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Gibt es nicht genügend Luft zum Atmen?Erwachet! 1971 | 8. Oktober
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Doch darfst du nicht vergessen, daß die meisten luftverunreinigenden Stoffe unsichtbar sind. Man kann sie aber nicht nur nicht sehen, sondern häufig auch nicht riechen. Täusche dich indessen nicht, denn sehr wahrscheinlich sind sie in Form unsichtbarer Gase vorhanden, von denen das eine oder andere Gas hoch giftig ist, wenn es in großen Mengen eingeatmet wird. Und selbst wenn man solche Gase in kleinen Mengen einatmet, es aber regelmäßig tut, ist das bestimmt nicht gesundheitsfördernd.
Einer der unsichtbaren luftverunreinigenden Stoffe ist Kohlenmonoxyd. Dieses Gas ist farblos, geruchlos und geschmacklos, aber hoch giftig. Würdest du in der geschlossenen Garage den Motor deines Autos laufen lassen, dann wurde das Kohlenmonoxyd in deine Lunge und dein Blut gelangen und die Fähigkeit der roten Blutkörperchen, Sauerstoff zu befördern, zerstören. Aus Mangel an Sauerstoff würdest du dann ersticken.
Heute leiden viele Großstadtbewohner an Sauerstoffmangel, hauptsächlich eine Folge des ständig wachsenden Kraftfahrzeugverkehrs. In zehn Städten der Vereinigten Staaten sollen in einem Jahr etwa 23 Millionen Tonnen unsichtbares Kohlenmonoxyd von Kraftfahrzeugen in die Luft entweichen.
Normalerweise enthält die Atmosphäre etwas Schwefel, der vom Meer in die Erdatmosphäre gesprüht wird oder durch Vulkangase dahin gelangt. Aber die Wissenschaftler schätzen, daß jetzt jedes Jahr Kraftfahrzeuge, Kraftwerke und private Heizanlagen etwa 66 Millionen Tonnen Schwefeldioxyd in die Atmosphäre abgeben. Wenn die Luft feucht ist, verwandelt es sich in feine Tröpfchen von schwefliger Säure und zerfrißt Metall, Stein und Marmor, steigert den Säuregehalt der Seen und Flüsse und schädigt die Lunge der Menschen.
Die Zeitschrift Scientific American schreibt, daß sich unter dem Einfluß des Sonnenlichts und der katalytischen Wirkung der Stickoxyde in der Luft Smog bildet, und Kohlenwasserstoffe (normalerweise unschädlich), von Autos und Fabriken ausgestoßen, würden teilweise oxydieren und bildeten dann „Peroxyde“ und „Ozonide“. Ferner wird in dieser Zeitschrift gesagt: „Diese Verbindungen sind die giftigsten luftverunreinigenden Stoffe, die man kennt. Schon wenn in der Luft ein Zehnmillionstel davon vorhanden ist, wirkt sich das schädlich auf die Pflanzen aus.“
Es ist daher nicht verwunderlich, daß sich Bronchitis, Asthma und andere Leiden der Atmungsorgane rapid ausbreiten. In den Vereinigten Staaten ist die Todesziffer für Lungenemphysem schneller gestiegen als für irgendeine andere Krankheit; in der Stadt New York ist sie in den vergangenen zehn Jahren um 500 Prozent gestiegen.
Es muß aber doch möglich sein, der Luftverschmutzung Herr zu werden. Seit Jahrtausenden ist die Luft rein erhalten geblieben. Wer hat dafür gesorgt? Könnte derjenige nicht auch das Problem der Luftverschmutzung lösen?
Aber zum Leben benötigen wir nicht nur Luft, sondern auch Wasser. Wie steht es damit?
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Wasser in Hülle und Fülle — aber ist es denn sauber?Erwachet! 1971 | 8. Oktober
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Wasser in Hülle und Fülle — aber ist es denn sauber?
DIE Oberfläche der Erde ist zu rund 70 Prozent mit Wasser bedeckt. Das könnte den Eindruck erwecken, dieser riesige Wasservorrat sei unerschöpflich, er könne niemals ernsthaft gefährdet werden.
Doch darf man nicht vergessen, daß das Süßwasser von diesem ganzen Wasservorrat nur 3 Prozent ausmacht. Und nutzbares Süßwasser macht weniger als 1 Prozent aus. Das übrige Wasser der Erde befindet sich in Ozeanen oder ist in gefrorener Form, als Eiskappen und Gletscher, vorhanden.
Wie sieht es mit dem lebenswichtigen Süßwasservorrat der Erde aus? Hast du in letzter Zeit Flüsse oder Seen in der Nähe deines Wohnorts näher betrachtet? Vielleicht warst du entsetzt über den Anblick, den sie boten.
Was geschieht mit dem Wasservorrat?
Man schätzt, daß gegenwärtig in den Vereinigten Staaten täglich etwa 600 000 000 000 Liter Industrie- und Haushaltabwässer den Flüssen und Seen zugeführt werden. Über 50 Prozent dieser Abwässer werden nur in mechanischen Kläranlagen behandelt; das bedeutet, daß der größte Teil der Schmutzstoffe im Abwasser verbleibt.
Dr. Jack Gregman vom US-Innenministerium sagte: „Sozusagen jeder Fluß in unserem Land ist bis zu einem gewissen Grad verschmutzt. Einige Flüsse sind so verschmutzt, daß ihre Selbstreinigungskraft nicht mehr ausreicht.“ Im Juli 1969 war das Wasser des Cuyahoga River (Ohio) so stark mit Öl und Trümmerstücken befrachtet, daß er in Brand geriet, wobei zwei Brücken beschädigt wurden!
Die Flüsse in anderen Industriestaaten sind in einem ähnlichen Zustand wie die in Amerika. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schrieb: „Heute besingt kein Dichter mehr den Rhein — heute ist der Strom Europas größter Abwasserkanal. ... Wollte man all diese [Schmutz-]Stoffe per Schiene abtransportieren, würde man Tag für Tag mehr als 3 000 Waggons benötigen.“
Die erstaunliche Selbstreinigungskraft
Der Mensch leitet nicht erst heute seine Abwässer in die Flüsse. Doch bis vor verhältnismäßig wenigen Jahren bildete das kein großes Problem. Fließendes Wasser besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich selbst zu reinigen.
Führt man einem Fluß organische Abfälle zu, werden sie durch die Bewegung des Wassers entweder aufgelöst oder in winzige Partikeln zerkleinert, die durch nachströmendes frisches Wasser verdünnt werden. Dann „verdaut“ der Fluß die verbleibenden Partikeln durch Oxydation oder indem Bakterien im Wasser sie abbauen und ungefährliche, geruchlose Rückstände hinterlassen. Selbst das Wasser eines Baches, der unterhalb einer kleinen Ortschaft stark verschmutzt ist, mag ein paar Kilometer weiter unten ganz sauber sein.
Heute gibt es indessen immer mehr Flüsse, die an „Verdauungsschwierigkeiten“ leiden. Sie werden trüb, von Schaum bedeckt und beginnen zu stinken. Warum? Das Wasser ist zu stark mit Schmutzstoffen beladen, die Selbstreinigungskraft dieser Flüsse ist überfordert.
Das Aussehen kann täuschen
Mit dem Wasser ist es wie mit der Luft: Es mag sauber aussehen, aber dennoch nicht sauber sein. Das Wasser des Flusses oder Sees, neben dem du vielleicht wohnst, mag den Eindruck erwecken, ziemlich sauber zu sein, ja er mag sogar blau erscheinen. Dennoch mag er langsam „sterben“. Wieso?
Die Ursache mag der Vorgang sein, den man „Eutrophierung“ nennt. Das bedeutet „mit Nährstoffen überladen“. Dazu kommt es auf folgende Weise:
Heute wird in der Landwirtschaft tonnenweise Handelsdünger verwendet, der reich an Nitraten ist. Eine beträchtliche Menge davon gelangt schließlich in die Gewässer. Die Hausfrauen verwenden die modernen Waschmittel, die zu einem großen Teil aus Phosphaten bestehen.
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