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‘Folge nicht der Menge zu üblen Zwecken’Erwachet! 1975 | 8. Juni
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Massenprotestaktionen oder Streiks zu befürworten oder zu fördern oder sich daran zu beteiligen.
Christen sind nicht töricht, weil sie diesen Weg einschlagen. Sie unternehmen einfach nicht den erfolglosen Versuch, etwas zu tun, was nur Gott tun kann und tun wird. Sie halten sich an das biblische Gebot: „Schweige still vor Jehova, und harre voll Verlangen auf ihn. Erhitze dich nicht über jemand, der seinen Weg zum Erfolg macht, über den Mann, der seine Ideen ausführt. Steh ab vom Zorn und laß den Grimm; erhitze dich nicht, nur um übelzutun. Denn die Übeltäter selbst werden weggetilgt werden, die aber auf Jehova hoffen, sind es, die die Erde besitzen werden“ (Ps. 37:7-9).
Es ist nicht nötig, ein Leben lang oder noch viele Jahre zu warten. Heute sehen wir, daß überall Unrecht verübt wird — erdenweit. Das ist eine sichere Gewähr dafür, daß Gott eingreifen wird. Es ist so, wie König David aus eigener Erfahrung sagen konnte: „Ich habe den Bösen als Tyrannen gesehen und sich ausbreiten wie ein üppiger Baum auf heimischem Boden. Und doch schwand er dann dahin, und er war nicht da; und ich suchte ihn ständig, und er war nicht zu finden“ (Ps. 37:35, 36). Statt also zu weltlichen Methoden Zuflucht zu nehmen, sollte man auf Gott warten.
Wenn wir Gottes Vorsatz, seine Wege und seine Erfordernisse kennenlernen, werden wir davor bewahrt, den Fehler zu machen, der Menge zu folgen, denn das würde nicht zum Ruhme Gottes beitragen, sondern lediglich die Unruhen und Probleme, die in den kritischen „letzten Tagen“ dieses Systems der Dinge herrschen, vermehren (2. Tim. 3:1-5).
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Wie realistisch ist die Gefahr einer Hungersnot?Erwachet! 1975 | 8. Juni
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Wie realistisch ist die Gefahr einer Hungersnot?
DER Gedanke an eine Hungersnot mag dir abwegig erscheinen. Im Laufe der Geschichte ist es der Mehrheit der Menschen immer gelungen, sich genügend zu essen zu beschaffen. Vielleicht hast du andere Probleme, die dich mehr beschäftigen als eine Lebensmittelknappheit in einem anderen Teil der Welt.
Doch warum taucht das Thema Hungersnot immer wieder in den Nachrichten auf? Warum gebrauchen Nahrungsmittel- und Ernährungsfachleute immer wieder den Ausdruck „Welthungersnot“ oder „universelle Hungersnot“? Versuchen sie lediglich, den Menschen Angst einzujagen und blinden Alarm zu schlagen?
Oder könnte es sein, daß wirklich die ganze Welt von einer Hungersnot bedroht ist? Ist es möglich, daß du in naher Zukunft persönlich eine Lebensmittelknappheit erlebst?
Vor zwei Jahren sagte Dr. Norman E. Borlaug, der als der „Vater der Grünen Revolution“ bekannt ist, die Welt könne in den nächsten dreißig Jahren genügend Lebensmittel produzieren, um die Menschheit zu ernähren. Ist er immer noch dieser Meinung? „Nein, ich bin nicht mehr so optimistisch“, antwortet Dr. Borlaug. Er erklärt:
„Von 1947 bis Mitte 1972 schien der Nahrungsmittelverbrauch der Welt erstaunlich stabil zu sein, und die Weizenreserven wirkten sich dämpfend auf die Nahrungsmittelpreise aus. Doch dann kam die miserable Ernte des Jahres 1972 sowie eine Dürre in der ganzen Sowjetunion, in China und in Australien. Die Folge davon waren die großen Getreidekäufe Rußlands, und das löste diese schreckliche Inflation aus. Im gleichen Sommer waren in ganz Asien die Monsunregen recht spärlich, und die Reisernte war schlecht. Die Nahrungsmittelreserven, von denen wir dachten, sie würden für jede Situation ausreichen, verschwanden einfach über Nacht.“
Infolgedessen reichen die Getreidevorräte der Welt jetzt nur noch für 25 Tage aus, um die ganze Weltbevölkerung zu ernähren, während sie im Jahre 1961 noch für etwa 95 Tage ausreichten. Und die Reserven schrumpfen immer mehr zusammen, da der Getreideverbrauch der Welt jährlich um 1,3 Millionen Tonnen mehr zunimmt als die Getreideproduktion.
Ein Reporter des Wall Street Journal warnt davor, die gegenwärtigen Berichte über eine Lebensmittelknappheit zu schnell und ohne gebührende Berücksichtigung beiseite zu schieben:
„Denen, die schon ihr ganzes Leben davon gehört haben, daß Menschen in China oder Armenien oder sonstwo verhungern, mögen solche düsteren Vorhersagen übertrieben und unnötig alarmierend vorkommen. Im Laufe der Geschichte hat es schon immer Hungersnöte gegeben ... und in Verbindung damit auch Weltuntergangspropheten; jedesmal hat sich die Welt irgendwie wieder erholt. Heute jedoch stimmen Landwirtschafts-, Ernährungs- und Wirtschaftsexperten überein, daß die gegenwärtige Nahrungsmittelsituation der Welt wesentlich unheilverkündender ist als je zuvor.“
In einem Artikel mit der Überschrift „Die nächste Krise: Universelle Hungersnot“ erklärte der Schreiber: „Diesmal reden die Unglückspropheten nicht nur über das Elend in Indien, sondern auch über Verknappungen, hohe Preise und über eine eventuelle Nahrungsmittelrationierung in den Vereinigten Staaten.“ Im Oktober vergangenen Jahres berichtete ein führender Getreideexporteur, die Firma Cargill, Inc., daß die schwindenden Nahrungsmittelvorräte von heute es „absolut unmöglich machen“, daß wieder so viel Getreide verbraucht wird wie in den vergangenen zwölf Monaten. In dem Bericht hieß es weiter: „Sowohl der Verbrauch im Inland als auch die Exporte müssen eingeschränkt werden.“
Ein Zeichen für eine Welt ohne Hunger
An dieser Stelle sollte erwähnt werden, daß sorgfältige Erforscher der Bibel erwartet haben, daß diese Generation von weltweiten Hungersnöten bedroht sein würde. Jesus sagte voraus, daß seine „Gegenwart“ in Königreichsmacht, die gemäß der biblischen Zeitrechnung 1914 u. Z. begann, von „Lebensmittelknappheit ... an einem Ort nach dem anderen“ gekennzeichnet sein würde (Matth. 24:3, 7; vergleiche Offenbarung 6:1, 2, 5, 6)a.
Das sollte jedoch kein Grund zum Verzweifeln sein, denn Jesus brachte seine „Gegenwart“ mit dem „Abschluß des [gegenwärtigen] Systems der Dinge“ in Verbindung (Matth. 24:3). Bald wird auf der Erde ein neues System eingeführt werden, in dem die Menschheit „nicht mehr hungern“ wird (Offb. 7:16; vergleiche Jesaja 49:10).
Aber in der kurzen verbleibenden Zeit, bevor diese Verheißung ihre großartige Erfüllung findet, wird tatsächlich der Hunger auf der Erde um sich greifen. Wie wirkt es sich auf die Menschen aus, wenn eine Hungersnot eintritt?
[Fußnote]
a Siehe das Buch Wahrer Friede und Sicherheit — woher zu erwarten?
[Bilder auf Seite 8]
[New York Times, 20. Oktober 1974]
32 Nationen von Hungersnot bedroht
[The National Observer, 30. März 1974]
Die nächste Krise: Universelle Hungersnot
[Daily Times, Lagos (Nigeria), 9. Oktober 1974]
AFRIKA VOR ERNÄHRUNGSKRISE
[Los Angeles Times, 20. Oktober 1974]
Hungernde Äthiopier auf 1 Million geschätzt
[Free Press Journal, Indien, 2. September 1974]
Asien steht vor größtem Nahrungsdefizit der Geschichte
[New York Times, 13. November 1974]
Bangladesch befürchtet Tausende Tote bei Ausbreitung der Hungersnot
Obige Ausschnitte sind aus englischsprachigen Publikationen übersetzt
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Wenn eine Hungersnot eintrittErwachet! 1975 | 8. Juni
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Wenn eine Hungersnot eintritt
WER daran gewöhnt ist, alle Lebensmittel zu bekommen, die er braucht, der kann sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, wie sich eine Hungersnot auf Menschen auswirkt.
Nehmen wir zum Beispiel die Zustände in Bangladesch. Dieses südasiatische Land ist vor einigen Monaten von Überschwemmungen heimgesucht worden, so daß es nötig war, Notküchen einzurichten, um die Massen hungernder Menschen zu ernähren, die in die Städte strömten, um etwas zu essen zu bekommen. In einem Sonderbericht für die New York Times wurde eine dieser Küchen wie folgt beschrieben:
„Vor einer typischen Notküche in Mirpur, einem überfüllten Vorort von Dacca, stehen 1 000 Leute an, um ein Stück Roti, d. i. ungesäuertes Brot aus Weizenmehl, zu erhalten. Die Ration wird durch ein Proteinbiskuit und 1/10 Liter Milch ergänzt, die vom Roten Kreuz gespendet wurden. Diese Speise wird einmal täglich am Nachmittag ausgegeben. Dabei entsteht ein solches Gedränge und Kämpfen, daß die Verantwortlichen Stöcke benutzen müssen, um die Ordnung in der Menge aufrechtzuerhalten, die hauptsächlich aus alten Männern, Frauen und Kindern besteht, die schrecklich unterernährt aussehen.“
Außerhalb der Stadt seien die Zustände noch schlimmer, heißt es in dem Bericht. „Dort kommen die Verzweifelten schon am frühen Morgen zum Verteilungszentrum, um ein halbes Stück Roti zu erhalten, das am späten Nachmittag ausgeteilt wird. Milch oder Linsen gibt es nicht.“
Verzweifelte Nahrungssuche
Die in Nigeria erscheinende Daily Times berichtete in ihrer Ausgabe vom 28. November 1973, über die Verhältnisse, die sich zu jener Zeit im Nordosten des Landes entwickelt hatten: „Während in diesem Bundesstaat die Dürre anhält und die Farmen weiter von Heuschrecken verwüstet werden, reißen die Menschen jetzt Ameisenhügel auseinander, um dort die Nahrungsmittelvorräte der Ameisen zu finden.
Auch in Indien herrschen extreme Ernährungsbedingungen. Regierungsbeamte erzählen, daß Dorfbewohner in abgelegenen Gebieten von Wurzeln, Blättern und Gräsern leben, die sie auf den ausgedörrten Reisfeldern finden.
Ein ausländischer Helfer berichtet über die Zustände in Kalkutta: „Vom Standpunkt der Ernährung aus müßten einige dieser Menschen schon tot sein. Man sieht, wie Kinder Gras, Ratten und den grünen Belag von Wasserreservoiren essen.“ Bernard Weinraub schrieb in einem Artikel der New York Times vom 5. September 1974: „Es sind erschütternde Szenen zu sehen. Ein Kind beobachtet, wie ein anderes Kind Eis lutscht. Als es mit dem Eislutschen fertig ist und den Holzstiel in den Rinnstein wirft, hebt das andere ihn auf und saugt daran.“
Die Suche nach Nahrung hat manchmal schreckliche Folgen. In der Zeitung West Australian wurde berichtet:
„Im Irak sollen Tausende von Menschen an der größten Massenvergiftung der Geschichte gestorben sein. ...
Die Opfer sollen Getreide gegessen haben, das mit einer Quecksilberlösung behandelt worden und nur als Saatgut vorgesehen war. ...
Die Polizei hatte streng davor gewarnt, das Getreide zum Verzehr zu verwenden, aber es wurde während des Abladens und des Transports gestohlen.
Einige, die das Getreide aßen, starben, und andere verkrüppelten infolge einer Schädigung des Gehirns oder wurden blind oder taub.“
Schreckliche Nebenwirkungen der Hungersnot
Der Hungertod ist ein langwieriger, qualvoller Vorgang. Doch schon lange vor Eintritt des Todes zeitigt die Unterernährung ihre Auswirkungen.
Kürzlich erklärte Dr. Nevin S. Scrimshaw, Professor der Ernährungslehre, in einem Interview über die Unterernährung in der Welt, daß in Gegenden, in denen Unterernährung herrsche, „den Arbeitern oft Arbeiten gegeben werden müssen, die nur zwei oder drei Stunden am Tag in Anspruch nehmen. Mit den Kalorien, die die Männer und Frauen durch ihre magere Kost erhalten, können sie einfach nicht länger arbeiten.“ Er erklärte, dieses Dilemma sei ein „Teufelskreis“, denn jemand, der nur ein paar Stunden täglich arbeiten könne, könne sich nicht genug Nahrung leisten, um Kraft für einen längeren Arbeitstag zu erhalten.
Selbst jemand, der genügend zu essen hat, wird leiden, wenn seine Nahrung nur wenig Nährwert hat. Ein Mangel an Vitamin A führt beispielsweise zu schweren Sehstörungen. Eisenarme Kost führt zu Anämie. Eine Kost, der es an Vitamin B1 fehlt, trägt zu einer Erkrankung des Nervensystems und des Herzens bei, und Jodmangel in der Kost einer Schwangeren kann Zwergwuchs und geistiges Zurückgebliebensein bei ihrem Kind zur Folge haben.
Der Kolumnist Martin Walker sah diese Auswirkungen bei einem Besuch in Westafrika. Er erzählt:
„Wir gingen durch die Zelte und sahen Füße, die wegen des Eiweißmangels angeschwollen waren wie Fußbälle, Augenlider, die wegen Anämie kalkweiß waren, Beine, die so dünn waren, daß die Kniegelenke groß und unförmig erschienen.
Kinder — die besonderen Opfer
Besonders Kinder leiden unter einer Hungersnot. Ein unterernährtes Kleinkind wird apathisch und zieht sich in seine eigene freudlose, inhaltsleere Welt zurück. Der obenerwähnte Kolumnist berichtet über das, was er sah:
„Plötzlich fiel mir auf, daß uns keine Kinder nachfolgten. In den meisten Dörfern Afrikas wird ein weißer Mann, der spazierengeht, von einer großen Schar kichernder, daumenlutschender Kinder begleitet. Aber hier hatte nicht ein einziges Kind die Kraft, zu spielen oder uns zu folgen, ja noch nicht einmal die Kraft, die Fliegen wegzuwedeln, die über seine Wunden krabbelten.“
Ein weiteres Beispiel dafür, wie sich Unterernährung auf Kinder auswirkt, ist in der Zeitschrift Weltgesundheit (Ausgabe Februar-März 1974) zu finden:
„Ein typisches Beispiel für ein bloßes Überleben liefert ein zweijähriges südamerikanisches Kind aus der ärmeren Klasse, das schon 6 akute Augeninfektionen, 5 Durchfallerkrankungen, 10 Infektionen der oberen Luftwege, Bronchitiden sowie Masern mit nachfolgender Bronchopneumonie und eine vorübergehende Stomatitis mitmachte. In 24 Monaten litt dieses Kind fast 30mal an Krankheiten und während eines Drittels seines Lebens unter der einen oder anderen Infektion. Seine Nahrung war unzureichend.“
Schon vor der Geburt können die Schädigungen für das Kind beginnen. Beim Menschen vermehren sich zum Beispiel die Gehirnzellen am schnellsten während des fünften und sechsten Monats der Schwangerschaft. Nach der Geburt entwickeln sie sich noch etwa achtzehn Monate lang weiter. Wenn dem Kind während dieser kritischen Zeit das nötige Eiweiß fehlt, kann das Gehirn geschädigt werden.
Auswirkungen auf die Einstellung der Menschen
Eine Hungersnot verursacht also tatsächlich schwere körperliche Schäden. Aber wie wirkt sie sich auf den Geist aus? Wie würde eine Hungersnot in dem Gebiet, in dem du lebst, deine Einstellung und dein Verhalten beeinflussen?
Die Reaktion der Menschen auf eine Lebensmittelknappheit hängt von ihrer Einstellung zu dieser traurigen Situation ab. In einigen Fällen hat die Hungersnot die Menschen dazu getrieben, nur an sich selbst zu denken. Eine solche Einstellung hat schreckliche Folgen.
Hungernde Menschen in Indien, Bolivien und Äthiopien haben Zerstörungen angerichtet, randaliert und Getreidelager geplündert. M. P. Tripathi, Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft von Uttar Pradesh, einem Bundesstaat im Nordosten Indiens, sagte warnend: „Die Hungersnot wird zweifellos Tausende von Todesopfern fordern. Die Kriminalität wird zunehmen, und an verschiedenen Orten werden Krawalle ausbrechen.“
Der Hunger hat einige Personen zu schrecklichen Maßnahmen getrieben. Ein Beispiel dafür war in der Zeitschrift Newsweek vom 7. Oktober 1974 zu lesen:
„Auf ihrer Nahrungssuche verlassen Männer ihre Frauen und Kinder, um sich allein durchzukämpfen. Die indische Presse berichtet über Fälle von Familien, die lieber Selbstmord begingen, als langsam den Hungertod zu sterben, und über verzweifelte Väter, die kleine Kinder in die Flüsse warfen, um sie zu ertränken.“
Die schwere Dürre in Afrikas Sahelzone rief gemäß einem Bericht noch eine weitere nachteilige Nebenwirkung hervor. Man spricht von einem „traumatisch-psychologischen Schock für die Einwohner des Sahel“. „Wenn ein Bauer den Glauben an sein Land verliert und wenn ein Nomade sein Vertrauen zur Fruchtbarkeit der Wüste verliert, dann ist die Folge eine Art psychologische Kastrierung.“
Einige der vorgeschlagenen „Lösungen“ zeigen, wie hilflos die Menschheit angesichts der sich verschlimmernden Lebensmittelknappheit ist. Manche Behörden haben Zwangssterilisierung vorgeschlagen. Ein anderer Vorschlag, der ernstlich erwogen wird, ist die „nationale Triage“. Bei diesem Verfahren sollen die Todesfälle dadurch verringert werden, daß nur den Nationen geholfen wird, die durch Soforthilfe gerettet werden können, während andere, denen nicht mehr geholfen werden kann, dem Hungertod preisgegeben werden.
Eine andere Einstellung möglich
Einige Personen haben sich jedoch trotz schwerer Hungersnot überraschenderweise völlig anders verhalten. In den unmenschlichen Konzentrationslagern des Dritten Reiches zum Beispiel verhungerten langsam Tausende von Menschen. Viele sanken dadurch in tiefste Entartung und Verzweiflung, und einige begingen Selbstmord.
In einem Bericht heißt es jedoch, daß bestimmte Personen, „die selbst schon vom Tode gekennzeichnet waren, denjenigen, denen es noch schlechter ging, etwas von ihrer kargen Brotration abgaben. Oft waren es nur Krumen, die sie denen heimlich unter ihr Kopfkissen legten, denen das Essen aus irgendeinem Grund entzogen worden war und die bis zum Schlafengehen bei grimmiger Kälte mit dürftiger Kleidung auf dem Appellplatz stehen mußten.“
Was hat diese Menschen veranlaßt, selbst unter schrecklichem Hunger so anders zu handeln? Warum sind sie nicht dem schlechten Beispiel anderer Mithäftlinge gefolgt?
Weil sie eine andere Einstellung zu ihrer Notlage hatten. Sie waren christliche Zeugen Jehovas, und sie waren wegen ihres Glaubens eingesperrt worden. Sie sahen in den bedrückenden Weltverhältnissen, auch in den schweren Hungersnöten, die in vielen Teilen der Erde herrschten, die Erfüllung der Prophezeiung Jesu über den Abschluß des gegenwärtigen Systems der Dinge und die darauf folgende gerechte neue Ordnung, in der Hungersnöte der Vergangenheit angehören werden (Matth. 24:3, 7; Offb. 7:16).
Diese Verheißung veranlaßt Jehovas Zeugen, eine völlig andere Einstellung zu den Weltverhältnissen zu haben. Statt selbstsüchtig zu randalieren, zu hamstern oder auf andere Weise zu versuchen, so viel Lebensmittel wie möglich anzuhäufen, richten sich diese Christen nach dem Grundsatz: „Jeder suche fortwährend nicht seinen eigenen Vorteil, sondern den des anderen“ (1. Kor. 10:24). Sie wissen, daß sie, selbst wenn sie den Hungertod sterben sollten, die tröstende Aussicht haben, von den Toten auferweckt zu werden, und zwar auf einer Erde, auf der es nie wieder eine Hungersnot geben wird (Offb. 20:13; 21:3-5).
Was geschieht, wenn eine Hungersnot eintritt, hängt daher davon ab, ob die Nahrung im Leben der Betroffenen das Wichtigste wird. Wer die biblische Hoffnung auf eine neue Ordnung hat, kann selbst in einer Zeit der Hungersnot freudig in die Zukunft blicken. Er weiß, daß es in Gottes neuer Ordnung, die gemäß den Prophezeiungen der Bibel in unserer Generation beginnen wird, „Fülle an Getreide auf der Erde geben [wird]; auf dem Gipfel der Berge wird Überfluß sein“ (Ps. 72:16; Matth. 24:33, 34). Nie wieder wird die Menschheit von einer Hungersnot heimgesucht werden.
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