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Warum zwei Bündnisse für ein Königtum?Der Wachtturm 1964 | 15. Oktober
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Warum zwei Bündnisse für ein Königtum?
EIN Bund kann eine von zwei Personen oder Parteien getroffene Übereinkunft oder auch ein rechtsgültiges Versprechen sein, durch das sich der eine Teil verpflichtet, für den anderen etwas zu tun. Ein einmal rechtsgültig geschlossener Bund braucht nicht erneuert oder nochmals geschlossen zu werden. Die Bibel zeigt aber, daß Gott durch zwei Bündnisse verhieß, seinen Sohn Christus Jesus mit königlicher Macht zu bekleiden. Den einen Bund schloß er mit David, den anderen mit Jesus Christus, der durch Melchisedek vorgeschattet worden war. Warum tat er das? Sind die beiden Bündnisse identisch?
DER BUND MIT DAVID
Als Gott den Bund mit König David schloß, sagte er unter anderem: „Wenn deine Tage voll sein werden, und du bei deinen Vätern liegen wirst, so werde ich deinen Samen nach dir erwecken, der aus deinem Leibe kommen soll, und werde sein Königtum befestigen ... und dein Haus und dein Königtum sollen vor dir beständig sein auf ewig, dein Thron soll fest sein auf ewig.“ — 2. Sam. 7:12-16.
Dieser Verheißung getreu sorgte Jehova dafür, daß von da an alle Herrscher, die als seine Vertreter auf dem irdischen Thron in Jerusalem saßen, Nachkommen Davids waren. Erst in den Tagen des bösen Königs Zedekia verordnete Jehova, daß das Vorbild-Königreich nicht mehr sein solle, „bis der kommt, welchem das Recht gehört“. Dieser Herrscher, dem das Recht gehört, sollte der Sohn Gottes sein, der später durch die Jungfrau Maria, die von David abstammte, geboren wurde. Als der Engel Gabriel die Geburt dieses Sohnes ankündigte, sagte er daher zu Recht: „Jehova Gott wird ihm den Thron Davids, seines Vaters, geben, und er wird für immer als König über das Haus Jakobs herrschen, und sein Königreich wird keine Ende haben.“ — Hes. 21:32; Luk. 1:32, 33.
Was war den Erben Davids durch diesen Bund ausdrücklich verheißen worden? Weiter nichts als das Recht, von einem irdischen Thron aus zu herrschen. Etwas anderes konnten sie nicht erben. Daß selbst die Apostel Jesu das so verstanden, geht aus der Frage hervor, die sie ihrem Meister stellten, nachdem er auferstanden und ihnen in einem materialisierten Leib erschienen war. „Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Königreich wieder her?“ fragten sie. Sie erwarteten gestützt auf die Verheißungen des mit David geschlossenen Bundes immer noch die Wiederherstellung des irdischen Königreiches Davids, das im Jahre 607 v. Chr. gestürzt worden war. — Apg. 1:6.
In demselben Gespräch gab Jesus seinen Nachfolgern die Weisung: „Entfernt euch nicht von Jerusalem, sondern wartet weiterhin auf das, was der Vater verheißen hat.“ (Apg. 1:4) Sie erlebten die Erfüllung dieser Verheißung kurz danach, als Jesus zu Pfingsten (33 n. Chr.) Gottes heiligen Geist auf sie ausgoß. Erst dann begannen sie geistige Dinge völlig zu verstehen. Unter dem Einfluß des heiligen Geistes machte der Apostel Petrus seinen Zuhörern klar, daß Jesus eine weit höhere Stellung innehabe als sein irdischer Vorfahr David, indem er sagte: „Diesen Jesus hat Gott auferstehen lassen ... er [ist] nun zur Rechten Gottes erhöht worden ... Tatsächlich ist David nicht in die Himmel aufgestiegen, sondern er sagt selbst: ‚Jehova sprach zu meinem Herrn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde als Schemel deiner Füße hinlege.“‘“ (Apg. 2:32-35) Diese Worte ließen deutlich erkennen, daß Jesus nicht wie David nur auf einem irdischen Thron sitzen würde, sondern etwas weit Erhabeneres empfangen würde: ein himmlisches Königtum, das die Herrschaft über die ganze Erde einschließen würde.
David selbst erklärte unter Inspiration, daß die Stellung, die Gottes Sohn später einmal einnehmen sollte, mehr einschließt, als er ihm überlassen konnte, indem er ihn prophetisch seinen „Herrn“ nannte. (Ps. 110:1) Über das Königtum, das dieser Herrscher erben sollte, sagte Daniel (7:13, 14) prophetisch: „Ich schaute in Gesichten der Nacht: Und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschen Sohn; und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor denselben gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird.“
Nachdem Jesus seinen irdischen Dienst treu vollendet hatte, weckte ihn Gott von den Toten auf und setzte ihn „in den himmlischen Örtern zu seiner Rechten ..., hoch über jede Regierung und Gewalt und Macht und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht nur in diesem System der Dinge, sondern auch in dem künftigen“. (Eph. 1:20, 21) Damals, im Jahre 33 n. Chr., erfüllten sich die Worte nach Psalm 110:1: „Jehova sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde lege zum Schemel deiner Füße!“ Fast neunzehnhundert Jahre später, am Ende der „bestimmten Zeiten der Nationen“ oder im Jahre 1914, erließ Jehova den im folgenden Vers niedergeschriebenen Befehl, indem er zu seinem Sohn und König sagte: „Herrsche inmitten deiner Feinde!“ Somit überragt die Stellung, die Jesus einnimmt, alles, was David jemals besaß.
DER BUND FÜR EIN HIMMLISCHES KÖNIGTUM
Schließt die Stellung, die Jesus als Herrscher innehat, noch etwas anderes ein? Jawohl. Wie wir im gleichen Psalm, nur zwei Verse nach den obenerwähnten Worten, lesen, sagte David unter Inspiration weiter: „Geschworen hat Jehova, und es wird ihn nicht gereuen: ‚Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!‘“ (Ps. 110:4) Mit diesen Worten, die erst in den Tagen Davids niedergeschrieben wurden, hatte Gott das Kommen des Messias also noch durch einen weiteren Bund verheißen, den er sogar durch einen Eid bestätigt hatte. Demnach sollte Jesus nicht nur ein Königtum empfangen, das weit über dem Königtum Davids stand, sondern sollte König und zugleich auch Priester sein, etwas, was unter dem mit David geschlossenen Bund nicht möglich gewesen wäre, weil das Gesetz, das Gott den Israeliten gegeben hatte, das Königtum und das Priestertum streng voneinander getrennt hatte. Da das Amt, das Melchisedek bekleidete, diesen besonderen Charakter hatte, konnte es nicht an einen seiner Nachkommen weitergegeben werden. Es konnte in Gottes Ordnung von niemandem mehr ausgeübt werden, bis Gottes Zeit gekommen war, Jesus zu einem himmlischen König und Priester zu machen. Aus diesem Grund wird es in der Bibel nicht weiter erwähnt. Erst Paulus kam in seinem Brief, den er im Jahre 61 an die hebräischen Christen schrieb, wieder darauf zu sprechen.
„Wieso“, mag aber jemand einwenden, „kann gesagt werden, der Bund für ein königliches Priestertum gebe Jesus das Recht auf ein himmlisches König- und Priestertum, da doch Melchisedek auch nur ein Mensch war wie David?“ Jesus ist nicht der Erbe Melchisedeks. Gewisse Umstände bei Melchisedek scheinen jedoch von Gott genau angeordnet worden zu sein, damit ein prophetisches Bild geschaffen wurde. Sie zeigten, daß das Amt Melchisedeks nicht von einer menschlichen Verbindung abhing. Paulus weist in seinem Brief an die Hebräer (7:3) auf diese Umstände hin. Er schreibt: „Da er ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister ist und weder einen Anfang der Tage noch ein Ende des Lebens hat [da nichts von all dem aufgezeichnet wurde], sondern dem Sohn Gottes gleich gemacht ist, bleibt er immerdar ein Priester.“ Auch Jesus ist nicht zufolge einer menschlichen Verbindung, nicht zufolge seiner Abstammung, zu Gottes Hohempriester gemacht worden. Während Jesus als Mensch auf der Erde war, hätte er niemals ein jüdischer Priester werden können, weil der Gesetzesbund bis zu seinem Tod noch in Kraft war und dieser Bund das jüdische Priestertum auf die Glieder des Hauses Aarons aus dem Stamme Levi beschränkte. Jesus wurde ein Priester nach dem Geiste.
Der Apostel Paulus erkannte auch, daß Jesus, der eines Opfertodes gestorben war, auferstehen und zur Rechten Gottes im Himmel erhöht werden mußte, um für dieses himmlische Amt vollkommen gemacht zu werden. Darum wandte er auch den prophetischen Ausspruch Davids über Melchisedek auf Jesus Christus an, der sich nicht selbst in sein Amt eingesetzt und sich auch nicht selbst zu verherrlichen gesucht hatte. Er schrieb: „So hat sich der Christus ebenfalls nicht selbst dadurch verherrlicht, daß er ein Hoherpriester wurde, sondern ist von dem verherrlicht worden, der mit Bezug auf ihn sprach: ‚Du bist mein Sohn, ich, ich bin heute dein Vater geworden.‘“ — Hebr. 5:5, 6.
Nachdem Jesus seine Treue bewiesen hatte, wurde offenbar, daß er durch seinen Tod und seine Auferstehung zu himmlischem Leben des Amtes eines Priesters und Königs würdig war. Sein Priestertum sollte aber weit höher sein als das der levitischen Priester und sein Königtum weit erhabener als das der jüdischen Könige. Die mit diesem himmlischen Amt verbundenen Aufgaben Jesu sind in dem Bund für ein königliches Priestertum niedergelegt. — Hebr. 7:4-17.
Wie die Bibel zeigt, werden mit Christus im Himmel 144 000 Mitregenten verbunden sein, die aus der Menschheit herausgenommen werden. Zu seinen Aposteln — den ersten Gliedern dieser Gruppe, die diese Berufung nach oben empfangen soll — sagte Jesus am Abend vor seinem Tode: „Ich mache einen Bund mit euch, gleichwie mein Vater einen Bund mit mir gemacht hat, für ein Königreich.“ (Luk. 22:29, 30) Diese 144 000 Erben des Königreiches sind keine Nachkommen des Königs David und somit keine natürlichen Erben seines Thrones. Sie werden nicht in den Königreichsbund aufgenommen, der mit David geschlossen wurde. So wie David aber über die zwölf Stämme der natürlichen Israeliten herrschte, werden auch sie mit Christus über die herrschen, die durch die „zwölf Stämme Israels“ dargestellt wurden: die ganze Menschenwelt, die während ihrer Tausendjahrherrschaft die Erde bevölkern wird.
Diese Miterben Christi werden nicht aufgrund eines natürlichen Erbes Könige und Priester, sondern weil Gott sie auserwählt und sie salbt. Sie werden, wie der Apostel Petrus sagt, „eine königliche Priesterschaft“. (1. Petr. 2:9) Sie werden gemäß dem Bund für das königliche Priestertum mit Christus zu Herrschern und Priestern gemacht. Wir lesen über sie: „Sie werden Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige die tausend Jahre mit ihm herrschen.“ — Offb. 20:6.
Und der mit David geschlossene Bund für das irdische Königreich? Besteht er nicht mehr? Doch! Christus wird, wie der Engel Gabriel vorhersagte, „für immer als König über das Haus Jakobs herrschen, und sein Königreich wird kein Ende haben“. Er übt aber seine Macht vom Himmel her aus und ist von Gott aufgrund der Vorkehrungen des Bundes für das königliche Priestertum zum Priester und Herrscher ernannt worden. Für wie lange? Er ist „Priester für immer nach der Weise Melchisedeks“. Somit wirken der mit David geschlossene Königreichsbund und der Bund für das himmlische königliche Priestertum zusammen, um zum Nutzen der Menschheit ein neues System der Dinge herbeizuführen, das alles bisher Dagewesene weit übertreffen wird.
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Fragen von LesernDer Wachtturm 1964 | 15. Oktober
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Fragen von Lesern
● Warum erscheint in der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift (englisch) in Jesaja 14:23 der Ausdruck „Stachelschwein“ statt „Rohrdommel“ oder die Bezeichnung für einen anderen Vogel? — M. S., USA.
Über die Bedeutung des in Jesaja 14:23 erscheinenden hebräischen Wortes kippôd herrschen die verschiedensten Ansichten. Man ist sich darin nicht einig, ob es ein Vogel, wie die Rohrdommel, oder ein Landtier ist, wie der Igel, ein stachelschweinähnliches Tier, oder das Stachelschwein selbst. In der Prophezeiung nach Jesaja 14:23 ist die Rede von der endgültigen Verwüstung, die Gott über Babylon bringen würde. Nach der Elberfelder Bibel lautet diese Prophezeiung: „Ich werde es zum Besitztum der Igel machen und zu Wassersümpfen; und ich werde es ausfegen mit dem Besen der Vertilgung, spricht Jehova der Heerscharen.“ Statt „Igel“ verwendet die Neue-Welt-Übersetzung hier den Ausdruck „Stachelschwein“. E. Kautzsch (und auch die King James Version) sagt „Rohrdommel“. Die Rohrdommel ist ein in Sumpfgebieten lebender, zu den Reihern gehörender Stelzvogel mit langem Hals. Nach der Aschaffenburger Bibel lautet dieser Text: „Ich will es machen zum Besitztum von Eulen.“ Die meisten anderen deutschen Bibelübersetzungen geben das umstrittene Wort mit „Igel“ wieder.
Viele Bibellexika und Bibelkommentare geben keine eindeutige Erklärung des Wortes kippôd. E. Kautzsch sagt zum Beispiel in einer Fußnote zu Jesaja 14:23: „Das hebr. Wort kippôd wird gewöhnlich mit Igel übersetzt, doch halten sich Igel nicht gerade in Ruinen und sumpfigen Gegenden auf. Unter Vergleichung von 34, 11 und Ze 2, 13 ff. ist ein Sumpfvogel zu vermuten, vielleicht die Rohrdommel.“ Harper’s Bible Dictionary sagt: „Vielleicht ein Stachelschwein oder eine Art Eidechse, man kann es aber nicht mit Sicherheit sagen.“ In Dr. William Smiths Dictionary of the Bible (Ausgabe 1888) lesen wir: „Das hebräische Wort wird ganz verschieden übersetzt. Die alten Versionen sind im allgemeinen für ‚Igel‘ oder ‚Stachelschwein‘ ... die ‚Schildkröte‘, der ‚Biber‘, die ‚Otter‘ und die ‚Eule‘ sind ebenfalls vermutet worden, aber ohne die geringste Begründung.“ Die älteren Übersetzungen, wie die Vulgata und die Septuaginta, verwenden den Ausdruck „Igel“ oder „Stachelschwein“. Die von Charles Thomson und von C. A. Muses revidierte Septuagint Bible gibt Jesaja 14:23 folgendermaßen wieder: „Ich werde Babylon zur Wüste machen: Stachelschweine werden es bewohnen; und es wird eine Öde sein.“
Die meisten neueren hebräisch-englischen Wörterbücher erklären das hebräische Wort kippôd mit „Igel“ oder „Stachelschwein“. Auch die deutschen Bibellexika von Herbert Haag, Fritz Rienecker (Verlag Brockhaus) und Paul Zeller erklären es so. Gesenius verbindet dieses hebräische Wort mit dem arabischen kunfudh, „Stachelschwein“, und betrachtet die beiden Wörter als gleichbedeutend.
Die Erklärer, die an dieser Stelle (Jes. 14:23) „Rohrdommel“ vorgezogen haben, führen dafür folgende Gründe an: 1. Stachelschweine lebten nicht in Wassersümpfen; 2. das fragliche Tier müsse nach Zephanja 2:14 auf Säulenköpfe klettern können und 3. müsse es nach diesem Text auch ein Vogel sein, der singen könne.
Diese Begründungen sind jedoch nicht stichhaltig. Es gilt zu beachten, daß Jehova nach Jesaja 14:23 nicht sagt, die Wassersümpfe würden zur Behausung der Igel oder Stachelschweine werden, sondern daß er sagte: „Ich werde es zum Besitztum der Igel [Stachelschweine, NW] machen und zu [nicht: in] Wassersümpfen.“ Die Ausdrücke „Igel“ oder „Stachelschweine“ und „Wassersümpfe“ sollen besonders auf Verwüstung hinweisen. Die Prophezeiung Zephanjas (2:13, 14) lautet nach der King James Version: „Er wird seine Hand gegen Norden ausstrecken und Assyrien vernichten; und er wird Ninive zur Einöde machen, dürr wie eine Wüste. Und Herden werden sich in seiner Mitte lagern, alle Tiere der Nationen: der Kormoran und die Rohrdommel werden auf seinen Säulenknäufen wohnen; ihre Stimme wird in den Fenstern singen; auf der Schwelle wird Verwüstung sein.“
Es ist aber nicht nötig, daß das kippôd auf die Knäufe stehender Säulen klettern können muß, denn die angeführten Worte sind eher eine Anspielung auf die zertrümmerten Säulen der Paläste Ninives als auf stehende Säulen. Die Neue-Welt-Übersetzung gibt Zephanjas Prophezeiung wie folgt wieder: „Er wird Ninive zur Wüste machen, zu wasserlosem Land wie die Steppe. Und mitten darin werden sich
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