-
Warum Edom nicht mehr existiertDer Wachtturm 1977 | 15. Oktober
-
-
Warum Edom nicht mehr existiert
WIE angenehm das Leben doch ist, wenn die Glieder einer Familie aufrichtig aneinander interessiert sind! Eine starke natürliche Zuneigung verhindert, daß Eifersucht, Bitterkeit und Haßgefühle aufkommen und den Frieden und die Einheit der Familie zerstören. Wenn jedoch die natürliche Zuneigung nicht mehr vorhanden ist, können ungeahnte Schwierigkeiten entstehen. Das traf in einem Fall zu, bei dem die Zerstörung der Familienbande schließlich zur vollständigen Ausrottung eines ganzen Volkes führte, des Volkes der Edomiter.
Edom ist nur ein anderer Name für Esau, den Zwillingsbruder Jakobs, des Stammvaters der Israeliten. Somit hätte niemand näher verwandt sein können als die Israeliten und die Edomiter. Der Stifter der Familieneinrichtung, Jehova Gott, gebot den Israeliten daher, daß sie ihr Verwandtschaftsverhältnis zu den Edomitern gebührend berücksichtigen sollten. Er wies sie an: „Du sollst einen Edomiter nicht verabscheuen, denn er ist dein Bruder“ (5. Mose 23:7).
Doch die Edomiter, die sich in dem „Land Seïr“ niedergelassen hatten, nahmen, als sie mit dem Volk Israel in Berührung kamen, keine Rücksicht auf dieses brüderliche Verhältnis (1. Mose 32:3-8). Sie behandelten ihr Brudervolk wie einen Feind. Die Amalekiter, ein edomitischer Stamm, griffen die Israeliten grundlos an, nachdem diese unter ihrem Anführer Moses Ägypten verlassen hatten (2. Mose 17:8-16; 1. Mose 36:12).
Ungefähr vierzig Jahre später stieß Moses mit seiner respektvollen Bitte, die Israeliten auf der Königsstraße durch Edom ziehen zu lassen, auf hartnäckige Ablehnung. Zweimal verweigerten die Edomiter die Erlaubnis und drohten, die Israeliten mit Waffengewalt aufzuhalten. Beim zweiten Mal ging sogar eine starke Streitmacht in Stellung, um die Israeliten davon abzuhalten, durch das Land zu ziehen. Das geschah, obgleich die Bitte aufgrund eines brüderlichen Verwandtschaftsverhältnisses geäußert worden war. Die Botschaft, die Moses durch Boten überbringen ließ, begann mit den Worten: „Dies ist, was dein Bruder Israel gesagt hat: ,Dir selbst ist all die Mühsal, die uns betroffen hat, wohlbekannt‘“ (4. Mose 20:14-21).
An der Einstellung der Edomiter zu ihrem Brudervolk änderte sich im Laufe der Jahrhunderte nichts. Während der Herrschaft Sauls, des ersten israelitischen Königs, kam es zum Krieg mit Edom (1. Sam. 14:47, 48). Während der Herrschaft König Davids fielen die Edomiter in Juda ein. Aus dem 60. Psalm und seiner Überschrift geht hervor, daß die Israeliten damals Niederlagen erlitten, während sie im Norden mit den Streitkräften Aram-Naharajims und Aram-Zobas kämpften. Dennoch wurden die Edomiter unterworfen, und David legte in ganz Edom Garnisonen von israelitischen Truppen an (2. Sam. 8:14).
Sooft danach die Macht judäischer Könige schwand, nutzten die Edomiter schnell die Gelegenheit und verbündeten sich sogar mit anderen Völkern im Kampf gegen Israel (2. Chron. 20:1, 2, 10, 11, 22; 28:16-20; Ps. 83:4-8).
Gegen Ende des siebenten Jahrhunderts v. u. Z. machte sich Edoms Haß gegen Israel besonders bemerkbar. Damals eroberten die Babylonier das Königreich Juda. Die Edomiter freuten sich über das Unheil, das über ihr Brudervolk gekommen war; sie nahmen einen Teil der Beute und übergaben sogar judäische Flüchtlinge den Babyloniern (Obad. 1, 12-14). In habgieriger Weise suchten sie ihr Gebiet zu vergrößern, indem sie Land übernahmen, das zuvor unter der Herrschaft der Königreiche Israel und Juda gestanden hatte (Hes. 35:10-12).
Diese unbrüderlichen Taten entgingen nicht der Aufmerksamkeit Jehovas. Durch seine Propheten Obadja, Hesekiel und Jeremia ließ er Unheil über Edom voraussagen. Jeremia und Obadja verkündeten im wesentlichen dieselbe Botschaft, wodurch die Erfüllung des Wortes Jehovas über den Sturz Edoms zur absoluten Gewißheit wurde: „Wenn es Diebe wären, die zu dir hereinkämen, wenn Verheerer hereinkämen bei Nacht, in welchem Maße wärest du zum Schweigen gebracht worden? Würden sie nicht stehlen, soviel sie wollten? Oder wenn es Traubenleser wären, die zu dir hereinkämen, würden sie nicht etwas Nachlese übriglassen? O in welchem Maß die von Esau durchforscht worden sind! Wie seine verborgenen Schätze aufgespürt worden sind!“ (Obad. 5, 6; Jer. 49:9, 10). Ja, Diebe stehlen nur das, was sie wollen, und Traubenleser lassen die Nachlese zurück. Aber von Esau (Edom) sollte bei seiner Niederlage nichts übriggelassen werden.
Und durch wen würde das Unheil kommen? Die prophetische Antwort lautete: „Selbst die Männer, die im Bund mit dir sind, haben dich alle betrogen. Die Männer im Frieden mit dir haben die Oberhand über dich gewonnen. Die, die Speise mit dir aßen, werden ein Netz unter dich legen wie einer, in dem kein Unterscheidungsvermögen ist“ (Obad. 7). Somit sollten die Edomiter gerade von denjenigen besiegt werden, mit denen sie sich verbündet hatten, nämlich von den Babyloniern, denen sie die Flüchtlinge von Juda ausgeliefert hatten.
Schließlich würde gemäß der Prophezeiung Obadjas „für das Haus Esaus kein Überlebender dasein“ (Obad. 18). Die Edomiter sollten als Volk zu bestehen aufhören. Gemäß der Prophezeiung Hesekiels sollten die Israeliten an der Vollstreckung des Urteils Gottes mitwirken. Jehova sagte durch Hesekiel: „Ich will meine Rache über Edom durch die Hand meines Volkes Israel bringen; und sie sollen an Edom gemäß meinem Zorn und gemäß meinem Grimm tun“ (Hes. 25:14).
Heute kann niemand leugnen, daß sich der prophetische Ausspruch über Edom erfüllt hat. Als Volk sind die Edomiter vollständig verschwunden. Und das geschah genauso, wie es in den biblischen Prophezeiungen angekündigt worden war.
Der jüdische Historiker Josephus berichtet von Nebukadnezars militärischen Operationen in Syrien und Palästina während seines dreiundzwanzigsten Herrschaftsjahres. Zweifellos wurden die Edomiter damals unterworfen, doch brachte die Niederlage noch nicht den völligen Ruin für ihr Land. Ungefähr vom fünften Jahrhundert v. u. Z. an wurden die Edomiter von arabischen Nomaden unterdrückt. Bis zum dritten Jahrhundert v. u. Z. verdrängten die Nabatäer sie aus ihrem Kernland in den Negeb, südlich von Juda. Schließlich zogen die Edomiter noch weiter nördlich, in das Gebiet um Hebron. Nach 1. Makkabäer (5:3), einem apokryphischen Buch, erlitten sie durch den Leviten Judas Makkabäus eine vernichtende Niederlage. Später unterwarf, wie Josephus berichtet, Johannes Hyrkanus, ein jüdischer König aus dem Stamm Levi, die Edomiter und gestattete ihnen, im Land zu bleiben, wenn sie sich der Beschneidung unterzögen und damit einverstanden wären, nach dem jüdischen Gesetz zu leben. Die Edomiter nahmen die Bedingungen an und gingen schließlich in der jüdischen Nation auf. Nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahre 70 u. Z. hörten die Edomiter als Volk zu bestehen auf.
So führte eine unbrüderliche Handlung zum Ende des Volkes der Edomiter, wodurch sich Gottes prophetisches Wort erfüllte. Das beweist deutlich, daß Jehova Gott eine vorsätzliche Mißachtung seines Willens und Vorsatzes nicht übersieht. Jeder, der an einer Einstellung oder Handlungsweise festhält, die Gottes Wegen widerspricht, wird dem Strafgericht nicht entgehen. Alle, die im Einklang mit seinem Wort leben, handeln wirklich vernünftig. Denn es ist so, wie der inspirierte Apostel Johannes schreibt: „Die Welt vergeht und ebenso ihre Begierde, wer aber den Willen Gottes tut, bleibt immerdar“ (1. Joh. 2:17).
-
-
Nachrichten und ihre tiefere BedeutungDer Wachtturm 1977 | 15. Oktober
-
-
Nachrichten und ihre tiefere Bedeutung
Atombombenversuchsgebiet wiederhergestellt
● Vor einiger Zeit begannen die früheren Bewohner des Eniwetok-Atolls, das den USA während der Jahre 1948 bis 1958 als Atombombenversuchsgebiet diente, auf ihre Heimatinseln zurückzukehren. Staatliche Stellen der USA sind dabei, das Gebiet für die Inselbewohner wiederherzustellen, indem sie den radioaktiv verseuchten Boden und Schutt beseitigen. Wissenschaftler wundern sich indes darüber, daß sich das Land seit Zündung der letzten Bombe vor 20 Jahren bereits erstaunlich gut regenerieren konnte. Ein Meeresbiologe schreibt: „Heute gedeihen Fische und Korallen in den [Atombomben-]Kratern, was Zeugnis davon ablegt, daß sich die Natur von fast jeder Art Störung wieder erholen kann.“
Ein Staatsbeamter sagte bewundernd: „Wir stellen weder beim maritimen Leben noch bei der Vegetation irgendwelche Mutationen fest. Man sieht keine zweiköpfigen Ungeheuer, die die Wissenschaft als Folge längerer radioaktiver Bestrahlung vorhergesagt hat.“
Somit wird der Schaden, den die Menschen in unserer Umwelt anrichten, bevor Gott seine verheißene „neue Erde“ schafft, nicht von Dauer sein. Da sich Gottes Schöpfung auf erstaunliche Weise regenerieren kann, wird die Erde mit seinem Segen schließlich in einen Garten verwandelt werden, wie der Schöpfer es ursprünglich vorgesehen hatte (Offb. 11:18; 21:1-4).
Kirche setzt die Bibel herab
● Die katholische Kirche in Italien hat eine neue Bibelübersetzung herausgegeben mit dem Imprimatur des Kardinals Erzbischof von Mailand. Im Vorwort verrät die Kirche ihre Einstellung zur Bibel. Es heißt darin unter anderem: „Die Bibel ... kann weder als wahr noch als falsch bezeichnet werden. Ist sie zum Beispiel wahr, wenn sie den Ursprung der Welt erklärt?“ Die Antwort der Kirche lautet: „Die Wahrheit der ersten Kapitel der Bibel beruht nicht auf wissenschaftlicher Forschung.“ Diese Kapitel seien vielmehr „alte Überlieferungen und ... Mythen“.
Weiter ist in dem Vorwort zu lesen: „Was die Geschichtsberichte betrifft, so geben sie oft Tatsachen wieder, wie sie sich wirklich abspielten; mitunter sind sie so weit ausgeschmückt, daß sie zu Heldengedichten werden.“ Beim Buch Jona und bei Teilen des Buches Daniel handle es sich beispielsweise „nicht um eine Aufzählung historischer Tatsachen“. Solche biblischen Schriften würden einem Roman gleichen.
In der Bibel heißt es jedoch: „Jede Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Widerlegung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2. Tim. 3:16, katholische „Jerusalemer Bibel“). Wäre es vernünftig, anzunehmen, daß der Gott der Wahrheit Lügen inspiriert hätte, die dem Volk gelehrt werden sollten? Hätte Jesus Lügen gelehrt und dann seinen Nachfolgern gesagt: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Joh. 8:32, katholische „Jerusalemer Bibel“)?
-