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„Was bedeutet wohl dieser Traum?“Erwachet! 1981 | 22. Juli
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„Was bedeutet wohl dieser Traum?“
Vom „Awake!“-Korrespondenten in Brasilien
„ALS ich mich umschaute, erblickte ich ein häßliches Ungeheuer, das mich einzuholen suchte. Unbewaffnet und nur dürftig bekleidet, wollte ich davonrennen. Doch meine Füße schienen am Boden zu kleben. Ich schaute nochmals zurück und ... Dann sah ich ein Löschfahrzeug mit heulender Sirene die Straße entlangfahren. Ich wachte auf, naßgeschwitzt, und hörte meinen Wecker klingeln.“
Kommt dir dieser Traum bekannt vor? Vielleicht, denn er enthält die Elemente üblicher Träume: ein unangenehmes Erlebnis, ungewöhnliche Bekleidung, rascher Szenenwechsel und die Unfähigkeit zu laufen sowie ein äußerer Reiz (Geräusch im Schlafzimmer), der in den Trauminhalt einbezogen wird. Glücklicherweise wachen wir stets rechtzeitig auf, um zu entkommen.
Aber was bedeutet der Traum? Warum träumen wir? Gibt es prophetische Träume?
Interesse an Träumen nicht neu
Das Interesse an Träumen ist fast so alt wie die Menschheit. Der erste Traum, über den die Bibel berichtet, ist der Traum Abimelechs, den dieser um das Jahr 1900 v. u. Z. hatte (1. Mose 20:3). In der Bibel sind außerdem verschiedene Träume der hebräischen Patriarchen aufgezeichnet. Wie faßten heidnische Völker Träume auf? Wir lesen: „Die Babylonier setzten ein solches Vertrauen in die Träume, daß sie am Abend vor wichtigen Entscheidungen in einem Tempel schliefen in der Hoffnung auf wegweisenden Rat.“ Ähnlich verhielten sich die Griechen und die Römer. Die Ägypter besaßen ausführliche Traumbücher. Im mittelalterlichen Europa (bei den Moslems noch bis vor 60 Jahren) ließ man sich bei wichtigen politischen Entscheidungen von Träumen leiten. Ist die Annahme berechtigt, diese Träume seien göttlichen Ursprungs gewesen und die aufgrund der Träume getroffenen Entscheidungen seien deshalb gut fundiert gewesen? Was ist über die heutige Traumdeutung zu sagen?
Sigmund Freud bezeichnete die Träume als „den königlichen Weg zum Unbewußten“ und versuchte, sie durch unsere verdrängten Wünsche, insbesondere den starken Seximpuls, zu erklären. In den vergangenen Jahrzehnten hat man jedoch in wissenschaftlichen Instituten viel Traumforschung betrieben, und allgemein wird jetzt die Auffassung vertreten, Freuds Interpretation der Träume sei zu vereinfacht.
Schlaf und Traumforschung
Die Forscher benutzen moderne elektronische Geräte zur Registrierung der elektrischen Hirnströme und zur Überprüfung der Tätigkeit bestimmter Gehirnzellen während der Traumphase. Dennoch haben die Traumforscher noch längst nicht alles ergründet. Aber über einiges sind sie sich im allgemeinen einig. So wurde nachgewiesen, daß jeder Mensch träumt, auch solche Personen, die das energisch bestreiten. Bei Säuglingen beträgt die Traumphase bis 70 Prozent der gesamten Schlafstunden, bei Erwachsenen dagegen nur etwa 24 Prozent. Bei Katzen und vielen anderen Säugetieren hat man Gehirntätigkeit während des Schlafens festgestellt, und man glaubt, daß auch sie träumen. Der schlafende Hund träumt sicherlich, wenn er winselt und bellt, während die Pfoten zucken.
Die Untersuchungen in Schlaflabors haben ergeben, daß man den Schlaf in Stadien oder Phasen einteilen kann. Nach dem Einschlafen kommt der Schläfer in das Stadium I — ein leichter Schlaf; dann bewegt er sich durch die Stadien II und III, wobei der Schlaf immer tiefer wird, und erreicht schließlich das tiefste Stadium, IV. Darauf schwingt der Zyklus wieder zurück nach I, worauf schließlich der REM-Schlaf (Rapid Eye Movements = schnelle Augenbewegungen) einsetzt. Wie der Name andeutet, ist dieses Stadium von schnellen Augenbewegungen gekennzeichnet, so, als würden die Augen den raschen Ablauf einer Szene auf einem Bildschirm verfolgen. Obschon die Augen geschlossen sind, kann ein Beobachter diese Bewegungen deutlich sehen. In Europa wird dieses Stadium paradoxer Schlaf genannt, weil, wie die Untersuchungen der Hirnströme gezeigt haben, das Gehirn in dieser Zeit arbeitet wie im Wachzustand. Der REM-Schlaf ist gewöhnlich eine Traumphase.
Die Traumforscher wecken, wenn die REM-Schlaf-Periode zu Ende ist, den Testschläfer auf und bitten ihn, den Traum zu erzählen. Man hat festgestellt, daß es von Stadium I bis zum Schluß der REM-Phase, nach der der Zyklus wieder beginnt, meist etwa 90 Minuten dauert. Ein Autor schrieb: „Der Ablauf des Traumgeschehens ... ist so regelmäßig wie die Bewegungen der Planeten am Firmament.“ Die erste REM-Schlaf-Periode dauert nur etwa fünf bis zehn Minuten, doch im Verlauf der Nacht wird sie immer länger, und die letzte dauert ungefähr fünfzig Minuten. Wir verbringen während eines normalen nächtlichen Schlafes insgesamt 90 bis 120 Minuten im REM-Schlaf, das heißt träumend. Man träumt also ungefähr so lange, wie ein gewöhnlicher Film dauert. Nicht schlecht, die Nacht so zuzubringen, oder?
Leider vergessen wir Träume leicht. Wenn wir uns nach dem Erwachen an einen erinnern, dann höchstens an den letzten. Wir können also niemandem viel über den gesamten nächtlichen Film, den wir sehen, erzählen. Es ist so, wie wir im Buch Hiob lesen: „Wie ein Traum wird er [der Böse und Abtrünnige] entfliegen, und man wird ihn nicht finden“ (Hiob 20:8). Deshalb wecken die Forscher ihre Versuchspersonen auf, sobald deren schnelle Augenbewegungen aufhören.
Warum wir träumen
Die Forscher haben ermittelt, daß die Träume zum Teil auf das zurückgehen, was wir während des Tages gemacht haben, auf unsere Empfindungen und unsere Gedanken. In dem Buch What Your Dreams Mean (Was Ihre Träume bedeuten) schreibt die britische Traumforscherin Ann Faraday: „Die Mehrzahl der Träume spiegelt irgendwie wider, womit wir uns am Vortag oder an den beiden vergangenen Tagen in Gedanken beschäftigt haben.“ Soldaten, die an einer Kriegsneurose leiden, haben allerdings oft noch, Jahre nachdem sie aus dem Krieg zurück sind, böse Träume.
Versuche zeigen interessanterweise, daß „jeder von uns träumen muß, und je jünger wir sind, desto größer ist anscheinend diese Notwendigkeit. ... Die Traumforscher haben durch die Anwendung von Substanzen, die nur den REM-Schlaf verhindern, nachgewiesen, daß Erwachsene zwar lange ohne Traumperioden auskommen können, doch geht bei Personen, denen der REM-Schlaf entzogen wurde, eine gewisse Persönlichkeitsveränderung vor sich. Sie werden immer unruhiger und ängstlicher, und vielfach können sie sich auch nicht mehr richtig konzentrieren.“ Ein anderer Forscher bestätigte ebenfalls, daß Träume in unserem Leben eine wichtige Rolle spielen: „REM-Perioden (also Träume) erfüllen einen oder mehrere Zwecke; und wenn man bedenkt, wie stark der Körper daran beteiligt ist, kann man sicher sein, daß es wichtige sind.“
Deutung der Träume
Wenn man alle mit dem Träumen verbundenen Faktoren berücksichtigt, erkennt man deutlich, warum es unweise ist, den Träumen eine besondere Bedeutung beizumessen. Wieso sollten unsere Träume eine besondere Bedeutung haben, wenn doch sozusagen jedermann Nacht für Nacht träumt? In dem Buch Der Mensch verschläft ein Drittel seines Lebens heißt es: „Die Analyse unzähliger Traumberichte und der Einsatz aller möglichen Labormethoden haben unsere Aussichten, je eine Kurzformel für die Traumdeutung zu finden, keineswegs verbessert.“
Es gibt zwar viele, die bereit sind, dir deine Träume zu deuten, aber die Meinungsverschiedenheiten, die unter diesen Traumdeutern bestehen, zählen zu den stärksten Argumenten gegen den Versuch, Träumen eine bestimmte Bedeutung beimessen zu wollen. Dr. Rosalind Cartwright erklärte: „Wohl das Eindrucksvollste, was wir herausfinden, ist die große Zahl individueller Unterschiede [unter den Traumdeutern].“ Außerdem schrieb sie: „Viele Psychotherapeuten behaupten, deinen Traum richtig deuten zu können, ... aber anscheinend vergessen sie, daß ihre Kollegen den gleichen Traum vielleicht ganz anders deuten würden.“
Nun gibt es aber auch Traumforscher, die, anstatt die Träume anderer zu interpretieren, die Leute dazu anleiten wollen, ihre Träume selbst zu deuten. Da jeder seine eigenen Erlebnisse und Probleme kennt, soll man selbst am besten in der Lage sein, die Bedeutung seiner Träume herauszufinden. Hast du schon einmal versucht, herauszufinden, woran ein surrealistischer Maler dachte, als er ein bestimmtes Bild schuf? Wenn eine ganze Gruppe von Personen ein solches Bild beurteilen müßte, wie viele würden dann zu dem gleichen Schluß kommen? So unterschiedlich sind, wie Dr. Calvin Hall schreibt, die Bedeutungsmöglichkeiten eines Traumes.
Das ist unter anderem damit zu erklären, daß die Traumdeuter der verschiedenen Kulturkreise den Traumsymbolen unterschiedliche Bedeutungen beilegen. Die Griechen glaubten zum Beispiel, wenn ein Träumender eine Schlange sehe, bedeute es Krankheit, während die Ägypter sie als etwas Positives werteten, die Beilegung eines Streites. Somit ist es vernünftig, Träume, die du haben magst, nicht allzu ernst zu nehmen. Indessen kannst du dich daran erfreuen. So schrieb ein Schriftsteller: „Träume sind manchmal so ulkig, daß ich mich oft frage, warum die Leute nicht durch ihr eigenes Gelächter wach werden.“
Hat man jedoch häufig böse Träume, dann wäre es empfehlenswert, anstatt den Versuch zu machen, sie zu deuten, sich zu überlegen, ob vielleicht der Lebenswandel dazu Anlaß gibt. Wie wahr sind doch die Worte der Bibel: „Denn wegen der Menge der Beschäftigung gibt es Träume.“ (Pred. 5:7)!
Träume von Gott
Personen, die meinen, ihre Träume hätten eine besondere Bedeutung, weisen oft auf die in der Bibel aufgezeichneten von Gott inspirierten Träume hin und fragen: „Können nicht auch heute Träume von Gott inspiriert sein?“ In biblischen Zeiten hat Gott seinen Dienern Botschaften durch Träume zukommen lassen. Ein Beispiel ist der bekannte Traum, den Joseph hatte und in dem er gewarnt und aufgefordert wurde, mit Maria, seiner Frau, und Jesus, ihrem Kind, nach Ägypten zu fliehen. Gott sandte auch Personen Träume, die ihm nicht ergeben waren. Ein Beispiel sind die prophetischen Träume, durch die dem ägyptischen Pharao sieben Hungerjahre für sein Land angekündigt wurden (Matth. 2:13; 1. Mose 41:1-7).
Gott sandte diese Träume, um seine Diener zu schützen oder zu leiten oder um zu erreichen, daß sein Wille und Vorsatz ausgeführt wurde. Der Apostel Paulus schrieb jedoch: „Gott, der vor langem bei vielen Gelegenheiten und auf vielerlei Weise [auch durch Träume] durch die Propheten zu unseren Vorvätern geredet hat, hat am Ende dieser Tage durch einen Sohn zu uns geredet“ (Hebr. 1:1, 2). In der Bibel ist aufgezeichnet, was Gott ‘durch seinen Sohn zu uns geredet hat’. Deshalb hat Jehova Gott es nicht mehr nötig, uns durch Träume Botschaften zu übermitteln.
Möchtest du wissen, was dir die Zukunft bringt, oder bist du bemüht, eine Lösung für deine Probleme zu finden? Was dir dabei hilft, ist nicht die Deutung deiner Träume, sondern Gottes Wort, die Bibel.
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Ist der Ladendiebstahl mehr als ein Kavaliersdelikt?Erwachet! 1981 | 22. Juli
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Ist der Ladendiebstahl mehr als ein Kavaliersdelikt?
IN DER Schreibwarenabteilung eines großen Warenhauses steht ein alter Mann mit schneeweißem Haar und gebeugtem Rücken. Nervös greift er nach einem Schreibset und betrachtet ihn von allen Seiten. Dann blickt er ängstlich umher, um sich zu vergewissern, daß er nicht beobachtet wird. Nun senkt er den rechten Arm, und mit einer geschickten Fingerbewegung läßt er die schmale Schachtel im Rockärmel verschwinden. Langsam entfernt er sich vom Ladentisch, während er wie zufällig die Hand in die Rocktasche steckt, wo der Schreibset einen neuen Aufbewahrungsort findet. Bevor der alte Mann jedoch die Ausgangstür erreicht, hält ihn jemand am Arm fest und verschwindet mit ihm im Büro.
Dreiundzwanzig Minuten später schauen sich zwei Mädchen Pullover an, über denen ein großes Schild hängt: SCHÜLERKLEIDUNG. Ein Pullover sticht ihnen offensichtlich
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