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‘Als vortrefflicher Soldat am Erleiden von Ungemach teilnehmen’Der Wachtturm 1969 | 15. Januar
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erinnerte, der Elia mit Speise versorgte. (1. Kö. 19:5-8) Es war für mich auch tröstlich, darüber nachzudenken, warum ich leiden mußte: weil ich mich nicht hatte einschüchtern und zum Verstummen bringen lassen, weil ich mich geweigert hatte, die Worte Jehovas, des Heiligen, zu verleugnen. — Hiob 6:10.
Sehr gefährlich waren in jenen Tagen Weltmenschen, die mir sagen wollten, was ich tun solle. Ein früherer Insasse des Konzentrationslagers, ein politischer Gefangener, mit dem ich viel über das Königreich sprechen konnte, schilderte mir seine Erfahrungen und sagte: „Sei klug, unterschreibe. Von den 400 Zeugen Jehovas in unserem Lager erlebten die fünfzehn, die nicht unterschrieben haben, täglich die ‚Hölle‘.“ Doch ich wußte genau, welcher Weg Jehova Ehre bereiten würde.
So landete ich im Januar 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin. Ich fand dort etwa 400 Brüder. Seit März 1938 waren sie im Lager isoliert, und die Rechte, die andere Häftlinge genossen, waren ihnen versagt. Sie durften keine Zeitung und kein Buch lesen und anfangs auch keine Post empfangen. Später gestattete man ihnen, monatlich einen Brief von fünf Zeilen zu erhalten. Spötter höhnten: „Wo ist jetzt euer Jehova?“ Manche besiegelten ihre Treue mit dem Tod. Ein Bruder starb in meinen Armen. Mit seinen letzten Worten ermutigte er uns, standhaft zu bleiben.
Es fanden sich auch immer wieder Gelegenheiten, Zeugnis über das Königreich abzulegen. Als dreißig von uns zum Beispiel in Berlin beim Neubau des SS-Hauptamtes eingesetzt waren, sprach ich eines Tages mit dem leitenden SS-Führer. Zum Schluß unserer Debatte sagte ich: „Herr Kommandoführer, Sie sind Soldat! Auch ich bin ein Soldat.“ Ich dachte dabei an 2. Timotheus 2:2-4. Später half er mir oft in schwierigen Situationen, indem er zu seinen Leuten sagte: „Laßt Oltmanns in Ruhe. Oltmanns ist ein Soldat!“
Im Frühling 1941 wurde das Lied komponiert, das in dem Liederbuch Lieder zum Preise Jehovas jetzt Nummer 12 ist. Jehova lehrte uns wirklich kämpfen und siegen. Mit den Worten des Apostels Paulus konnten wir zuversichtlich sagen: „Wir werden auf jede Weise bedrängt, ... wir sind ratlos, ... wir werden verfolgt, ... wir werden niedergeworfen, doch nicht vernichtet.“ — 2. Kor. 4:8, 9.
Eine kleine Erleichterung erfuhren wir im September 1941. Beim Mittagsappell erscholl es aus dem Lautsprecher: „Jehovas Zeugen, Bibelforscher, herhören! Nur fünf Minuten Essenszeit, dann sofort umziehen!“ Wir durften die Isolierung verlassen. Nun wurden wir wie die anderen Lagerinsassen behandelt. Wir waren als zuverlässige Arbeiter sehr gesucht. „Man soll sie jetzt durch Schmeicheleien gewinnen, weil sie durch harten Druck nur noch härter werden“, hieß es in einem Schreiben der SS. „Wir benötigen sie auch nach dem Kriege, um sie im Osten anzusiedeln, wo sie dann den slawischen Völkern das Evangelium des Friedens predigen können.“
Wir versammelten uns weiterhin zu unseren Studien. Die Posten auf dem benachbarten Turm freuten sich schon darauf, denn sie hörten uns Volkslieder singen, dann folgten ein Zionslied, das Gebet und unser Studium. Eines Tages aber erhielten wir einen neuen Blockältesten. Sollten wir nun unser Studium in gewohnter Weise durchführen? Warum nicht? Wir beteten und begannen dann damit. Mitten in unserem Studium von Daniel, Kapitel 11 ging plötzlich die Tür des Tagesraumes auf, und der neue Blockälteste stand vor uns. Ich glaube, er war noch mehr erschrocken als wir. Er hörte einen Augenblick zu und gab uns dann durch eine Handbewegung zu verstehen, wir könnten weitermachen. Noch nie hatten wir unser Schlußlied so begeistert gesungen!
Im August 1942 wurden wir von einem Angehörigen einer anderen Glaubensrichtung verraten. Eines Morgens wurde alles, auch die Strohsäcke, auf denen wir schliefen, durchsucht. Es wurden viele Schriften gefunden. Dann hagelte es Strafen: fünfzehn von uns erhielten fünfundzwanzig Stockhiebe. Ein stiller Held, der versuchte, die Schuld auf sich zu laden, um andere zu schützen, erhielt fünfzig Stockhiebe. Danach mußten wir im Galopp Steinbrocken schleppen.
Ende März wurden wir in Viehwagen verladen, deren Luken mit Stacheldraht versehen worden waren, und über Belgien und Paris kamen wir nach dem malerischen Saint-Malo. Hier sahen wir die ersten Palmen. Dann machten wir eine Seereise nach der englischen Insel Alderney, die damals von deutschen Truppen besetzt war. Die Seereise tat uns gut nach den vielen Monaten der Gefangenschaft. Auf dieser Felseninsel gab mir jemand eine englische Bibel, ein deutsch-englisches Wörterbuch und die Bücher Regierung und Versöhnung. Die SS-Männer dachten, ich betriebe Sprachstudien. Doch auf diese Weise wurden wir wieder geistig gestärkt.
EIN WENDEPUNKT
1944 kam dann die Invasion der Alliierten. Der Todeskampf des „tausendjährigen Reiches“ begann, und selbst wir bekamen es zu verspüren. Drei Wochen später nahm uns eines der letzten deutschen Schiffe, die Cherbourg verließen, auf und beförderte uns nach der sonnigen Insel Guernsey. Es war geplant, das Schiff mit seiner ganzen Ladung hilfloser Häftlinge zu versenken, aber der Kapitän weigerte sich, es zu tun. Schließlich kamen wir nach Jersey, und einige Tage später landeten wir dank einem guten Steuermann, der uns sicher durch die Blockade der Alliierten brachte, wieder in Saint-Malo.
Dann begann ein Eisenbahnwettrennen durch Europa. Alliierte Tiefflieger versuchten die Lokomotive außer Betrieb zu setzen, doch die Wagen, in denen gefangene Partisanen und gefangene Amerikaner sowie wir untergebracht waren, beschossen sie nicht. Die Bevölkerung in Frankreich war sehr freundlich zu uns, und oft gab man uns guten Wein, wenn wir um Wasser baten. Leider starben aber einige von uns auf dieser Reise. In einem Massengrab mußten auch drei Zeugen mit beerdigt werden. Ihr Körper hatte die Strapazen nicht mehr ausgehalten, obwohl sie geistig immer noch stark gewesen waren.
Es vergingen Wochen. Wir rollten weiter durch Flandern und Holland nach Deutschland. Doch unsere Fahrt war noch nicht zu Ende. Weiter ging es durch die Tschechoslowakei, und schließlich kamen wir ins Lager Münnigholz bei Steyr. Wie dankbar waren wir, als dann im Mai die weiße Fahne gehißt wurde. Wir weinten vor Freude. Unser Sehnen war, unsere Angehörigen wiederzusehen. Lebten sie noch? Wir wollten aber auch wieder zurück in den christlichen Kampf, den geistigen Kampf, für den wir als Soldaten angeworben worden waren. Der Verkehr war jedoch lahmgelegt und das Land verwüstet.
Zu unserer Freude fanden wir einen alten Wehrmachtstraktor, den wir wieder instand setzten. Unter einem Transparent mit der Aufschrift „Jehovas Zeugen kehren aus den Konzentrationslagern heim“ und unter Birkengrün fuhren wir fünfzig Zeugen, immer noch in unseren gestreiften Sträflingsanzügen, durch Bayern und Sachsen bis nach Leipzig. Dort trennten wir uns, und am 4. Juni, abends, war ich pünktlich, wie versprochen, wieder daheim — nur sieben Jahre später.
WIEDER DAHEIM — ABER KEIN URLAUB
Als ich zu Hause ankam, waren auch die Kinder wieder daheim. Freudig las ich die Gerichtsprotokolle über die beiden, die damals erst zwölf und neun Jahre alt waren. „Wir werden nicht Heil Hitler sagen“, hatten sie gesagt. „Wir werden die Hitlerfahnen nicht grüßen, wir werden nicht in den BDM gehen, obgleich wir wissen, daß wir bei der Mutter nicht bleiben dürfen. Unser Vater sitzt im Konzentrationslager, weil er an Gott glaubt. Die Pastoren sagen, daß sie auch an Gott glauben, doch sie sind nicht in Konzentrationslagern, weil sie alles mitmachen.“ Sie hatten eine liebe, tapfere Mutter, die in jener Zeit täglich mit ihnen Gottes Wort studiert hatte.
Es war aber jetzt nicht an der Zeit, Urlaub zu machen. Jehova rief durch seine Organisation alle Soldaten Christi auf, wach zu bleiben und eifrig tätig zu sein. Ich wurde als reisender Sonderbeauftragter der Wachtturm-Gesellschaft in Nordwestdeutschland eingesetzt. Würde ich es schaffen? Ein krankes Herz sagte nein. Doch Jehova erhörte unsere Gebete, und die Brüder ermutigten uns überall. Die Versammlungen der Zeugen Jehovas wuchsen überall wie Pilze nach einem warmen Sommerregen.
Und wie unser Becher seither übergeflossen ist! 1947 wurde der Kreisdienst eingerichtet. 1948 hatten wir unseren ersten Kongreß in Kassel. 1950 erlebten wir dann die unbeschreibliche Freude, über den Ozean nach New York zu fliegen, um dem „Mehrung-der-Theokratie“-Kongreß im Yankee-Stadion beizuwohnen. Siebzig von uns aus Deutschland waren zugegen. Wir waren aus einer feurigen Prüfung gekommen, und nun floß unser Becher von Segnungen über.
Unvergeßlich sind auch die Kongresse, die auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg durchgeführt wurden. Die 144 Säulen dort wurden zum Symbol des Sieges des triumphierenden Königreiches Gottes unter dem Zepter und der Krone Christi Jesu, seines eingesetzten Königs. Im Jahre 1955 füllten über 107 000 treue Untertanen dieses „Führers und Gebieters“ das Gelände und sangen Lieder zum Lobe Jehovas der Heerscharen. Vom Turm aus überblickte ich diese wogende Menge, und Tränen der Freude traten mir in die Augen. Unter Christus, dem König, hatten Tausende und aber Tausende gelernt, etwas zu tun, was keine religiöse oder politische Organisation dieser Welt zustande gebracht hat: Sie haben sich mit Menschen aus allen Nationen zu friedlicher, freundschaftlicher Zusammenarbeit vereinigt.
Darum sage du, der du noch jung bist und unschlüssig an der Schwelle des Vollzeitdienstes stehst, nicht: „Das kann ich nicht“, oder: „Ich habe nicht die Kraft dazu“, sondern dränge voran in der Kraft Jehovas. Er wird dich genauso stützen und stärken, wie er in ferner Vergangenheit und auch in der Neuzeit eine „Wolke von Zeugen“ gestützt und gestärkt hat. Behalte im Sinn, daß die Anbeter des wahren Gottes Kämpfer sind, denn wir leben in einer fremden, feindseligen Welt. Unser aller Vorrecht ist es, als „vortreffliche Soldaten Christi Jesu“ theokratisch und beharrlich weiterzukämpfen, bis Jehovas endgültiger Sieg der ganzen Organisation Satans für immer ein Ende machen wird.
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Zeuge Jehovas beeindruckt PriesterDer Wachtturm 1969 | 15. Januar
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Zeuge Jehovas beeindruckt Priester
In einem Artikel, der in der Zeitschrift U.S. Catholic vom Dezember 1966 erschien, brachte ein katholischer Priester seine Gedanken über einen Zeugen Jehovas, der bei ihm vorgesprochen hatte, zum Ausdruck. Er schrieb: „Hätten doch ich und andere in der Kirche den Missionseifer, den dieser Zeuge Jehovas hatte! Sein Mut und seine glühende Begeisterung erinnerten mich an Johannes den Täufer (Evangelium). Der Zeuge hieß ebenfalls Johannes ... er ist erst 18 Jahre alt. Er besuchte die Oberschule, verließ dann das Elternhaus und kam hierher, in einen anderen Staat, um als Missionar zu wirken. Er besucht jede Woche fünf Zusammenkünfte, verwendet 100 Stunden darauf, Hausbesuche zu machen, und verdient sich seinen Lebensunterhalt selbst. Er schrubbt abends Fußböden in Verkaufsgeschäften, damit er tagsüber die Leute besuchen kann. Sein Leben ist wirklich ein Leben der Hingabe und der Selbstaufopferung.“ Dieser junge Mann ist kein Einzelfall, sondern Tausende, und zwar Junge und Alte, führen aus Liebe zu Gott und zu ihrem Nächsten ein solches Leben der Hingabe und Aufopferung. Angesichts der Zeit, in der wir leben, bemühen sie sich eifrig, Menschen zu helfen, der bevorstehenden Vernichtung des gegenwärtigen bösen Systems der Dinge zu entrinnen. Höre dir die biblische Botschaft an, die sie dir überbringen.
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