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Sollen wir unseren Mitmenschen helfen, oder sollen wir sie verhungern lassen?Der Wachtturm 1975 | 1. Juli
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Ländern ist die Kindersterblichkeit recht groß. Eltern wünschen sich daher große Familien, in der Hoffnung, daß einige Kinder am Leben bleiben, von denen sie im Alter versorgt werden. Die „fortschrittlichen“ Länder hören von den ärmeren Ländern den Vorwurf: „Wie kommt es, daß ihr die Rohstoffe bei uns so billig einkauft und uns dann eure Produkte zu so hohen Preisen verkauft? Warum lebt ihr nicht etwas vernünftiger und eßt etwas bescheidener, so daß aus den Schätzen unserer Länder mehr Menschen Nutzen ziehen können?“
Was kann der einzelne — zum Beispiel du — in dieser Lage tun, um Hilfe zu bieten? Den Menschen eines anderen Landes wird ja nicht schon allein dadurch mehr Nahrung auf den Tisch gestellt, daß du weniger ißt. Kannst du zuversichtlich damit rechnen, daß Regierungen oder gewisse Organisationen dafür sorgen, daß deine Bemühungen um das Vorhandensein größerer Nahrungsmittelvorräte den Hungernden der Welt Erleichterung bringen?
Unglücklicherweise werden die Menschen durch vieles von solchen Bemühungen abgehalten. Sie beobachten, daß sich die Verhältnisse trotz der hohen finanziellen Zuschüsse verschlimmern. Heute hungern mehr Menschen als je zuvor. Staaten, die Hilfe empfangen, mögen damit eher kostspielige militärische Ausrüstungen als Nahrungsmittel beschaffen. Durch Korruption, durch Wuchergeschäfte auf dem Schwarzmarkt sowie durch Abfall und Schwund werden gelieferte Nahrungsmittelvorräte oft so weit reduziert, daß sie nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein sind, wenn sie die Bedürftigen erreichen.
In einem Artikel der Zeitschrift BioScience heißt es:
„Eine weise und sachkundige Regierung behält von vornherein etwas von der Produktion der guten Jahre für schlechte Jahre auf, die sich gewiß einstellen werden. Es handelt sich dabei nicht um eine neue Erkenntnis. In der Bibel wird davon berichtet, daß Joseph dem Pharao von Ägypten schon vor mehr als 2 000 Jahren diese Politik empfahl. Es kann jedoch buchstäblich gesagt werden, daß die meisten Regierungen der Welt heute keine solche Politik betreiben. Entweder mangelt es ihnen an Weisheit oder an Sachkenntnis oder an beidem.“
Tatsache ist, daß „fortschrittliche“ Länder in Wirklichkeit gar nicht wünschen, Nahrungsmittel in Hülle und Fülle zu haben. Weshalb nicht? Weil das niedrigere Preise und geringere Gewinne zur Folge hätte. Die Produktion wird daher so gesteuert, daß die hohen Preise auf dem Weltmarkt erhalten bleiben. Nahrungsmittel werden sogar dazu gebraucht, politische Vorteile zu erlangen.
Auf der anderen Seite behaupten Weltführer oft, sie betrachteten alle Menschen als Brüder, indem sie von der „Bruderschaft der Menschen“ sprechen. Geraten aber große Teile der Menschheit in Not, so wird nationalistischen und kommerziellen Interessen immer wieder der Vorrang gegenüber den Bedürfnissen der Mitmenschen gegeben.
Vor langer Zeit schrieb der inspirierte Apostel Johannes: „Wer die Güter dieser Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht, aber sein Herz vor ihm verschließt, wie soll die Liebe Gottes in ihm bleiben? ... wir wollen nicht lieben mit Wort und Zunge, sondern in Tat und Wahrheit“ (1. Joh. 3:17, 18, Kürzinger). Was auf einzelne Menschen zutrifft, gilt auch für ganze Nationen. Obgleich sie vorgeben mögen, religiös zu sein, zeigen die Nationen der Welt, daß es ihnen an der Liebe Gottes mangelt.
Benötigt wird eindeutig ein völlig neues System für die Menschheit, ein System, das den eigennützigen Nationalismus und den skrupellosen Wettbewerb der Handelswelt beseitigt und all dies durch Systeme ersetzt, in denen alle Menschen gleich behandelt werden und die wirtschaftliche Zusammenarbeit, echte Freigebigkeit und Nächstenliebe begünstigen. Die Bibel, das Buch, das die heutige Nahrungsmittelknappheit vorausgesagt hat, sagt auch dieses kommende neue System vorher. Sie zeigt, daß sich Gottes Königreich unter seinem Sohn bald in vollem Maße der irdischen Angelegenheiten annehmen und die Erde von allen Systemen reinigen wird, die zu so viel menschlichem Leid beigetragen haben (Matth. 6:9, 10; Dan. 2:44).
Als einzelne können wir die gegenwärtigen Verhältnisse nicht ändern. Das heißt aber nicht, daß wir den Leiden anderer gegenüber gleichgültig sein dürften. Nutzen wir die sich uns bietenden Gelegenheiten, anderen zu helfen? In Sprüche 22:9 wird uns versichert: „Wer gütigen Auges ist, der wird gesegnet werden; denn er gibt von seinem Brote dem Armen“ (Elberfelder Bibel).
Jehovas Zeugen sind bestrebt, ihre Liebe zu Gott dadurch zu beweisen, daß sie ohne Rücksicht auf Nationalität, Rasse, Hautfarbe oder gesellschaftliche Stellung ihren notleidenden Brüdern in allen Ländern Hilfe bieten. Aber in erster Linie helfen sie den Menschen überall, die Hoffnung auf die bevorstehende neue Ordnung zu erlangen, die Gottes Wort verheißt und in der es keinen Hunger mehr geben wird.
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Wie man Schüchternheit überwindetDer Wachtturm 1975 | 1. Juli
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Wie man Schüchternheit überwindet
Was junge Leute wissen möchten und was ihnen helfen kann
FÄLLT es dir, besonders bei Fremden, schwer, eine Unterhaltung zu beginnen? Machst du nur selten neue Bekanntschaften? Schließt du dich anderen nur zögernd an, um mit ihnen gemeinsam etwas zu unternehmen? Dann hast du offenbar mit dem Problem Schüchternheit zu kämpfen.
Schüchternheit kann auch reizvoll sein. Wenigstens ist sie es bei Kindern — bei kleinen Knirpsen, die dich mit großen Augen bestaunen oder ihr Gesicht schon dann verbergen, wenn du ihnen auch nur etwas Aufmerksamkeit schenkst. Aber freuen wir uns nicht, wenn selbst sie ihre Schüchternheit überwinden und Vertrauen zu uns gewinnen und sogar eine gewisse Unbefangenheit zeigen?
Du bist aber kein kleines Kind mehr. Und wenn man älter wird, dürfen die Leute mit Recht von einem etwas mehr erwarten. Der Apostel Paulus sagte darüber: „Als ich ein Unmündiger war, pflegte ich wie ein Unmündiger zu reden, wie ein Unmündiger zu denken, wie ein Unmündiger zu überlegen; nun aber, da ich ein Mann geworden bin, habe ich die Merkmale eines Unmündigen abgelegt“ (1. Kor. 13:11). Zugegeben, selbst bei Erwachsenen hat ein gewisses Maß an Schüchternheit manchmal seinen Reiz. Schüchternheit ist eng mit Bescheidenheit, einer demütigen Haltung gegenüber sich selbst, verwandt, und Bescheidenheit wirkt stets anziehend, ganz gleich, wie alt jemand ist.
Aber Schüchternheit wirkt hemmender als Bescheidenheit. Und zu große Schüchternheit kann sich in deinem Leben als ein echter Hemmschuh erweisen. Sie mag deine Bewegungsfreiheit einengen, so, wie wenn du mit einem Strick oder einer Kette gefesselt wärst. Sie kann ein Hindernis für dein Heranreifen zum Mann oder zur Frau sein, so daß du während deiner Entwicklungsjahre wertvolle Zeit verlierst. Schüchternheit kann sogar bei etwas so Selbstverständlichem, wie in Gegenwart anderer zu essen, ein beklemmendes Gefühl hervorrufen.
Aber warum sind einige Personen scheu und zurückhaltend und andere nicht? Wie kannst du Schüchternheit überwinden oder zumindest beherrschen lernen, damit sie nicht deine Lebensfreude beschneidet?
Zunächst solltest du wissen, daß normal zu sein nicht bedeutet, redselig zu sein und ein
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