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Energieknappheit — Was können wir dagegen tun?Erwachet! 1980 | 8. April
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lohnt sich in vulkanischen Gebieten; aber nicht jeder wohnt in der Nähe eines Vulkans.
Zudem bewirken einige Energiequellen eine Umweltverschmutzung, die nicht zumutbar ist. Kohleöfen entlassen Rauch und Ruß in die Luft, die Verbrennung von Mineralölprodukten verursacht Smog, und die Kernenergie bereitet uns Sorgen wegen der radioaktiven Strahlung und der langlebigen Abfälle. Wind-, Wasser- und Sonnenenergie sind frei von solchen Nachteilen.
Nicht übersehen darf man die im gegenwärtigen Wirtschaftssystem verwurzelten Geschäftsinteressen. Eine Einführung bestimmter Energiesysteme würde die großen Investitionen für die bestehenden Kraftwerke und ausgedehnten Verteilernetze zunichte machen. Jede Änderung würde auf Widerstand stoßen, selbst Änderungen, die wünschenswert sind oder, auf lange Sicht gesehen, unumgänglich erscheinen.
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Wieviel Energie ist noch im Boden?Erwachet! 1980 | 8. April
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Wieviel Energie ist noch im Boden?
SEIT Beginn der industriellen Revolution zu Anfang des 19. Jahrhunderts sind Kohle und Mineralöl die Hauptenergiequellen. Doch sie werden im allgemeinen als nicht erneuerbar eingestuft. Daher stellt sich heute die Frage: Wie lange noch können wir mit diesen fossilen Brennstoffen arbeiten, bevor sie völlig verbraucht sind?
Als Europa und die Vereinigten Staaten in das Industriezeitalter eintraten, wurde zuerst die Kohle genutzt. Man brauchte sie in großen Mengen für die Herstellung von Stahl und Zement. Die Kohle war der Treibstoff „zu Wasser und zu Lande“ — für Lokomotiven wie für Dampfschiffe. Sie diente zur Beheizung von Wohnungen und Betrieben. Vom Ende des 19. Jahrhunderts an wurden damit auch die Generatoren in Kraftwerken betrieben.
Als dann das in großen Mengen verfügbare und preisgünstige Mineralöl aufkam, wurde in vielen Anwendungsbereichen die Kohle verdrängt. Nicht zuletzt trug die leichte Handhabung und Entzündbarkeit dieses flüssigen Brennstoffs dazu bei, daß er in zunehmendem Maße Verwendung fand — in Automobilen für den Privatgebrauch, in Lkws für den Frachtverkehr und in Flugzeugen für schnellste Fortbewegung. Die Industrieländer wurden immer mehr vom Mineralöl als unentbehrlichem Energielieferanten abhängig.
Die Ausbeutung setzt ein
Angespornt durch die Aussicht auf phantastische Gewinne, waren die Ölfirmen stets darauf bedacht, in neuen, ergiebigen Ölfeldern sofort Fuß zu fassen. Das Naturgas, das aus vielen Ölfeldern strömte, wurde als bloßes Nebenprodukt, manchmal fast als Plage, betrachtet. Häufig hielt man es für so minderwertig, daß man es am Bohrturm abfackelte, nur um es loszuwerden. Sobald aber Pipelineverbindungen geschaffen waren, konnte es für einen geringen Preis in Betriebe und Wohnhäuser geleitet werden.
In den Mineralöl verbrauchenden Ländern wurde in jeder Beziehung zu einem unmäßigen Energieverbrauch ermuntert. Das Öl war so billig, daß man Verschwendung verzieh und nicht im geringsten an Sparmaßnahmen dachte. Weitsichtige Personen erkannten, daß es nicht immer so weitergehen könne; irgendwann müßten die Mineralölvorräte erschöpft sein. Doch immer wieder schienen die bekannten Reserven noch für viele weitere Jahre auszureichen, und die Entdeckung neuer Ölfelder vergrößerte die verfügbaren Reserven schneller, als sie genutzt werden konnten.
Durch die Massenproduktion wurde das Automobil für fast jeden erschwinglich, und die Automobilfirmen entwickelten sich zu gigantischen Konzernen, die sich gegenseitig zu übertreffen suchten, indem sie jedes neue Modell mit weiteren verlockenden Details ausstatteten. Die Regierungen besteuerten den Verkauf des preiswerten Benzins und ließen überall Autobahnen bauen. Millionen von Leuten, die immer schneller und weiter reisen wollten, wurden Autobesitzer. Die Ölgesellschaften waren auf den größtmöglichen unmittelbaren Gewinn bedacht. Sie kehrten sich nicht daran, daß in einer künftigen Generation eine Knappheit eintreten könnte. Aber diese Generation ist inzwischen da.
Die verbliebenen Reserven
Der anfängliche Optimismus über die verbliebenen Reserven wurde 1973 durch die Ölsperre getrübt, die die arabischen Lieferanten verhängten. Im Jahre 1978 gab ein internationaler Expertenausschuß zu bedenken, daß die bestehenden Ölvorräte spätestens nach 20 und frühestens nach 5 Jahren nicht mehr mit dem wachsenden Bedarf Schritt halten könnten. Vor kurzem ließen einige Ereignisse die Befürchtung aufkommen, daß schon Anfang der 80er Jahre eine weltweite Knappheit zu erwarten ist.
Wir sehen uns plötzlich schwerwiegenden Problemen gegenüber. Die Ölversorgung wird nicht mehr allein durch die technischen Möglichkeiten der Erschließung und Verarbeitung bestimmt. Sie wird zusehends politischen Einflüssen unterworfen. Die Regierungen haben umfassende Systeme der Besteuerung und der künstlichen Preiskontrolle geschaffen. Ölmanager klagen, daß kaum noch ein Ansporn besteht, mit teuren Bohrungen zu beginnen, um neue Felder zu erschließen, oder neue Raffinerien zu bauen, die der steigende Bedarf erfordert.
Multinationale Firmen haben bewirkt, daß in ehemals rückständigen Ländern Öl gefördert und an die Industrieländer geliefert wird. Heute gehören die meisten bedeutenden Öllieferanten einerseits und die größten Ölverbraucher andererseits verschiedenen, in der Regel gegensätzlichen politischen Lagern an. Die OPEC-Länder, die sich von den mächtigeren Nationen ausgebeutet fühlen, haben sich zusammengeschlossen, um die Lieferungen zu kürzen und somit die Preise zu erhöhen und politische Forderungen durchzusetzen. Damit die Folgen erneuter Liefersperren gemildert werden können, sprechen Politiker von Sparmaßnahmen und von anderen Energiequellen. Doch ihre Vorschläge, auf Autobahnen langsamer zu fahren, die Heizungsthermostate zurückzudrehen und den Preis von Brennstoffen stark anzuheben, stoßen auf Gleichgültigkeit oder gar Entrüstung.
Aber wir können nicht die Augen vor den Tatsachen verschließen. Ganz gleich, welche Schritte zur Einsparung der Energie und zur Streckung der Vorräte unternommen werden, die Weltvorräte können bereits nicht mehr mit dem Bedarf Schritt halten. Es ist entmutigend, zu erfahren, daß sich in den Gesteinsporen der erschöpften Ölfelder immer noch die zwei bis dreifache Menge des bereits geförderten Öls befindet, aber nur durch kostspielige Verfahren und nur zu einem geringen Teil gewonnen werden kann. Selbst durch die Entdeckung neuer großer Vorkommen wie der in Alaska und Mexiko wird die völlige Erschöpfung der Mineralölreserven lediglich um ein paar Jahre verschoben. Dieser Zustand wird unausweichlich in den kommenden Jahrzehnten eintreten. Was dann?
[Übersicht auf Seite 10]
ENERGIE AUS: JÄHRLICHER VERBRAUCH: RESTLICHE RESERVEN:
USA WELTWEIT USA WELTWEIT
Erdöl 38 107 175 3 300
Naturgas 20 37 200 1 500
Kohle 13 94 11 000 35 000
Wasserkraft 3 12 Erneuerbar
Kernspaltung 3 5 230 670
INSGESAMT 77 225
Den angegebenen Zahlen liegt eine Einheit von etwa 1 Trillion (1 000 000 000 000 000 000) Joule zugrunde. Das entspricht der Energie von 170 Millionen Barrel Öl oder 28 Milliarden Kubikmeter Naturgas oder 40 Millionen Tonnen Kohle oder 2 100 Tonnen Uranoxid. Mit dieser Energieeinheit kann man 100 Billionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Die Zahlen in der ersten Spalte sind ziemlich genau, die in den letzten beiden beruhen auf Schätzungen.
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Zurück zur Kohle?Erwachet! 1980 | 8. April
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Zurück zur Kohle?
BIS zum Jahre 1940 war die Kohle der Hauptenergieträger. Die geförderten Mengen sind seither kaum zurückgegangen, aber der Verbrauch an Mineralöl und Naturgas hat so schnell zugenommen, daß die Kohle nur noch 30 Prozent des Weltenergiebedarfs deckt. Es ist nicht deshalb so weit gekommen, weil etwa die Kohle schwer zu beschaffen gewesen wäre, sondern hauptsächlich deshalb, weil das Mineralöl billiger war. Gibt es, wenn das Öl zu teuer wird und einmal erschöpft ist, kein Zurück zur Kohle?
Bestimmt ist genügend Kohle vorhanden. Die bekannten Vorkommen liefern ausreichend Energie für mindestens 150 Jahre. Man müßte zwar viele neue Lagerstätten erschließen und die Kapazität des Eisenbahn- und Schiffstransports erweitern, aber Kohle gibt es genug.
In der Stromerzeugung und in der Industrie ist die Kohle ein praktischer „Ölersatz“. Doch bei der Beheizung von Wohnungen bringt sie offenkundige Nachteile mit sich.
Die Beheizung unserer Wohnung
Viele der älteren Leser werden sich an Winter erinnern, in denen sie jeden Tag aus einem schwarzen, staubigen Behälter Kohle in den Ofen schaufeln und später die noch staubigere Asche zur Mülltonne tragen mußten. Man brauchte schon etwas Geschicklichkeit und Geduld, um das Feuer, wenn es einmal ausgegangen war, wieder anzuzünden. Vergleicht man diese mühseligen täglichen Verrichtungen damit, daß man heutzutage nur einen Thermostat einzustellen braucht, der die Zündung und Dosierung des Gas- oder Ölstroms automatisch regelt, dann sehnt sich wohl kaum jemand nach einer Wiederkehr des „Kohlezeitalters“.
Bestimmt erinnerst du dich auch daran, daß in Städten, in denen alle mit Kohle heizten, jede Lage frisch gefallenen Schnees sofort von dem Ruß aus den Hunderten von Kaminen verdunkelt wurde. Die Generation, die sich an die Annehmlichkeiten des Heizöls gewöhnt hat, würde es nur zögernd gegen einen staubigen Kohlenkasten eintauschen.
Und das Auto?
Wenn es darum geht, für unsere Autos ein „Ersatzbenzin“ zu finden, dann steht die Kohle nicht zur Debatte. Der Verbrennungsmotor braucht einen flüssigen oder gasförmigen Treibstoff. Die Kohle unterscheidet sich vom Mineralöl im wesentlichen durch ihren geringeren Wasserstoffgehalt. Man kann sie aber durch Hydrieren in eine Flüssigkeit oder in ein Gas umwandeln. Auf diese Weise hat Deutschland während des Zweiten Weltkriegs einen Großteil seines Kraftstoffbedarfs gedeckt, und heute wendet man dieses Verfahren in Südafrika an. Allerdings würde eine Ersetzung der gegenwärtigen Ölversorgung durch künstlich hergestellte Kraftstoffe eine Erweiterung der chemischen Industrie erfordern, die wahrscheinlich von den Regierungen unterstützt werden müßte. Bald werden solche Kraftstoffe nur in geringen Mengen und zu sehr hohen Preisen erhältlich sein.
Schneller zum Erfolg führen möglicherweise Elektrofahrzeuge mit aufladbaren Batterien. In einigen Städten sind solche Fahrzeuge schon für den Personentransport im Einsatz. Die Batterien können in der Garage mit einem Ladegerät geladen werden. Doch Fahrleistung, Reichweite und Nutzlast solcher Fahrzeuge liegen weit unter den Erwartungen heutiger Autofahrer.
Größere elektrisch betriebene Straßen- und Schienenfahrzeuge eignen sich gut als Massenverkehrsmittel. Bevor sich das Auto und der Bus mit Verbrennungsmotor durchsetzten, wurde für den Personenverkehr in und zwischen Städten der Oberleitungsbus verwendet. Schnelle elektrisch betriebene Züge und U-Bahnen sind in Europa und Japan auch auf Überlandstrecken im Einsatz. Den Strom für solche elektrisch betriebenen Verkehrsmittel könnte man in zentralen Kohlekraftwerken erzeugen. Man müßte dann zugunsten des Massenverkehrs auf das Privatfahrzeug verzichten.
Umweltverschmutzung bleibt
Durch einen Übergang vom Öl zur Kohle würde sich die Luftverschmutzung zwar ändern, aber sie würde nicht beseitigt werden. Ein wesentlicher Teil des Smogs, nämlich die unvollständig verbrannten Kohlenwasserstoffe in den Autoabgasen, wäre dann kein Problem mehr, aber die Stickoxide und das Schwefeldioxid können bei der Verwendung von Kohle in gleich großem oder sogar in größerem Umfang auftreten. Will man nicht wieder mit der rauchgeschwängerten Atmosphäre früherer Industriestädte vorliebnehmen, muß die Kohleverbrennung verbessert werden.
Es gibt eine Art der Umweltbelastung, die sich weder vermeiden noch rückgängig machen läßt, solange man fossile Brennstoffe verwenden wird. Gemeint ist die Zunahme von Kohlendioxid in der Atmosphäre. Seit Beginn der industriellen Revolution haben wir der Erde so viel Kohlenstoff entnommen und als Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen, daß die Kohlendioxidkonzentration weltweit um 5 Prozent gestiegen ist. Einige Wissenschaftler glauben, daß sich bei einem normalen Prozentsatz das Klima in völligem Gleichgewicht befindet, wogegen bei einer zu starken Veränderung die gesamte Erdatmosphäre so sehr aufgeheizt wird, daß in der Arktis und der Antarktis das Eis schmilzt. Man befürchtet sogar, daß es für den Fortbestand des Lebens zu warm werden wird.
Zwar mögen andere Energiequellen den Riesenbedarf des Menschen decken, aber anscheinend kann nur die Kohle so schnell nutzbar gemacht werden, daß die rasch schwindenden Erdölreserven ausgeglichen würden.
Wäre jedoch die Nutzung der Kohle wirklich die Lösung des Energieproblems? Wie die Bibel zeigt, besteht Gottes Vorhaben darin, unsere ganze Erde zu einem Paradies umzugestalten. Dem würde die Verwendung einer Energie widersprechen, durch die die Luft verschmutzt wird. Zudem zeigt die Bibel, daß Gott die Erde schuf, damit sie für immer bewohnt werde, und zwar von gottesfürchtigen Menschen, die sich ewigen Lebens erfreuen würden (Jes. 45:18; Ps. 96:10-13; Joh. 17:3). Also muß er eine Energiequelle geschaffen haben, die über die 80er Jahre — ja über die nächsten 150 Jahre — hinaus reichen würde.
Auf welche Energiequelle könnte das zutreffen? Wie könnte sie genutzt werden? In kommenden Erwachet!-Ausgaben wird erörtert werden, welche Antworten es auf diese Fragen gibt und was der Mensch jetzt unternimmt, um dem Problem beizukommen.
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