-
Glaube — ein Erfordernis, um Gott zu gefallenDer Wachtturm 1967 | 15. September
-
-
Glaube — ein Erfordernis, um Gott zu gefallen
„Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen, denn wer sich Gott naht, muß glauben, daß er ist, und daß er denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird.“ — Hebr. 11:6.
1. (a) Was sollte gemäß Gottes Wort, der Bibel, in unseren Tagen überhandnehmen, und was würde deshalb schwinden? (b) Welche jüngst gemachten Feststellungen bestätigen dies?
GOTTES Wort, die Bibel, sagt über die Tage, in denen wir leben: „Wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten.“ (Matth. 24:12) Wir können beobachten, wie sich diese Worte in der Christenheit bewahrheiten und wie der Glaube in ihr schwindet. Das bestätigte auch der Bericht, den das amerikanische Bundeskriminalamt für das Jahr 1963 veröffentlichte, denn er zeigte, daß die Zahl der Verbrechen vom Jahr 1958 bis zum Jahr 1963 um 40 Prozent gestiegen war, das heißt um das Fünffache der Bevölkerungszunahme, die 8 Prozent betrug. Von den in Stadtgebieten verhafteten Verbrechern waren 50,4 Prozent Jugendliche unter 18 Jahren. Nach den vorsichtigen Schätzungen J. Edgar Hoovers, des Leiters des amerikanischen Bundeskriminalamtes, kostet die Verbrechensbekämpfung und -verhütung die USA jährlich siebenundzwanzig Milliarden Dollar ($ 27 000 000 000).a Die Jugendkriminalität nimmt weiterhin zu. Unsittliche Handlungen sind in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern an der Tagesordnung, und die Zahl der Ehescheidungen aus nichtbiblischen Gründen ist außergewöhnlich hoch. Nach einem Bericht, der in der American Weekly erschien, haben in Schweden, das eine Staatskirche hat, „sieben von zehn verheirateten Schwedinnen mindestens ein Kind empfangen, bevor sie an den Altar traten“.
2. Welche Warnungen sollten wir beachten, um unseren Glauben zu schützen?
2 Eine der Hauptursachen ist wahrscheinlich darin zu suchen, daß sich die Menschen durch angeblich wissenschaftliche Erklärungen täuschen lassen, die sie annehmen, nur weil sie von führenden Persönlichkeiten stammen. Der christliche Apostel Paulus nahm auf diesen Umstand Bezug und schrieb in seinem Brief an die Versammlung in Kolossä: „Seht euch vor: vielleicht mag es jemand geben, der euch durch die Philosophie und leeren Trug als seine Beute wegführen wird gemäß der Überlieferung der Menschen, gemäß den elementaren Dingen der Welt und nicht gemäß Christus.“ Bei einer anderen Gelegenheit warnte derselbe Schreiber einen jungen Mann mit den Worten: „Behüte, was als anvertrautes Gut bei dir hinterlegt ist, indem du dich von den leeren Reden abwendest, die verletzen, was heilig ist, und von den widersprechenden Behauptungen der fälschlich so genannten ‚Erkenntnis‘. Denn indem einige eine solche Erkenntnis zur Schau gestellt haben, sind sie vom Glauben abgewichen.“ — Kol. 2:8; 1. Tim. 6:20, 21.
3. Was sollten wir gemäß 2. Timotheus, Kapitel 3, heutzutage erwarten?
3 Es ist interessant, die Ereignisse und Verhältnisse unseres zwanzigsten Jahrhunderts anhand der vor neunzehnhundert Jahren aufgezeichneten prophetischen Enthüllungen näher zu betrachten. Die Bibel sagte die schweren Zeiten, in denen wir heute leben, voraus, nämlich, daß ein Sittenverfall eintreten würde, daß die Menschen die Vergnügungen mehr lieben würden als Gott, den Allmächtigen, daß sie wortbrüchig sein und alle möglichen Schlechtigkeiten verüben würden. Paulus schrieb an den jungen Timotheus über die Verhältnisse, die in den „letzten Tagen“ herrschen würden, folgendes: „Dieses aber erkenne, daß in den letzten Tagen kritische Zeiten da sein werden, mit denen man schwer fertig wird. Denn die Menschen werden eigenliebig sein, geldliebend, anmaßend, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, nicht loyal, ohne natürliche Zuneigung, für keine Übereinkunft zugänglich, Verleumder, ohne Selbstbeherrschung, brutal, ohne Liebe zum Guten, Verräter, unbesonnen, aufgeblasen vor Stolz, die mehr die Vergnügungen lieben als Gott, die eine Form der Gottergebenheit haben, sich aber hinsichtlich deren Kraft als falsch erweisen; und von diesen wende dich weg.“ Dann enthüllt der Bericht weiter, daß alle, die Glauben haben und ein gottergebenes Leben führen, verfolgt würden, und zeigt dann — das Überhandnehmen der Bosheit nochmals bestätigend —, daß andere irregeführt würden: „Alle, die in Verbindung mit Christus Jesus mit Gottergebenheit leben wollen, [werden] auch verfolgt werden. Böse Menschen aber und Schwindler werden vom Schlechten zum Schlimmeren voranschreiten, indem sie irreführen und irregeführt werden.“ — 2. Tim. 3:1-5, 12, 13.
4. Warum glauben viele Menschen nicht mehr an Gott und an sein Wort?
4 Viele glauben nicht mehr an die Bibel wegen der lächerlichen Bibelauslegung der Christenheit, nach der es eine Hölle geben und Gott für das Böse sowie für die Kriege und die Ketzergerichte verantwortlich sein soll. Andere lehnen die Bibel wegen ihrer Sittengesetze und wegen der gerechten Grundsätze, für die sie eintritt, ab; sie möchten der Lust des Fleisches frönen, ihre Sucht nach Geld, Macht und Vergnügungen befriedigen und ein zügelloses Leben führen. Statt das zu tun, was recht ist, schieben sie die Bibel beiseite und handeln nach ihrem Gutdünken und nach ihrer Lebensphilosophie. Wieder andere finden, die Bibel lege zu großen Nachdruck darauf, daß man sich mit Menschen verbinden müsse, die sich tatkräftig dem Predigen des Evangeliums widmen, wenn man Gottes Willen tun wolle. Das stellt zu große Anforderungen an ihre Zeit, und so gehen sie lieber den Weg des geringsten Widerstandes, das heißt, sie tun das, was man in „dieser Welt“ allgemein tut. Der Glaube ist eine Eigenschaft, die nicht alle Menschen besitzen und die auch nicht alle zu haben wünschen. — 2. Thess. 3:2.
5. Warum erwarten wir nicht, daß die meisten Menschen Glauben haben?
5 Wir dürfen nicht erwarten, daß die meisten Menschen die Bibel annehmen und den Fußtapfen Christi Jesu, des Sohnes Gottes, folgen, daß sie Gott, dem Allmächtigen, in Treue und von inniger Liebe getrieben, heiligen Dienst darbringen und ihre Nächsten lieben. Nur eine Minderheit wird die in Gottes Wort, der Bibel, aufgezeichneten gerechten Verordnungen anerkennen und befolgen. Das bestätigen die Worte Jesu: „Eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die es finden.“ Das bedeutet nicht, daß die Menschen nicht die Möglichkeit hätten, diesen Weg zu gehen, aber die meisten suchen ihn gar nicht. Deshalb sagte Jesus dann im Gegensatz zu seinen vorherigen Worten: „Breit und geräumig ist der Weg, der in die Vernichtung führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen.“ Dieser Weg ist der Weg des geringsten Widerstandes, der Weg, auf dem man sich dem Nationalismus beugt und seine Zeit und sein Leben mit anderen Dingen ausfüllt und so Zeit und Kraft verschwendet. — Matth. 7:14, 13.
6. Wer bekundet Glauben? Was tun solche Menschen?
6 Es gibt jedoch eine kleine Gruppe von Menschen, die als Zeugen Jehovas bekannt sind, die am Glauben festhalten, dem Worte Gottes offensichtlich vertrauen und sich Gott hingegeben haben, um seinen Willen zu tun, und Gott „hat ihre Herzen durch Glauben gereinigt“. Das stimmt mit Jesu Worten und Äußerungen überein. Er sagte: „Ringt danach, durch die enge Tür einzugehen, denn viele, sage ich euch, werden hineinzukommen suchen, werden es aber nicht vermögen.“ Warum nicht? Weil sie Gott, dem Allmächtigen, und ihrer Liebe zu ihm nicht den ersten Platz eingeräumt haben. — Apg. 15:9; Luk. 13:24.
GLAUBE
7. Was ist Glaube?
7 Zu glauben bedeutet, Gott aufgrund seiner Verheißungen treu und ergeben zu sein. Was der Glaube ist, erklärte der Apostel Paulus am besten durch folgende Worte in seinem Brief an die Hebräer: „Der Glaube ist die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, die offenkundige Darstellung von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht.“ Der Glaube muß echt und lebendig sein und in der festen Überzeugung wurzeln, daß Jehova der wahre Gott ist. Er erweckt ein offensichtliches Vertrauen in die Belohnung, die Gott denen verheißen hat, die ihn suchen. — Hebr. 11:1.
8, 9. (a) Ist der Glaube eine angeborene Eigenschaft? (b) Welcher Unterschied besteht zwischen Glaube und Leichtgläubigkeit? (c) Wovon muß der Glaube frei sein?
8 Der Glaube ist keine angeborene Eigenschaft. Wir müssen ihn erwerben, und das können wir am besten durch ein eifriges Studium des Wortes Gottes, der Bibel, tun. Durch ein fortgesetztes Studium der Bibel vertiefen wir unsere Liebe zu ihr und zu ihrem Urheber sowie zu dessen Sohn Jesus Christus. „Da ist e i n ... Geist, ... e i n Herr, e i n Glaube, ... e i n Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen ist.“ — Eph. 4:4-6.
9 Der Glaube darf nicht mit der Leichtgläubigkeit verwechselt werden, die heute so weit verbreitet ist. Die treue Ergebenheit eines Christen darf nie, auch nicht in geringstem Maße, durch Leichtgläubigkeit beeinträchtigt werden, wie das bei den Menschen heute der Fall ist, die sich zu den verschiedenen Religionsgemeinschaften der Heidenwelt oder der Christenheit bekennen. Aufgrund unserer Beobachtungen wissen wir, daß es viele verschiedene „Glauben“ gibt und daß diese nicht nur Gottes Wort, sondern auch einander widersprechen. Das an sich zeigt, wie wichtig und notwendig es ist, den echten christlichen Glauben zu suchen, der auf einer sicheren Grundlage, nämlich auf Jehova Gott, dem Schöpfer des Universums, und auf seinem Sohn Jesus Christus, beruht. Diesen Gedanken hebt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Versammlung in Thessalonich hervor, denn er zeigt, daß wir nicht leichtgläubig sein sollten, indem er die Brüder bittet, weiterhin zu beten, damit „wir befreit werden von argen und bösen Menschen, denn der Glaube ist nicht der Besitz aller Menschen“. Wie wichtig ist es daher, Glauben zu erwerben und diesen Glauben zu stärken und nicht die glaubenerschütternden Theorien und Ansichten von Menschen oder von Systemen der menschlichen Gesellschaft anzunehmen! (2. Thess. 3:2) In einer christlichen Gemeinschaft darf der Glaube nicht durch die Annahme widersprechender Ansichten beeinträchtigt werden. Es kann nur e i n e n Glauben geben, der auf den Lehren des wahren Gottes und seines Sohnes Jesus Christus beruht. Dieser unverfälschte Glaube oder diese treue Ergebenheit ist bei einer Organisation zu finden, die von Jehova Gott geleitet wird: bei der Neuen-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas.
10. Welche Einheit kommt in der Redeweise der Zeugen Jehovas zum Ausdruck, und warum ist die Einheit im Denken so wichtig?
10 Hier und da kommt es vor, daß einem Zeugen Jehovas, der in Verbindung mit seiner Predigttätigkeit an den Türen der Menschen vorspricht, von einem Wohnungsinhaber gesagt wird: „Sie sprechen genauso wie der letzte Zeuge Jehovas, der hier war.“ Etwas später hört er vielleicht die Bemerkung: „Ihr Zeugen Jehovas redet alle gleich.“ Wir freuen uns, daß dem so ist; es ist ein gutes Zeichen. Wir wären sonst nicht die Organisation, die Jehovas Geist besitzt, der Einheit im Denken, Streben und Handeln bewirkt, eine Einheit, die in 1. Korinther 1:10 mit den so treffenden Worten empfohlen wird: „Nun ermahne ich euch, Brüder, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus, daß ihr alle übereinstimmend redet und daß keine Spaltungen unter euch seien, sondern daß ihr im gleichen Sinn und im gleichen Gedankengang eng vereint sein mögt.“ Es ist ganz klar, daß es da, wo Einheit im Denken und Reden ist, nur e i n e n Glauben gibt.
11. Warum kann die Handlungsweise der Christenheit Gott nicht wohlgefällig sein? Wie groß sollte der Glaube sein?
11 In der Christenheit hat man den Glauben verwässert und ihn in seinem Wert herabgesetzt; treue Ergebenheit ist kein Erfordernis für ihre Angehörigen. Grundsätzlich ist es unmöglich, daß jemand, der nur wenig oder nur einen schwachen Glauben hat, Gottes Gunst erlangt. Das geht aus folgenden Worten des Apostels Paulus an die Hebräer deutlich hervor: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen, denn wer sich Gott naht, muß glauben, daß er ist, und daß er denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird.“ (Hebr. 11:6) Eigentlich gibt es nicht verschiedene Grade des Glaubens, zum Beispiel einen fünfzig-, einen sechzig- oder einen fünfundneunzigprozentigen Glauben. Nur ein hundertprozentiger Glaube ist Gott wohlgefällig. Es ist beachtenswert, daß im elften Kapitel des Hebräerbriefes viele Männer der alten Zeit namentlich erwähnt werden, weil sie einen solch hundertprozentigen Glauben bekundeten.
12. (a) Worauf beruht der Glaube, und wie kann er gestärkt werden? (b) Wie kann man Glauben erlangen und ihn dann beweisen?
12 Um festzustellen, ob unser Glaube schwach oder stark ist und ob er auf einer zuverlässigen, unerschütterlichen Grundlage beruht, müssen wir ihn anhand des Maßstabes für den Glauben, anhand des Wortes Gottes, der Bibel, prüfen. Wir müssen die göttlichen Normen beachten und uns danach richten. Paulus sprach in Verbindung mit seinem Apostelamt vom Gehorsam gegenüber dem Worte Gottes und vom Bekunden des Glaubens hinsichtlich des Namens Gottes. In seinem Brief an die Römer erwähnte er die Wichtigkeit eines ‘Austausches von Ermunterung in ihrer Mitte, indem jeder durch den Glauben des anderen, sowohl des ihren wie des seinen, ermuntert werde’, das heißt, damit sein Glaube und auch der ihre gestärkt und gefestigt werde. Durch das, was wir reden, ja durch das Wort des Glaubens, das wir predigen, können wir unseren Glauben beweisen: „Mit dem Herzen übt man Glauben zur Gerechtigkeit, mit dem Munde aber legt man eine öffentliche Erklärung zur Rettung ab.“ Paulus bekräftigt dies noch, indem er die Worte hinzufügt: „Keiner, der seinen Glauben auf ihn setzt, wird enttäuscht werden.“ Die Frage erhebt sich, wie der einzelne Glauben erwerben und ihn festigen oder untermauern kann. „Wie werden sie den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören, ohne daß jemand predigt?“ Das läßt uns erkennen, daß der einzelne dadurch zum Glauben gelangen kann, daß er einen Diener Gottes hört. Gott sendet deshalb seine Diener aus und beauftragt sie zu predigen, damit Tausende und aber Tausende zum Glauben kommen können, nachdem sie Gottes Wort, das der Quell des Glaubens ist, gehört haben. Eine Möglichkeit, unseren Glauben zu beurteilen, besteht darin, festzustellen, ob wir bereit sind, uns im christlichen Predigtdienst zu verausgaben, denn unser Glaube zeigt sich in unseren Werken. — Röm. 1:12; 10:10, 11, 14; Jak. 2:18.
13. Wie können Personen, die sich erst seit kurzem für die Bibel interessieren, ihren Glauben stärken?
13 Neuinteressierte oder Personen, die noch nicht lange am Predigtdienst teilnehmen, können sich auf die, die ‘im Glauben fest sind’, verlassen. Die Starken können „die Schwachheiten derer ... tragen, die nicht stark sind“. Gehen wir noch weiter: „Ein jeder von uns gefalle seinem Nächsten in dem, was zu seiner Erbauung gut ist“, in diesem Fall zur Stärkung seines Glaubens. Diese Worte lassen auch deutlich erkennen, daß selbst die Starken tätig bleiben und sich fortgesetzt am Predigtwerk beteiligen müssen, um einen unerschütterlichen Glauben zu bewahren. Was hilft ihnen unfehlbar, ihren Glauben und ihre Reife zu bewahren? Folgende Worte zeigen es: „Denn alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können.“ Gott hat uns also die Grundlage für unsere Hoffnung und unseren Glauben gegeben. Wie wir unseren Glauben lebendig erhalten können, beschreibt Paulus folgendermaßen: „Nun bin auch ich selbst eurethalben überzeugt, meine Brüder, daß ihr selbst auch voller Gütigkeit seid, da ihr mit aller Erkenntnis erfüllt worden seid, und daß ihr einander auch zurechtweisen könnt. Indes schreibe ich euch über einige Punkte um so offener, gleichsam um euch wieder daran zu erinnern, wegen der mir von Gott verliehenen unverdienten Güte.“ Der gegenseitige Austausch von Ermunterung durch Gespräche über den auf Gottes Wort beruhenden Glauben festigt und stärkt uns, so daß wir den Bemühungen der Gegner, die durch widersprechende Gedanken und einen immer stärkeren Druck unsere innere Kraft des Glaubens brechen möchten, widerstehen können. — Röm. 15:1, 2, 4, 14, 15.
14. Warum sollten wir Gott zu uns reden lassen, und mit welchen Worten warnt er uns davor, aus anderen Quellen Aufschluß zu schöpfen?
14 Es ist also ohne weiteres zu erkennen, daß man Erkenntnis über Jehova Gott und sein Wort besitzen muß, um eine feste Zuversicht zu haben. Um ihn kennenzulernen, müssen wir ihn zu uns reden lassen, natürlich nicht buchstäblich, sondern durch sein geschriebenes Wort, die Bibel. Sie ist die einzige Quelle, aus der wir grundlegenden Aufschluß darüber erhalten, wer Jehova ist. Der Psalmist warnt uns vor anderen Quellen mit folgenden Worten: „Vertrauet nicht auf Fürsten, auf einen Menschensohn, bei welchem keine Rettung ist!“ Wie vernünftig dieser Rat ist, erkennen wir, wenn wir über den Menschen lesen: „Sein Geist geht aus, er kehrt wieder zu seiner Erde: an selbigem Tage gehen seine Pläne zu Grunde.“ Auf Menschen vertrauen würde bedeuten, daß man schließlich mit ihnen und ihren nichtigen Lehren zugrunde geht. — Ps. 146:3, 4.
VORBILDER IN BEZUG AUF DEN GLAUBEN
15, 16. (a) Was für einen Glauben bekundete Moses? (b) Wer unter anderem bekundete gemäß dem biblischen Bericht ebenfalls einen starken Glauben?
15 Wir dürfen nicht vergessen, daß der Glaube keine Gabe ist, sondern eine Eigenschaft, die man entwickeln muß. Viele Männer der alten Zeit bekundeten einen vorbildlichen Glauben. Sie waren gewöhnliche Menschen wie wir und mußten den Glauben genauso fördern und festigen wie wir. Muß Moses nicht großen Glauben gehabt haben, als er zu den fliehenden Israeliten die mutigen Worte sprach: „Fürchtet euch nicht! stehet und sehet die Rettung Jehovas, die er euch heute schaffen wird; denn die Ägypter, die ihr heute sehet, die werdet ihr hinfort nicht mehr sehen ewiglich. Jehova wird für euch streiten, und i h r werdet stille sein.“? (2. Mose 14:13, 14) Welchen Glauben muß Moses ferner gehabt haben, um mehr als zwei Millionen Menschen durch die ausgedehnte Wüste zu führen, in der es wenig Nahrung und wenig Wasser für eine solch gewaltige Volksmenge gab! Doch er vertraute Jehova und tat, was ihm geboten worden war.
16 Man könnte viele biblische Berichte über Männer anführen, die Glauben besaßen, Männer wie Noah, Abraham, Moses, David und andere. Sie hatten wirklich echten Glauben. Sie waren Männer mit großem Glauben. — 2. Petr. 2:5; Hebr. 11:7, 8, 17, 24-27, 32.
17, 18. (a) Warum wird Jesus in der Christenheit keinen Glauben finden? (b) Unter wem wird er Glauben finden, und wie denken diese Menschen über den Glauben?
17 Und heute? Was für einen Glauben dürfen wir in den „letzten Tagen“, in denen wir leben, erwarten? „Wird der Sohn des Menschen, wenn er gekommen ist, wirklich den Glauben auf der Erde finden?“ (Luk. 18:8) Es ist ohne weiteres zu erkennen, daß der wahre Glaube nicht in den Religionsgemeinschaften der Christenheit gefunden werden kann, weil sie mit den politischen Elementen der Welt verbunden sind und die Pläne menschlicher Führer, das heißt die Friedenspläne der Welt, unterstützen, statt ihre Zuversicht auf Gottes Königreich unter Christus Jesus zu setzen.
18 Menschen, die auf die Organisationen der Christenheit vertrauen, sind nur schwer dazu zu bewegen, ihr Vertrauen auf Gottes Königreich zu setzen. In der Neuen-Welt-Gesellschaft der Zeugen Jehovas glaubt man jedoch an Gottes Königreich und vertraut auf Gottes schützende Macht. Möchten daher alle, die Gott lieben und seinen Willen tun, weiterhin den wahren Glauben fördern und nicht aufhören, ihn zu stärken. Wir dürfen nicht zulassen, daß Materialismus, Nationalismus oder andere weltliche Interessen von uns Besitz ergreifen und unseren Glauben schwächen. Wir sollten die Gesinnung haben, die die Jünger Christi zum Ausdruck brachten, als sie sagten: „Gib uns mehr Glauben.“ — Luk. 17:5.
-
-
Standhaft im Glauben trotz WiderstandesDer Wachtturm 1967 | 15. September
-
-
Standhaft im Glauben trotz Widerstandes
„Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid, bewährt euch immer wieder.“ — 2. Kor. 13:5.
1. (a) Was könnten wir uns unter anderem fragen? (b) Worin zeigte sich der Glaube des Apostels Paulus?
WIR fragen uns mit Recht: „Läßt sich unser Glaube mit dem Glauben des sanftmütigen, aber mutigen Moses oder mit dem des standhaften Paulus vergleichen?“ Betrachten wir zum Beispiel Paulus, der wegen seiner Predigttätigkeit vielen Gefahren ausgesetzt war. Er wurde geschlagen, gesteinigt, erlitt Schiffbruch, war auf seinen Reisen oft in Gefahr — „in Gefahren in der Wildnis, in Gefahren auf dem Meer, ... bei Hunger und Durst, oftmals ... in Kälte“. Paulus ermahnte sogar Christen, die einen starken Glauben entwickelt hatten, mit den Worten: „Prüft immer wieder, ob ihr im Glauben seid, bewährt euch immer wieder.“ Dadurch zeigte er, daß Christen wachsam bleiben und sich ständig prüfen müssen, um ihre Loyalität gegenüber Gott zu bewahren. — 2. Kor. 13:5; 11:25-27.
2. Was für Glaubensprüfungen können wir noch erwarten, und wer gab uns in bezug auf Glauben und Mut ein gutes Beispiel?
2 Wenn wir den Bibelbericht durchgehen, stellen wir fest, daß sowohl die treuen Diener Gottes der vorchristlichen Zeit als auch die Glieder der frühchristlichen Versammlung, die vor neunzehnhundert Jahren lebten, großem Widerstand begegneten, oft widerrechtlich festgenommen wurden, unter dem Einfluß des Nationalismus unter Druck gesetzt wurden usw. Sie hielten diesen Prüfungen jedoch furchtlos stand und gingen mit dem Feind keine Kompromisse ein. Oft wurden gegen einzelne falsche Anklagen erhoben. Manche wurden eingesperrt. Denken wir an Joseph, der in Ägypten zwei Jahre im Gefängnis zubringen mußte, weil er eines Verbrechens beschuldigt wurde, das er nicht begangen hatte. (1. Mose 39:7-20) Petrus und Johannes sowie die übrigen Apostel wurden festgenommen, weil sie ununterbrochen die Botschaft predigten. (Apostelgeschichte, Kapitel 4 und 5) So war es nicht nur in den Tagen der frühchristlichen Versammlung. Der Glaube der wahren christlichen Zeugen Jehovas ist in den letzten paar Jahrzehnten auf ähnliche Weise geprüft worden.
SPANIEN
3. Welches Beispiel für Glauben haben wir in Spanien, und wie wirkte sich die Predigttätigkeit dort aus?
3 Im Jahre 1952 wurden Jehovas Zeugen in Spanien überwacht. In einem Fall waren sie in einem bestimmten Haus wiederholt zu einem Bibelstudium zusammengekommen. Eines Tages wartete die Geheimpolizei auf sie. Man verhaftete sie, sperrte sie ein und durchsuchte ihre Wohnungen. Sie wurden beschimpft und bedroht und mit Schmähworten vor den Folgen gewarnt, die es für sie haben würde, wenn sie fortfahren würden, die gute Botschaft zu predigen. Sie ließen sich aber in ihrem Glauben nicht erschüttern. Damals gab es in Spanien 121 Zeugen Jehovas, die am Predigtdienst teilnahmen, und sie predigten weiter. Im Jahre 1966 waren es 4302 Verkündiger. Ja, sie gehorchten „Gott, dem Herrscher, mehr ... als den Menschen“. — Apg. 5:29.
DEUTSCHLAND
4. (a) Welcher Verfolgung waren die deutschen Diener Gottes in den 1920er Jahren und zu Beginn der 1930er Jahre ausgesetzt, und wie begegneten sie dieser Verfolgung? (b) Was sagte Hitler über die Zeugen Jehovas in Deutschland, als er an die Macht gekommen war?
4 In den 1920er Jahren und bis zum Jahre 1933 wurde dem Predigtwerk der Zeugen Jehovas in Deutschland heftiger Widerstand entgegengebracht. Allein in den Jahren 1931 und 1932 betrug die Zahl der Gerichtsfälle gegen Jehovas Zeugen 2335. Die Zeugen hielten aber dieser Verfolgung stand. Das zeigt sich darin, daß sie in den Jahren 1919 bis 1933 achtundvierzig Millionen bibelerklärende Broschüren und siebenundsiebzig Millionen Exemplare der Zeitschrift Das Goldene Zeitalter (jetzt Erwachet!) verbreiteten. Die Verfolgung erreichte ihren Höhepunkt, als Hitler an die Macht kam. Er sagte: „Diese sogenannten ‚Ernsten Bibelforscher‘ sind Unruhestifter ... ich betrachte sie als Kurpfuscher; ich dulde nicht, daß die deutschen Katholiken ... auf eine derartige Weise beschmutzt werden, ich löse die ‚Ernsten Bibelforscher‘ in Deutschland auf; ihr Vermögen stelle ich der Volkswohlfahrt zur Verfügung; ich lasse ihre sämtlichen Schriften beschlagnahmen.“ Das Eigentum der Gesellschaft in Magdeburg wurde beschlagnahmt. Die Regierung beschlagnahmte auch Schriften, Bücher und Broschüren im Werte von über 25 000 Dollar und ließ sie wegbringen und verbrennen. Die treuen Christen predigten trotz dieses Widerstandes unterirdisch weiter.
5. Wieso läßt sich die Kompromißmöglichkeit, die Christen in Deutschland geboten wurde, mit der Prüfung vergleichen vor die Sadrach, Mesach und Abednego gestellt wurden?
5 Unter der Hitler-Regierung wurde ihnen gesagt, sie brauchten nur eine Erklärung zu unterschreiben, durch die sie sich von Jehovas Zeugen lossagen würden, dann könnten sie die Freiheit erlangen und ihr Leben retten. Einige versagten; doch die meisten erinnerten sich an die schwierige Lage, in der sich die drei Hebräer befanden, denen man drohte, sie in den Feuerofen zu werfen, wenn sie sich beim Ertönen der Musik nicht vor der großen Bildsäule niederbeugen würden, die Nebukadnezar in der Ebene Dura hatte aufstellen lassen. Da sich die drei Männer weigerten, an dieser Bilderverehrung teilzunehmen, wurde der König zornig über sie. Ihre Standhaftigkeit im Glauben zeigte sich in der Antwort, die sie dem König gaben: „Nebukadnezar, wir halten es nicht für nötig, dir ein Wort darauf zu erwidern. Ob unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem brennenden Feuerofen zu erretten vermag — und er wird uns aus deiner Hand, o König, erretten — oder ob nicht, es sei dir kund, o König, daß wir deinen Göttern nicht dienen und das goldene Bild, welches du aufgerichtet hast, nicht anbeten werden.“ Jehova befreite sie sogar aus dem Feuerofen, der außergewöhnlich geheizt worden war; wir lesen: „Das Feuer [hatte] keine Macht über ihre Leiber gehabt ...: das Haar ihres Hauptes war nicht versengt, und ihre Leibröcke waren nicht verändert, und der Geruch des Feuers war nicht an sie gekommen.“ Treue Christen in Deutschland wiesen ähnliche Anschläge des Feindes, die sie zu Kompromissen veranlassen sollten, ebenfalls durch einen ununterdrückbaren Glauben zurück. — Dan. 3:16-18, 27.
KANADA
6. Was geschah in den 1940er Jahren in Kanada?
6 Nicht nur in Deutschland gerieten Christen in eine schwierige Lage. In Kanada wurde zu Beginn der 1940er Jahre die Zeitschrift Der Wachtturm verboten, und auch in diesem Land wurden wahre Christen während des Zweiten Weltkrieges heftig verfolgt und zum Teil eingesperrt. In der Provinz Quebeck waren Mißhandlungen und Belästigungen an der Tagesordnung. Alle diese Schwierigkeiten wurden jedoch durch lange, harte Kämpfe vor den unteren Gerichtsinstanzen und schließlich vor dem kanadischen Bundesgericht überwunden.
7. Welche Anklagen wurden im Jahre 1949 in Quebeck gegen die Zeugen erhoben, und zu welchen Verfolgungen führte das?
7 Im Jahre 1949 wurden die Zeugen in Quebeck des Aufruhrs beschuldigt. Sie wurden nicht nur verleumdet und angepöbelt, sondern in der ganzen Provinz systematisch gejagt und verfolgt; man verhaftete sie widerrechtlich, warf sie in verschmutzte und verseuchte Gefängnisse und verlangte von ihnen ungeheure Kautionen. Ein solches Vorgehen ist jedoch nichts Neues. Paulus wurde unter ähnlichen Beschuldigungen vor Gericht gestellt. Es wurde von ihm gesagt: „Wir haben ... diesen Mann [Paulus] als eine Pest befunden, der unter allen Juden auf der ganzen bewohnten Erde Aufstände erregt“; und er hatte das gleiche getan, was die kanadischen Diener Gottes taten: Er hatte mit anderen über Gottes Königreich gesprochen. — Apg. 24:5.
8. Was bewirkte die beharrliche Predigttätigkeit und die Verteidigung der Freiheit in Kanada?
8 Die Verfolgung in Kanada hielt jahrelang an, und es kam immer wieder zu neuen Gerichtsfällen, bis am 6. Oktober 1953 das Bundesgericht mit fünf gegen vier Stimmen einen Entscheid zugunsten der Zeugen fällte. Durch diesen Entscheid wurden 800 Fälle abgewiesen. Er war das Ergebnis ihres standhaften Ertragens von Belästigungen und Mißhandlungen und ihres Kampfes für die Glaubensfreiheit, den sie durch ihr beharrliches Weiterpredigen führten. Die treuen kanadischen Zeugen waren ebensowenig wie Paulus bereit, einen Kompromiß einzugehen und ihre Predigttätigkeit einzustellen. Statt dessen hielten sie an ihrer Lauterkeit fest und besiegten die Verfolgung durch Glauben.
VEREINIGTE STAATEN VON AMERIKA
9—11. (a) Wurden Jehovas Zeugen auch in den Vereinigten Staaten verfolgt? (b) Wie wurden ihre Kinder davon berührt? (c) Was war schließlich das Ergebnis ihrer kompromißlosen Haltung?
9 Auch in den Vereinigten Staaten wurden Jehovas Zeugen in vielen Gebieten sehr bekämpft und unberechtigt verfolgt. In Texas und Oklahoma kam es zu Pöbelaktionen gegen Jehovas Zeugen. In Plainfield und Jersey City (New Jersey), in Südwest-Pennsylvanien und in Griffin (Georgia) — um nur einige Beispiele zu nennen — sperrte man die Zeugen ein, weil sie das Evangelium predigten. Es folgten langwierige Kämpfe vor Gerichten, aber schließlich wurde der Widerstand durch das treue Festhalten an Gottes Wort und durch die Bewahrung eines starken Glaubens gebrochen.
10 Zufolge der Streitfragen, die in Verbindung mit dem Fahnengruß entstanden, wurden auch die Kinder der Zeugen Jehovas verfolgt. Da viele dieser Kinder ihre Lauterkeit gegenüber Jehova bewahrten und sich weigerten, die Fahne zu grüßen, wurden sie aus der Schule ausgeschlossen und so des Rechts auf Teilnahme am Unterricht in öffentlichen Schulen beraubt.
11 Zu zahlreichen Gerichtsfällen kam es in den Vereinigten Staaten, weil man in manchen Städten unbedingt die Hausierverordnungen auf das Predigtwerk der Zeugen Jehovas anwenden wollte. In allen diesen Fällen und auch in allen Fahnengrußfällen wurde durch den unentwegten Kampf für das Recht, der vor den amerikanischen Gerichten geführt wurde und der schließlich zu mehreren günstigen Entscheidungen des Obersten Bundesgerichts führte, ein Sieg für die Glaubensfreiheit errungen.
12. Wie wurden junge wehrpflichtige Diener Gottes verfolgt?
12 In den Jahren 1940 bis 1946 (also im Zweiten Weltkrieg und kurz danach) wurden etwa 4300 junge amerikanische Diener Gottes verhaftet und eingesperrt. Sie erhielten Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren, weil sie darauf bestanden, als Geistliche anerkannt zu werden. Das amerikanische Wehrpflichtgesetz befreit Geistliche vom Wehrdienst ausdrücklich, aber diesen treuen Predigern der Zeugen Jehovas gewährte man diese Befreiung nicht. Viele wurden, nachdem sie ihre Strafe verbüßt hatten und freigelassen worden waren, kurz danach wieder verhaftet und zu einer weiteren Gefängnisstrafe verurteilt. Diese jungen Diener Gottes bewahrten aber ihre Lauterkeit und nutzten ihre Gefängniszeit gut aus, indem sie die Bibel nach einem bestimmten Programm studierten und so ihren Glauben als Diener Gottes fortgesetzt stärkten. Ja, wenn sich ihnen die Gelegenheit bot, predigten sie sogar, den Wärtern und anderen, mit denen sie in Berührung kamen.
ANDERE PRÜFUNGEN
13. (a) Wo wurden Jehovas Zeugen ebenfalls verfolgt? (b) Wie bewies eine Schwester hinter dem Eisernen Vorhang ihren Glauben, und welchem biblischen Beispiel und Rat entsprach sie?
13 Auch in Italien, Griechenland, auf den Philippinen und in vielen anderen Ländern rund um den Erdball kam es zu Verboten und heftigen Verfolgungen. In allen Fällen suchten die Gegner, die Zeugen Jehovas einzuschüchtern und sie zu veranlassen, ihre treue Ergebenheit gegenüber Jehova aufzugeben. Einen vorbildlichen Glauben bewies eine Schwester, die hinter dem Eisernen Vorhang vor ein Volksgericht gestellt wurde. Als der vorsitzende Funktionär seine Drohung beendet hatte, schrien die anwesenden Frauen: „Diese Volksfeinde sollten ins Meer getrieben werden!“ Trotz dieser Drohung wich sie kein Jota von ihrem Standpunkt, sondern erwiderte: „Ich habe mich dem Gott hingegeben, der das Universum beherrscht, um ihm zu dienen, ich werde ihm nie und unter keinen Umständen untreu werden. Wenn ihr wollt, könnt ihr mich verhungern lassen, aber ich werde meinen Glauben nicht verleugnen und in dieser Hinsicht keinen Kompromiß eingehen.“ Wahrscheinlich kannte sie die Worte Pauli: „Ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, ... noch Regierungen ... imstande sein [werden] ..., uns von Gottes Liebe zu trennen.“ Welch ein Glaube! Und das Ergebnis? Sie durfte wieder gehen, und es wurde nichts weiter gegen sie unternommen. (Röm. 8:38, 39) Wir können also sehen, daß selbst unter den schwersten Umständen Vertrauen notwendig ist. Jehova segnete diese Schwester bestimmt, weil sie sich nicht „vor denen [fürchtete], die den Leib töten“. — Matth. 10:28.
14. Wie mögen sich in Verbindung mit Blutübertragungen Gelegenheiten ergeben, Kompromisse einzugehen, und welchem Rat folgen Jehovas Zeugen?
14 Oft werden der Glaube und die Standhaftigkeit von Zeugen Jehovas in Verbindung mit Blutübertragungen geprüft. Verwandte oder Freunde, die Gottes Gebote nicht verstehen, wenden manchmal alle möglichen Druckmittel an, um einen kranken oder verletzten Zeugen zu veranlassen, seinen Glauben an Gottes Wort aufzugeben und Gottes Gebot, sich vom Blut zu enthalten, außer acht zu lassen. Ein Zeuge Jehovas gehorcht jedoch dem in Apostelgeschichte 15:29 aufgezeichneten Rat: „[Enthaltet] euch der Dinge ..., die Götzen geopfert wunden, sowie des Blutes und des Erwürgten und der Hurerei. Wenn ihr euch vor diesen Dingen sorgfältig bewahrt, wird es euch wohlgehen. Bleibt gesund!“ Gehorsame Christen dürfen in dieser Frage keinen Kompromiß eingehen, selbst wenn sie von Verwandten oder Bekannten verspottet und verhöhnt werden.
15. Warum wäre es nicht richtig, wenn man durch seine weltliche Beschäftigung mit der Organisation des neuzeitlichen Babylon verbunden wäre?
15 Christen können auch in Glaubensprüfungen kommen, weil sie nichts mit Babylon der Großen, dem Weltreich der falschen Religion, zu tun haben möchten. Jemand mag durch seine weltliche Beschäftigung in den Kirchen der Christenheit zu tun haben. Er ist vielleicht Bauunternehmer oder arbeitet für einen Unternehmer, der vorwiegend Kirchen baut, oder er ist als Hausverwalter in einem kirchlichen Gebäude beschäftigt. Wie paradox wäre es doch, wenn ein Christ andere gemäß Offenbarung 18:4 warnen und zu ihnen sagen würde: „Geht aus ihr [Babylon] hinaus, mein Volk, wenn ihr nicht mit ihr teilhaben wollt an ihren Sünden, und wenn ihr nicht einen Teil ihrer Plagen empfangen wollt“, während er durch seine Arbeit selbst ein Teil von ihr ist!
16. Welche weiteren Probleme mögen in Verbindung mit dem Beruf entstehen, und was sollte ein Christ in einem solchen Fall tun?
16 Wäre jemand in der Kriegsindustrie oder in einer Firma beschäftigt, die hauptsächlich für diesen Industriezweig arbeitet, so würde er seine Stellung als Christ gefährden. Jedermann wird zugeben müssen, daß man in einer solchen Stellung nicht darum herum käme, Gottes Wort zuwiderzuhandeln, das Christen davor warnt, Blut in irgendeiner Weise zu genießen oder zu vergießen. Wer kompromißlos diesen Weg geht, mag von seinen Arbeitskollegen oder von seinem Arbeitgeber verspottet werden oder gar seine Anstellung verlieren. Doch ein Christ achtet darauf, daß er sich in keiner Weise weder an den Kriegen noch an den Kriegsbestrebungen der Nationen beteiligt. Jesus sagte: „Du sollst nicht morden.“ (Matth. 5:21) Dieser Grundsatz wird auch durch die Worte des Paulus bestätigt, die wir in 2. Korinther 6:14-17 lesen und gemäß denen wir nicht in einem „ungleichen Joch“ mit Dingen sein sollten, die offensichtlich zu dieser ungläubigen Welt gehören. Ein Christ, der sich in einer solchen Lage befindet, täte gut, sich nach einer anderen Stellung umzusehen.
17. (a) Welcher Situation sahen sich Petrus und Johannes gegenüber, als ihnen die Obrigkeit gebot, nicht mehr zu predigen? (b) Was sollten Diener Gottes des zwanzigsten Jahrhunderts tun?
17 Ähnliche Situationen mögen in Verbindung mit dem Predigtwerk eines Christen entstehen. Sollte der Cäsar zum Beispiel das Predigen der guten Botschaft vom Königreich verbieten, dann handeln Christen heute genauso entschieden, wie es die Apostel vor neunzehnhundert Jahren taten, als ihnen die Obrigkeit auf Veranlassung der religiösen Führer geboten hatte, nicht mehr aufgrund des Namens Jesu zu reden. Man stelle sich das vor! Sie waren ausgepeitscht und davor gewarnt worden, weiter zu predigen; dann hatte man sie gehen lassen. Sie hatten ihre Lauterkeit bewahrt. Als sie das Sanhedrin-Gericht verließen, waren sie alle „voll Freude, weil sie gewürdigt worden waren, um seines Namens willen in Unehre zu kommen. Und jeden Tag fuhren sie im Tempel und von Haus zu Haus ununterbrochen fort zu lehren und die gute Botschaft über Jesus, den Christus, zu verkünden.“ Sie taten es nicht aus Trotz gegen die Regierung, sondern weil sie dem Gebot Christi, die gute Botschaft vom Königreich in der ganzen Welt, allen Nationen zu einem Zeugnis, zu predigen, unbedingt gehorchen wollten, denn sie wußten, daß danach das Ende kommen sollte. (Apg. 5:41, 42; Matth. 24:14) Viele Christen, die wegen ihrer Standhaftigkeit in Verbindung mit dem Predigen dieser guten Botschaft widerrechtlich verhaftet und ins Gefängnis geworfen wurden, haben ihre Anstellung verloren. Christen des zwanzigsten Jahrhunderts müssen ebenfalls entschieden an ihrer Lauterkeit festhalten, indem sie einerseits dem Cäsar die Dinge nicht vorenthalten, die ihm gehören, andererseits aber Gott unerschütterlich die Treue bewahren und fortfahren, in der ganzen Welt zu predigen. Sie sind, ganz gleich, in welchem Land sie wohnen mögen, genauso standhaft, wie es die Apostel waren, und sie predigen auch dann weiter, wenn ihr Werk verboten wird, ja sogar dann, wenn sie deswegen eingesperrt und grausam behandelt werden.
ENTSCHLOSSENHEIT, TREU WEITER ZU PREDIGEN, DURCH RESOLUTIONEN ZUM AUSDRUCK GEBRACHT
18. Wie viele Resolutionen wurden in den Jahren 1922 bis 1928 angenommen, gegen wen waren sie gerichtet, und wo wurden sie verbreitet?
18 In den Jahren 1922 bis 1928 wurden sieben mutige Resolutionen angenommen, die dann in gedruckter Form fast in der ganzen Welt verbreitet wurden. In diesen Resolutionen wurde gezeigt, daß die Urteilssprüche, die durch die in Offenbarung, Kapitel 16, beschriebenen sieben Plagen verkündet wurden, gegen das neuzeitliche Groß-Babylon und gegen die von ihm unterstützten politischen Elemente gerichtet sind.
19. (a) Welche Resolution wurde im Jahre 1963 angenommen, wie viele stimmten ihr zu, und welche Erklärungen enthielt sie? (b) Warum gehörte Mut dazu, diese Resolution anzunehmen?
19 Erst vor kurzem (im Jahre 1963) stimmten auf den Kongressen „Ewige gute Botschaft“, die Jehovas Zeugen rund um die Welt durchführten, insgesamt 454 977 Personen einer Resolution zu, die in scharfen Worten abgefaßt war. Diese Resolution behandelte nicht nur die oben erwähnten sieben Plagen, sondern brachte auch den festen Entschluß der Versammelten zum Ausdruck, unerschütterlich auf der Seite des messianischen Königreiches Jehovas Gottes zu verharren, sich zu bemühen, die Frucht des Geistes hervorzubringen, die reine und unbefleckte Anbetung Gottes zu pflegen und gegen die „bösen Geistermächte in den himmlischen Örtern“ weiterzukämpfen, bis Satan, der „Herrscher dieser Welt“, und seine Dämonen in den Abgrund geworfen werden. In der Resolution hieß es weiter: „Wir [werden] weiterhin allen Völkern ohne Unterschied die ‚ewige gute Botschaft‘ über Gottes messianisches Königreich und seine Gerichtsurteile verkündigen, die für seine Feinde gleich Plagen sind, die aber vollstreckt werden, um alle Menschen zu befreien, die Gott, den Schöpfer, ... so wie es ihm wohlgefällig ist, anbeten möchten.“ Es gehört Mut und Unerschrockenheit dazu, so entschieden Stellung zu nehmen gegen den Staatskult und gegen die Anbetung internationaler Organisationen für den Weltfrieden und die Weltsicherheit, wie die Organisation der Vereinten Nationen mit ihren 119 Mitgliedern. Eine solch unerschrockene Haltung erfordert einen unbeugsamen Glauben, wie ihn Petrus und Johannes sowie viele andere der ersten Christen bekundeten. — Apg. 4:18-21.
20. (a) Was können Christen, die am Glauben festhalten, erwarten? (b) Was kann unter anderem unseren festen Glauben gefährden?
20 Es ist ohne weiteres zu erkennen, daß der Glaube der Apostel und anderer Christen aufs äußerste geprüft wurde, denn sie gingen für ihn ins Gefängnis und (oder) sogar in den Tod. Wahre christliche Diener Gottes sollten heute das gleiche Vertrauen haben und ebenso davon überzeugt sein, daß sie von Jehova beschützt werden. Leider haben einige keinen harten Kampf für den Glauben geführt und sind deshalb den Einschüchterungen politischer Organisationen oder weltlicher Verwandter und Freunde zum Opfer gefallen und konnten auch den Lockungen des Materialismus nicht widerstehen.
ANGRIFFE AUF DEN GLAUBEN
21. Was könnte unseren Glauben unmerklich untergraben?
21 Der erste Schritt auf dem Weg zum Unglauben besteht darin, daß man beginnt zurückweichen. Dieses Zurückweichen kann ganz unmerklich beginnen, und deshalb ist es so gefährlich. Es kann sich darin zeigen, daß man im Eifer nachläßt oder sich weigert, neue Wahrheiten anzunehmen. Es kann durch Trägheit oder durch einen Mangel an Selbstverleugnung verursacht werden. Eine besondere Gefahr für den Glauben, vor der wir gewarnt werden, ist die Irreführung durch Personen, die sich auf ihr eigenes Urteilsvermögen verlassen, statt völlig auf Jehova zu vertrauen. Vor allem Judas, ein Bruder und Jünger Jesu, weist auf diese Personen hin: „Es haben sich gewisse Leute eingeschlichen, die durch die Schriften vor langem für dieses Gericht bestimmt worden sind, gottlose Menschen, welche die unverdiente Güte unseres Gottes zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit verkehren und sich gegenüber unserem alleinigen Gebieter und Herrn, Jesus Christus, als falsch erweisen.“ (Jud. 4) Darüber hinaus werden wir ermahnt, uns vor den Wölfen, die sich einschleichen, in acht zu nehmen, vor Menschen, die in Schafskleidern erscheinen, die aber unaufrichtig sind. (Matth. 7:15) Diese Warnungen waren schon vor neunzehnhundert Jahren angebracht, wir wissen aber, daß sie auch prophetisch sind und auf Verhältnisse hinweisen, die in diesen „letzten Tagen“ herrschen würden.
22. Wieso könnte das, was wir lesen, unseren Glauben schwächen?
22 Unser Glaube kann aber auch durch das, was wir lesen und in unseren Sinn aufnehmen, geschwächt werden, zum Beispiel dadurch, daß wir uns mit Bibelkritik befassen oder uns auf weltliche Philosophen verlassen. Wir sollten daran denken, daß der Autor eines Buches, das wir lesen, zu unserem Lehrer wird, und wir sollten daher in der Wahl unseres Lesestoffes sehr sorgfältig sein. Wenn diese Belehrung von Personen außerhalb der Organisation Jehovas ausgeht oder von jemandem, der sich in einer schlechten Absicht in die Organisation eingeschlichen hat, dann wäre es gut, den Rat zu beachten, den Paulus dem jungen Timotheus gab, als er sagte: „Du aber, beharre in den Dingen, die du gelernt hast und zu glauben überzeugt worden bist, da du weißt, von welchen Personen du sie gelernt hast, und daß du von Kindheit an die heiligen Schriften gekannt hast, die dich weise zu machen vermögen zur Rettung durch den Glauben in Verbindung mit Christus Jesus.“ (2. Tim. 3:14-16) Sollte dein Glaube auch nur im geringsten durch Personen, die zu diesem alten System der Dinge gehören, oder von irgendeiner anderen Seite beeinträchtigt werden, dann befreie dich von diesem schlechten Einfluß, und denke stets daran, daß Jehova, der wahre Gott, und Christus Jesus, sein Sohn, unsere Lehrer sind.
GLAUBE — EIN ERFORDERNIS
23. Welchen Rat gab Paulus in seinem Brief an die Thessalonicher in Hinblick auf den Glauben?
23 Wenn wir unerschütterlich und standhaft fortfahren, den Willen Jehovas zu tun, wird unser Glaube stark bleiben. Paulus gibt uns den Rat: „So steht denn fest, Brüder, und fahrt fort, euch an die Überlieferungen zu halten, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch eine mündliche Botschaft oder durch einen Brief von uns. Mögen überdies unser Herr Jesus Christus selbst und Gott, unser Vater, der uns geliebt und durch unverdiente Güte ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben hat, eure Herzen trösten und euch in jeder guten Tat und jedem guten Wort befestigen.“ Diese Worte sind lebendig; sie sind ein Rat, der der Versammlung vor neunzehnhundert Jahren gegeben wurde, der aber heute noch genauso wertvoll und angebracht ist wie damals. „Der Herr ist treu, und er wird euch befestigen und euch vor dem, der böse ist, bewahren ... Möge der Herr fortfahren, eure Herzen sicher zur Liebe Gottes ... hinzulenken.“ (2. Thess. 2:15-17; 3:3-5) Für uns heute ist es genauso wichtig, uns eng an Jehovas Organisation zu halten, wie es die Christen vor neunzehnhundert Jahren tun mußten. Wie geschieht das?
24. Womit sollten wir nun eifrig beschäftigt sein, und was müssen wir tun, um Gott zu gefallen?
24 Die Teilnahme an der Verkündigung der guten Botschaft stärkt und ermuntert uns. Wir lesen in 1. Korinther 15:58: „Meine geliebten Brüder, werdet standhaft, unbeweglich, und seid im Werke des Herrn allezeit reichlich beschäftigt, da ihr wißt, daß eure mühevolle Arbeit in Verbindung mit dem Herrn nicht vergeblich ist.“ Unsere Arbeit in Verbindung mit dem Predigtwerk und unsere Werke der Liebe unter Mitchristen werden unseren Glauben vermehren und unsere Lauterkeit stärken. Wir können also ohne weiteres erkennen, daß ein solcher Glaube, nämlich der ausschließliche Glaube an Jehova, uns die Kraft gibt, den Angriffen und Einschüchterungen feindlicher Kräfte standzuhalten. Denke stets daran: „Ohne Glauben ... ist es unmöglich, ihm wohlzugefallen, denn wer sich Gott naht, muß glauben, daß er ist, und daß er denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird.“ — Hebr. 11:6.
-
-
Was es für mich bedeutete, Jesus anzuerkennenDer Wachtturm 1967 | 15. September
-
-
Was es für mich bedeutete, Jesus anzuerkennen
Erzählt von Helen Griffiths
MEINE Eltern waren Juden, aber abgesehen davon, daß sie sagten, sie würden an Gott glauben, praktizierten sie ihre Religion nicht. Daher erhielt ich als Kind keine religiöse Belehrung. Soweit ich mich erinnern kann, glaubte ich immer an Gott und ging sogar gelegentlich mit einer Freundin zur Sonntagsschule der Baptisten. Als Achtzehnjährige heiratete ich im Jahre 1900 Edward Griffiths. Wir wurden aktive Mitarbeiter in der Episkopalkirche, denn mein Mann wurde Sonntagsschullehrer, obgleich wir vielen Dingen, die dort gelehrt wurden, nicht zustimmen konnten. Ich konnte nicht verstehen, wieso Jesus Christus Gott selbst sein sollte. Ja, die Zeit kam, wo Edward ungefähr den Punkt erreicht hatte, an dem er erkannte, daß er sich entweder nach der Bibel oder nach der Kirche richten müsse, da die beiden weit voneinander abwichen. Doch da geschah etwas Wunderbares.
Er bemerkte in einer Zeitung eine Spalte, die überschrieben war: „Was ist ein Christ?“ Der betreffende Artikel stammte von dem
-