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Versammlungsälteste sollten „in vortrefflicher Weise als Vorsteher dienen“Der Wachtturm 1977 | 1. Juni
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und trägt zu einem besseren Verhältnis zu allen Gliedern der Versammlung bei.
9. (a) Wie wirkt sich der Umstand, daß der vorsitzführende Aufseher die Korrespondenz führt, auf den Gedankenaustausch mit den Ältesten und mit der Versammlung aus? (b) Was ist das Ergebnis, wenn der vorsitzführende Aufseher seine Rolle in dieser Hinsicht richtig erfüllt?
9 Der vorsitzführende Aufseher, der bei den Besprechungen der Ältesten als Vorsitzender dient, muß besonders darauf achten, ausgeglichen zu sein. Er sollte dafür sorgen, daß Entscheidungen der Ältestenschaft ausgeführt werden, und sollte nicht nur bei den Zusammenkünften der Ältesten zum Gedankenaustausch anregen. Es sollte ein natürliches Verlangen bestehen, die anderen Ältesten über wichtige Dinge, die die Brüder und das ganze Werk betreffen, auf dem laufenden zu halten. Das bedeutet, daß der vorsitzführende Aufseher die ganze Korrespondenz mit dem Zweigbüro, mit Kongreßkomitees, den reisenden Aufsehern oder mit Ältesten in anderen Versammlungen führt. Wenn er solche Briefe gelesen hat, wird er dafür sorgen, daß die gesamte Ältestenschaft über Angelegenheiten, die sie angeht, so bald wie möglich unterrichtet wird. Mitteilungen für die Versammlung sollten im vollen Wortlaut vorgelesen werden. Der vorsitzführende Aufseher darf darin nicht sorglos oder nachlässig sein. Er kann unmöglich alles selbst tun und läßt sich deshalb bei der Erledigung notwendiger Dinge von anderen helfen. Jeder Älteste hat eine ihm zugeteilte Aufgabe, doch arbeiten alle zusammen. Sind wichtige Angelegenheiten zu entscheiden, so handelt der vorsitzführende Aufseher nicht eigenmächtig, sondern zieht andere Älteste zu Rate, entweder bei einer Besprechung oder privat (Spr. 18:1). Das trägt zu einem ordentlichen Ablauf der Dinge bei und bewirkt, daß der geistigen Gesinnung der Brüder und dem Königreichswerk im allgemeinen die rechte Aufmerksamkeit geschenkt wird.
10. (a) Auf welche Weise könnte die Einheit der Versammlung geopfert werden, wovor Paulus in Galater 5:15, 25, 26 warnte? (b) Welche Eigenschaften sollten Älteste gemäß Römer, Kapitel 12, Philipper, Kapitel 2 und Epheser, Kapitel 4 sorgsam pflegen?
10 Es könnte mitunter vorkommen, daß ein Glied der Ältestenschaft über anderen Ältesten stehen möchte. Wenn ein Konkurrenzgeist vorhanden ist oder sich entwickelt, ist das ein Zeichen mangelnder Demut. Ein Ältester mag von seinen persönlichen Ideen sehr überzeugt sein, die jedoch nach dem Urteil der Ältestenschaft nicht der Erwägung wert sind. Wenn er die Unterstützung für solche Ideen sucht, indem er bei anderen Stimmung dafür macht, könnte die Einheit der Versammlung darunter leiden (Gal. 5:15, 25, 26). Um alle derartigen Tendenzen zu vermeiden, sollte sich jeder Älteste ständig selbst überprüfen, um „nicht höher von sich zu denken, als zu denken nötig ist“ (Röm. 12:3, 10). Alle Ältesten sollten „hart arbeiten“, um in vortrefflicher Weise als Vorsteher zu dienen, aber sie sollten darauf achten, daß sie es aus einem richtigen Beweggrund tun: aus dem aufrichtigen Wunsch, der Herde in aller Demut zu helfen (Phil. 2:5-8, 14-18; Eph. 4:1-3).
DEMUT HILFT, DIFFERENZEN BEIZULEGEN
11. (a) Erkläre, wieso unterschiedliche Meinungen mitunter eine Hilfe sein können. (b) Wie sollten Älteste dazu eingestellt sein, sich bei ihren Zusammenkünften zu äußern, doch was sollten sie vermeiden?
11 Mitunter gibt es bei bestimmten Fragen verschiedene Meinungen. Menschen sind verschiedener Herkunft und verfügen über unterschiedliche Erfahrungen. Sie werden daher natürlicherweise zu unterschiedlichen Schlußfolgerungen gelangen. Verschiedene Meinungen können dazu anregen, den eigenen Standpunkt zu überprüfen, um festzustellen, ob er vernünftig ist. Jemand mag denken, seine Darstellung einer Sache klinge plausibel und richtig. Aber in Sprüche 18:17 wird gesagt: „Sein Mitmensch kommt herein und forscht ihn gewißlich aus.“ Es kann sein, daß er objektiver und mit weiteren biblischen Argumenten an die Sache herantritt. Das sollte bestimmt auf eine Ältestenbesprechung zutreffen, wo man so vorgehen muß, um eine Frage oder ein Problem, das das geistige Wohl unserer Brüder betrifft, zu lösen. Deshalb kann man damit rechnen, daß Älteste in aller Aufrichtigkeit unterschiedliche Meinungen vertreten, sofern es keinen deutlichen Grundsatz oder keine eindeutige Richtlinie gibt. Sie sollten sich bei ihren Zusammenkünften freimütig äußern, ohne sich aber zu streiten, „ohne Zorn und Streitgespräche“ (1. Tim. 2:8).
12. (a) Worauf sollten wir in einer Betrachtung des Berichts aus Apostelgeschichte, Kapitel 15 achten, und was können wir daraus lernen? (b) Von welcher Art und welchem Umfang war das in Apostelgeschichte 15:1, 2 beschriebene Problem?
12 Aus dem, was bei einer Zusammenkunft der Apostel und älteren Männer im ersten Jahrhundert geschah, können wir viel über den Wert der Demut lernen und erkennen, was alles dazu beitragen kann, Meinungsverschiedenheiten beizulegen. Den Bericht finden wir in Apostelgeschichte, Kapitel 15. Es war in Antiochia in Syrien, wo Paulus und Barnabas „für das Werk, das sie völlig durchgeführt hatten, der unverdienten Güte Gottes anvertraut worden waren“ (Apg. 14:26). Als sie von dieser ersten Missionsreise wieder dorthin zurückkehrten, standen sie vor einem Problem: „Gewisse Männer kamen aus Judäa herab und begannen die Brüder zu lehren: ,Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Moses beschneiden laßt, könnt ihr nicht gerettet werden.‘ Als aber kein geringer Zwiespalt und Wortstreit zwischen ihnen und Paulus und Barnabas entstanden war, ordnete man an, daß Paulus und Barnabas und einige andere von ihnen wegen dieses Wortstreites zu den Aposteln und den älteren Männern nach Jerusalem hinaufgehen sollten“ (Apg. 15:1, 2). Hier handelte es sich um eine bedeutende Lehrfrage, die unter den Brüdern beträchtliche Unruhe verursachte. Sie mußte gelöst werden.
13. Wie ist es zu verstehen, wenn es in Apostelgeschichte 15:7 heißt, daß „viel disputiert“ wurde?
13 Das Problem wurde passenderweise den verantwortlichen Ältesten in Jerusalem vorgelegt. Aus dem Bibelbericht erfahren wir, was dann geschah. Obwohl es anfangs verschiedene Meinungen gab, gelangte man schließlich „zur vollen Übereinstimmung“ (Apg. 15:25). Heißt es aber nicht in Apostelgeschichte 15:7, daß man während der Zusammenkunft „viel disputiert hatte“? Das griechische Wort für „disputieren“ ist mit einem Verb verwandt, das „suchen“ (Kingdom-Interlinear-Translation) bedeutet. Es weist somit darauf hin, daß man, um die Wahrheit herauszufinden oder die beste Art und Weise, wie man etwas ausführt, sich eifrig bemühen und eine Angelegenheit untersuchen muß. Das heißt, man muß Fragen aufwerfen, die Sache besprechen und auf diese Weise zu einem richtigen Ergebnis kommen. Mit diesem Gedanken im Sinn können wir den Bericht aufmerksam lesen und dabei feststellen, wie die Besprechung durch heiligen Geist geleitet wurde.
14, 15. (a) Was trugen Petrus, Paulus und Barnabas und letztlich Jakobus bei jenem historischen Konzil zur Besprechung bei? (b) Welche Faktoren gaben den Ausschlag, daß man dabei „zur vollen Übereinstimmung“ kam?
14 Nachdem man „viel disputiert hatte“, erzählte Petrus, wie er von Jehova dazu gebraucht worden war, Heiden die Gelegenheit zu geben, die gute Botschaft zu hören. Er warf die Frage auf, ob es vernünftig sei, solchen Gläubigen aus den Nationen Lasten aufzuerlegen, da es doch Gottes unverdiente Güte durch Jesus Christus sei, die die Rettung ermögliche. Beachten wir dann, daß gemäß Vers 12 eine respektvolle Stille eintrat, als Paulus und Barnabas weiter Zeugnis ablegten. Diese reisenden Apostel („Gesandte“ der Versammlung Antiochia) hatten den Beweis für Gottes Segen durch ‘viele Zeichen und Wunder’ erhalten, während sie unter den Nationen gepredigt hatten. Damit untermauerte Petrus seine Empfehlung, was getan werden sollte (Apg. 15:7-12).
15 Dann bat Jakobus um Gehör. Er wies auf die Worte der Propheten hin, wie zum Beispiel die Worte aus Amos 9:11, 12, die mit dem übereinstimmten, was Petrus erzählt hatte, und die bestätigten, was Gottes Geist durch Paulus und Barnabas bewirkt hatte. Jakobus hatte somit bei seiner Entscheidung die Unterstützung der heiligen Schriften und des Geistes Gottes. Von dieser gefestigten Grundlage ausgehend, machte er den Vorschlag, daß man jenen Gläubigen, die sich aus den Nationen Gott zugewandt hatten, schriftlich erkläre, was Gott in Wirklichkeit von ihnen fordere. Die Apostel und die älteren Männer gelangten zu voller Übereinstimmung. Eine strittige Angelegenheit war in aller Demut gelöst worden (Apg. 15:13-29).
16. Welcher Geist sollte unter den Ältesten in einer Versammlung vorherrschen, selbst wenn einer zu einem bestimmten Punkt eine andere Meinung vertreten mag?
16 Wenn es nicht möglich ist, in einer Ältestenschaft „zur vollen Übereinstimmung“ zu kommen, sollte jemand, der eine andere Ansicht vertritt, nicht gegen die getroffene Entscheidung protestieren, indem er eine feindselige Haltung zeigt. Er sollte weiterhin mit der gesamten Ältestenschaft „hart arbeiten“. Dadurch kann das Vertrauen der Versammlung zur Ältestenschaft bewahrt werden, in dem Bewußtsein, daß alle in Einheit zusammenarbeiten. Wenn Älteste „mit aller Demut und Milde“ wandeln, werden sie das Band des Friedens stärken (Eph. 4:2, 3).
17. Welchen vernünftigen Rat sollten jüngere Männer und an Jahren fortgeschrittene in einer Zusammenkunft der Ältesten im Sinn behalten, und warum?
17 Bei Zusammenkünften der Ältesten sollten besonders jüngere Männer denen, die älter sind und als Christen über eine größere Erfahrung verfügen, aufmerksam zuhören, indem sie Sprüche 16:31 im Sinn behalten, wo es heißt: „Eine Krone der Schönheit ist graues Haar, wenn sie auf dem Wege der Gerechtigkeit gefunden wird.“ Andererseits sollten ältere Männer anerkennen, daß auch ein jüngerer Mann die richtige Ansicht in einer bestimmten Angelegenheit haben mag. Der Vorzug sollte also in der vernünftigen weisen Äußerung gesehen werden, nicht unbedingt im Alter dessen, der spricht. Wenn sich jüngere Männer äußern, sollten sie jedoch vor dem Alter Respekt zeigen, wie auch Timotheus zweifellos die Person und den Rat des Paulus achtete und wie Elihu aus Achtung vor den Älteren so lange wartete, bis für ihn die Zeit zum Reden gekommen war (1. Tim. 5:1, 19; Hiob 32:6-9).
18. Worauf legten die Apostel größeren Nachdruck, wenngleich sie gewissen „notwendigen Geschäften“ Aufmerksamkeit schenkten, wie dies aus Apostelgeschichte 6:1-6 hervorgeht?
18 Älteste mögen bei einigen ihrer Zusammenkünfte zwar viel Zeit auf Probleme in Verbindung mit dem Königreichssaal oder auf andere „notwendige Geschäfte“ verwenden, doch sollten sie diese Angelegenheiten wichtigen Dingen, die sich auf das Geistiggesinntsein der Herde auswirken, unterordnen (Apg. 6:1-6; Phil. 1:9, 10). So werden sie auf vortreffliche Weise als Vorsteher dienen.
19. (a) Welche Einrichtung, die dem Rat Jesu und dem des Paulus entspricht, gibt es unter uns im Gegensatz zu der Art und Weise, wie weltliche Regenten das Volk behandeln? (b) Welche Vorteile bringt es mit sich, daß wir Älteste haben, die der Versammlung in vortrefflicher Weise vorstehen?
19 Wie dankbar sind wir doch für die Ältesten, die weltweit der Versammlung Jehovas auf vortreffliche Weise vorstehen, wenn wir das erbärmliche Durcheinander beobachten, das in dieser Welt herrscht! Die Menschen tappen hinsichtlich einer Lösung ihrer Probleme im dunkeln, und ihre Herrscher ‘spielen den Herrn über sie’, statt sie auf eine liebevolle, hilfreiche und ermunternde Art und Weise zu führen (Matth. 20:25-27). In unseren Reihen gibt es geistig reife Männer, die Vorbilder für die Herde sind, und wir achten sie als solche, die uns vorstehen (1. Thess. 5:12, 13). Nicht ein einzelner Mann in der Versammlung, in der Stadt, in dem Land oder in dem Teil der Welt, in dem wir leben, tut das, sondern alle Ältesten, die innerhalb des ihnen zugeteilten Bereichs die Aufgabe haben, als Vorsteher zu dienen. Mit der liebevollen Hilfe und Anleitung dieser vielen Ratgeber wird das Predigen des Königreiches und das Jüngermachen der erfolgreichen Vollendung entgegengeführt. Unter Ältesten, die auf vortreffliche Weise als Vorsteher dienen, ist die Versammlung in ihren Bemühungen fest geeint. Dadurch wird bewirkt, daß wir uns noch enger an die Leitung unseres Hauptes, Jesus Christus, halten, was alles zur Ehre Jehovas beiträgt.
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Inwiefern der Geistesmensch „von keinem Menschen beurteilt“ wirdDer Wachtturm 1977 | 1. Juni
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Inwiefern der Geistesmensch „von keinem Menschen beurteilt“ wird
● Der Apostel Paulus schrieb an Christen in Korinth: „Der Geistesmensch ... beurteilt in der Tat alle Dinge, er selbst aber wird von keinem Menschen beurteilt“ (1. Kor. 2:15). Wie kommt das? Mit Hilfe des Geistes Gottes kann der Geistesmensch Dinge richtig bewerten. Er selbst jedoch kann von Personen, die kein geistiges Verständnis haben, nicht beurteilt oder richtig eingeschätzt werden. Personen, die nicht unter dem Einfluß des Geistes stehen, gehen von falschen Voraussetzungen aus und werden ihn betreffend zu falschen Schlußfolgerungen kommen. Man tat es auch im Fall Christi Jesu, wie es in Jesaja 53:3, 4 vorhergesagt worden war. Somit kann der Geistesmensch einfach „von keinem Menschen beurteilt“ werden, das heißt von keinem Menschen, der nicht von dem Geist beeinflußt wird.
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