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Wie ‘weise Zurechtweiser’ Irrenden helfenDer Wachtturm 1977 | 1. März
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verkehrte Handlung ‘offen dargelegt’, so geschieht dies nicht lediglich, um ihn bloßzustellen, sondern um ihn als Bruder zu „gewinnen“ und ihn davor zu bewahren, daß er aus der Versammlung ausgeschlossen wird, weil er sich immer tiefer in die Sünde verstrickt (Matth. 18:15, 16).
VON UNSEREM EIGENEN HERZEN ODER MIT HILFE ANDERER ZURECHTGEWIESEN
16, 17. Welche Faktoren sollte man bei der Frage im Sinn behalten, ob jemand, der bereits von der Sünde abgelassen hat, zurechtgewiesen werden muß?
16 Was aber, wenn ein Christ seine Sünde ein oder mehrmals begeht, sein Gewissen ihn veranlaßt zu bereuen und er von dieser Sünde läßt oder sie aufgibt? Muß er immer noch zurechtgewiesen werden?
17 Hier sollten wir an die Bedeutung des Wortes „zurechtweisen“ (eléncho) denken. Wir haben gesehen, daß es zum Beispiel bedeuten kann, daß man jemand beschuldigen oder vielleicht befragen oder ins Kreuzverhör nehmen muß, um seinen Fehler nachzuweisen oder seine falsche Ansicht über eine Handlung, die er zugegeben hat, zu widerlegen und ihn dadurch in seinem Sinn und seinem Herzen zu überführen. All das geschieht in der Absicht, ihn zur Reue zu bewegen, damit er nicht nur seine verkehrte Handlungsweise aufgibt, sondern sie auch nicht wieder pflegt.
18. Kann jemand von seinem Herzen zurechtgewiesen werden, und wenn ja, auf welche Weise?
18 Hat jedoch ein Übeltäter, der seine Sünde bereut und sie aufgibt, sich eigentlich nicht schon selbst zurechtgewiesen? Ja, denn sein Gewissen hat ihn angeklagt, und Gottes Wort und Gottes Geist haben ihn überführt, und sein Herz hat ihn veranlaßt, zu bereuen und sich von seiner Sünde abzuwenden oder sie aufzugeben. Er hat es nicht nötig, daß jemand anders ‘seinen Fehler offen darlegt’, damit er ihn einsieht und damit er seine verkehrte Handlungsweise korrigiert. (Vergleiche Psalm 16:7; Jeremia 2:19.)
19. Inwiefern ist das, was Petrus tat, ein Beispiel dafür?
19 Das traf offensichtlich auf den Apostel Petrus zu. Jesus hatte Petrus warnend darauf hingewiesen, daß er seinen Herrn dreimal verleugnen werde. Als die schwierige Lage eintrat und man Jesus verhaftete und zum Verhör abführte, wurde Petrus schwach und verleugnete Jesus tatsächlich dreimal. Doch es bedurfte nur eines Blickes Jesu, und das Herz des Petrus wurde berührt. Er ging hinaus, weinte bitterlich und bereute seine Tat. Sein Herz und die Erinnerung an Jesu Worte hatten ihn zurechtgewiesen. Petrus bewies von da an durch sein Verhalten, daß er entschlossen war, nicht wieder einen ähnlichen Fehler zu begehen. Einige Wochen später hielt Jesus es für angemessen, Petrus als einen der „Grundsteine“ der Christenversammlung zu gebrauchen (Luk. 22:54-62).
20, 21. (a) Welche Hilfe kann jemand vernünftigerweise selbst dann in Anspruch nehmen, wenn er entschlossen ist, seine Sünde nicht zu wiederholen? (b) Warum mußte David eine Zurechtweisung erteilt werden, und wie ging Nathan dabei vor?
20 Das heißt nicht, daß eine solche Person keine Hilfe mehr nötig hätte. Sie mag zwar entschlossen sein, die Sünde nicht zu wiederholen, dennoch aber den Beistand anderer benötigen, die sie in diesem Entschluß bestärken. Jehova Gott hat für Brüder gesorgt, die uns in dieser Hinsicht helfen können (Spr. 17:17; Luk. 22:31, 32; Gal. 6:2).
21 Bei König David verhielt es sich einmal anders als bei Petrus. Er mußte von jemandem zurechtgewiesen werden, nachdem er sich besonders schwerwiegender Vergehen schuldig gemacht und anderen damit großen Schaden zugefügt hatte. Er war sich indes der Verkehrtheit seiner Handlungsweise nicht voll bewußt und versuchte sogar, seine Sünde zu vertuschen. Gott sandte deshalb den Propheten Nathan, um David zurechtzuweisen. Nathan tat dies, indem er in einem packenden, lebendigen Gleichnis eine Situation schilderte, die derjenigen Davids glich. David war über die Selbstsucht des beschriebenen Mannes erbost und verurteilte seine grausame, unbarmherzige Haltung. Er war entsetzt, als Nathan zu ihm sagte: „Du selbst bist der Mann!“ Doch als David seine Handlungen im richtigen Lichte sah und deutlich erkannte, wie niederträchtig sie waren, bereute er. Hätte er das nicht getan, so hätte er nach seinen eigenen Worten den Tod verdient (2. Sam. 12:1-13).
22. In welchen Worten drückte David seine gute Einstellung zu einer Zurechtweisung aus, und wie zeigte er, von welch großem Nutzen Reue ist?
22 In einem seiner Psalmen drückte David die richtige Einstellung zu einer Zurechtweisung mit den Worten aus: „Sollte der Gerechte mich schlagen, es wäre liebende Güte, und sollte er mich zurechtweisen, es wäre Öl auf das Haupt, das mein Haupt nicht zurückweisen möchte“ (Ps. 141:5). Außerdem beschrieb David in Psalm 32:1-6 die Qualen, die er selbst litt, als er es versäumt hatte, Jehova um Vergebung seiner Sünden zu bitten, sowie die große Erleichterung, die ihm widerfuhr, nachdem er seine Sünden bereut und sie Gott bekannt hatte.
23. Woran werden ‘weise Zurechtweiser’ denken, und inwiefern geht das aus den Schrifttexten hervor, die in diesem Absatz erwähnt werden?
23 Um ‘weise Zurechtweiser’ zu sein, sollten Hirten der Versammlung auch daran denken, daß es bei Zurechtweisungen verschiedene Grade geben kann, wie es auch bei Vergehen verschiedene Schweregrade gibt. (Vergleiche Galater 6:1; 2. Timotheus 2:24-26 mit Titus 1:13.) Selbst Personen, die einen guten Ruf als Diener Gottes genießen, müssen vielleicht mitunter wegen einer falschen Ansicht, wegen einer verkehrten Äußerung oder Handlung zurechtgewiesen werden.
24, 25. Kann es vorkommen, daß auch treue Diener Gottes zurechtgewiesen werden müssen, und zu welch guten Ergebnissen wird eine solche Zurechtweisung führen?
24 Das war bei Petrus zu einer späteren Zeit der Fall. In Galater 2:11-14 wird davon berichtet, daß er nach Antiochia in Syrien ging und mit unbeschnittenen nichtjüdischen Christen Freundschaft pflegte und mit ihnen aß. Als aber gewisse Männer von der Versammlung in Jerusalem (Männer, die offensichtlich noch der Ansicht waren, die Juden sollten sich getrennt halten) nach Antiochia kamen, hörte Petrus auf, mit nichtjüdischen Christen Gemeinschaft zu pflegen. Als der Apostel Paulus diese verkehrte Handlungsweise und ihre schlechten Auswirkungen auf andere jüdische Gläubige beobachtete, fühlte er sich verpflichtet, Petrus zurechtzuweisen. Mit vernünftigen Argumenten zeigte er Petrus die Verkehrtheit seiner Handlung, und zwar öffentlich, so daß es die anderen hören konnten. Petrus nahm zweifellos diese Zurechtweisung an, und er sprach später mit herzlichen Worten von Paulus (2. Petr. 3:15, 16).
25 Ja, es verhält sich so, wie wir in Sprüche 9:8, 9 lesen: „Erteile einem Weisen eine Zurechtweisung, und er wird dich lieben. Gib einem Weisen, und er wird noch weiser werden.“ „Man sollte den Verständigen zurechtweisen, damit er Erkenntnis verstehe“, wie das bei Petrus der Fall war. Mögen unsere Ohren daher stets für die vernünftigen „Zurechtweisungen der Zucht“ offen sein, die für alle, die Gott und seine Gerechtigkeit lieben, der „Weg des Lebens“ sind (Spr. 19:25; 6:23; 25:12).
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Personen, die Sünde treiben, zurechtweisenDer Wachtturm 1977 | 1. März
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Personen, die Sünde treiben, zurechtweisen
„Weise Personen, die Sünde treiben, vor den Augen aller zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben“ (1. Tim. 5:20).
1, 2. Welche Anweisungen erteilte Paulus dem Timotheus, während sich dieser in Ephesus aufhielt, und welche Fragen ergeben sich daraus?
ALS der Apostel Paulus seinem Mitarbeiter Timotheus Rat darüber erteilte, wie er Probleme in Ephesus behandeln sollte, wo einige zu sinnlosem Gerede Anlaß gaben und widersprechende Lehren vertraten, sagte er unter anderem: „Weise Personen, die Sünde treiben, vor den Augen aller zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben (1. Tim. 5:20; 1:3-7; 6:3-5).
2 Was verstand der Apostel Paulus unter „Sünde treiben“? Wäre jemand, der eine Sünde mehr als einmal begangen hat, automatisch eine Person, die ‘Sünde treibt’?
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