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Das Kreuz bei der AnbetungDer Wachtturm 1960 | 15. Juni
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daß dort das Kreuz eine zweifellos religiöse Bedeutung hatte. Von dem mexikanischen Kreuz, das die aztekische Göttin des Regens trug, nimmt man jetzt an, daß es mit der Sonne oder dem Winde verbunden gewesen ist.“
Diese Verknüpfung des Kreuzes mit Sonnenanbetung überrascht nicht, da gerade die Chaldäer von Mesopotamien diese pflegten, und von dort aus zerstreute sich ja die Menschheit nach der Sintflut nach allen Teilen der Erde hin. Ihr Gott Tammuz stand mit der Sonne in Zusammenhang, und gemäß Alexander Hislop war „das mystische Tau der Chaldäer und Ägypter der Anfangsbuchstabe des Namens Tammuz“. Obwohl dem Gott Tammuz andere Völker andere Namen gaben, blieb doch sein Symbol, das Tau-Kreuz, in allgemeinem Gebrauch. Da Konstantin ein heidnischer Römer war — unter den Römern galt das Kreuz als religiöses Symbol —, ist es bedeutungsvoll, daß Konstantin in einer Vision dieses Symbol am Himmel unterhalb der Sonne sah.
In alten Zeiten war das Kreuz oft mit dem Phallus- oder Geschlechtskult verbunden. Das war unvermeidlich, weil man es als ein Symbol des Lebens ansah. Die Crux ansata, ein Kreuz, das oben mit einer Schleife versehen war, stellte die aktive Zeugungs- und die passive Fortpflanzungskraft dar. Das mag der Grund gewesen sein, daß man auf den Schamteilen einer weiblichen Figur, die aus den Trümmern von Troy ausgegraben wurde, ein Kreuz sehen konnte. Umgekehrte Tau-Kreuze sind als phallische Symbole in Griechenland, Rom und Japan gebraucht worden.
Im heidnischen Rom trugen die Amtskleider der Priester Zeichen von Kreuzen, und Roms Vestalische Jungfrauen trugen solche an einem Halsband. In Assyrien wurde das Kreuz als Gehänge von assyrischen Königen getragen. Der Archäologe A. H. Layard sagte, man finde es auf assyrischen Skulpturen in Khorsabad, auf assyrischen Zylindern und auf Elfenbeingegenständen von Nimrud. Alle waren lange Zeit vor dem Kommen Christi in Gebrauch.
Der Kaduzeus oder Kerykeion, ein von zwei Schlangen umwundener Stab, war in Wirklichkeit ein Kreuz, dessen Querbalken durch Flügel ersetzt worden war. Er wurde als Heroldstab von dem Gott Merkur wie auch von einigen anderen Göttern getragen. Auch die Ägypter brachten die Schlange mit dem Kreuz in Verbindung.
Die berühmten Druiden von Britannien betrachteten das Kreuz als ein heiliges, religiöses Symbol. Über ihren Gebrauch des Kreuzes sagt das Buch Indian Antiquities folgendes: „Die Druiden waren gewohnt, in ihren Hainen den stattlichsten, schönsten Baum als Symbol der Gottheit, die sie verehrten, auszuwählen. Sie hieben die Seitenzweige ab, befestigten zwei der größten davon am höchsten Teil des Stammes, und zwar auf eine Weise, daß sich diese Zweige wie die Arme eines Menschen auf jede Seite hin ausstreckten und zusammen mit dem Stamm ein mächtiges Kreuz bildeten, und auf der Rinde war an mehreren Stellen auch der Buchstabe Tau eingeschrieben.“
Daß die Druiden das Kreuz verehrten, geht ferner aus der Tatsache hervor, daß sie einige ihrer Tempel in Form eines Kreuzes anlegten. Der Druidentempel in Classerniss auf der Insel Lewis in Schottland wurde in dieser Form gebaut, ebenso die druidische Grotte in New Grange in Irland. In Indien sind einige alte Hindutempel in gleicher Form erstellt worden. Ein hervorragendes Beispiel ist der alte Höhlentempel von Elephanta bei Bombay. Er wurde in Form eines Kreuzes aus dem Felsen ausgehauen.
Alle diese Zeugnisse beweisen, daß das Kreuz nicht auf das Christentum beschränkt ist, sondern in Tat und Wahrheit zum Heidentum gehört. Natürlich werden einige den Einwand erheben, dieses Symbol könne mit Recht von Christen verwendet werden, weil Christus an einem Kreuz gestorben sei, doch ist dem nicht so. Christus starb nicht an einem Kreuz.
DAS HINRICHTUNGSWERKZEUG WAR EIN STAMM
Jesus Christus wurde an einem aufrechten Stamm, der keinen Querbalken hatte, getötet. Das Mißverständnis ist zum größten Teil darauf zurückzuführen, daß einige Bibelübersetzer die griechischen Wörter staurós und xylon mit Kreuz übersetzt haben. Es mag sein, daß sie dies unter dem Einfluß der überlieferten Glaubensansichten der Christenheit, wonach Christus an einem Kreuze gestorben sei, taten. Das Wort staurós bedeutet einen aufrechten Stamm oder Pfahl, während xylon einfach Holz bedeutet. Auch die grundlegende Bedeutung von crux, dem lateinischen Wort für staurós, ist lediglich ein hölzernes Werkzeug der Hinrichtung, an das ein Verbrecher gehängt wurde. Der Umstand, daß man die ursprünglichen Bedeutungen dieser Wörter später erweiterte, so daß sie das Kreuz einschlossen, spricht noch nicht dafür, daß die Bibelschreiber ein Kreuz meinten, als sie von Jesu Hinrichtungswerkzeug sprachen. The Encyclopædia Britannica, 11. Auflage, sagt: „Lipsius und andere Schriftsteller sprechen von dem einfachen, aufrechten Stamm, an den Verbrecher gebunden wurden, als von einem Kreuz, und solch einem Pfahl ist der Name Crux simplex gegeben worden.“ An einen solchen einfachen Pfahl wurde Jesus, mit den Händen über den Kopf genagelt, gehängt.
Die ersten Christen betrachteten den Marterpfahl Christi nicht als ein heiliges christliches Symbol. Sie würden die schriftgemäßen Gebote nicht durch dessen Verehrung verletzt haben. Für sie war der Marterpfahl etwas Verhaßtes, das nach jüdischem Brauch vergraben und beseitigt werden mußte. Erst als die sich als christlich ausgebende Organisation dadurch zu entarten begann, daß sie heidnische Glaubensansichten, Symbole und Bräuche annahm, verband man das Kreuz mit dem Christentum. Erst dann begannen Namenchristen dem heidnischen Brauch der Verehrung von Symbolen zu folgen.
Abtrünnige Christen nahmen das populäre heidnische Symbol des Lebens an und ließen es als christlich erscheinen, indem sie behaupteten, Christus sei an einem Kreuz gestorben. „In den ägyptischen Kirchen“, so sagt The Encyclopædia Britannica, „war das Kreuz ein heidnisches Symbol des Lebens, das Christen entlehnten und in heidnischer Weise deuteten.“ Das christliche Kreuz hat keinen Platz in der Anbetung des Christen. Es als heilig zu betrachten verletzt das biblische Gebot: „Laßt euch nicht in ein ungleiches Joch zusammen mit Ungläubigen spannen. Denn welche Teilhaberschaft haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? … hört auf, das Unreine anzurühren.“ — 2. Kor. 6:14, 17, NW.
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‚Von der früheren Tendenz ganz verschieden‘Der Wachtturm 1960 | 15. Juni
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‚Von der früheren Tendenz ganz verschieden‘
In dem Buche Advance to Barbarism [Dem Barbarentum entgegen] bespricht F. J. P. Veale, ein englischer Rechtsgelehrter, wie „der ganze Charakter der Kriegführung und der internationalen Beziehungen“ seit dem Jahre 1914 vollständig anders geworden sei. „Was an dieser Entwicklung so bemerkenswert ist“, so schreibt er, „ist der Umstand, daß diese Entwicklung der früheren Tendenz der Ereignisse vollständig zuwiderläuft. Im Laufe der Jahrhunderte bis zum Jahre 1914 ist die Lebensart im allgemeinen — mit einigen Schwankungen — ständig milder geworden, und besonders in der Kriegführung wurden die primitiven, rohen Methoden durch eine stets zunehmende Zahl von Einschränkungen allmählich geändert. Man ist allgemein der Ansicht, daß die Beobachtung dieser Grenzen und Einschränkungen den Unterschied zwischen der Kriegführung der Wilden und der der zivilisierten Völker kennzeichne … Allmählich stellte man Verhaltensvorschriften auf, die von allen Kulturstaaten formell anerkannt wurden. Eine Geschichte der Kriegführung, die im Jahre 1913 geschrieben worden wäre, wäre ein einfaches Zeugnis für diesen langsamen, wenn auch schwankenden, insgesamt aber doch ständigen Fortschritt … Eine plötzliche und völlige Umschwenkung des Prozesses der allmählichen Verbesserung der Kriegführung, der während mehr als zweitausend Jahre vor sich ging, fordert bestimmt eine Erklärung. Verdient das nicht die etwas abgenutzte Bezeichnung ‚epochemachend‘?“
Die Erklärung für diese epochemachende Zunahme der Weltbedrängnis und des barbarischen Verhaltens seit 1914 ist darin zu suchen — wie es diese Zeitschrift schon öfter eingehend erklärt hat —, daß wir in den „letzten Tagen“ leben, „die schwer zu ertragen sind“. — 2. Tim. 3:1-5, NW.
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