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Jehova — ein grausamer oder ein liebevoller Gott?Der Wachtturm 1985 | 15. März
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eure Gedanken‘“ (Jesaja 55:8, 9). Ferner sichert uns die Bibel zu: „Gerechtigkeit sind alle seine Wege.“ Jehova wird als „ein Gott der Treue“ identifiziert, „bei dem es keine Ungerechtigkeit gibt“ (5. Mose 32:4). Wir wollen daher einige Fälle untersuchen, in denen Gott es für richtig hielt, ein Strafurteil zu vollstrecken.
Die Sintflut
„Jehova [sah], daß die Schlechtigkeit des Menschen ausnehmend groß war auf der Erde und daß jede Neigung der Gedanken seines Herzens allezeit nur schlecht war“ (1. Mose 6:5). Das war die vorsintflutliche Welt. Ja, Jehova Gott „sah ... die Erde, und siehe! sie war verderbt, denn alles Fleisch hatte seinen Weg auf der Erde verderbt“ (1. Mose 6:12). Einige entgegnen vielleicht, Gott hätte die Menschen sich selbst überlassen sollen; er hätte sie tun lassen sollen, was ihnen beliebte. Es gab aber noch ehrliche, in sittlicher Hinsicht untadelige Menschen auf der Erde. Wäre es nicht grausam gewesen, wenn Gott zugelassen hätte, daß die Bösen die letzte Spur von Sittlichkeit auf der Erde ausgelöscht hätten? Daher ließ Gott eine weltweite Flut kommen, um die Erde von allen zu befreien, die sie verdarben.
Ein grausamer Gott hätte keine Vorkehrung für das Überleben von Mensch und Tier getroffen. Doch Jehova sorgte dafür. Ein grausamer Gott hätte vor der kommenden Sintflut nicht gewarnt. Doch Jehova beauftragte Noah, etwa 40 bis 50 Jahre lang als „Prediger der Gerechtigkeit“ zu dienen (2. Petrus 2:5). Die Menschen konnten zwischen Leben und Tod wählen.
Sodom und Gomorra
Als zwei Engel Sodom besuchten, offenbarten die Bewohner bald ihren perversen Charakter. Die Männer von Sodom umringten das Haus Lots, „vom Knaben bis zum alten Mann, alles Volk in e i n e r Pöbelrotte. Und sie riefen unablässig nach Lot und sprachen zu ihm: ,Wo sind die Männer, die heute nacht zu dir hereingekommen sind? Bringe sie zu uns heraus, damit wir Verkehr mit ihnen haben können‘“ (1. Mose 19:4, 5). Die Bewohner Sodoms und Gomorras sind „dem Fleisch zu unnatürlichem Gebrauch nachgegangen“ (Judas 7; siehe auch Römer 1:26, 27).
Gott, „der die Herzen erforscht“, sah, daß die Bewohner der Städte nicht gerettet werden konnten. Sie verdienten die Vernichtung (Römer 8:27). Es waren nicht einmal zehn Gerechte in Sodom zu finden (1. Mose 18:32). Das Verhalten der Bewohner Sodoms stellte eine echte Bedrohung für den gerechten Lot und seine Familie dar. Deshalb war es ein Akt der Liebe, daß Gott Lot und seine Töchter befreite (1. Mose 19:12-26).
Urteilsvollstreckung an den Kanaanitern
Jehova hatte Abraham verheißen, sein Same werde schließlich das Land Kanaan in Besitz nehmen. Beachte jedoch, daß es in seinen Tagen zu keiner Urteilsvollstreckung kam. Warum nicht? „Die Vergehung der Amoriter [der vorherrschende kanaanitische Volksstamm] ist noch nicht vollendet“, sagte Jehova (1. Mose 15:16). Etwa 430 Jahre sollten vergehen, bis die Schlechtigkeit dieser Nation solche Ausmaße annehmen würde, daß Moses sagen konnte: „Es ist wegen der Bosheit dieser Nationen [Kanaans], daß Jehova, dein Gott, sie vor dir vertreibt“ (5. Mose 9:5).
Das Buch Archaeology and the Old Testament erklärt diesbezüglich: „Die Brutalität, die Wollust und die Unbeherrschtheit, die in der kanaanitischen Mythologie zum Ausdruck kommen ..., müssen bei ihren Anhängern die schlimmsten Charakterzüge zum Vorschein gebracht und viele der entartetsten Praktiken der Zeit zur Folge gehabt haben, wie z. B. heilige Prostitution, Kinderopfer und Schlangenanbetung, ... äußerste moralische und religiöse Entartung.“ Dennoch wurden die Gibeoniter und die Bewohner dreier anderer Städte verschont (Josua 9:17, 18). Hätte ein grausamer Gott dies geduldet?
Eine gespaltene Persönlichkeit?
Einige behaupten indessen, der Gott des „Alten Testaments“ habe im „Neuen Testament“ seine Persönlichkeit verändert. Jesu Lehren drehten sich, wie sie sagen, um Liebe (Matthäus 5:39, 44, 45).
Die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 u. Z. kam aber, wie Jesus vorhergesagt hatte, als göttliches Strafgericht (Matthäus 23:37, 38; 24:2). Außerdem wurden ungerechte Einzelpersonen wie Ananias, Sapphira und Herodes zu Tode gebracht. Gott hatte sich nicht geändert (Apostelgeschichte 5:1-11; 12:21-23; Maleachi 3:6). Auch waren Jesu Lehren über die Liebe nicht neu. Lange zuvor hatte das mosaische Gesetz bereits geboten: „Du sollst deinen Mitmenschen lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19:18). Jesu Lehren über eine aufopfernde Liebe schlossen jedoch mehr ein als dieses Gebot (Johannes 13:34). Vergiß auch nicht, daß er die heuchlerischen religiösen Führer energisch brandmarkte. Lies Matthäus, Kapitel 23, und du wirst sehen, wie scharf Jesus sie verurteilte.
Die biblischen Berichte lassen daher nicht den Schluß zu, Jehova sei ein grausamer Gott, sondern sie sind ein Zeugnis seiner tiefen und beständigen Liebe zur Menschheit. Wir fühlen uns daher gedrängt, mehr über Jehova und seine liebevolle Handlungsweise zu lernen. Der nächste Artikel kann dir dabei helfen.
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Jehova — ehrfurchteinflößend, aber liebevollDer Wachtturm 1985 | 15. März
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Jehova — ehrfurchteinflößend, aber liebevoll
„MIT wem ... könnt ihr mich vergleichen?“ fragt Jehova Gott. Selbst mit den gewähltesten Worten könnte man niemals die unvergleichliche Macht und Herrlichkeit Gottes hinreichend beschreiben. Er lädt uns ein, die Ausdehnung der Himmel zu betrachten, indem er sagt: „Hebt eure Augen in die Höhe und seht. Wer hat diese Dinge erschaffen? Er ist der Eine, der ihr Heer selbst der Zahl nach herausführt, sie alle sogar mit Namen ruft. Wegen der Fülle dynamischer Kraft, da er an Macht auch kraftvoll ist, fehlt nicht eines davon“ (Jesaja 40:25, 26).
Die Tausende von Sternen, die für das bloße Auge sichtbar sind, machen nur einen Bruchteil der etwa 100 Milliarden Sterne aus, die allein zu unserer Galaxis gehören. Doch Jehova hat alle Sterne des ganzen Universums gezählt und benannt. Stell dir auch die ungeheure Energie vor, die all diese Materie in sich birgt! Im Sonnenzentrum herrscht eine Temperatur von 15 Millionen Grad Celsius. Welch „dynamische Kraft“ Jehova doch haben muß, denn er hat Milliarden dieser Kernreaktoren erschaffen!
Jehova völlig zu verstehen übersteigt unsere unzureichenden Fähigkeiten. Elihu sagte: „Was den Allmächtigen betrifft, wir haben ihn nicht ergründet; er ist erhaben an Macht ... Mögen die Menschen ihn daher fürchten“ (Hiob 37:23, 24). Jehova wünscht allerdings mehr von uns, als lediglich Ehrfurcht oder Scheu zu haben. „Du sollst Jehova, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele und deiner ganzen Tatkraft“, gebietet die Bibel (5. Mose 6:5). Können wir aber jemand lieben, den wir nicht völlig zu verstehen vermögen? Ja, denn obgleich sich Jehovas Wohnsitz hoch in den Himmeln befindet, handelt er auf liebevolle Weise mit unvollkommenen Menschen und läßt sie zumindest ein teilweises Verständnis über ihn erlangen. (Vergleiche Psalm 113:5-9.)
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