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Was gibt ihnen Mut?Der Wachtturm 1980 | 15. November
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Da aus den Ehen zwischen den ungehorsamen Engeln und ihren Frauen die Nephilim hervorgingen, war für Noah sogar noch mehr Mut erforderlich. Man nimmt an, daß im Hebräischen der Ausdruck Nephilim „Fäller“ oder „solche, die andere zu Fall bringen“ bedeutet. Diese Nephilim wurden auch als „starke Männer“ bezeichnet. Sie waren tyrannische Bastarde, die zu der überhandnehmenden Gesetzlosigkeit vor der Flut beitrugen (1. Mose 6:4).
Unter diesen Umständen stach Noah nicht nur als der Erbauer der Arche hervor, sondern auch als ein „Prediger der Gerechtigkeit“ (2. Petr. 2:5). Ja, er hatte den Mut, seinen Zeitgenossen laut und deutlich zu verkünden, daß Gott vorhatte, die Bösen in einer weltweiten Flut zu vernichten. Noahs Predigttätigkeit schloß offensichtlich auch eine Aufforderung zur Reue und eine Warnung vor der kommenden Vernichtung ein, denn Jesus Christus erwähnte die Tage Noahs und sagte, daß die Leute ‘keine Kenntnis davon nahmen, bis die Sintflut kam und sie alle wegraffte’ (Matth. 24:37-39).
Aber denken wir doch einmal kurz über die Lage nach, in der sich Noah und seine Familie vor der Flut befanden. Zweifellos wurden sie von Männern, Frauen und Kindern verhöhnt. Hinzu kam wahrscheinlich noch der Spott der riesenhaften Nephilim, die offensichtlich für ihre Gewalttätigkeit bekannt waren. Und die materialisierten ungehorsamen Engel? War nicht Mut erforderlich, vor ihnen nicht zurückzuschrecken?
DIE QUELLE DES MUTES
Ohne Zweifel konnte Noah deshalb so mutig sein, weil er ‘mit Gott wandelte’. Ja, die einzige Möglichkeit für Noah und seine Familie, ihren Dienst unter solchen Umständen fortsetzen zu können, war, daß sie bedingungsloses Vertrauen in den wahren Gott setzten. Sie mußten darauf vertrauen, daß Jehova — wie vorhergesagt — jener bösen Welt ein Ende bereiten würde (1. Mose 6:3). Außerdem wußten der Patriarch und seine Familie ganz sicher, daß sie die Arche nicht ohne Zweck bauten. Schließlich würde sie gebraucht werden. Außerdem wurde ihr Mut durch ihr enges persönliches Verhältnis zu Jehova und besonders durch das Gebet gestärkt. Zweifellos konnten Noah und seine Familie versichert sein, daß ihnen nichts ohne Gottes Zulassung zustoßen würde.
Zu Gottes bestimmter Zeit kam die Flut, und alle Spötter und Gegner wurden beseitigt. Alle gottlosen Menschen, einschließlich der Nephilim, ertranken in den Fluten. Die ungehorsamen Engel waren gezwungen, sich zu entmaterialisieren, um ihr Leben zu retten. Aber von jener Zeit an sind sie in ihrer Freiheit beschränkt. Sie stehen außerhalb der Gunst Gottes und erwarten, daß er in der Zukunft an ihnen sein Gericht vollziehen wird (2. Petr. 2:4). Nur der mutige Noah und seine Familie überlebten die Flut, weil sie Gottes Anerkennung genossen.
HEUTE GOTTGEFÄLLIGER MUT OFFENBART
Jehovas Zeugen sind heute wie Noah „Prediger der Gerechtigkeit“. Auch sie verkündigen eine Warnungsbotschaft und rufen zur Reue und zur Versöhnung mit Jehova Gott auf. Während Noah und seine Familie den ungehorsamen Engeln Auge in Auge gegenüberstanden, haben gottergebene Personen heute unsichtbare Feinde. Aber diese treuen Christen besitzen zu ihrem Schutz die geistige Waffenrüstung von Gott und können deshalb mutig das ihnen von Gott aufgetragene Predigtwerk fortsetzen (Eph. 6:10-18; Matth. 24:14).
Gegenwärtig werden Gottes Diener von vielen Menschen verhöhnt, und es wird ihnen Widerstand entgegengebracht. Manchmal wendet man sogar grausame Verfolgung an, um die Lippen der Lobpreiser Jehovas zum Schweigen zu bringen. Doch Jehovas Zeugen lassen sich nicht einschüchtern. Wie Noah ‘wandeln sie mit Gott’ und vertrauen darauf, daß Jehova sehr bald seine Verheißung erfüllen wird, diese böse Welt zu Ende zu bringen, während er diejenigen, die Gerechtigkeit lieben, am Leben erhält (2. Petr. 3:5-13). Das enge, persönliche Verhältnis, das wahre Christen durch das Gebet zu Jehova haben, bestärkt sie ebenfalls in ihrem Mut. Außerdem sind sie davon überzeugt, daß ihnen nichts ohne Gottes Zulassung widerfahren wird. (Vergleiche Römer 8:28.)
Es ist sehr tröstlich zu wissen, daß ‘Jehova sein Volk nicht aufgeben wird’ (Ps. 94:14). Menschen können Gottes Vorsätze nicht vereiteln. Sie können auch die, die ihn lieben, nicht ausrotten. Völliges Vertrauen in Jehova und in seine Verheißungen und ein enges, persönliches Verhältnis zu dem Höchsten sind grundlegende Faktoren, die gottergebenen Personen Mut geben. Dieser Mut erhält sie in Zeiten schwerster Prüfung und Verfolgung aufrecht, wie dies aus dem folgenden Bericht ersichtlich ist.
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Ich überlebte den „Todesmarsch“Der Wachtturm 1980 | 15. November
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Ich überlebte den „Todesmarsch“
Von Louis Piéchota erzählt
MEINE Eltern kamen 1922 mit vielen anderen polnischen Bergleuten nach Nordfrankreich. Sie waren — wie die meisten dieser Einwanderer — gute Katholiken. Als ich ungefähr 11 Jahre alt war, traten mein Vater und meine Mutter jedoch aus der katholischen Kirche aus und wurden Zeugen Jehovas oder Zloty Wiek („Goldene-Zeitalter-Leute“), wie sie von den polnischen Katholiken verächtlich genannt wurden. Das war im Jahre 1928. Ich durfte also schon von meiner Jugend an die „gute Botschaft“ der Heiligen Schrift anderen verkündigen.
Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lernte ich zum erstenmal den Pionierdienst oder Vollzeitpredigtdienst kennen. Meine vier Partner und ich — wir alle waren polnischer Herkunft — verbreiteten die Königreichsbotschaft in kleinen Städten und Dörfern an der Küste der Normandie. Zu jener Zeit benutzten wir dazu Grammophone mit Aufnahmen biblischer Ansprachen in Französisch.
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