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‘Der Geist kehrt zu Gott zurück’Erwachet! 1972 | 22. November
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„Dein Wort ist Wahrheit“
‘Der Geist kehrt zu Gott zurück’
ÜBER den Tod des Menschen heißt es in Prediger 12:7: „Dann kehrt der Staub zur Erde zurück, so, wie er gewesen ist, und der Geist selbst kehrt zu dem wahren Gott zurück, der ihn gegeben hat.“ Was ist mit diesem Geist gemeint? Hat er eine Persönlichkeit? Wie kehrt er zu Gott zurück?
Da der Tod des Menschen mit der Rückkehr des Geistes (hebräisch: rúach) zu Gott in Verbindung gebracht wird, hängt das Leben des Menschen offensichtlich vom Geist ab. Andere Stellen in der Heiligen Schrift bestätigen dies. Psalm 104:29 sagt: „Wenn du [Jehova] dein Angesicht verbirgst, geraten sie in Bestürzung. Wenn du ihren Geist wegnimmst, verscheiden sie, und zu ihrem Staub kehren, sie zurück.“ Und der Jünger Jakobus schrieb: „Der Leib ohne Geist [ist] tot.“ (Jak. 2:26) Der Geist ist daher das, was den Körper belebt, nämlich die unsichtbare Lebenskraft.
Doch beachte folgendes: Der Geist oder die Lebenskraft ist nicht nur im Menschen, sondern auch in den Tieren wirksam. Mit Bezug auf die Vernichtung menschlichen und tierischen Lebens in der weltweiten Flut der Tage Noahs wird in 1. Mose 7:22 berichtet: „Alles, in dessen Nase der Odem der Lebenskraft [im Hebräischen steht für „Kraft“ rúach, Geist] wirksam war, starb, nämlich alles, was auf dem trockenen Boden war.“ Prediger 3:19 hebt die gleiche Wahrheit hervor: „Es gibt eine Zufälligkeit hinsichtlich der Menschensöhne und eine Zufälligkeit hinsichtlich des Tieres, und dieselbe Zufälligkeit trifft sie. Wie der eine stirbt, so stirbt der andere; und sie alle haben nur einen Geist, so daß es keine Überlegenheit des Menschen gegenüber dem Tier gibt.“ Gottes Wort zeigt also, daß der Mensch den Tieren nicht überlegen ist, was den Geist oder die Lebenskraft betrifft. Beide haben den gleichen unsichtbaren Geist gemeinsam. Daher könnte der Geist keine Persönlichkeit haben, sondern muß eine unpersönliche Kraft sein.
Den unsichtbaren Geist oder die Lebenskraft, die im Menschen und im Tier wirksam ist, könnte man mit der Elektrizität, die ebenfalls eine unsichtbare Kraft ist, vergleichen. Mit Hilfe der Elektrizität kann man Maschinen und Geräte verschiedener Art betreiben. Sie macht es möglich, daß in Ofen Hitze und in Ventilatoren Wind erzeugt wird, in Computern Aufgaben gelöst und in Fernsehgeräten Gestalten, Stimmen und sonstige Töne reproduziert werden. Die gleiche unsichtbare Kraft, die in einem Gerät Töne erzeugt, kann in einem anderen Hitze erzeugen. Der elektrische Strom nimmt jedoch nie die charakteristischen Merkmale der Maschinen oder Geräte an, in denen er arbeitet oder wirksam ist.
Ebenso unterscheidet sich der Geist oder die Lebenskraft, die es dem Menschen ermöglicht, seine Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten, in keiner Weise von dem Geist, der es Tieren ermöglicht, ihre Lebensfunktionen aufrechtzuerhalten. Wenn der Geist den menschlichen Körper beim Tode verläßt, behält er keines der besonderen Merkmale der Zellen. Im Falle der Hirnzellen zum Beispiel behält der Geist nicht die dort aufgespeicherten Informationen und setzt dann nicht die Denkvorgänge außerhalb dieser Zellen fort. Die Bibel sagt uns: „Sein Geist geht aus, er kehrt zurück zu seinem Erdboden; an jenem Tag vergehen seine Gedanken tatsächlich.“ (Ps. 146:4) „Wenn er [der Allmächtige] sein Herz auf irgendeinen richtet, wenn er dessen Geist und Odem zu sich sammelt, wird alles Fleisch zusammen verscheiden, und der Erdenmensch, er wird direkt zum Staube zurückkehren.“ — Hiob 34:14, 15.
Daß der Geist oder die Lebenskraft unpersönlich ist, wird im Falle der Personen deutlich, die von den Toten auferweckt wurden. Nirgendwo lesen wir, daß sie sich an ein bewußtes Dasein während ihres Todes erinnert hätten. Lazarus, der vier Tage lang tot war, sagte nichts von einem bewußten Dasein. Bestimmt hätte er, wenn er auch nur etwas Ähnliches wie ein bewußtes Dasein erlebt hätte, darüber gesprochen, weil es für andere von großem Interesse gewesen wäre und Aufschluß über sonst unbekannte Dinge gegeben hatte.
Man sollte nicht übersehen, daß eine Person, die jetzt tot ist, nie zuvor im Himmel bei Gott war, so daß es nicht die Persönlichkeit (ohne den Körper) sein kann, die ‘zu Gott zurückkehrt’. Nur Jesus Christus hatte ein vormenschliches Dasein im Himmel. Bei einer Gelegenheit sagte er: „Überdies ist kein Mensch in den Himmel hinaufgestiegen, außer dem, der vom Himmel herabkam, der Sohn des Menschen.“ (Joh. 3:13) Jesus hätte diese Erklärung nicht abgeben können, wenn der Geist derer, die vor seinem Kommen gestorben waren, ihre Persönlichkeit im Himmel hätte fortbestehen lassen. Somit bezeugte sogar der Sohn Gottes, daß der Geist eine unpersönliche Lebenskraft ist.
Aber kehrt der unpersönliche Geist oder die Lebenskraft in Gottes unmittelbare Gegenwart im Himmel zurück? Nein. Denn wir Menschen haben diese Lebenskraft nicht unmittelbar von Gott erhalten. Unsere Eltern haben sie bei der Empfängnis an uns weitergegeben. Da der Geist oder die Lebenskraft nicht unmittelbar aus der Gegenwart Gottes gekommen ist, könnte sie nicht an einen Ort ‘zurückkehren’, wo sie vorher nicht gewesen ist.
Außerdem verlangt das Wort „zurückkehren“, so, wie es in der Bibel gebraucht wird, nicht eine tatsächliche Bewegung von einer Stelle zu einer anderen. Zum Beispiel heißt es in 2. Chronika 30:6: „Ihr Söhne Israels, kehrt um [kehret zurück, Al] zu Jehova, dem Gott Abrahams, Isaaks und Israels, damit er zu den Entronnenen umkehre.“ Daß Israel zu Jehova ‘umkehren’ oder ‘zurückkehren’ sollte, bedeutete, daß es sich von einem verkehrten Lauf abwenden und sich wieder nach dem Weg Gottes richten sollte. Und daß Jehova zu Israel ‘umkehren’ würde, bedeutete, daß er seine Aufmerksamkeit seinem Volk wieder in Gunst zuwenden würde. In beiden Fällen bezog sich das Umkehren oder Zurückkehren auf eine Einstellung, nicht auf eine buchstäbliche Bewegung von einem Ort zu einem anderen.
Als neuzeitliche Veranschaulichung könnte man die Übertragung von Eigentum von einem Geschäftsunternehmen anführen. Zum Beispiel könnte in einem bestimmten Land die Verfügungsgewalt über die Eisenbahnen von einem Privatunternehmen auf die Regierung übergehen. Wenn eine solche Übertragung vorgenommen wird, bleiben die Anlagen der Eisenbahn, wo sie sind, doch die Befugnis geht in andere Hände über.
Ähnlich ist es im Falle des Geistes oder der Lebenskraft: Sie bewegt sich nicht wirklich von der Erde weg in den himmlischen Bereich. Aber es liegt nun in Gottes Hand, dem Toten wieder das Dasein als vernunftbegabtes Geschöpf, dessen er sich früher erfreute, zu verleihen. Das, was nötig ist, um der Person Leben zu verleihen, nämlich der Geist oder die Lebenskraft, befindet sich in Gottes Händen. Es ist zu ihm zurückgekehrt, denn der Verstorbene besitzt es nicht mehr. Gott entscheidet, ob dem Betreffenden der Geist durch eine Auferstehung wiedergegeben wird.
Die Tatsache, daß im Falle jemandes, dessen Geist zu Gott ‘zurückkehrt’, die Aussicht auf künftiges Leben allein vom Schöpfer abhängt, erklärt auch die Worte in Psalm 31:5: „Deiner Hand vertraue ich meinen Geist an.“ Jemand, der sich so äußert, ruft Gott an, diesen Geist oder diese Lebenskraft zu behüten oder sich darum zu kümmern, während er im Tode schlafen würde. (Hiob 14:13-15) Er setzt seine Hoffnung auf Gott und erwartet, daß er ihm in der Zukunft diese Lebenskraft durch eine Auferstehung zurückgibt.
Es ist somit zu sehen, daß das Zeugnis der Bibel über den Zustand und die Hoffnung der Toten harmonisch ist. ‘Die Toten sind sich nicht des geringsten bewußt, auch haben sie keinen Lohn mehr, denn die Erinnerung an sie ist vergessen.’ (Pred. 9:5) Die Tatsache, daß der ‘Geist zu Gott zurückkehrt’, weist jedoch auf den einen Quell und Geber des Lebens hin, der das Leben auch wiederherstellen kann. Wenn jemand so gelebt hat, daß er nicht von Gott verworfen wird, dann wird er die Lebenskraft durch Christus zurückbekommen; er wird von den Toten auferweckt werden.
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Wir beobachten die WeltErwachet! 1972 | 22. November
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Wir beobachten die Welt
Mit der Selbstzerstörung schon begonnen
◆ In einem Interview mit dem Wiener Kurier beschrieb der Verhaltensforscher Professor Otto Koenig die heutige Situation: „Wir leben derzeit im dritten Weltkrieg, und er ist satanischer als alle vorhergehenden.“ Auf die gestellte Frage, in welcher Weise diese Feststellung zu verstehen sei, antwortete der Wissenschaftler gemäß dem Bericht der Zeitung wie folgt: „In vielfältiger. Nur ein Beispiel: Im Krieg können Sie Ihren Gegner, wenn nicht sehen, so doch zumindest an seiner Wirkung unmittelbar erkennen. Bei den meisten Industriegiften merken Sie gar nichts. In Wien blasen die Autos derzeit mit den Abgasen täglich 500 Kilogramm Blei in die Luft. Wenn Sie publizieren, daß täglich 500 Kilogramm Blei in Form von Schrot verschossen werden, läßt keine Mutter ihr Kind auf die Straße, zieht sich in den Keller zurück und sperrt zu. Das viel gefährlichere Abgasblei stört offenbar niemanden: Man sieht, schmeckt, riecht es nicht. Das nenne ich satanisch.“ Auf die Frage, woran man die Vergiftung durch Blei merke, antwortete er weiter: „Blei ist ein Nerven-, Blutgefäß-, und Drüsenzellgift. Es ist ein Knochensucher, wird also im Skelett abgelagert. Von Verdauungsstörungen über epilepsieartige Krämpfe bis zu Gehirn- und Rückenmarkstörungen kann sehr viel geschehen. ... Es können auch Fortpflanzungsstörungen eintreten. Kinder speichern solche Gifte oft schon im Mutterleib. Wir kennen diesen Effekt von anderen Wirbeltieren — da auch der Mensch ein Wirbeltier ist, wird auch er genetisch betroffen sein.“ Um das heutige Menschengeschlecht zu retten, müßten seiner Meinung nach folgende Schritte unternommen werden: „Erstens — völliger Stopp der Industrieentwicklung. Zweitens — Säuberung der bestehenden Betriebe. Drittens — Verbot des Baues der die Menschheit gefährdenden Kernkraftwerke und Einschränkung des Energieverbrauches.“
Verringert sich der Einfluß der Kirche?
◆ Der Essener Bischof Dr. Franz Hengsbach sieht in Reformvorstellungen Zeichen dafür, daß sich der Einfluß der Kirche im öffentlichen Leben verringert. In einem Festgottesdienst warnte er vor Reformvorstellungen maßgeblicher Politiker hinsichtlich des Schul- und Bildungswesens, des Religionsunterrichts, der Reform des Paragraphen 218 und des „Verständnisses von Freiheit“. Auf dem Gebiet der Bildung habe es immer wieder Versuche gegeben, der Kirche das Recht auf das öffentliche Leben abzusprechen. Die Erfahrungen der deutschen Bevölkerung in dieser Hinsicht seien „bitter genug“. Wörtlich sagte er: „Noch leben genug Menschen, die sich an das alte Schlagwort erinnern, Religion sei Privatsache. Noch wissen wir, woher solche Tendenzen stammen. Allerdings wissen wir auch, wohin sie uns geführt haben.“
Widerstandskämpfe in Uruguay
◆ Bei bewaffneten Auseinandersetzungen haben vom 1. September 1971 bis zum 31. August 1972 in Uruguay 42 Tupamaros und 19 Angehörige der Sicherheitskräfte den Tod gefunden. 26 Stadtguerilleros und 29 Mann der Sicherheitskräfte wurden verletzt.
Verbrecher werden immer gefährlicher
◆ Der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Willi Weyer, gab bekannt, daß allein im ersten Halbjahr 1972 in diesem Bundesland die Verbrecher 2 004mal von ihrer Schußwaffe Gebrauch machten; im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurde dagegen nur 1 626mal bei Straftaten geschossen. Der Minister sieht darin ein bedenkliches Zeichen der zunehmenden Brutalität. Während 1971 kein Polizist erschossen wurde, kamen bei Schießereien in den ersten sechs Monaten dieses Jahres vier Beamte ums Leben; drei weitere wurden mit Autos vorsätzlich angefahren und starben an den dabei erlittenen Verletzungen. Polizisten griffen im ersten Halbjahr dieses Jahres 85mal zur Waffe, allein 60mal bei der Festnahme von Verbrechern. Gezielt geschossen wurde 51mal. Diese Zahlen beziehen sich, wie erwähnt, nur auf Nordrhein-Westfalen.
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