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  • Dauerlauf — ganz populär
    Erwachet! 1981 | 22. März
    • Dauerlauf — ganz populär

      Wie Statistiken zeigen, betreibt in der Sowjetunion ein Drittel der Bevölkerung jeden Tag Jogging. In den Vereinigten Staaten sind es gemäß einer neuen Schätzung 25 Millionen. Das „Lauffieber“ kam in den 60er Jahren auf. Worin liegt der Nutzen? Was sind die Gefahren?

      „KÖRPERLICH aktive Ratten leben länger — bis zu 25 Prozent.“ Das sei, so sagt man, durch Experimente bewiesen worden. Im Fall des Menschen ist das noch nicht erwiesen, aber die Anzeichen deuten darauf hin, daß die Lebensdauer durch körperliche Betätigungen günstig beeinflußt wird.

      Ein Pathologe sagte, daß gemäß den von ihm durchgeführten Autopsien zwei von drei Todesfällen verfrüht eintreten und auf ein Faulenzerherz, eine Raucherlunge oder eine Trinkerleber zurückzuführen sind. Die US-Behörde für Altenpflege erklärte: „Inaktivität ist der Todfeind des menschlichen Körpers. Wir wissen heute, daß für die körperlichen Probleme, die mit dem Alter in Verbindung gebracht werden, weniger das tatsächliche Alter eines Menschen als vielmehr seine Lebensweise verantwortlich ist.“ Ein Arzt bemerkte: „Wir nutzen unseren Körper nicht ab, sondern wir lassen ihn einfach verrosten.“

      Jeder hält eine Art der körperlichen Betätigung für gut, aber viele sind nicht dafür, ins Schwitzen zu geraten. Ein bequemes, nett verpacktes Programm, wie zum Beispiel 30 Minuten „schweißfreie“ Übungen pro Woche und eine üppige Ernährung, das ist die heutige Devise. Das Komitee für körperliche Betätigung und Fitneß von der American Medical Association sagte über Sporttreibende, die die Anstrengung scheuen: „Sie erlangen keinen Nutzen. Ihr größter Mangel besteht darin, daß die meisten von ihnen wenig tun, um die Fitneß von Herz und Lunge, die heutzutage das Training am nötigsten haben, zu steigern.“ Angestrengte, anhaltende Übungen sind nötig.

      Das Laufen bewirkt, daß du abnimmst — ein Pluspunkt für dein Herz. Es werden nicht nur Fette verbrannt, sondern auch der Hunger wird gebändigt. Ein niedriger Blutzuckerspiegel regt den Hunger an, doch bei körperlicher Anstrengung werden für die Energieversorgung Fette ins Blut abgegeben, so daß der Blutzuckerspiegel nicht nennenswert sinkt. Interessanterweise wurde das durch eine Studie mit Schweinen bestätigt. Fünfundvierzig Schweine liefen auf Laufbändern, während eine andere Gruppe ruhte. Man setzte beiden Gruppen Futter vor. Die untätigen Schweine fraßen mehr als die anderen und wogen daher am Ende des Tests auch neun Kilo mehr als sie.

      Man glaubt allgemein, daß jeder, der sich körperlich anstrengt, Fleisch essen muß. Bei anstrengenden Betätigungen braucht man aber Energie, und die Energie kommt nicht vom Fleischverzehr. Mexikos berühmte Tarahumara-Indianer veranstalten aus reinem Vergnügen in gebirgigen Gegenden 240-Kilometer-Rennen und nehmen kaum Fleisch, Milch oder Eier zu sich. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Bohnen, Kürbis und Mais. Sie haben nicht nur eine solch erstaunliche Ausdauer, sondern leben auch im Durchschnitt wesentlich länger. Eine gut zusammengestellte vegetarische Kost gibt dem Körper das, was er braucht.

      Interessanterweise stellte ein Universitätsprofessor fest, daß während einer Zeit von vier Jahren bei Männern, die sich kaum körperlich betätigten, die Arztkosten durchschnittlich 400 Dollar betrugen, aber bei solchen, die das regelmäßig taten, nur 200 Dollar. Eine Lebensversicherungsgesellschaft senkte die Prämien bis zu 20 Prozent für alle Versicherungsnehmer, die dreimal in der Woche 20 Minuten Übungen machten, die ihr Herz und ihre Lunge kräftigten.

      Übertriebene Behauptungen

      Dr. T. J. Bassler, ein Pathologe für Marathonläufer, behauptete: „Es ist biologisch unmöglich, daß sich bei jemand, der die 42-Kilometer-Strecke [des Marathonlaufs] auch nur gehen kann, Arteriosklerose weiterentwickelt.“ Er fuhr fort: „Solange es keinen Obduktionsbefund für tödliche Arteriosklerose bei Marathonläufern gibt, scheint es vernünftig, den Marathonlauf als Vorbeugung gegen diese Krankheit zu empfehlen.“

      Im New England Journal of Medicine wird ein Obduktionsbericht angeführt, gemäß dem an dieser Krankheit ein Läufer starb; es werden auch andere Fälle genannt, in denen Obduktionen Arteriosklerose in fortgeschrittenem Stadium zeigten. Außerdem sind mehrere Fälle von Langstreckenläufern, einschließlich von Marathonläufern, bekannt, die an Herzinfarkt gestorben sind. Es besteht kein Zweifel darüber, daß körperliche Betätigung nützlich ist, aber die Trainingsprogramme müssen auf den einzelnen abgestimmt werden.

      Dr. Christiaan Barnard, Spezialist für Herztransplantationen, betreibt etwas Jogging. Er ist allerdings nicht allzu begeistert davon, daß es jetzt die große Mode geworden ist. Er ist besorgt, wenn er daran denkt, wo die meisten Leute joggen — in den Städten. „Eine Studie, die vor Jahren in Kapstadt durchgeführt wurde“, sagte er, „verriet, daß Tauben in der Stadt siebenmal soviel Blei in ihren Knochen hatten wie ihre Artgenossen auf dem Lande.“ Er fügte hinzu: „Jede Hauptstraße ist ein Kanal giftiger Auspuffgase.“

      Marathonläufer zu Tausenden

      Millionen laufen zwei- oder dreimal in der Woche ein paar Kilometer, aber viele Tausende gehen darüber hinaus und beteiligen sich an Marathonläufen — eine Strecke von 42,2 Kilometern. Im vergangenen Jahr beispielsweise gingen 14 012 Personen beim New Yorker Marathonlauf an den Start. Nicht alle, aber immerhin 12 622 Läufer erreichten das Ziel. Für 4 000 Teilnehmer war es der erste New Yorker Marathonlauf. Eingeschlossen in der Teilnehmerzahl waren Hunderte von Ausländern aus 44 Staaten. Etwa zwei Millionen Zuschauer säumten die Straßen, um die Läufer anzuspornen.

      Alberto Salazar gewann mit 2 Stunden, 9 Minuten, 41 Sekunden. Den 74. Platz belegte Grete Waitz, die schnellste von den Frauen, und brach damit den Weltrekord für Frauen — der neue Rekord beträgt 2 Stunden, 25 Minuten, 41 Sekunden. Der Älteste, der ins Ziel ging, war 77 Jahre und der Jüngste 10 Jahre alt. Es waren schon Leute im Alter von 5 bis 84 Jahren dabei. Auch haben schon Blinde, Leute in Rollstühlen und Personen mit Beinprothesen teilgenommen.

      Langstreckenläufer des Altertums

      Vor 2 500 Jahren, so sagt man, sei der griechische Kurier Phidippides 35 Kilometer vom Schlachtfeld bei Marathon nach Athen gerannt, um die Nachricht vom Sieg der Griechen über die Perser zu überbringen. Die Tradition besagt, er habe die gute Nachricht keuchend hervorgestoßen und sei dann tot umgefallen. Der heutige Marathonlauf ist eine Erinnerung an jenen Lauf im Altertum.

      Doch Phidippides war nicht der erste, der eine solch lange Strecke lief. Der Prophet Elia bewältigte bereits 400 Jahre vor dem griechischen Kurier eine noch längere Strecke. Vom Berg Karmel am Mittelmeer bis nach Jesreel sind es etwa 40 Kilometer. Elia rannte diese Strecke mit der Kraft Jehovas: „Die Hand Jehovas selbst kam über Elia, so daß er seine Hüften gürtete und dann den ganzen Weg nach Jesreel vor Ahab [der im Kriegswagen fuhr] herlief“ (1. Kö. 18:46).

      Laufen ist gut. Es bringt viele Vorteile. Aber es bestehen auch Gefahren. Es ist weise, Vorsicht walten zu lassen und besonnen zu bleiben. Mache es nicht zu einer Religion, so wie es einige getan haben. Die drei folgenden Artikel werden noch mehr darüber sagen.

  • Du bist nicht für Dauerlauf?
    Erwachet! 1981 | 22. März
    • Du bist nicht für Dauerlauf?

      Zu anstrengend? Zu langweilig? Kein Vergnügen? Zu zeitraubend? Kein Platz für Jogging? Dann suche dir einen anderen atmungsfördernden Sport.

      WODURCH zeichnen sich atmungsfördernde Sportarten aus? Wie es in der Encyclopædia Britannica heißt, beleben „typische atmungsfördernde Betätigungen (zum Beispiel Gehen, Laufen, Schwimmen und Radfahren) die Herz- und die Lungentätigkeit über eine Zeitspanne, die lang genug ist, um im Körper vorteilhafte Veränderungen zu bewirken (Trainingseffekt). Aus einer Tabelle mit einem Punktesystem geht hervor, wieviel Energie bei den einzelnen Betätigungen verbraucht wird“ (Ausgabe 1976, Bd. 1, S. 113 in der Micropædia).

      Anhand solcher Tabellen kann man die Fortschritte des Sporttreibenden bewerten, und sie sind für verschiedene Altersgruppen und Betätigungen entwickelt worden. Gemäß der entscheidenden Formulierung in der oben angeführten Definition erstreckt sich eine atmungsfördernde Betätigung „über eine Zeitspanne, die lang genug ist, um im Körper vorteilhafte Veränderungen zu bewirken“. Das Herz muß während einer vom Alter abhängigen Mindestzeit ohne Unterlaß schnell genug schlagen, sonst stellen sich die vorteilhaften Veränderungen nicht ein. Worin diese Veränderungen bestehen, wird in dem zweiseitigen Artikel erklärt, der diesem Artikel folgt.

      Wie schnell muß das Herz schlagen, damit man von einer atmungsfördernden Betätigung sprechen kann? Ein Vorschlag lautet: Notiere die Zahl 220. Ziehe davon dein Alter ab. Das Ergebnis ist für dich die ungefähre Höchstzahl der Herzschläge pro Minute. Multipliziere diese Zahl mit 0,7, und du weißt, wie oft dein Herz pro Minute bei atmungsfördernden Betätigungen schlagen sollte.

      Kommen wir nun zu deinen Einwänden gegen das Laufen. Zu anstrengend? Dann versuche es mit dem GEHEN. Es ist wohl für die meisten Leute die am wenigsten anstrengende und die sicherste atmungsfördernde Betätigung. Man kann sie das ganze Leben lang gefahrlos betreiben, bis ins hohe Alter. Auch wer sich später einmal aufs Laufen verlegen möchte, könnte vernünftigerweise mit dem Gehen beginnen, um dann das Gehen mit dem Laufen zu kombinieren und schließlich nur noch zu laufen. Damit aber das Gehen zu einer atmungsfördernden Betätigung wird, muß man einen schnellen Schritt einhalten. Ein gemütlicher Spaziergang, ja selbst ein normaler Schritt steigert die Herzfrequenz nicht genügend. Bei einem Test gingen Männer der Altersgruppe von 40 bis 57 an vier Tagen in der Woche 40 Minuten mit schnellem Schritt und erzielten dieselben Fortschritte wie Männer der gleichen Altersgruppe, die an drei Tagen in der Woche 30 Minuten Jogging betrieben. Gehen erfordert mehr Zeit, bringt aber die gleichen Ergebnisse und ist für viele eine sicherere Betätigung.

      Du hast keinen Platz für Jogging, und es ist dir zu zeitraubend? Dann versuche es doch mit dem SEILSPRINGEN. Man kann es in der Wohnung oder im Freien betreiben. Das Wetter spielt keine Rolle. Es beansprucht weniger Zeit und bringt vergleichbare Ergebnisse. „Wenn man mit dem geringsten Zeitaufwand die größtmögliche Fitneß erzielen möchte“, sagte Dr. Kaare Rodahl vom Institut für Arbeitsphysiologie in Oslo (Norwegen), „geht nichts über das einfache Springseil.“ An der Arizona State University ließ man die Hälfte von 92 untrainierten Studenten 30 Minuten pro Tag Jogging betreiben, und die andere Hälfte mußte täglich 10 Minuten seilspringen. Später stellte sich bei Untersuchungen heraus, daß bei beiden Gruppen der Kreislauf fast die gleiche Leistungsfähigkeit hatte.

      Laufen ist zu langweilig? Versuche es mit dem RADFAHREN. Aber gib acht, daß du nicht von Autos angefahren wirst und selbst keine Fußgänger anfährst. Suche dir möglichst abgelegene Wege aus, aber halte nicht unterwegs an, um an Rosen zu riechen. Halte ein gleichmäßiges Tempo ein, das dein Herz so weit anregt, daß man von einer atmungsfördernden Betätigung sprechen kann.

      Kein Vergnügen? Versuche es mit dem SCHWIMMEN. Du erhitzt dich nicht. Das Wasser ist anregend. Dadurch, daß du mit gleichmäßigen, kräftigen Zügen das Wasser durchpflügst, entsteht ein Rhythmus. Es ist eine schöne Betätigung, da jeder Muskel des Körpers trainiert wird, und wenn du den Rhythmus während der Dauer des Trainings ununterbrochen durchhältst, werden Herz und Lunge so weit trainiert, daß sie den gewünschten Nutzen haben.

      Aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Heute ist Tennis sehr populär. Schnelle Einzelspiele sind gut — Doppelspiele lassen den Spielern zuviel Zeit zum Ausruhen. Basketball kann ebenfalls sehr atmungsfördernd sein, wenn das Spiel nicht durch zu viele Freiwürfe unterbrochen wird. Für welche Betätigung du dich auch immer entscheidest, wenn es eine atmungsfördernde Sportart sein soll, muß sie dich ständig in Bewegung und in Atem halten. Sie muß Herz und Lunge stark, anhaltend und über eine Mindestzeit beanspruchen.

      Und bewege dich natürlich immer innerhalb der Grenzen, die durch die Leistungsfähigkeit deines Körpers bedingt sind oder vom Arzt empfohlen werden. Auf den beiden nächsten Seiten werden die Vorteile atmungsfördernder Betätigungen angeführt.

  • Ist Laufen der Wunsch deines Herzens?
    Erwachet! 1981 | 22. März
    • Ist Laufen der Wunsch deines Herzens?

      Es scheint so, denn das Herz lebt dadurch auf. Das Laufen ist auch für andere Teile deines Körpers von Nutzen.

      WAS DAS LAUFEN DEINEM HERZEN NÜTZT

      Das Laufen bewirkt, daß es weniger arbeitet, aber mehr leistet. Durch das Training verlängern und stärken sich die Muskelfasern des Herzens, und die Herzkammern vergrößern sich, so daß bei jeder Zusammenziehung mehr Blut befördert werden kann. Vor dem Training wird bei einem Herzschlag vielleicht nur ein zehntel Liter befördert; doch nach dem Training kann bei jedem Herzschlag die doppelte Menge befördert werden. Da das Herz bei jedem Schlag mehr Blut befördert, schlägt es langsamer und hat zwischen den Zusammenziehungen größere Ruhepausen. Bedingt durch dieses Training, hast du bei Ruhelage eine um durchschnittlich 10 bis 20 Schläge verringerte Herzfrequenz. Die kleinen Arterien, die das Blut dem Herzen zuführen, vergrößern sich durch das Training und können mehr sauerstoffreiches Blut heranschaffen. Das Training bewirkt auch eine allmähliche Senkung des Blutdrucks.

      WAS DAS LAUFEN DEINER LUNGE NÜTZT

      Bei anstrengendem Training brauchen die Muskelfasern viel Sauerstoff. Sie erhalten ihn vom Blut, das ihn in der Lunge aufnimmt. Durch die zigmillionen feuchten, schaumartigen Gewebebläschen, die als Alveolen bekannt sind, versorgt die Lunge das Blut, von dem sie durchströmt wird, ausreichend mit Sauerstoff. Sie sind sehr anpassungsfähig und reagieren rasch auf erhöhten Sauerstoffbedarf. Die Blutgefäße der Lunge erweitern sich. Dadurch wird der Bereich vergrößert, in dem der Sauerstoff vom Blut aufgenommen wird. Die für die Atmung benötigten Muskeln des Unterleibes, des Zwerchfells und des Brustkastens werden kräftiger und leistungsfähiger. Die Luftmenge, die die Lunge eines trainierten Läufers aufnehmen kann, steigt beträchtlich — das pro Minute aufgenommene Volumen verdreifacht sich möglicherweise.

      WAS DAS LAUFEN DEINEM BLUT NÜTZT

      Bei atmungsfördernden Betätigungen wird das Enzym Fibrinolysin in größeren Mengen erzeugt. Es löst Blutgerinnsel auf, und man nimmt an, daß es auch langfristig entstandene Gerinnsel in den Herzkranzarterien, die Herzinfarkte hervorrufen könnten, auflöst. Ein Test zeigte, daß sich bei einigen Personen, die an einem zehnwöchigen Trainingsprogramm teilnahmen, die Fähigkeit des Blutes, Gerinnsel aufzulösen, fast vervierfachte. Das Blut trainierter Läufer enthält mehr Lipoproteine hoher Dichte. Diese Proteine entfernen überschüssiges Cholesterin von den Arterienwänden und verringern die Ansammlung von Fetten, die Gefäße verstopfen und Herzinfarkte hervorrufen könnten. Die Arterien trainierter Muskeln bilden neue Verästelungen, und das Netz der Kapillaren wird dichter, so daß die Muskelfasern mehr Sauerstoff erhalten. Durch das Training wird auch die Zahl der roten Blutkörperchen, der Sauerstoffträger, erhöht.

      WAS DAS LAUFEN DEINEN NERVEN NÜTZT

      Die Nervenzellen, ja selbst ihre haarfeinen Verästelungen werden leistungsfähiger in der Übertragung elektrochemischer Reize und regen dadurch die Muskelfasern wirksamer an, Ausdauer und Kraft zu steigern. Durch ständiges Training werden bewußte Bewegungen durch Reflexe ersetzt, wodurch der Bewegungsablauf wirkungsvoller wird. Nicht benötigte Muskeln entspannen sich besser und sparen Energie. Dr. Lucien Brouha, eine Kapazität auf dem Gebiet der Physiologie der Leichtathletik, sagte: „Das Endergebnis besteht darin, daß bei gleicher Leistung eine Verringerung des Energiebedarfs eintritt, die ein Viertel der Gesamtenergie betragen kann, die vor dem Training benötigt wurde.“ Menschen sind zwar keine Mäuse, aber es ist bemerkenswert, daß junge trainierte Mäuse längere motorische Nerven ausbildeten als untrainierte Mäuse.

      WAS DAS LAUFEN DEINEM GEIST NÜTZT

      Läufer sprechen von den Freuden des Laufens und von einem „natürlichen Hochgefühl“. Eine psychiatrische Klinik in Knoxville (Tennessee, USA) stellte fest, daß durch das Laufen Angstsymptome bei den Patienten gemindert wurden. Dr. Alan Clark vom St.-Josephs-Krankenhaus in Atlanta (Georgia, USA) sagte: „Es ist bekannt, daß körperliche Betätigung das beste Beruhigungsmittel ist. Ich weigere mich, Patienten, die unter einfachen neurotischen Angstzuständen leiden, Medikamente zu verschreiben, bevor sie nicht atmungsfördernden Betätigungen eine faire Chance gegeben haben.“ Ein Artikel in der Medical World News trug den Titel: „Jogging kann depressiven Menschen den Psychiaterbesuch ersparen“. Es wurden zwei Studien angeführt, eine von der University of Wisconsin und eine von der University of Virginia, die diese Auffassung bestätigten. Eine Studie zeigte, daß durch körperliche Betätigung die Produktion eines Stoffes im Gehirn angeregt wird, der Depressionen entgegenwirkt.

      WAS DAS LAUFEN DEINEN MUSKELN NÜTZT

      Daß die Muskeln Betätigung brauchen, sollte jedem einleuchten. Ohne Betätigung „rosten“ sie. Ihre Bewegungsabläufe haben aber so erstaunliche Eigenheiten, daß ihnen der folgende Artikel gewidmet ist. Zudem wird noch ein Training von weit größerer Wichtigkeit angesprochen.

  • Die Muskeln — ihr Vermögen und ihre Grenzen
    Erwachet! 1981 | 22. März
    • Die Muskeln — ihr Vermögen und ihre Grenzen

      Ihre einfachsten Bewegungsabläufe sind Wunder, die wir als selbstverständlich betrachten. In trainiertem Zustand vollbringen sie Meisterstücke der Kraft und Ausdauer, die erstaunlich sind. Aber es gibt noch eine andere Art Training, die weit wichtiger ist und die Grenzen der Muskeln überschreitet.

      EINE Kiste ist voll Bettfedern. Du möchtest sie aufheben. Dein Gehirn gibt den entsprechenden Muskeln Anweisungen, und du hebst die Federn hoch. Doch jetzt ist die Kiste mit Bleistangen gefüllt. Dein Gehirn gibt denselben Muskeln, die die Federn gehoben haben, Anweisung, das Blei zu heben, und sie folgen der Anweisung. Ganz einfach? Durchaus nicht.

      Die Faser eines Skelettmuskels zieht sich nicht je nach dem aufzuhebenden Gewicht einmal stärker und einmal schwächer zusammen. Erhält die Faser von einem Nerv den Befehl zum Zusammenziehen, dann zieht sie sich völlig zusammen. Wenn sie sich zusammenzieht, so tut sie es ohne Einschränkung. Wie kommt es dann, daß die Muskeln auf den einen Befehl hin nur so viel Kraft aufbringen, um Federn aufzuheben, und auf den anderen Befehl hin so viel, um Blei aufzuheben?

      Ein Muskel besteht aus vielen Bündeln Muskelfasern, die jeweils eine „motorische Einheit“ bilden. Zu jeder Einheit führt ein motorischer Nerv, der am Ende verzweigt ist, so daß jede Muskelfaser eine eigene Nervenendigung hat, von der sie angeregt wird. Der elektrochemische Reiz wird durch chemische Stoffe von der Nervenendigung auf die Faser übertragen, in der er sich wieder elektrochemisch fortpflanzt. Die Faser zieht sich zusammen. Sämtliche Fasern des Bündels oder der motorischen Einheit ziehen sich zusammen.

      Allerdings ziehen sich nicht sämtliche Faserbündel eines Muskels zusammen, wenn der Muskel in Aktion tritt. Erkennt die Person, daß nur Federn hochzuheben sind, so gibt das Zentralnervensystem nur an so viele Faserbündel Befehle, wie nötig sind, um die Federn hochzuheben. Wenn es aber gilt, Blei hochzuheben, werden entsprechend mehr Faserbündel angeregt, sich zusammenzuziehen.

      Manchmal täuscht man sich. Wenn man denkt, die Kiste sei voller Federn, obwohl sie Blei enthält, erhalten nicht genügend Fasern den Befehl, sich zusammenzuziehen, und man ist überrascht. Es scheint dann, die Kiste sei am Boden festgenagelt. Denkt man aber, die Kiste sei voller Blei, obwohl sie nur Federn enthält, werden viele Faserbündel angeregt, und die Kiste scheint vom Boden hochzufliegen.

      Entscheidungen über Entscheidungen!

      Das Zentralnervensystem trifft ständig Entscheidungen darüber, wie viele Faserbündel Befehl zum Zusammenziehen erhalten müssen, damit die zahlreichen erforderlichen Arbeiten von den etwa 650 Muskeln des Körpers ausgeführt werden. In den Fasern sind Sensoren, die an das Zentralnervensystem einen Bericht senden und durch diese Rückkoppelung zum Entscheidungsprozeß beitragen. Vielleicht triffst du ungern Entscheidungen, aber im Unterbewußtsein triffst du Millionen von Entscheidungen.

      Je mehr Fasern sich zusammenziehen, um so größer und fester wird der Muskel. Zum Beispiel zieht sich in deinem Oberarm der Bizeps zusammen, damit du deine Hand heben kannst, um dich am Kopf zu kratzen. Dafür werden nicht viele Fasern benötigt, und dein Bizeps ist ziemlich weich. Hebe aber mit derselben Bewegung ein 15-Kilo-Gewicht in Schulterhöhe, und dein Bizeps wird sich wölben und hart werden, weil viele Fasern angespannt sind.

      Manche Muskeln haben eine besonders feine Kontrolle über die Spannkraft. Die Finger zum Beispiel können mit eisernem Griff einen Gegenstand umschließen oder vorsichtig mit dünnschaligen Eiern hantieren. Die entsprechenden Muskeln enthalten viele Faserbündel, aber jedes Bündel enthält nur wenige Fasern — manche nicht mehr als zehn. Große Muskeln, wie zum Beispiel Beinmuskeln, sind nicht zu solch fein abgestuften Bewegungen imstande. Sie haben weniger Faserbündel, aber viel mehr Fasern in jedem Bündel — oft mehr als hundert.

      Skelettmuskeln bestehen im wesentlichen aus zwei Faserarten: aus dunklen Fasern für den langsameren, ständigen Gebrauch und aus weißen Fasern für plötzliche Bewegungen. Manche Muskeln bestehen fast nur aus langsamen Fasern, andere dagegen setzen sich aus langsamen und schnellen zusammen. Personen, die in ihren Bewegungen ungewöhnlich schnell sind, haben mehr weiße oder schnelle Fasern als Personen, deren Bewegungen langsamer sind. Behende Sportler beispielsweise brauchen schnelle Muskelfasern, um die blitzschnellen Bewegungen ausführen zu können, die uns immer wieder in Erstaunen versetzen. Auch verfügen hervorragende Sprinter über mehr schnelle Fasern als die Langstreckenläufer. Das Training macht etwas aus, aber es kann nicht das Verhältnis zwischen schnellen und langsamen Fasern verändern — das ist erblich festgelegt.

      Woher die Energie kommt

      Die Energiequelle für die Muskelbewegung ist das ATP (Adenosintriphosphat). Es wird in den Muskelfasern von kleinen Körperchen hergestellt, die man als Mitochondrien bezeichnet, und entsteht auf verschiedenerlei Weise. Die Fette im Muskelgewebe werden in freie Fettsäuren zerlegt, die sich dann im Muskel und auch im Blut befinden. Schließlich oxydieren sie in den Muskelfasern, damit Energie für die Erzeugung von ATP frei wird. In den Muskelfasern oxydiert auch Glucose aus dem Blut, um ATP zu bilden. Von der im Blut enthaltenen Glucose wird etwas in den Muskeln in Form von Kohlenhydraten gespeichert, die man Glykogen nennt. Wenn dann ATP benötigt wird, zerfällt dieses Glykogen zu Glucose, die ohne Beteiligung von Sauerstoff ATP erzeugt.

      Die Methoden für die Herstellung von ATP kommen gleichzeitig, aber je nach den Umständen in verändertem Ausmaß zum Einsatz. Die Art der körperlichen Betätigung, ihre Intensität und ihre Dauer sowie die Fitneß des Sporttreibenden — all diese Faktoren bestimmen, wieviel ATP zu einer bestimmten Zeit durch eine bestimmte Methode hergestellt wird. Beim Langstreckenlauf — wenn intensiv und lange Zeit trainiert wird — ist das Glykogen die Hauptstütze für die ATP-Produktion.

      Die Muskeln oder ihren Schöpfer verherrlichen?

      Die Muskeln bringen viel zuwege: einen Ball werfen, ihn in einem Bogen fliegen lassen, ihn fallen und gleiten lassen; den Körper im Handstand balancieren; den Körper mit anmutigen Drehungen und Saltos durch die Luft fliegen lassen. Die Muskeln eines Armes können Gewichte von mehreren Zentnern über den Kopf heben. Die Beinmuskeln können den Körper über eine zwei Meter hohe Stange oder fast neun Meter weit über den Boden katapultieren oder in etwa 10 Sekunden 100 Meter weit tragen, in weniger als vier Minuten 1500 Meter oder in etwas mehr als zwei Stunden 42 Kilometer. Und sie können 100 oder 150 Kilometer weit laufen. Die Tarahumara-Indianer in Mexiko laufen 300 Kilometer. Es wurde sogar die zweifelhafte Behauptung aufgestellt, daß die Mahetangs — tibetanische Mönche, die eigens für das Laufen trainiert sind — in 30 Stunden knapp 500 Kilometer laufen und währenddessen in ihrem Schritt und Atemrhythmus ihre heiligen Mantras hersagen.

      Die Muskeln sind bewundernswert. Aber die Muskeln sind keine Götter. Manche Läufer scheinen so zu denken — zweifellos eine Minderheit. Einer von ihnen verglich das Laufen mit der Suche nach dem Heiligen Gral. Ein anderer Läufer behauptete, daß „das Streben des Geistes durch den Körper soeben begonnen hat“. Eine Joggerin verglich ihr Lauferlebnis mit einer Bekehrung. Die Frau eines Läufers sagte: „Tom war früher ein Methodist. Jetzt ist er ein Läufer.“ Joel Henning schrieb in seinem Buch über das Laufen: „Es ist wirklich eine Art der Anbetung, ein Versuch, Gott zu finden.“ Bob Anderson, Herausgeber der Publikation On the Run, erklärte: „Jemand sagte einmal: ,Wenn die Menschheit überleben soll, muß sie eine neue Religion erfinden.‘ Sie ist erfunden worden. Es ist die Religion des Laufens.“

      Aber Moment! Die Muskeln können uns nicht erretten. Nur ihr Erschaffer kann das. Die Muskeln spiegeln Jehovas schöpferische Weisheit wider. Betrachte seine Genialität, die in der Agilität, Schnelligkeit, Stärke und Ausdauer der Muskeln zum Ausdruck kommt. Erkenne sie in den komplizierten elektrochemischen Vorgängen — Millionen von Reaktionen in Millionen von Muskelfasern —, die zu jeder Sekunde des Tages ablaufen und überwacht und koordiniert werden, ohne daß wir einen Gedanken darauf verwenden. Ja, ohne daß wir einen Gedanken darauf verwenden, verrichten sie ihren Dienst, der uns am Leben erhält: Die Lunge atmet, das Herz schlägt, das Blut pulsiert, innere Organe besorgen die Verdauung, Drüsen sondern Sekrete ab, und „elektrische Schaltkreise“ arbeiten blitzschnell — und noch viele weitere Vorgänge, deren wir uns nicht bewußt sind.

      Die Muskeln zu trainieren ist nützlich, doch sich in Gottergebenheit zu üben ist unvergleichlich nützlicher. „Leibesübung ist zu wenigem nützlich“, schrieb der Apostel Paulus, „Gottergebenheit aber ist für alle Dinge nützlich, da sie eine Verheißung auf gegenwärtiges und künftiges Leben hat“ (1. Tim. 4:8). Erfreue dich der körperlichen Betätigung, für die du dich entschieden hast. Genieße ihren Nutzen. Sie kann dein Wohlbefinden steigern. Gottergebenheit kann jedoch etwas bewirken, was Muskeln niemals können — sie kann dir helfen, länger zu leben, ja sogar ewiges Leben zu erlangen. Der Psalmist sagte über Gott:

      „Der HERR hat keine Freude an der Kraft des Pferdes, kein Gefallen an den Beinen des Läufers; Gefallen hat er an denen, die ihn fürchten“ (Ps. 147:10, 11, „The New English Bible“).

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