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Christen fliehen vor grausamer Verfolgung in MalawiErwachet! 1973 | 22. Februar
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Jehovas Zeugen als eine geeinte christliche Gruppe in Malawi zu vernichten, indem man ihnen die Arbeitsplätze verweigert und ihnen jede Möglichkeit genommen hat, sich zu ernähren und ein Dach über dem Kopf zu haben. Nach Schätzungen sollen 10 bis 60 Zeugen Jehovas umgebracht worden sein.
Das alles mag in unserem 20. Jahrhundert unmöglich erscheinen, doch es sind Tatsachen. Lies die nachstehenden Augenzeugenberichte über die entsetzlichen Gewalttaten, die in Malawi verübt worden sind. Prüfe anschließend, ob diese Verfolgung gerechtfertigt ist oder nicht. Wir sind überzeugt, daß auch du dann unsere Meinung teilst, daß in diesem Land ein schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen worden ist und daß sofort Abhilfe geschaffen werden sollte.
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Empörender Bericht über GreueltatenErwachet! 1973 | 22. Februar
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Empörender Bericht über Greueltaten
GERECHTDENKENDE Personen in Malawi und in anderen Ländern sind empört über die Gewalttaten, die in jenem Land an einer wehrlosen Minderheit verübt worden sind.
Örtliche Verfolgungen flackerten bereits Mitte 1972 auf. Im Herbst jenes Jahres erreichten sie jedoch ein gewaltiges Ausmaß. Nach dem jährlichen Parteitag der „Malawi Congress Party“ (MCP), der einzigen Partei des Landes, wurde die Bevölkerung gegen Jehovas Zeugen aufgehetzt. Zum Abschluß des Parteitages waren drei scharf formulierte Resolutionen gegen Jehovas Zeugen gefaßt worden. Vom Juli an hatten sich besonders der militante „Jugendbund“ der Partei und ihre Jugendorganisation, die „Jungen Pioniere“, bei der Verfolgung der Zeugen Jehovas hervorgetan. Diese Jugendlichen führten sozusagen Krieg gegen sie. Sie bildeten zwölf bis hundert Mann starke Banden. Bewaffnet mit Stöcken, Knüppeln, Buschmessern und Äxten, zogen sie von Dorf zu Dorf, griffen die Zeugen Jehovas an und zerstörten ihr Eigentum.
Guy Wright, Spartenjournalist des San Francisco Examiner, schrieb (in der Ausgabe vom 17. Oktober 1972), es sei „ein ganz ungleicher Kampf“ gewesen: „Gewalt gegen Glauben“. Doch der Glaube erwies sich als stärker, denn trotz der brutalen Behandlung blieben die Zeugen, einer wie der andere, im Glauben fest.
Es folgen nun einige der Hunderte von Augenzeugenberichten über die Greueltaten, die verübt wurden:
● Wie es in den Dörfern zuging, zeigt folgender Bericht von David Banda aus Kaluzi, einem Dorf bei Lilongwe: „Am 23. September hielt Gideon Banda, Mitglied des malawischen Parlaments, in unserem Dorf eine öffentliche Versammlung ab. Da ich nur ein paar Meter von dem Versammlungsort entfernt wohnte, konnte ich durch die Lautsprecher fast alles hören, was er sagte. Banda begann, indem er berichtete, was auf dem Parteitag besprochen worden war. Dann ging er auf die Frage der Zeugen Jehovas über. Er erzählte seinen Zuhörern, der Parteitag habe beschlossen, rigoros gegen Jehovas Zeugen vorzugehen, weil sie sich weigerten, Parteimitgliedskarten zu kaufen.
Am Abend des 25. September kam Bruder Swila zu mir, um mir mitzuteilen, daß er gesehen habe, wie sich Jugendliche zu Banden formiert hätten. Wir warnten sofort die Brüder, aber ehe wir etwas unternehmen konnten, begannen die Jugendlichen ihren Angriff. Sie warfen bei unseren Häusern die Fensterscheiben ein, zertrümmerten die Türen und mißhandelten die Brüder. Wir wurden alle zerstreut, so daß keiner vom anderen wußte, was mit ihm geschah; auch wurde es immer dunkler. Ich versteckte mich, und am frühen Morgen begab ich mich zur Polizei und meldete die Vorfälle. Aber anstatt meine Klage anzuhören, wies die Polizei mich ab. Während ich noch auf dem Polizeirevier war, kamen Gruppen von Brüdern und Schwestern anderer Versammlungen und berichteten ähnliche Vorfälle. Die Polizei forderte sie auf, in ihr Dorf zurückzukehren.“
Ohne Schutz wollten die Zeugen aber nicht dahin zurückkehren, daher gingen sie auf den Marktplatz. David Banda erzählt, was dort geschah:
„Als die Jugendlichen erfuhren, daß die Zeugen auf den Marktplatz gegangen waren, zogen sie auch dorthin und begannen, sie mit Stöcken und Fäusten zu schlagen und sie zu treten. Die Polizei schaute untätig zu, wie die Jugendlichen die Brüder mißhandelten. Darauf kam es im ganzen Städtchen Lilongwe zu Gewalttätigkeiten. Es gelang den Brüdern jedoch zu entkommen, und schließlich flüchteten sie nach Sambia.“
● Evans Noah aus dem Dorf Mwalumo berichtet: „Am 18. September 1972 besuchte ich einen der Brüder. Wir sahen, daß sich ein Auto näherte. Ich erkannte den Fahrer. Es war Herr Gamphani, Mitglied des malawischen Parlaments. Er hatte noch zwei junge Leute bei sich. Offenbar suchte er mich, denn ich hörte, als sie näher kamen, einen von ihnen sagen: ,Hier ist er.‘ Herr Gamphani hielt an und befahl mir einzusteigen. Dann fuhr er zum Polizeirevier. Er fragte mich, warum ich keine Parteimitgliedskarte besitze, und ließ mich danach von der Polizei einsperren; man behielt mich 7 Tage in Haft und gab mir in dieser Zeit nichts zu essen und nichts zu trinken.
Als die Polizisten sahen, daß ich körperlich schwach wurde, begannen sie zu spotten und sagten, ich solle Gras in Nahrung umwandeln. Als sie merkten, daß ihre Bemühungen, mich zu zwingen, eine Mitgliedskarte zu kaufen, nichts fruchteten, ließen sie mich frei, sagten mir aber, ich solle zusehen, wie ich nach Hause käme. Obschon ich geschwächt war, weil ich so lange nichts mehr gegessen hatte, ging ich die Strecke von 35 Kilometern zu Fuß und kam gut zu Hause an.“
Doch kurz danach wurden Evans Noah und 10 weitere Zeugen aus ihrem Dorf vertrieben und mußten aus Malawi fliehen.
● Im Gebiet von Blantyre, der größten Stadt Malawis, wurden Richadi Nyasulu, Greyson Kapininga und andere Zeugen Jehovas auf das Hauptbüro der Kongreßpartei (MCP) für die Südliche Region geführt. Diese Zeugen Jehovas wurden gefragt, warum sie keine Parteimitgliedskarte gekauft hätten. Nachdem sie erklärt hatten, sie glaubten der Bibel und wären politisch völlig neutral, übergab man sie 16 Jungen Pionieren und Angehörigen des Jugendbundes. Diese verprügelten sie dann. Als die Zeugen sich immer noch nicht bereit erklärten, solche Karten zu kaufen, rieben ihnen die Jugendlichen Salz und scharfen roten Pfeffer in die Augen. Einige Zeugen wurden mit genagelten Brettern auf Rücken und Gesäß geschlagen. Wenn sie vor Schmerzen stöhnten, schlugen die Jugendlichen noch mehr zu und sagten: „Euer Gott soll euch retten.“ Ferner zerbrachen sie eine Flasche und benutzten die Scherben, um einige der männlichen Zeugen zu „schaben“. Am 22. September wurde Jasteni Mukhuna aus dem Gebiet von Blantyre schwer mißhandelt; dabei brach man ihm sogar den Arm.
● In Cape Maclear, am Südende des Malawisees, band man einem Zeugen Jehovas namens Zelphat Mbaiko Grasbündel um den Leib, dann übergoß man ihn mit Benzin und zündete ihn an. Er erlitt schwere Verbrennungen, die zum Tode führten.
Keiner verschont
Die Wut der Angreifer machte vor keinem Zeugen kalt, er mochte jung oder alt sein, weiblichen oder männlichen Geschlechts. Aus Lilongwe konnten nicht alle entkommen. Frau Magola z. B., eine Zeugin Jehovas, die hoch schwanger war, wurde, weil sie nicht so schnell laufen konnte, von Angehörigen der MCP eingeholt, an den Marktplatz geschleppt und dort vor den Augen vieler Einwohner zu Tode geschlagen. Keiner der Umstehenden war ihr zu Hilfe gekommen. Als ein Polizeibeamter gefragt wurde, warum er nicht eingegriffen habe, antwortete er: „Der Polizei sind die Hände gebunden.“
● Im Gebiet von Ntonda, südlich von Blantyre, schlugen Angehörige des Jugendbundes Smith Bvalani, seine alte Mutter und andere Zeugen Jehovas, Männer und Frauen, so lange, bis sie bewußtlos auf dem Boden lagen. Ein Angehöriger des Jugendbundes durchsuchte die Taschen der Zeugen und fand bei einem Zeugen Geld. Mit diesem Geld kaufte er für jeden der Zeugen eine Parteimitgliedskarte, schrieb ihren Namen darauf und warf sie neben die bewußtlos daliegenden Zeugen auf den Boden. Darauf machte der Jugendbund bekannt, daß die Zeugen ihren Glauben verleugnet hätten. Als die Mutter von Smith Bvalani aus ihrer Ohnmacht erwachte und die Karte sah, sagte sie zu den umstehenden Jugendlichen, sie würde keine solche Karte kaufen, selbst wenn sie deswegen sterben müßte. Darauf schlugen sie sie wiederum bewußtlos.
● Der 73 Jahre alte Israel Phiri aus dem Dorf Khwele bei Mchinji erzählt: „Im Monat Juli des Jahres 1972 hörten wir das Gerücht, die Kongreßpartei habe vor, im ganzen Land zu überprüfen, ob jeder eine Parteimitgliedskarte besitze. Wir begriffen sofort, daß das für Jehovas Zeugen Schwierigkeiten bedeuten würde, und beschlossen daher, das Dorf zu verlassen und uns im Busch zu verstecken. Wir waren insgesamt 30 Zeugen. Wir blieben zwei Monate im Busch. Am 5. Oktober wurden wir von einer großen Gruppe Jugendlicher umstellt. Ich kannte keinen einzigen von ihnen.
Als ich weggehen wollte, griffen sie mich und begannen, mich mit Stöcken zu schlagen und mit den Füßen zu treten. Ich konnte nicht sehen, was mit den anderen Brüdern geschah. Schließlich ließen sie mich in bewußtlosem Zustand am Boden liegen. Als ich wieder zu mir kam, suchte ich nach den anderen Brüdern, konnte sie aber nicht finden. Darauf beschloß ich, nach Sambia zu fliehen. Mein ganzer Körper war geschwollen, und meine Augen waren blutunterlaufen, dennoch gelang es mir mit Jehovas Hilfe, den viele Kilometer langen Weg bis zum Krankenhaus in Thamanda (Sambia) zurückzulegen.“
● Im Dorf Kavunje, südöstlich von Blantyre, wurden alle Zeugen, Männer und Frauen, heftig geschlagen, und man zwang sie, nackt durch die Straßen zu gehen. Eines ihrer Kinder starb an den Folgen der Mißhandlungen. In Nkhotakota in der Nördlichen Region von Malawi hat man eine Zeugin Jehovas, die schwanger war, nackt ausgezogen und dann mißhandelt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe der MCP forderte kleine Kinder auf, die Frau in den Leib zu treten; er hoffte, daß das zu einer Fehlgeburt führen würde.
Abscheuliche Frauenschändung
Die Zahl der weiblichen Zeugen Jehovas, die geschändet wurden, ist so groß, daß nicht über alle berichtet werden kann, auch sind diese Fälle der Notzucht zu abscheulich, um im einzelnen geschildert zu werden. Als Beispiele mögen folgende Fälle dienen:
● Die 17 Jahre alte Rahabu Noah vom Dorf Mtontho bei Kasungu erzählt: „Am 26. September 1972 erfuhren wir, daß die Jugendlichen von Dorf zu Dorf zogen und Jehovas Zeugen mißhandelten sowie ihre Häuser und ihr Eigentum zerstörten. Die Brüder rieten uns, uns im Busch zu verstecken und dann nachts nach Sambia zu fliehen. Wir waren fünf Schwestern und drei Brüder. Wir konnten das Dorf ungehindert verlassen, doch als wir einen schmalen Weg entlanggingen, trafen wir auf etwa 20 Jugendliche. Sie fragten uns nach Parteimitgliedskarten. Da keiner von uns eine solche Karte vorweisen konnte, begannen sie uns mit Stöcken und Fäusten zu schlagen. Darauf rissen sie uns die Kleider vom Leib und schlugen uns erneut. Etwa 10 Jugendliche stießen mich zur Seite und schleppten mich von den übrigen weg, Während mir die einen die Hände und die anderen die Füße festhielten, wurde ich von den übrigen vergewaltigt. Ich wurde von acht Jugendlichen hintereinander mißbraucht. Ich kannte von der ganzen Gruppe keinen einzigen. Nachdem sie uns nochmals furchtbar verprügelt hatten, gingen sie weg. Später erfuhr ich, daß die übrigen vier Schwestern unserer Gruppe ebenfalls vergewaltigt worden waren.“
● Funasi Kachipandi aus dem Dorf Nyankhu bei Lilongwe berichtet folgendes: „Am 1. Oktober 1972, nachdem ich erfahren hatte, wie Jehovas Zeugen überfallen worden waren, beschloß ich, mit meiner neunzehnjährigen Tochter Dailes Kachipandi nach Sambia zu fliehen. Doch wir waren noch gar nicht lange unterwegs, als wir von einer Gruppe unbekannter Jugendlicher angehalten wurden. Sie fragten uns nach Parteimitgliedskarten, doch da wir keine hatten, nahmen sie uns fest und führten uns auf ihr Büro in der Nähe des Chilekamarkts. Meine Tochter wurde vor meinen Augen von 5 Jugendlichen vergewaltigt. Dann stürzte sich einer auf mich und warf mich zu Boden. Ich bat ihn flehentlich, mich nicht zu mißbrauchen, denn ich erwartete ein Kind und war im neunten Monat und sehr schwach, doch er hatte kein Herz. Er vergewaltigte mich vor den Augen meiner Tochter. Dann gingen sie weg. Ich meldete die Sache der Polizei. Es wurde zu Protokoll genommen, doch weiter geschah nichts. Am darauffolgenden Morgen kam mein Kind zur Welt, und noch am gleichen Tag machten wir uns auf den Weg nach Sambia; unterwegs ruhten wir uns von Zeit zu Zeit aus.“
In vielen anderen Fällen waren die Namen der Angreifer den Opfern bekannt. Einige gehörten zu den Funktionären der Kongreßpartei.
● Im Dorf Kamphinga wurde Matilina Chitsulo aus dem Dorf Gwizi von Kachigongo, dem Parteivorsitzenden des Ortes, vergewaltigt. Im Dorf Mkombe wurde Velenika Hositeni am 2. Oktober 1972 in einem Zimmer des Büros der MCP von dem Parteivorsitzenden und dem Parteisekretär der Ortsgruppe die ganze Nacht festgehalten, und beide mißbrauchten sie. Im gleichen Büro wurde Nezelia, eine andere Zeugin Jehovas, von 7 Männern mißbraucht. Beide Frauen entkamen dann nach Sambia, wo sie im Krankenhaus in Misale wegen der erlittenen Mißhandlungen behandelt werden mußten.
Wir wiederholen: Diese Fälle bilden keine Ausnahme. Es sind nur einige wenige der Hunderte von Fällen, die aktenkundig geworden sind.
Aber mit dem Angriff auf Jehovas Zeugen in Malawi war diesmal etwas verbunden, wodurch er noch folgenschwerer wurde, als es die Verfolgung war, die sie zu Anfang des Jahres 1967 erduldet hatten.
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Beschluß: Diese Personen sollen aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen werden!Erwachet! 1973 | 22. Februar
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Beschluß: Diese Personen sollen aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen werden!
DAS ist im wesentlichen, was auf dem letztjährigen Parteitag der „Malawi Congress Party“ bezüglich der Zeugen Jehovas in jenem Land beschlossen wurde.
Die Delegierten, die in einer katholischen höheren Schule in der Hauptstadt Zomba getagt hatten, faßten am 16. September eine Reihe von Resolutionen. Wir zitieren aus dem Blatt MANA Daily Digest, herausgegeben von dem malawischen Ministerium für Information und Rundfunk und datiert vom 18. September 1972. Auf Seite 17 ist der Text der von den Delegierten gefaßten Resolution zu finden. Es heißt dort: „Wir bedauern,
(a) daß gewisse fanatische religiöse Sekten, die so vorgehen wie die verbotene Sekte der Zeugen Jehovas, die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes behindern;
(b) und beschließen, daß alle Mitglieder dieser fanatischen religiösen Sekten, die im Handel oder in der Industrie tätig sind, fristlos entlassen werden und daß jedem Handels- und Industrieunternehmen, das nicht in Übereinstimmung mit dieser Resolution handelt, die behördliche Genehmigung für den Betrieb des Unternehmens entzogen werde;
(c) daß alle Mitglieder dieser fanatischen religiösen Sekten, die Staatsangestellte sind, fristlos entlassen werden und daß jedes Mitglied dieser Sekten, das ein eigenes Geschäft oder einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb besitzt, boykottiert werde;
(d) daß alle Mitglieder dieser Sekten, die in den Dörfern wohnen, daraus verjagt werden und daß die Regierung darum ersucht werde, den Parteimitgliedern, die gegen die Anhänger dieser Sekten vorgehen, den größtmöglichen Schutz zu gewähren.“
In Wirklichkeit wurden nur Jehovas Zeugen von diesen Resolutionen betroffen. In Malawi mußte keine andere religiöse Gruppe so leiden wie sie.
Was besagten eigentlich diese Resolutionen? Der Sinn davon ist, daß Jehovas Zeugen in Malawi keine Gelegenheit haben sollten, sich irgendwie und irgendwo ihren Unterhalt zu verdienen. Es sollte ihnen nicht einmal gestattet werden, ihre Gärten und Felder zu bebauen. Und sie sollten aus den Dörfern verjagt werden. Was würde ihnen da noch verbleiben?
Das ließe ihnen nur die Möglichkeit, als Geächtete im Wald oder Busch zu leben wie die Tiere.
Ist das nur unsere Auslegung? Wollte man durch diese Resolutionen diese Gruppe vielleicht nur verurteilen, ohne die eigentliche Absicht zu verfolgen, Mitmenschen das zum Leben Notwendige zu entziehen?
Die Tatsachen zeigen, daß alle, die diese Worte hörten, sie als ein totales Verbot der Zeugen Jehovas, sozusagen als ein Todesurteil, auffaßten.
Es folgt nun eine Schilderung davon, wie Personen, die „ein eigenes Geschäft oder einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb“ besaßen, „boykottiert“ wurden.
Malawische Geschäftsleute zugrunde gerichtet
● Als B. Lameck Chirwa, ein malawischer Geschäftsmann und Zeuge Jehovas, aus Salisbury (Rhodesien), wo er einen christlichen Kongreß besucht hatte, nach Malawi zurückkehrte, fand er seinen Bruder Beneya in bewußtlosem Zustand vor. Beneya, Inhaber eines Lebensmittelgeschäftes, war von Mitgliedern des Jugendbundes zusammengeschlagen worden, weil er ein Zeuge Jehovas war. Nach fünf Stunden kam er zu sich und wurde in das Krankenhaus übergeführt, wo er drei Tage zubrachte.
Aber ein Mitglied des Jugendbundes hatte beobachtet, daß Lameck seinem Bruder geholfen hatte; und es dauerte nicht lange, da erschienen Mitglieder des Jugendbundes in seinem Laden in Zingwangwa. Er wurde gefragt, ob er eine Parteimitgliedskarte besitze. Da er keine vorweisen konnte, riegelten sie sein Haus und seinen Laden zu, so daß er nicht mehr in seine eigene Wohnung gelangen konnte. Dann zwangen sie ihn, nach Limbe zu fahren, wo er ein Bekleidungsgeschäft hatte, das von seiner Frau geführt wurde. Als auch sie zum Ausdruck brachte, daß sie aus Gewissensgründen keine Parteimitgliedskarte kaufen könne, schlossen sie dieses Geschäft ebenfalls. Als Lameck den Generalsekretär der „Malawi Congress Party“, Aleke Banda, aufsuchen und ihn über diese Vorfälle informieren wollte, stellte er fest, daß Mitglieder des Jugendbundes die Luft aus den Reifen seines Autos abgelassen und ihm die Autoschlüssel gestohlen hatten. Die Regierungsbeamten, die er um Auskunft bat, machten ihm absolut keine Hoffnung, daß etwas für ihn getan werde — es sei denn, er würde eine Parteimitgliedskarte kaufen. Die Bank sperrte sein Konto sowie das Konto aller übrigen als Zeugen Jehovas bekannten Personen. Schließlich konnte er erreichen, daß man ihm eine Versicherungspolice ausbezahlte, worauf er Malawi verließ und nach Rhodesien flog. Er ließ Häuser, Möbel, ein Kleiderlager, Ladeneinrichtungen, einen Lastwagen (7 Tonnen) und einen Personenwagen zurück. Der Gesamtwert beträgt 121 800 Dollar. Er war seit 1959 als Kaufmann tätig gewesen. Nun hatte er alles verloren.
● Chinondo, ein weiterer malawischer Geschäftsmann und Zeuge Jehovas, hatte eine Fahrschule in Blantyre, der größten Stadt des Landes. Seine Wagen wurden beschlagnahmt. Später sah er sie vor dem Büro der MCP der Südlichen Region stehen.
● William McLuckie (64), Besitzer eines Kunstgewerbeladens, hatte fast 40 Jahre in Malawi gewohnt. In seinem Geschäft in Blantyre arbeiteten 11 Angestellte, und er bezog regelmäßig Waren von 120 malawischen Schnitzern, Männern, die eine Familie zu unterhalten hatten. McLuckie schätzte, daß sein Geschäft 600 bis 700 Personen ernährte. Er wurde vor Gericht gezogen, weil er ein Zeuge Jehovas war, und darauf mußte er binnen 48 Stunden das Land verlassen. Etwa einen Tag nach seiner Ausweisung erhielt seine Frau die Mitteilung, sie müsse mit den drei Kindern spätestens in 24 Stunden das Land verlassen haben.
● Manch einer verlor jedoch mehr als sein Geschäft. Die in Rhodesien erscheinende Zeitung Sunday Mail brachte in ihrer Ausgabe vom 1. Oktober 1972 die Meldung, daß ein „prominenter malawischer Geschäftsmann zu Tode geprügelt“ worden sei. Es handelte sich um M. L. Chirwa, der in Blantyre ein Lebensmittelgeschäft und einen Getränkehandel betrieb. Die Zeitung The Rhodesia Herald brachte die gleiche Meldung, fügte aber noch hinzu: „Von offizieller Seite aus ist im Falle Chirwa bisher nichts unternommen worden.“
Sie sollen „fristlos entlassen werden“
Auch die Worte in der Resolution, daß die im Berufsleben stehenden Zeugen Jehovas fristlos entlassen werden sollten, waren keine leere Drohung.
● M. R. Kalitera war seit 1949 bei der Post beschäftigt. Nach 23jährigem Dienst wurde er fristlos entlassen ohne Anspruch auf Entschädigung oder eine Pension.
● Kadewere, ebenfalls ein Zeuge Jehovas, arbeitete für das Gesundheitsministerium. Er war als Inspektor tätig, der die verschiedenen Krankenhäuser besichtigen mußte. Er hatte seine Ausbildung in den Vereinigten Staaten genossen. Als er von der Arbeit nach seinem Haus in Zomba zurückkehrte, mußte er feststellen, daß man seine Maisfelder unter Mitglieder des Jugendbundes verteilt hatte. Darauf kehrte er nach Blantyre zurück, wo er erfuhr, daß man ihn fristlos entlassen hatte. Kadewere ist Vater von neun Kindern.
● William Nsangwe besuchte die Verwaltungsschule, machte dann die Zwischenprüfung und kam vor fünf Jahren aufs Rathaus. Als für Jehovas Zeugen die Schwierigkeiten begannen, wurde Nsangwe ins Büro des Stadtsyndikus gerufen und von ihm interviewt. Dann folgte eine Unterredung mit dem Bürgermeister. Beide Männer versuchten, Nsangwe zu veranlassen, eine Parteimitgliedskarte zu kaufen oder entgegenzunehmen, doch er lehnte es aus Gewissensgründen ab. Als man ihm sagte, er solle noch mit seiner Frau, seiner Mutter und seinem Vater darüber sprechen, entgegnete er, das sei eine Sache seines eigenen Glaubens und sei weder vom Vater noch von der Mutter, noch von der Frau abhängig. Darauf wurde er entlassen. Joy, seine Frau, die an der Universität von Malawi studiert hatte und als Lehrerin tätig war, wurde ebenfalls entlassen zusammen mit Venencia Kabwira, einer Zeugin Jehovas, die an derselben Universität studiert hatte und auch Lehrerin war.
Aber nicht nur die Staatsangestellten, sondern auch alle, die in privaten Unternehmen arbeiteten, wurden entlassen.
● W. Lusangazi war über 10 Jahre in der Firma Mandala Motors Ltd. in Blantyre beschäftigt gewesen. Er wurde entlassen. Auch Widdas Madona wurde entlassen, der 10 Jahre bei der Firma Horace Hickling Ltd. in Blantyre gearbeitet hatte. Lihoma, ebenfalls ein Zeuge Jehovas, hatte 15 Jahre bei der Firma United Transport Ltd. gearbeitet. Auch er wurde entlassen.
Einige Arbeitgeber protestierten energisch dagegen, daß man sie zwang, ihre Angestellten, die Zeugen Jehovas waren, zu entlassen.
● Ein Anwaltsbüro in Blantyre beschwerte sich sogar beim Präsidenten in dem Bestreben — allerdings ohne Erfolg —, zwei seiner vertrauenswürdigsten Angestellten, Luwisi Kumbemba und L. D. Khokwa, nicht verlieren zu müssen. (Khokwas Frau, eine Lehrerin, verlor ebenfalls ihre staatliche Anstellung.)
● Als ein Inder, der in Blantyre ein Bekleidungsgeschäft besitzt, von einer Reise zurückkehrte, erfuhr er, daß man den Angestellten, dem er die Leitung seines Geschäfts während seiner Abwesenheit anvertraut hatte, entlassen hatte. Bei dem Angestellten handelte es sich um den Zeugen Jehovas Skennard Mitengo. Der Geschäftsbesitzer erklärte, er könne sein Geschäft, die Crescent Clothing Company, ohne die wertvollen Dienste dieses Angestellten nicht weiterführen. Man vermutete, daß das Geschäft von der Firma Press Trading Ltd., die gewissen Regierungsbeamten gehört, übernommen würde.
Das sind nur wenige der großen Zahl von Zeugen Jehovas, die man entlassen hat. Soweit bekannt ist, steht gegenwärtig kein einziger Zeuge Jehovas im ganzen Land in einem Arbeitsverhältnis. Aber das waren nicht die einzigen Maßnahmen.
Das zum Leben Notwendige verweigert
Malawi ist kein Industriestaat, sondern ein Agrarstaat. Die Mehrzahl der Bevölkerung sind Bauern, die von ihrem kleinen Dorf aus das ererbte Land bearbeiten. Der größte Teil der Zeugen Jehovas in Malawi sind solche Bauern. Wie alle Menschen, so benötigen auch sie Nahrung, Kleidung und Obdach. Doch man tat alles, um ihnen das vorzuenthalten.
● In Supuni, im Gebiet von Chikwawa, nahm man allen Zeugen Jehovas den Garten weg und ließ sie nicht am Dorfbrunnen Wasser schöpfen. Sie mußten das Wasser aus einem sechseinhalb Kilometer weit entfernten Fluß holen!
Tausende von Häusern wurden in Brand gesteckt oder zerstört. Allein im Dorf Jali in der Gegend von Zomba wurden 40 Häuser von Zeugen Jehovas niedergebrannt.
● Aus dem Süden des Landes, aus der Gegend von Chiromo, kommt folgende Meldung: „In den Bezirken von Chiromo, Bangula und Nguluwe haben die Jungen Pioniere alle Häuser der Brüder und all ihr Hab und Gut zerstört. Sämtliche Brüder und Schwestern des Dorfes Chamera sind zerstreut worden und halten sich im Busch auf. Alles, was sie besaßen, wurde zerstört.“
● Aus dem Dorf Gorden bei Zomba wird berichtet: „Alle Häuser, die Brüder und Schwestern gehörten, wurden niedergerissen. Die Dorfhäuptlinge beschlagnahmten ihre Nahrungsvorräte und ihr übriges Hab und Gut. Alle Brüder und Schwestern sind aus diesem Dorf geflohen.“
In einem Bericht wurde zusammenfassend gesagt: „So ergeht es vielen Familien, die Zeugen Jehovas sind. Die Frauen und Kinder schlafen im Freien. Einige übernachten auf einem der Bahnhöfe, andere an einer der Bushaltestellen oder an irgendeinem anderen Ort, wo man sie nicht belästigt.“
● In einem Dorf in der Umgebung von Blantyre kamen einige Mitglieder des Jugendbundes zu einer 60jährigen Zeugin Jehovas namens Mazongoza, einer Witwe, und forderten sie auf, eine Parteimitgliedskarte zu kaufen. Sie lehnte aus Gewissensgründen ab. Im Laufe einer Woche, vom 24. September bis 30. September, töteten sie ihre Hühner, eines nach dem anderen; weil sie sich auch danach noch weigerte, eine Karte zu kaufen, töteten sie ihre Ziegen, ebenfalls eine nach der anderen. Die Hühner und die Ziegen waren ihr einziger Besitz gewesen. Darauf drohten sie ihr, sie umzubringen, was sie veranlaßte, aus dem Dorf zu fliehen.
Viele Berichte sind sehr knapp, doch für den, der die Verhältnisse in Malawi kennt, sprechen sie Bände.
In den Berichten wird zum Beispiel erwähnt, daß „Türen und Fenster (,jedes mit 6 Scheiben‘) eingeschlagen oder gestohlen wurden“. Diese Erwähnung mag merkwürdig klingen. Aber in den Dörfern Malawis sind die meisten Häuser aus Lehm gebaut und mit Stroh oder Gras gedeckt. Wenn eine Hütte eine Tür oder ein Fenster hat, so sind das die wertvollsten Teile des ganzen Hauses.
Viele Berichte lauten auch ähnlich wie der folgende, in dem es heißt, daß „3 Schlafmatten, 3 Wolldecken, 2 Stühle, 1 Tisch, 1 Tischtuch, 2 Schals, 8 Sack enthülste Erdnüsse, 1 Speicher voll nicht enthülster Erdnüsse“ zerstört oder gestohlen worden seien. In den Augen von Personen, die in einem Industriestaat wohnen, mag das ein geringfügiger Verlust sein. Aber für die Personen, die diese Dinge verloren haben, mag das die ganze Einrichtung ihres kleinen Heimes bedeuten und den Verlust der ganzen Ernte, die ihnen etwas Geld eingebracht hätte. Das erwähnte „Tischtuch“ mag das einzige gewesen sein, womit die Zeugin Jehovas ihr Heim verschönern konnte.
In einigen Fällen hat man den Zeugen ein Fahrrad, ein Radio oder eine Nähmaschine weggenommen (in einem Bericht wird „eine Hand-Nähmaschine“ erwähnt). Der Verlust eines Fahrrades bedeutet für sie ebensoviel wie für den Bürger eines Industriestaates der Verlust eines Autos. Für diese Gegenstände mußte der Besitzer mehrere Monate arbeiten, oder er mußte dafür ein ganzes Jahr lang oder noch länger das Geld, das ihm der Verkauf seiner Ernte eintrug, zusammensparen.
In einem Bericht aus dem Flüchtlingslager Sinda Misale in Sambia, wo Tausende Zeugen Jehovas untergebracht sind, heißt es:
„Man hat den Brüdern die Rinder, Schafe, Hühner, Schweine und Ziegen weggenommen. Vielen Brüdern hat man auch die Kleider weggenommen, so daß sie nur noch das hatten, was sie auf dem Leibe trugen. Eine der Schwestern konnte nicht ins Flüchtlingslager kommen, weil sie nackt war. Jugendliche der MCP hatten ihr sämtliche Kleider vom Leib gerissen. Einige Schwestern, die bereits im Lager waren, mußten ihr erst Kleider zukommen lassen, damit sie ins Lager kommen konnte. Sozusagen alle Brüder, die aus Malawi geflohen waren, stehen völlig mittellos da. In anderen Worten, sie besitzen in Malawi nichts mehr.“
Kann eine solche Behandlung, die diese Menschen nachweislich erlitten haben, gerechtfertigt werden? Beachte, was man den Zeugen Jehovas in Malawi vorwirft, und urteile dann selbst.
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