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Geschwätz kann dich vernichten!Der Wachtturm 1955 | 15. Oktober
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Geschwätz kann dich vernichten!
„Ich sage euch, dass von jedem unnützen Wort, daß die Menschen reden, sie Rechenschaft geben werden am Tage des Gerichts; denn durch deine Worte wirst du gerechtfertigt werden, und durch deine Worte wirst du verurteilt werden.“ — Matth. 12:36, 37, NW.
1. Was ist charakteristisch an denen, die schwatzen, und warum sollten wir uns davor hüten?
GESCHWÄTZ hat mit Satan, dem Teufel, begonnen. Eva hörte seiner verleumderischen Aussage über Jehova zu, glaubte sie, handelte danach, erzählte sie ihrem Mann, und das Endergebnis war, daß das erste Menschenpaar von seinem besten Freunde getrennt wurde. Von damals an bis heute haben Menschen geschwatzt und dafür gelitten. Nur wenige, wenn überhaupt welche, haben sich nicht des Schwatzens schuldig gemacht oder sind nicht seine Opfer geworden. Öfters sind solche, die sich wiederholt des Schwatzens schuldig machen, ganz entrüstet, wenn sie die Zielscheibe eines Geschwätzes werden. Wenn es sich um sie dreht, hassen sie es. Wenn sie selbst schwatzen, beschönigen sie es. Viele schicken ihrem Geschwätz eine Entschuldigung voraus und verraten dadurch ihr schlechtes Gewissen. Oft beginnen sie etwa folgendermaßen: „Ich sage es ja nicht gern, aber …“, und dann fahren sie mit Wonne fort, es zu erzählen. Oder die Einleitung mag auch sein: „Ich weiß nicht, ob das wahr ist oder nicht, aber …“, und dann erzählen sie, was ihrer Meinung nach unrecht ist. Wirklich, Satans Anschläge sollten uns nicht unbekannt sein. Wir sollten uns vor Geschwätz, das eine Waffe des Teufels ist, hüten.
2. Was sollten wir im Sinn behalten, während wir diesen Artikel studieren?
2 Vor wem sich hüten? Vor uns selbst. Denke darüber nach, wenn du das liest. Überlege, wie es sich auf dich beziehe und nicht auf deinen Nächsten. Gewiß bezieht es sich auch auf deinen Nächsten. Er gibt es zu. Aber wichtig ist, daß du zugibst, daß es sich auf dich bezieht und daß du es auf dich selbst anwendest. Du kannst dich ändern. Du magst nicht in der Lage sein, deinen Nächsten zu ändern. Richte dein Augenmerk auf dich selbst. Wenn du dich dann in dieser Hinsicht als untadelig erweist, so hilf auch deinem Nächsten, so zu werden. Wenn du den Sparren aus deinem eigenen Auge entfernt hast, kannst du versuchen, den Strohhalm aus dem Auge deines Nächsten zu ziehen. Wir sind geneigt, mit uns selbst gelinde, aber mit anderen hart zu verfahren. Laßt uns um unserer eigenen Sicherheit willen umgekehrt handeln, indem wir gegen uns selbst hart und gegen andere gelinde verfahren. — Matth. 7:1-5.
3. Warum übertreiben Schwätzer gern, und was ist von jenen zu sagen, die Geheimnisse preisgeben?
3 Was ist unter Schwatzen zu verstehen? Es ist Klatsch, der zum Schaden wirkt. Es mag in böser Absicht und mit dem Vorsatz geschehen, zu verletzen. Oft aber geschieht es in Harmlosigkeit und ohne den Wunsch, jemandem Schaden zuzufügen. Eine harmlose Erklärung wird durch Wiederholung verletzend, weil sie dabei gefärbt, verdreht oder übertrieben wird, um ihr Würze zu verleihen. Jemand mag dies ohne böse Absicht tun, um seine Geschichte verlockender und für seine Zuhörer interessanter zu gestalten, damit er eine bessere Wirkung der Überraschung, des Schreckens oder des Ärgernisses erzielt, und in seinem Eifer, das Erzählte zu würzen, denkt der Schwätzer nie an den Schaden, den er jenem zufügt, der dadurch betroffen wird. Sein Mund wird zu einer Schlinge, in die er seinen eigenen Fuß verwickelt; und er wird bei der Übertretung des Gebotes Jehovas gefangen, das besagt: „Du sollst nicht als Verleumder unter deinem Volke umhergehen.“ „Du sollst nicht einen unwahren Bericht weitergeben“ und „Du sollst nicht der Menge folgen zum Übeltun“. Selbst wenn ein unwahrer Bericht von vielen wiederholt wird, brauchen wir dieser Menge nicht zu folgen und an der Verleumdung unseres Bruders teilzunehmen. Wenn wir nicht sicher sind, ob der Bericht wahr ist, sollten wir ihn nicht wiederholen. Und bisweilen sollten wir ihn nicht wiederholen, auch wenn er wahr ist. „Wer als Verleumder [Ausplauderer, Fußn.] umhergeht, deckt das Geheimnis auf; wer aber treuen Geistes ist, deckt die Sache zu.“ „Wer als Verleumder umhergeht, enthüllt das Geheimnis; und mit dem, der seine Lippen aufsperrt [töricht redet, RS], laß dich nicht ein.“ Jemand, der geheime Dinge enthüllt, die andere nichts angehen, spricht töricht, steckt seine Nase in fremde Dinge, mischt sich in Sachen anderer ein, verleumdet und schwatzt. Er verrät etwas ihm Anvertrautes und richtet Schaden an. — 3. Mose 19:16; 2. Mose 23:1, 2, NW; Spr. 11:13; 20:19.
4. Wann und wem müssen Geheimnisse bisweilen enthüllt werden, und sind solche Berichte als schädliches Schwatzen zu bezeichnen?
4 Manchmal muß ein Geheimnis gesagt werden, auch wenn jemand dadurch verletzt wird. Wenn du jemand kennst, der im geheimen sündigt und seine Stellung vor Jehova gefährdet und die Reinheit der Versammlung trübt, so mußt du reden. Mit wem reden? Mit jedem Gliede der Versammlung? Dafür besteht kein Grund. Die Sache auf diese Weise zu verbreiten, wäre verkehrt und würde sowohl dem Betreffenden als auch der Versammlung schaden. Manchmal mag es genügen, mit dem Betroffenen zu sprechen; öfter aber wird es notwendig sein, mit dem Dienerkomitee der Versammlung zu reden. Einen solchen Bericht zu erstatten, mag zu etwas führen, was dem Schuldigen als schädigend erscheint, aber das Endergebnis wird tatsächlich zu seinem Nutzen sein. Keine Zucht scheint zur Zeit, da sie erfolgt, erfreulich zu sein, aber wer sich ihr unterzieht und sich dadurch schulen läßt, erntet schließlich Segen daraus. Dabei muß an folgendes gedacht werden: Wenn ein Geheimnis enthüllt wird, sollte es denen gegenüber enthüllt werden, die fähig oder dazu ernannt sind, die Angelegenheit richtigzustellen, und nicht gegenüber Schwätzern, die es dann weitertragen. Paulus schrieb an die Korinther: „Denn es ist mir über euch, meine Brüder, durch die Hausgenossen der Chloe enthüllt worden, daß Zwistigkeiten unter euch bestehen.“ Schwatzten denn die Hausgenossen der Chloe über die Brüder in Korinth? Nein, der Bericht erfolgte zu ihrem Guten. Er wurde an einen Mann gerichtet, der die Angelegenheit regeln konnte, indem er sie in maßgebender Weise zurechtwies und ihre Füße auf den Pfad des Lebens und in die Fußstapfen Jesu zurückbrachte. — 1. Kor. 1:11; Heb. 12:11, NW.
5. Warum weigern sich einige, über einen Freund etwas zu melden, und sind sie wirklich wahre Freunde?
5 Jehovas Gesetz sah vor, daß Zeugen gegen Übeltäter aussagen konnten. Es wird uns nicht verboten, Zeugenaussagen zu machen; es wird uns nur untersagt, falsches Zeugnis abzulegen. Viele Leute in der Welt verurteilen eine Enthüllung von Tatsachen, die einen anderen bloßstellen, als „Verpetzen“. Besonders die Unterwelt arbeitet nach dieser Vorschrift, die besagt, es sei ganz in Ordnung, zu schweigen oder falsch auszusagen, um einen Verbrecher zu decken, und es sei verabscheuenswert, die Wahrheit zu sagen, wenn sie einen Übeltäter bloßstelle. In der Christenversammlung ist es eine falsche Auffassung von Loyalität, einem Bruder die Sünden zuzudecken, wenn sie sein Leben sowie die Reinheit der Versammlung gefährden. Der wahre Freund des Bruders und der Versammlung Jehovas wird einen solchen rügen, oder wird ihn, wenn notwendig, dem Komitee melden, so daß eine Rüge mit größerer Kraft erteilt werden kann, um den Sünder zur Besinnung zu bringen. Ein wahrer Freund wird dem Sünder zu dessen ewiger Heilung diese Wunde, die nur eine Zeitlang währt, zufügen: „Treugemeint sind die Wunden dessen, der liebt, und überreichlich des Hassers Küsse.“ Somit ist jener Freund, der eine fortgesetzte sündige Gewohnheit verhehlt, kein wahrer Freund, sondern ist in der Tat ein Feind. Nach den Vorschriften der Unterwelt mag er gelobt werden, aber die biblischen Grundsätze der Neuen-Welt-Gesellschaft verurteilen ihn. — Spr. 27:6.
6. Welches Reden ist kein Geschwätz, wann wird es zum Geschwätz, und welche Fragen helfen uns feststellen, was rechtes und unrechtes Reden ist?
6 Demnach ist es keine Schwatzerei, wenn man eine fortgesetzte sündige Handlungsweise den zuständigen Dienern meldet; aber es wäre Schwätzerei, wenn man mit anderen in der Versammlung darüber spräche, die nicht in der Lage sind, zurechtweisende Maßnahmen zu ergreifen, und es wäre falsch, eine Sünde aus der Vergangenheit zu enthüllen, wenn jemand wahrhaft bereute, sich besserte und dies kundtat, indem er für seine Füße gerade Bahn machte. Es ist auch noch keine Schwätzerei, bloß etwas über unsere Brüder zu sagen, z. B. über das, was sie tun, wo sie hingehen oder was ihnen widerfährt. Wir sind an Personen interessiert, besonders an unseren Brüdern, und es ist nichts Verletzendes daran, ihre Tätigkeit zu besprechen, wenn wir dabei genau bleiben und es ihnen nicht zum Schaden gereicht. Aber ein solches Sprechen wird zum Geschwätz, wenn wir in ihre persönlichen, privaten Angelegenheiten eindringen, oder wenn wir ihre Beweggründe antasten oder ihr Verhalten anzweifeln oder sie verdächtigen. Wird durch das, was du sagst, der Betreffende verunglimpft? Schadet es seinem Ruf? Bewirkt es, daß sich seine Freunde von ihm trennen? Verletzt es seine Gefühle oder sät es Zwietracht? Veranlaßt es, daß er Dienstvorrechte verliert? Ist es wahr? Und wenn es wahr ist, ist es übertrieben oder gefärbt, so daß der Eindruck, der dadurch erweckt wird, nicht mehr den Tatsachen entspricht? Wird es mit einem Gefühl der Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit, des Neides und der Bosheit oder Bitterkeit gesprochen? Kannst du es mit einem Gewissen sagen, das rein ist, so rein, daß du es der Person mit genau den gleichen Worten und dem gleichen Ton direkt ins Gesicht sagen könntest? Und was ist das Ergebnis deiner Worte? Ist die Frucht deines Redens gut oder schlecht? An ihren Früchten kann es erkannt werden.
7. Was deutet darauf hin, daß Frauen mit der Zunge häufiger sündigen als Männer?
7 Nicht alle Personen haben die gleichen Schwächen. Um unsere Schwächen im Zaum zu halten und zu korrigieren, müssen wir sie zuerst kennen. Hast du eine Schwäche für das Schwatzen? Wenn ja, dann gib es zu; Millionen anderer leisten dir Gesellschaft. Gib es zu und bekämpfe diese Schwäche! Wie kannst du sie sonst überwinden? Obwohl es für Frauen nicht angenehm sein mag, zu hören, daß Frauen mit der Zunge öfter sündigen als Männer, scheint die Bibel dies doch anzudeuten. Das bedeutet nicht, daß Männer nicht schwatzen. Sie tun es. Einige schwatzen sogar mehr als Frauen. Aber die Frauen, als Gruppe gesehen, frönen mehr dem Schwatzen als die Männer, als Gruppe gesehen. Die Bibel ermahnt besonders Frauen diesbezüglich: „Die betagten Frauen seien ehrerbietig im Benehmen, nicht verleumderisch.“ Ferner wird gesagt: „Ebenso sollten Frauen ernst sein, nicht verleumderisch.“ Beim Sprechen über die Frauen erklärt die Bibel: „Sie lernen auch unbeschäftigt sein, indem sie in den Häusern umherlaufen, ja, nicht nur unbeschäftigt, sondern auch Schwätzer und solche, die sich in anderer Leute Angelegenheiten einmischen, indem sie Dinge reden, die sie nicht sollten.“ Nicht auf die männliche Zunge, sondern auf die weibliche Zunge wird hingewiesen als auf etwas, das die Hausgenossen erregt: „Die Zänkereien eines Weibes sind eine beständige Traufe.“ Ferner: „Eine beständige Traufe am Tage des strömenden Regens und ein zänkisches Weib gleichen sich. Wer dieses zurückhält, hält den Wind zurück und seine Rechte greift in Öl.“ — Tit. 2:3; 1. Tim. 3:11; 5:13, NW; Spr. 19:13; 27:15, 16.
8. Weshalb schwatzen Frauen mehr als Männer, inwiefern aber ist ihre Redebereitschaft oft nützlich?
8 Warum ist dem so? Weil Männer in dieser Hinsicht höhere Grundsätze hätten? Nicht notwendigerweise. Die aggressiven Neigungen eines Mannes geben seinen Übertretungen eine andere Richtung. Als Gruppe neigen Männer mehr dazu, Gewalt anzuwenden oder Mord zu begehen als Frauen. Aber Frauen reden lieber als die Männer, und sie sind sehr an Personen interessiert und an der Tätigkeit, den Problemen und Liebesaffären der Leute. Wenn Frauen reden, diskutieren sie über etwas, das sie interessiert, das heißt über Personen. Dabei besteht jedoch immer die Gefahr, daß ihr Reden zu Geschwätz ausartet. Männer interessieren sich mehr für Gegenstände, für Wissenschaft, Weltereignisse, Wirtschaftliches oder ihre Arbeit, und wenn sie über diese Dinge reden, ist die Gefahr des Schwatzens nicht so groß, wie wenn man über Personen spricht. Das Reden an sich ist nicht schlecht. Die Vorliebe der Frauen für das Reden kann oft von Nutzen sein, und ist es auch. Durch die Redegewandtheit der Mütter lernen kleine Kinder sprechen. Durch ihre Redebereitschaft mögen weibliche Prediger die Wahrheit anderen mit mehr Leichtigkeit darbieten als Männer, und wenn das Programm der Versammlungszusammenkünfte die Beteiligung der Zuhörer verlangt, mag es sein, daß Frauen durch ihre freiwilligen Kommentare mehr zu den Versammlungen beitragen. Aber diese gute Veranlagung kann zu einer Schlinge werden, wenn man der Zunge freien Lauf läßt und sich unbeherrscht dem Schwatzen hingibt. Deshalb werden sich Männer und Frauen selbst prüfen, um zu erkennen, ob sie eine Schwäche für das Schwatzen haben, und wenn sie das feststellen, werden sie besonders über ihre Zunge wachen.
ÜBLE FOLGEN DES SCHWATZENS
9. Was sagt die Bibel über solche, die ihre Nase in alles stecken, d. h. sich in fremde Sachen einmischen?
9 Jehovas Wort warnt wiederholt vor dem Schwatzen. Schwätzer mischen sich in fremde Angelegenheiten ein, und sie neigen dazu, sich um die Geschäfte anderer zu kümmern, während sie ihre eigenen vernachlässigen. Christen werden wie folgt ermahnt: „Gewisse unter euch wandeln unordentlich, indem sie überhaupt nicht arbeiten, sondern sich in das einmischen, was sie nichts angeht.“ Wenn wir leiden, so sollte es wegen der Bewahrung der christlichen Lauterkeit sein und nicht, weil wir uns in fremde Angelegenheiten einmischen: „Möge niemand von euch leiden als Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der sich in Dinge anderer Leute einmischt. Doch wenn er als Christ leidet, so schäme er sich nicht.“ Statt sich lärmend in die Angelegenheiten anderer einzumischen, solltet ihr „danach trachten, ruhig zu leben, und euch um die eigenen Geschäfte zu kümmern“. „Jeder Narr wird sich in Dinge einmischen“, sagt uns die Bibel. Warum sich also als Narr ausweisen? — 2. Thess. 3:11; 1. Pet. 4:15, 16; 1. Thess. 4:11, NW; Spr. 20:3, KJ.
10. Wie bereiten Schwätzer fortwährend Schwierigkeiten, und warum sind sie keine Freunde?
10 Schwätzer, die sich in fremde Sachen einmischen, bereiten Schwierigkeiten. Sie schwatzen über die Angelegenheiten anderer, färben die Sache und übertreiben sie, stellen sie falsch dar, verdrehen sie und häufen ihre aufreizenden Ohrenbläsereien auf: „Wo es an Holz fehlt, erlischt das Feuer; und wo kein Ohrenbläser ist, hört der Zank auf. Kohle zur Glut und Holz zum Feuer, und ein zänkischer Mann zum Schüren des Streites. Die Worte des Ohrenbläsers sind wie Leckerbissen, und sie dringen hinab in das Innerste des Leibes.“ Statt die Worte der Person laut ins Gesicht zu sagen, werden sie hinter ihrem Rücken geflüstert, und die Verleumdung wird gierig verschlungen von Ohren, die es nach Geschwätz gelüstet. Dieses Geflüster hinterläßt nicht bloß einen oberflächlichen Eindruck, sondern sinkt tief ein und wird gründlich gekaut und verdaut. „Der Freund liebt zu aller Zeit, und als Bruder für die Drangsal wird er geboren“, aber der Flüsterer, der Ohrenbläser ist kein Freund. Gerade wenn jemand Freunde und Brüder am meisten braucht, wenn er sich in Schwierigkeiten befindet und gegen Widerwärtigkeiten zu kämpfen hat, schlägt der Flüsterer am empfindlichsten zu, um den Leidenden seiner Freunde zu berauben: „Ein Ohrenbläser entzweit Vertraute [vertraute Freunde, Me].“ „Wer aber eine Sache immer wieder anregt, entzweit Vertraute.“ — Spr. 26:20-22; 17:17; 16:28; 17:9.
11. Was für ein Reden wurde für diese letzten Tage vorausgesagt, und welche Verantwortung hat der Schwätzer, der unwissentlich Lügen ausstreut?
11 „Wer Verleumdung ausbringt, ist ein Tor.“ Meistens ist Geschwätz verleumderisch. Selbst das Wahre, das einst noch daran war, wird bald aufgebauscht, bis das meiste des Erzählten aus Lügen besteht. Freunde fangen an, den Verleumdeten zu meiden, und Jehovas Haß kommt über den Schwätzer, der „Zwietracht ausstreut zwischen Brüdern“ in der Versammlung. Verleumdung ist eine der Sünden, von denen vorausgesagt wurde, daß sie in den letzten Tagen überhandnehmen werden und wodurch diese alte Welt Zerstörung verdient. Deshalb sollten Christen besonders „Heuchelei und Neid und allerlei übles Nachreden“ meiden. (Spr. 10:18; 6:19; 1. Pet. 2:1, NW; 2. Tim. 3:3) Oft ist Schwatzen nicht böse gemeint, und es besteht nicht die Absicht, Schaden anzurichten, aber dessenungeachtet entsteht Schaden. Wenn ein Mensch auch zufällig getötet wird, so ist er genauso tot, wie wenn es absichtlich getan worden wäre. Wenn jemand Lügen verbreitet, in dem Gedanken, es seien Wahrheiten, sind es dennoch Lügen, und so macht er sich des Lügens schuldig. Der Betreffende mag versuchen, die Schuld von sich auf einen anderen abzuwälzen, indem er sagt, dieser habe ihm die Sache erzählt. Wohlan, er log. Aber wenn du die Geschichte wiederholt hast, hast du auch gelogen. Gemäß den Gesetzen über Verleumdung wird jemand schuldig, wenn er eine Lüge in gedruckter Form wiederholt, ungeachtet, wer sie erfunden oder wen er zitiert hat. Schließlich verhält es sich ja so: wenn nur der Urheber eines Gerüchts es äußerte, würde es nie sehr weit gelangen und nicht viel Schaden anrichten. Macht Jehova heute nicht jene verantwortlich, welche die religiösen Lügen wiederholen, die vor vielen Jahrhunderten erfunden worden sind? Er zieht auch die Schwätzer zur Rechenschaft, die entweder Lügen erfinden oder ausbreiten.
12. Was scheinen Schwätzer zu vergessen, und was sagen sie, selbst wenn sie sich an etwas erinnern?
12 Wenn jemand unwissend Lügen verbreitet, ist er wohl nicht so tadelnswert wie der wissentliche Lügner, aber er ist auch nicht schuldlos. Wenn es ihm wirklich leid tut, wird er in der Zukunft bestimmt vorsichtig sein, was das Nachsagen von Dingen betrifft. Diese Vorsicht jedoch ist kein Merkmal derer, die das Schwatzen lieben. Um sich als treu zu erweisen, sagte Paulus: „Vergessend, was dahinten, und mich ausstreckend nach dem, was vorne ist, jage ich dem Ziel entgegen, dem Preis der Berufung droben.“ (Phil. 3:13, 14, NW) Paulus vergaß die Vergangenheit und blickte vorwärts, wobei er ein gutes Ziel im Auge behielt, aber Schwätzer, die wohl auch das, was sie in der Vergangenheit erzählten und was sich als falsch erwies, zu vergessen scheinen, schauen mit unvermindertem Eifer nach weiteren künftigen Schwätzereien aus. Man sollte eigentlich annehmen, daß sie sich daran erinnern, wie oft sich ihr Klatsch in der Vergangenheit als falsch erwiesen hat, und man sollte erwarten, daß sie in Zukunft weit vorsichtiger sind. Dies ist aber selten so. Wenn sie sich die Mühe nehmen, sich an ihre vergangenen Lügen zu erinnern, geschieht es höchstens zu dem Zweck, sich zu rechtfertigen. Sie leugnen ab, es je gesagt zu haben, oder sagen, sie hätten nur das wiederholt, was ein anderer gesagt habe, oder sie verbergen die erste Lüge, indem sie eine weitere erzählen. Nehmen wir einmal an, sie verbreiten das Gerücht, daß zwei Personen heiraten werden. Die Zeit vergeht, und es findet keine Heirat statt. Dann sagen sie, die zwei hätten Streit gehabt und die Hochzeit abgesagt. Doch am Anfang war alles nur Einbildung und Vermutung der Schwätzer, und das Gerücht hatte nie eine feste Grundlage. Wenn die Schwätzer auf den Schaden zurückblickten, den ihre Lügen verursachten, würden sie nicht mit solchem Eifer nach weiterem Geklatsch Ausschau halten.
13. Warum ist Geschwätz etwas Feiges, Mörderisches, und was wird mit denen geschehen, die darin verharren?
13 Geschwätz kann bösartig sein. Es ist feige oder memmenhaft. Es kann mörderisch sein. Es kann einen guten Namen vernichten, einen guten Ruf ruinieren oder die Sinne der Menschen gegen das Opfer des Geschwätzes vergiften. „Sie schärfen ihre Zunge wie eine Schlange; Otterngift ist unter ihren Lippen.“ Die Rede kann tödlich sein. ‚Ihre Zähne sind Speere und Pfeile, ihre Zungen scharfe Schwerter.‘ Einige Zungen sind so scharf wie Schwerter, und die Worte, die sie abschießen, können stechen wie Pfeile, und die Schüsse des Mundes, die sie abgeben, kommen aus dem Hinterhalt und schießen ihr Opfer in den Rücken. „Welche ihre Zunge geschärft haben gleich einem Schwerte, ihren Pfeil angelegt, bitteres Wort, um im Versteck zu schießen auf den Unsträflichen: plötzlich schießen sie auf ihn und scheuen sich nicht.“ Aber die Feiglinge, die hinter dem Rücken einer Person schwatzen, sollten daran denken, daß sie vor Jehova treten müssen, daß Jehova es hört, auch wenn ihr menschliches Opfer es nicht hört. Und „ihre eigene Zunge hat sie zu Fall gebracht“. (Me) Ihre Schwätzerzungen bewirken, daß sie aus dem Lande der Lebendigen ausgerottet werden. „Verderben sinnt deine Zunge, wie ein geschliffenes Schermesser Trug übend. Du hast das Böse mehr geliebt, als das Gute, die Lüge mehr, als Gerechtigkeit [Wahrheit, RS] zu reden. (Sela) Du hast alle Vertilgungsworte geliebt, du Zunge des Trugs! Gott wird dich auch zerstören für immerdar; er wird dich fassen und herausreißen aus dem Zelte und auswurzeln aus dem Lande der Lebendigen.“ — Ps. 140:3; 57:4; 64:3, 4, 8; 52:2-5.
14. Wohin kann Geschwätz führen?
14 Geschwätz kann so bösartig werden und so viel Schaden stiften, daß es zum Gemeinschaftsentzug führen kann. Es kann dem Schwätzer in der Versammlung zum Untergang werden: „Wer seinen Mund bewahrt, behütet seine Seele [sein Leben, van Eß]; wer seine Lippen aufreißt, dem wird’s zum Untergang.“ Durch sein Schwatzen kann er Freunde trennen, und wenn er es fortsetzt, wird es ihn von Jehovas Organisation trennen. „Jehova, wer wird in deinem Zelte weilen? Wer wird wohnen auf deinem heiligen Berge? der … nicht verleumdet mit seiner Zunge, kein Übel tut seinem Genossen, und keine Schmähung bringt auf seinen Nächsten.“ „Den Mund der Verkehrtheit hasse ich“, sagt Jehova. Wenn Jehova einen solchen haßt, so sollen auch wir ihn hassen; und Hassenswertes sollte in der Versammlung nicht zugelassen werden. Wir beten, wie wir dazu angewiesen werden: „Jehova, errette meine Seele von der Lippe der Lüge, von der Zunge des Truges!“ Wenn solche Lippen und Zungen in der Versammlung sind, kann sich die Versammlung durch einen Gemeinschaftsentzug von ihnen befreien. — Spr. 13:3; Ps. 15:1, 3; Spr. 8:13; Ps. 120:2.
15. Was macht Schwätzereien so gefährlich, und welche Fragen sollte sich der Schwätzer stellen?
15 Oft dreht sich Geschwätz um geringfügige Dinge; aber Zwietracht wird gesät, wenn Schwätzerzungen eine Sache über alle Maßen aufbauschen. Ein Schwätzer macht einen Berg aus einem Maulwurfshügel und einen Maulwurfshügel aus einem Berg. Der wirkliche Berg, das Aussäen von Zwietracht, ist für den Schwätzer ein Maulwurfshügel im Vergleich zu der geringeren Schwierigkeit, die er aufbauscht, bis sie wie ein Berg erscheint, um Uneinigkeit hervorzurufen. Wie gefährlich ist doch ein unnützes Reden! Wir lesen in Matthäus 12:36, 37, NW: „Ich sage euch, daß von jedem unnützen Wort, das die Menschen reden, sie Rechenschaft geben werden am Tage des Gerichts; denn durch deine Worte wirst du gerechtfertigt werden, und durch deine Worte wirst du verurteilt werden.“ Wie werden nach deiner Ansicht Worte des Geschwätzes während Gerichtsperioden betrachtet? Kannst du dein Schwatzen rechtfertigen? Wird die Ausrede, du habest keinen Schaden beabsichtigt, genügen? Wird sie wahr klingen, wenn die Tatsachen zeigen, daß du fortfährst, zu schwatzen, selbst nachdem sich etwas von dem Erzählten als falsch erwiesen hat? Kannst du die Verantwortung für Worte, die aus deinem Mund hervorgingen, abwälzen? Sei versichert, daß deine Worte, wenn sie Geschwätz waren, verurteilt werden. Wieviel besser ist es doch, jetzt die Zunge weise zu gebrauchen, damit sie heilend wirke, statt verletze: „Da ist einer, der unbesonnene Worte redet gleich Schwertstichen; aber die Zunge der Weisen ist Heilung.“ — Spr. 12:18.
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Du kannst Geschwätz niederschlagen!Der Wachtturm 1955 | 15. Oktober
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Du kannst Geschwätz niederschlagen!
„Nordwind gebiert Regen, und eine heimliche Zunge verdrießliche Gesichter.“ — Spr. 25:23.
1. Durch welche Bilder zeigte Jakobus die Kraft der Zunge und die Ungereimtheit, sie zum Segnen und Fluchen zu gebrauchen?
DER Jünger Jakobus ging mit der menschlichen Zunge ins Gericht. Durch treffende Bilder hob er die Schwierigkeit hervor, dieses kleine Leibesglied zu meistern. Ein Zaum im Maul eines Pferdes kann dessen ganzen Leib zügeln. Kleine Ruder können große Schiffe herumlenken. So kann die kleine Zunge prahlerische Worte reden. Wie ein winziger Funke einen Wald anzünden kann, so kann die kleine Zunge ein Feuer sein, das den ganzen Leib entzündet und ihn verunreinigt. Menschen können die Tiere der Erde zähmen, aber „die Zunge kann keiner der Menschen zähmen“. Nun, „wenn jemand nicht im Worte strauchelt, der ist ein vollkommener Mann“. Eine Quelle sprudelt nicht süßes und bitteres Wasser hervor. Ein Feigenbaum erzeugt nicht Oliven, noch ein Weinstock Feigen. Auch kommt aus Salzwasser nicht süßes Wasser. Doch dieselbe Zunge bringt sowohl Segen als Fluch hervor. Das schickt sich nicht. Wenn auch kein Mensch vollkommen ist und kein Mensch die Zunge vollkommen beherrschen kann, verleiht dies doch kein Recht auf Schwatzen oder unzüchtiges Reden. Wir müssen ihren Schaden auf ein Mindestmaß beschränken. Wir können sie davor bewahren, voller Gift zu sein und den Sinn des einen gegen den anderen zu vergiften. Wir können sie davor bewahren, ein Schwert zu werden, das schneidet oder ein Pfeil, der durchbohrt. Wir lassen ihr nicht in mörderischer Weise freien Lauf, indem wir durch Schwatzen den guten Namen anderer vernichten. Wenn sie emsig mit den Wassern der Wahrheit beschäftigt ist, kann sie nicht entflammt sein zum Schwatzen. Jakobus zeigte, daß sie unter eine gewisse Beherrschung gebracht werden müsse, wenn er sagte: „Es ist nicht recht, meine Brüder, daß diese Dinge so weitergeschehen.“ — Jak. 3:2-12, NW.
2. Was mag zum Teil erklären, warum die Menschen schneller bereit sind, zu kritisieren als zu loben?
2 Den Grund zu verstehen, weshalb wir schwatzen, mag uns behilflich sein, dem Klatsch Einhalt zu gebieten, ehe wir damit beginnen. Es ist eine Tatsache, daß Menschengeschöpfe schneller bereit sind, zu kritisieren als zu loben. Warum neigen wir dazu, das Schlechte zu erzählen und über das Gute zu schweigen? Erachten wir das Gute als selbstverständlich, nehmen wir es ohne irgendeinen Kommentar als richtig an? Greifen wir das Schlechte heraus, weil wir darüber erregt sind oder auch weil wir gerechten Zorn darüber empfinden? Dies mag in gewissen Fällen zutreffen. Ist es eine Sache des Redens über außerordentliche Fälle, die unsere Aufmerksamkeit fesseln? Wir machen Bemerkungen über etwas Gutes, wenn es hervorragend ist und auch über etwas außerordentlich Schlechtes. Indes ist Geschwätz häufiger von kleinlicher Art und dreht sich um geringfügige Dinge. Somit handelt es sich anscheinend um mehr als um Außerordentliches, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, um mehr als Vergehen, die ernst genug sind, daß wir uns mit Recht empören.
3. Welche gegenwärtigen natürlichen Zustände mögen die Neigung zum Schwatzen erklären, das zu welchem Konflikt führt?
3 Menschen sind gesellschaftlich veranlagte Geschöpfe, die sich ganz natürlich zu Gemeinwesen zusammenschließen. Sie lieben es, miteinander zu verkehren, und haben eine starke Neigung, anderen das mitzuteilen, was sie eben gehört haben. Etwas zu wissen, was der andere nicht weiß, und den Leckerbissen weiterzugeben, gibt uns das Bewußtsein der Klugheit. Warum aber sind die Leckerbissen des Geschwätzes ein solcher Hochgenuß? Nun, „aus der Fülle des Herzens redet der Mund“, und über das Herz des gefallenen Menschen lesen wir: „Überaus trügerisch und verderbt [hoffnungslos krank, AÜ] ist das Herz; wer kann es erkennen?“ (SB) Oder: „Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verderbt [gefährlich unstet, AÜ] ist es; wer mag es kennen?“ Dann heißt es weiter, Jehova kenne das Herz, und das Gebet erfolgt, damit er es heile. Der gefallene Mensch mit der ererbten Sündhaftigkeit neigt zum Unrechttun, und sein Herz, der Sitz der Beweggründe und der Liebe, ist trügerisch, wankelmütig und krank, und aus dem Innern dieses schwachen Organs des gefallenen Fleisches redet der Mund des Menschen. Die sündige Neigung besteht darin, sündhaft zu reden; doch Sinne, die durch Jehovas Wort geschult worden sind, bestreben sich, dem Gesetz Jehovas zu folgen. So entsteht zwischen Gottes Gesetz im Sinn und dem Gesetz der Sünde im Fleische ein Konflikt, der oft folgendermaßen endet: „Was ich wünsche, setze ich nicht in die Tat um, sondern was ich hasse, tue ich.“ Wenn wir geschwatzt haben, bereuen wir es, und wir wünschen, wir hätten unsere Zunge gezügelt. Wir bedauern es, daß wir schwach waren und ein Geschwätz durchs Ohr aufnahmen und durch den Mund wieder hinausgehen ließen. Wir müssen unseren Sinn in Jehovas Gesetz stärken und darum beten, daß er unser Herz heile, damit wir das Gesetz der Sünde in unserem Fleisch überwinden und den Sieg über sie erlangen können. Kranke und unstete Herzen haben die Neigung, die Krankheit und Wankelmütigkeit in anderen zu sehen, und aus dieser Fülle spricht der Mund. Dieser Neigung leisten viele Zeitungen Vorschub, indem sie in ihren Schlagzeilen auf gemeine Verbrechen hinweisen und als Besonderheit in ihren Spalten Schwätzereien bringen. — Matth. 12:34, NW; Jer. 17:9, 10, 14; Röm. 7:15, NW.
4. Was für Motive mögen hinter Schwätzereien stecken?
4 Bisweilen erfolgt ein Geschwätz vorsätzlich und boshaft, indem es jemanden zu Boden werfen und den Schwätzer erhöhen soll. Der Verleumder mag das Ansehen eines anderen unterhöhlen, um seinen Posten zu erlangen, seine Freunde wegzustehlen oder seine Dienststellung in einer Versammlung an sich zu bringen. Er mag versuchen, gegen jemanden eine Abneigung oder einen Widerstand zu erzeugen, weil er den Betreffenden nicht leiden mag. Oft läßt sich jemand zu Ohrenbläserei durch einen Geist des Neides oder der Eifersucht treiben. Der Schwätzer mag sein Opfer um seine hervorragende Stellung, seinen Ruf oder seine guten Werke beneiden, da er selbst im Vergleich dazu nicht so vorteilhaft dasteht. Warum brachte Kain Abel um? „Weil seine eigenen Werke böse waren, die seines Bruders aber waren gerecht.“ Aus dem gleichen Grunde versuchen Schwätzer sich selbst zu erhöhen, andere aber zu erniedrigen. Wer immer sich so selbst erhöhen will, wird gewiß erniedrigt und gedemütigt werden, und ähnlich wird es jenen ergehen, welche die schlauen Pläne solcher fördern, indem sie deren neidische Verleumdungen verbreiten. Auch mag jemand um eines Vorteils willen und damit ihm eine gewisse Person zu Dank verpflichtet werde, über eine Person schwatzen, von der er weiß, daß der Betreffende sie nicht liebt. Dies kann zur Schmeichelei werden, indem der Zuhörende in günstigen Vergleich gestellt wird zu dem Verleumdeten. Von denen, die solches tun, wird wahrheitsgemäß gesagt: „Ihr Mund redet Schwulst, während sie des eigenen Nutzens wegen Persönlichkeiten bewundern.“ Christen ahmen Paulus nach, der sagte: „Wir sind auch niemals mit Schmeichelreden aufgetreten (wie ihr wohl wißt), noch unter einem Vorwand der Habsucht, Gott ist Zeuge!“ Jehova haßt „ein Herz, welches heillose Anschläge schmiedet“. — 1. Joh. 3:12; Jud. 16; 1. Thess. 2:5, NW; Spr. 6:18.
5. Wie mag Geschwätz gebraucht werden, um die Aufmerksamkeit von sich selbst abzulenken?
5 Jemand mag schwatzen, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Wenn er andere ins Scheinwerferlicht der Kritik bringt, so fällt es nicht auf ihn. So mag er versuchen, seinen eigenen Schmutz zu verbergen, indem er andere mit Kot bewirft. Oder ein Schwätzer mag andere wegen Sünden, die er selbst verübt, kritisieren. Er will Gesellschaft haben, denn dann wird sich eine Verurteilung nicht allein auf ihn konzentrieren, sondern wird eine ganze Gruppe treffen. Wird er angeklagt, kann er auf andere hinweisen, die dasselbe tun, indem er denkt, er könne sich dadurch selbst rechtfertigen oder entschuldigen. Nebenbei gesagt: Schwätzer sind oft die ersten, die andere der Schwätzerei bezichtigen. Wissend, daß sie selbst schuldig sind, beurteilen sie andere nach der eigenen Handlungsweise, verfahren aber viel strenger mit ihnen als mit sich selbst. Immer hat ein anderer die Sache angefangen! Es ist geradeso, wie die Bibel es sagt: „Daher bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, wenn du richtest; denn worin du einen anderen richtest, verurteilst du dich selbst, insofern als du, der du richtest, dasselbe verübst.“ — Röm. 2:1, NW.
6. Wie erhöhen gewisse Personen auf schlaue Weise sich selbst, und mit welchem Ergebnis?
6 Oft schwatzen Menschen über andere, um sich selbst zu erhöhen. Sie mögen das gar nicht merken, doch steckt ein listiger Beweggrund hinter ihrem Reden. Wer andere kritisiert, erhöht in der Tat sich selbst. Da du einen solchen Fehler mißbilligst, würdest du dich dieses Fehlers nicht schuldig machen — das wenigstens kann aus deinen Worten abgeleitet werden. Diese Art des Schwatzens ist eine Form des Prahlens deinerseits. Du zeigst mit dem Finger der Schuld auf einen anderen und fühlst dich überlegen. Du fühlst dich etwas selbstzufrieden darüber. Du bist fast so wie der Pharisäer, der in seinem Gebet zu Gott über andere schwatzte und dankte, daß er nicht so sei wie sie, „nicht … wie die übrigen Menschen: Erpresser, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Steuereinnehmer“. Aber der Steuereinnehmer „schlug an seine Brust“, als er betete, und sprach: „O Gott, sei mir, einem Sünder, gnädig!“ Er fühlte sich nicht selbstgefällig, anderen überlegen, sondern beklagte demütig seine Unwürdigkeit. Dann wurde der Grundsatz erklärt: „Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ Sich auf schlaue Weise durch Schwatzen zu erhöhen, führt zur Demütigung. Um von Jehova erhöht zu werden, betrachte demütig deine eigenen Fehler und nicht jene anderer. — Luk. 18:9-14, NW.
7. Was für andere Umstände mögen zum Schwatzen beitragen, doch als was erkennt man das Schwatzen, wenn alle Tarnung abgestreift ist?
7 Eine Anzahl anderer Dinge kann zum Schwatzen beitragen. Wenn jemand es nicht wagt, gewisse Dinge zu tun und aus irgendeinem Grunde unfähig ist, sie zu tun, sucht er vielleicht eine Kompensation dafür, indem er andere, die sie tun, kritisiert und ihr Benehmen falsch darstellt. Jemand mag sich unsicher fühlen; daher sucht er Fehler bei anderen, um sich selbst in Sicherheit zu wiegen. Ist jemand in irgendeiner Sache stark, mag er denen gegenüber, die in dieser Hinsicht schwach sind, sehr kritisch eingestellt sein und der Barmherzigkeit ermangeln, indem er selbstsüchtig denkt, er sei der Maßstab, nach dem man sich richten müsse. Indem er diese Schwäche bei anderen kritisiert, lenkt er auf fein berechnete Weise die Aufmerksamkeit auf seine Überlegenheit in diesem Punkt. In vielen Fällen schwatzen die Menschen, um die Aufmerksamkeit zu erlangen oder ein hörendes Ohr zu finden. Es schmeichelt ihnen, etwas zu wissen, was andere hören wollen, und sie kommen sich dadurch gescheit vor. Tatsächlich sind sie zu hohl und leer oder zu faul, um tief nachzudenken und die Aufmerksamkeit durch vernünftiges Reden auf sich zu lenken. Es ist leicht, zu schwatzen, zu kritisieren, zu übertreiben und jemanden zu verunglimpfen. Deshalb tun sie dies, um jene Ohren zu kitzeln, die gern gewürzte Geschichten hören. Der Schwätzer addiert zwei und zwei und bekommt fünf, und bei der Wiederholung kommt er sogar auf sechs oder sieben. Zweifellos gibt es viele und zusammenhängende Gründe, warum geschwatzt wird. Aber wenn man alle Tarnung beiseite tut, sieht man, wie Geschwätz wirklich ist, nämlich unfreundlich, unfair, schädlich, gehässig, oberflächlich, verleumderisch, boshaft, mörderisch. Wir verstehen also, warum Jehova es verabscheut und weshalb Christen es meiden sollen.
DAMIT AUFHÖREN, SELBST ZU SCHWATZEN UND AUF GESCHWÄTZ ZU HÖREN
8. Was macht das Schwatzen zu etwas Feigem, und welcher Gedanke wird dazu beitragen, der Zunge nicht freien Lauf zu lassen?
8 Geschwätz als das zu erkennen, was es ist, hilft uns, ihm, schon wenn es unseren Mund verlassen will, zu wehren. Es ist feiges Gerede, und viel davon ist Lüge. Wer liebt einen Feigling und einen Lügner? Nicht Jehova! Sein Wort sagt uns: „Was aber die Feiglinge betrifft … und alle Lügner: ihr Teil wird sein in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt. Dies bedeutet den zweiten Tod.“ Es ist feige, etwas hinter dem Rücken einer Person zu sagen, das ihr ins Gesicht zu sagen man sich fürchtet. Wir sollten anderen nicht mit Worten in den Rücken schießen. Hast du etwas dagegen, daß der Angeklagte deine Beschuldigung hört? Möchtest du ihm nicht Gelegenheit geben, sich zu verteidigen, seine Ansicht darzulegen, die Sache aufzuklären, ein Gerücht abzustoppen oder etwas Falsches zu widerlegen? Aber wie kann er das tun, wenn du ihm nicht offen unter die Augen trittst? Bist du aufrichtig und ehrlich mit deinem Bruder? Wenn du über jemanden zu sprechen anfängst, so frage dich: Bin ich bereit, ihm dies ins Gesicht zu sagen? Wenn es ein Geschwätz ist, wirst du wahrscheinlich mit Nein antworten, und wenn du ein Schwätzer bist, sagst du es wahrscheinlich dennoch. Du magst deinen Zuhörer beschwören, dies als Geheimnis zu bewahren. Aber ein Spruch betont, wie eine solche Rede zu der verleumdeten Person zurückkehrt. „Auch in deinen Gedanken fluche dem König nicht, und in deinen Schlafgemächern fluche nicht dem Reichen; denn das Gevögel des Himmels möchte die Stimme entführen, und das Geflügelte das Wort anzeigen.“ Und kannst du dich mit Recht beklagen? Du konntest das Geheimnis selbst nicht bewahren. Warum also erwarten, ein anderer könne dies? Warum von einem anderen mehr erwarten als von sich selbst? Wenn es für dich eine zu große Spannung bedeutet, Schweigen zu bewahren, warum erwartest du von einem anderen, daß er die Spannung aushalte, die du nicht aushalten konntest? Überdies mag er die Person lieben, die du verleumdest und mag den Wunsch haben, ihr eine Gelegenheit zur Verteidigung einzuräumen. Das ist nur gerecht. Wenn du also ein Geschwätz hervorrufst, so denke an das Gefühl, das du hast, wenn dein Opfer es — wahrscheinlich in übertriebener Fassung — erfährt. Möge dieser Gedanke dir helfen, deine Zunge im Zaum zu halten. — Off. 21:8, NW; Pred. 10:20.
9. Welch besseren Grund gibt es, dem Schwatzen Einhalt zu tun, und auf welche verschiedene Weise können wir mit dieser Gewohnheit zu brechen suchen?
9 Indes sollten wir einen besseren Beweggrund haben, unsere Lippen vor dem Schwatzen zu bewahren, als nur die Furcht vor den Folgen, wenn unser Opfer uns dabei ertappt. Geschwätz gefällt Satan, aber mißfällt Jehova. Wem willst du gefallen? Wem wollen wir dienen? Wir dienen dem, dem wir gehorchen. Satan will, daß wir schwatzen. Jehova will, daß wir Geschwätz unterdrücken. Schwatzen wird zu einer Gewohnheit. Je mehr wir ihr frönen, um so mehr nistet sie sich ein. Mit dieser Gewohnheit zu brechen erfordert bewußte, feste, entschiedene und eifrige Anstrengungen. Du darfst nicht nachgiebig gegen dich selbst sein. Versuche nicht, dein Schwatzen nach und nach zu unterdrücken, höre sofort damit auf! Kämpfe einen unnachgiebigen Kampf! Jedesmal, da du dem Drang widerstehst, verliert die Gewohnheit an Boden und Umklammerungskraft. Doch jedesmal, wenn du ihr nachgibst, gewinnt sie mehr Kraft, dich zu umklammern. Kämpfe dagegen, bis sie niedergerungen ist, ohne nachzugeben oder zurückzuweichen. Bekämpfe sie bei ihrem Ursprung, zerstöre ihre Wurzeln, die in Sinn und Herz zu finden sind. Tue mehr, als nur das Geschwätz aus deinem Sinn zu entfernen. Pflanze gute Gedanken an dessen Stelle. Jesus zeigte, daß, wenn ein unreiner Geist aus einem Menschen ausgetrieben worden ist, er mit sieben anderen zurückkehrt, wenn der Betreffende sich nicht mit Jehovas Geist erfüllen läßt. (Matth. 12:43-45) So verdränge übles Schwatzen mit guten Gedanken. Bete um Jehovas Hilfe: „Setze, Jehova, eine Wache um meinen Mund; behüte die Tür meiner Lippen!“ Schwätzer halten nach dem Schlechten im Menschen Ausschau. Entwickle die Gewohnheit, nach dem Guten in ihm Ausschau zu halten. Statt auf schlechte Menschen zu achten, „haltet euer Auge auf die gerichtet, die auf eine Weise wandeln, welche übereinstimmt mit dem Beispiel, das ihr in uns habt“, sagt Paulus. — Ps. 141:3; Phil. 3:17, NW.
10. Welche Gedanken helfen uns, vom Schwatzen abzustehen, auch wenn wir die Zielscheibe des Klatschens werden?
10 Was aber, wenn jemand über uns schwatzt? Können wir da nicht zu unserer Selbstverteidigung zurückgeben? Jawohl, mit der Wahrheit, aber nicht mit Schwatzen. Warum uns durch andere zur Sünde reizen lassen, wie Mose dies einmal geschehen ließ: „Denn sie reizten seinen Geist, so daß er unbedacht redete mit seinen Lippen“? Warum sollte ein Schwätzer aus dir ebenfalls einen Schwätzer machen, indem er dich dadurch zu seinem üblen Abbild macht, daß er dich veranlaßt, als Entgegnung auch wieder zu schwatzen? Erweise dich stärker als dieser Schwächling, „nicht Verletzung mit Verletzung zurückzahlend oder Beschimpfung mit Beschimpfung“. „Vergeltet niemand Übles mit Üblem.“ Lehne es ab, noch mehr Öl in das Feuer des Geschwätzes zu schütten, und statt dich durch zündende Reden entflammen zu lassen, bleibe kühlen, ruhigen Geistes: „Ein Jähzorniger erhöht die Narrheit.“ David erkannte die Gefahr erhitzter Antworten: „Ich sprach: Ich will meine Wege bewahren, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinen Mund mit einem Maulkorbe verwahren, so lange der Gesetzlose vor mir ist. Ich verstummte in Stille, ich schwieg vom Guten, und mein Schmerz ward erregt. Mein Herz brannte in meinem Innern, bei meinem Nachsinnen entzündete sich Feuer; ich sprach mit meiner Zunge.“ Während er nachsann, brodelte es in ihm, doch als er sprach, geschah es nicht in hitziger Verleumdung der Widersacher, sondern in gebetsvollem Flehen zu Jehova. — Ps. 106:33; 1. Pet. 3:9; Röm. 12:17, NW; Spr. 14:29; Ps. 39:1-3.
11. Warum ist es unrecht, auf Geschwätz zu horchen?
11 Wenn du schwatzt, hilfst du meistens niemandem, aber du schadest mindestens dreien: jenem, über den du sprichst, dem, zu welchem du sprichst, und dir selbst. Das gleiche trifft zu, wenn du auf Geschwätz hörst. Du verletzt die gleichen drei. Kennst du einen sicheren Weg, Geschwätz zu unterdrücken? Lehne es ab, darauf zu hören. Der Schwätzer will, daß du ihm zuhörst. Leihe ihm das Ohr nicht. Er wird es nur mit Schmutz füllen, und du stehst in der Versuchung, den Schmutz an andere Ohren weiterzugeben. Hilf ihm und schütze dich selbst, indem du nicht hinhorchst. Wenn du dem Geschwätz dein Ohr leihst, bist du kein unschuldiger Neutraler. Du solltest dem Geschwätz steuern, damit es nicht ausgestreut und abgehört werde. Sendest du es aus, so sündigt deine Zunge, horchst du darauf, so sündigt dein Ohr. Wenn du auf ein Geschwätz horchst und es glaubst, antwortest du tatsächlich in einer Sache, bevor du alles gehört hast, denn wenn du nicht beide Seiten gehört hast, hast du nicht alles gehört. Somit bist du gemäß der Bibel unfair und begehst Torheit: „Wer Antwort gibt, bevor er anhört, dem ist es Narrheit und Schande.“ Somit biete dem Klatsch taube Ohren. Halte inne und bedenke: wenn ein Schwätzer dich verleumdete, möchtest du da nicht, daß der Zuhörende ihm Halt geböte? So tue, wie du wünschst, daß dir getan werde, wie Jesus sagte: „Alles daher, was ihr wollt, daß Menschen euch tun, sollt ihr ihnen gleicherweise tun.“ — Spr. 18:13; Matth. 7:12, NW.
12. Woran sollten wir in bezug auf Schwätzer denken, und wie können wir ihnen zu helfen suchen?
12 Denke stets an folgendes: Ein Schwätzer ist kein wahrer Freund. Wenn er dir gegenüber schwatzt, wird er auch über dich schwatzen. Durch sein Schwatzen mag er dich in Klatsch hineinziehen und dich dabei aushorchen, und dann ‚geht er hinweg und spricht sich aus‘. Das ist verschlagene Heuchelei. Doch braucht ein Schwätzer nicht zwei Köpfe zu haben, um zwei Gesichter zu zeigen. Er schwatzt jedem gegenüber, mit dem er zusammenkommt, denn bei ihm ist das Schwatzen eine eingenistete Gewohnheit, die ihn beherrscht. Wenn du dadurch, daß du dich weigerst, ihm zuzuhören, seine Zunge zum Schweigen bringen kannst, so hilfst du ihm, und er mag es später schätzen: „Wer einen Menschen straft, wird hernach mehr Gunst finden, als wer mit der Zunge schmeichelt.“ Ob er es später einsehe oder nicht, mußt doch du als jemand, der Jehovas Anweisungen befolgt, Mißfallen an den Tag legen und seinem Geschwätz mit einem Stirnrunzeln begegnen: „Nordwind gebiert Regen, und eine heimliche Zunge verdrießliche Gesichter.“ Wenn er sich nicht bessert und seine törichten Worte nicht durch Worte der Weisheit und Erkenntnis ersetzt, dann handle so, wie die Bibel sagt: „Geh hinweg von einem törichten Manne und bei wem du nicht Lippen der Erkenntnis merkst.“ Nur solche, die ihn lieben, hören ihm zu: „Ein Übeltäter horcht auf die Lippe des Unheils, ein Lügner gibt Gehör der Zunge des Verderbens.“ Zu unserem eigenen Schutz müssen wir die Gemeinschaft mit dem chronischen Schwätzer abbrechen: „Laßt euch nicht irreführen. Schlechte Gesellschaft verdirbt nützliche Gewohnheiten.“ — Ps. 41:6; Spr. 28:23; 25:23; 14:7; 17:4; 1. Kor. 15:33, NW.
LIEBE MACHT GESCHWÄTZ ZUM MISSERFOLG
13. Wie wird durch Liebe Geschwätz zum Mißerfolg?
13 Geschwätz lebt von Schwachheiten und Fehlern und gedeiht davon, aber Liebe raubt ihm seine Nahrung, indem sie diese Mängel zudeckt. „Die Liebe bedeckt eine Menge von Sünden.“ Die Liebe liefert dem Geschwätz keinen Stoff und schließt es aus unseren Gesprächen aus; und deshalb werden die Christen zur Liebe angespornt, die die Macht hat, Mängel zuzudecken. „Vor allen Dingen habt innige Liebe zueinander.“ Du liebst dich selbst. Diese Liebe offenbart Erfindergeist, indem sie Entschuldigungen erfindet für eigene Fehler oder mildernde Umstände zum Zudecken eigener Irrtümer. Sie macht dich für das eigene Ich voreingenommen, und als Ergebnis ist es schwierig, die eigenen Fehler zu sehen. Und nun: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Möge die gleiche Liebe, die deine Mängel zudeckt, auch bewirken, daß die Fehler deiner Brüder zugedeckt werden. Möge sie dich ebenso verständnisvoll, ebenso barmherzig und ebenso zur Vergebung ihnen gegenüber bereitmachen, wie sie dich gegen dich selbst macht. Jehova „kennt unser Gebilde, ist eingedenk, daß wir Staub sind“. Du bist froh, daß er sich deiner erinnert und nicht zuviel von dir erwartet, nicht wahr? Dann erinnere dich, daß auch dein Bruder Staub ist, und erwarte nicht zuviel von ihm. Du mußt vergeben, damit dir selbst vergeben werde. Gemäß dem Mustergebet Jesu bittest du Jehova, dir deine Sünden zu vergeben, so wie du anderen ihre Sünden vergibst. Wenn du nicht vergibst, so bittest du in Wirklichkeit nicht um Vergebung. Wenn du Vergehen vergibst, so vergiß sie auch. Erwähnst du sie später von neuem und schwatzest darüber, so war deine Vergebung ein Trug und kam nicht aus reinem Herzen. Du ermangelst der Liebe, die eine Menge von Sünden bedeckt. — 1. Pet. 4:8; Matth. 19:19, NW; Ps. 103:14.
14. Welch gute Ermahnung wird uns in Sprüche 16:2 gegeben, und wodurch wird Geschwätz unterbunden, wenn unsere Herzen damit erfüllt sind?
14 In Sprüche 16:2 heißt es: „Alle Wege eines Mannes sind rein in seinen Augen, aber Jehova wägt die Geister.“ Jehovas Waagschalen sind genau, sie neigen nicht nach unberechtigter Bevorzugung, Parteilichkeit oder Voreingenommenheit hin. Auf ihnen wägt er den Geist, die Einstellung, die Beweggründe, die jemand zum Denken, Reden oder Handeln treiben. Die Liebe eines Menschen zu sich selbst macht ihn parteiisch zu seinen eigenen Gunsten. Seine Wege erscheinen ihm rein, aber Jehovas unparteiische Waagschalen prüfen die Echtheit seiner Motive, die ihn zu seinen Gedanken, Worten oder Taten treiben. So sei denn sorgfältig, und sei nicht allzu sicher, daß du selbst rein bist, während du andere als befleckt erachtest. Wenn Jehova seine Waage abliest, so blickt sein Auge unparteiisch und barmherzig für alle. Suche auch du in unparteiischer Weise barmherzig zu sein, wenn du auf dich und auf andere blickst, wobei du nicht parteiisch seist zu deinen Gunsten und streng gegen andere. „Liebe deckt alle Übertretungen zu.“ In seiner Liebe hat Jehova das Lösegeld Christi zur Zudeckung aller Vergehen gehorsamer Menschen beschafft. Wir sollten jene Art von Liebe pflegen, die voller Vergebung die Übertretungen, die unsere Brüder gegen uns begehen, zudeckt. Hier folgt eine Beschreibung dieser Art von Liebe: „Die Liebe ist langmütig und entgegenkommend. Liebe ist nicht eifersüchtig, sie prahlt nicht, bläht sich nicht auf, benimmt sich nicht unanständig, ist nicht auf ihre eigenen Interessen bedacht, läßt sich nicht reizen. Sie trägt Schädigungen nicht nach. Sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, erduldet alles.“ Wenn wir aus Herzen heraus reden, die erfüllt sind mit dieser Art von Liebe, werden wir niemals schwatzen! — Spr. 10:12; 1. Kor. 13:4-7, NW.
15. Welche Schuld werden wir stets haben, und welchen Irrtum sollten wir meiden?
15 Es ist besser, der Sache ins Auge zu schauen. Wir werden der Schuld nie enthoben sein, ungeachtet wie lange wir leben, auch wenn wir ewig leben. Wir werden immer etwas schulden. Was denn? Römer 13:8 (NW) gibt die Antwort: „Seid niemand irgend etwas schuldig, ausgenommen einander zu lieben.“ Wir schulden einander immer Liebe. Wir sollten damit beginnen, diese Schuld jetzt zu zahlen, und sollten nie mit Zahlen aufhören. Eine Art, damit zu beginnen, ist: mit allem Schwatzen aufzuhören. Und wenn du denkst, daß das, was du über jemand sagst, rein sei, so vergiß nicht: Jehova wägt deinen Geist, und wenn in deiner Rede irgendein Flecken ist, so wird es seine Waage anzeigen. Bedenke dies, ehe du deiner Zunge über jemanden freien Lauf läßt. Denke daran, daß in Jesu Illustration von den Schafen und Böcken die Böcke überrascht waren, als man ihnen ihre Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit gegenüber Christus vorhielt; sie erfuhren dann, daß das, was sie seinen Brüdern getan oder nicht getan hatten, als ihm getan gerechnet wurde. Würdest du nun über Christus schwatzen, an ihm Fehler zu finden suchen, wider ihn Geschichten erzählen? Da du doch solches ihm nicht antätest, so tue es auch deinen Brüdern nicht an. Begehe nicht den Irrtum der Böcke. So wie du deine Brüder behandelst, so behandelst du Christus. In der Tat sagt die Bibel, daß du ein Lügner seist, wenn du sagst, du liebest Jehova, aber deinen Bruder hassest, „denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, der kann Gott nicht lieben, den er nicht gesehen hat“. So beginne jetzt damit und höre nie auf, die Schuld der Liebe zu zahlen, die du deinen Brüdern schuldest. — 1. Joh. 4:20, NW.
RESPEKTIERE DEN SINN, DEN GOTT DIR GEGEBEN!
16, 17. Welche Bilder zeigen die Torheit, den Sinn für Geschwätz zu gebrauchen, und welches Zitat zeigt die Wunder des Sinns?
16 Wenn du das schönste Auto besäßest mit der besten Maschinerie und einer neuen, hellen, spiegelblanken, modernen Karosserie, würdest du es gebrauchen, um einen Pflug damit zu ziehen oder einen Düngerwagen zu schleppen? Wenn du ein schönes Heim nach moderner Bauart hättest, mit breiten Fenstern, bunten Vorhängen, künstlerisch ausgeschmückt, mit geschmackvollen Möbeln in allen Räumen, und einige Zimmer mit polierten Hartholzfußböden, andere von Wand zu Wand mit dicken, weichen Teppichen bespannt — würdest du eine Herde Schweine in diesem Haus umherlaufen lassen? Du würdest einen so schönen Wagen und ein so schönes Heim nicht derart mißbrauchen, nicht wahr? Sie wären für einen edleren Gebrauch bestimmt und verdienten eine viel bessere Behandlung!
17 Ebenso verhält es sich mit dem Sinn des Menschen. Er verdient einen viel edleren Gebrauch, als mit Geschwätz erfüllt zu werden und die Zunge als sein Werkzeug zu verwenden, um andere mit diesem Schmutz zu bewerfen. Das Gehirn ist eine wunderbare Gabe Jehovas, so verwickelt, so kompliziert in seiner Wirksamkeit, daß die weisesten Menschen diese nicht völlig ergründen können. Ein Forscher hat gesagt, daß es fähig sei, fünfzigmal soviel Aufschluß aufzubewahren, als in der Kongreßbibliothek [USA] enthalten ist. Ein Artikel im Reader’s Digest vom Juli 1954 besagt: „Um eine schwache Idee davon zu bekommen, was im Gehirn und Rückenmark beständig vor sich geht, stelle man sich 1000 Telefonschaltzentralen vor, von denen jede groß genug wäre für eine Stadt wie New York und die auf vollen Touren liefe, indem sie Anfragen, Gesuche und Bestellungen empfinge und sendete … Durch ihre unglaubliche Fähigkeit, Tausende von hin und her laufenden Stromkreisen im Bruchteil einer Sekunde zu bilden, von denen jeder eine Erinnerung oder eine Idee darstellt, ist das Gehirn imstande, die Voraussetzungen für einen Gedanken und einen Entschluß zu einem einzigen großen Stromkreis zusammenzuschließen. Viele Wissenschaftler sind der Ansicht, daß jede Erfahrung in unserem Leben in diesen Stromkreisen aufgezeichnet und aufbewahrt werde, einschließlich jener Millionen Eindrücke, die wir völlig vergessen zu haben scheinen. Psychiater haben festgestellt, daß ein Patient, der Tag für Tag versucht, sich verschüttete Vorfälle aus seiner Kindheit ins Gedächtnis zurückzurufen, hierbei Gelingen hat, auch wenn er gewöhnlich mit den Worten anfange: ‚Ich kann mich an gar nichts mehr erinnern.‘“ Der Artikel schließt mit den Worten ab, daß auch der gescheiteste Mensch „während seines Lebens nicht mehr als ein kleines Stück seiner Gehirnkapazität gebraucht“.
18. Sind wir „lecke Gefäße“, wie es gesagt worden ist?
18 Man beachte die Auffassung, daß „jede Erfahrung unseres Lebens aufgezeichnet und aufbewahrt ist“. Wie paßt dies zu der Behauptung einiger, wir seien „lecke Gefäße“, welche Behauptung sie auf einen Bibeltext stützen? In der Randbemerkung zu Hebräer 2:1 der King-James-Übersetzung lesen wir: „Daher sollten wir den Dingen, die wir gehört haben, die ernsteste Beachtung schenken, damit wir nicht zu irgendeiner Zeit als lecke Gefäße auslaufen.“ Die Neue-Welt-Übersetzung gibt den richtigen Gedanken klar wieder: „Deshalb ist es für uns notwendig, den Dingen, die wir gehört haben, mehr als die gewöhnliche Aufmerksamkeit zu schenken, damit wir nie weggetrieben werden.“ Es sind nicht die Wahrheiten, die wir hören, die auslaufen, als ob wir durchlässige Gefäße wären, sondern wir selbst sind es, die in der Gefahr stehen, abzugleiten oder fortgetrieben zu werden, wenn wir nicht den Dingen, die wir lernen, genaue und außergewöhnliche Aufmerksamkeit schenken. So sind denn unsere Sinne keine lecken Gefäße, und gelernte Punkte werden aufgezeichnet und bewahrt, aber der Aufschluß mag für uns begraben und verloren sein, was das Sich-daran-Erinnern zu seiner Verwendung betrifft, wenn wir ihnen nicht „mehr als die gewöhnliche Aufmerksamkeit“ geschenkt haben, als wir sie kennenlernten. Es wird schwer sein, sie wieder auszugraben und wird große geistige Anstrengung durch ein fleißiges Sondieren der Erinnerungen erfordern. Wenn wir verfehlen, sie auszugraben, so beweist das noch nicht, daß sie nicht vorhanden sind. Die Wunder des Sinns werden durch Davids Worte der Dankbarkeit hervorgehoben: „Ich danke dir, daß ich so überaus wunderbar bereitet bin.“ — Ps. 139:14, Me.
19. Womit sollten wir unseren Sinn erfüllen?
19 Dankst du Jehova für deinen so erstaunlich und wunderbar bereiteten Sinn? Wie tust du es? Indem du ihn mit Geschwätz erfüllst und ihn dazu gebrauchst, Geschwätz weiterzugeben? Ist das der Dank, den er von dir erhält? Wenn dies bei dir der Fall ist, ist es Zeit, daß du solcherlei Geschwätz und solche Gedanken der Verleumdung aufgibst und zeigst, daß du Achtung hast vor dem Sinn, den Gott dir gegeben hat, und ihn wertschätzt, indem du über gute Wege nachsinnst, den Sinn mit hohen Gedanken anfüllst, mit Jehovas Gedanken, und die göttlichen Wege erwägst: „Der Gesetzlose verlasse seinen Weg, und der Mann des Frevels seine Gedanken; und er kehre um zu Jehova, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung. Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Jehova. Denn wie der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ Seine Wege und Gedanken sind in der Bibel ausgedrückt, und durch sie spricht er zu uns. Und wovon spricht er? Vielleicht mit wem Matthäus gestern abend ausgegangen sei? Oder verbreitet er den neuesten Klatsch über Priscilla? Kaum! Er zieht unseren Sinn nicht zu Kleinlichem herab, noch sorgt er für die sündige Neigung des gefallenen Fleisches. Statt dessen sucht er uns in der Gerechtigkeit aufzuerbauen und zu stärken. Sein Wort enthüllt, auf welch höhere Stufe unser Denken gelangen sollte. „Was irgend wahr [keine Gerüchte oder Verleumdung], was irgend von ernstem Interesse [nichts Kleinliches], was irgend gerecht [nichts Ungerechtes oder Böses], was irgend keusch [nicht böse Verdächtigungen oder schmutzige Ohrenbläsereien], was irgend liebenswert ist [kein Belächeln, nichts Gehässiges], worüber man irgend wohlredet [nichts Abfälliges oder mit böser Absicht Erwähntes], wenn es irgendeine Tugend [keine Schlechtigkeit] und irgend etwas Lobenswertes [nicht zu Verdammendes] gibt, diese Dinge betrachtet weiterhin.“ — Jes. 55:7-9; Phil. 4:8, NW.
20. Welch abschließende Zusammenfassung dieses Studiums wird uns hier gegeben?
20 So denke daran: Das Schwatzen hat mit Satan begonnen. Hüte dich davor. Es wirkt sich zum Schaden aus. Jehova verbietet es. Erkenne die schlechten Beweggründe, die dahinterstecken. Laß nicht zu, daß es deine Zunge oder dein Ohr beschmutze. Laß nicht zu, daß es dich zu seinem Sklaven mache, nur weil jemand dich zu seinem Opfer macht. Bleibe wahrhaft freundlich und liebreich, und denke daran, daß ein Schwätzer weder das eine noch das andere ist. Behandle deinen Sinn, der auf überaus wunderbare Weise gemacht ist, richtig. Erfülle ihn mit Gutem. Die Milch und die feste Speise des Wortes Jehovas nährt und stärkt den Sinn des Menschen. Erweitere und vertiefe deinen Sinn zu der Reife, wo er reiche Nahrung schätzt. Der auf Geschwätz gerichtete Sinn ist ein oberflächlicher Sinn, und ein leeres Gehirn und eine schwatzhafte Zunge gehen zusammen. Es ist besser, mehr im Sinn und weniger auf der Zunge zu haben, als einen leeren Kopf und eine volle Zunge zu besitzen. Gewiß sind uns die üblen Folgen des Schwatzens, die Methoden, wie Geschwätz bekämpft werden kann und wie wir unsere Zunge richtig gebrauchen können, nicht unbekannt. Der Jünger Jakobus sagte: „Wenn jemand weiß, recht zu tun, und es doch nicht tut, dem ist es Sünde.“ (Jak. 4:17, NW) Wenn Jehovas Gesetz unserem Sinn eingeprägt ist, können wir gegen diese Sünde unseres Fleisches auf vernünftige Weise kämpfen. Wir müssen Geschwätz unterdrücken, es aus unserem Leben gänzlich ausrotten, damit Gott uns nicht wegen des Schwatzens aus dem Leben ausrottet!
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PVP hundertprozentig wirksamDer Wachtturm 1955 | 15. Oktober
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PVP hundertprozentig wirksam
Der Internationale Nachrichtendienst berichtete im März 1954 über den Gebrauch von PVP durch Neuyorker Ärzte, das, wenn es in die Venen gespritzt wird, „im Notfall einen lebenrettenden Dienst tut, indem es das Blutvolumen aufbaut, den Schreck bekämpft, und den Verlust von Elektrolyten und anderen wertvollen Körperflüssigkeiten wie auch wirklichen Blutplasmen verhindert“. Zwei Ärzte in zwei Neuyorker Krankenhäusern „berichteten auf dramatische Weise über die wirksamen Ergebnisse der PVP-Übertragungen bei 224 schwerverletzten Patienten. Diese Patienten hatten Verbrennungen dritten Grades, Rißwunden, Knochenbrüche, tiefe Wunden an Brust und Unterleib oder Kopfverletzungen. Einige erlitten auf dem Operationstisch oder im Entbindungsraum einen Nervenschock. Das PVP wurde übertragen, so berichteten die Ärzte in dem Neuyorker Journal of Medicine, und ‚sofortige und gleichmäßige Besserung wurde in allen Fällen beobachtet‘. Von den 224 Patienten erlangten 220 wieder ihre Gesundheit. Keiner der vier Todesfälle erfolgte durch Blutverlust oder Schock.“
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Wir gratulieren, Formosa!Der Wachtturm 1955 | 15. Oktober
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Wir gratulieren, Formosa!
EIN Sieg ist auf Formosa errungen worden. Es ist ein Sieg für Menschenrechte und für die geliebten Freiheiten, die alle aufgeklärten Menschen hochhalten. Es ist ein Sieg der jetzigen chinesischen Regierung auf Formosa und offenbart eine Wertschätzung für die Ideale, die freie Menschen von heute hegen. Sie zeigt, daß die Regierung nicht nur bereit ist, allen Freiheit und gleiche Rechte zuzugestehen, sondern auch bereit, ihre Worte durch die Tat zu unterstützen.
Am 23. März 1955 genehmigte der Gouverneur der Provinz Taiwan (Formosa) die Eintragung der International Bible Students Association auf Taiwan, und diese Eintragung wurde rechtsgültig, als das Bezirksgericht in Taipei nach erfolgter Untersuchung am 25. April die endgültige Genehmigung dazu erteilte.
So hat ein 18 Jahre dauernder Kampf um die Anerkennung und um die Religionsfreiheit der treuen Zeugen Jehovas auf Taiwan schließlich seine Früchte getragen. Es ist ein lobenswertes Ergebnis, indem es zeigt, daß nicht nachlassende Entschiedenheit, Geduld und Lauterkeit auf seiten der Diener Gottes ihren Lohn mit sich bringen. Es ist lobenswert auf seiten der Regierung Formosas, indem es zeigt, daß sie bereit gewesen ist, frühere Vorurteile fallen zu lassen und Fehler zu berichtigen, die ihre Vorläufer in der Regierung machten.
Es sind nun achtzehn Jahre verflossen, seitdem der erste Eingeborene von Taiwan die Lehren der Bibel von Jehovas Zeugen angenommen hat. Gleich von Anfang an haben sie für die Wahrheit kämpfen müssen. Der erste Prediger der Zeugen Jehovas von Taiwan wurde schon drei Wochen nach seiner Taufe von den Japanern eingesperrt, und seine Geschichte zeigt, daß er während der nachfolgenden zehn Jahre das meiste von seiner Zeit hinter Gefängnismauern und in Folterkammern verbrachte.
Aber er blieb dabei, für die Wahrheit zu kämpfen, und andere schlossen sich ihm im Kampfe an. Er war schwerer als der gewöhnliche Kampf, denn sie hatten keine fleischlichen Waffen zum Schutz vor ihren japanischen Verfolgern. Da sie aber durch das Wort Gottes gestärkt wurden und den Schild des Glaubens und andere von Gott beschaffte Ausrüstung hatten, kämpften sie weiter. Sie erhielten von außerhalb keine Wachtturm-Zeitschriften zu ihrer Hilfe. Sie hatten keine Gemeinschaft mit anderen ihres Glaubens. Alle Gemeinschaft, die irgend jemand von ihnen in diesen ersten zehn Jahren hatte, war eine Woche, die der eine ursprüngliche Prediger von Taiwan mit dem Prediger aus Japan verbrachte, der ihm die Wahrheiten der Bibel zugänglich machte. Jener japanische Prediger wurde später von den japanischen Diktatoren erschossen, weil er es gewagt hatte, ein tätiger Christ zu sein.
Dann zogen die japanischen Herrscher weg, und die chinesische Regierung kam ans Ruder. Jehovas Zeugen auf Taiwan in der Zahl von 300 freuten sich. Sollte damit endlich Religionsfreiheit kommen? Aber ihre Hoffnung war nur von kurzer Dauer. Die örtliche chinesische Polizei griff die falschen Berichte auf, die von den japanischen Diktatoren zurückgelassen worden waren und glaubte sie anscheinend, und so ging die Bedrückung weiter. Acht Gesuche um Anerkennung der christlichen Organisation der Zeugen Jehovas gingen im Schlepptempo durch die behördlichen Abteilungen; achtmal wurden sie abgewiesen.
Aber es gab Änderungen auf Taiwan. Die Nationalistenregierung, die nun so eng mit den Demokratien des Westens verbunden war, nahm westliche Ideen in sich auf. Präsident Chiang gab selbst zu, daß er auf der Hauptinsel Fehler gemacht habe, und daß ein ehrlicher Versuch gemacht werden sollte, sie zu berichtigen. Es wurden Schritte unternommen, Taiwan eine aufgeklärte Regierung zu geben. Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten, die in so vielen orientalischen Ländern Brauch sind, wurden allmählich ausgeschaltet. Und schließlich wurde der Fall der Zeugen Jehovas von neuem erwogen, wodurch beim neunten Versuch die Eintragung ihrer Organisation auf Taiwan Wirklichkeit wurde.
Jehovas treue Zeugen von Taiwan haben achtzehn Jahre lang eifrig um diese Anerkennung gekämpft. Und sie sind auch jetzt emsig tätig. Was tun sie
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