Die Verkündigung der guten Botschaft in Njassaland
NJASSALAND ist ein Bergland im Südosten Afrikas. Obwohl seine vielen Berggipfel nicht mit denen der Alpen oder den amerikanischen Rocky Mountains zu vergleichen sind, ist einer von ihnen doch 3000 m hoch. Njassaland, das größer ist als Schottland, aber kleiner als England, kann sich gut mit dem Staate Indiana (USA) messen. Es zählt 2 750 000 Einwohner, und jeder 183. ist ein Zeuge Jehovas. Im Jahre 1958 beteiligten sich in Njassaland über 15 000 Personen an der Verkündigung der guten Botschaft.
Wie überall in der Welt macht sich der Materialismus auch in Njassaland bemerkbar, wenn er hier auch seine eigenen Methoden hat. Eine davon ist die intensive Propaganda für eine größere politische Selbständigkeit der Afrikaner. Das hat schon zu Unruhen, Steinigungen und Volksaufständen geführt. Jehovas Zeugen haben durch alle diese Schwierigkeiten hindurch ihre Neutralität bewahrt.
Als vor einiger Zeit ein Zeuge Jehovas einen afrikanischen politischen Führer besuchte, stellte er diesem am Schluß ihres Gesprächs die Frage: „Wenn Sie zur Macht über dieses Land gelangten, wie würden Sie sich Jehovas Zeugen gegenüber verhalten?“ Der Zeuge erhielt zur Antwort: „Wir machen uns über Jehovas Zeugen keine Sorgen. Wir wissen, daß Ihr gesetzestreu seid und die jetzige Regierung bereitwillig unterstützt, indem Ihr Steuern zahlt und andere Dienste, die verlangt werden, leistet, da Eure Religion Euch das lehrt. Wir wissen auch, daß Ihr uns in derselben Weise unterstützen werdet, wenn wir an die Macht kommen. Ferner wissen wir, daß Ihr Euch neutral verhaltet und daß Ihr, wenn Ihr nicht mit uns für die Unabhängigkeit kämpft, nachher auch nicht gegen uns kämpfen werdet, und das genügt uns.“
Ja, während diese Männer für die politische Macht agitieren, verkündigen Jehovas Zeugen in Njassaland, gleichwie es ihre Glaubensbrüder in 174 weiteren Ländern tun, ununterbrochen die gute Botschaft vom Königreich, das die einzige Herrschaft ist, die aller Ungleichheit wirklich ein Ende machen und die Rassenschranken für immer beseitigen wird. Um dieses Königreich lehrte Jesus Christus uns beten. — Matth. 6:10.
Jehovas Zeugen in Njassaland sprechen bei den Verkäufern auf den Märkten vor, die im ganzen „Busch“-Land verstreut liegen, so wie ihre Brüder in anderen Ländern in Geschäftsvierteln von Laden zu Laden gehen. Nur werden sie hier wahrscheinlich etwas anders aufgenommen. So mag es zum Beispiel vorkommen, daß ein Verkäufer, der Interesse bekundet, verlangt, daß der Prediger gleich an Ort und Stelle einen Vortrag hält. Bald darauf wiederholen andere die gleiche Bitte, und die Tätigkeit auf dem Markte wird langsamer, da man erwartet, daß der Prediger jedem Anwesenden eine Ansprache über ein biblisches Thema hält.
Wenn der Verkündiger zum Schluß gekommen ist, kommen neue Leute hinzu, die biblische Schriften haben möchten, und oft kann er mit ihnen ein Bibelstudium festlegen, das er bei ihnen zu Hause abhalten kann. Der Afrikaner hört gern zu, wenn diskutiert wird, und folgt dem Prediger mit ungeteilter Aufmerksamkeit, solange dieser zu sprechen beliebt.
Der Besuch der Zusammenkünfte der Versammlung während der fünfmonatigen Regenzeit ist ein wirkliches Problem. Was würdest du sagen, wenn du über 20 Kilometer weit im Regen gehen und dazu noch einen oder zwei Flüsse durchschwimmen müßtest, die von Krokodilen unsicher gemacht werden, nur um eine Versammlung zu besuchen? Viele Zeugen hier müssen das tun, und zwar nicht nur einmal, sondern oft dreimal in der Woche.
Wir können unsere Zusammenkünfte aus verschiedenen Gründen nicht am Abend abhalten, und zwar hauptsächlich aus Gründen der Sicherheit. Es kann einem leicht passieren, daß man, wenn man nach Einbruch der Dunkelheit durch den „Busch“ geht, einem Löwen oder einem Leoparden begegnet, der sich gerade nach einem Mahle umsieht. Die meisten Versammlungen haben deshalb ihre Zusammenkünfte auf den Spätnachmittag angesetzt, damit alle wieder heil nach Hause finden.
Typisch dafür, wie hoch die Zeugen von einigen Menschen hier geachtet werden, ist folgende Erfahrung, die ein Sonderpionier gemacht hat. Ein nach der Wahrheit hungernder Pastor bat diesen, seiner Gemeinde einen biblischen Vortrag zu halten, was er auch tat. Alle waren dafür sehr dankbar, außer den Ältesten, die ihn deswegen vor Gericht zogen. Nachdem der ganze Tatbestand dargelegt worden war, kündigte der Vorsitzende folgende Entscheidung an:
„Meine Herren Älteste! Warum machen Sie sich denn solche Sorgen? Sie sollten froh sein, daß Ihre Gemeinde die Wahrheit erfährt. Weshalb sollte man den Gliedern Ihrer Gemeinde den wahren Tatbestand verhehlen? Wenn sie die Wahrheit hören möchten, wie sie von Jehovas Zeugen dargelegt wird, dann laßt dies doch geschehen. Sie haben keinen rechtlichen Klagegrund gegen den Pastor und gegen das, was er getan hat.“
Die größten Probleme, die wir in diesem Lande zu überwinden haben, sind Bräuche wie Polygamie, Reifefeiern-Riten, Zauberei in ihren vielen Formen und Beerdigungsbräuche. Aber niemand kann ein Zeuge Jehovas werden, es sei denn, er wende sich von all diesen Dingen ab. Es macht uns und auch Außenstehenden einen großen Eindruck, die Veränderung zu beobachten, die die Wahrheit des Wortes Gottes in dieser Hinsicht bewirkt. Das an sich ist ein wunderbares Zeugnis für die Macht, die die Bibel auf den Sinn derer zu haben vermag, die sie durch ein Studium verstehen lernen.
[Karte auf Seite 671]
(Genaue Textanordnung siehe gedruckte Ausgabe)
NJASSALAND
Belg.-Kongo
Tanganijka
N.-Rhodesien
Süd-Rhodesien
Südafrik.-Union
Indischer Ozean