die lebengebende Erkenntnis Gottes, Jehovas, und Jesu Christi in sich aufzunehmen. (Joh. 17:3, NW) Die Versammlungen studieren bei ihren wöchentlichen Zusammenkünften die Schrift und die Bibelstudien-Veröffentlichungen, die von der Watch Tower Bible & Tract Society von Pennsylvanien herausgegeben werden. Ein einheitliches geistiges Ernährungsprogramm wird aufrechterhalten, um alle Versammlungen der ganzen Welt auf dem Wege des gemeinsamen Fortschritts zur christlichen Reife zu führen. Daß sie sich zusammen von Gottes Wort, der Bibel, ernähren, gestattet, daß Jehovas heiliger Geist als organisatorische Kraft wirkt, um alle Anwesenden zur geistigen Regsamkeit anzuspornen. Damit einzelnen Christen die Leitung durch Gottes heiligen Geist zuteil werde, müssen sie als Versammlung, die Gemeinschaftsinteressen verfolgt, zusammenkommen. — Matth. 18:20; Joh. 14:26, NW.
11 Jede Versammlung verfolgt ferner das Ziel, eine theokratische Predigtdienstschule zur Schulung all ihrer Mitverbundenen durchzuführen, damit diese besseren Predigtdienst leisten können, oder, wie Paulus sich ausdrückte, „im Hinblick auf die Schulung der Heiligen für das Dienstwerk.“ (Eph. 4:12, NW) Die Ortsversammlungen haben auch ein großes Interesse daran, ihren Auftrag durchzuführen, nämlich die gute Botschaft vom aufgerichteten Königreich zu predigen. (Matth. 24:14) Um diesem Interesse nachzukommen, ist die Versammlung dazu organisiert, Predigtdienst im Felde zu tun. Sie hat ein Gebiet zugewiesen erhalten, in dem sie der Öffentlichkeit von Haus zu Haus Zeugnis geben kann. Dieses Predigtwerk wird auf ordentliche und systematische Weise durchgeführt. Alle Mitverbundenen des Ortes wirken zusammen, um als vereinte Versammlung diesen Predigtdienst durchzuführen.
12 Für Außenstehende bildet die Ortsversammlung der Zeugen Jehovas einen Gegenstand der Aufmerksamkeit und ist für sie ein Schauspiel. Aus diesem Grunde liegt ihr Interesse darin, ihr ‚Licht leuchten zu lassen vor den Menschen, damit sie ihre rechten Werke sehen und ihren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.‘ (Matth. 5:16, NW) In dieser Hinsicht erfüllen sie die Worte des Petrus: „Damit ihr die Vortrefflichkeiten dessen weithin verkündigt, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1. Pet. 2:9, NW) In Verbindung mit diesen Versammlungsinteressen sind sie hochbeglückt, die Größe und Vortrefflichkeit des Namens Jehovas zu verkündigen. Deshalb wacht die Versammlung mit eifersüchtigem Interesse darüber, daß sie moralisch und geistig rein und über jeden Vorwurf erhaben bleibe, um den Namen des lebendigen Gottes Jehovas in richtiger Weise zu tragen.
13. Was für schlechte Taten sprechen gegen die Versammlungsinteressen, die Reinheit verlangen, und warum? Welcher biblischen Beispiele erinnert man sich?
13 Die Versammlungen können nicht irgendwelche der befleckenden Interessen, der unsittlichen Bräuche oder heidnischen Sitten der Alten-Welt-Gesellschaft übernehmen. Diese werden, da sie unrein sind, gänzlich abgetan. Irgend jemand, der sich eines falschen Benehmens schuldig macht, sei es in geschlechtlicher Beziehung, durch ein loses Benehmen im allgemeinen, durch Trunkenheit, Diebstahl oder Lug und Trug, wird kurzerhand von der Versammlung abgeschnitten, indem man ihm die Gemeinschaft entzieht, um eine Befleckung der Christengemeinde zu vermeiden. (Judas 4-10) Kein wahrer Christ darf Geschlechtsbeziehungen mit irgendeinem anderen als seinem Ehepartner haben. Irgendwelche anderen Geschlechtsbeziehungen mit jemandem vom anderen Geschlecht, also natürliche, oder unnatürliche mit jemandem vom gleichen Geschlecht, werden als böse, abstoßend und widerlich betrachtet. Solche gemeinen Gewohnheiten sind nicht Sache privater, persönlicher Interessen, wie gewisse verderbte Menschen es hinstellen möchten, sondern weil stets mindestens zwei Personen in solche Taten verwickelt sind, bedeuten sie sofort eine Verletzung der Versammlungsinteressen in bezug auf sittliche Reinheit und erfordern unverzüglichen Gemeinschaftsentzug. (Röm. 1:26, 27, NW) Jehovas Zeugen erinnern sich des biblischen Beispiels, wo der Stamm Benjamin verfehlte, die Sexualverbrecher von Gibea aus seiner Mitte hinauszutun, wodurch der ganze Stamm unter eine Gemeinschaftsverantwortung zu stehen kam. Über den ganzen Stamm kam denn auch die Strafe, und zwar fast bis zur völligen Ausrottung, indem 25 000 Mann zu Tode gebracht wurden. (Richt. 19:1, 25, 27-30; 20:39-48) Jehovas Zeugen erinnern sich auch an den Fall des Hurers, der sich in der Versammlung Korinth vorfand, die Gottes Mißfallen erregte, weil sie verfehlt hatte, dem Betreffenden die Gemeinschaft zu entziehen, bis der Apostel Paulus auf sofortige richtige Maßnahmen drängte, um die Versammlung als Gesamtheit vor der gefährlichen Verwerfung zu bewahren. — 1. Kor. 5:1-4.
14. Wie wird es betrachtet, wenn man die Gemeinschaftsinteressen verletzt? Was sollte diesbezüglich getan werden, und weshalb?
14 Wenn jemand die Gemeinschaftsinteressen verletzt oder einem schlechten Wege folgt in bezug auf die Versammlungsinteressen, so läßt er sich Fehler zuschulden kommen, durch die die ganze Versammlung angesteckt wird und die Gottes Mißfallen erregen, sofern diesbezüglich nicht richtig verfahren wird. Das biblische Bild, daß ein wenig Sauerteig oder Hefe der Schlechtigkeit den ganzen Laib oder die ganze Versammlung verderbe, ist wahrheitsgetreu. Ebenso wird auch ein schlechter Apfel in einem Korb, wenn er nicht entfernt wird, alle anderen Äpfel im Korbe verderben. Dies verlangt, daß die wachsamen, gerechtgesinnten Diener oder leitenden Brüder der Versammlung schnell Maßnahmen ergreifen, um die Reinheit der Versammlung zu bewahren. Nachstehend folgen einige weitere biblische Beispiele, wie verdorbene Personen der Versammlung eine Verantwortung oder Schuld aufluden, wodurch der ganzen Gruppe Strafe drohte, wenn die Schuldigen nicht sogleich hinausgetan wurden. — Siehe 3. Mose 20:1-5; 4. Mose 16:19-35; 5. Mose 21:1-9; Josua 7:1, 11-26.
VERDIENSTE ERWERBEN
15, 16. (a) Was geschieht, wenn man die Versammlungsinteressen hochhält? (b) Gib biblische Beispiele von erworbenen Verdiensten an.
15 Wo andererseits treue Glieder der Versammlung die Versammlungsinteressen zum Guten unterstützen und fördern, tragen sie zum Versammlungsverdienst bei, was allen Mitverbundenen Lohn in Form von Segnungen, Wohlfahrt, Ausdehnung und Glück bringt. Man betrachte einige interessante Beispiele von Versammlungsverdienst, das von Personen beschafft wurde, die einem theokratisch guten Wege folgten. Jesaja prophezeite, daß die Gerechtigkeit des treuen jüdischen Überrests von genügendem Verdienst sei, um zu verbürgen, daß Jehova das Volk Israel wieder ins Land Juda zurückführen würde, damit es die theokratische Anbetung (im Jahre 537 v. Chr.) wieder aufnehmen könnte, und daß er nicht zulassen werde, daß Juda für immer, so wie Sodom und Gomorra, vernichtet daliege. (Jes. 1:9; 10:22) Die Möglichkeit zeigend, daß ein gerechter Diener zufolge seiner Verdienste eine ganze Stadt retten kann, schreibt Jeremia: „Durchstreifet die Gassen Jerusalems, und sehet doch und erkundet und suchet auf ihren Plätzen, ob ihr jemand findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue sucht; so will ich ihr vergeben.“ (Jer. 5:1) Eine ähnliche Illustration findet sich in Hesekiel 22:30 aufgezeichnet.
16 In den griechischen Schriften finden wir weitere Betrachtungen des Gemeinschaftsverdienstes, das durch Diener Jehovas erworben wird. Durch das gerechte Handeln des Apostels Paulus entstand ein genügendes Verdienst, daß Gott die 276 Reisenden retten konnte, die sich an Bord desselben Schiffes wie Paulus befanden, als er den Schiffbruch miterlebte. „Fürchte dich nicht, Paulus. Du sollst vor den Cäsar treten; und siehe! Gott hat um deinetwillen alle deine Mitreisenden gerettet.“ (Apg. 27:24, 37, NW) Über die letzten Tage, in denen wir nun leben, sagte Jesus: „Wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet; aber wegen der Auserwählten [wegen des Verdienstes des gesalbten Überrests der Zeugen Jehovas, der seine Fehler im Jahre 1919 bereute] werden jene Tage verkürzt werden.“ — Matth. 24:22, NW.
17, 18. (a) Wie sollten Prediger aus den Reihen der Zeugen Jehovas Zusammenwirken, und warum? (b) Was für Verantwortlichkeiten haben die Diener hinsichtlich Versammlungsinteressen?
17 Dieses Studium der Versammlungsinteressen zeigt, daß es sich für alle Mitverbundenen der Zeugen Jehovas geziemt, einem Laufe zu folgen, der ihrer Ortsversammlung zum Guten gereicht. Wenn jemand ein Glied der Ortsversammlung wird, indem er sich mit ihr verbindet, so werden ihm als Jehovas Diener Rechte und Pflichten übertragen. Sucht daher ihr, die ihr solch treue Diener Gottes seid, die Ortsversammlung zu fördern! Beteiligt euch an ihrem Predigtfeldzug, haltet auf ihren guten Ruf als örtliche offizielle Vertreter in der heiligen Organisation Gottes; bewahrt die Organisation rein; lebt dem hohen Namen Jehovas entsprechend, der auf seinen Zeugen ruht; wandelt ordentlich und geht allen Neuen, die in die Ortsversammlung hereingebracht werden, mit gutem Beispiel voran. Da die Versammlung in Liebe vereint ist, beschreibt Paulus treffend, wie sie als Organisation den Widerstand erträgt und die Freuden teilt, wenn er schreibt: „Wenn ein Glied leidet, leiden all die anderen Glieder mit; oder wenn ein Glied verherrlicht wird, freuen sich all die anderen Glieder mit.“ — 1. Kor. 12:26, NW.
18 Sei als Jehovas Versammlungsverkündiger persönlich entschlossen, nie durch irgendeine fehlerhafte Handlungsweise deinerseits etwas Schlechtes zum theokratischen Konto der Versammlung beizutragen. Wenn jemand in die Gemeinschaft einer Versammlung des Volkes Gottes eintritt, muß er sich dafür verantworten, falls er irgendwie verfehlt, Versammlungsinteressen weislich zu wahren. Die Versammlung hat durch ihre Führer oder Diener die Pflicht, irgend jemanden zurechtzuweisen, der aus den Reihen hinaustritt und sich der gemeinsamen Interessen nicht in rechter Weise annimmt. Wenn keine Zurechtweisungen erfolgen, würde die ganze Versammlung durch übles Handeln angesteckt werden. Die Diener selbst müssen gerecht sein und ihrer Pflicht nachkommen, um die Versammlungsinteressen in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu wahren.
19. Was kann Neuinteressierten gezeigt werden, und wie?
19 Durch konsequentes, richtiges Handeln zeigt ihr den Neuen, wie ratsam es ist, die Zahl ihrer eigenen, persönlichen Interessen zu vermindern, damit sie Zeit finden, sich der so begehrenswerten Versammlungsinteressen anzunehmen. Zeige wie notwendig es ist, unsere eigenen individuellen Interessen mit Gottes Interessen richtig ins Gleichgewicht zu bringen, da diese sowie die Versammlungsinteressen berücksichtigt werden müssen. Zeige ihnen, wieso ein erfolgter Gemeinschaftsentzug der Versammlung zum Guten gereicht und wie sie damit ihre Reinheit vor Jehova Gott bewahren kann. Überzeuge sie mit Vernunftgründen, daß diese Handlungsweise die Befolgung des biblischen Grundsatzes ist, den wir in 5. Mose 19:13 (NW) aufgezeichnet finden: „Dein Auge darf für ihn kein Mitleid empfinden; und du sollst die Schuld des unschuldig vergossenen Blutes aus Israel hinwegschaffen, damit es dir wohlgehe.“ Alle Übeltäter müssen aus der Versammlung hinausgetan werden, wie Paulus dies anriet: „Übergebt einen solchen Menschen dem Satan zum Verderben des Fleisches, damit der Geist am Tage des Herrn gerettet werde.“ — 1. Kor. 5:5, NW.
20. Wie handelt Jehova mit Menschen auf Erden heute und in der Zukunft? Welche Regelung sollte in Übereinstimmung mit Matthäus 11:29, 30 erfolgen?
20 Ungeachtet, wie aufrichtig und gesund jemand im Verfolgen eines ausgefüllten Programmes privater Einzelinteressen Vorgehen mag, wird er doch dadurch nicht in die neue Welt der Gerechtigkeit eingehen. Jehova Gott handelt nicht mit Einzelpersonen als solchen. Er hat eine Organisation auf Erden geschaffen, und sie wird dazu geschult, vermehrte Versammlungsinteressen zur Betreuung zu übernehmen. Da die göttliche Königreichsherrschaft des Himmels ihren Einfluß auf Erden mehrt, werden der Neuen-Welt-Gesellschaft mehr und mehr Gemeinschaftsinteressen übertragen werden, bis sie nach Harmagedon alle Gemeinschaftsinteressen auf Erden in ihren Händen haben wird. (Jes. 9:7) Wie in den Tagen Noahs und in den Tagen Mose handelt Gott mit einer Versammlungsgesellschaft als Volk. Wie eine große vereinte Herde von Personen, die mit Schafen verglichen werden, so werden wir vom rechten Hirten Christus Jesus geführt. Wir hören seine Stimme, nehmen seine königliche Führung an und kommen in seine hürdengleiche Organisation hinein. (Hes. 37:24) So regele deine Geschäfte und persönlichen Angelegenheiten, verringere deine unnötigen persönlichen Interessen und verfolge ein Programm, in welchem die göttlichen und die Versammlungsinteressen wohl proportioniert sind und das dich auf den Weg des Lebens führen wird. Laß dich in das Joch mit Christus Jesus einspannen, der liebreich sagte: „Nehmt mein Joch auf euch und werdet meine Jünger, denn ich bin mildgesinnt und von Herzen demütig, und ihr werdet Erquickung finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ — Matth. 11:29, 30, NW.
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Besuch des Präsidenten in Singapur und ThailandDer Wachtturm 1956 | 15. September
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Besuch des Präsidenten in Singapur und Thailand
GROSSE Dinge sind in der britischen Kronkolonie von Singapur geschehen. Die Wunden des Krieges sind verheilt. Alle Straßen sind erfüllt von geschäftigem Leben. Schöne, breite Straßen sind gebaut worden, die aus dem neuen, modernen Flughafen hinausführen; in zehn Minuten waren die beiden Besucher vom Hauptbüro der Watch Tower Society bereits im Zweigbüro und Missionarheim in der Poole Road, Nr. 33, angekommen. Während ihres Aufenthaltes bedurften viele Dinge in Verbindung mit dem Zweigbüro und der Ausdehnung des Predigtwerkes der Überprüfung. Eines der großen Probleme bestand darin, wie das Interesse derer wachgehalten werden könne, mit denen die Missionare und andere Mitverbundene der Neuen-Welt-Gesellschaft studiert haben. In vergangenen Jahren haben viele ihr Leben Jehova hingegeben, haben sich dann aber in die alte Welt zurücktreiben lassen. Es mag sein, daß einige Menschen guten Willens zu schnell sich selbst überlassen wurden, nachdem sie den Schritt der Hingabe an Gott getan hatten. Die reiferen Zeugen mögen gedacht haben, die Neuinteressierten würden von selbst weitere Fortschritte machen, da sie nun die Grundlehren der Bibel erkannt hätten, ohne daß ihnen noch mehr Hilfe zuteil werden müßte. Oft stellten Verkündiger das Studium mit Personen, die den Schritt der Hingabe an Gott taten, ein, um sich anderer Interessierter anzunehmen. Indes vermochten Verkündiger, die in noch ungereiftem Zustande waren, dem Druck und den Versuchungen der alten Welt nicht standzuhalten. So gab denn der Präsident der Gesellschaft den Missionaren und anderen den guten Rat, mit den noch nicht Gereiften das Studium fortzusetzen, bis sie die Bücher „Gott bleibt wahrhaftig“ und „Dies bedeutet ewiges Leben“ durchstudiert hätten, auch wenn der Betreffende sich Jehova schon hingegeben habe, um seinen Willen zu tun. Solch hilfreiche Studien werden jene, die neu sind in der Wahrheit, befähigen, zur Reife heranzuwachsen und festzustehen.
Niemand, der sich Jehova Gott hingegeben hat, darf im Studium je nachlassen. Die Zeit kommt nie, wo jemand schon alles weiß. Jeder muß sich weiterhin mit der Hilfe stärkerer Brüder wappnen, um seine eigene Last der Verantwortung zur bestimmten Zeit zu tragen. Eine Anzahl derer, die sich schon früher mit der Gesellschaft verbunden hatten und mit denen der Präsident dort vor fünf Jahren zusammengekommen war, haben sich zu einer Lebensweise gemäß der alten Welt zurücktreiben lassen. Für die Missionare war dies eine Enttäuschung, und sie waren tief bekümmert. Indes ist die Organisation immer noch stark, weil viele Neue dazugekommen sind. Jetzt aber haben jene, denen die Führung anvertraut ist, die Pflicht, alle die zu stärken, die sich schon in der Organisation befinden, damit sie feststehen und bis zum Ende dieses Systems der Dinge durchhalten können.
Es waren Vorkehrungen für ein Interview über die Radiostation Malaya getroffen worden, und dieses fand am Mittwoch abend, dem 28. März, statt.
WEITER NORDWÄRTS IM MALAYAGEBIET
Zum reichen Arbeitsplan gehörte unter anderem auch eine Reise, die Bruder Knorr und Bruder Yaremchuck, der Zweigdiener, nach Kuala Lumpur unternahmen. Dies ist die Hauptstadt des Malaiischen Bundes, eines vom britischen Staatenbund abhängigen Staates. Seit dem Jahre 1951 sind die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! in diesem Lande verboten. Es war eine Zusammenkunft des Präsidenten der Gesellschaft mit dem Innenminister, Inche Bahaman bin Samsuddin, vereinbart worden, um mit ihm über die Aufhebung der Einschränkungen zu sprechen. Als das Flugzeug, in dem der Zweigdiener und der Präsident reisten, im Flughafen von Kuala Lumpur ankam, war soeben ein anderes Flugzeug eingetroffen mit dem Premierminister des Malaiischen Bundes an Bord. Demzufolge war der Flughafen gedrängt voll von Beamten, Filmfotografen und vielen anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die alle da waren, um den Premierminister zu begrüßen. So wurde ihm denn bei seiner Rückkehr von Bangkok ein königliches Willkommen zuteil. An diesem Ort reger Geschäftigkeit nun trafen die beiden Brüder den Regierungsbeamten, den sie sprechen wollten — den Innenminister, wie auch Herrn Tan, Sekretär der Partei, die an der Macht ist, der das Interview angeordnet hatte. Die vier bestiegen sodann eine Limousine und fuhren der Stadt entgegen. Unterwegs befanden sie sich inmitten des Gefolges des Premierministers, und es war eindrucksvoll, zu sehen, wie die Polizei und die Soldaten den Weg entlang Spalier bildeten und die in dem Wagen vorbeifahrenden Männer salutierten.
Es dauerte nicht lange, und sie hatten das Büro des Innenministers erreicht und machten sich sogleich an die Erledigung der Geschäfte. Das alte Aktenmaterial über das Verbot der Veröffentlichungen der Gesellschaft (das während vieler Jahre von der früheren britischen Kolonialregierung angesammelt worden war) wurde herbeigeholt, und der Minister las einige der Anklagen laut vor, die darin gegen die Watch Tower Society und Jehovas Zeugen enthalten waren. Einer der vorgebrachten Hauptpunkte bestand darin, daß Jehovas Zeugen nicht allen Gesetzen des Landes gehorchten, sondern wenn diese Gesetze dem Gesetze Gottes widersprächen, es vorzögen, dem Gesetz Gottes zu gehorchen, und dies bilde eine Gefahr für die Sicherheit des Landes. Auch wurde die Anklage erhoben, daß die Zeugen andere Religionen und Glaubensbekenntnisse angriffen, besonders aber, daß Der Wachtturm die islamische Religion angriffe.
Eine sehr freundliche Diskussion entwickelte sich zwischen Bruder Knorr und den zwei Regierungsbeamten. Der Präsident der Gesellschaft nahm die Gelegenheit wahr, die Stellung der Zeugen Jehovas und das Werk der Gesellschaft eingehend zu erklären. Die Tatsache wurde hervorgehoben, daß die Regierung nie Anlaß gefunden habe, Jehovas Zeugen wegen irgendeiner Verletzung ihrer Gesetze anzuklagen, auch wenn sie Gottes Gesetz über das der Menschen stellten. Ferner wurde ausgeführt, daß irgend jemand, der nach Gottes hohen Grundsätzen der Wahrheit und Gerechtigkeit lebt, bestimmt nie als solcher vorgefunden werde, der in irgendeine Maßnahme der Regierung eingriffe oder ihre Gesetze des sittlichen Anstandes und Verhaltens verletzte. Ferner wurde gezeigt, daß Jehovas Zeugen niemals irgendwo Anlaß zu Friedensstörungen oder zu Aufruhr gegeben hätten. Im Laufe der Diskussion wurde der Fall jenes Mädchens erwähnt, das von einem Moslem erzogen, aber von Katholiken ergriffen und in eine katholische Institution verbracht worden war. Das Kind war katholischer Abstammung. Daß es aber in eine katholische Institution verbracht wurde, veranlaßte einen Aufruhr im Lande. Dieser war die Folge geteilter Religionsansichten, und einige Personen kamen bei den Unruhen ums Leben, und viele wurden verletzt, doch hatte die Regierung nie Schritte unternommen, um dieses Vorfalls wegen die katholische Kirche zu verbieten.
Dessenungeachtet argumentierte der Minister, daß eine solche Störung erfolgen könnte, weil wir nicht mit anderen Religionsbekenntnissen übereinstimmen. (Dies ist dasselbe Argument, das das britische Kolonialbüro überall in der Welt vorgebracht hat. Jehovas Zeugen haben nie Störungen oder Aufruhr verursacht, aber weil sie dies „eines Tages vielleicht“ täten, werden sie oder ihre Schriften verboten.) Als Antwort wurde gezeigt, daß in den frühen Tagen des Christentums die Apostel umherzogen und die Auferstehung Christi Jesu predigten, und daß es ‚keine Rettung durch irgend jemand anders‘ gibt, obwohl die Regierungsbeamten dann darauf bestanden, daß sie aufhören müßten, diese Lehre zu lehren. „Und als sie sie gerufen hatten, geboten sie [ihnen], sich durchaus nicht in dem Namen Jesu zu äußern, noch zu lehren. Petrus aber und Johannes antworteten und sprachen zu ihnen: Ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören als auf Gott, urteilet ihr; denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“ (Apg. 4:12, 18-20) Wie befremdend ist es doch, daß man die nur etwa fünfzehn Zeugen Jehovas, die sich im ganzen Malaiischen Bunde befinden, als eine Gefahr für die Sicherheit des Landes ansieht und ihnen nicht gestattet, einige wenige Zeitschriften, Der Wachtturm und Erwachet!, zu verbreiten, um den Menschen Trost und Hilfe zu bringen!
Bruder Knorr führte aus, daß die Äußerung verschiedener Ideen dem Volke irgendeiner Nation Fortschritt bringe. Wenn alle immer mit allem einverstanden wären, gäbe es niemals eine Verbesserung alter Ideen. Wenn jede Religion Stillstehen müßte und es keiner erlaubt wäre, gewisse Lehren zu besprechen oder Irrtümer nachzuweisen, würden niemals Fortschritte in der Erkenntnis des wahren Gottes erzielt. Die Bibel ist ein in die Zukunft weisendes Buch, das zu fortschrittlichem Denken anregt. Das ist der Grund, weshalb Europa und Amerika heute das sind, was sie sind, weil sie sich von dem stillgestandenen römisch-katholischen System der Dinge losrissen. Sie wollten Fortschritte machen und von den Überlieferungen eines falschen Kultes abkommen, in denen sie während Jahrhunderte befangen gewesen waren.
Der Minister meinte, dies sei ganz gut für Gebildete, nicht aber für die Bevölkerung Malayas, da es vielen dort an Bildung fehle.
Bruder Knorr bestand aber darauf, daß nun die Zeit gekommen sei, da man dem Licht und der Wahrheit freien Lauf lassen müsse, nicht um Störungen herbeizuführen, sondern um den Menschen behilflich zu sein, den Weg zum wahren Leben zu finden.
Alles in allem war es eine freundliche Besprechung, und die Tatsachen in bezug auf die Stellung der Gesellschaft wurden dem Minister deutlich vor Augen geführt. Es wurde gezeigt, daß Jehovas Zeugen nirgends in der Welt je zu Ausschreitungen oder Störungen Anlaß gegeben haben. Sie sind keine Störenfriede, sondern lieben die Menschen, denen sie in jedem Lande dienen. Die Wahrheit ist das, was jemanden frei macht, und Menschen, die frei sein möchten, sehen es gern, wenn der Wahrheit Eingang gewährt wird.
Was das endgültige Ergebnis sein wird, ist uns nicht bekannt. Als Bruder Knorr nach Singapur zurückgekehrt war, sandte er dem Minister ein Schreiben, worin er nochmals einiges von dem schon Besprochenen niederlegte und in aller Form das Gesuch um Aufhebung des Verbotes der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! stellte. Es mag nach unserer Ansicht noch ziemlich viel Korrespondenz und weitere Besprechungen erfordern, ehe das Verbot aufgehoben wird. Malaya ist ein mosleminisches Land, und man liebt es dort nicht, daß christliche Glaubensansichten ungehindert verbreitet werden.
DER KONGRESS IN SINGAPUR
Der Zweigdiener und Bruder Knorr kehrten nach eingetretener Dunkelheit an jenem Abend nach Singapur zurück. Von der Höhe aus bot die Stadt Singapur mit ihren vielen farbigen, funkelnden Lichtern an dem klaren Abend einen prächtigen Anblick und glich einer mächtigen Schatztruhe mit kostbaren Juwelen.
Als der Freitagmorgen, 30. März, dämmerte, wölbte sich ein klarblauer Himmel über dem Jalan-Besar-Stadion, wo Jehovas Zeugen ihren Kongreß abhielten. Die Temperatur war etwa 32 Grad Celsius, aber die leichte Brise, die über dem geräumigen Fußballfelde wehte, half mit, die Atmosphäre für die Redner und Zuhörer verhältnismäßig angenehm zu gestalten. Um 16 Uhr sollte der öffentliche Vortrag „Die ganze Menschheit unter ihrem Schöpfer vereinen“ beginnen; er wurde von Bruder Knorr gehalten. Es waren 491 Personen anwesend, eine internationale, zusammengewürfelte Zuhörerschaft, denn da sah man Chinesen, Tamil, Sikh, Eurasier, Indonesier und andere mehr. Viele waren in ihrer farbenfrohen Nationaltracht erschienen. Eines Tages werden alle diese Menschen guten Willens unter ihrem Schöpfer vereint sein.
Nach diesem ersten großen Tag des Kongresses wurden die Veranstaltungen in den Königreichssaal der Zeugen Jehovas verlegt. Sehr schöne Erfahrungen wurden während der Kongresse erzählt und auch interessante Ansprachen gehalten. Ein Bruder aus Ceylon erzählte, daß er von buddhistischen Eltern herstamme und im Alter von dreizehn Jahren das Elternhaus verlassen habe, um sich in ein Hindukloster in das Himalajagebirge zu begeben, wo er mit Mönchen zusammenlebte und die Kunst des Jogas erlernte. Da ihn Jahre dieser Schulung unbefriedigt ließen, wanderte er nach Malaya aus, wo er mit verschiedenen „christlichen“ Sekten bekannt wurde, aber er trug damals immer noch langes Haar und den Bart eines Sadhu (Hindupriesters). Nachdem er einen einzigen Traktat gelesen hatte, gingen diesem Bruder die Augen auf. Bald scherte er seinen Bart, ließ sich das lange Haar schneiden, zog seine langwallenden Gewänder aus und hörte auf, sich seiner „Wunder“-Kräfte zu bedienen. Er ist nun dem Dienste des lebendigen Gottes Jehovas hingegeben und predigt die gute Botschaft vom aufgerichteten Königreiche Jehovas.
Der Kongreß „Triumphierendes Königreich“ in Singapur brachte allen Anwesenden eine Fülle reicher Segnungen. Elf Personen guten Willens symbolisierten ihren Schritt der Hingabe an Jehova durch die Wassertaufe. Unter ihnen befanden sich drei junge Schwestern aus Penang in Malaya, die von sich aus, nur dadurch, daß sie ein Buch lasen, in die Wahrheit gekommen waren. Sie haben wunderbare Fortschritte gemacht, und während der einen Stunde, die sie täglich schulfrei waren, sind sie von Haus zu Haus gegangen, um Zeugnis zu geben. Es war eine Freude, sie beim Kongreß bei uns zu haben und ihren jugendlichen Eifer zu sehen; sie stehen im Alter von fünfzehn bis siebzehn Jahren. Der Kongreß Singapur war ein wirklicher Erfolg, und Jehovas Segen ruhte auf ihm.
Die Brüder Knorr und Adams sollten Singapur programmgemäß am Sonnabend, 31. März, um 9.35 Uhr verlassen, um sich nach Bangkok zu begeben. Um 8 Uhr an jenem Morgen hielt der Präsident seine Schlußansprache an die Kongreßbesucher und erfuhr dann, daß sein Flug hinausgeschoben sei. Tatsächlich wurde dieser während des Tages noch mehrmals verschoben. Schließlich sprach Bruder Knorr noch ein zweites Mal, so daß er außer seinem öffentlichen Vortrag insgesamt viermal dem Kongreß mit einer Ansprache gedient hat. Weitere Verzögerungen bildeten die Ursache, daß die beiden Brüder die ganze Nacht dort blieben, und sie konnten erst am Sonntag nach dem nächsten Halt, nach Bangkok, Thailand, weiterreisen.
KONGRESS IN SIAM
Inzwischen geriet der Zweigdiener in Bangkok in große Erregung. Die Reisenden hatten bereits einen Tag Verspätung. Der Präsident der Gesellschaft sollte programmgemäß am Sonntagnachmittag um 16 Uhr in Chiengmai sprechen, aber weil das Flugzeug einen Tag Verspätung hatte, schien es unmöglich zu sein, daß er zeitig genug zum öffentlichen Vortrag in Chiengmai einträfe. Früh am Sonntagmorgen sandte der Zweigdiener ein Telegramm nach Chiengmai mit der Mitteilung, daß die Brüder einen Ersatzredner stellen sollten. Als die Brüder Adams und Knorr um 13 Uhr in Bangkok eintrafen, stellten sie fest, daß Bruder Babinski die Thai-Flugverkehrsgesellschaft überredet hatte, das 13-Uhr-Flugzeug so lange zurückzuhalten, bis die Brüder die Zoll- und alle sonstigen Einwanderungsformalitäten hinter sich hatten, um das Flugzeug besteigen zu können. So rollte denn um 13.20 Uhr das Flugzeug mit Bestimmung Chiengmai die Piste hinab. Die drei Brüder hatten sich natürlich viel zu sagen, und es bestand ein wenig Hoffnung, daß das Flugzeug unterwegs nach Chiengmai nirgends Halt machen würde, damit sie dort um 16 Uhr eintreffen könnten. Es zeigte sich denn auch, daß es ein Flugzeug war, das nirgends Halt machte, und die Gruppe kam um 15.40 Uhr am Bestimmungsort an. Ein Auto wartete am Flughafen, um die Passagiere rasch zur Kongreßhalle zu fahren, wo sie zehn Minuten vor vier Uhr ankamen.
Dort waren 348 Personen anwesend, um den Vortrag „Die ganze Menschheit unter ihrem Schöpfer vereinen“ anzuhören, der in die Thai-Sprache verdolmetscht wurde. Es war ein großartiger Tag, und Jehovas Zeugen und die Missionare in ihrer Mitte waren überglücklich, daß die Brüder doch noch rechtzeitig zum öffentlichen Vortrag eingetroffen waren. Der Kongreß nahm am nächsten Tag unter großer Begeisterung seinen Fortgang, und achtzehn Personen wurden getauft. Es waren durchschnittlich bei diesem Kongreß im nördlichen Teil von Thailand 173 Zeugen Jehovas zugegen.
Am Tage nach dem Kongreß, nachmittags, als Bruder Knorr eine Besprechung mit all den Missionaren über ihr Werk und ihre Probleme hatte, kam das Telegramm mit der Nachricht, daß die Brüder Knorr und Adams Chiengmai nicht rechtzeitig für den öffentlichen Vortrag erreichen würden. Es war ganz gut, daß das Telegramm nicht rechtzeitig eingetroffen war, da sich doch alles programmgemäß abgewickelt hatte!
In diesem Lande herrscht die buddhistische Religion, und es ist nichts Ungewöhnliches, buddhistische Priester in den Versammlungen der Zeugen Jehovas zu finden. Die Buddhisten hegen hohe Hoffnungen, daß ein großer Wechsel zur Besserung der Verhältnisse eintreten werde, da sie glauben, daß sich Buddhas vor 2500 Jahren ausgesprochene Prophezeiung im Jahre 1957 erfüllen werde. Genau welche Verbesserung der Weltverhältnisse im Jahre 1957 eintreten soll, ist nicht ganz klar, da verschiedene Priester verschiedene Ideen vorbringen, aber das Jahr 1957 scheint ihr großes Jahr zu sein. So begegnen denn die Missionare ziemlichen Schwierigkeiten, die Menschen davon zu überzeugen, daß die neue Welt der Gerechtigkeit, von der Jehovas Zeugen reden, von dem verschieden ist, wovon die buddhistischen Priester reden. Dennoch sind viele Menschen bereit, auf das zu hören, was die Zeugen über das Königreich Gottes, Jehovas, zu sagen haben.
Es ist eine Freude, unter diesen Menschen Zeugnis zu geben. Beim Zugang zu einem typischen kleinen Holz- oder Bambusheim, das auf Pfählen erbaut ist, steigt man die Treppe hinauf und zieht dann die Schuhe aus, bevor man sich ihnen auf dem Boden des Vorbaues nähert, wo sie sitzen und zuhören, während man eingehend zu ihnen spricht und sie die Botschaft der Hoffnung hören läßt. Fast in jedem Hause hat der Prediger Gelegenheit zu ausführlichen Darlegungen, und die Leute hören mit Interesse zu, während der Zeuge die Predigt anhand der Bibel in der Thai-Sprache hält und dann die Schriften anbietet. Dies ist ein Land, in dem es möglich ist, die Predigt in fast jedem Hause zu halten, auch wenn man im nächsten Raume einen buddhistischen Schrein und Blumen und Speisen sehen mag, die auf dem Altar ausgebreitet sind. Einige der eifrigsten Pioniere im Lande sind aus solchen Verhältnissen herausgegangen, um sich der Neuen-Welt-Gesellschaft in der Ankündigung einer wahren Hoffnung für die Menschen anzuschließen.
Während des Aufenthaltes in Chiengmai war ein großes Fest im Buddhistentempel im Gange, und Tausende kamen herbei, um es mit Karnevalsgeist freudig zu feiern. Verkäufer vieler verschiedener Speisen stillten den Hunger der Volksmengen, während gewandte Spieler, musikalische Vorführungen und Tanz andere interessierten. Schließlich erblickte man einen langen, sich langsam vorwärtsbewegenden Zug, der von einem Nachbar-„Wat“ [relig. Klause] herkam und Gaben zum Tempel trug. Zuerst kamen die Priester mit Standarten zur Führung der Menge; darauf folgten verschiedene Männer, die die Trommeln schlugen und mit Metallstücken Lärm machten, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken; dann tanzten anmutig mit langsamem Tanzschritt Tempelmädchen zum Rhythmus der Trommeln. Auffallend in der Prozession war der Geldbaum mit Geldblättern — der Beitrag des Volkes an ihren Tempel. Diesem folgte ein Floß, das ein Ereignis im Leben Buddhas darstellte, und dieses wurde von einem Sänger, der auf einem Karren folgte, in Versen besungen. Das Floß wurde von einer Anzahl Leute gezogen, die ihren Platz am Seil vor dem Floß innehatten, während eine große Menge anderer von jenem „Wat“ den Schwanz dieser typisch religiösen Prozession bildeten. Es würde viel Zeit erfordern, um alle diese Leute zum christlichen Glauben zu bekehren. Dies könnte nie geschehen, denn nur Personen mit der Einstellung eines „Schafes“ werden sich wirklich losreißen und es so vermeiden, in Harmagedon getötet zu werden.
Beim nächsten Halt in Bangkok, wurde die Zeit darauf verwendet, das Zweigbüro von Thailand zu überprüfen und zu sehen, was getan werden könnte, um das Werk fördern zu helfen, das Jehovas Zeugen im ganzen Lande tun. Am Mittwoch abend sprach Bruder Knorr zu 57 Personen der Ortsversammlung. Vorzügliche Verbesserungen sind in der Stadt Bangkok gemacht worden, seitdem Bruder Knorr das letzte Mal dort war. Man freut sich, die Fortschritte zu sehen, die vom Lande in bezug auf Hygiene und Lebensverhältnisse in dieser kurzen Zeit gemacht worden sind. Besonders erfreulich aber war es, von der neuen Verkündigerhöchstzahl in Thailand zu hören und zu beobachten, wie sich die Missionare fleißig bemühen, die Sprache zu erlernen, und wie sie sich in der Sprache der dortigen Bewohner schon ausdrücken können. Es wurden Anstalten getroffen, neues Gebiet zu erschließen, indem Missionare dort hingesandt werden, die sich der Interessierten annehmen und Versammlungen gründen sollen.
[Bild auf Seite 572]
BANGKOK
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Fragen von LesernDer Wachtturm 1956 | 15. September
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Fragen von Lesern
● Jemand, dem ich predigte, behauptete, daß Dinge wie Flugzeuge schon lange vorhanden gewesen seien, und führte als Beweis Prediger 1:9 an, wonach es nichts Neues unter der Sonne gebe. Wie ist dieser Text richtigerweise zu verstehen? — D. M., Vereinigte Staaten.
Nach jahrelanger Beobachtung und tiefem Sinnen schrieb König Salomo unter göttlicher Inspiration von der Wiederholung der Naturereignisse: „Eitelkeit der Eitelkeiten! alles ist Eitelkeit. Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne? Ein Geschlecht geht, und ein Geschlecht kommt; aber die Erde besteht ewiglich. Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter; und sie eilt ihrem Orte zu, wo sie aufgeht. Der Wind geht nach Süden und wendet sich nach Norden; sich wendend und wendend geht er, und zu seinen Kreisungen kehrt der Wind zurück. Alle Flüsse gehen in das Meer, und das Meer wird nicht voll; an den Ort, wohin die Flüsse gehen, dorthin gehen sie immer wieder. Alle Dinge mühen sich ab: niemand vermag es auszusprechen; das Auge wird des Sehens nicht satt, und das Ohr nicht voll vom Hören. Das, was gewesen, ist das, was sein wird; und das, was geschehen, ist das, was geschehen wird. Und es ist gar nichts Neues unter der Sonne.“ — Pred. 1:2-9, Fußn.
Im obenangeführten Text schildert der inspirierte Schreiber weder den Gesichtspunkt der überschwänglichen Jugend noch denjenigen verständiger Diener Jehovas, sondern den einer alternden Person, die Gott entfremdet ist. Diesen Gesichtspunkt nehmen Leute des alten Systems der Dinge allmählich ein, wenn die Zeit sie überholt und sie ermatten und schwach werden. Sie beobachten, wie ihre Generation aus dem Dasein schwindet und eine neue ins Dasein kommt und deren Platz auf der Erde einnimmt, die ewiglich besteht. Als sie jung waren und das Leben noch vor ihnen lag, schien das Leben lang zu sein; aber jetzt, da es fast vorbei ist und sie in ihrem Alter darauf zurückblicken, scheint es nichts mehr als ein Hauch zu sein. Der buchstäbliche Sinn des hebräischen Wortes, das mit „Eitelkeit“ übersetzt worden ist, ist „Odem“ oder „Hauch“, und es wird dazu gebraucht, darzutun, daß dieses Leben so schnell vorübergeht und enteilt wie ein Hauch, und daß die Mühe des Gott entfremdeten Menschen eitel ist, da sie ihm keinen bleibenden Gewinn einträgt. Seine Generation ist nur eine von vielen, der viele unbestimmte vorausgingen und der weitere folgen sollen. Sie ist nur eine der langen Reihe der sich ablösenden Generationen, die auf der bleibenden Erde kommen und gehen.
Als auf ein Bild, das dieser Wiederholung gleicht, weist der Schreiber auf die Sonne hin, die auf- und untergeht, und an den Ort hineilt, wo sie wieder aufgehen wird; ferner auf die Winde, die wehen und kreisen und zurückkehren, um ihren Kreislauf von neuem zu beginnen; auf die Ströme, die zum Meer hinfließen, ohne es auszufüllen, weil das Wasser daraus verdunstet und durch den Wind wieder über Land getragen wird und sich als Wolken kondensiert, die den Regen fallen lassen, um die Flüsse wieder zu füllen und zum Meere strömen zu lassen. Während ihres ganzen Lebens sehen die Menschen diese Wiederholung in den Naturereignissen, und während sie altern und ihre Kraft abnimmt, ihre Augen schlecht und ihre Ohren taub, ihre Gelenke steif und ihre Sinne schwächer werden, verliert das Leben für sie den Reiz, den es in der Jugend hatte; und die ständige Wiederholung von Tag und Nacht, Sorgen und Mühen erfüllt sie mit unaussprechlicher Müdigkeit, einem Gefühl der Enttäuschung und Nichtigkeit. Ihr Auge wird nicht satt, wenn es diese endlose Wiederholung mit ansieht, ihr Ohr nicht befriedigt, immer und immer wieder davon zu hören. Innerhalb dieses Rahmens der Naturereignisse, dieses Umfangs des erwähnten Kreislaufs in der Natur, liegt die Erklärung, daß es nichts Neues unter der Sonne gibt. Wir können die Erklärung nicht zu Recht aus ihrem Begleittext herausnehmen und sie auf alles mögliche anwenden. Es sind neue Dinge erfunden und gemacht worden, aber sie folgen den Prinzipien, die Gott bereits festgelegt und in der Natur angewandt hat, und da ist nichts Neues im Kreislauf der Natur, den Salomo umriß.
Und zur Zeit, da Salomo schrieb, wurde er von Gott inspiriert, und er selbst stand nicht auf diesem pessimistischen Standpunkt, daß alles Nichtigkeit sei, wie einige Gelehrte es behaupten. Er betrachtete gottgemäße Werke nicht als Eitelkeit, sondern faßte sein Schreiben wie folgt zusammen: „Das Endergebnis des Ganzen laßt uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist der ganze Mensch. Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in das Gericht über alles Verborgene bringen.“ (Pred. 12:13, 14) Arbeit, die im Gehorsam gegenüber den Geboten Jehovas getan wird, bringt Gottes Urteil der Anerkennung ein. Aber Mühe und Arbeit für materielle Dinge, statt für geistige Schätze ist umsonst, und dies erfahren erschöpfte alte Personen, die ihr Leben fern von Jehova Gott verbracht haben. Selbst das Leben wird ihnen zur Last; der natürliche Kreislauf der Dinge ermüdet sie.
In der neuen Welt jedoch wird die Wiederholung des natürlichen Kreislaufs der Ereignisse nicht eitel und erschöpfend sein. Erschöpfte alte Personen wird es dann nicht geben, denn all die Gehorsamen werden zu den Tagen ihrer Jugend zurückkehren, und jeder neue Tag wird so reizvoll erscheinen, wie nur die Jugend ihn betrachtet. Man wird die Schwungkraft der Jugend und die Erkenntnis des Alters besitzen, die Weisheit des grauen Haares, ohne das graue Haar zu haben, die Erfahrung der Betagten ohne Beschwerden und Leiden. Die Jugendfrische wird nicht mehr auf die Jugend beschränkt sein, sondern wird denen, die Reife und Weisheit besitzen, in Fülle zuteil, damit sie sich ihrer in Vollkommenheit bedienen. Keine Gefühle der Enttäuschung und der Nichtigkeit werden die periodisch wiederkehrenden Tage, Nächte und Jahreszeiten trüben, die die natürlichen Luftströmungen, den Regen und Sonnenschein mit sich bringen.
Es braucht schon jetzt keine Enttäuschung zu geben. Wenn wir Jehova erkennen und seine Güte als Schöpfer wertschätzen und in den Naturerscheinungen seine Herrlichkeit und Macht sehen, sind wir jeden neuen Tag und jede neue Nacht entzückt. Unser Gesichtspunkt ist schon jetzt gleich dem des Psalmisten und nicht gleich dem eines gottentfremdeten Greises: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste [Himmel] verkündigt das Werk seiner Hände. Ein Tag sagt es dem andern, und eine Nacht tut es der andern kund — ohne Sprache, ohne Worte, mit unhörbarer Stimme. Ihr Klingen [ihre Botschaft, Me] geht aus durch alle Lande, ihr Reden bis zum Ende der Welt. Dort hat er der Sonne ein Zelt gesetzt, und sie, wie ein Bräutigam geht sie hervor aus ihrer Kammer, läuft freudig wie ein Held die Bahn. Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an das Ende, nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.“ Jehovas wunderbare unsichtbare Eigenschaften sind deutlich in seinen sichtbaren Schöpfungen, die sie widerspiegeln, zu sehen. — Ps. 19:1-6, ZB; Röm. 1:20.
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,Ursprünglich kein Unterschied zwischen Geistlichen und Laien‘Der Wachtturm 1956 | 15. September
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‚Ursprünglich kein Unterschied zwischen Geistlichen und Laien‘
● Jedes Jahr feiern in den Vereinigten Staaten viele protestantische Kirchen das, was „Laiensonntag“ genannt wird. An diesem Sonntag teilt ein Laie die Kanzel mit dem Geistlichen. Hinsichtlich dieses Unterschiedes zwischen Geistlichkeit und Laienschaft an diesem Sonntag sagte Dr. Sockman, einer der hervorragendsten protestantischen Geistlichen Amerikas, daß es „ursprünglich keinen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien gegeben habe“. Dr. Sockman hatte früher gesagt, daß die Tätigkeit der Laien nötig sei als Ergänzung der „immer unwirksamer werdenden Predigttätigkeit der Kleriker“. Er spornte die Laien an, mitzumachen, indem sie ihren Freunden predigten; denn „nur zu hören und nichts zu tun, ist zerrüttend“; unsere Gefühle in Wallung zu bringen, „ohne dann entsprechend zu handeln“, trägt dazu bei, daß diese Gemütsbewegung „schlaff“ wird. Dies alles ist sehr wahr, Herr Dr. Sockman, aber solange weiterhin ein Unterschied zwischen Geistlichen und Laien gemacht wird und die Laien die Geistlichen trotz ihrer unwirksamen Tätigkeit bezahlen, werden die Laien nur wenig predigen. Da zwischen Geistlichen und Laien ursprünglich kein Unterschied gemacht wurde, warum ihn denn überhaupt noch machen und nicht lieber zurückgehen zu dem apostolischen Brauche, alle predigen zu lassen, und zwar ohne Entgelt?
„Die Laienschaft abschaffen“?
● Daß es einem Arbeiterführer möglich ist, Geistlichen einen guten Rat zu geben, geht aus folgendem hervor: Albert Whitehouse, ein Beamter der United Steelworkers von Amerika (CIO), sprach als Gastredner anläßlich des amerikanischen Baptistenkongresses, der in Atlantic City, New Jersey, stattfand. Indem er seine Besorgnis darüber zum Ausdruck brachte, daß so viele von denen, die sich einer Kirche anschließen, nicht darin bleiben, gab er den Rat: „Vielleicht sollten wir die Laienschaft abschaffen, damit alle zu Predigern unseres Glaubens werden. Wir sollten aus dem Kirchengebäude hinaus- und in die Gemeinde gehen.“ Hat vielleicht Herr Whitehouse erfahren, daß Jehovas Zeugen dies schon seit vielen Jahren getan haben, was zu der bemerkenswerten Zunahme ihrer Bewegung geführt hat?
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Tagestexte für OktoberDer Wachtturm 1956 | 15. September
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Bekanntmachungen
Tagestexte für Oktober
16. Jehova, ich habe geliebt die Wohnung deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit. Mein Fuß steht auf ebenem Boden: Jehova werde ich preisen in den Versammlungen. — Ps. 26:8, 12. wX 1. 7. 55 27-29
17. Also stellt jetzt eure Glieder dar als Sklaven der Gerechtigkeit mit Heiligkeit vor Augen. — Röm. 6:19, NW. wX 1. 9. 55 11a
18. Weil wir diesen Dienst gemäß der uns erzeigten Barmherzigkeit haben … [empfehlen wir] uns selbst durch die offene Darlegung der Wahrheit jedem menschlichen Gewissen vor dem Angesicht Gottes. — 2. Kor. 4:1, 2, NW. wX 1. 1. 56 27a
19. Werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus. — 1. Pet. 2:5, NW. wX 15. 1. 56 24, 25
20. Für die Söhne Israel … werden diese sechs Städte als Zuflucht dienen. — 4. Mose 35:15, NW. wX 15. 3. 56 17a
21. Bringet den ganzen Zehnten in das Vorratshaus … und prüfet mich doch … ob ich euch nicht die Fenster des Himmels auftun und euch Segen ausgießen werde. — Mal. 3:10. wX 1. 5. 55 37, 38
22. Der gute Mensch bringt aus seinem guten Schatze Gutes hervor, während der böse Mensch aus seinem bösen Schatze Böses hervorbringt. — Matth. 12:35, NW. wX 15. 10. 55 2, 3a
23. Die Engel, die ihre ursprüngliche Stellung nicht bewahrten … hat er mit ewigen Banden aufbehalten. — Judas 6, NW. wX 1. 12. 55 8
24. Wir haben diesen Mann als eine Pest erfunden … der unter allen Juden … Aufruhr erregt. — Apg. 24:5. wX 15. 12. 55 12
25. Ihr werdet von allen Nationen gehaßt werden um meines Namens willen. — Matth. 24:9, NW. wX 1. 1. 56 28a
26. Da sprach ich: Siehe, ich komme; in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben. Dein Wohlgefallen [deinen Willen, Me] zu tun, mein Gott, ist meine Lust; und dein Gesetz ist im Innern meines Herzens. — Ps. 40:7, 8. wX 15. 8. 55 7a
27. Diese Dinge nun widerfuhren ihnen fortgesetzt als Vorbilder, und sie wurden als Warnung für uns aufgezeichnet. — 1. Kor. 10:11, NW. wX 1. 2. 56 11, 12
28. Alle Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren. — 2. Tim. 3:16, NW. wX 15. 2. 55 4, 5, 3a
29. Geschworen hat Jehova, und es wird ihn nicht gereuen: „Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!“ — Ps. 110:4. wX 15. 1. 56 20
30. In jeder Weise empfehlen wir uns als Gottes Diener … durch schlechtes Gerede und gutes Gerede, als Verführer und Wahrhaftige, als Unbekannte und doch Anerkannte. — 2. Kor. 6:4, 8, 9, NW. wX 1. 1. 56 29a
31. Denn er muß bis zum Tode des Hohenpriesters in seiner Zufluchtstadt wohnen. — 4. Mose 35:28, NW. wX 15. 3. 56 2, 3b
KORREKTUR
Der Wachtturm vom 1. September (Nr. 17) wird nicht in den Wochen vom 16. und 23. September studiert, sondern in den Wochen vom 30. September und 7. Oktober.
„WACHTTURM“-STUDIEN FÜR DIE WOCHE VOM
14. Oktober: Gottes Interessen, ferner: Persönliche Interessen des Menschen, ¶ 1-18. Seite 556.
21. Oktober: Persönliche Interessen des Menschen, ¶ 19-21, ferner: Gemeinschafts- oder Versammlungsinteressen. Seite 563.
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Prüfe dein GedächtnisDer Wachtturm 1956 | 15. September
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Prüfe dein Gedächtnis
Weißt du nach dem Lesen dieser Ausgabe des „Wachtturms“ noch,
✔ wie man einem schädlichen Kreislauf des Bösen Halt gebieten kann? S. 547, ¶ 1.
✔ was die Bibel meint, wenn sie davon spricht, daß die Erde vernichtet werde? S. 549, ¶ 4.
✔ was dem Ende der gegenwärtigen Welt wunderbarerweise folgen wird? S. 552, ¶ 1.
✔ warum wir nach genauen Antworten auf religiöse Fragen suchen sollten? S. 554, ¶ 1.
✔ weshalb es verkehrt ist, es abzulehnen, über Religion zu diskutieren? S. 555, ¶ 1.
✔ welche von Gottes Interessen die Menschen heute wirklich berühren? S. 558, ¶ 9.
✔ ob es verkehrt ist, sich selbst zu lieben? S. 561, ¶ 9.
✔ warum der wahre Christ viele weltliche Interessen opfern muß? S. 563, ¶ 18.
✔ weshalb Jehovas Zeugen ihre Alte-Welt-Gemeinschaftsinteressen auf ein bloßes Minimum beschränken? S. 566, ¶ 6.
✔ was heute ein Hauptinteresse der Christenversammlung ist? S. 567, ¶ 9.
✔ wie Menschen, die sich Gott eben hingegeben haben, geholfen werden kann, damit sie ihre wunderbaren Vorrechte nicht aufgeben? S. 570, ¶ 2.
✔ weshalb eine religiöse Diskussion von Nutzen ist? S. 572, ¶ 1.
✔ was verhindern kann, daß du dein Leben eitel und ermüdend findest? S. 574, ¶ 6.
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