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Wie der Strom erzeugt wirdErwachet! 1972 | 22. November
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„Die Kohlen- und Strombarone sowie gewisse Gesetzgeber von der Westküste versuchen, die Bevölkerung der Appalachenstaaten zu unterjochen, die Pflanzendecke unserer Hügel zu zerstören und unsere Flüsse zu verschmutzen, um den Bedarf der stromhungrigen Großstädte zu decken. Wir sind heute so weit, daß wir uns gegen diese Methoden zur Wehr setzen.“
Die Stadt New York hat in diesem Jahr mit beträchtlichem Aufwand an Kosten die Kraftwerke von Kohle auf Öl und Erdgas umgestellt, doch damit ist das Problem nicht gelöst. Denn Öl und Erdgas verschmutzen die Luft auch. Wird Öl und Erdgas verbrannt, so gelangen der Schwefel, den das Öl enthält, und die Stickstoffoxyde des Erdgases ebenfalls in die Luft. Außerdem besteht noch das Problem der Aufheizung von Flüssen und Seen durch das Kühlwasser der Kraftwerke; diese Aufheizung erreicht manchmal einen gefährlichen Grad.
Ist die gegenwärtige Energieversorgungskrise eine Folge dieser Gefahr für die Umwelt, oder gibt es andere Faktoren, die noch schwerer ins Gewicht fallen?
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Warum die heutige Energieversorgungskrise?Erwachet! 1972 | 22. November
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Warum die heutige Energieversorgungskrise?
JEDE Energie stammt aus einer Quelle. Das Pferd zum Beispiel bezieht seine Kraft aus der chemischen Energie, die in den Pflanzen gespeichert ist, die es frißt. Pflanzen sind die Energiequelle der Muskelkraft sowohl der Tiere als des Menschen.
Vor dem zwanzigsten Jahrhundert hat der Mensch seine Arbeit hauptsächlich mit Hilfe der Muskelkraft — seiner eigenen oder der der Tiere — verrichtet. Auch hat er vorwiegend pflanzliches Material — Holz — verbrannt, um Energie zu gewinnen. Noch 1870 gewann der Mensch den größten Teil der Energie, mit der er die ersten Dampfmaschinen, Flußschiffe und Eisenbahnlokomotiven antrieb, aus Holz.
Der Verbrauch fossiler Brennstoffe
Mit der zunehmenden Industrialisierung stieg auch der Energiebedarf des Menschen für seine neuen Maschinen. Daher zapfte er die Vorräte fossiler Brennstoffe, die seit uralter Zeit in der Erde gespeichert lagen, an. Er begann, Kohle zu fördern, und verbrauchte von diesem Rohstoff immer größere Mengen. Im Jahre 1910 deckte er drei Viertel seines Energiebedarfs mit Hilfe von Kohle.
Etwa um das Jahr 1859 herum begann der Mensch einen anderen fossilen Brennstoff in größerem Maße zu verbrauchen. In jenem Jahr wurde die erste industrielle Ölbohrung durchgeführt. Das Öl wird heute hauptsächlich für den Antrieb von Kraftfahrzeugen und anderen Verkehrsmitteln benutzt. Allein in den Vereinigten Staaten werden jetzt täglich rund 244 Millionen Liter Erdöl verbraucht!
In den letzten Jahren, besonders seit dem Zweiten Weltkrieg, sind die Erdgasvorräte der Erde angezapft worden. In den Vereinigten Staaten hat man ein Erdgasleitungsnetz von über einer Million Kilometer Länge gebaut, das ist die vierfache Länge der Erdölleitungen dieses Landes. Das Erdgas, mit dem die Hausfrau kocht, mag aus Erdgasfeldern stammen, die Hunderte von Kilometern weit weg sind.
In den Vereinigten Staaten wird heute mehr als 95 Prozent des Energiebedarfs mit Hilfe fossiler Brennstoffe gedeckt. Im Jahre 1970 lieferte Erdöl etwa 43 Prozent, Erdgas etwa 33 Prozent und Kohle etwa 20 Prozent des gesamten Energiebedarfs des Landes. Die restliche Energie lieferten hauptsächlich Wasserkraftwerke. Diese Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist die Wurzel der Energieversorgungskrise.
Die Krise
In der New York Times vom 19. März 1972 wurde erklärt: „Wir verspüren den Druck, weil unsere Energiequellen — Kohle, Erdöl und Erdgas — zur Neige gehen und der Bedarf der übrigen Welt an diesen Rohstoffen schneller steigt als der Bedarf der USA.“
Was würde geschehen, wenn diese Energiequellen plötzlich erschöpft wären? Dann wäre es mit dem technisierten Leben vorbei! Kraftfahrzeuge, Eisenbahn und Flugzeuge könnten nicht mehr verkehren. Der größte Teil der Beleuchtung, Fernsehgeräte, Kühlschränke und andere elektrische Geräte würden nicht mehr funktionieren. Das ist der Ausgangspunkt der Krise.
Gehen die fossilen Brennstoffe wirklich „zur Neige“? Manch einer hat geglaubt, diese Energiequellen wären sozusagen unerschöpflich — oder sie würden wenigstens noch Tausende von Jahren ausreichen. Was ist geschehen?
Rascher Verbrauch der Rohstoffvorräte
Der Energiebedarf ist schneller gewachsen, als man erwartet hat. Fossile Brennstoffe werden in ungeheuren Mengen verbraucht. Durchschnittlich werden in der ganzen Welt täglich über 7 Milliarden Liter Öl gefördert! Im Jahre 1970 war die Welterzeugung um 9,5 Prozent größer als im Vorjahr. Wenn der Bedarf anhält, würde sich der Erdölverbrauch in zehn Jahren mehr als verdoppeln. Der
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