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Rechte christliche Werke tunDer Wachtturm 1958 | 1. Januar
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anzuhören, und auch etwas zum Gehalt des Geistlichen und zur Deckung anderer Ausgaben ihrer religiösen Organisation beizutragen. Ohne Zweifel ist ihre mangelhafte Ansicht zum größten Teil auf die Tatsache zurückzuführen, daß fälschlich ein Unterschied zwischen Geistlichen und Laien gemacht wird. Obschon ein solcher Unterschied unter heidnischen Religionen üblich war, hatte er keinen Platz im wahren Christentum; er wurde gewiß nicht in der Versammlung der Urchristen gemacht. Eine religiöse Zeitschrift bemerkte diesbezüglich als Kommentar zu dem „Sonntag des Laien“:
„Gewiß gab es in der kleinen Schar, die Jesus und seine Jünger bildeten, keine Aufteilung in Geistliche und Laien. Wenn auch jeder [Geistliche] Jesus gern als sein den damaligen Verhältnissen entsprechendes Gegenstück betrachten möchte, entsprach doch sein Gebaren, seine Redeweise und sein Verhalten mehr dem, was wir heute als das Verhalten eines ‚Laien‘ bezeichnen würden. Und genauso waren die Jünger — die von unserem Standpunkt aus wie eine [neugeformte] Laiengruppe aussehen — in Wirklichkeit die Prediger, die ausgesandt wurden.
Im übrigen Teil des Neuen Testaments bezeichnet das Wort für Geistliche (kleros) nicht eine besondere Ordnung unter den Christen, sondern alle Christen. Und das Wort für Laien (laòs) bezeichnet nicht bloß Empfänger in der Versammlung, sondern wiederum alle Christen. Alle sind zu einem Dienste berufen, und alle sind Gottes Volk. Der Unterschied zwischen Geistlichen und Laien, wie wir ihn heute machen, war den Schreibern des Neuen Testaments unbekannt. Daher konnte St. Paulus bei der Aufzählung, in der er Juden und Heiden, Sklaven und Freie, Reiche und Arme, Männer und Frauen, die eins sind in Christus, erwähnte, nicht ‚Geistliche und Laien‘ mit aufführen. Hätte er aber im zweiten Jahrhundert gelebt, so hätte er vielleicht seine Liste so ergänzt.“ — The Christian Century, 12. Oktober 1955.
Dies bedeutet jedoch nicht, daß man, um rechte christliche Werke zu tun, auf die Kanzel oder auf das Rednerpodium steigen muß, um dort zu predigen. Es finden sich viele Gelegenheiten, Zeugnis zu geben: im eigenen Heim, am Arbeitsplatz, ferner bei Einkäufen oder auf Reisen. Auch kann man sich die Gelegenheit stets selber schaffen, indem man von Haus zu Haus geht und zu Fremden an Straßenecken oder auf Marktplätzen spricht, denn all dies sind Methoden, die Paulus und die anderen Apostel anwandten. — Apg. 5:42; 17:17; 20:20.
Um natürlich „allezeit bereit [zu sein] zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt, die in euch ist“, müssen wir uns dem Studium des Wortes Gottes widmen und die Ermahnung des Apostels Paulus befolgen: „Tue dein Äußerstes, dich Gott als einen Arbeiter, der sich keiner Sache zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit richtig handhabt.“ Es ist auch notwendig, daß wir uns versammeln, damit wir zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterweisen. — 1. Pet. 3:15; 2. Tim. 2:15; Heb. 10:25, NW.
Wir erkennen aus diesen Ausführungen, daß, obwohl Christen ehrliche Arbeit verrichten müssen und Werke der Wohltätigkeit nicht vernachlässigen dürfen, sie doch jene Werke tun müssen, die sie als Christen auszeichnen, indem sie nämlich den geistigen Bedürfnissen des Volkes dienen und Zeugnis für den Namen und das Reich Gottes ablegen.
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Das Wahre muß man wiederholenDer Wachtturm 1958 | 1. Januar
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Das Wahre muß man wiederholen
● Im Jahre 1828 sagte der deutsche Dichter und Romanschreiber Johann Wolfgang von Goethe etwas, das heute noch der Wahrheit entspricht. „Und dann“, so sagte er, „man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“
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