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Es war für uns eine harte GlaubensprüfungErwachet! 1978 | 8. Oktober
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mit ihnen „die Zukunft Michas zu besprechen“. Wir wußten, was das bedeutete. Micha würde sterben.
Es war ein harter Schlag. Wir hatten das Gefühl, in einer schweren Prüfung zu sein. Alles schien so unwirklich — so als würden wir es im Fernsehen sehen. In den vergangenen Tagen hatten wir von Zeit zu Zeit geweint. Wir hatten auch nicht essen können.
Am Freitagnachmittag gingen wir ins Krankenhaus, entschlossen, Micha in Würde sterben zu lassen, wenn der Tod unumgänglich war. Bei der Zusammenkunft mit den Ärzten berichteten diese, daß sie das Gehirn des Kindes zweimal geröntgt hätten. Doch beide Enzephalogramme hätten einen totalen Gehirnschaden ergeben — das Gehirn arbeitete nicht mehr. Wir erklärten uns damit einverstanden, daß das Beatmungsgerät abgeschaltet würde. Nachdem das geschehen war, tat Micha keinen einzigen Atemzug mehr. Er hatte nur fünf Tage gelebt.
Als Micha tot war, weinten wir nicht mehr. Wir hatten geweint, weil er so leiden mußte, aber jetzt lebte er ja nicht mehr. Wir hatten auch aus Schmerz über den Verlust des Kindes geweint, aber Tränen konnten es nicht zurückbringen. Der Tod war für Micha und für uns eine Erlösung.
Unsere Freunde und Verwandten sagten sogar, daß sie während unserer harten Glaubensprüfung durch unsere Tapferkeit gestärkt worden seien. Wie tief unser Schmerz war, konnten wir jedoch niemandem sagen, aber auch nicht, wie sehr Jehovas heiliger Geist uns stärkte. Jedes bißchen Kraft, das wir hatten, kam von Jehova.
Wenn wir, meine Frau und ich, mit anderen über Gottes Königreich gesprochen hatten, hatten wir häufig darauf hingewiesen, daß die Toten auferstehen werden und daß die Aussicht besteht, im kommenden neuen System der Dinge ewig zu leben. Wie oft hatten wir die Worte Jesu zitiert: „Wundert euch nicht darüber, denn die Stunde kommt, in der alle, die in den Gedächtnisgrüften sind, seine Stimme hören und herauskommen werden.“ (Joh. 5:28, 29; Offb. 21:1-4)!
Während Michas Krankheit hatten wir die Wahl, entweder zu zeigen, daß wir das wirklich glaubten, oder unsern Glauben über Bord zu werfen. Die Überzeugung, daß Micha wieder auferstehen würde, stärkte uns. Wegen dieser liebevollen Vorkehrung Jehovas, des Schöpfers, haben wir die Hoffnung, unseren kleinen Jungen wiederzusehen — in einer Ordnung, in der es keine Krankheit, kein Leid und keinen Tod mehr geben wird. (Eingesandt.)
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Das HochzeitsgewandErwachet! 1978 | 8. Oktober
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Das Hochzeitsgewand
◆ Eine interessante Sitte, die früher im Nahen Osten vorherrschte, wirft Licht auf die Worte Jesu in Matthäus 22:11-13, wo er davon spricht, daß Hochzeitsgäste besondere Gewänder bekamen. Ehe der westliche Einfluß manche Sitten veränderte, berichteten Personen, die in biblische Länder reisten, daß ihnen Hochzeitsgewänder überreicht wurden, wenn sie an Hochzeitsfeiern teilnahmen. Es waren lange Roben mit weiten Ärmeln, die sie über der eigenen Kleidung tragen konnten.
Wie ein gebürtiger Syrer berichtet, stellte der Vater des Bräutigams Gewänder aus preiswertem, aber buntbedrucktem Stoff bereit für den Fall, daß Personen kommen würden, die zu arm wären, sich gebührend zu kleiden. Ein Gast, der sich weigerte, dieses Gewand anzuziehen, konnte vom Veranstalter des Festes zurechtgewiesen werden.
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