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Die Einheit der christlichen KircheDer Wachtturm 1960 | 1. Oktober
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Persönlichkeit, die durch genaue Erkenntnis erneuert wird nach dem Bilde dessen, der sie schuf, wo weder Grieche noch Jude ist, weder Beschneidung noch Unbeschnittensein, Fremdling, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen.“ Und an die Glieder der Kirche in Galatien schrieb er: „Ihr seid durch euren Glauben an Christus Jesus tatsächlich Söhne Gottes. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen. Da gibt es weder Jude noch Grieche, da gibt es weder Sklaven noch Freie, da gibt es weder Mann noch Weib; denn ihr alle seid einer in Einheit mit Christus Jesus.“ — Kol. 3:9-11; Gal. 3:26-28, NW.
16. Welche Vorbedingung muß erfüllt werden, damit die Kirche eins sei, und erfüllten die ersten Christen diese Bedingung?
16 Die Grundlage für eine ungeteilte Kirche ist Einheit in der Lehre und im Glauben, und solange die Apostel und andere reife Brüder, die mit dem Geiste erfüllt waren, lebten, wurde diese Einheit bewahrt. Als einmal die Neigung bestand, in der Versammlung zu Korinth Sekten zu bilden, ermahnte Paulus sie wie folgt: „Besteht der Christus etwa geteilt?“, und sie alle wurden angespornt, ‚übereinstimmend zu reden und keine Spaltungen untereinander aufkommen zu lassen, sondern im gleichen Sinn und im gleichen Gedankengang fest vereint zu sein‘. Der gemeinsame Glaube schafft eine gemeinsame Kirche, ungeachtet, wer und wo die Gläubigen sein mögen. — 1. Kor. 1:10, 13, NW.
17. Welcher andere Faktor trug zur internationalen Einheit bei?
17 Ein anderer Faktor, der die christliche Einheit befestigte, war die besondere Ansicht über Regierungsfragen, die die ersten Christen hatten. Sie waren kein Teil dieser Welt und ihres politischen Systems, und schon allein diese Tatsache kann viel zur Einheit beitragen. Dennoch betrachteten sie sich nicht als ein Volk ohne Regierung oder ohne einen Herrscher, sondern setzten ihr Vertrauen auf die Hebräischen Schriften sowie auf Jesu eigene Worte, die er in bezug auf sich selbst als den wirklichen König sprach, der ein wirkliches Königreich hat, das eine wirkliche Herrschaft ausübt und ein Heer besitzt, das stark genug ist, um zur bestimmten Zeit alle anderen Königreiche zu vernichten. Sie bekannten sich zu dem übernationalen König, Jesus Christus, als ihrem Herrn und widmeten ihr Leben durch ihn in unerschütterlicher Loyalität dem Königreiche Gottes. Doch blieben sie gehorsame Bürger der Staaten, in denen sie lebten; aber wenn sich die Gebote ihres Herrn und Meisters und jene der Menschen widersprachen, vertraten sie den Standpunkt, daß sie Gott mehr gehorchen mußten als Menschen. Sie handelten auch entsprechend, wie die römischen Cäsaren das feststellten, als sie der Christen Einheit mit ihrem Gott und ihrem König zu zerstören suchten. Sie dachten nicht, das Königreich Gottes sei etwas, das bloß in den Herzen der Menschen wohne, wie das viele, die sich als Christen ausgeben, heute glauben. Indem sie sich von der Welt getrennt hielten und den Blick fest auf das himmlische Königreich richteten und sich durch den Liebe erweckenden heiligen Geist leiten ließen, waren sie „e i n Leib“, wenn auch ein internationaler. — Joh. 17:16; 18:36, 37; Dan. 2:44; Apg. 5:29.
18. (a) Wurden die Ortsversammlungen in der Urkirche durch den Geist geleitet? (b) Weshalb könnte man sich vorstellen, daß sich Schwierigkeiten in bezug auf Entscheidungen ergeben hätten, die die sichtbare leitende Körperschaft in Jerusalem fällte, und entstanden solche wirklich?
18 Da es nur e i n e Organisation gab, konnte es nur e i n e zentrale Verwaltung für die ganze Organisation geben. Unter der Leitung des Geistes waren die Apostel und die reifen Brüder in Jerusalem ein solch sichtbares leitendes Werkzeug oder eine solche Körperschaft. Man erkannte sie als solche an und arbeitete in der weiten Welt bereitwillig mit ihr zusammen. Probleme, die für die Kirche von internationaler Bedeutung waren, wurden der Kirche in Jerusalem gemeldet, damit diese die Entscheidung darüber treffe. Als die Frage der Beschneidung entstand, berief Paulus nicht eine Synode der Versammlungsaufseher von Antiochien und der übrigen Provinz Syrien ein, um die Sache zu entscheiden, noch erwartete er, daß der Geist Gottes die Versammlungen direkt leite, sondern er begab sich zur sichtbaren leitenden Körperschaft in Jerusalem, und nachdem die Angelegenheit unter der Leitung des Geistes, der auf dieser Körperschaft ruhte, dort geklärt worden war, wurde Paulus zu den Versammlungen zurückgesandt, damit er ihnen die Entscheidung bekanntgebe. Dieses Vorgehen rief keine Schwierigkeiten von seiten der Nichtjuden hervor, wie das unter anderen Umständen hätte erwartet werden können. Vom normalen weltlichen Standpunkt aus gesehen, wäre man nicht überrascht zu hören, daß die Griechen Einspruch erhoben hätten, indem sie sich auf ihre stolzen Traditionen aus der Vergangenheit beriefen. Waren schließlich die führenden Historiker, Dichter, Mathematiker und Architekten nicht alle Griechen? War nicht alles, was den Namen Kultur verdiente, sogar im ganzen Römischen Reich in Wirklichkeit griechisch? Oder bei den Römern: Warum sollten die selbstsicheren Bürger der Hauptstadt der Welt auf verachtete Judäer hören, denen manchmal nicht einmal erlaubt war, sich in Rom anzusiedeln? War die Herrschaft über die Welt, die in den Händen der semitischen Rasse gelegen hatte, mit dem Sturze Babylons nicht auf die arische Rasse übergegangen? Warum also sollten arische Römer und Griechen Anweisungen von semitischen, aramäisch sprechenden Juden in Jerusalem entgegennehmen? Konnte man etwa nicht selbständig denken? Nichts in den Berichten weist auf irgendein solch weltliches, nationalistisches und rassisches Denken hin, das wie Termiten an den Wurzeln der christlichen Einheit genagt hätte. Offenbar schauten alle die Sache gleich an wie Paulus, der sagte: „Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen, denn derselbe (Herr) ist der Herr über alle.“ Weit davon entfernt, daß dies Streit verursacht hätte, wird folgendes berichtet: „Als sie nun die Städte durchzogen, teilten sie den dort Wohnenden die von den Aposteln und älteren Männern in Jerusalem gefaßten Beschlüsse zur Beachtung mit. Die Versammlungen wurden daher in der Tat weiterhin im Glauben befestigt und nahmen an Zahl von Tag zu Tag zu.“ — Apg. 15:2, 41; 16:4, 5; Röm. 10:12, NW.
19. In welcher Hinsicht war die christliche Urkirche etwas nie zuvor Dagewesenes?
19 In der Tat, die Kirche war ein Wunder und bildete eine hervorragende Ausnahme in der Geschichte der Menschheit, eine internationale Organisation, aber gekennzeichnet durch „e i n Herz und e i n e Seele“, durch den „gleichen Sinn“ und „gleichen Gedankengang“; denn da war ‚e i n Leib, e i n Geist, e i n e Hoffnung, e i n Herr, e i n Glaube, e i n e Taufe, e i n Gott und Vater‘. (Apg. 4:32; 1. Kor. 1:10; Eph. 4:4-6, NW) Das war etwas nie zuvor Dagewesenes, nämlich ein echtes Produkt des Geistes Gottes. Bestimmt hatte Jehova Jesu Gebet um die Einheit der christlichen Kirche erhört! — Joh. 17:20-23.
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Das Merkmal des GeistesDer Wachtturm 1960 | 1. Oktober
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Das Merkmal des Geistes
„Ein neues Gebot gebe ich euch, daß ihr einander liebt; so wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ — Joh. 13:34, 35, NW.
1. (a) Warum kann logischerweise erwartet werden, heute in der Welt die Einheit der Christen in Erscheinung treten zu sehen? (b) Von welchem Nutzen wäre es für uns, wenn wir diese Einheit fänden?
FÜR Jesus waren die Einheit und Liebe unter seinen wahren Nachfolgern etwas Einzigartiges, etwas, das sie von allen anderen unterschied, etwas, das für die ganze Welt ein besonderes Zeichen war und bewies, daß so, wie er vom Vater gesandt worden war, auch sie von ihm ausgesandt worden waren. Weil Jesus betete, daß seine künftigen Nachfolger in die christliche Einheit gelangen möchten, und verhieß, daß der Hades seine Versammlung „nicht überwältigen“ werde und daß er selbst „alle Tage bis zur Vollendung des Systems der Dinge“ bei ihr sei, kann logischerweise erwartet werden, daß der Welt heute dieses besondere Merkmal vor Augen treten und als eines der Anzeichen dienen würde, die
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