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Wo die Gefahr liegtErwachet! 1976 | 22. Februar
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Wo die Gefahr liegt
VIELE Leute haben das Gefühl, ihre Umgebung gleiche einem Schlachtfeld. Da es so viele Verbrechen gibt, haben sie Angst, wenn sie aus dem Haus gehen.
Besonders schlimm steht es damit in den Vereinigten Staaten. Bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage des Gallup-Instituts gaben 45 Prozent der befragten Amerikaner an, sie hätten Angst, nachts durch ihr Wohnviertel zu gehen. In größeren Städten sagten drei von vier Frauen, sie hätten Angst, nach Einbruch der Dunkelheit aus dem Haus zu gehen. Von allen sozialen Problemen halten Amerikaner das VERBRECHEN für das größte, viel größer noch als das der Arbeitslosigkeit und der hohen Lebenshaltungskosten. Haben sie Grund dazu? Eine Studie des Instituts für Technologie in Massachusetts läßt erkennen, daß sie allen Grund dazu haben. Die Studie ergab, daß die Zahl der Morde in den amerikanischen Städten erschreckend angestiegen ist. Es hieß darin: „Für einen 1974 geborenen amerikanischen Stadtjungen ist die Wahrscheinlichkeit, ermordet zu werden, größer, als sie es für einen amerikanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg war, im Kampf zu fallen.“ Es scheint unglaublich zu sein, aber die Situation ist tatsächlich so ernst.
Im Jahre 1974 wurden 20 500 Amerikaner ermordet, mehr als doppelt soviel wie 1965, neun Jahre zuvor. In der Bundesrepublik, wo die Kriminalität noch nicht solche Ausmaße erreicht hat, wurden 1974 1 306 Mordfälle verzeichnet. Zweifellos wird unser Leben durch Verbrechen bedroht, und die Bedrohung wird ständig größer.
Alle Verbrechen nehmen weltweit zu
Es besteht jedoch nicht nur die Gefahr, daß man ermordet wird, sondern auch, daß man vergewaltigt, überfallen, ausgeraubt oder bestohlen wird. All diese Verbrechen haben in noch größerem Ausmaß zugenommen als Mord.
Im Jahre 1974 stieg die Gesamtkriminalität in den Vereinigten Staaten gegenüber 1973 um 17 Prozent an; in der Bundesrepublik waren es 7,1 Prozent. US-Justizminister Edward Levi bezeichnete die Zunahme in seinem Land als „eine der erschreckenden Tatsachen des Lebens, die wir inzwischen als normal akzeptiert haben“.
Obwohl es in den Großstädten am gefährlichsten ist, nimmt doch die Kriminalität auch in den Vororten und in den Landgebieten schnell zu. In den Vereinigten Staaten ist die Zahl der Verbrechen im Jahre 1974 in den Vororten um 20 Prozent und in den Landgebieten um 21 Prozent gestiegen. Und in den ersten drei Monaten des Jahres 1975 hat allein die Zahl der Raubüberfälle in Städten mit 10 000 bis 25 000 Einwohnern um 53 Prozent zugenommen.
In der Bundesrepublik wurden im Jahre 1974 bei der Polizei 2 741 728 Straftaten angezeigt. Das ist aber gewissermaßen nur die Spitze des Eisberges. Das Bundeskriminalamt wies darauf hin, daß „immer nur die jährlich bekanntgewordenen, nicht die tatsächlich begangenen Straftaten verzeichnet sind, die nach dem Ergebnis der Dunkelfeldforschung insgesamt auf das Dreifache geschätzt werden“. Warum werden nicht alle Verbrechen angezeigt? Die Gründe sind Angst, Scham und die Ansicht, daß ohnehin nichts unternommen werde. Besonders schlimm sieht es in der BRD mit Diebstählen aus. 1,8 Millionen Diebstähle wurden angezeigt. Das sind 2/3 aller Straftaten. Man schätzt jedoch, daß die Zahl in Wirklichkeit noch viel größer ist — etwa zehnmal so groß wie die Zahl der angezeigten Diebstähle.
Ein Land nach dem anderen erlebt eine ähnliche Verbrechenswelle. Über die Situation in Italien berichtet die Zeitung The Guardian: „Es scheint, daß es in Rom niemand gibt, der noch keinen Raubüberfall in der Familie hatte.“
In der französischen Zeitung L’Aurore konnte man lesen: „Das Klima hier ist nicht mehr das gleiche wie früher. In der U-Bahn sind ehrliche Leute nachts nicht mehr unbekümmert. Sie haben es alle eilig. ... Auf der Straße drehen sie sich oft um.“
Der Spiegel schreibt, daß „sich die Deutschen zu einem Volk von Dieben entwickelt haben“.
Schutz — noch nie so gefragt wie heute
Heute ist man hauptsächlich um seine eigene Sicherheit und um die Sicherung seines Eigentums besorgt. Typisch ist der Kommentar eines New Yorker Kaufmanns: „Ich habe mein Geschäft vor 30 Jahren eröffnet und bin nur um den Gewinn besorgt gewesen; jetzt ist meine Hauptsorge, daß ich den Tag hinter mich bringe, ohne ausgeraubt zu werden oder das Leben zu verlieren.“
In Louisville (Kentucky) wurde ein Restaurantbesitzer in sechs Monaten dreimal ausgeraubt, und er sah sich gezwungen, bewaffnete Wächter anzustellen. „Es läuft darauf hinaus, daß man für seinen Schutz bezahlt“, erklärte er. Auch gewöhnliche Bürger ergreifen ähnliche Maßnahmen, stellen Privatwächter an und kaufen alle Arten von Sicherheitsvorrichtungen.
Eine Folge ist, daß das Geschäft mit Alarmanlagen blüht. In den Vereinigten Staaten soll es nahezu 6 000 Hersteller von Schutzvorrichtungen geben; vor fünf Jahren waren es nur etwa 1 000. Ihr jährlicher Umsatz übersteigt eine Milliarde Dollar.
Viele Häuser gleichen Festungen. Fenster werden durch Gitter gesichert, und Scheinwerfer erleuchten die Grundstücke. „Ich habe überall an meinem Haus Gitter angebracht“, erklärte eine Witwe aus Detroit. „Zuerst kam ich mir ein bißchen eingeschlossen vor, aber man gewöhnt sich daran.“ Immer mehr Leute sind bereit, diesen Preis zu zahlen.
Trotz dieser Maßnahmen fürchten sich viele, ihr Haus unbewacht zu lassen. Ein Mann aus Kalifornien sagte: „In unserer Stadt (25 000 Einwohner) traut man sich nicht, sein Haus für längere Zeit zu verlassen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht jemand völlig ausgeraubt wird.“ In einigen Städten bezahlen Leute einen Wächter, der auf ihr Haus aufpaßt, während sie im Urlaub sind.
In den meisten Fällen mag es offensichtlich sein, wo die Gefahr liegt, aber das ist nicht immer so.
Unerwartete Gefahrenquellen?
Die meisten Morde werden zum Beispiel nicht von „kriminellen Elementen“ begangen, wie von Räubern oder Einbrechern. Vielmehr ist ein Drittel aller Opfer mit dem Mörder verwandt gewesen. Ein weiteres Drittel wird von Freunden oder Bekannten ermordet. Das bedeutet, daß nur etwa ein Drittel der Opfer von Fremden ermordet wird.
Bemerkenswert ist auch, daß Morde vielfach an arbeitsfreien Tagen begangen werden, zum Beispiel in der Weihnachtszeit. Der Soziologe Martin Wolfgang stellte in einer Überprüfung von 588 Morden in Philadelphia fest, daß etwa zwei Drittel der Opfer an Wochenenden getötet worden waren. Diesbezüglich konnte man in der Zeitschrift Psychology Today lesen: „Es sollte uns nicht überraschen, daß wir ermordet werden, während wir uns entspannen. Schließlich sind wir dann gewöhnlich mit denen zusammen, die uns am wahrscheinlichsten ermorden: unsere Verwandten, Freunde und Zechgenossen.“ Wußtest du das?
Du magst auch überrascht sein, zu erfahren, wer die meisten Verbrechen begeht. Es sind junge Leute. In den Vereinigten Staaten wurde 1974 nahezu die Hälfte (45 %) der schweren Verbrechen — Mord, Notzucht, Raubüberfall usw. — von Jugendlichen unter 18 Jahren begangen. Kinder unter 15 begehen dort mehr Verbrechen als Erwachsene über 25. Auch in der Bundesrepublik nimmt die Kriminalität unter Jugendlichen stärker zu als unter Erwachsenen.
Sogar ältere Straftäter fürchten die jüngeren. So sagte ein Straßenräuber aus Chicago: „Diese jüngeren Kriminellen sind krank. Sie haben kein Motiv für ihre Taten.“ Und ein New Yorker, der innerhalb von vier Jahren sechsmal überfallen wurde, warnte: „Paßt auf die Jugendlichen auf, das sind die Gefährlichen.“
Wirtschaftsverbrechen, zum Beispiel von Angestellten verübte Diebstähle, sind zwar nicht so offenkundig, schaden uns aber finanziell gesehen noch mehr als die übliche Kriminalität. Norman Jaspan, ein bekannter Experte für Wirtschaftsverbrechen, sagte: „Durch die Wirtschaftskriminalität werden Güter und Dienstleistungen um 15 Prozent verteuert.“ Aber auch das organisierte Verbrechen kommt uns teuer zu stehen. Der New Yorker Sonderstaatsanwalt Maurice Nadjari behauptete: „Von jedem Dollar, den wir ausgeben, gehen 23 Cent in die Taschen des organisierten Verbrechens.“
Ja, die Kriminalität bedroht nicht nur unsere Sicherheit, sondern raubt uns völlig aus. Der Polizeipräsident von Boston, Robert J. DiGrazia, gab kürzlich zu: „Wir können die Kriminalität nicht ausmerzen oder einschränken. Das geht über unsere Fähigkeiten hinaus.“
Warum haben Gesetzeshüter einen so schweren Stand im Kampf gegen das Verbrechen? Der folgende Bericht eines Großstadtpolizisten mag dir einen tieferen Einblick in die Probleme vermitteln.
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Warum der vergebliche Kampf gegen das Verbrechen?Erwachet! 1976 | 22. Februar
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Warum der vergebliche Kampf gegen das Verbrechen?
Lies, was ein erfahrener Polizeibeamter dazu sagt
KEINE Stadt hat so viel Gesamtkriminalität wie New York. In einem der letzten Jahre wurden hier mehr Menschen — 1 669 — ermordet, als in nahezu sieben Jahren durch die Kämpfe in Nordirland umgekommen sind.
Als New Yorker Polizeibeamter habe ich vierzehn Jahre lang miterlebt, wie alle möglichen Bemühungen, das Verbrechen einzudämmen, gescheitert sind. Der New Yorker Sonderstaatsanwalt Maurice Nadjari hatte recht, als er sagte: „Wir sind nicht mehr fähig, die Bürger vor Verbrechen zu schützen.“
Täglich werden Hunderte von New Yorkern ermordet, überfallen, vergewaltigt oder beraubt — fast jede Minute wird ein schweres Verbrechen angezeigt. Eine Schlagzeile in der New York Times, die über die Zunahme der Kriminalität in den ersten Monaten des Jahres 1975 gegenüber den gleichen Monaten des Vorjahres berichtete, lautete: „SCHWERE VERBRECHEN IN NEW YORK UM 21,3 % GESTIEGEN“. Kein Wunder, daß in vielen Stadtteilen New Yorker Bürger Angst haben, wenn sie aus dem Haus gehen. Sie sind gewissermaßen Gefangene in ihrer eigenen Wohnung.
Ist die Polizei daran schuld?
Besorgt und verärgert — und das verständlicherweise —, geben die Leute oft der Polizei die Schuld. Man sagt, wir seien zu dumm, das Problem zu lösen, oder zu faul. Die allgemeine Meinung ist, wir würden regelmäßig illegale Gelder annehmen, wie es in dem Film Serpico gezeigt wurde. Viele sagen, wir seien überheblich und würden uns über das Gesetz hinwegsetzen, denn wir selbst würden den Gesetzen nicht gehorchen, für deren Einhaltung wir sorgen sollten. Andere werfen uns vor, wir seien der Öffentlichkeit gegenüber gefühllos und würden verdächtige Personen brutal behandeln.
An diesen Beschuldigungen mag eine Spur Wahrheit sein, doch denke ich, daß sie im allgemeinen einen falschen Eindruck vermitteln. Die Arbeit der Polizei ist so geartet, daß leicht Mißverständnisse in der Öffentlichkeit aufkommen können. Es ist daher unfair, uns zu verurteilen, ohne unseren Standpunkt anzuhören. Wer sich unsere Seite anhört, wird nicht nur einen Einblick in die Gründe erhalten, weshalb das Verbrechen zunimmt, sondern wird auch besser verstehen, welche Frustrationen die Polizei erlebt und welchem Druck sie ausgesetzt ist.
Eine realistische Ansicht über die Polizei
Einige Personen sagen, ein Hauptgrund für die Ausbreitung der Kriminalität bestehe darin, daß die Polizei korrupt sei. Als Beweis mögen sie auf einen Bericht hinweisen, in dem es hieß, von 51 New Yorker Polizeibeamten, denen man „verlorengegangene“ Brieftaschen übergeben habe und die gebeten worden seien, sie abzugeben, hätten 15 das Geld eingeheimst (New York Times, 17. November 1973). Sieh dies jedoch in der richtigen Perspektive.
Wußtest du, daß bei einem später durchgeführten ähnlichen Test mit wahllos ausgesuchten New Yorkern 42 von 50 Personen unehrlich waren und das Geld behielten? In beträchtlichem Maße ist die Polizei lediglich ein Spiegelbild der Gesellschaft, von der sie ja ein Teil ist, nicht wahr? Und was Bestechungsgelder angeht, werden sie der Polizei nicht von der Öffentlichkeit angeboten?
Ich versuche nicht, Unehrlichkeit unter der Polizei zu rechtfertigen. Doch es ist gut, ein Gesamtbild zu haben. Zugegeben, es gibt Korruption. Aber tragen wir Polizisten nicht viel dazu bei, Verbrechen zu verhüten? Neigen die Leute nicht gewöhnlich eher dazu, das Gesetz zu beachten, wenn wir in der Nähe sind?
Ich möchte nur an das erinnern, was im Jahre 1969 geschah, als in Montreal (Kanada) 3 700 Polizeibeamte streikten. Die Kriminalität nahm in einem solchen Ausmaß zu, daß Regierungsvertreter sagten, die Stadt sei „von Anarchie bedroht“. Und glaube mir, in New York wäre es weit schlimmer. Ohne Polizei im Dienst täten die New Yorker gut daran, sich in ihren Wohnungen zu verbarrikadieren. Es wäre nicht mehr möglich, in der Stadt zu leben.
Was die Polizei erlebt
Um einmal zu zeigen, welche Enttäuschungen Polizeibeamte bei der Verbrechensbekämpfung oft erleben, möchte ich folgendes Erlebnis erzählen: Ein Kollege ertappte kürzlich eine Zwölfjährige und einen Dreizehnjährigen auf dem Treppenabsatz eines Hauses beim Geschlechtsverkehr. Er brachte das Mädchen zu ihren Eltern. Aber die Mutter sagte ihm, er solle sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern, und erklärte: „Sie ist jetzt eine junge Dame; sie kann es tun, wann immer sie will.“ In einer solchen Situation kommt sich der Polizeibeamte hilflos vor. Ich glaube, die heutige laxe Einstellung, man könne sich alles erlauben, trägt erheblich zur Zunahme der Kriminalität bei.
In den Ghettos vertritt der Polizist den Teil der Gesellschaft, von dem sich die Leute niedergetreten und in die Gosse gestoßen fühlen. In diesen Gegenden werden wir daher oft mehr als Bedrohung denn als Helfer betrachtet. Wenn wir zum Beispiel in ein Wohnviertel kommen, um einen Drogenschieber festzunehmen, kämpfen seine Nachbarn für den Schieber und gegen uns. Diese polizeifeindliche Haltung ist, glaube ich, ein weiterer Grund für die Zunahme von Verbrechen.
Ich erinnere mich noch an einen Vorfall im Bedford-Stuyvesant-Viertel in Brooklyn. Ein paar Burschen hatten ein Auto gestohlen und versuchten zu entwischen. Wir verfolgten sie, und sie verursachten einen Unfall, wobei der Wagen schwer beschädigt wurde. Wir umzingelten sie und befahlen ihnen mit gezogenen Waffen, sich an die Wand zu stellen. Doch bevor wir uns dessen versahen, kam eine große Menschenmenge zusammen und fing an, uns zu bedrohen. Ich kann dir sagen, die schönste Melodie, die ich je gehört habe, war das Heulen der Sirenen der Polizeiwagen, die uns zu Hilfe kamen.
Man muß solche Situationen erlebt haben, um das schreckliche Gefühl kalten Schreckens zu verstehen. Ich weiß, daß Kritiker geneigt sind, der Polizei vorzuwerfen, sie würde zu schnell von ihren Waffen Gebrauch machen und unnötig Gewalt anwenden. Aber es ist leicht, von einem sicheren Platz aus zu kritisieren. Ich glaube, die Kritiker hätten eine andere Ansicht, wenn sie bewaffneten Verbrechern gegenüberstehen müßten.
Die Situation ist erschreckend. Fast jeden Monat wird in unserer Stadt ein Polizeibeamter ermordet. Die Anzahl der Verbrechen ist unglaublich hoch. Ein Kollege erzählte kürzlich, daß eine Polizeistreife allein auf einer Streifenfahrt fünf Raubüberfälle — meist Überfälle auf Drugstoresa — zu behandeln hatte.
Sogar Mord ist eine Routinesache geworden, und die Polizei ist dagegen schon ziemlich abgestumpft. John Flores, der in dem gefährlichen 73. Polizeirevier in Brownsville arbeitete, erzählte ein Beispiel dafür. Auf einer Streife hatte er so viel zu tun, daß er plötzlich, als er ein Sandwich aß, bemerkte, daß er sich noch nicht einmal das Blut eines Ermordeten von den Händen gewaschen hatte.
In solchen Gegenden sind auch die Bewohner abgestumpft. Ein Mann hatte zum Beispiel seine Frau ermordet. Sie hatten zwölf Kinder, und während die Untersuchung im Gange war, spielten einige von ihnen im Haus Fangen, als ob nichts geschehen sei.
Doch warum verlieren wir den Kampf gegen das Verbrechen? Liegt der Fehler bei der Ausbildung der Polizeibeamten für ihren Beruf?
Ausbildung zur Verbrechensbekämpfung
Im Jahre 1961, als ich 24 Jahre alt war, nahm ich an einem Ausbildungskursus an der New Yorker Polizeiakademie teil. Dazu gehörte auch eine körperliche Ausbildung — Freiübungen, Judo und der Gebrauch von Waffen. Im Unterricht untersuchten wir die Tatbestandsmerkmale der verschiedenen Verbrechen und lernten, was alles zu einer Verhaftung gehört. Es ist nämlich nicht damit getan, daß man sagt: „Sie sind verhaftet!“ Ich lernte, was mit einer Person geschieht, die in Gewahrsam genommen wird, wie Fingerabdrücke genommen werden, wie der Betreffende fotografiert wird und welche Vorbereitungen sonst noch für die Gerichtsverhandlung zu treffen sind. Ich lernte auch, was für Beweise nötig sind, um eine Verhaftung vor Gericht begründen zu können.
Nach etwa fünf Monaten hatte unsere Klasse die Abschlußprüfung, und ich wurde dem 66. Polizeirevier, Borough Park (Brooklyn), zugeteilt. Dort machte ich meine Runde und fuhr gelegentlich in einem Streifenwagen mit. Es war befriedigend, Leuten zu helfen, Probleme zu lösen, und medizinische oder andere Hilfe zu leisten.
Ich haßte es jedoch, Strafzettel für Verkehrsvergehen zu vergeben, da die Leute immer in Wut gerieten. So hatte ich am Ende des Monats nicht die erwartete Zahl von Strafzetteln vergeben. Ich hätte sogenannte Grenzfälle ahnden müssen — zum Beispiel das Versäumnis, ein Fahrzeug völlig zum Stehen zu bringen, oder das Überqueren einer Kreuzung bei Lichtwechsel. So etwas war mir immer schrecklich unangenehm.
Ich werde nie die erste Verhaftung vergessen, die ich vornahm. Ich hielt einen Autofahrer an, der ohne Führerschein fuhr, und er bot mir 100 Dollar an, damit ich ihn weiterfahren ließe. Ich verhaftete ihn und brachte ihn zur Polizeiwache.
Seitdem habe ich Hunderte verhaftet, aber was diese erste Verhaftung besonders denkwürdig machte, war die Tatsache, daß mir dadurch zum erstenmal die Gelegenheit gegeben wurde, vor Gericht zu erscheinen. Dort beobachtete ich chaotische Verhältnisse. Die Wirklichkeit war nicht so, wie ich sie mir aufgrund meiner Ausbildung vorgestellt hatte. Doch bald erlebte ich weitere schockierende Tatsachen, die ganz im Widerspruch zu der guten Ausbildung standen, die wir erhalten hatten.
Wie es wirklich war
Ich war erst kurze Zeit bei der Polizei, als ich bemerkte, daß viele Polizisten Schmiergelder annahmen. Es war allgemein bekannt, daß sich einige regelmäßig von Glücksspielern und Personen aus der Unterwelt bestechen ließen.
Dann kamen die Untersuchungen des Knappausschusses über die Korruption unter der Polizei. Vor etwa vier Jahren schenkte er der Korruption große Aufmerksamkeit, und seitdem sind tatsächlich Polizisten überführt und eingesperrt worden. Außerdem wurde das allgemeine Stillschweigen gebrochen: Polizeibeamte begannen Fälle von Korruption zu melden. Dadurch entstand eine Atmosphäre des Mißtrauens, und die Polizisten fürchteten sich davor, von anderen Beamten angezeigt zu werden. Das führte zu einer Säuberung.
Darauf begann eine regelrechte Kampagne gegen die Korruption. Zum Beispiel wurden in Polizeiwachen Poster aufgehängt, auf denen erklärt wurde, daß ein Polizeibeamter in zwanzig Dienstjahren und im Laufe von zwanzig Jahren nach seiner Pensionierung 500 000 Dollar verdienen könne. Polizisten sollten das alles nicht durch die Annahme von Bestechungsgeldern aufs Spiel setzen. Wir bekommen jetzt ein gutes Gehalt, und ich bezweifle, daß viele das Risiko auf sich nehmen, es zu verlieren, indem sie Bestechungsgelder annehmen.
Das bedeutet nicht, daß alle Polizeibeamten grundsätzlich ehrlich geworden sind. Ein pensionierter stellvertretender Hauptinspektor hatte wahrscheinlich recht, als er über einige, früher korrupte Beamte sagte: „Sie denken über die Chance nach, jetzt Geld zu machen, und wägen das Geld gegen das Risiko ab.“ Anscheinend muß der Risikofaktor sehr hoch bleiben, denn in einem vor kurzem veröffentlichten Polizeireport wurde als Hauptgrund für die verbesserten Verhältnisse die Furcht, entdeckt zu werden, angegeben.
Mir ist es aber klar, daß die Öffentlichkeit immer noch die Mehrheit der Polizei für korrupt hält; wir haben in der Vergangenheit unsere Glaubwürdigkeit verloren. Dazu hat auch die Einstellung einiger Polizeibeamter beigetragen, die immer über das Gesetz erhaben zu sein scheinen.
Dieser Verlust des Vertrauens in der Öffentlichkeit, der Verlust unserer Glaubwürdigkeit — der zu einer schlechten Zusammenarbeit geführt und uns den Haß vieler Bürger eingetragen hat —, ist meiner Ansicht nach ein wesentlicher Grund dafür, weshalb wir den Kampf gegen das Verbrechen verlieren.
Arbeit der Kriminalpolizei und andere Faktoren
Ich wollte beruflich vorankommen, und am 18. Mai 1962 geschah etwas Schreckliches, was mir den Weg dazu ebnete — zwei Brooklyner Kriminalpolizisten namens Fallon und Finnegan wurden in einem Tabakwarengeschäft in meinem Revier ermordet. Ich befand mich damals nur einige Häuser vom Tatort entfernt. Zu dieser Zeit waren Polizistenmorde ungewöhnlich, und Kriminalbeamte aus allen Teilen der Stadt wurden eingesetzt, um den Fall aufzuklären.
In der Mordnacht erhielt ich aus vertraulicher Quelle eine Information, die mich in Aufregung versetzte: Man teilte mir den Namen eines der Mörder mit. Sogleich ging ich zur Polizeiwache und gab die Information weiter. Auf der Stelle wurde ich beauftragt, bei der Aufklärung des Falles mitzuhelfen. Noch in der gleichen Nacht gelang es uns, nachzuweisen, daß einer der Verdächtigen in die Morde verwickelt war. Später wurde er festgenommen und verurteilt.
Aufgrund meiner Arbeit wurde ich der Kriminalpolizei empfohlen, und im Frühjahr 1963 wurde ich auf der Polizeiakademie als Kriminalpolizist ausgebildet. Danach wurde ich, wie es damals üblich war, dem Youth Squad zugeteilt, einem Kommando, bestehend aus jungen Kriminalbeamten, die an Orten, wo Jugendliche zusammenkommen — Kegelbahnen, Spielhallen und Schulen —, für die Einhaltung des Gesetzes sorgen müssen. Aber von 1966 an habe ich regulär als Kriminalpolizist gearbeitet.
Bei den meisten Verbrechen sind die Ermittlungsarbeiten nichts im Vergleich zu dem, was im Mordfall Fallon und Finnegan unternommen wurde, als Dutzende von Kriminalbeamten und Spezialtechnikern zusammenarbeiteten. Da täglich weit über 1 000 schwere Straftaten angezeigt werden, ist einfach nicht genug Zeit da, in jedem Fall gründliche Ermittlungen anzustellen.
Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, mögen gründliche Ermittlungen angestellt werden. Es kann sein, daß dann Zeugen des Verbrechens aufgespürt werden und daß gründliche Nachforschungen angestellt werden, um Hinweise auf den Täter zu erhalten. Fingerabdrücke sind als Beweisstücke bei einem Verbrechen meistens sehr wertvoll; ich habe jedoch den Eindruck, daß dies ein Gebiet ist, auf dem viele Kriminalpolizisten versagen. Häufig bedienen sie sich nicht der heutigen wissenschaftlichen Methoden der Verbrechensaufklärung, weil sie entweder nicht genügend Interesse haben oder von deren Wert nicht überzeugt sind.
Die Kriminalität hat so sehr zugenommen, daß das gesamte Ermittlungssystem zusammengebrochen ist. Von fünf schweren Verbrechen wird nur eines aufgeklärt. Wahrscheinlich sieht es in Wirklichkeit noch schlimmer aus. Deswegen hat die Öffentlichkeit auch wenig Vertrauen zur Polizei. Frustration und Selbstsucht nehmen zu und veranlassen noch mehr Personen dazu, straffällig zu werden.
Doch viele Polizeibeamte sind der Ansicht, daß es einen noch wichtigeren Grund gibt, weshalb wir den Kampf verlieren.
Wieso man sagen kann, Verbrechen lohnten sich
Der Grund ist, offen gesagt: VERBRECHEN LOHNEN SICH. Das jedenfalls zeigen die Tatsachen. So sagte zum Beispiel James S. Campbell, der ehemalige Hauptberater einer vom Präsidenten eingesetzten Verbrechenskommission: „Verbrechen lohnen sich doch.“ Er erklärte: „Die Chancen stehen 99:1, daß Sie ein schweres Verbrechen begehen können, ohne dafür ins Gefängnis zu kommen.“ Aber in New York ist die Chance, daß ein Verbrecher bestraft wird, noch viel geringer.
Zum Beispiel wurden in einem der letzten Jahre 97 000 Personen wegen schwerwiegender Straftaten verhaftet, doch nur 900 wurden schließlich schuldig gesprochen. Weitaus die meisten Fälle werden durch „plea bargaining“ erledigt. Das heißt, der Straftäter erklärt sich bereit, sich schuldig zu bekennen, und erhält dafür eine geringere Strafe, die dann gewöhnlich zur Bewährung ausgesetzt wird. Mit anderen Worten, er wird auf freien Fuß gesetzt. Er wird nicht bestraft! Acht von zehn Mordfällen werden auf diese Weise entschieden. Der Mörder erhält dann im allgemeinen eine leichte Strafe und ist bald wieder auf freiem Fuß und kann weitere Verbrechen begehen.
Aus eigener Erfahrung könnte ich viele Fälle für dieses „Drehtür“-Gerichtssystem anführen. Ich möchte nur einen herausgreifen. Im Jahre 1970 erstach ein Mann, der schon ein langes Strafregister hatte, kaltblütig einen wehrlosen alten Mann, den Besitzer eines Spirituosenladens. Diesem kaltblütigen Mörder erlaubte man, sich des Totschlags schuldig zu bekennen, und er wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen er wahrscheinlich nur zwei oder drei Jahre absitzen mußte. Doch war dies eines der abscheulichsten Verbrechen, die ich je aufklären mußte!
Warum gibt es für solche Leute kein richtiges Gerichtsverfahren, und warum erhalten sie keine gerechte Strafe? Der Richter David Ross erklärte: „Wir platzen aus allen Nähten, und es würde Millionen [Dollar] kosten, all diese Fälle zu verhandeln.“ Außerdem sind die Gefängnisse bereits voll, und die Baukosten für neue Gefängnisse belaufen sich pro Häftling auf etwa 40 000 Dollar. Schon jetzt kostet es etwa 10 000 Dollar jährlich, jemand in einem herkömmlichen Gefängnis gefangenzuhalten. Es ist also nicht nur zu teuer, Prozesse gegen Verbrecher zu führen, sondern es ist auch sehr teuer, sie hinter Schloß und Riegel zu halten.
Die Folge ist, daß sich viele ermutigt fühlen, weitere Verbrechen zu begehen, da sie merken, daß es sich lohnt. Manchmal lachen uns diese Leute sogar aus, wenn wir sie festnehmen, da sie wissen, daß sie nichts zu befürchten haben. Es ist daher verständlich, daß Polizeibeamte sich oft nicht besonders bemühen, Verbrecher zu ergreifen. Diese werden gewöhnlich sowieso nicht bestraft. Ein Mann aus Washington (D. C.) wurde innerhalb von fünf Jahren 57mal verhaftet, bevor er verurteilt wurde.
Es ist wirklich eine traurige Situation, wie es schon der frühere New Yorker Polizeipräsident, Patrick Murphy, sagte: „Die Polizei ist nur der sichtbare Arm eines zusammengebrochenen Systems zur Verbrechensbekämpfung, eines Nichtsystems, in dem auch die Staatsanwälte und die Gerichte versagen.“
Ein Leitartikelschreiber der New York Times hatte recht, als er über das Rechtssystem schrieb: „Kurz gesagt, das ,System‘ droht ständig unter seiner eigenen Last zusammenzubrechen, und seine Funktion ist eher darauf abgestimmt, diesen Zusammenbruch zu verhindern, als das Recht zu vertreten oder die Öffentlichkeit zu schützen“ (7. Februar 1975).
Die Öffentlichkeit leidet darunter am meisten, besonders die Opfer. Es wird praktisch nichts unternommen, um ihnen zu helfen oder sie für ihre Verluste zu entschädigen. Wenn sie vor Gericht aussagen wollen, müssen sie dies außerdem in ihrer freien Zeit tun, vielleicht verlieren sie sogar ihren Arbeitslohn, und sie können höchstens darauf hoffen, daß der Verbrecher bestraft wird. Aber heute, wo so wenig Verbrecher bestraft werden, sind immer weniger Opfer bereit, sich die Mühe zu machen, einen Prozeß zu führen, und, offen gesagt, ich kann ihnen deswegen keinen Vorwurf machen. Eine Frau aus Philadelphia mußte 45mal bei Gericht vorstellig werden, bis der Angeklagte, der sie beraubt hatte, verurteilt wurde.
Gibt es Lösungen?
Vor einiger Zeit fragte man mich, wie es wäre, wenn der Verbrecher arbeiten müßte, um dem Opfer das, was er gestohlen oder beschädigt habe, zu ersetzen. Dieser Gedanke stammt aus der Bibel. Gemäß Gottes Gesetz mußte ein Dieb, der einen Stier gestohlen und verkauft hatte, fünf Stiere als Ersatz geben (2. Mose 22:1-4). Das ist völlig einleuchtend. Wenn Verbrecher oder, wie im Fall von Jugendlichen, die Eltern die Betroffenen entschädigen müßten, ginge die Kriminalität wesentlich zurück.
Außerdem ist es nötig, Vergehen schnell zu bestrafen. Wenn der Verbrecher nicht gleich bestraft wird, denkt er, es zahle sich aus, und bleibt auf seinem verkehrten Weg, so, wie es in der Bibel beschrieben wird (Pred. 8:11). Doch wenn willentliche Mörder schnell hingerichtet würden, wie es die Bibel empfiehlt, gäbe es — das kann ich versichern — viel weniger Morde (4. Mose 35:30, 31). Und sicher würde die Kriminalität sehr schnell zurückgehen, wenn andere Verbrecher schwer bestraft würden.
Doch das gegenwärtige System der Dinge bewegt sich immer weiter von dem Weg der Vernunft und des gesunden Menschenverstandes weg. So traurig es auch ist, es besteht meiner Ansicht nach keine Hoffnung auf eine wirkliche Besserung in dem Kampf der Polizei gegen die Kriminalität, solange dieses System besteht. (Eingesandt.)
[Fußnote]
a Gemischtwarengeschäft mit Imbißraum.
[Kasten auf Seite 6]
„Einige sagen, die Polizei sei korrupt.“
[Kasten auf Seite 7]
„Mord ist eine Routinesache geworden, und die Polizei ist dagegen schon ziemlich abgestumpft.“
[Kasten auf Seite 8]
„Viele Polizisten nahmen Schmiergelder an.“
[Kasten auf Seite 9]
„Es ist einfach nicht genug Zeit da, in jedem Fall gründliche Ermittlungen anzustellen.“
[Kasten auf Seite 10]
„Verbrechen lohnen sich. Die meisten Verbrecher werden nicht verurteilt.“
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Wie kannst du dich schützen?Erwachet! 1976 | 22. Februar
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Wie kannst du dich schützen?
BÜRGER erwarten gewöhnlich, daß die Polizei sie beschützt, aber in einigen Gegenden sagt die Polizei jetzt, sie könne keinen Schutz mehr bieten. Im Wall Street Journal berichtete Lewis M. Phelps über Einbrüche in sein Haus und in die Häuser seiner Nachbarn in Chicago. Er schilderte die Reaktion der Polizei:
„Während ein Beamter die Formulare ausfüllte, bemerkte er fast beiläufig: ,In diesem Viertel haben Sie wirklich überhaupt keinen Polizeischutz. Ja, nirgendwo in der Stadt gibt es Schutz, weil wir keine richtigen Polizeibeamten sind. Wir erledigen nur die notwendigen Routinepflichten.‘“
Der Beamte erklärte weiter: „Eines Nachts werden wir diese Burschen wahrscheinlich erwischen. Sicher werden sie dann weglaufen. ... Ich werde mich gar nicht erst groß bemühen, die Verfolgung aufzunehmen. Denn wenn ich es tue und sie schnappe, werden sie wahrscheinlich Widerstand leisten. Ich müßte sie dann mit der Pistole oder mit dem Gummiknüppel schlagen, um mit ihnen fertig zu werden, denn sonst würde ich selbst verletzt. Dann würden sie mich wegen Brutalität anzeigen, selbst wenn sie mich zuerst geschlagen hätten. Ich werde also meine Pflicht tun und sie verfolgen, aber nur so, daß es gerade den richtigen Eindruck macht. Genauso denken die meisten Polizisten in dieser Stadt.“
Das meinte dieser Beamte also, als er sagte, die Leute hätten keinen richtigen Polizeischutz. Aber er verteidigte schnell seine Einstellung, daß er nur seine notwendigen Routinepflichten erledigen würde, und sagte: „Ich muß an meine Frau und an meine Familie denken. Warum sollte ich mein Leben riskieren, um diese Burschen zu schnappen, wenn das Gericht sie danach einfach wieder auf freien Fuß setzt? Ich habe solche Burschen schon wegen bewaffneten Raubüberfalls verhaftet. Einige von ihnen waren bereits 200mal verhaftet und Dutzende von Malen wegen Gewaltverbrechen verurteilt worden. Und sie erhalten Bewährung. Warum sollte ich es dann riskieren, bei dem Versuch, einen Burschen vor Gericht zu bringen, erschossen zu werden?“
In welche Lage bringt das den Durchschnittsbürger? Nun, ob man das Opfer eines Verbrechens wird oder nicht, hängt zu einem großen Teil von den eigenen Bemühungen ab, sich zu schützen.
Empfohlene Möglichkeiten, sich zu schützen
Frank Angelo, ein Kolumnist der Zeitung Detroit Free Press, berichtete über eine Empfehlung, wie man sich schützen könne. Eine Bekannte hatte ihm erzählt, daß in mehreren Häusern in ihrer Nachbarschaft eingebrochen worden sei. Sie sagte, die Polizei habe daraufhin erklärt, das Problem lasse sich am besten dadurch lösen, daß sie und ihre Nachbarn sich bewaffneten.
Doch ist es ein guter Rat, sich zu bewaffnen? Trotz solcher Vorschläge einiger Polizeibeamter sagt fast jede Polizeidienststelle, daß dies unweise sei. Es gibt Gründe, weshalb du dich nicht bewaffnen solltest.
Erstens ist es an vielen Orten verboten, heimlich eine Waffe mit sich zu führen. Und zweitens besteht die Gefahr, daß sich der Verbrecher rächt, wenn du eine Pistole ziehst, und mit seiner Pistole auf dich schießt oder dir deine wegnimmt. Viele Personen sind bei solchen Auseinandersetzungen getötet worden. Außerdem kann der Besitz von Waffen zu tragischen Unfällen führen. Gemäß dem amerikanischen Sicherheitsrat verlieren jährlich etwa 1 300 Amerikaner durch Unfälle mit Feuerwaffen ihr Leben.
Wie kann man sich denn sonst schützen, wenn man keine Waffen bei sich tragen soll?
Selbstbeherrschung, Milde
Ein Verbrechensforscher wies auf die Notwendigkeit hin, Selbstbeherrschung zu üben, und kam zu dem Schluß: „Was die Leute am meisten bei einem Verbrechen zu befürchten haben, ist in ihnen selbst.“ Doch wieso kann Selbstbeherrschung ein Schutz sein?
Nun, oft fordern die Betroffenen selbst zu einem Verbrechen heraus. Das trifft besonders auf Tausende von Personen zu, die jährlich von Freunden und Verwandten getötet werden. Es stimmt zwar, daß ein Streit, der mit einem Mord endet, von dem anderen angefangen worden sein mag. Doch was wäre gewesen, wenn sich die Opfer an den biblischen Rat gehalten hätten: „Eine Antwort, wenn milde, wendet Grimm ab“ und: „Ein Sklave des Herrn ... muß gegen alle sanft sein.“ (Spr. 15:1; 2. Tim. 2:24)? Wahrscheinlich wären sie nicht ermordet worden.
Es ist auch angebracht, diesen biblischen Rat zu beachten, wenn man von Fremden grob angefahren wird, weil man irgend etwas getan hat. Man ist leicht dazu geneigt, sich zu rechtfertigen. Doch wieviel besser ist es, demütig sein Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß man den anderen verärgert hat! Eine milde Antwort wird den Zorn abwenden, aber — wie es in dem biblischen Spruch weiter heißt — „ein Wort, das Schmerz verursacht, läßt Zorn aufkommen“ (Spr. 15:1).
Wie oft hat sich doch dieser Spruch schon als wahr erwiesen! Als eine junge Frau in New York eine ältere Frau auf dem Bürgersteig angeblich gestoßen hatte, wurde von ihr eine Entschuldigung verlangt. Als sie sich weigerte, sich zu entschuldigen, kam es zu einem Streit; die ältere Frau zog eine Pistole und erschoß die jüngere. Wenn die junge Frau milde geantwortet und sich entschuldigt hätte, wäre es nicht zu diesem Unglück gekommen.
Die Selbstbeherrschung, die dich vor Gewalttaten schützen kann, ist eine Frucht des Geistes Gottes, und wer den Rat der Bibel anwendet, kann diese Eigenschaft erlangen (Gal. 5:22, 23). Selbst wenn es dir gegenwärtig noch schwerfällt, dich zu beherrschen, kannst du diese gottgefällige Eigenschaft sowie die Eigenschaft der Milde entwickeln. Beide sind unerläßlich, um Schwierigkeiten zu vermeiden.
Bleibe wachsam, sieh Schwierigkeiten voraus!
Auch in manch anderer Hinsicht ist das Befolgen biblischer Ratschläge ein Schutz. Denke einmal darüber nach, wie wertvoll es ist, in Übereinstimmung mit folgendem biblischen Grundsatz zu handeln: „Der Kluge sieht das Unglück [die Gefahr, An American Translation] voraus und verbirgt sich; die Einfältigen aber gehen weiter und erleiden Schaden“ (Spr. 22:3, Menge).
Es ist ratsam, die Gefahr, einem Verbrechen zum Opfer zu fallen, nicht zu bagatellisieren. Wenn dich die Umstände zwingen, dich in einer gefährlichen Gegend aufzuhalten, dann bleibe wachsam. Gehe und handle zielbewußt; bummle nicht. Beobachte ständig, was auf der Straße vor sich geht, und blicke gelegentlich hinter dich. Gehe nahe am Randstein, und halte Abstand von den Häusern; ein Verbrecher mag in einer dunklen Einfahrt oder Seitenstraße lauern.
Auch ist es ratsam, schlechtbeleuchtete und unbelebte Straßen zu meiden. Bevor du in eine Straße einbiegst, vergewissere dich, ob alles in Ordnung ist — sieh Gefahren voraus. Siehst du eine Gruppe verdächtig aussehender Personen, dann geh lieber nicht durch ihre Mitte. Geh auf die andere Straßenseite, oder wechsle die Richtung. Wenn dir jemand folgt, geh auf die Straße. Wenn du dich unmittelbar bedroht fühlst, laufe weg oder rufe um Hilfe.
Vermeide es, im Dunkeln allein irgendwohin zu gehen. Wenn du eine Veranstaltung besucht hast, geh mit einem Freund nach Hause. Wenn du in einem gefährlichen Viertel einen Hausflur oder einen Fahrstuhl betrittst, sei vorsichtig und sieh die Gefahr voraus. Geh nicht mit Fremden in einen Fahrstuhl, sobald du auch nur den geringsten Verdacht gegen sie hast. Auch solltest du nicht zögern, sofort auszusteigen, wenn solche Personen zusteigen. Ob sie das beleidigt, spielt keine Rolle; es ist besser, in Sicherheit zu sein, als hinterher etwas zu bereuen.
Da besonders oft Handtaschen gestohlen werden, ist es angebracht, einem Diebstahl vorzubeugen. Trage deine Handtasche zwischen deinem Oberarm und deinem Körper, und lege die Hand über den Verschluß. Nimm auch nicht zuviel Geld in deiner Handtasche mit. Fordere nicht zu einem Überfall heraus, indem du in einer gefährlichen Gegend teure Kleider oder kostbaren Schmuck trägst, und öffne beim Einkaufen dein Portemonnaie nicht so, daß andere dein Geld sehen können.
Schütze dich auch beim Autofahren vor Gefahren. Vergewissere dich, daß alle Türen abgeschlossen sind. Ist das nicht der Fall, so kann ein Räuber leicht einsteigen, wenn du an einer Ampel anhältst. Halte die Fenster geschlossen, oder drehe sie so hoch, daß keiner durch die Öffnung hereingreifen kann. Falls sich jemand deinem Wagen drohend nähert, bringe diesen so rasch wie möglich in Bewegung. Laß beim Parken keine Wertsachen sichtbar im Wagen liegen, sondern stecke sie ins Handschuhfach oder in den Kofferraum.
Was solltest du tun, wenn dich ein Räuber trotz aller Vorsicht überfällt? Bleibe ruhig, und gehe auf seine Forderung ein, deine Wertsachen herauszugeben. Leben und Gesundheit sind wichtiger als materieller Besitz. Wie die New Yorker Polizei berichtet, erleidet das Opfer bei über 99 Prozent aller Raubüberfälle keinen Schaden, wenn es keinen Widerstand leistet.
Anders ist es, wenn eine Frau von einem Mann belästigt wird, der ein Sexualverbrechen beabsichtigt. „Wehren Sie sich mit Ihrer ganzen Kraft“, fordert Paul Boesch, der Autor des Buches Lady Protect Yourself, auf. Zögere nicht. Wehre dich beim ersten Anzeichen einer schlechten Absicht. Wenn er nicht abläßt, dann SCHREIE. Versuche, dich loszureißen und wegzulaufen. Die Bibel zeigt, daß sich eine Frau, die von einem Sittlichkeitsverbrecher angegriffen wird, so verhalten sollte (5. Mose 22:23-27).
Beuge auch möglichen Sexualverbrechen an deinen Kindern vor, und schütze sie. Präge ihnen eindringlich ein, sich niemals von Fremden im Auto mitnehmen zu lassen. Erkläre ihnen, daß sie anderen nicht erlauben dürfen, sie zu streicheln, und daß ihnen das schaden kann.
Schütze dein Heim!
Schütze deine Wohnung oder dein Haus, indem du an allen Türen und Fenstern gute Schlösser anbringst — übersieh nichts. Es sollten keine einfachen Schlösser sein, die man mit einer Spielkarte oder einem Schraubenzieher öffnen kann. Statt dessen werden Sicherheitsschlösser empfohlen, zum Beispiel Chubbschlösser oder Zylinderschlösser. Solche Schlösser verhindern, daß die Tür mit Hilfe eines Dietrichs oder Sperrhakens geöffnet wird.
Wer solche Schlösser eingebaut hat, sollte sie auch benutzen. Polizeiberichte zeigen, daß bei fast 50 Prozent aller Einbrüche Türen oder Fenster unverschlossen waren!
Wenn du fortgehst, laß es nicht alle wissen. Erwecke nicht dadurch, daß du die Fensterläden schließt oder die Rolläden herabläßt, den Eindruck, das Haus sei unbewohnt. Mache sinnvollen Gebrauch von Lampen. Es gibt Zeitschalter, die sehr nützlich sind. Man kann sie so einstellen, daß sie zu bestimmten Zeiten das Licht sowie Radio- und Fernsehgeräte ein- und ausschalten. Wenn Tag und Nacht Licht brennt, so ist dies gewöhnlich ein sicheres Anzeichen dafür, daß niemand zu Hause ist. Hast du vor, für einige Zeit zu verreisen, dann bitte einen vertrauten Freund, von Zeit zu Zeit nach deiner Wohnung zu sehen, den Rasen zu mähen, den Briefkasten zu leeren und sich vielleicht sogar in deiner Wohnung aufzuhalten.
Einige Personen mögen all diese und andere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und dennoch das Opfer eines Verbrechens werden. Wir müssen zugeben, daß du dich nur in begrenztem Maße schützen kannst. Aber die Zeit ist nahe, in der alle in wahrer Sicherheit leben werden.
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Wenn dir jemand folgt, geh auf die Straße. Wenn du dich unmittelbar bedroht fühlst, laufe weg oder rufe um Hilfe.
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Wirst du um dein Geld kämpfen, auf die Gefahr hin, das Leben zu verlieren?
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Wahrer Schutz bald gewährleistetErwachet! 1976 | 22. Februar
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Wahrer Schutz bald gewährleistet
WAS meinen wir damit, wenn wir sagen, wahrer Schutz sei in naher Zukunft gewährleistet? Handelt es sich dabei um den Schutz, den Reiche genießen, die in eingezäunten, von Wächtern gesicherten Gemeinwesen leben?
Nein, denn auch sie sind nicht vor Einbruchdiebstählen und anderen Formen der Kriminalität sicher. Wir meinen damit einen Schutz, der so vollständig und weitreichend ist, daß man noch nicht einmal Furcht vor Verbrechen haben wird. Keiner wird mehr Angst haben, zu irgendeiner Tages- oder Nachtzeit auf die Straße oder in einen Park zu gehen. Es wird nicht einmal nötig sein, die Türen durch Schlösser zu sichern.
Wie wird es zu einem solchen Wechsel kommen?
Eine zuverlässige Lösung des Problems der Kriminalität
Die Einführung eines bedrückenden Polizeistaates ist nicht die Lösung. Auch alle anderen Reformvorschläge für das gegenwärtige System der Dinge, die Menschen zu bieten haben, lösen das Problem nicht. Die Menschen haben reichlich Zeit gehabt, das Verbrecherunwesen in ihre Gewalt zu bekommen, doch statt dessen sind die Zustände immer schlimmer geworden. Ist es nicht offenkundig, daß es über die Fähigkeiten des Menschen hinausgeht, dieses Problem zu lösen?
Was meinst du, wie Gott über die Lage denkt? Von wem sollte man eher eine Lösung erwarten als von ihm? Ist irgend jemand mehr am Wohl der Menschen interessiert als ihr Schöpfer?
Doch du magst fragen: „Wenn er wirklich im Begriff wäre, das Problem der Kriminalität sowie viele weitere Probleme zu lösen, warum hat er es dann nicht schon längst getan?“
Das ist eine gute Frage, und sie verdient eine Antwort. Tatsächlich gibt der Schöpfer in seinem Wort, der Bibel, eine zufriedenstellende Antwort. Die Bibel erklärt, daß Gott die üblen Verhältnisse deswegen so lange zugelassen hat, damit wichtige Streitfragen geklärt werden können, die zu der Zeit aufgeworfen wurden, als der erste Mensch gegen Gott rebellierte. Bei einer dieser Streitfragen geht es darum, ob sich die Menschen unabhängig von Gott erfolgreich selbst regieren können.
Was hat nun die Zeit gezeigt? Hat sich nicht deutlich die Erklärung der Bibel als wahr erwiesen: „Nicht beim Erdenmenschen [steht] sein Weg ... Es steht nicht bei dem Manne, der da wandelt, auch nur seinen Schritt zu richten.“ (Jer. 10:23)? Gewiß können die Menschen nur von Gott die Lösung des Problems der Kriminalität sowie aller anderen Probleme erwarten.
Die zuverlässige Lösung, die Gott vorgesehen hat, ist sein Königreich, eine gerechte himmlische Regierung. Jesus Christus widmete sein Predigtwerk auf Erden der Verkündigung dieser Königreichsregierung, und er lehrte sogar seine Jünger, darum zu beten. Auch du betest um diese Regierung, wenn du sagst: „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“ (Matth. 6:9, 10, Luther).
Aber wie wird Gottes Königreich die Kriminalität ausmerzen? Die Bibel sagt über unsere Tage voraus: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst ... wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und es selbst wird für unabsehbare Zeiten bestehen“ (Dan. 2:44). Ja, Gottes Königreichsregierung wird alle gegenwärtigen irdischen Regierungssysteme samt aller Kriminalität und Korruption vollständig vernichten.
Wann wird dies geschehen? Die Erfüllung biblischer Prophezeiungen zeigt, daß es zu unseren Lebzeiten sein wird! Warum sagen wir dies? Weil sich heute das „Zeichen“, das Jesus für den „Abschluß des Systems der Dinge“ voraussagte, erfüllt. Ein Bestandteil dieses „Zeichens“ ist die „zunehmende Gesetzlosigkeit“. Und Jesus sagte, die Generation, die den Anfang all dessen (was sich besonders seit 1914 ereignet hat) sehen würde, würde auch erleben, daß Gottes Regierung dieses von Verbrechen heimgesuchte System völlig vernichten werde. Welch eine wunderbare Erleichterung, wenn das wahr wird! (Matth. 24:3-14, 34).
Wahrer Schutz
Kannst du dir vorstellen, welche Zustände nach dieser Weltvernichtung herrschen werden? Ein christlicher Bibelschreiber sagte: „Doch gibt es neue Himmel und eine neue Erde, die wir gemäß seiner [Gottes] Verheißung erwarten, und in diesen wird Gerechtigkeit wohnen“ (2. Petr. 3:13).
Die Bibel spricht hier natürlich nicht von buchstäblichen neuen Himmeln oder von einem buchstäblichen neuen Planeten Erde. Die „neuen Himmel“ sind Gottes Königreichsregierung, die oft als „das Königreich der Himmel“ bezeichnet wird (Matth. 4:17; 10:7; 11:11). Und die „neue Erde“ ist eine neue menschliche Gesellschaft, eine neue Welt gottergebener Menschen.
Wenn wir den Bibeltext lesen, in dem die obenerwähnte Verheißung Gottes enthalten ist, erhalten wir ein wunderbares Bild von der schützenden Fürsorge, die er bieten kann. Jehova Gott malt dieses Bild mit den Worten:
„Ich schaffe neue Himmel und eine neue Erde; und die früheren Dinge werden nicht in den Sinn gerufen werden ... Und sie werden gewißlich Häuser bauen und sie bewohnen; und sie werden bestimmt Weingärten pflanzen und deren Fruchtertrag essen. ... Sie werden sich nicht umsonst abmühen, noch werden sie zur Bestürzung gebären; denn sie sind der Nachwuchs, bestehend aus den Auserwählten Jehovas, und ihre Nachkommen mit ihnen. Und es wird tatsächlich geschehen, bevor sie rufen, daß ich selbst antworten werde; während sie noch reden, werde ich selbst hören“ (Jes. 65:17-25).
Ja, Jehova Gott wird sein Volk mit Frieden segnen. Er wird nicht zulassen, daß die Sicherheit seines Volkes durch irgendeine Form der Ungerechtigkeit gestört wird. Der Kampf gegen das Verbrechen wird dann gewonnen sein! In diesem neuen System, das Gott schaffen wird, wird es keinen Grund zur Furcht geben, keinen Grund, Angst zu haben, abends auf die Straße oder in einen Park zu gehen. Dann werden keine Schlösser für deine Türen notwendig sein; dann wirst du dir keine Sorgen darüber zu machen brauchen, wie du dich schützen kannst, und du wirst dich nicht fragen müssen, wo Gefahr lauert.
Würdest du gern in solch einer wunderbaren Welt leben, die frei von Verbrechen ist? Das kann deine Zukunft sein, denn diese Aussicht stützt sich auf das zuverlässige Wort unseres Schöpfers. Jehovas Zeugen werden dir gern helfen, mehr Erkenntnis über diese biblisch begründete Aussicht zu erlangen. Frage sie einfach, und sie werden diese wichtigen Dinge unentgeltlich mit dir und deiner Familie in deiner eigenen Wohnung besprechen. Nimm dieses Angebot an, und überzeuge dich selbst, daß Gottes Verheißungen auf eine Welt ohne Verbrechen eine gute Grundlage haben.
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